Deutsche Oper am Rhein (Wettbewerb entschieden)

  • Es ist soweit! Am 18. November, also in genau einer Woche, werden "die Siegerentwürfe" präsentiert.


    Die Jury um Architekt und Stadtplaner Heiner Farwick (Vorsitzender der Preisgerichts), die Beigeordnete für Kultur und Integration des Landeshauptstadt Düsseldorf, Miriam Koch, und die Geschäftsführende Direktorin der Deutschen Oper am Rhein, Alexandra Stampler-Brown, wird die Siegerentwürfe zuvor am 12. und 13. November auswählen.

    Wer kostenlose Tickets für die Veranstaltung haben möchte: Forum Opernhaus der Zukunft | Deutsche Oper am Rhein.

    Interessant finde ich, dass es "die Siegerentwürfe" heißt - logischerweise kann am Ende nur einer gewinnen. Heißt, es ist entweder falsch formuliert oder der finale Sieger steht dann noch immer nicht fest und wird erst mit den Stimmen der Öffentlichkeit gemeinsam gewählt.

  • Die Sieger stehen fest.... gerade gesehen:


    website der Stadt Düsseldorf schreibt:


    "Die Entscheidung im Wettbewerb für das "Opernhaus der Zukunft" ist gefallen: Vier Entwürfe gingen aus dem Generalplanungswettbewerb als Sieger hervor. Das Architekturbüro "Snøhetta Oslo AS" aus Oslo wurde dabei vom Preisgericht als Erstplatzierter gekürt."


    Siegerentwurf:

    Canto

    Canto

    Canto

    Canto


    Alle Entwürfe:


    Opernhaus der Zukunft: Siegerentwürfe des Architekturwettbewerbs stehen fest - Landeshauptstadt Düsseldorf


    Fotos der Entwürfe auf folgenden Seiten:

    Canto


    alle Links über Stadt Düsseldorf

  • Um Gottes Willen. Ich bin wirklich schockiert. Wir hätten den galaktischen Ingenhoven-Entwurf am Hofgarten haben können oder ein neues Wahrzeichen im Medienhafen. Stattdessen bekommen wir einen brutalistischen Karstadt-Kasten, der die Gegend dort definitiv nicht aufwerten wird. Dann können sie das bestehende Gebäude auch da lassen. Bin gespannt, wie man bei dem Entwurf die Baukosten erklärt, das wird kein Fotomotiv, das Touristen anlockt oder eine „Oper für alle“.

  • Ich finde, der Snøhetta-Entwurf ist verdient als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen.

    Seine monolithische Formsprache wird durch die großen Fensteröffnungen in einem ausreichenden Maße aufgebrochen und auch dank der porösen Mauerwerkfassade wird man innen wohl keine klaustrophobischen Räume erfahren, gleichzeitig aber Ausblicke über die Stadt gerahmt bekommen.

    Die Sonnenterrasse des Mittelbaus entlang der Tonhallenstraße sieht einladend aus und die beiden versteckten Dachgärten machen mich neugierig.

    Das organische und flüchtige Innere im EG ist der richtige Kontrast zu den kantigen und grauen Kubaturen.


    Von den anderen drei Entwürfen finde ich HPP noch am besten, aber im vergleich zu Snøhetta fehlt hier ein bisschen der Mut zur Charakterstärke. Und diese 'gebauten Vorhänge' der einen Fassade sind doch ein bisschen zu bildlich. Daneben erinnert seine kubische Dreiteiligkeit an Kadawittfelds Entwurf für die neue Komische Oper in Berlin, der im armen Berlin wirklich als eine gestalterische Wohltat gelten kann. Das reiche Düsseldorf soll sich aber gerne eine einzigartige Landmarke leisten.

    Hoffentlich gehts also mit Snøhetta weiter!


    (Die beiden anderen Finalisten irritieren mich. Im Sinne von: warum waren die im Finale und wie sahen dann andere Beiträge aus? — Sie geben mir nichts außer polygonaler Langeweile.)

    3 Mal editiert, zuletzt von ulayin ()

  • Siegerentwurf von Snøhetta Oslo AS:


    Snohetta_Osla_AS_Nachtansicht.jpg

    Quelle: Snøhetta Oslo AS


    Snohetta_Osla_AS_Modell.jpg

    Quelle: H.-J. Wuthenow


    Snohetta_Osla_AS_Forum.jpg

    Quelle: Snøhetta Oslo AS


    Snohetta_Osla_AS_Grosser_Saal.jpg

    Quelle: Snøhetta Oslo AS


    D2C04922.jpg

    Quelle: Landeshauptstadt Düsseldorf/Claus Langer


    D2C05070.jpg

    Quelle: Landeshauptstadt Düsseldorf/Claus Langer

    Einmal editiert, zuletzt von DUS-Fan ()

  • Die Kubatur finde ich ganz ansprechend. Die Fassadengestaltung in dieser Weise ist aber schon recht erdrückend. M. E. würde es dem Entwurf guttun, die Baukörper hier hinsichtlich des Materials und/oder der Farbe von einander abzusetzen. Also mehr Ensemble, weniger Monolith. Die Innenansichten wirken dagegen auf mich recht vielversprechend.

