Siemens Innovationscampus

  • Siemens Innovationscampus

    Ich denke, dass bei diesem Megaprojekt ein eigener Thread angebracht ist. Hier können nach und nach Informationen und dann hoffentlich bald auch erste Visualisierungen eingetragen werden.


    Siemens will ca. 70ha der sogenannten Siemensstadt in Berlin-Spandau für bis zu 600 Mio in Siemensstadt 2.0 bzw. einen Innovationscampus umgestalten. Dies ist laut verschiedenen Medien die größte Einzelinvestition eines Unternehmens in Berlin aller Zeiten bzw. seit dem Zweiten Weltkrieg. Laut der heutigen PK sollen hierfür u.a. 5 Forschungsbereiche in Berlin angesiedelt werden:
    -Energiesysteme
    -Elektromobilität
    -Industrie 4.0
    -Internet der Dinge
    -Künstliche Intelligenz


    Neben Labors/ Forschungseinrichtungen sollen auch Büros und moderne Produktionsanlagen entstehen. Scheinbar sollen hier neben Siemens selbst u.a. Forschungseinrichtungen, Startups, Mittelständler und weitere Großunternehmen (ob Partner, eigene Ausgründungen oder Zukäufe) agieren. Zudem soll aber auch ein Stück Stadt geschaffen werden: Wohnen (zu 30% mietpreisgebundener Wohnraum auf 50.000-60.000 Quadratmetern), Gewerbe, mindestens eine Schule und ein Hotel. Es geht u.a. um eine Vision vom modernen Wohnen und Arbeiten. Es wird auch sehr viel Neubau geben.


    Das klingt natürlich erst einmal extrem vielversprechend. Da Siemens die Grundstücke ja bereits besitzt und Senat sowie Bund ja zudem Verkehrs- und Dateninfrastruktur sowie die Ansiedlung von Forschungseinrichtungen fördern, dürfte sehr viel Geld direkt in den Innovationscampus fließen. Auch Partner aus Wissenschaft und Forschung sollen ja wie gesagt gewonnen werden. Andererseits gehen die geplanten Wohnungen, Geschäfte, Schulen, Hotel etc womöglich mit in die 600 Mio ein. Solche Details werden wir womöglich im Laufe der nächsten Tage und Wochen noch erfahren.


    spiegel.de mit den Kernfakten


    handelsblatt.com mit weiteren Informationen und ersten Pressebildern


    spiegel.de mit einem sehr aufschlussreichen Interview mit Vorstand Neike


    tagesspiegel spricht von Jahrhundertprojekt und einem möglichen Innovationsschub für die ganze Stadt

  • Updates zu Siemensstadt 2.0

    Auch wenn bislang nur der obige Link des Handelsblattes erste Visualisierungen enthält, wundert mich die geringe Resonanz hier im Forum. Alleine die nackten Daten lassen ein waschechtes Megaprojekt erwarten. Die Medien schreiben mE völlig berechtigt in Superlativen wie "Jahrhundertprojekt", "historischer Chance", "Modernisierungsschub für ganz Berlin und Deutschland", "Wunder", "Leuchtturm" "Deutsches Silicon Valley". Siemens selbst spricht von nichts anderem als der Zukunft des Arbeitens und Wohnens, was sich sowohl auf die Modernisierung der vielen denkmalgeschützten Bausubstanz als auch auf sehr viel Neubau bezieht.


    Inzwischen habe ich erst begriffen, dass Siemens selbst sogar 660 Mio investiert. 60 Mio sollten ohnehin in einen kleinen Campus am Dynamowerk Nonnendammallee südlich vom 70ha Megacampus fließen. Dort wird es u.a. um Materialforschung/ neue Werkstoffe, Oberflächenbeschichtung, digitale Produktion und 3D-Druck gehen. Auch hier gibt es wichtige Kooperationspartner wie Technische Universität, Fraunhofer-Gesellschaft sowie Bundesanstalt für Materialforschung.
    Hierzu die B.Z. vor der großen Entscheidung
    Und Bild.de nach dem Zuschlag für Berlin


