Notre-Dame brennt

  • Möglicherweise habt ihr schon erfahren, dass die weltberühmte Kathdrale von Paris Notre Dame in Flammen steht. Es sind gerade wirklich erschütternde Bilder in den Nachrichten zu sehen. Hoffen wir, als Architektur- und Kulturliebhaber, dass das Gebäude nicht vollständig zerstört wird. Zum Glück sind bislang, soweit bekannt, keine Menschen zu schaden gekommen.











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    Mod: Beiträge aus zwei Strängen zusammengeführt.

  • ^ Ja, könnte heulen. Dachstuhl und Vierungsturm sind verloren. Hoffentlich hält das Gewölbe – sonst wird das die größte kunsthistorische Katastrophe, die Europa seit dem Krieg erlebt hat.

  • Wirklich furchtbar. Mich hat diese Nachricht heute sehr erschüttert. Hoffen wir das es nicht noch schlimmer kommt als es eh schon ist.
    Aktuell sagen die Nachrichten dass das Dach zwar eingestürzt ist, aber die Feuerwehr optimistisch sei dass die Struktur selbst gerettet sei.

  • Es ist ja nicht irgendeine Kirche, sondern das historische, kulturelle, literarische Herz der Stadt Paris, wenn nicht ganz Frankreichs. Wenn der Eiffelturm zusammenfallen würde wäre das nicht halb so dramatisch wie diese Katastrophe.


    Es scheint zumindest so, als ob ein Großteil der Gewölbe standgehalten hätte, ebenso wie alle Außenmauern. Man wird sehen, wie die Innenausstattung insgesamt davongekommen ist. Die wichtigsten Kunstschätze wurden wohl geborgen. Bislang gibt es aber zum Beispiel noch keinerlei Aussagen zum Zustand der historischen Glasfenster, insbesondere der drei Fensterrosetten im Querschiff und am Westwerk. Zumindest die im Querschiff dürften wohl verloren sein.


    Ohne den Einsatz der Feuerwehrleute wären die Schäden mit Sicherheit noch erheblich gravierender gewesen, so wurde stundenlang um den nördlichen Turm (beffroi nord) gekämpft, der ebenfalls Feuer gefangen hatte. Wäre es zu einem Zusammenbruch des hölzernen Glockenstuhls und des Absturzes der Glocken gekommen, wäre der Einsturz wohl nicht vermeidbar gewesen.


    Und dennoch steht die Aussage von Emmanuel Macron aus dieser Nacht:


    « Cette cathédrale, nous la rebâtirons! »


    Der Wiederaufbau wird schnell vonstatten gehen, dessen darf man sich angesichts der Bedeutung des Bauwerks wohl sicher sein. Äußerlich wird ziemlich schnell nichts mehr an die Katastrophe erinnern.


    Der kulturhistorische Verlust wird dennoch immens bleiben, besonders den Dachstuhl aus dem 13. Jahrhundert kann nichts ersetzen. Bei franceinfo äußerte ein Architekt der Monuments historiques schon, dass man sich eine Lösung wie in Reims vorstellen könnte, wo der im Ersten Weltkrieg zerstörte Holzdachstuhl durch Stahlbetonelemente ersetzt wurde.

  • La flèche

    Wer sich noch einmal zu dem pulverisierten Dachstuhl und den Dachreiter Viollet-le-Ducs etwas näher informieren will: Die offizielle Webseite von Notre-Dame de Paris bietet (noch) entsprechende lesenswerte Artikel.


    Für die nicht der französischen Sprache mächtigen Interessierten vielleicht folgende inhaltliche Kurzfassung:


    La forêt, der Wald, wurde umgangssprachlich die mächtige hölzerne Dachkonstruktion des Haupt- und Querschiffs genannt. Original aus dem 13. Jahrhundert stammten dabei die Konstruktionen über dem Chor und dem Mittelschiff. Der Dachstuhl des Querschiffs wurde unter Viollet-le-Duc MItte des 19. Jahrhunderts erneuert.



    http://www.notredamedeparis.fr…rchitecture/la-charpente/


    Auf dem Dachstuhl lag die bleierne Dacheindeckung aus 1326 Bleiplatten von 5 Millimetern Dicke, insgesamt von einem Gewicht von 210 Tonnen. Da sich das Blei wohl kaum in Luft aufgelöst haben dürfte, wird die Entfernung der Bleischmelze sicher eine der schwierigeren Aufgaben des Wiederaufbaus werden.




