Rekonstruktion Karstadt am Hermannplatz

  • Wer diesen Bau verhindet, ist selbst schuld. Es ist meiner Meinung nach eines der spannendsten und bemerkenswertesten Projekte der letzten 20 Jahre in Deutschland. Wer so ein Angebot ausschlägt, dem ist nicht mehr zu helfen.


    Klar, der Investor ist jetzt kein Gutmensch, der die Stadt mit etwas beschenken will, sondern er verfolgt knallharte wirtschaftliche Interessen. Aber es gibt so Projekte, wo es trotzdem eine win-win-win Situation für alle ist.


    Der Investor bekommt mehr Fläche, die Bewohner ein breites Angebot an Waren und Dienstleistungen und die Stadt ein architektonisches Unikum.


    Wenn man das wirklich jetzt zerredet, dann verzweifel ich langsam an unserem Land.

  • ... ich gehe mal davon aus, dass der Baustadtrat Schmidt hier eifrig mitliest und somit einen weisen Entschluss treffen wird ... ähnlich dem den er auch am Hafenplatz getroffen hat, nachdem wir hier ein wenig Rabatz gemacht haben ;-)


    Der gute Stadtrat ist eher dafür bekannt das er sich auf Twitter dafür hämisch freut, dass die neue "überflüssige" Shopping Mall "Eastside" keinen Zugang für Fußgänger von der Warschauer Brücke bekommt.


    Was will man von so jemanden denn erwarten?

  • Wenn ich den oben verlinkten Tweet zeichnerisch ausdrücken müsste, dann würde ich einen Politiker mit verschränkten Armen, hängenden Mundwinkeln und einer hochgezogenen Augenbraue zeichnen.


    Politik hat nach meinem Demokratiebegriff die Aufgabe zu moderieren, zu vermitteln und allen dabei gleichermaßen zu dienen. Nicht nur Privatpersonen oder Klientelen, sondern auch der Wirtschaftsentwicklung und Unternehmen. Repräsentative Demokratie eben.


    Das ist es was wir von Politikern immer neu einfordern müssen.


    Wenn ein Lokalpolitiker nach erfolglosen Versuchen der Moderation die Arme verschränkt und ablehnend reagiert, dann ist das etwas ganz anderes. Aber von vorneherein ist das nicht akzeptabel.


    In Berlin habe ich oft das Gefühl, dass die Lokalpolitik sehr wohl weiss, wie prekär es um den Wirtschaftsstandort Berlin steht. Und aus Trotz wird das dann überspielt, als könne man es sich leisten Investoren abzuweisen um zu beweisen wie souverän man politisch doch sei. Selbst zu der gigantischen Investition von Siemens in der Siemensstadt äußerte sich die Politik nicht begeistert, sondern musste sich von einer ungeduldigen Öffentlichkeit dazu drängen lassen dem Projekt wenigstens nicht von Anfang an verschränkte Arme zu zeigen, sondern Siemens die Investition andienen zu lassen. Dass man von Siemens nicht erwartet hat, dass der CEO vor laufenden Kameras auf Knien rutschend darum bettelt Geld in Berlin investieren zu dürfen war auch alles. Dass das Rote Rathaus die Siemensstadt zur Chefsache machte hielt man scheinbar auch lange für "unter dem Niveau" des Regierenden. Da gibt's doch wichtigeres in Berlin. Der Eindruck wurde zumindest öffentlich vermittelt und auf den ersten Eindruck kommt es bzgl. Investitionsklima an. Und dann jammert Berlin wieder, dass vor 100.000 Jahren Siemens nach München abgewandert sei und halt historisch Pech hatte und deswegen bis in alle Ewigkeit Milliarden Finanzausgleich aus Bayern verdient habe, wir armen können ja nichts für unser hartes Schicksal an der Spree...jetzt habe ich mitgepoltert. Dankeschön.