    Durch das Spiegel-Interview habe ich inzwischen verstanden, dass exakt dieser Ansatz auch für den großen Campus verfolgt wird. Hier kommt auch der Bund ins Spiel. Dieser soll insbesondere die Ansiedlung großer Forschungseinrichtungen ermöglichen, die Siemens allein nicht beeinflussen kann. Der Senat und teilweise der Bezirk sollen sich um eine rasche Abwicklung der gewünschten Infrastrukturmaßnahmen wie insbesondere ultraschnelles Internet sowie Verkehrswege kümmern. Dazu betont Neike wie gesagt, dass man unbedingt auch andere Akteure aus der Wirtschaft mit ins Boot holen will - von Startups über Mittelständler bis hin zu anderen Großkonzernen. Entsprechende Gespräche mit Interessenten laufen bereits. Die 660 Mio sind also nur als Ankerinvestition zu begreifen. In Wahrheit dürfte hier sehr bald eher von einem Milliardenprojekt die Rede sein.


    Siemens spricht neben dem Besetzen zentraler ökonomischer Zukunftsfelder zugleich auch von sozialer Verantwortung. Die Menschen sollen nicht abgehängt und verdrängt, sondern mit ins Boot geholt werden. Sie sollen sich in die Planungen einmischen und dem Areal dereinst auch seinen Namen geben. Eine Trennung von Forschung, Entwicklung, Produktion, Gewerbe und Wohnen soll bewusst aufgebrochen, Fehler wie beim Silicon Valley und dem gescheiterten Google-Campus sollen vermieden werden. Von den rund 2.000 Wohnungen sollen 30% mietpreisgebunden bleiben. Zugleich will man höchste Standards bei der technischen Ausstattung und Vernetzung der Gebäude erreichen. So soll beispielsweise durch intelligente Klimatechnik die Krankenquote reduziert werden. Insgesamt soll es ein so mächtiger Gegenentwurf zum Valley werden, dass Menschen lieber hier leben und wirken möchten. Somit soll der negative Brain Drain von Berlin/ Deutschland/ Europa in die USA oder nach Asien gedrosselt oder gar gedreht werden. Auf Berlin bezogen könnte es auch ein spannender Alternativentwurf zu Adlershof werden. Sicher wird es auch für Tegel ein Spannungsfeld zwischen Kooperation und Konkurrenz geben.


    Fazit: Ich bin absolut begeistert von diesem Projekt. Nach der Ansiedlung von Volkswagens Tochterunternehmen für moderne, digitale Mobilitätsdienstleistungen ist dies der zweite und noch größere Meilenstein. Spannend für das Forum wird natürlich primär die architektonische und städtebauliche Komponente. Erstere lässt sich nur erahnen, letztere wirft schon deutlich ihre Schatten voraus...

  • [..]
    Alleine die nackten Daten lassen ein waschechtes Megaprojekt erwarten.
    ..
    Inzwischen habe ich erst begriffen, dass Siemens selbst sogar 660 Mio investiert. [..]


    Zur Einordnung ein Vergleich mit dem "Quartier Heidestraße" (wiederum nur ein Teil der "Europacity"):


    Und dort tut sich etwas - jetzt, und nicht erst "bis 2030".



    [..]
    Auf Berlin bezogen könnte es auch ein spannender Alternativentwurf zu Adlershof werden. Sicher wird es auch für Tegel ein Spannungsfeld zwischen Kooperation und Konkurrenz geben.


    In Adlershof ist in den letzten 25 Jahren ein Vielfaches der von Siemens - und von dir - genannten Summe investiert worden, und zwar auch in Wohngebäude:
    http://www.deutsches-architekt…thread.php?t=4728&page=14
    Das Echo auf meine Beiträge dort: fast null..:)



    [..]
    Siemens selbst spricht von nichts anderem als der Zukunft des Arbeitens und Wohnens, was sich sowohl auf die Modernisierung der vielen denkmalgeschützten Bausubstanz als auch auf sehr viel Neubau bezieht.


    Vielleicht wäre das ja eine gute Möglichkeit für eine Kooperation mit dem "Werkbund".
    Allerdings würde ich mir dann an dessen Stelle von Siemens vertraglich ein gutes Honorar und gute Bedingungen zusichern lassen, damit sich nicht das wiederholt, was gerade andernorts passiert ist: http://www.deutsches-architekt…php?p=616916&postcount=60
    Nur weil ein Konzernvorstand - spät, aber immerhin - die Zeichen der Zeit erkannt hat ("Wir haben da ein brachliegendes Areal, wie holen wir das meiste bei geringer Investition heraus..?"), muss das in der Praxis noch nicht viel heißen (siehe ähnliche Ankündigungen seitens Siemens in Bayern)...

