Paulskirche: Generalsanierung und "Haus der Demokratie"

  • Dekoratives Anführungszeichen

    einerseits soll die Ausstellung im „HdD“ die Geschichte der Demokratie beleuchten, andererseits soll sie sicher auch in die Gegenwart wirken. Vor diesem Hintergrund scheint eine historische oder historisierende äußere Hülle unpassend

    Diese These teile ich nicht. Viele Landtage und auch der Bundestag und Bundesrat, ebenso Gerichte wie der Bundesgerichtshof oder das Bundesverwaltungsgericht sind in historischen oder nach historischem Vorbild rekonstruierten Gebäuden untergebracht. Ich habe nicht den Eindruck, dass irgendjemand unzufrieden damit wäre, im Gegenteil.

    Die Architektur der Kämmerei finde ich durchaus prägnant und würdevoll, gerade auch im Kontext zum historischen Rathaus (das auch ein "Haus der Demokratie" ist). Ein irgendwie moderner Dachaufbau würde das Bauwerk in keiner Weise aufwerten, sondern eher abwerten. Zumal man damit in einer Stadt wie Frankfurt, die bereits sehr viel moderne, auch spektakuläre Architektur aufweist, nicht einmal besonders heraussticht.

    Das Berliner Reichstagsgebäude wäre vermutlich nur wenigen Menschen in Deutschland bekannt, wenn es nicht diese besondere politische Bedeutung hätte. Analog muss sich das neue "Haus der Demokratie" eine inhaltliche Bedeutung erarbeiten, dann wird sich das automatisch auf die Hülle übertragen, egal welche Gestalt das Bauwerk hat.

    Ich vermute aber, das "Signature Building" wird immer die Paulskirche bleiben und alles weitere nur die zweite Geige spielen, selbst wenn Gehry daneben eine irre Architektur-Explosion hinbauen würde. Denn die Paulskirche hat eben eine historische Relevanz, die ihr keiner nehmen kann. Deshalb halte ich das Wettbewerbskriterium, das HdD solle "Wiedererkennungswert" haben, für völlig verfehlt, denn durch die Paulskirche ist das bereits erreicht. Naheliegend wäre höchstens eine Rekonstruktion des Kircheninneren, damit es dort so aussieht, wie es jeder aus dem Geschichtsbuch kennt.

  • Vermutlich haben die meisten hier auch die aktuelle Pressemitteilung der Stabsstelle "Haus der Demokratie" erhalten. Demnach haben über zweitausend Menschen an der Umfrage teilgenommen, demographisch wohl relativ ausgeglichen.

    "Der derzeitige Stand der Auswertung zeigt eine erste Tendenz: Für das Haus der Demokratie wird der Umbau und die Transformation der Kämmerei bevorzugt. Dabei soll das Haus der Demokratie wiedererkennbar sein und als ein offenes Haus für Alle wirken.

    Für den Paulsplatz wünschen die Beteiligten mehr Grün und mehr Wasser, gute und barrierefreie Wegeverbindungen sowie ausreichend Sitzmöglichkeiten, also eine Aufwertung des Platzes als lebendigen und demokratischen Stadtraum."

    Eine detaillierte Auswertung soll kommenden Januar veröffentlicht werden, ich bin gespannt.

  • Lustiger wird es nicht mehr: Der Städtebaubeirat hat seine Meinung zum geplanten Haus der Demokratie kundgetan. Den Platanenhain auf dem Paulsplatz wollen sie fällen lassen, weil ihnen die Rasterform nicht gefällt, und stattdessen Vielfalt einziehen lassen. Eine bunte Pippi-Langstrumpf-Landschaft oben auf der Kämmerei finden sie super. An eine Wiederherstellung des historischen Dachs des denkmalgeschützten Gebäudes denken sie offenbar nicht einmal.

    Die FAZ berichtet.

  • Gleicher Artikel, frei lesbar bei MSN eingestellt:

    Haus der Demokratie: Hoffen auf „inspirierende Architektur“

    Die Zusammenfassung im Vorkommentar ist eher eine Deutung. Allerdings ist insbesondere beim Dach die Forderung eines "zeichenhafte[n] Element[s] mit hoher Aufenthaltsqualität“ und "intensive[r] Begrünung" eine deutliche Ablehnung der historischen Dachlandschaft. Obwohl man zum Paulsplatz hin durchaus rekonstruieren und an anderen Seiten des Gebäudes Dachgärten integrieren könnte. Die Kämmerei wäre groß genug, beides zu bieten.

