Neukölln | Kleinere Projekte

  • ^ Wieso denn immer gleich Neohistorismus als Extrem, wie wäre es z.B. mit sowas? Experimentelle Architektur ist schön und gut, aber sie muss doch auch optisch überzeugen. Hier werden wir, fürchte ich, auf lange Sicht ein Zusammenleben erleben, das ähnlich rau und minimal ist wie die abgebildete Architektur. Ich habe an dem Baukörper und dem Konzept des gemeinschaftlichen Wohnens gar nichts auszusetzen, im Gegenteil. Ich frage mich nur, wie in solch einer trostlosen, uninspirierenden Umgebung ein positives Zusammenleben entstehen soll, außer vielleicht unter einer Gruppe avantgardistischer Liebhaber einer rohen, rauen Ästhetik.

  • Mich überzeugt das Projekt auch optisch, aber ich mag auch z.B. Brandlhubers Projekte.
    Was das Zusammenleben angeht hängt es natürlich immer von der Belegung ab. Allerdings zeigen in diesem Zusammenhang auch die noch so heimeligsten Projekte der postmodernen 80er Jahre IBA dass sich bei problematischer Belegung auch dort das Zusammenleben problematisch gestalten kann, z.B. in der südlichen Friedrichstadt.

  • @Kienitzer Straße: Als jemand, der mehrere Jahre wenige Straßen entfernt von der Kienitzer (nahe beim Richardplatz) gewohnt und auch Freunde in dieser Straße hat, empfinde ich dieses avantgardistische architektonische und/ oder soziale "Experiment" als etwas abgehoben. Kann mir nicht vorstellen, dass sonderlich viele dahinter steigen werden und sich dort nun völlig andere Formen des Zusammenlebens etablieren (jedenfalls nicht in der erwünschten Form). Die meisten werden es kaum von den ranzigen Bestandsbauten unterscheiden können, von denen im näheren Umfeld schon genügend rum stehen und weiter entsprechend mit der Gegend umgehen. Vermieten lassen sich die Wohnungen aber sicher dennoch. Vielleicht zieht die völlig begeisterte Frau Lüscher ja gleich selbst für ein paar Jahre dort ein, damit sie mal die Langzeitfolgen ihrer Experimente empirisch untersuchen kann. Immerhin hat Gropius eine Zeit lang selbst in der Gropiusstadt gewohnt...


    P.S.: Hoffnung habe ich ja noch, dass der reale Eindruck etwas freundlicher und lebensbejahender aussehen wird, als die Visualisierung. Manchmal hat man ja auch das umgekehrt Ergebnis, dass die Realität besser ist als die Zeichnung.

  • Was ist an der Architektur und der Nutzung denn ansatzweise experimentell? Fassaden aus Wellblech sind nichts neues, eine Hinterlüftung der Fassade auch nicht - mir wäre auch neu, dass es überhaupt NICHT hinterlüftete Wellblechfassaden geben würde. Eine Nutzung mit starkem Fokus auf Gemeinschaft ist auch ein alter Hut und bekannt seit den späten 60ern.
    Das Projekt ist in jedem Detail Retro.

  • Das baunetz berichtet nun auch über den Wettbewerb. Neben dem Siegerentwurf sind auch weitere Entwürfe der dahinter platzierten Wettbewerber zu sehen.
    Die Projekte werden als durchweg gut empfunden und zeugten vom geballten Sachverstand der Jury :eek:
    Dieser gefalle am Sieger die experimentelle, eher unfertige Anmutung der Fassade. Mit ihren profilierten Paneelen erinnere sie nur auf dem ersten Blick stark an Nachkriegsbauten wie das Wohnhochhaus von Wils Ebert neben dem jüdischen Museum.


    Hier nochmal en Detail weil es so schön ist:




    (C) EM2N Architekten AG, Zürich


    Zur Feier des Tages...

  • Da werden Erinnerungen wach an einen Besuch in einem Sozialwohnungsbau aus der Nachkriegszeit in Den Helder, da gab es auch außen gelegene Flure. Beeindruckend, wie jede Siff-Spur hier visualisiert wurde. So wird's nach etwa einem Jahr aussehen. Eine Abscheulichkeit und eine Unverschämtheit ggü. denen, die nichts anderes finden werden. Die anderen Entwürfe sind genau so schlecht wie man es erwarten konnte, wenn das Baunetz sie gut findet. Nur Axthelm-Rovien finde ich akzeptabel.