  • Hallole : Bei Adlershof, Euref, dem leider gescheiterten Bayer Campus, dem Campusprojekt des Prothesenherstellers Otto Bock beim Brauereigelände etc gab es mW immer größeres frühzeitiges Interesse. In Adlershof passiert abgesehen von dem Allianzprojekt relativ wenig Spektakuläres - zumindest im sichtbaren Bereich. Dort entstehen aktuell gefühlt eben leider primär noch biedere Wohnbauten. Das juckt das Forum traditionell weniger, ähnlich zu beobachten bei kleineren Projekten wie der Nachverdichtung der Gropiusstadt inkl. neuer Hochhäuser.


    Beim Siemens Campus geht es aktuell ja primär um die Ankündigung an sich. Die erste Projektvisualisierung ist nicht spektakulär aber mE doch spannend. Erinnert mich spontan an den BASF-Bau und ein wenig auch an den Squaire in Frankfurt. Jedenfalls symbolisiert es gut die Symbiose vom alten und neuen Siemensstadt, der damaligen und der neuen Berliner Gründerzeit.


    Mit anderen Quartieren ist das Projekt mE schwer zu vergleichen. Sowohl flächenmäßig als auch in Bezug auf die Investitionsmittel ist das schon ein herausragendes Projekt. Wie mehrfach geschrieben reden wir hier von 70ha und zahlreichen Bestands- sowie Neubauten. Die 660 Mio beinhalten ja noch nicht einmal Grundstückserwerb und werden von flankierenden Investitionen zahlreicher anderer Akteure ergänzt. Ich denke durchaus, dass hier vergleichbares zu Adlershof entstehen wird und das zudem in einem womöglich spannenderem städtebaulichen Kontext. Die Vernetzung mit dem Flughafen und der Stadt geht ja nicht von ungefähr zwingend mit der Entwicklung des Areals einher. Ein reaktivierter U-/ S-Bahnanschluss war eine der Grundbedingungen und somit klares Signal, hier kein isoliertes Entwicklungszentrum aus dem Boden zu stampfen, sondern ein substanzielles, spannendes Stück Stadt. Das finde ich persönlich (unabhängig von der konkreten architektonischen Ausgestaltung) aktuell spannender als jedes andere Projekt in Berlin, inklusive Humboldtforum, Alex und Co. Aber das ist sicher subjektiv und nicht jeder findet bereits nackte Daten und Fakten sexy. Vermutlich wird es spannender, wenn es noch mehr Visualisierungen gibt.

  • Mit am spannendsten finde ich ja, dass die alte Siemensbahn wiederbelebt werden soll. Nach 40 Jahren dahingammeln so eine Wiedergeburt- finde ich klasse. Bei der Gelegenheit könnte man sie doch glatt bis zum Flughafen Tegel verlängern, wie bereits vorgeschlagen- das wäre eine angebrachte Investition, egal ob der Flughafen bleibt oder nicht.

  • Mich freut es, dass Siemens in Berlin nach Jahrzehnten des Stellenabbaus und der Produktionsverlagerung nun an eine Tradition anknüpfen will. 660 Mio hören sich für mich noch nicht nach einem Mega Projekt an. Hoffentlich vergeigt der Investorenfeindliche Senat es nicht noch. Ich würde auch nicht ausschließen, dass man sich aus Mangel an Sachverstand von Siemens über den Tisch ziehen lässt weil mietpreisgebundrner Wohnraum lockt. Das unwiderstehliche Stöffchen für RRG.


    Dennoch estmal ein Trefferchen für Müllerchen.

  • Gammelfisch : Eine Verkehrsverbindung zwischen Siemensstadt 2.0 und dem künftigen Tegel-Campus ist tatsächlich bereits im Gespräch. Ob und ggf wie genau diese erfolgt, bleibt abzuwarten. Generell bin ich gespannt, wie sich das Verhältnis zwischen den beiden Arealen gestalten wird. Man könnte vielleicht andere Schwerpunkte setzen oder beide als einander ergänzendes Flächenpotential nutzen, statt durch Redundanz nur Konkurrenz zu erzeugen.