  • Platz 2 - HPP Architekten GmbH:


    HPPArchitekten_GMBH_Nachtansicht.jpg

    Quelle: HPP Architekten GmbH


    HPPArchitekten_GMBH_Haupteingang.jpg

    Quelle: HPP Architekten GmbH


    HPPArchitekten_GMBH_Modell.jpg

    Quelle: H.-J. Wuthenow


    Platz 3 - kister scheithauer gross architekten GmbH mit STUDIO GANG ARCHITECTS, Ltd.:


    Kister_Scheithauer_Gross_Architekten_GMBH_Nachtansicht.jpg

    Quelle: kister scheithauer gross architekten GmbH


    Kister_Scheithauer_Gross_Architekten_GMBH_Modell.jpg

    Quelle: H.-J. Wuthenow


    Kister_Scheithauer_Gross_Architekten_GMBH_Forum.jpg

    Quelle: kister scheithauer gross architekten GmbH


    Kister_Scheithauer_Gross_Architekten_GMBH_Grosser_Saal.jpg

    Quelle: kister scheithauer gross architekten GmbH



    Platz 4 - wulf architekten:


    Wulf_Architekten_Nachtansicht.jpg

    Quelle: wulf architekten Stuttgart


    Wulf_Architekten_Modell.jpg

    Quelle: H.-J. Wuthenow


    Wulf_Architekten_Forum.jpg

    Quelle: wulf architekten Stuttgart


    Wulf_Architekten_Grosser_Saal.jpg

    Quelle: wulf architekten Stuttgart

  • Ich sehe hier leider nur halbgares, unförmiges Rumgeklotze. Die Entwürfe erschlagen die Umgebung förmlich. Hier wären meiner Meinug nach mehr Kleinteiligkeit bzw. eine stärker gegliederte Fassade und ein weniger wuchtiger Baukörper gefragt gewesen.

  • Der Snohetta Entwurf fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und überzeugt durch seine imposante Innenarchitektur - den markantesten Wiedererkennungswert hat für mich der Kistervorschlag - HPP gefällt mir gar nicht, bieder und nicht stimmig, Wulf nett aber unspektakulär

  • Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Rat der Stadt 1 Mrd. Euro für so einen Bunker genehmigen wird, zumal es ohnehin nur noch ein eher marginales Publikum dafür gibt.


    Dazu kommt, dass die Stadt, wie praktisch alle in Deutschland, finanziell fast am Ende ist. Deutschland befindet sich in der längsten Stagnationsphase seit sieben Jahrzehnten.


    Tut mir leid, aber das halte ich für dekadenten Wahnsinn, den wir uns absolut nicht mehr leisten können. Touristen wird dieses monolithische Monstrum wohl auch nicht in die Stadt locken. Das Geld sollte meines Erachtens definitiv anderweitig investiert werden.

  • … ein ereignisreicher Tag was Architekturentscheidungen in Deutschland betrifft.


    Zwei Entscheidungen für Opernhäuser, hier in Düsseldorf und dann in Hamburg.


    Zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen, die aber auch dem Umfeld geschuldet sind.

    Hier für ein Opernhaus eher ungünstiges Eckgrundstück, in Hamburg eine äußerst repräsentative Wasserlage, solitär auf einer Landzunge gast wie in Sydney.


    Ich muss sagen, beide! ausgezeichneten Ersten Preisträger haben das Beste aus der jeweiligen Situation herausgeholt.

    Hier in Düsseldorf wird es sehr auf die Wahl erstklassiger Materialien für die Fassadengestaltung ankommen. Das muss wertig und edel aussehen. Auf keinen Fall darf es die Anmutung eines Design-Kaufhauses befördern.

  • Der Standort am Wehrhahn scheint den Architekten die kreative Energie geraubt zu haben. Anders kann ich mir dieses furchtbare Ergebnis nicht erklären. Das hier hätte für Düsseldorf von Ingenhoven am Hofgarten realisiert werden können:


    w1365_h1856_x682_y928_230215-Ideenwettbewerb_OdZ_HHA_Ingenhoven_Perspektive_Hofgarten_-d3ea512f35dcc0ca.jpg

    (Quelle: https://www.duesseldorfer-anze…l-wettbewerb_aid-85127317)


    Stattdessen bekommt Hamburg diesen Entwurf jetzt so ähnlich von BIG und direkt am Wasser umgesetzt. Und Düsseldorf darf sich mit einem grauen, uneinladenden Block zufrieden geben.

  • Ich brauchte jetzt mehrere Versuche mich an den Siegerentwurf zu gewöhnen. Aber ich glaube, es ist einzigartig. Es wird mit der Oper Hamburg verglichen, als Siegerentwurf, ich finde sie zwar schön aber nicht einzigartig. Diese Schlichtheit und Eleganz von Snøhetta Oslo AS, ist typisch für sie und der Saal ist super schön, diese geschwungenen Formen sind wirklich toll. Wenn die Materialen der Fassade wirklich wertig werden, dann glaube ich, dass es sehr gut an diese Ecke passt. Das wird die Schadowstrasse aufwerten. Es kommt wieder zurück was zurück gehört. Tonhalle/Neue Oper.

