Stadtquartier "Am Römerhof" (geplant)

  • Habt ihr schon mal von einer "Wiederholungsplanung" gehört? Ich auch nicht. Das ist der neuste Clou aus dem Hause der Bildungsdezernentin und der Begriff bezieht sich auf das anstelle der gegenwärtigen Containerburg benötigte Gymnasium Römerhof. Für 103 Millionen Euro soll, wenn ich die heutige Mitteilung richtig verstehe, ein Bau ähnlich wie das Provisorium für das Adorno-Gymnasium an der Miquelallee erichtet werden. Angeblich auf Wunsch der Schulgemeinde und ebenfalls nach Planung des Architekturbüros Marg Gerkan & Partner. Doch was am Alleenring noch als Übergangsquartier deklariert war, wird am Römerhof kurzerhand zum "endgültigen Neubau" erklärt. So geht sie also, die "Schulbauoffensive" der Stadt. Schon erstaunlich, was Not gebiert.

    Information zum Interimsstandort für das Adorno-Gymnasium gibt es hier. Fotos aus dem Jahr 2019 (das damals neue Holz war noch nicht verwittert):

    Bild: https://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/4057_adorno-gymnasium_miquelallee_160.jpg      Bild: https://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/4058_adorno-gymnasium_miquelallee_160.jpg

    Bilder: Schmittchen


    Entwurf für den Römerhof:

    gymnasium_roemerhof_1042.jpg
    Bild: gmp International GmbH / Stadt Frankfurt am Main

  • Nicht überraschend. Die Modernisten bzw. die Architekten der Stadt wollen anscheinend kein zweites Nordend entstehen lassen, obwohl die Mehrheit der Menschen klassische Architektur bevorzugen. Sie, die Modernisten, bevorzugen wahllos platzierte Grünflächen, schiefe Straßen, undefinierte Plätze, keinen Kommerz (Amazon ist besser ^.^ ), am liebsten keine Blockrandbebauung und auf jedem Falll keine klassische Architektur.. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass die ursprünglichen, dicht und klassisch orientierten Konzepte von Christoph Mäckler für das Rebstockviertel von Stadt und Wohnbaugesellschaft stark verwässert wurden. Ein Stadtteil nach dem Nordend-Prinzip passt einfach nicht in das modernistische Stadtkonzept. Als nächstes werden die versuchen einen „Kompromiss“ zwischen Mäcklers Ambitionen und der Stadt/Politik zu finden und am Ende würde dann wieder ein Viertel entstehen, das so wirkt wie der Rebstock oder das Europaviertel ohne echte städtische Dichte, kleinteiligen Einzelhandel oder lebendige Plätze. Ein Stadtteil, der eher wie ein Vorort wirkt, obwohl er mitten in der Stadt liegt.

    Das ganze erinnert mich ein wenig an die Diskussionen vor dem Bau der neuen Altstadt in Frankfurt, modernisten gegen Befürworter klassischer Architektur.

    Wir brauchen jetzt dringend ein überzeugendes Beispiel dafür, wie man heute mit klassischen Prinzipien eine bessere Stadt bauen kann als mit den modernistischen Ansätzen.

    ...aber mal schauen, vielleicht lässt sich die Stadtspitze, falls sich Mäckler komplett querstellt und mit Trommelwirbel in den Medien ordentlich Druck macht, endlich überzeugen, mal etwas wirklich Gutes und demokratisches für die Stadt zu tun, diesmal ohne Kompromisse!

  • Damit wir alle vor Augen haben, worüber Mäckler sich beklagt, eine Gegenüberstellung:

    Das ursprüngliche Konzept Mäckler

    rebstock_neu9ajc5.jpg

    Der am 29.1.2026 beschlossene B-Plan Nr. 936

    B_936.jpg

    Grafik: Stadt Fankfurt, Planas

    Ich kann Mäckler irgendwie verstehen, von wegen "kleine Änderungen"...