    Und wie ist eigentlich Bürgerteilhabe, Kompensation, Aufwertung Wohnumfeld + Auswirkungen auf Gewerbe + Ökologie gedient, wenn am Ende die Investition ausbleibt und am Bestand eine Sparlösung umgesetzt wird, für die es keine politische Unterstützung braucht? Pinselrenovierung, der Karstadt wird trotzdem mit Trockenmauern im Bestandsbau verkleinert und in die unattraktiven Räumlichkeiten des Bestandsgebäudes kommen dann halt Wettbüros und 1 Euro Shops?! Die Grundhaltung muss doch sein, dass diese Investition ein Grund zum Feiern für diesen Bereich ist. Städtebaulich und wirtschaftlich.

  • Einige müssen hier natürlich wieder ihr übliches peinliches Gepolter auf Stammtischniveau bringen.
    Es dürfte klar sein, dass so ein Projekt diverse planungsrechtliche Hürden nehmen muss.


    Das sehe ich gemischt. Manche der Kommentare sind durchaus etwas flach. Den Tweet von Herrn Schmidt sehe ich jedoch auch bereits als "Poltern auf Stammtischniveau" und als Stein des Anstoßes. Nein, er MUSS nicht klarstellen, wo das Planungsrecht liegt. Er WILL - und das mE völlig unnötig. Hinzu kommt, dass er einen ebenso unnötig aggressiven Duktus benutzt (ohne ... geht hier gar nichts). Oder dass er nur Hürden aufzählt (teils offensichtliche wie einen B-Plan, teils plausible wie die Abstimmung mit dem Umfeld/ restlichen Einzelhandel und teils etwas merkwürdige bzw schräg formulierte wie "Kompensation"). Das klingt nun wirklich nicht sachlich, neutral, ergebnisoffen - um mal nur das Mindestmaß des Erwartbaren zu nennen. Eine gewisse Begeisterung für derartig ambitionierte Investorenpläne kann man natürlich nicht erzwingen. Im benachbarten Neukölln ist man aber trotz vieler Hürden vor Freude im Dreieck gesprungen, als Streletzki seine Pläne mitgeteilt hat. Da hängt ja auch für die normale Bevölkerung immer eine Menge an Wirtschaftseffekten dran, von Bauarbeitern, Putzfirmen usw. bis hin zu zusätzlicher Frequentierung von Imbissen, Kiosken etc. Solche Projekte binden bspw auch Kaufkraft (u.a. durch Tourismus, was volkswirtschaftlich wie ein Export wirkt).


    Man muss letztlich nur dafür sorgen, dass die vielen arbeitslosen Menschen in dem Umfeld auch daran partizipieren (z.B. indem sie qualifiziert werden). Inzwischen sieht man, wie die Mieten selbst in einfachen Lagen immer weiter steigen und die Politik mit allen Maßnahmen machtlos dagegen scheint. Im Gegenteil wirken sie oft regelrecht wie in Starre oder voll Trotz und versuchen, überall die Käseglocke drüber zu halten. Die Strategie wird mE scheitern. Die gesamte Haltung ist in meinen Augen schon völlig falsch, weil man den Menschen damit nur Illusionen macht und eine Stärke vermittelt, die man gar nicht besitzt. Und die Mittel, die man tatsächlich hätte, um Menschen wirklich mitzunehmen und soziale Härten abzufedern (allem voran eine starke Bildungspolitik aber auch eine kluge, offensive Baupolitik), bekommt die Politik seit Jahren, teils Jahrzehnten nicht gebacken.


    Ich würde mich freuen, wenn's was wird, würde die Realisierungswahrscheinlichkeit aber nur mit 5 - 10 % ansetzen.


    Mit der Einstellung der Politiker sehe ich die Wahrscheinlichkeit eher gegen Null tendieren (wobei es vielleicht auch nur ein Sturm im Wasserglas als Profilierung vorm Wähler war oder eine vermeintlich strategisch günstige Positionierung vor den Verhandlungen á la Trump). Auch das Estrel-Projekt hätte es unter solchen Politikern niemals gegeben...

  • ^
    Ist dieser Baustadtrat denn überhaupt schon ein mal mit irgendetwas positiv-neutral in Erscheinung getreten.