    Rotes Rathaus : Inwiefern sollte Siemens denn den Senat über den Tisch ziehen? Die Zugeständnisse in Bezug auf den Denkmalschutz sind mE absolut sinnvoll. Eine tote Siemensstadt nutzt Berlin allenfalls als Museum einer vergangenen, glanzvollen Ära. Die Investitionen in Verkehrwege sind ohnehin sinnvoll, da auch im direkten Umfeld Wohnbauten entwickelt werden. Durch die Abstimmung ergeben sich somit Planungs- und Kostensynnergien. So legen es jedenfalls gewisse Artikel nah. Die digitale Infrastruktur wird mW wohl anteilig auch vom Bund gefördert und ist in Bezug auf die geplanten Zukunftsfelder essentiel. Irgendwo war zu lesen, dass auch Berlin insgesamt einen hohen Millionenbetrag investiert. Aber aus Adlershof und Co weiß man, dass dies extrem nachhaltig angelegtes Geld ist, das ein Vielfaches an Dividende einbringt.


    In der Summe entsteht hier nicht nur ein riesiger Forschungscampus (und 660 Mio allein durch einen privaten Träger sind eine Megainvestition). Daneben wird das gesamte Areal auch für die Stadt geöffnet und angeknüpft. Die gegenwärtigen Zäune des Werksgeländes sollen fallen, Wohnen, Hotels und Gewerbe auch Menschen auf das Areal einladen. Es werden u.a. Industriearbeitsplätze erhalten oder ersetzt und sicher auch komplett neu geschaffen. Mit 2.000 Wohnungen direkt auf dem Areal (also 600 mit Mietpreisbindung) wird auch ein Anteil für den Wohnungsmarkt geschaffen. Allerdings war anderswo zu lesen, dass perspektivisch 3.000-4.000 Wohnungen im Umkreis entstehen und allein durch dieses Projekt in den nächsten paar Jahrzehnten rund 10.000 Menschen zusätzlich nach Spandau ziehen könnten.


    Wettbewerber aus aller Welt sind an Siemens herangetreten. Die Bundesregierung und einschlägige Medien aus ganz Deutschland gratulieren Berlin. Selbst die Opposition ist begeistert und kann oder will den Zuschlag durch nichts madig machen. Ich sehe da bislang absolut keinen Haken und bin extrem gespannt auf weitere Details.

  • Ich denke das ist eine grosse Chance für Berlin. Ich denke, Berlin und der Senat haben sich sehr angestrengt, allerdings glaube ich auch, dass der Bund bestimmt Siemens massiv gedrängt, oder gelockt hat, was auch immer, diesen Campus in Deutschland oder eben dann in Berlin anzusiedeln. Diese Technologien sind so wichtig und Deutschland muss unbedingt mehr in dieser Richtung investieren, dass es sich nicht hätte leisten können, dass auch noch einer der wenigen deutschen Global Player mit so einer Zukunftsinvestition ins Ausland geht.


    Die Voraussetzungen sind ja auch nicht schlecht, keine Stress um den Ort, die umliegende Bevölkerung scheint glücklich zu sein und die Ecke ist ideal gelegen somit kann dieses Projekt schon mal ohne Gegenwind geplant werden.
    Die Siemensbahn wird allerdings schwierig und ich befürchte hier wird es noch eine Weile dauern bis man entschieden hat, wie man diese Gebiet und Spandau an den Ring anschließt. Und selbst wenn man sich entschließt, die Bahn zu reaktivieren dürfte das mindestens 15 Jahre dauern.

  • [..] (und 660 Mio allein durch einen privaten Träger sind eine Megainvestition)[..]


    Mit 10 multipliziert - ja.
    Aber so, verteilt auf - mindestens - 12 Jahre - nein.
    "Mega" etc. ist IMHO nicht gerechtfertigt.
    Aber es sei Siemens zugestanden: prima PR in eigener Sache!
    (Allerdings bleibt unvergessen, wie 2008 aufflog, dass Siemens über viele Jahre hinweg mit schwarzen Kassen in Milliardenhöhe Auftraggeber schmierte -
    Werner v. Siemens dreht sich noch heute im Grab herum:Nieder:)


    [..]
    Wettbewerber aus aller Welt sind an Siemens herangetreten.[..]