  • Dekoratives Anführungszeichen

    ... Sie, die Modernisten, bevorzugen wahllos platzierte Grünflächen, schiefe Straßen, undefinierte Plätze, keinen Kommerz (Amazon ist besser ^.^ ), am liebsten keine Blockrandbebauung und auf jedem Falll keine klassische Architektur ...

    Manchmal bin ich mir wirklich nicht ganz sicher, ob Du real bist und das auch wirklich glaubst was Du so schriebst oder ob es such ledilgich um einen Chatbot handelt, der versuchen soll uns von der ungeheuerlichen Verschwörung der Modernisten zu überzeugen. Sie, die Modernisten, klingen echt schlimmer als das Imperium – voller Heimtücke und mit voller Absicht machen sie, die Modernisten, immer genau das, was der Rest der Menschheit nicht will. Verrückt.

    Nun aber mal zurück zum Thema. Die Art der Wohnbebauung sollte, wenn ich das recht verstanden habe ja gar nicht grundlegend verändert werden. In dem Faz-Artikel ist lediglich die Rede davon, dass die Stadt nachträglich (ohne Mäcklers Wissen) das Parkhaus aus dem inneren des Viertels, von der Wohnbebauung weg an den Rand neben eine Schule verlegt hat.

    Es ist natürlich nicht sehr schön, wenn man so ein Großprojekt gemeinsam ausarbeitet und diverse Male abstimmt und dann die Stadt im Nachgang mit einem anderen Büro grundlegende Änderungen vornimmt ohne jemanden zu informieren. Da wäre ich auch nicht gerade erfreut und ich kann verstehen, dass er sich da ärgert. Zumal es anscheinend ja auch so gar nicht in seinem Sinne überarbeitet wurde.

    Welchen Anteil daran jetzt allerdings die Modernisten (sie) haben sollten und wie das geschah, habe ich noch nicht so ganz verstanden!?

  • Modernistenkomplott! Da ist es wieder: das diabolisch-konspirative Zusammenwirken der „Modernisten bzw. Architekten“ dieser Stadt. So hinterhältig!

    Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass du das alles ernst meinst. Du meinst das doch nicht ernst, oder?

  • Okay, jetzt wo ich die Pläne gesehen habe (mein Kommentar und der von tunnelklick hatten sich zeitlich überschnitten – btw. Danke für das anschauliche Kartenmaterial), muss ich zumindest mal mal zugeben, da man da beileibe nicht von einer kleinen Anpassung sprechen kann. Das ist echt keine schöne Entwicklung – zumindest nicht auf den ersten Blick via Kartenmaterial. Da wäre ich auch sauer.

    MIt einer fiesen Verschwörung von ihnen, den Modernisten, hat's vermutlich trotzdem nichts zu tun. 8o

  • Ein, wie ich meine, wichtiges Detail steht hinter der Paywall des oben verlinkten FAZ-Artikels: Das Stadtplanungsamt hat ein ganz anderes Büro beauftragt, den Entwurf des Bebauungsplans zu erstellen. Nämlich AS+P Albert Speer + Partner. Davon wurden Mäckler Architekten noch nicht einmal informiert. Das kann man schon als starkes Stück ansehen – oder eben als Affront.

  • sweet_meat und Ffm-Süd: Falls ihr es noch nicht bemerkt habt seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es einen klaren Bruch in der Architektur. Das was davor gebebaut wurde (klassisch) und das meiste danach (modernistisch). Das ist doch kein Geheimnis. Die Mehrheit der Menschen empfinden die klassische Architektur als deutlich angenehmer als das, was danach kam, wie Brutalismus oder Funktionalismus etc pp. Beim Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt waren es vor allem städtische Architekten, die gegen Rekonstruktionen waren und stattdessen modernistische Lösungen bevorzugten und sich damit auch durchgesetzt haben. Daher Modernismus gegen klassik - das ist kein Komplott. Und genau darum geht es hier wieder. Es soll ein Stadtteil entstehen, der sich stärker an klassischen Prinzipien orientiert: dichter, kleinteiliger, klarer gegliedert, mit mehr Feingefühl für Räume wie kleine Plätze. Wenn man sich die jüngsten Planungsänderungen von Tunnelklick anschaut, wirkt der neue Vorschlag schon weniger filigran und definiert als der ursprüngliche Ansatz und so fängt die Verwässerung an. Ich bin mir sicher, dass es hier erneut Widerstand geben wird, vor allem von Architekten, die einem modernistischen Ansatz folgen und entsprechend anders planen. Mäckler ist ein Architekt, der versucht, klassische Prinzipien wiederzubeleben, und wird sich dabei leider mit den Modernisten auseinandersetzen müssen.