    Bisher entnimmt man stets nur provozierende und "Investorenfeindliche" Statements über die sich lediglich eine kleine Minderheit hämisch freut, jedoch ne Menge Aufmerksamkeit erzeugt. Im Marketingsprech -> Reichweite.
    Das war's dann aber auch schon. Denn diese Reichweite ist in der heutigen digitalen Zeit ja sehr schnelllebig.


    Das Schlimme ist: selbst wenn der Senat die Zuständigkeit an sich reissen würde...die dafür zuständige Senatorin dürfte einen ganz ähnlichen Vorbehalt haben.

  • .. voll Trotz und versuchen, überall die Käseglocke drüber zu halten. Die Strategie wird mE scheitern. ..


    Schau dir mal ganz nüchtern die Zahl der Posts - zumal mit Bildern - bezüglich BV in Kreuzberg hier im DAF an: sie ist im Lauf der Jahre massiv auf annähernd null gesunken.
    Motto: bloß keine Veränderungen, höchstens Umwandlung in Friedhöfe..;)


    ..
    Das Schlimme ist: selbst wenn der Senat die Zuständigkeit an sich reissen würde...die dafür zuständige Senatorin dürfte einen ganz ähnlichen Vorbehalt haben.


    Wer weiß: https://www.deutsches-architek…hp?p=626368&postcount=472 ff.

  • Ich verstehe die Aufregung um diesen Tweet nicht. Er bezieht sich doch ganz klar auf den B.Z. Artikel, der ja so geschrieben ist, als wenn es sich schon um eine beschlossene Sache handeln würde.


    Da gehen dann schon einigen Followern ganz schön die Pferde durch :nono:


    Und auch hier verlaufen direkt die alten Fronten, obwohl gar nichts passiert ist.

  • Baukörper, die von dir bedauerten Fronten befeuerst du durch deine Beiträge doch selbst.


    Man muss auf den Tweet von Florian Schmidt sicher nicht mehr als nötig projizieren, aber er kommentiert ein Projekt, zu dem sehr viel Positives zu sagen wäre, mit einer weit ausformulierten Drohung (Ohne dies, dies, dies, dies und dies "geht hier gar nichts!") Der Ton macht die Musik, und der Ton ist bei Herrn Schmidt keineswegs so überaus sachlich und neutral, wie du es darzustellen versuchst.


    Bedenken scheinen dir dem Projekt gegenüber zu kommen (Beitrag #38), weil der Neubau wie schon damals der Altbau das Quartier dominieren könnte. Aber genau das ist doch das Heilsame. Nämlich dass Neukoelln/Kreuzberg an dieser Stelle endlich wieder eine Dominante erhält, einen Ankerbau, der diesem ganzen städtebaulichen Brei eine Mitte gibt. Im Kaiserreich erfüllten meist Kirchenbauten diese Aufgabe. Aber weit um den Herrmannplatz herum fehlt genau ein solcher dominanter Bau, der markiert: Hier ist der Herrmannplatz, hier verdichtet sich die Stadt!

  • ^ Ich weiß ja nicht, was du so alles aus meinem Beitrag #38 so rausliest, aber ich habe auch schon früher kund getan, dass ich die Rekonstruktion des Karstadtbaus befürworte, bin deswegen aber nicht komplett aus dem Häuschen.


    Hat denn jemand den B.Z. Artikel gelesen? Der ist doch das eigentliche Problem. Planung? Abstimmung? Bürgerbeteiligung?
    Wozu? Das wird völlig ausgeblendet. Der Investor will das und die B.Z. schreibt das so. Hurra!


    Darauf bezieht sich Schmidts Tweet, für den er jetzt auch hier die volle Breitseite erhält.


    Das Projekt wird sich, wie jedes andere auch, der Planungshoheit unterordnen müssen und das ist auch gut so.
    Die Gegend wird sich dadurch massiv verändern und das muss sorgfälltig durchdacht werden.

  • Es dürfte klar sein, dass so ein Projekt diverse planungsrechtliche Hürden nehmen muss.