    Geht's konkreter?
    Die Autobauer & deren Zulieferer haben darauf wohl kaum gewartet: http://www.deutsches-architekt…hp?p=614290&postcount=563

  • Hallole : Faktor 10? Das wären 6,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Apple Campus 2 wurde vor 5 Jahren mit ca. 2,5 Milliarden Euro veranschlagt (zzgl. Grunderwerb). Das ist weniger als Faktor 4. Und dieser war DAS Prestigprojekt eines der Konzerne mit der global höchsten Marktkapitalisierung sowie 11- bis 12-stelligen lockeren Investitionsmitteln, die teilweise aus Steuergründen dringend angelegt werden mussten. Ein Großteil des Geldes floss somit in nette Spielereien für Design und Prestige. Letztlich kam man u.a. aufgrund des teilweise schon pedantisch ausgeprägten Perfektionismus nach inoffiziellen Schätzungen auf über 4 Milliarden Euro. Selbst das ist aber immer noch längst nicht Faktor 10 in Bezug auf Siemens. Bei Siemens kommen zudem wie gesagt noch ergänzende Investitionen durch diverse andere Unternehmen sowie Bund und Land hinzu. In der Summe könnte es also ebenfalls auf ein Milliardenprojekt hinauslaufen. Mir ist in Berlin kein einziger vergleichbar ambitionierter Entwicklungscampus/ Inkubator eines einzelnen Wirtschaftsunternehmens bekannt und ich verfolge diesbezüglich seit Jahren jedes Projekt. Sehr viele Dax-Konzerne und globale Konzerne haben hier investiert aber mW nie gleich im neunstelligen Bereich.


    Im von Dir ebenfalls angesprochenen Adlershof reden wir auch von einem Konvolut an Einzelprojekten im zumeist siebenstelligen bis unteren achtstelligen Bereich. In der Summe sicherlich mehr als Siemens initial stemmt. Aber Wista gibt es inzwischen auch schon seit Jahrzehnten. Ein wirklich großes Unternehmen ist dort bislang jedoch weder neu entstandenen noch in substanziellem Umfang angesiedelt worden. Da hat der Siemenscampus gleich einen entscheidenden Vorteil. Es geht auch nicht nur um nackte Summen, sondern auch um den Ansatz und das Konzept sowie um die Anziehungskraft auf andere Akteure.


    Noch mal zum Applevergleich: In der Substanz wäre ich mir noch nicht einmal so sicher, wo mehr nachhaltiger Wert geschaffen wird. Viele Apple-Angestellte sollen den hübschen neuen Komplex funktional nicht besonders schätzen. Die nutzbaren Flächen sind ebenfalls nicht sonderlich üppig, wobei die Grundfläche mit gut 70ha witzigerweise fast identisch ausfällt wie der nördliche Siemenscampus.

  • Ich wusste nicht, dass Siemens nun schon (bezahlte?) Werbung in einem Architektur-Forum betreiben muss...

    Hallole : Faktor 10? Das wären 6,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Apple Campus 2 wurde vor 5 Jahren mit ca. 2,5 Milliarden Euro veranschlagt (zzgl. Grunderwerb). [..]


    Man sollte nicht Apples, äh: Äpfel mit Birnen vergleichen!:D
    600 Mio. in 12 Jahren, macht 50 Mio. pro Jahr seitens Siemens - das ist "bessere Portokasse" für so einen Konzern, zumal für einen, der vor Korruption (siehe oben) nicht zurückschreckt(e)..Brand-Polishing..


    Wer Meldungen raushaut, muss liefern:

    [..]
    Wettbewerber aus aller Welt sind an Siemens herangetreten.[..]


    Geht's konkreter?
    Die Autobauer & deren Zulieferer haben darauf wohl kaum gewartet: http://www.deutsches-architekt…hp?p=614290&postcount=563

  • Hallole : Das wird mir jetzt ehrlich gesagt zu blöd. Dann müsste mich schon die gesamte deutsche/ globale in Berlin aktive Wirtschaft bezahlen, da ich seit Jahren sämtliche Meldungen dieser Art hier im Forum begleite.


    Der Vergleich zu Apple ist mE schon aussagekräftig. Es ist immerhin die größte mir bekannte Investition der letzten Jahre. Dass ein kompletter Entwicklungscampus plus Stadtviertel sich über längere Jahre zieht, relativiert für mich nicht das Gesamtvolumen. Zumal Siemens so schnell wie möglich agieren möchte und eher von äußeren Faktoren als vom bewussten Strecken der Investitionsmittel blockiert werden dürfte. Wenn Du größere Investitionen kennst (ob einmalig oder über Jahre) dann gerne her damit.


