Four Frankfurt III: der Bau

  • Ich konnte heute die FOUR-Baustelle besichtigen und habe einige interessante Dinge erfahren:


    - vom Abbruchmaterial der alten Gebäude wurde außer Metall, Holz usw. ist kein einziger Krümel abtransportiert. Die steinernen Trümmer wurden an Ort und Stelle zerkleinert und werden auf der Baustelle zur Stabilisierung des Untergrundes benötigt; ohne Stabilisierung durch das Recyclingmaterial würden die schweren Geräte im Frankfurter Ton einsinken und in Schieflage geraten;


    dscn7111a5jag.jpg

    Dieser Trümmerberg könnte der Abs-Saal gewesen sein...


    - von den ganz schweren Schlitzwandbaggern (SC 135) sind weltweit nur fünf Stück im Einsatz, davon einer hier; 135 t bringt er auf die Waage, mit Schlitzwandgreifer oder -fräse etwa 170 t.


    dscn7088jpjb9.jpg

    Durch den Schlauch auf der hinteren Rolle wird das Bentonit in die Grube gepumpt.


    Sobald die Fräse auf Fels stößt, kommt ein ca. 30 t schwerer Meißel zum Einsatz, der z.Z. vor dem DeuBa-Altbau in 30 m Tiefe trümmert. Einer dieser Meißel ist mal abgerissen und unten geblieben, wurde aber inzwischen wieder geborgen. In der näheren und weiteren Umgebung der Baustelle sind Meßgeräte zur Kontrolle der durchs Meißeln hervorgerufenen Erschütterung aufgestellt. Die Erschütterungen sind bis in Kaiserstraße massiv zu spüren, weiter weg von der Baustelle viel deutlicher als direkt auf der Baustelle.


    - Arbeitssicherheit ist ein großes Thema. Die Schlitzwände sind bis zu 1,30 m breit, so dass ein Mensch leicht reichfallen kann. Thema war wohl, dass die Arbeitsschutzbehörde den Schlitzwandarbeitern das Tragen von Schwimmwesten auferlegen könnte, damit sie nicht im Bentonit ertrinken, falls mal einer abstürzt, ein Problem bei Bautiefen bis 30, 40 m. Das Bentonit hat aber eine so große Dichte, dass man im Zweifel nicht untergeht; das wurde mit einem arbeitsmäßig verkleideten Dummy getestet und nachgewiesen: sie tragen keine Schwimmwesten.


    - im Zentrum des Bauplatzes steht das Bentonit-Lager, die Entsandungsanlage und eine Werkstatt der Fa. Trevi, dem italienischen Spezialtiefbau-Unternehmen, das Schlitzwände und Bohrpfähle herstellt. Die Beanspruchung der Schlitzwandgreifer-, -fräsen und Meisel wie auch der Großgeräte ist enorm, so dass permanent Verschleißteile ausgetauscht und Geräte repariert werden. Die Bentonit-Flüssigkeit wird vor dem Betonieren der Schlitzwände abgepumpt, entsandet und wiederverwendet; sie kann praktisch beliebig oft verwendet werden. Das überwacht ein Bentonit-Labor:


    dscn7094tjjow.jpg


    - Die Arbeiter der Fa. Trevi wohnen in eigens für diesen Zweck angekauften Häusern in Oberrad, sie arbeiten in einem 10 Tages Turnus, fahren also alle 10 Tage für 10 Tage nach Hause. Derzeit sind rd. 150 Personen auf der Baustelle tätig, sobald der Hochbau im Gange ist, werden es bis zu 1.500 sein. Über ein elektronisches Zugangskontrollsystem (Zugang nur mit personalisierter Codekarte) hat die Bauleitung jederzeit Überblick, wer sich auf der Baustelle aufhält. Das ist u.a. wichtig, falls die Baustelle mal evakuiert werden muss.


