Rekonstruktion Karstadt am Hermannplatz (in Planung)

  • An sich begrüße ich es ja wenn hier etwas Fahrt reinkommt. Aber Geisel sollte aufpassen nicht allzu zu großspurig aufzutreten. Nachdem er sich schon einmal in fragwürdiger Weise für einen Investor einsetzte (Befreiung von Auflagen gem. B-Plan am Leipziger Platz) wäre ein ähnlicher Sachverhalt ein gefundenes Fressen für Presse und Opposition den noch jungen Senat in die Mangel zu nehmen.

  • Man kann ja zu den Signa-Plänen stehen, wie man will, ich selbst bin da relativ leidenschaftslos. Aber dieses ständige aggressive Eindreschen auf alle, die eine andere Meinung vertreten als man selbst, geht mir gewaltig auf die Nerven, das hat mit einer respektvollen Diskussionskultur nichts mehr zu tun.

    Was hat also Andre Schulze gesagt? Er hat in einer Twitter-Botschaft darauf aufmerksam gemacht, dass die Stadtentwicklungsverwaltung gerade ein ein Verfahren zur Erarbeitung eines Masterplanes für den Hermannplatz durchführt und dass dieses kaum in 100 Tagen abgeschlossen sein wird. Daher sieht er einen Widerspruch zwischen den Aussagen der Verwaltung und den Aussagen von Herrn Geisel.

    https://twitter.com/andreschulze_nk

    In dieser Frage hat Andre Schulze völlig Recht, wie man auf der entsprechenden Website nachschauen kann.

    https://hermannplatz-miteinander.berlin.de/der-hermannplatz/


    Andre Schulze ist übrigens direkt gewählter Abgeordneter für Neukölln Nord, wozu auch der Hermannplatz gehört. Er hat den Wahlkreis mit 33,8 Prozent gewonnen. Man kann nur hoffen, dass auf der politischen Ebene etwas respektvoller debattiert wird als hier, ansonsten erleben wir eine Dauerblockade.

  • Leute wie dieser Herr Schulze beziehen ihren Selbstwert aus dem Abgleich mit einer Checkliste an Positionen. Wenn man sich seine Twitter-Seite anschaut, findet man beinahe ausschließlich(!) "Gegen-Positionen", bzw. Aufrufe zu "Gegen-Aktionen". Chronologisch absteigend: ->Gegen Verschwörungsideologen, gegen Afd, gegen Rechte, gegen Coronaleugner, gegen Geisel, gegen Entwicklung des Hermannplatzes, gegen Atomkraft, gegen Tempelhofer Bebauung, gegen A100.. gegen, gegen, gegen. Vermutlich wäre er auch gegen seine Geburt gewesen, wenn man ihn gefragt hätte. "Ah ich weiß nicht, ob ich der Welt meinen CO2 Abdruck zumuten möchte, aber jemand muss die Welt doch vor Coronaleugnern und Kaufhäusern retten, bevor es zu spät ist". Ich kann Leute, die sich vor allem und primär durch "virtue signalling" in ihrer "Anti-Bubble" generieren, nicht ernst nehmen. Das hat in seinem Kern mindestens ebenso viel mit Mitläufertum gemein, als mit dem Wunsch nach Aufklärung und bürgerlicher Partizipation.

  • Danke für die wohl unabsichtliche, aber illustrative Demonstration warum der Post von Klarenbach so zutreffend ist. Ich finde es etwas unangenehm Herrn Schulze umfänglich "nicht Ernst zu nehmen". Kritik mit Argumenten auf der Sachebene im Einzelfall scheint mir sinnvoller, zumal Herr Schulze ja ausweislich ein Sachargument anführt.


    Mir scheint ironischerweise hier der liebe Herr Berlinier die pauschale "Anti/Gegen"-Position zu vertreten.


    Btw, ich würde mich über den Wiederaufbau freuen und befürworte ihn (Klarstellung, um nicht auf dem Scheiterhaufen des Volkszorns zu landen, weil man mich fälschlich als "Feind" identifziert).

    2 Mal editiert, zuletzt von GeorgSchimmel () aus folgendem Grund: Grammatik/Rechtschreibung

  • Das hat mit Verachtung nichts zu tun. Der Mann tritt ja öffentlichkeitswirksam als Kritiker auf und stellt sich ins Rampenlicht. Da ist es legitim darauf hinzuweisen, dass er -zumindest seinem Twitteraccount nach- eine art "notorischer Kritiker" ist und damit, zumindest für mich, die Glaubwürdigkeit seiner Motivation im Zweifel steht.

  • Der Mann tritt ja öffentlichkeitswirksam als Kritiker auf und stellt sich ins Rampenlicht.