    Welche Wettbewerber Berlin konkret hatte, kann ich Dir nicht konkret beantworten. In den Medien ist zu lesen, dass Standorte aus aller Welt direkt bei Siemens angefragt haben und u.a. Asien oder auch die USA an sich gute Karten und mächtige Fürsprecher im Konzern hatten. Für Berlin sprach u.a. die bestehende Fläche, das schnelle und entschlossene Agieren von Senat und Bundesregierung sowie die Strahlkraft der Stadt für Talente aus aller Welt. Zudem gab es eben auch für Berlin starke Fürsprecher. Was genau das mit der Autoindustrie zu tun haben soll, erschließt sich mir hingegen nicht. Hast Du Dich jetzt irgendwie verrannt oder liegt evtl einfach ein Missverständnis vor?

  • PDF-Seite 20 in: http://www.adlershof.de/filead…f-Basis-Informationen.pdf
    --> "Private Investitionen" in Adlershof bis 2012: 738 Mio., davon 541 Mio. allein in den Jahren 2006-2012 - von Mittelständlern, ohne großes "Gedöns" ("Mega" etc.)


    Audi, BMW und Daimler ließen sich die Nokia-Tochter Here knapp 3 Milliarden kosten - in direkter Nachbarschaft entsteht nun ein kleiner "Innovationscampus" rund um die Invalidenstraße (aktuell z.B.: https://www.berliner-woche.de/…erden-geschlossen_a185816), ohne große Ankündigungen ("Mega") - und das kurzfristig & in Mitte und nicht in "jwd"..


    Vergleiche sind nur dann legitim, wenn man den Jahresumsatz zugrunde legt - und nicht absolute Zahlen, noch dazu mit unterschiedlichen Zeithorizonten

  • Hallole : Deine Quelle zu Adlershof zeigt doch viel eher, was über Jahre und Jahrzehnte hinweg aus einer neunstelligen Investition erwachsen kann. Eine Einzelinvestition über mehr als 660 Mio ist es dennoch nicht. Aber es zeigt, dass von 1991 bis 2012 kumulativ immerhin knapp 740 Mio von privaten Wirtschaftsunternehmen investiert wurden - über 20 Jahre aber mit zunehmender Tendenz zu den letzten Jahren hin. Daneben haben sich auch öffentliche Universitäten und Forschungseinrichtungen beteiligt - die exakt identische Mischung wie sie nun auch bei Siemens geplant ist (und sogar über einen ähnlichen Zeitraum gestreckt). Da Siemens auch andere Unternehmen mit ins Boot holen will, könnte es insgesamt trotz Inflation eine ähnliche Größenordnung erreichen wie bei Wista. Was wurde aus Wista? Laut Wikipedia der größte Wissenschafts- und Technologiecluster Deutschlands mit mehreren Milliarden jährlicher Wertschöpfung. Ein Gegenbeispiel gegen die potentielle Bedeutung des Siemensinvestments? Wohl kaum.


    Ähnlich verhält es sich mit Here. Über diese Entwicklung hatte u.a. ich selbst in diesem Forum geschrieben. Nokia hatte (übrigens zusammen mit Siemens) einen Standort der Mobilfunksparte in Berlin - unter wachsendem Druck. Viele Arbeitsplätze wurden abgewickelt aber aus einem zukunftsträchtigen Sektor gründete man Here aus. Dieser wurde zum Dienstleister diverser Autokonzerne und entwickelte somit große strategische Bedeutung. Als man das Startup abgeben wollte, ging eine Bietergemeinschaft von Audi, BMW und Daimler dazwischen, um die Kontrolle zu wahren. Um die hohen Kosten zu senken, öffnete man den Dienst zugleich auch für Konkurrenten. Here ist eines von zahlreichen Beispielen FÜR die Potentiale digitaler Wertschöpfung (exakt darin investiert nun auch Siemens und wird evtl. neue Heres entwickeln). Eine gemeinsame strategische Übernahme von einem gewachsenen Unternehmen ist nun aber auch wieder keine Einzelinvestition in einen neuen/ erweiterten Entwicklungsstandort. Dann müsste man bspw auch die Übernahme von Schering durch Bayer zählen. Bei Firmenübernahmen fließen natürlich regelmäßig Milliarden aber es entsteht daraus zunächst keine Investition in neue Entwicklung oder Produktion. Dafür braucht es dann wiederum entsprechende Investitionen.


