Rekonstruktion Karstadt am Hermannplatz

  • Rekonstruktion Karstadt am Hermannplatz

    Timo Herzberg, der Deutschlandchef der Signa Holding, wurde in der Immobilienzeitung interviewt und hat dabei das Vorhaben angekündigt, den Vorgängerbau des Karstadt am Hermannplatz in seiner historischen Kubatur neu entstehen zu lassen. Allerdings sei es heute noch zu früh bereits festzulegen, ob dabei auch die historische Fassade umfassend rekonstruiert würde. Von dieser ist an der jetztigen Fassade zur Hasenheide hin noch ein Stückchen vorhanden. Link zum Interview


    Der Vorgängerbau im: Luftbild von 1935

  • :applaus:


    Das ist ja eine tolle Neuigkeit. Das Ding war ein absolutes Highlight der modernen Kaufhaus-Architektur. Ich hoffe, man entscheidet sich auch dafür, die Art-Déco-Fassade samt der Glastürme nachzubauen. Eine neue Fassade an der alten Kubatur müsste schon sehr gut gelingen, um gegenüber dem Original keine Enttäuschung zu sein. Der erwähnte Fassadenrest sieht übrigens so aus; einen Eindruck der einstigen Gesamtwirkung verschafft das Modell im gegenwärtigen Kaufhaus. Und wer die Ecke nicht kennt: Heute sieht es so aus...

    Einmal editiert, zuletzt von Architektenkind () aus folgendem Grund: Falschen Link korrigiert

  • ^ Ich nicht, – da mir diese Option merkwürdiger Weise nie in den Sinn kam. Jetzt aber, wo sie zur Debatte steht, scheint sie mir sehr naheliegend und höchst wünschenswert.

  • Im heutigen Tagesspiegel gibt es hierzu ein interessantes Detail: Geplant ist hierbei eine Mischung aus unten Shoppen, oben Wohnen und Arbeiten: Sigma plane eine "Apartment und Officegekrönte Innenstadtmall"
    Was m.M.n. die Chance erhöht, dass die Fassaden hochwertiger ausfallen und ggfs. wirklich rekonstruiert werden...

  • Wird sicher noch. Wohnen in den Obergeschossen geht aber kaum mit der historischen Fassade. Die lebet von der Vertikalität und davon, keine Balkone zu haben...

  • Wieso wird hier nicht "Disneyland" und "Spuren der Zeit erhalten" gerufen?


    Ich weiß, Du willst nur spotten und erwartest keine Antwort. Ich gebe Dir aber trotzdem eine. :zunge:


    "Disneyland": Dieser Vorwurf bezieht sich auf die Vorspiegelung eines falschen Scheins. Ein Stahlbeton-Bau, der so tut, als sei er ein Barockschloss, oder eine Styroporfassade, die eine klassizistische Villa imitiert. (Ich persönlich halte das bei der Bewertung eines Bauvorhabens für relevant, aber nicht für einzig ausschlaggebend.) Im Falle des Karstadts am Hermannplatz ginge "Disneyland" an der Sache vorbei, weil hier nichts vorgekaukelt wird, was nicht ist. Er war immer schon ein moderner Stahlbetonbau; auch die alte Fassade spiegelt die industrielle Bauform wie den kommerziellen Zweck des Gebäudes wider.


    "Spuren der Zeit erhalten": Mir scheint, in neun von zehn Fällen begegnet einem dieses Argument nicht als ernsthafte Forderung, sondern zwecks Verhöhnung des vermeintlichen Gegners. Ich finde die Weigerung, hier zu differenzieren, bedauerlich. Denn natürlich ist es wichtig für das historische (Selbst-)Bewusstsein einer Stadt, dass ihre Geschichte im Stadtbild erfahrbar ist. Dazu zählen Gebäude aus jeder Epoche und an ausgewählten Orten auch Überbleibsel städtebaulicher Einschnitte, wie in Berlin der Krieg und die Teilung. Das Neue Museum und den Reichstag mit seinen russischen Graffiti halte ich für sehr gelungen. Das heißt aber selbstverständlich nicht, dass jede Behelfsfassade aus der Nachkriegszeit Schutzstatus verdienen würde - zumal, wenn sie später durch irgendwelche Glaseinbauten verschlimmbessert wurde.


    Geplant ist hierbei eine Mischung aus unten Shoppen, oben Wohnen und Arbeiten: Sigma plane eine "Apartment und Officegekrönte Innenstadtmall". Was m.M.n. die Chance erhöht, dass die Fassaden hochwertiger ausfallen und ggfs. wirklich rekonstruiert werden...