    - der Baugrubenverbau wird beginnend an der Gr. Gallusstraße/ Omniturm im Uhrzeigersinn hergestellt bis in 30-40 m Tiefe (siehe oben Beitrag #17, wo es auf der gelb markierten Strecke auch schon fertige Abschnitte gibt); derzeit arbeiten sie am DeuBa-Altbau, sind also fast rum. Pro Schlitzwandlamelle werden 2 Tage benötigt. Die Bodenplatte, die mit einer Stärke von 5,70 m in einem Stück gegossen wird, ruht auf 380 Bohrpfählen, von denen rd. 230 bereits stehen. Die Armierungen sowohl des Baugrubenverbaus also auch der Bohrpfähle werden mit Wärmsonden versehen; die gewonnene Erdwärme soll für Kühlung und Heizung der Gebäude ausreichen.


    dscn71018mjbg.jpg


    dscn7114d1k1w.jpg

    An den Armierungen einer Schlitzwandlamelle bzw. eines Bohrpfahls sind die Leitungen befestigt, durch die später der Wärmeträger zirkuliert.


    - die vier Hochhäuser müssen aus statischen Gründen gleichzeitig gebaut werden, damit die Bodenplatte gleichmäßig belastet wird; sie würde Schaden nehmen, würde man die Hochhäuser nacheinander bauen.


    - eine große Herausforderung ist die Baustellenlogistik. Zur Zeit werden die bis zu 30 m langen Bewehrungskörbe für Schlitzwände und Bohrpfähle nachts angeliefert. Zwischen 22 und 6 Uhr können die überlangen Transporte ohne mit verkehrsrechtlicher Sondergenehmigung, aber ohne Polizeibegleitung gefahren werden. Das in der Junghofstraße gegenüberliegende Bauvorhaben ist bereits heute mindestens ein Jahr hinter dem Zeitplan, so dass die Junghofstraße nicht im ursprünglich gedachten Umfang zur Verfügung steht. G & P ist im Begriff, für die FOUR-Baustelle ein Logistikzentrum irgendwo im Rodgau (Rödermark?) aufzubauen, weil an der Baustelle selbst praktisch keine Lagermöglichkeiten bestehen. Wie schon beim Omniturm werden auch hier im größtmöglichen Umfang Betonfertigteile verwendet (die kommen aus dem Gießener Raum).


    - im Vapiano-Gebäude soll demnächst ein Vermarktungsbüro eingerichtet werden, von wo aus man die Baustelle soll betrachten können; dort soll auch das Architekturmodell des FOUR aufgestellt werden.

    Einmal editiert, zuletzt von tunnelklick () aus folgendem Grund: kleine inhaltliche Änderung (s. Unterstreichung)

  • Ein paar Ansichten der Extradicken Fertigteilsäulen die aktuell angeliefert und verbaut werden:

    Gesamtansicht

    img_3259aqkt3.jpeg


    Der Teil der in die Pfahlgründung und später in die Bodenplatte einbetoniert wird:

    img_32609tk33.jpeg


    Hier werden die Kellerdecken angeschlossen:

    img_3261qhjf4.jpeg


    Ganz schöne Brummer:

    img_32629fk8u.jpeg


    Der obere Anschluss:

    img_32634lj5p.jpeg

    Nach der Position wo bisher eine der Säulen verbaut wurde, tippe ich das es sich um die Stützen für den 228 Meter Turm handelt.

    Bilder von mir

  • Das Social-Media-Team des Four meldet Vollzug:

    "Der Einbau des letzten Bewehrungskorbes und die Betonage der letzten Lamelle der Schlitzwand wurde erfolgreich abgeschlossen."


    Von nun an geht's bergab - die ersten Aushubarbeiten dürften also bald beginnen.

  • ^


    nicht so hastig :-) Die Bohrpfähle sind erst zu ca. 70/80 % eingebracht. Ich vermute dieser Arbeitsschritt wird noch bis März dauern. Danach kommt die Bodenplatte, dann geht es bergab.

  • ^

    So hastig ist das gar nicht.

    Erstens muss man bei dem großen Baufeld bestimmt nicht auf den letzten Pfahl warten, bis man mit dem Aushub beginnt.