  • Das baunetz berichtet nun auch über den Wettbewerb. Neben dem Siegerentwurf sind auch weitere Entwürfe der dahinter platzierten Wettbewerber zu sehen.
    Die Projekte werden als durchweg gut empfunden und zeugten vom geballten Sachverstand der Jury :eek:


    Bestätigt erneut meine Meinung über die konservativen Ansichten der Baunetz Redaktion.


    Zudem finde ich solche Äußerungen, die sich rein auf den fachlichen Diskurs stützen, mittlerweile nicht serhr zielführend (und im architektonischen Diskurs sogar schädlich):


    "Insbesondere die Rollbergsiedlung [...], verfügt über einige interessante Qualitäten."


    Die Rollbergsiedlung ist der einzige Teil Nord-Neuköllns, der immer noch nicht von der Bevölkerung angenommen wird.
    Kann man natürlich der Bevölkerung die Schuld geben. Finde ich aber reaktionär.

  • @Bato: Muss das sein? In den Detailaufnahmen sieht es ja sogar noch viel schlimmer aus und raubt mir auch noch meine letzte Hoffnung :nono: (Natürlich kannst Du auch nichts dafür und es hilft ja nichts, die Realität zu leugnen). Also wenn der Anspruch war, das Rollbergviertel noch in Sachen Siff und Ranzigkeit zu toppen (auch bei einer Jury unter Frau Lüscher kein Selbstläufer), dann ist es voll gelungen. Das erinnert mich an den Neubau meiner Oberschule, wo die Schüler nach zwei, drei Jahren in Containern eingezogen sind und sich kollektiv die Augen gerieben haben, weil es ästhetisch kein wirklicher Fortschritt war (die Container sahen der geriffelten Blechfassade auf dem Bild sogar auffällig ähnlich, der nackte Siffbeton unserer "fertigen" Schule in Rohbauoptik mit absichtlichen Fugen und schiefen Wänden!!!). Auf den Architekten haben wir die gesamte Schulzeit geschimpft und auch die Lehrer fanden den "unfertigen Look" nicht sexy.


    Ich wiederhole mich: Die meisten Bewohner werden wie wir Schüler damals nichts mit diesem Experiment anfangen können. Immerhin haben einige Mieter vielleicht eine Wahl, sodass es zumindest nicht nur die Verkehrten trifft.


  • Immmerhin mal ehrliche Visus, sieht nämlich hier schon ranzig aus. Atmosphäre wie im Innenhof einer Knastanstalt - Beton, kalt, trist. Wie man das als "Weiterentwicklung von Gemeinschaft und sozialer Kommunikation" (O-Ton Jury Mitglied Muck Petzet) etikettieren kann, ist mir schleierhaft.
    Vielleicht sollten Architekten mal wieder weniger als Hobbysoziologen auftreten.

  • @Rotelaternenverteiler

    polemisch


    Richtig, das ist meine Reaktion auf die Selbstbeweihräucherung der Projektbeteiligten und dem Baunetz für ein Entwurf der schon auf den Renderings einen billigen und versifften Eindruck macht.

  • Von den anderen Entwürfen finde ich den von Axthelm Rolvien am besten. Der ist zwar nicht experimentell, aber für Berlin eher unkonventionell und sieht um Längen besser aus als der Siegerentwurf. Die restlichen Entwürfe können mich nicht ganz überzeugen, aber sie sind alle wesentlich besser als der Siegerentwurf.

  • Beschönigung kann man den Visus tatsächlich nicht unterstellen. Wäre auch dem Konzept nicht zuträglich. Die hübsche Brunette hastet auch ziemlich durch die Kühle und hat keinen Grund ihren Blick vom Smartphone abzuwenden. Die Dunkelblonde daneben schaut auch nicht grad begeistert ;-)

  • Für die Baulücke Flughafen Straße 72-74 in Neukölln wurde Ende Dezember der Bauantrag eingereicht.
    Der Entwurf stammt von Eike Becker Architekten:



    (C) Eike Becker_Architekten


    Dazu heißt es:

    In der vorhandenen Baulücke Flughafen Straße 72-74 wird von Eike Becker_Architekten ein Wohngebäude mit 72 Apartments in Größen zwischen 20 und 90 m2 geplant. Der Bauantrag wurde am 17.12.2016 eingereicht. Im Erdgeschoss ist ein gemeinsames Wohnzimmer (Shared Space) und eine Gewerbeeinheit geplant. Die Straßenfassade erhält ihre Plastizität durch vorspringende Loggien aus natureloxiertem Aluminium auf einer Stahlrahmen Unterkonstruktion.