    Da bin ich skeptisch, aus den gleichen Gründen wie Konstantin. Wenn in die Obergeschosse wirklich Wohnungen kommen, wird es keine historische Fassade geben, sondern eine zweckmäßige (mit Balkonen, etc.), die sich entfernt an die historische anlehnt. Außerdem erzeugt das Wort "Mall" mittlerweile Brechreiz bei mir. Noch ein klassisches Kaufhaus weniger, noch einer dieser dutzendfach zu besichtigenden, immergleichen Unorte mehr. Schade, ein Karstadt-Hermannplatz im Urzustand könnte mit seinen hohen Decken, den Treppenanlagen und dem Dachgarten ein echtes Highlight sein.

    Einmal editiert, zuletzt von Architektenkind () aus folgendem Grund: Grammatikfehler korrigiert

  • An eine dem Original nahe kommende Rekonstruktion glaube ich nicht. Die Kosten dafür dürften riesig sein. Der erhaltene Überrest lässt ja die Dimensionen des Baus erkennen. Das war ein richtiger Klopper. Nicht zu vergleichen mit dem, was jetzt dort steht. Wünschen würde ichs mir natürlich.

  • Nö, spotten wollte ich nicht, war nur etwas verwundert...Antworten sind stets willkommen. Die Presse (und auch die Politik) schaut wohl selten hinter die Fassade, wenn es um "Disneyland" geht. Bei einer Schlossreko mit den Mitteln und Möglichkeiten des 18. Jh. wären sicher auch Disneyland-Unkenrufe erklungen, weil eben der PdR weg ist oder kein "House of One" oder monarchistisch o.ä. Oder wenn Patzschke mit Stein bauen würde, wie man es in der Toskana (angeblich) tut.


    Das heißt aber selbstverständlich nicht, dass jede Behelfsfassade aus der Nachkriegszeit Schutzstatus verdienen würde - zumal, wenn sie später durch irgendwelche Glaseinbauten verschlimmbessert wurde.


    Die "Spur der Zeit" wäre auch nicht der Nachkriegsbau, sondern hist. Fragment bzw. die daraus hervorgehende Erkennbarkeit, dass der Großteil fehlt. Dazu muss also nicht das jetzige Karstadt erhalten bleiben, sondern kann auch durch etwas anderes ersetzt werden - solange das Fragment ein Fragment bleibt.


    Am Ende wirds sicher eh am Geld scheitern.

  • Karstadt am Hermannplatz soll legendäre Fassade zurückbekommen

    Zwar kein kleines Projekt, aber es liegt in Kreuzberg:


    Gemäß der Morgenpost soll das Karstadt am Hermannplatz seine historische Art déco-Fassade zurückerhalten. Dies bestätigte der Signa-Konzern als Eigentümer des Bauwerks.


    Zu diesem Zweck soll das Bestandsgebäude neu errichtet und um etwa ein Drittel auf rund 126.000 m² Bruttogeschossfläche erhöht werden. Hier sollen auch Büros, Wohnungen, ein Hotel sowie eine großen Markthalle untergebracht werden. Auch die beiden Türme und die berühmte Dachterrasse sollen wieder aufgebaut werden. Zu den Kosten und dem zeitlichen Ablauf wurden noch keine Angaben gemacht.


    https://www.morgenpost.de/bezi…ahre-Fassade-zurueck.html

  • Ich würde es auch begrüßen wenn das so umgesetzt werden könnte.
    Bin mal gespannt ob der Großinvestor damit bei dem dortigen Baustadtrat Herrn Schmidt (der ja bisher durch seine Vorkaufsrechte bekannt ist) damit durchkommt.
    Es ist ja der selbe Investor der mit seinen Hochausplänen am Kudamm gescheitert ist.

  • Ich kann mir für beide Signa Projekte vorstellen, dass der Tag kommt an dem der Eigentümer den Bezirken erklären wird dass sich die betroffenen Häuser als reine Kaufhäuser nicht mehr rechnen und man vor die Wahl gestellt wird entweder leere Warenhäuser an prominenter Stelle zu haben oder die vorgeschlagenen Projekte erfolgreich zu verwirklichen...

  • Beide Signa Projekte zu verknüpfen und daraus entweder eine Erpressung (das wäre das Bsp. von TwistedRoad) oder aber einen Deal zu konstruieren, könnte für beide Seiten sehr schwierig werden. Und egal welcher Senat, dürfte sich nicht darauf einlassen.


    Das Karstadt Haus am Hermannplatz wäre natürlich für Neukölln attraktiv, hätte aber für Berlin lange nicht mehr die Wirkung wie in den 1920er Jahre. Ein attraktiver Neubau täte es an der Stelle auch!


    Das heißt nicht, dass ich einen Wiederaufbau der Originalfassade ablehne, ich lehne nur die Verknüpfung mit dem Projekt am Ku'damm ab. Dort drei Hochhäuser zu akzeptieren, um in Neukölln die 20er-Jahre Fassade zu erhalten wäre ein schlechter Deal für Berlin.