    Die flèche aus dem 19. Jahrhundert stützte sich nicht auf "la forêt", sondern wurde auf einer oktogonalen Plattform errichtet, die wiederum auf den Vierungspfeilern aufsaß. Eine Erklärung für die dortigen Gewölbeschäden? Interessant dürften auch noch die im Artikel angegebenen Basisdaten des verlorenen Türmchens sein, das in der Realität die beiden nie fertiggestellten beffrois der Westfassade deutlich überragte:


    500 Tonnen Holz
    250 Tonnen Blei
    93 Meter Höhe


    http://www.notredamedeparis.fr…e/architecture/la-fleche/


    Nach Aussagen des Premierminsters Eduard Philippe ist ein Architektenwettbewerb zur Wiederherstellung geplant, der insbesondere den Dachreiter betrifft. Es ist also nicht auszuschließen, dass hierfür eine "zeitgenössische" Lösung gewählt wird. In meinen Augen eine eher besorgniserregende Vorstellung...


    Der Verlust ist also allein der Dachlandschaft wegen nicht zu beschreiben, auch wenn die eigentliche Struktur der Kathedrale in Anbetracht der Umstände recht gut davongekommen zu sein scheint.


    Mit etwas Abstand kann man die Dinge nun etwas besser einordnen. Mich persönlich hat die Katastrophe sehr getroffen, verbinde ich mit Notre-Dame de Paris doch eine ganze Menge persönlicher Erinnerungen und habe die Kirche viele Male besucht, auch als man für eine Besichtigung noch nicht Schlange stehen musste. Ich teile daher die überschäumenden Gefühle der meisten Franzosen, auch wenn hierzulande eher die typisch teutonisch-nüchterne Einstellung "Es ist ja nur eine Kirche" oder "Die sollen sich nicht so haben" oder "Das passt dem Macron ja sehr gut ins Kalkül" vorzuherrschen scheint.


    Es gibt in ganz Deutschland jedoch nicht ein einziges Bauwerk, dessen emotionale Bedeutung auch nur annähernd an das heranreicht, was Notre-Dame für die Pariser und für alle Franzosen bedeutet.


    Fluctuat nec mergitur !

  • Der Verlust des Dachstuhles ist in jedem Fall sehr tragisch. Ich wüsste nicht, ob es in Deutschland überhaupt noch einen vergleichbaren Dachstuhl aus dem 13. Jahrhundert gibt. Mir fallen nur die (natürlich kleinere) Elisabethkirche in Marburg und die Predigerkirche in Erfurt ein, die zumindest überm Chor einen Dachstuhl aus dieser Zeit besitzt.

  • Der Verlust ist extrem tragisch und macht mich sehr betroffen. Ich war 2 mal in meinem Leben in diesem Gebäude und auch wenn ich mit Religion so gar nichts anfangen kann der Ort und das Gebäude selbst hatte etwas absolut Magisches. Davon abgesehen ist oder war der Bau einfach wunderschön!


    Was mir so gar nicht in den Sinn will ist aber die Begründung welche durch die Medien geistert warum es hier überhaupt brannte. Erst war von Renovierungsarbeiten und Funkenflug beim Schweißen die Rede dann von einem Kurzschluß.


    Das ist aber doch beides absolut Unglaubwürdig, 800 Jahre altes Eichen Holz ist wie versteinert das fängt nicht an zu brennen wenn ein paar Funken dagegen schlagen, das geht nur mit massiven Einsatz von Brandbeschleuniger, das wird auch jeder Experte der sich mit so altem Holz auskennt bestätigen, noch unglaubwürdiger ist die Aussage es wäre ein Kurzschluß gewesen, welche Kabel sollen da oben unter dem Dach denn gelegen haben in einer Gotischen Kathedrale? oder welche elektrischen Geräte die so etwas auslösen gekonnt hätten. Auch hier muß man sagen selbst wenn der Kurzschluss direkt auf dem Holz passiert wäre, das hätte nicht so einfach gebrannt. Ich habe mal vor Jahren versucht in meinem Ofen 100 Jahre altes trockenes Holz aus ner Bauruine zu entzünden, das war Schwerstarbeit das zum Brennen zu bekommen und das ging auch nur mit massivem Einsatz von Entflammungshilfen, da kannst 10 Minuten das Feuerzeug daran halten das brennt Null! Davon abgesehen hat sich das Feuer entgegen der Windrichtung ausgebreitet was ja auch nicht wirklich normal ist und das noch in einer Geschwindigkeit die noch weniger Normal ist.


