Deutsche Oper am Rhein (Wettbewerb entschieden)

  • Gab es in Düsseldorf keine Industriebrache am Rheinufer? Warum ausgerechnet dieser nicht einfache Standort?

    Es geht nicht um den besten Standort, sondern auch um einen realistisch umsetzbaren Standort. Das Grundstück am Wehrhahn konnte aufgrund der Insolvenz aus der Masse von SIGNA vergleichweise sehr günstig für nur 150 Millionen Euro herausgekauft werden. Diese Chance hat man genutzt und das spart am Ende wesentlich teurere Kosten für Grundstücke, die auf dem freien Markt sind und natürlich im Preis in die Höhe schießen, wenn man merkt, da hat die Stadt Interesse.


    Zum Entwurf selbst:


    Deutlich besser als früher die Entwürfe der ersten Phase. Ein Wermutstropfen bleibt aber: Durch das extrem fragmentierte Grundstück mit heute noch, extern unterentwickelt ... gar minderwertigen Nachbarbauten sehe ich hier immer noch ein verschenktes Potenzial, dass man nicht unbedingt versucht hat, den gesamten Block zu entwickeln, sondern eben (fast) nur das ehem. Kaufhofgrundstück. Gerade die Ecke Oststraße/Tonhallenstraße hätte hier noch viel Spielraum für tolle Architektur eingebracht.


    Am Ende ist alles aber auch wie immer ein Planen unter Rahmenbedingungen, die man sich nicht immer aussuchen kann. Daher bin ich zufrieden, wenn auch nicht euphorisch.

  • ^ Naja. Der Standort am Wasser / Medienhafen wurde bereits in der ersten Runde aussortiert, weil er “schlecht angebunden” sei. Man wäre nicht gut genug mit öffentlichen Verkehrsmitteln hingekommen. Come on! Erstens ist Düsseldorf so kompakt und klein, dass du fast überall hin laufen kannst, zweitens gibt es in unmittelbarer Nähe leicht ausbaufähige Straßenbahn-Linien und Stationen, drittens nehmen die meisten sowieso keine Öffis zur Oper und viertens: Warum spielt das in Hamburg keine Rolle? Die Stadt ist so viel größer und der neue Standort ist noch überhaupt gar nicht ans Öffi-Netz angeschlossen.

    Ich würde sagen, der viel logischeren und besseren Standortwahl hat die gute alte deutsche Beschränktheit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da ging es weniger um Kosten.

  • Die Stadt ist so viel größer und der neue Standort ist noch überhaupt gar nicht ans Öffi-Netz angeschlossen.

    Das ist so nicht ganz richtig. Die UBahn Station HafenCity Universität ist 4 Fußminuten und 300 Meter vom Standort entfernt.



    Mod: Bitte weg von München und Hamburg und hier zurück zum Thema.

  • Wenn die Materialen der Fassade wirklich wertig werden,

    Wenn die Deutsche Oper hochwertige Materialien bekommt,

    Ein Satz, der so eingeleitet wird, weist für mich immer auf einen schlechten Entwurf hin. Großartige Architektur ist nicht auf teure Materialien angewiesen.


    Ich finde sämtliche Entwürfe erstaunlich unzeitgemäß. Wenn man schon so ein "Statement" haben will, muss man sich auch was einfallen lassen. Mit solchen Irgendwo-schonmal-gesehen-Entwürfen wird das jedenfalls nichts. Auch das Hamburger Opernhaus ist nicht gerade originell, aber durch die intensive Begrünung und das insgesamt zurückhaltende Auftreten sowie den Standort ergibt sich doch ein stimmiges Konzept.


    Mit Neid schaue ich nach Paris, wo vor 10 Jahren (!) die Philharmonie eingeweiht wurde, die ich heute immer noch doppelt so aufregend finde wie Düsseldorfer und Hamburger Oper zusammengenommen. Bis die deutschen Häuser gebaut werden, vergehen etliche Jahre und bei Einweihung wird vor allem das Düsseldorfer Bauwerk noch älter aussehen als heute schon im Entwurf. Schade, ich mag diese Stadt gern.

  • ^

    Puh, das Ding in Paris finde ich richtig übel... wie ein außerirdisches Wesen in einem Horrorfilm auf dem Weg die Erde zu zerstören... ^.^


    Vielleicht liegt es an den Bildern, normalerweise hab ich nämlich eher wenig Probleme mit solchen Solitären.

  • Habe mixed feelings. Finde den Entwurf perse jetzt nicht komplett schlecht aber er wirkt schon überdimensioniert und will nicht so ganz dahin passen. Denke aber auch dass es am Ende an der Umsetzung und der Materialwahl liegen wird ob das Bauhaben ein Erfolg wird. Besser hätte ich den Entwurf von HPP gefunden, da sich dieser rein von den Bildern her leichter in die sonst sehr quadratisch anmutende Umgebung eingefügt hätte und auch mehr Bezug zu den umliegenden Gebäudehöhen genommen hätte. Was ich allerdings überhaupt nicht verstehe ist warum die Kosten hierfür bei einer Millarden Euro liegen sollen?? Insbesondere im Vergleich zu Hamburgs 350 Million Euro Baukosten stellt sich doch ernsthaft die Fragen ob hier nicht auch ein Entwurf in der Größenklasse gereicht hätte. Oder wurde der Hamburger Bau wieder besonders gering geschätzt nur um am Ende wieder das doppelte zu kosten?