    Es wundert mich im übrigen kein Stück, dass Du kein Gegenbeispiel finden kannst. Wie gesagt hat es laut übereinstimmenden Medienberichten mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg keine substanziellere Einzelinvestition eines Wirtschaftsunternehmens in Berlin gegeben. Da Siemens sich bewusst starke Partner sucht, wird es zudem nicht bei dieser Einzelinvestition bleiben. Nun kann man sich einfach freuen oder ewig das Haar in der Suppe suchen.

  • [..] die exakt identische Mischung wie sie nun auch bei Siemens geplant ist (und sogar über einen ähnlichen Zeitraum gestreckt). Da Siemens auch andere Unternehmen mit ins Boot holen will, könnte es insgesamt trotz Inflation eine ähnliche Größenordnung erreichen wie bei Wista.
    [..]
    Potentiale digitaler Wertschöpfung (exakt darin investiert nun auch Siemens und wird evtl. neue Heres entwickeln).
    [..]
    Da Siemens sich bewusst starke Partner sucht, wird es zudem nicht bei dieser Einzelinvestition bleiben. ..


    Kündigst du im privaten/familiären Bereich "Investitionen" auch so an (€€€ - macht vom Jahressalär 1 Promille)?
    Oder liegt's am Alter?


    Woischt, im Südweschte (:D) mag man so ein post-pubertäres Dahergerede ("geplant", "will", "könnte", "wird" etc.) einfach nicht..;)
    Mache, net schwätze :)

  • ^


    Auf was für einem Trip bist Du eigentlich?
    Jan freut sich wortreich, dass in Berlin nicht nur Tourismus und Bundesverwaltung funktioniert und eine Fortsetzung der glorreichen Industriegeschichte winkt. Da kann man sicher auch skeptischer sein aber muss nicht derart unangenehm werden. Jeder hat halt seine Perspektive.


    Im Grunde sind wir uns einig, dass mehr Wissenschaft und Industrie Berlin (auch als Mittelpunkt Ostdeutschlands) gut tun würden.


    Siemens sollte von M nach B umziehen, dann mache ich auch Luftsprünge.

  • Im Zusammenhang mit dem Innovationscampus wird auch die Reaktivierung der Siemensbahn diskutiert. Wie schwierig das wäre, hat jetzt der Berliner Bahnchef Alexander Kaczmarek dargelegt. Ein Prtoblem ist der Denkmalschutz, das andere der nicht vorhandene Planfeststellungsbeschluß für die Einfädelung in den Nordring.
    Weitere Infos hier und hier.

  • Neue Updates zu Siemensstadt 2.0

    Grundstückswert durch neues Baurecht mehr als vervierfacht - R2G kann Deals!
    Die Morgenpost hat recherchiert, dass Siemens nicht nur durch die Förderung von Infrastruktur und Ansiedlung von Forschungseinrichtungen profitieren wird. Allein die Umwandlung des Baulands von einem reinen Industriegebiet zu einem Mischgebiet soll den Grundstückswert von 90 auf 400 Euro pro Quadratmeter anheben. Rechnet man das auf 70ha (700.000 Quadratmeter) um, ergeben sich gleich mal schlappe 217 Mio Gewinn. Dazu kommen natürlich auch noch die Zugeständnisse beim Denkmalschutz, die eine nachhaltige Entwicklung des Geländes überhaupt erst möglich machen (laut Siemens dürfte man in vielen der alten Bauten sonst streng genommen kaum eine Schraube ersetzen). So bedeutet die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens zugleich auch eine entscheidende Werterhaltung und -schaffung der eigenen Immobilien.


    Umgekehrt benötigt Berlin dringend Wohn- und Büroflächen und natürlich erst recht gut bezahlte, zukunftsfähige Arbeitsplätze. Mit dem neuen Campus partizipiert der Berliner Konzernstandort an der Entwicklungsarbeit in drei von sechs großen Geschäftsfeldern des Siemenskonzerns. Das Projekt vereint enorme Wertschöpfungspotentiale mit sozialem Wohnungsbau und öffnet wie zuvor beschrieben auch ein reines Werksgelände für die Stadt. Die Durchmischung wird also nicht nur einen Gewinn für Siemens selbst darstellen.