  • Die Frage ist doch wie man klassisch definiert? Ist es die Architektur der Gründerzeit oder die Siedlungen von Ernst May? Beides vor dem zweiten Weltkrieg entstanden, beides sehr verschieden und doch für ihre Zeit prägend.

  • Na der völlig überschätzte Ernst May, der das schöne und kaum zerstörte Wiesbaden praktisch dem Erdboden gleichmachen wollte für seine fürchterlichen Ideen, zählt sicherlich nicht mehr zu "klassisch". Da hat Fettucine sich ziemlich missverständlich ausgedrückt. Der Bruch begann bereits kurz nach dem ersten Weltkrieg mit dem Bauhaus. Bereits da wollte man nichts mehr von klassischen Entwurfsprinzipien und der über Jahrhunderte weiterentwickelten Bautradition wissen, sondern das Rad komplett neu erfinden, mit vielfach auch entsprechend unschönen und unpraktischen Lösungen.

    Allerdings hat WW1 in Deutschland kaum Zerstörung hinterlassen, so dass das Bauhaus weitgehend auf Neubaugebiete beschränkt blieb, und selbst da nur Teilflächen ausfgefüllt hat. Zeitgleich wurde ja auch zB im deutlich besser zum althergebrachten Bauerbe passenden Heimatschutzstil gebaut.

    Erst beim sogenannten "Wiederaufbau" der durch Bombenterror zerstörten deutschen Städte ist dann fast allerorts hauptsächlich auf mit dem Bauhaus sozialisierte Architekten zurückgegriffen worden (die aber nichtmal ansatzweise mehr an die in geringem Maße zumindest auch beim Bauhaus noch vorhandenen Qualitäten herankamen), denen wir auch das in weiten Teilen furchtbare Stadtbild der meisten Großstädte zu verdanken haben.

    Und aus dieser Denke sind viele Architekten (werden ja bereits an den Unis entsprechend indoktriniert, klassische Entwurfsideen werden den Studenten wie man hört von den meisten Professoren systematisch ausgetrieben) bis heute nicht herausgekommen. Und den bis heute so hauptsächlich in Verantwortung sitzenden Lokalpolitikern von ganz links bis weit in die FDP und CDU scheint das Stadtbild sowieso komplett egal zu sein.* Von denen kam ja nur selten Kritik an den seelenlosen Planungen, wenn überhaupt dann aus dem linken Lager weil es noch nicht schlimm genug ist mit Sozialwohnungsquote, Gestrüpp an der Fassade, etc.

    Und das sieht man dann halt auch hier. Der Bebauungsplan ist ja nur noch ein schlechter Witz und hat überhaupt nichts mehr mit Mäcklers Planungen gemein. Dass das Parkhaus an die A5 gehört, als Sicht- und Schallschutz, und attraktive P+R-Gelegenheit, da bin ich auf Seiten der Stadt. Aber aus welchem Grund wird sogar der Ostteil des Quartiers derart sinnentstellend umgeplant?