    Als gewählter Politiker ist es nicht nur sein Recht sondern auch seine Pflicht zu kritisieren und den Finger in die Wunde zu legen, wenn etwas gegen die Interessen der Partei bzw. die angenommenen Interessen seiner Wählerinnen und Wähler läuft.


    Restlos alles was Sie in ihrem vorherigen Kommentar geschrieben haben, lässt sich wunderbar auf Politiker anderer Parteien und auch auf Sie spiegeln. Aus Sicht und Framing von Herrn Schulze sind sie auch "gegen alles". Hier liegen einfach fundamentale Meinungsverschiedenheiten in mehreren Belangen zwischen Ihnen und Herrn Schulze vor. Das ist in Ordnung. Was nicht in Ordnung ist, ist ihre billige, polemische und persönliche Kritik an seinem völlig legitimen Verhalten.

  • ^

    So wie es mein "Recht&Pflicht" als Souverän darstellt, ihn in seiner Funktion als Abgeordneter kritisieren und "den Finger in die Wunde legen" zu dürfen. Wer kritisiert, soll keine Kritik aushalten müssen? Und "Meinungsverschiedenheiten" sind die Wurzel von Kritik, ja. Natürlich entsteht meine Motivation zur Kritik ursächlich daraus, woraus sonst? Über den Stil können wir gerne streiten, aber wer offenbar nicht die geringsten Probleme damit hat, Menschen anderer politischer Meinung als "Nazis, Leugner und co." auf seinem Twitteraccount zu diffamieren, kann ja wohl kaum zimperlich und ehrverletzt regieren, wenn man ihm polemisch "dauerndes dagegen-sein" vorwirft. Das ist ja albern, jemanden der so austeilt in Schutz nehmen zu müssen.

  • Naja, so unterscheiden sich eben Bewertungen. Ich finde den Twitter-Account ehrlich gesagt (völlig unabhängig von den vereinzelt sicherlich legitimen Standpunkten) als Gesamtprodukt auch einfach nur anstrengend und kann mit solchen Politikern und Persönlichkeiten persönlich nichts anfangen.


    Aber auch nervige Leute können natürlich legitime Kritik vorbringen. Dass man nicht von einem Extrem ins andere springen sollte, sehe ich jedenfalls ähnlich. Partizipation ist sicherlich eine Errungenschaft (übrigens auch in den Augen von Geisel und Kahlfeldt, wie ich schon nachlesen konnte). Allerdings wäre eine Entwicklung hin zum partizipativen Gestalten statt partizipativen Verwalten/Verhindern zu präferieren.


    Mein Bauchgefühl sagt mir, dass der Twitter-Kollege dabei dann nicht groß glänzen und eher bremsen wird. Aber auch das kann man sicherlich anders sehen.

  • ^ Das sehe ich ähnlich. Es ist ja nichts Neues, dass ganz grundsätzlich soziale Medien, insbesondere Twitter, gesellschaftliche Spaltungen vertiefen, da hier weniger Diskussionen als Monologe und markige Sprüche anzutreffen sind. Das liegt einfach in der Natur dieser Medien Davon trieft entsprechend auch dieser Account. Hinzu kommt das Problem der Grünen auf lokaler Ebene, dass sie hier oft als Partei der Besitzstandswahrer auftreten und damit auch eigentlich grüne Ziele nicht selten torpedieren (stichwort Nachverdichtung, Zersiedelung, soziale und ethnische Durchmischung). Da wird dann nicht selten Fundamentalopposition gegen jede Veränderung des Status Quo betrieben, weil es könnte ja ein Viertel aufwerten und letztendlich Mieten steigen lassen, mehr Lärm oder sonstige negativen Auswirkungen auf die Anwohner haben. Scheint mir hier auch der Anlass zu sein. Bei der Forderung nach mehr Partizipation geht es entsprechend nicht um Partizipation an sich, sondern um eine Verzögerungs-/Verhinderungstaktik. Aber das ist natürlich alles legitim.

  • Hoffentlich haben im Giffey-Senat Leute wie AS weniger zu melden. Sie sollten nicht soviel Steuergeld verheizen und sinnvolle Investitionen nicht in dem Maße verhindern, wie bis dato.


    Das Karstadt Projekt hat das Potential ein Wahrzeichen für Neukölln zu schaffen und den sozialen Aufstieg dort enorm zu fördern. Das ist gut.