    Zweitens wird dann nicht die "Bodenplatte", sondern der "Deckel" (-> Deckelbauweise) hergestellt. Dieser Deckel ist meines Wissens die Decke über U2. Also muss doch erstmal eine ganze Menge Aushub "erledigt" werden, um das Höhenniveau dieses Deckels zu erreichen. Und wenn ich das, was die Webcam wunderbar deutlich zeigt, richtig deute, hat dieser Aushub entlang der stehen gebliebenen Fassade schon längst begonnen.

  • Die aktuell größte Baustelle der Frankfurter City - und derzeit fast nicht fotografierbar.


    Trotzdem ein paar jämmerliche Versuche von heute:


    1 von der Junghofstraße durch die erhaltenen Fassade:

    img_20200205_1607238zjyv.jpg


    2 durch das (Zufahrts-) Loch im Zaun von der Großen Gallusstraße

    img_20200205_1612565xjcu.jpg


    3 über den Zaun von den Stufen der Commerzbank:

    img_20200205_161405likkw.jpg


    Fotos: Querido

  • konnte ich jetzt endlich mal nachlesen warum es so aussieht als ob noch nicht wirklich was weitergeht..

    (von http://gp-con.de/wp-content/up…icht_FOUR_Januar-2020.pdf )


    Da müssen noch ne ganze Menge Löcher (231 Primärstützen und 140 Gründunspfähle) und Brunnen gebohrt werden bevor wirklich was losgeht..


    "Die Baugrube wird aufgrund der umliegenden Nachbarbauwerke sowie den hohen Horizontalkräften mit der Deckelbauweise erstellt. Die beiden Deckel, die zur Aussteifung der Baugrube dienen, liegen auf der Schlitzwand und 231 Primärstützen auf.

    Neben den Primärstützen sind weitere 140 Gründungspfähle vorgesehen, auf denen die vier Hochhäuser gründen. Der Einbau der Primärstützen erfolgt über Stahlbetonfertigteile mit Abmessungen bis zu 1,00 m x 1,00 m.

    ...

    Der Einbau des letzten Bewehrungskorbes und die Betonage der letzten Lamelle der Schlitzwand wurde Ende 2019 fertiggestellt, sodass nun mit der Herstellung der Brunnen zur Grundwasserhaltung begonnen werden konnte. Nach dem Einschalten der Wasserhaltung und der damit verbundenen
    Absenkung des Grundwassers, kann der Erdaushub auf das Höhenniveau des 1. Deckels beginnen. Der Erdaushub ist Voraussetzung für den Start der Bewehrungsarbeiten dieses Deckels. Parallel zu den Bewehrungsarbeiten läuft weiterhin die Herstellung der Gründungs- und Primärpfähle
    mit den einzuhebenden Fertigteilstützen, sowie der restlichen Brunnen auf dem Baufeld.

  • Blick Baustelle Four Tor große Gallusstraße


    img_1986hajln.jpg"

    hier kommt ein LKW mit schwerem Gerät durch die "eingebaute" Waschstraße

    img_199503k4f.jpg"

    img_19934ojm7.jpg"


    Bilder bitte gerne in den dafür vorgesehenen Strang verschieben

  • Erstaunlich, dass es noch keiner bemerkt hat. Nun ist auch auf der Webcam die Herstellung des ersten Deckels zu beobachten. In dem Gelb markierten Bereich wird es wohl morgen losgehen. Im Bereich im Nordwesten sieht man wie fleissig bewährt wird und, dass die Stellen an denen die Stützen auf die Decken treffen nochmal besonders verstärkt werden. Vermutlich weil hier noch die Stützen für die Obergreschosse aufgesetzt werden?


    bildschirmfoto2020-039ckrb.png

    Bild: Groß & Partner

    Bild Screenshot von der Webcam heute Abend

  • ^ doch, das wurde bemerkt.

    Und die "Stellen an denen die Stützen auf die Decken treffen..." nennt man Durchstanzbewehrung, daher kreuzförmig etwas mehr Bewehrung. Die ist aber für das Tragen der Decke zuständig,nicht für die Anschlussstützen. Irgendwie muss die Decke ja auch auf der Stütze halten und nicht nach unten durchrutschen.