  • …. Also, ich denke jetzt muss man auchmal ein Paar Lanzen zu Gunsten des Entwurfs brechen.

    Es gibt nicht sehr viele vergleichbare ˋmissliche‘ Bausituationen für ein Opernhaus, auf der Welt.

    Auf Anhieb fallen mir nur Covent Garden in London und Fenice in Venedig ein. Aus neuerer Zeit sind mir eigentlich nur prominente Solitärstellungen bekannt.

    Wieso wird hier so sehr darauf gedrungen, dass sich eine Oper gefälligst der umgebenden Bebauung anzupassen habe, ein eitler Monolith, wo gibt‘s denn sowas?

    Dabei schreit alles was Oper repräsentiert doch nach eitler Selbstdarstellung und nicht nach Anpassung.

    Unter dieser Prämisse löst der erstplatzierte Entwurf das Dilemma auf erstaunlich gelungene Weise. Das Einzige was mich wirklich irritiert, ist die Diskrepanz zwischen dem kühlen, kantigen Äußeren und dem organisch geschwungenem Inneren. Und der Saal selbst ist mit Verlaub ein Augenschmaus und hoffentlich ein Hörgenuss.

  • Zu allem Überfluss zeigt die Visualisierung von Snøhetta den deprimierenden Bau auch noch bei Novemberwetter, was den Gesamteindruck noch trister macht.


    Gerne würde ich die Architektur aus allen Richtungen und auch bei Sonnenschein sehen, damit man sich eine richtige Vorstellung von dem Ding machen kann. Die Darstellung des Zuschauerraumes zeigt die Sicht von der Bühne auf die Ränge und Logen. Diesen Blick hat man als Besucher eher selten. Interessant wäre hier die Zuschauerperspektive.

  • ^


    In diesem Fall kann die KI sehr nützlich sein:


    Snohetta-Osla-AS-Tagansicht-3.jpg


    oder vielleicht so:


    Snohetta-Osla-AS-Tagansicht-22grau.jpg


    Beide Bilder: Snøhetta Oslo AS, offizielle Visualisierung mithilfe von KI (Google Nano Banana) in eine Sommer-Visualisierung abgewandelt. Keine Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

    4 Mal editiert, zuletzt von Adama ()

  • Mir gefällt der Snøhetta-Entwurf ausgesprochen gut. Durch Dreiteilung der Baumasse, bekommt jede Seite des unregelmäßigen Baufelds eine eigenes "Gesicht".


    Die turmhaften Baukörper machen das Gesamtbild auch nicht so wuchtig-klopsig wie die anderen Entwürfe (die eher wie Kaufhäuser wirken).


    Einziges Manko, der aber dem Standort geschuldet ist: es fehlt ein gut geschnittener Vorplatz. Als Ausgleich könnte das Foyer höher, offener, einladender sein. Ich finde, man sollte als Fußgänger direkt merken, dass das ein öffentliches Gebäude ist.


    Ich drücke die Daumen, dass bei der Umsetzung nicht zuviel weg gespart wird!

  • In diesem Fall kann die KI sehr nützlich sein: ...

    Ja, danke. Das sieht bei strahlendem Sonnenschein und heller Fassade schon direkt freundlicher aus. Aber die KI macht auch Fehler. Das sieht man in der zweiten Version, die verlinkt wurde. Das Fassadenmaterial sieht im Original eher grau aus, als sandsteinfarben.


    Hier sind zwei Bilder des Modells in Beziehung mit der Umgebung:


    https://www.tagesspiegel.de/im…g-der-siegerentwurfe.jpeg


    https://rp-online.de/imgs/32/2…3062-1d5bea7ac0ae8640.jpg


    Der Bau ist ja deutlich vielseitiger, als nur diese visualisierte Ecke. Ansichten aus der Tonhallenstraße, Am Wehrhahn, oder aus der Jacobistraße möchte ich sehen. Ich meine Visus, kein Holzmodell.

    Einmal editiert, zuletzt von Metamizol ()

  • Mir ist völlig klar, dass KI Fehler macht. Das Bild sollte lediglich grob zeigen, wie der Entwurf aus derselben Perspektive im Sommer wirken könnte. Mehr gibt die vorhandene Veröffentlichung aktuell nicht her. Der Beitrag bedeutet übrigens nicht, dass ich den Entwurf gut finde, ich bin selbst wenig begeistert.