  • Partei der Besitzstandswahrer [...] es könnte ja ein Viertel aufwerten und letztendlich Mieten steigen lassen

    Die Mieten "könnten" nicht nur steigen – sie steigen, und zwar in dieser Gegend um 150 Prozent zwischen 2008 und 2018. Die Kaufpreise im selben Zeitraum um 300 Prozent (Quelle). Seitdem dürfte es nicht weniger geworden sein, im Gegenteil. Wenn sich gewählte Vertreter der ansässigen Bevölkerung darüber Sorgen machen und das Signa-Projekt als möglichen Preistreiber kritisch sehen, dann tun sie schlicht ihren Job.


    Wie gesagt: Ich will das Karstadt-Ding, weil ich auf Städtebau und Architektur stehe und keineswegs jegliche Aufwertung ablehne. Das heißt aber nicht, dass ich der Gegenseite die Anerkennung verweigere. Hier wird jetzt seit zwei Tagen ein Politiker runtergemacht und teilweise verhöhnt, weil er es wagt, für seine Wählerschaft einzutreten (die mancher hier anscheinend am liebsten komplett austauschen möchte).


    Leute: Man nennt so etwas einen Interessenkonflikt. Nur weil einer will, dass auch in zehn Jahren noch Normalverdiener im Reuter- oder Schillerkiez wohnen, ist er kein Irrer – und man muss auch keine Supermarktkassierer oder Busfahrerinnen mit dem neoliberalen Schmähwort "Besitzstandswahrer"* beleidigen, weil sie ihre Wohnung und ihr soziales Umfeld behalten wollen.


    *Der Begriff wurde in den 90er-Jahren geprägt, um vor allem Gewerkschafter zu diskreditieren, die Kündigungsschutz, Tariflöhne, Sozialversicherung, progressive Steuersätze, etc. verteidigten. Er dient dazu, die Interessen der unteren Schichten zu delegitimieren – sein Pendant lautet "Leistungsträger" und dient dazu, die Interessen der oberen Schichten zu legitimieren.

  • ^Danke für die Information. Es ging mir mit dem Begriff nicht darum, die Interessen von Geringverdienern zu delegitimieren. Ganz im Gegenteil, oft geht es um eine eher wohlhabende Klientel mit dem Privileg einer angenehmen Wohnlage. Ich bin dafür, die Stadt und ihre Bewohner als Ganzes zu denken und zu entscheiden, was für alle das Beste ist. Meiner Meinung nach kommen Aufwertungen allen zugute und ich sehe darin kein Problem, außer es wird nur in bestimmten Vierteln aufgewertet, in die dann die Besserverdienenden ziehen. Gerade Neukölln kann jede Aufwertung gebrauchen. Ich verstehe nicht, wie man behaupten kann, etwas für eine Stadt und Ihre Bewohner zu tun, indem man sie mehr und mehr herunterkommen lässt, insbesondere, wenn eine Investition auch eine Chance für die Anwohner darstellt (Stichwort attraktive Angebote und Arbeitsplätze nicht bloß für die Mittel/Oberschicht).

  • ^^Es ist aber auch eine Binsenweisheit, dass Gesellschaftsschichten nur durch kommunalen Wohnungsbau erhalten werden - nicht durch dreckige Wände. Die Farce ist doch, dass durch solche Investitionen sogar neuer Wohnungsraum für Geringverdiener entsteht und trotzdem gibt es dann immer noch Personen die sich um ihr Klientel fürchten. Die Sorgen der Bürger in allen Ehren, aber irgendwann muss dann auch Schluß sein mit der Debatte..


    Wenn wir morgen durch das Berliner Modell 50.000 neue Luxuseigentumswohnungen bauen könnten und wir dem Investor zugestehen, dafür statt 30% , nur 20% Mietpreisgeminderte Wohnungen zu bauen, dann würde ich das ohne überlegen tun. Schließlich würde so, sofort neuer und preiswerter Wohnraum geschaffen. Aber genau dieses pragmatische Denken, scheint der Politik völlig abhanden gekommen zu sein - zumindest der Bezirkspolitik.


    MIt Giffey & Co haben wir ja durchaus ein paar Realos bekommen.

  • Hoch lebe der neue Bausenator von Berlin !


    Falls das Signa-Karstadt Projekt tatsächlich kommt ist es nichts weiter als die wertvollste Rekonstruktion in Berlin nach 1945.

    Und nicht nur das. Wenn, so Geisel will, das Ding wirklich fertig wird ist es aus dem Stand eines der Top10 schönsten Bauwerke der Stadt und Nr.1 Aushängeschild für den Bezirk.


    Wer das Karstadt-Projekt ablehnt hat Stadtentwicklung nie zu Ende gedacht. Wer dem Karstadt-Projekt achselzuckend gegenübersteht hat Architektur nie geliebt. Meine Meinung.