    Nett ausgedrückt. Tatsache ist, dass es für das Baugrundstück keinen Bebauungsplan gibt, d.h. die Diskussion um Art und Maß der baulichen Nutzung fängt sozusagen bei null an. In dieser Situation haben die städtischen Gremien eine institutionell starke Position.

  • Mit der kitschigen Stadtschloss-Reko kann ich nichts anfangen, da wünsch' ich mir fast schon die Wiese zurück. Die Rekonstruktion des Karstadt find' ich hingegen wirklich super. Das wird eine sowieso schon sehr im Aufschwung befindliche Gegend nochmal zusätzlich aufwerten. Problematisch stelle ich mir die Ausführung bei laufendem U-Bahn-Betrieb vor. Der Bahnhof Hermannplatz ist ja nicht gerade der kleinste.

  • ^ Der U-Bahnhof hat zwar Verbindungsgänge zum Kaufhauskomplex, liegt aber an keiner Stelle unter diesem (auch nicht die U-Bahn-Schächte, da ja als Unterpflasterbahn unter Karl-Marx-Straße - Hasenheide und Kottbusser Damm - Hermannplatz - Hermannstraße gelegen).

  • ^ Schon klar, aber er grenzt mehr oder weniger an die Baufläche. Angesichts der Größe/Höhe des Bahnhofs kann ich mir schon vorstellen dass das Auswirkungen auf den Bahnbetrieb haben könnte.

  • ^ Gute Frage, da konnte ich jetzt auf die Schnelle keine Infos zu finden. Eventuell könnte die BVG auf dieses Verbindungsgleis aber temporär verzichten?

  • Baukörper - stimmt, das hatte ich gerade gar nicht auf dem Schirm. Verläuft zwar relativ tief, aber m.W. parallel zu der früheren Abstellanlage und damit mit ziemlicher Sicherheit unter dem Gebäude (ginge ja quasi sonst gar nicht anders, hier vage zu erkennen), insofern hatte Haufen da doch recht, mea culpa.

  • Das Kaufhaus wird dabei verkleinert...


    Das verstehe ich nicht ganz. Die Verkaufsfläche wird kleiner (von 20.000 auf 17.000 Quadratmeter), obwohl der Neubau höher sein wird bzw. mehr Etagen haben wird als der bisherige Nachkriegsbau.


    Kann das jemand mal erklären?

  • Laut B.Z. soll das Kaufhaus nur noch einen Teil der Fläche nutzen. Die übrigen Flächen sollen für eine Kita, ggf eine Bibliothek, sowie ein Fitnesscenter, eine Markthalle, Büros, ein Hotel und Gastronomie genutzt werden.


    Ich denke, wenn irgendwas nicht klappt werden es einfach mehr Büros.

  • Ich bin immer davon ausgegangen, dass der Hermannplatz und auch Karstadt in Neukölln und nicht in Kreuzberg liegen. Auch im Netz finde ich dazu Widersprüchliches,
    mal so mal so... weiss jemand mit Bestimmtheit ob es nun Kreuzberg oder Neukölln ist? merci

  • Wenn das so kommt wie in der Visu, sähe das doch absolut geil aus. Und es wäre wieder ein typischer Berlin-Bau, da der Original-Rest an der Hasenheide mit integriert wird. Das wird ein schönes Potpourri.


    Und dann kann man auch mal in echt studieren, was man am Leipziger Platz alles hätte besser machen können mit weniger Historiophobie. Es zeigt sich jedenfalls immer wieder, daß Berlin den historischen Rückbezug wie die Luft zum Atmen braucht. Da kann man noch so viel intellektualisieren und Winkel ziehen.


    Ich bin ja auch für ein möglichst öffentliches Gebäude, aber was hat ein Kindergarten genau da drin verloren? Ich würde meine Kinder da nicht gern reinstecken.


    Karstadt kann alternativ ja auch die Mitarbeiter am Standort entlassen und sich dann auf den Standort Alexanderplatz konzentrieren. Vielleicht gefällt das dem Herren ja besser und entspricht mehr seiner politischen Einstellung.


    Karstadt = Westberlin
    Kaufhof = Ostberlin


    Am Alex steht ein Kaufhof, meines Wissens der größte Deutschlands.