    Ein weiteres Wohnprojekt der BUWOG ist in der Harzer Straße geplant:

    Im Berliner Bezirk Neukölln hat die BUWOG ebenfalls eine neue Liegenschaft erworben. In der Harzer Straße soll unter Einbeziehung der historischen „Geyer-Medienhöfe“ ein gemischtes Quartier entstehen. Auf dem ca. 12.500 m² großen Grundstück will die BUWOG nach aktuellem Planungsstand rund 200 Wohnungen errichten.

  • Ab Mitte 2014 sollen in Neukölln im Mariendorfer Weg die ehemalige "Brandenburgischen Hebammenlehranstalt und Frauenklinik" und das umliegende Gelände zu einem Wohnprojekt entwickelt werden, wo rund 900 Wohnungen entstehen sollen. Mit dem Abriss der nicht denkmalgeschützten Gebäude wurde bereits begonnen.


    http://www.tagesspiegel.de/ber…de-altbauten/8400110.html


    Schon wieder etwas länger her, dass darüber berichtet wurde (alternativ). Nun gibt es aber Neuigkeiten in der Abendschau zu erfahren.
    Teile der ehem. Frauenklinik werden bereits abgerissen. Auf der Seite des Bauherrn Petruswerk heißt es hierzu:


    Auch ein Hochhaus ist geplant. Hier zu sehen auf der Planung:




    (C) AVILA Management & Consulting AG


    Über 400 "bezahlbare" Wohnungen sollen nun bis 2018 entstehen.

  • ^ Ein typischer Patzschke, halt – Pseudo-Historismus auf Styroporbasis für Leute mit viel Geld und einem Hang zum... sagen wir: Overstatement. Nichts für mich, aber da der Bestandsbau schlicht grauenhaft aussieht, trotzdem eine Verbesserung.

  • Na, da habe ich aber Zweifel, ob das eine Verbesserung darstellt, im Gegenteil, der schlicht-straighte Industriebau aus den sechzigern ist wenigstens keine solche Geschmacksverirrung und Stilverwirrung wie diese Patzchke-Torte - allein schon, wie der Erker in den angedeuteten Sockel gezogen ist - hallo? Die sollten mal andere Drogen einwerfen oder wenigstens besseren Wein ausschenken beim Entwerfen. Und wenn ich dann noch einrechne, wie die gebauten Resultate dieses Büros in der Regel von den ja schon besorgniserregenden Renderings noch nach unten abweichen... nein, lieber nicht.

  • Ich find es gut. Schöne Eckbetonung durch den Turm, kleinteilige Fassade, hervorgehobene EG-Zone und ein paar Details welche dieses klinisch glatte von vielen anderen neuen Fassaden verhindert. Kann ich mir gut im Stadtbild vorstellen.

  • Bedauerlich, wenn man sich vor Augen führt das Patzschke (Senior freilich) ein Pionier von "Retroarchitektur á la Jahrhundertwende" war. Zwar noch etwas grob und zuweilen etwas plump, aber klar wegweisend. Mittlerweile haben viele ehemalige "Schüler" Patzschkes Ideen längst weiterentwickelt. Gute Retroarchitektur machen heute andere. Das Büro hat sich in den vergangenen Jahren im Grunde nicht weiterentwickelt, die neue Patzsche-Generation ruht sich womöglich auf den Lorbeeren längst vergangener Tage aus. Der Kreuzberger Neubau ist natürlich schon ok, aber im Detail eben unbefriedigend. Etwa das unterste Fenster vom Eckturm - das müsste höher sein als die darüber Liegenden und nicht gestaucht niedriger. Diesen Fehler zum Beispiel machen die Patzschkes bei wirklich JEDEM ihrer Häuser - unbeirrt.