    Und nach der Reaktion werde ich mich künftig auch hüten, weiteres Anschauungsmaterial zu erstellen. Für korrekte Visualisierungen sind ohnehin die offiziellen Stellen zuständig. VG

  • Es ist schon faszinierend zu sehen, wie sehr der Snøhetta-Entwurf die Forengemeinde spaltet. Schlechte Architektur schafft so etwas nicht.


    Meiner Meinung nach ist es der mit großem Abstand beste Entwurf, sowohl hinsichtlich der Kubatur als auch in der Formensprache (auch im Inneren).

    Keiner der anderen Entwürfe hat sich ernsthaft mit der Besonderheit der Grundstückssituation auseinandergesetzt. HPP enttäuscht hier mit seinem chaotisch wirkenden Fassaden-Wirrwarr besonders, und die übrigen Entwürfe könnten von außen auch als Kaufhäuser durchgehen.


    Ich wünsche ja Karstadt wirklich nichts Schlechtes, aber wenn deren Gebäude nur halb so groß wäre und zur Schadowstraße hin ein Vorplatz für die Oper entstehen könnte - das wär' schon schön!

  • (...) Und nach der Reaktion werde ich mich künftig auch hüten, weiteres Anschauungsmaterial zu erstellen. (...)

    Adama - Entschuldige bitte. Ich wollte Dich nicht kränken und bin dankbar für die Mühe mit den KI-Bildern. Die Kritik ging auch nicht an Dich persönlich, sondern eher an künstliche Intelligenz allgemein. Es besteht die Gefahr, dass Bauwerke attraktiver dargestellt werden, als sie wirklich sind ;) .


    Meine Begeisterung für den Entwurf hält sich auch in engen Grenzen. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass die Dreiteilung der Kisten noch irgendwie interessant aussehen könnte.

  • ^^ Schlechte Architektur schafft sowas nicht? Was ist denn nun auch “schlechte Architektur”? Was ist “schlechte Kunst”? Begehbar sollte es schon sein, funktionell auch. Okay. Aber selbst, wenn es – was mich nach wie vor echt wundern würde – ein paar wenige Leute gibt, die “begeistert” sind von dem Entwurf und ihn sich nicht einfach nur schön reden (weil immerhin ein Stararchitekten-Entwurf und für die Ecke Wehrhahn ein großer Name), dann muss man doch feststellen: Dieser Entwurf schafft es nicht, die Gegend derart aufzuwerten, dass ein neuer „Leuchtturm“ entsteht, ein begehrtes Foto-Objekt, etwas, das heraussticht und die Gegend strahlen lässt. Dieser Klotz ist heute das, was die Kartstadt-Moderne in den 50ern war. Und an diesem Ort einfach nur völlig ohne jegliche Strahlkraft. Das Preisgericht hat nicht ohne Grund die Zwischenentwürfe nicht veröffentlicht und den Teilnehmern gesagt, sie müssten die Entwürfe nochmal überarbeiten, da jeglicher Wow-Effekt fehlte und alles zu sehr an Kaufhaus-Architektur erinnert. Bestimmt gabs eine gewisse Verbesserung, aber im Kern ist es eben noch genau das: Kein Wow-Effekt und kubatorische, uneinladende Kaufhausarchitektur. Aber klar muss die Stadt den Gewinnerentwurf jetzt gut reden, was bleibt ihr auch anderes übrig?

  • Ich hoffe, ich erlebe es noch, dann wird die Oper in Düsseldorf auf diesem Grundstück entweder nur südlich oder auch noch zusätzlich

    (optional) östlich ein "Flatiron" bekommen. Dann würde dieses Gebiet nicht nur als Entwicklungszone wie bisher

    betrachtet werden, nein, es wäre eine der heißesten Locations schlechthin.

    Einmal editiert, zuletzt von Betonrüttler () aus folgendem Grund: Himmelsrichtung korrigiert

  • Danke für die ergänzenden Infos zu den Entwürfen, Adama !!!

    Der 3. Platz wäre mein "Sieger" gewesen - optisch innen wie außen sehr ansprechend, und nicht 0815, wie der "Siegerentwurf" , der mich in der Außenansicht - je häufiger ich ihn mir angucke, an ein misslungenes Legobauwerk aus meiner Kindheit erinnert - Meine Meinung :D

  • Ich habe mir heute mal den Rundgang mit den gesamten Wettbewerbsbeiträgen angeschaut. Ich fand den Großteil der Entwürfe entweder völlig uninspiriert (dabei einige belanglose Glaskästen) oder zu verspielt ohne klare Linie. Von den Kandidaten, die es nicht in die Top4 geschafft haben, fand ich Seilern am besten, mit Abstrichen auch Ingenhoven - die Jury wird aber in beiden Fällen Zweifel gehabt haben, ob die Vorschläge in den Block passen. Die Entscheidung für Snohetta ist für mich mehr als nachvollziehbar. Zum Siegerentwurf gibt es ein Rendering aus der Vogelperspektive, das die begrünten Dächer zeigt. Dazu die Außenhaut in verschiedenen Farbtönen von grau bis cremefarben.