    Es gibt zwischenzeitlich auch ein angebliches Interview mit Benjamin Mouton, ehemaliger Chefarchitekt von Notre Dame dazu der eine ähnliche Meinung vertritt. Allerdings ist mir der YouTube Chanel etwas suspekt da es sich dort doch alles etwas nach rechter Verschwörungstheorie anhört. Und das die Erde ne Scheibe ist fällt halt nicht so unbedingt in meine Denkstruktur.


    Sollte also irgendwer seriöse Informationen habe wie es hier nun wirklich zu diesem tragischen Feuer kam wäre ich dankbar wenn er diese teilen könnte.

  • Ich bin natürlich kein Brandursachenforscher, aber: elektrische Fehlfunktionen, wozu auch Kurzschlüsse zählen sind die häufigste Brandursache, über 30% aller Brände werden durch Elektrizität hervorgerufen.


    Nehmen wir mal an, durch Hitze und Kälte unter einem Bleidach wird eine PVC-Isolierung über die Jahrzehnte mürbe, vielleicht gabs auch noch alte textilummantelte Kabelstrecken; durch Korrosion versagt eine Halterung, elektrische Teile (Verteilerdosen, Fassungen und was noch alles) können sich bewegen, eine Stelle wird über einen langen Zeitraum blank gescheuert; irgendwann versagt die isolierende Wirkung, es entsteht Funkenflug, der den Rest der Isolierung in Brand setzt. Ein Jahrhunderte alter Dachstuhl ist nicht hermetisch dicht und besteht nicht nur aus Holz; Spinnweben, Staub, Vogelkot, eingetragenes botanisches Material lagert sich ein und bildet eine im ganzen Dachstuhl verbreitete, knochentrockene, leicht entzündliche Brandlast. Durch den Funkenflug eines Kurzschlusses kann ein Glutnest entstehen, das durch den Luftzug im Gebälk angefacht wird. Es entsteht Hitze, die nicht entweichen kann; die Hitze lässt das PVC der Kabel schmelzen und ausgasen. Bei Temperaturen über 100 °C beginnt die thermische Zersetzung des Holzes. Diese Temperaturen erreichen die Funken aus einem Kurzschluss ohen weiteres. Etwa ab 230 °C entflammt das Holz, ab 260 °C brennt es auch ohne äußere Wärmequelle und ab 400 °C entzünden sich die Holzgase selbst. Dann geht alles sehr, sehr schnell ...


    Ist nur eine Spekulation, aber ein nicht unrealistisches Szenario.

  • Die Idee mit dem Glasdach finde ich gar nicht so schlecht, allerdings nicht das Bunte, das ist kitschig, den Spitzturm in der Mitte wieder originalgetreu aufzubauen wäre mir auch wichtig, ansonsten gerne das Glasdach statt der alten Abdeckung, auch gerne mit kleinen Bäumchen und Wandelgang im Grünen dazwischen. Jesus würde sich über etwas blauen Himmel und Botanisches Leben in seinem Haus bestimmt auch freuen.


    Überhaupt muss man nicht immer alles Originalgetreu aufbauen, das Haus hat nun mal gebrannt und das ist nun auch Teil der Geschichte, also warum nicht was modernes hinzufügen das zu der Zeit der Erbauung so technisch wohl noch nicht möglich war. Und Glas und alter Stein beißt sich meiner Ansicht nach nicht, wenn man es richtig macht!


    Irgendwie musste ich auch direkt an die Glaspyramide im Louvre denken, die steht auch in einer wunderschönen historischen Anlage und ergänzt diese perfekt.