  • Wenn sich gewählte Vertreter der ansässigen Bevölkerung darüber Sorgen machen und das Signa-Projekt als möglichen Preistreiber kritisch sehen, dann tun sie schlicht ihren Job.

    Soweit so gut, aber das Signa-Projekt und die steigenden Preise fallen ja nicht ohne Grund vom Himmel. Sie sind ja nur ein Symptom, die aus langfristigen politischen Entscheidungen erwachsen sind. Die Symptome werden zwar lautstark beklagt, über den Ursprung schweigt man sich auffallend aus.

    Wundert man sich bei der Zuwanderungspolitik wirklich darüber, dass bei der Masse an Billigarbeitern die Löhne für die Masse nicht steigen können? Wundert man sich wirklich darüber, dass deshalb vor allem im "bezahlbaren" Segment Wohnraum zur Seltenheit wurde? Wundert man sich bei der Europolitik wirklich, dass Beton-Gold einen immer dominierenderen Stellenwert in den Portfolios erreicht, unabhängig der Zinsrendite? Wundert man sich wirklich, warum man keinen "bezahlbaren" Wohnraum hinbekommt ohne einen Blick auf die permanent steigenden Vorschriften (von Barriere bis Klima) das Bauen fast zur Unmöglichkeit macht? Beim Thema Bauen auch die Strom- und Benzin (Transport)-Kosten in D-Land nicht vergessen.

    Ganz nebenbei wundern sich auch viele, woher die das ganze Geld für die Lockdown, Impfdosen, Teststationen, Einlass-Kontrolleure etc. herkommt.


    Und nein Architektenkind, der Mann wurde hier nicht "verhöhnt". Der Herr Politiker ist auf seinem Twitter-Account auch so frei bei Ablenkthemen andere als dies oder das zu beschimpfen. So muss er es sich auch gefallen lassen, wenn man diese Diskrepanz zwischen seinem Anti-Getöse und der Wirklichkeit als Lächerlich empfindet.



    Wie gesagt: Ich will das Karstadt-Ding, weil ich auf Städtebau und Architektur stehe und keineswegs jegliche Aufwertung ablehne.

    Da sind wir uns voll und ganz einig!

  • Gerade Neukölln kann jede Aufwertung gebrauchen. Ich verstehe nicht, wie man behaupten kann, etwas für eine Stadt und Ihre Bewohner zu tun, indem man sie mehr und mehr herunterkommen lässt...

    Ich halte das für selektive Wahrnehmung. Schiller-, Reuter- und Graefekiez befinden sich seit mindestens zehn Jahren in einem rasanten Aufwertungsprozess. Schau Dir mal Bilder von der Schillerpromenade anno 2000 an – von "herunterkommen lassen" kann seitdem keine Rede sein. Und "Aufwertung nutzt allen" ist leicht dahingesagt, wenn Du seit 20 Jahren mit einem Busfahrergehalt in der Gegend lebst und dann Dein Block verkauft und aufgewertet wird. Dann bleibt meist nur noch Speckgürtel... Aber die Debatte können wir in der Lounge führen.


    Der Hermannplatz verdient definitiv eine "Aufwertung" – zum einen, was Karstadt betrifft, zum anderen in der Verkehrsführung. Auch da hat Geisel ja Änderungen angekündigt. Wünsche mir, dass eine der beiden Straßen dichtgemacht und der Platz bis an die Gebäudekante ausgedehnt wird. Sinnvollerweise an die westliche.

  • Meiner Meinung nach sollte die Steigerung der Lebens- und Aufenthaltsqualität eines Stadtraums als höchste Priorität der Stadtentwicklung gelten. Einen unzureichenden Ist-Zustand absichtlich zu konservieren halte ich demzufolge für absurd.


    Wenn also eine Aufwertung des Stadtraumes geschieht, sollte man den Umgang mit einer möglichen Gentrifizierung als zweite Priorität verstehen. Das Ziel lautet in diesem Fall: Ein lebenswertes Stadtumfeld (1. Priorität) unter Beibehaltung der sozialen Mischung (2.Priorität) - die ja auch einen wichtigen Teil zur Lebensqualität beiträgt. Dafür gibt es durchaus einige politische Instrumente, zum Beispiel ein festgelegter Prozentsatz geförderten Wohnraums bei jeder Kernsanierung, Milieu-Schutz-Gebiete oder staatlicher / genossenschaftlicher Neubau.


    Statt dauernd Aufwertungen des Stadtraumes auszubremsen wäre die Formulierung einer wohnpolitischen Strategie zum Erhalt der sozialen Mischung der richtige Ansatz. Und genau in diesem Punkt geschieht mMn (und nach meinem Informationsstand) noch zu wenig, was wirklich zukunftsfähig ist.