  • ^


    Stimme dir zu, Snohetta hat in der nicht einfachen Blockumgebung eine stimmige Lösung gefunden. Hamburg hatte es da deutlich einfacher in Wasserlage und da ist letztlich nur ein beliebiges Produkt von der Stange rausgekommen.

  • Es wird eine Ausstellung zu den Siegerentwürfen geben (Q). Diese wird am 18. November im 34OST (ehemals Conrad Eletronic), Oststraße 34, eröffnen - in direkter Nähe zum Grundstück "Am Wehrhahn", wo der Neubau errichtet werden soll. Die Ausstellung ist vom 18. November bis 7. Dezember montags bis freitags von 16 bis 20 Uhr sowie an Wochenenden von 12 bis 20 Uhr geöffnet und zeigt alle 27 Entwürfe des Generalplanungswettbewerbs. Darüber hinaus sind die Entwürfe des Kinder- und Jugendarchitekturwettbewerbs "Bau dein Musikschulbibliothekopernhaus der Zukunft" ausgestellt, den die Deutsche Oper am Rhein gemeinsam mit der Clara-Schumann-Musikschule und der Musikbibliothek der Stadtbüchereien Düsseldorf ausgerichtet hat. Der Eintritt ist frei.

  • Hamburg hatte es da deutlich einfacher in Wasserlage und da ist letztlich nur ein beliebiges Produkt von der Stange rausgekommen.

    Ja, Hamburg hat es mit der Lage deutlich einfacher. Aber dass der Hamburger Entwurf ein “beliebiges Produkt von der Stange” sein soll, kann ich nicht nachvollziehen.


    Gab es in Düsseldorf keine Industriebrache am Rheinufer? Warum ausgerechnet dieser nicht einfache Standort?

  • Über die Bezeichnung bin ich auch gestolpert. 8o


    Selbst wenn es ähnliche Gebäude bereits gibt, ist der Gesamteindruck (für mich) in Hamburg der deutlich bessere, einladendere und ansprechendere.


    Wenn die Deutsche Oper hochwertige Materialien bekommt, wird sie bestimmt ordentlich, aber das größere Wahrzeichen wird sicherlich die Oper in Hamburg.


    Davon abgesehen leben Opernhäuser aber immer noch von dem was innen passiert. Da bin ich jetzt komplett raus, aber vielleicht kann Düsseldorf hier ja Hamburg dann übertrumpfen.

  • Der Snohetta Entwurf funktioniert meiner Meinung nach in dieser Lage einfach nicht – und zwar genau deshalb, weil er sich fast „zu sehr“ der Umgebung anpasst. Die Umgebung besteht nämlich zum Großteil bereits aus teils monolithischen, einfachen grauen Blockgebäuden der Nachkriegszeit. Der Entwurf erinnert mit seinen Schrägen und seiner Gradlinigkeit und Massivität an die Osloer Oper von Snohetta – dort bildet sie aber einen starken Kontrast zum Wasser, zur Welle, zu einer natürlichen organischen Struktur. Dort kann so ein Block interessant wirken und strahlen.


    Der Siegerentwurf erinnert mich an diesem Standort an das, was Kaufhof am Marienplatz in München ausstrahlt – nämlich nichts als erdrückende, uneinladende Kühle:


    https://www.sueddeutsche.de/20…rect=0%2C139%2C1353%2C761


    https://www.sueddeutsche.de/20…rect=0%2C139%2C1353%2C761

    (Quelle: https://www.sueddeutsche.de/mu…-mit-kultstatus-1.2271786)


    In einer arte-Doku über „Kulturtempel“ und den Bilbao-Effekt heißt es passend: Diese von Star-Architekten gebauten Kulturtempel sollen allein durch ihr Ansehen (und noch mehr als durch ihre Funktion) Touristen locken und die Stadteinwohner stolz machen. Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass das hiermit passiert. An einem Standort wie dem Wehrhahn hätte der Entwurf aber RICHTIG rausstechen und der ganzen Gegend eine andere Farbe geben müssen.


    Einbindung in Link geändert. Erneut Einbindung direkt von Quell-Servern ("Hotlinking") und Verletzung fremder Bildrechte.

    Einmal editiert, zuletzt von jered1993 ()

  • Ich bin entsetzt - nicht nur vom Siegerentwurf, sondern auch von allen anderen. Wirklich enttäuschend.


    Der Siegerentwurf: erdrückend, monolithisch und abweisend. Dachterrassen größtenteils ohne Aussicht. Die Innengestaltung: zwar originell aber in puncto organische Formen so übertrieben, dass fast eine Koloskopie-Anmutung entsteht. Ich frage mich auch, ob jenes Erdgeschoss irgendwie bespielt wird. Was man dringend vermeiden sollte, ist so ein musealer aber toter Raum. Da gehört ein Operncafé oder eine Bar hin.


    Besonders grotesk: die Politik wollte kein Hochhaus mit dem Hinweis auf Maßstäblichkeit. Jetzt bekommt sie so einen jeden Maßstab sprengenden Klotz…