    * Den zumindest teilweisen und auch nicht durchweg gelungenen Wiederaufbau der Altstadt zB verdanken wir hauptsächlich den BFF, und hier insbesondere Wolfgang Hübner. Und es war zeitlich günstig, dass ausgerechnet zu jener Zeit Jörg Ott sein virtuelles Altstadtmodell gebaut hat, und Dominik Mangelmann von der Offenbacher CDU für den selben Bereich für seine Abschlussarbeit die Rekonstruktion als Thema hatte. Erst dadurch kam die Stadtpolitik, die damals noch der Meinung war die furchtbaren Klötzer von KSP würden dort gut hinpassen, mit Wiederaufbauideen in Kontakt die zumindest einige der wichtigen Leute in der CDU auch umgestimmt hatten. Aber auch dann noch waren dicke Bretter zu bohren, auch innerhalb der CDU und FDP, von den linken Parteien die mehrheitlich bis heute dagegen sind, ganz zu schweigen.

  • ole, soweit man es versteht, war der Ansatz eher kein Ernst-May-Modell, sondern wie im FAZ-Artikel beschrieben eher in Richtung eines dichten, nordendartigen Stadtteils gedacht. Die Ernst-May-Siedlungen waren eher aufgelockerte, funktional geplante Randbebauung und damit etwas ganz anderes als ein dichter, klassischer Stadtteil wie das Nordend. Ernst May gehörte zudem zum frühen Modernismus.

  • Aber die Frage die sich mir stellt ist, warum bleibt die Stadt nicht bei dem Mäckler Entwurf? Dieser ist ja nicht nur hier im Forum positiv aufgenommen worden. Aus welchen Gründen hat man sich denn dafür entschieden, den Entwurf so zu überarbeiten?

    Mit rein ideologischen Gründen (Bauhaus vs. Klassik etc.) lässt es sich doch nicht erklären. Gibt es nicht noch andere mögliche Ursachen bspw. baurechtliche oder sonstige Vorgaben? Und warum hat man sich bei der Stadt Frankfurt nicht für eine enge Zusammenarbeit mit Mäckler entschieden bei der weiteren Planung?

  • Dazu kommt noch, dass die Albert Speer + Partner GmbH aus meiner Sicht keinen besonders überzeugenden Track Record hat, wenn es um städtebauliche Konzepte geht, Stichwort Europaviertel. Das macht einen nicht gerade optimistisch, dass sie jetzt involviert sind. Der Grundansatz vom Europaviertel war eigentlich gar nicht schlecht, ein großer Boulevard und ein zentraler Park als Rückgrat des Viertels. Entscheidend sind am Ende die Details gewesen und genau dort hat es aus meiner Sicht nicht funktioniert. Heute wirkt das Viertel über weite Strecken leblos, kaum Kleinteiligkeit, wenig urbanes Leben, dazu eine eher monotone, modernistische Architektur. Vieles erscheint überdimensioniert geplant. Das geschlossene Einkaufszentrum und die oft wenig aktivierten Straßenräume drumherum tragen ebenfalls nicht gerade zur Belebung bei. Das sind alles typische modernistische Merkmale. In dieser Form überzeugt das Gesamtbild für mich nicht. Vielleicht haben sie ja inzwischen dazugelernt? Aber genau darum geht es ja: Mäckler will es diesmal einfach richtig machen. Es geht mehr um die Details und das Feingefühl. Vielleicht sollte die Stadt ihm dafür auch die Chance geben.

  • Ich sehe an der Mäckler'schen Struktur ein Manko darin, dass man für so viele Gebäudeflügel eine große Zahl an Treppenhäusern braucht. Das ist viel umbauter Raum für wenig(er) Hauptnutzfläche; ich würde annehmen, dass dies den Preis treibt pro m² Wohnfläche. Die kleinen Höfe müssen wegen der Rettungswege befahren werden können, d.h. die Randgebäude brauchen Durchfahrten oder Durchgänge, was zu Lasten der EG-Nutzflächen geht. In Zeiten, da den Bauträgern die Baupreise weglaufen, wird die ABG, die es am Ende richten soll, schon auf Wirtschaftlichkeit geachtet haben. Stadtbaukunst ist das eine, und Wohnungswirtschaft das andere.