    Für mich so weit erkennbar das Ideal von einem Deal zwischen Politik und Wirtschaft. Zudem freut es mich, dass der Senat überhaupt zu so etwas fähig ist. Müller, Pop und Lederer haben das Ganze in selten trauter Einigkeit zur Chefsache gemacht und ressortübergreifend an einem Strang gezogen und das sogar in einer von Siemens nicht für möglich gehaltenen Geschwindigkeit und Entschlossenheit. Mir persönlich ist völlig egal, weshalb konkret der Senat sich so bewegt hat. Ich will einfach mehr davon sehen. So etwas entwickelt Berlin weiter. Das ist die DNA für Erfolg, egal welche Politiker oder Parteien daran beteiligt sind. Wermutstropfen bleibt, dass man in der Vergangenheit bereits viel zu häufig Unternehmen verprellt hat und die Lernkurve extrem spät einsetzt. Bleibt zu hoffen, dass man nun beflügelt wird und darauf aufbauen kann.
    Morgenpost zum Thema Grundstückwerte


    Siemens will schnell Grundlagen schaffen
    Indessen erhöht der Konzern schon mal die Schlagzahl. Der städtebauliche Wettbewerb wird bereits vorbereitet und soll dann Anfang 2019 anlaufen. Parallel wird sondiert, ob Siemens die Schaffung des benötigten 5G-Standards in Auftrag geben oder gar selbst verwirklichen wird. Aus Unternehmenskreisen ist zudem durchgesickert, dass man im Zuge der Kooperation mit der TU Berlin wohl 3 zusätzliche volle Professuren sowie Forschungsarbeiten im Umfang von 55 Mio finanzieren will.
    Welt.de zum Projektanlauf
    tagesspiegel.de zum gleichen Thema mit Schwerpunkt auf 5G
    nordbayern.de mit weiteren Informationen

  • Ein Beispiel für ein IMHO gelungenes Mischgebiet sind die Edison-Höfe in Mitte, zwischen Invaliden- und Schlegelstraße (und Chausseestraße 18): http://www.deutsches-architekt…rum/showthread.php?t=1721
    Mit aktuellen Fotos: https://deka-sterne-berlin.de/sterne/edisonhöfe.html


    Und während dort Profis die Vermietung übernehmen (https://www.immobilien-zeitung…ojekt/Edison_Hoefe_Berlin), möchte Siemens derlei selbst machen? Wohl kaum..
    Fragt sich auch, welche Mieten man denn erzielen will - und ob diese außerhalb des S-Bahn-Rings etc. durchsetzbar sind..


    Obige "217 Mio Gewinn" durch Grundstückswertsteigerung dürfte Siemens über kurz oder lang realisieren (wollen) durch einen Verkauf, oder?



    Und was die Ankündigung von Siemens betrifft, 5G-Mobilfunk und Breitband in Siemensstadt im Zweifelsfall selbst zu machen, ist - pardon - lachhaft:
    das Netzwerkausrüstergeschäft wurde vor Jahren an Nokia verkauft.


    Kein Problem damit, auf ihren Werksgeländen 5G-Mobilfunk selber zu betreiben, haben dagegen die - auch im oben verlinkten TS-Artikel erwähnten - Autokonzerne: im Zuge des Kaufs der Nokia-Tochter "Here" hat man sich gute Konditionen bei Nokia gesichert.
    Und besagtes "Here" hat seinen Sitz in obigen "Edison Höfen"...

  • ^Die 217 Mio sind doch erst einmal nur ein rein theoretischer Wert. Natürlich wird Siemens nicht die kompletten 70ha als Bauland abstoßen. Sie haben so aber ganz andere Möglichkeiten, die Flächen zu verwerten. In welchem Verhältnis dabei ggf. andere Akteure Teilareale entwickeln, wird man schon noch sehen. Ich würde mir da nicht deren Kopf drüber zerbrechen. Gleiches gilt auch für das Thema 5G. Die Aussage dazu stammt im übrigen von einem früheren Manager bei Cisco Systems. Der sollte an sich ziemlich genau wissen, worüber er redet. Dass bei dem Thema teilweise auch die Autoindustrie selbst vorprescht, ist zwar richtig. Aber was genau Deine ständigen Referenzen zwischen Siemens und Autoindustrie konkret aussagen sollen, habe ich noch immer nicht verstanden.