    Witzig finde ich den Vorschlag des BDA, den Ideenwettbewerb faktisch einzustampfen und beim Realisierungswettbewerb wieder alle Varianten zuzulassen. Begründung: die Teilnahme am Ideenwettbewerb habe sich für gute Architekturbüros nicht gelohnt, weil nur eine Beauftragung Geld einbringe. Vielleicht sollte die Architektenschaft das Thema Wettbewerbsverfahren mal grundsätzlich überdenken.

  • Die „Architektenschaft“ richtet die Wettbewerbsverfahren ja nicht aus. Es sind die potentiellen Klienten, die zu einem Wettbewerb einladen, um einen Auftrag unter den teilnehmen Architekten zu vergeben. Insofern hat man als Architektur-Büro meines Erachtens nur die Wahl teilzunehmen oder nicht – dann hat mal aber eben auch wenig bis keine Chance prestigeträchtige, öffentliche Bauten als Aufträge zu bekommen.

    Ein ähnliche Vergabestruktur gibt es z. B. auch in der Werbebranche: 10 Agenturen werden zu einem Pitch geladen, nur eine setzt den hoch dotierten Auftrag um, der Rest hat am Ende nur ordentlich Ressourcen und Zeit verschleudert und kann das ganze im Bestfall als PR/Eigenwerbung verbuchen.

    Der Vorschlag alle (aus die offensichtlich chancenlosen) nun noch mal zum Realisierungswettbewerb zuzulassen, erscheint mir in der der Tat lächerlich und das gleich aus mehreren Gründen. Es macht zum Einen den Ideen-Wettbewerb und die Bürgerbeteiligung komplett obsolet und zum Anderen weiderholt sich so das vom BDA beim Ideenwettbewerb bereits angemerkte Problem – alle Investieren gehörig Ressourcen und am Ende wird auch danach trotzdem nur ein Büro beauftragt. Verdoppelt oder Vervielfacht (erhöhter Aufwand beim Realisierungswettbewerb vs. Ideenwettbewerb) dies nicht gar noch die Problematik? Oder stehe ich gerade komplett auf dem Schlauch?

    Man könnte zumindest schon mal alle Varianten mit einer angedachten Überbebaung des Paulsplatzes generell raus nehmen. Wenn ich es recht verstanden habe, war das ja eines der offensichtlicheren Dinge, welche sich in der Bürgerbrfragung heraus kristallisiert hatten.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Die „Architektenschaft“ richtet die Wettbewerbsverfahren ja nicht aus.

    Nein, aber die Architektenschaft ist in Berufsverbänden organisiert und die verteidigen die Grundsätze der "Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW)" mit Klauen und Zähnen. Wettbewerbe werden meines Erachtens generell zu oft verklärt und die vielen Nachteile zu wenig ins Verhältnis gesetzt.

    Und ja, du hast es völlig richtig auf den Punkt gebracht: die grundsätzliche Problematik, die ein Wettbewerb mit sich bringt, durch einen weiteren, sehr offen gehaltenen Wettbewerb heilen zu wollen, ist wirklich absurd. Dass dann ein Büro den Auftrag für nachfolgende Leistungsphasen bekommt, ändert ja nichts an der unbezahlten Arbeit für die anderen. Wenn man alles auf Null setzt, wird es für die Teilnehmer beim Realisierungswettbewerb nicht einfacher. Aber vielleicht gibt es beim BDA ein paar Granden, die sich ärgern, bei so einem prominenten Projekt nicht zum Zuge gekommen zu sein.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Interessant auch, welche Büros teilnahmen und leer ausgingen

    ...

  • Der Denkmalbeirat spricht sich für einen Umbau der Kämmerei aus:

    1.Schaufassaden sollen unangetastet und

    2. insbesondere zum Paulsplatz ohne An- und Aufbauten bleiben.

    3. Dachgeschoss in neuer Gestalt aber mit Mansarddach.

    Ausserdem könnte der Mittelflügel einem grösserem Hof weichen.

    Dekoratives Anführungszeichen

    „Der Denkmalbeirat wünscht sich, dass der mögliche Umbau der Kämmerei ein gelungenes Beispiel dafür sein sollte, wie Denkmalschutz und zukunftsweisende Architektur koexistieren und sich gegenseitig bereichern können, während die historische Identität bewahrt und gleichzeitig neue Räume und moderne Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden“

    Denkmalbeirat für Mansarddach auf Kämmerei (Bezahlschranke)

  • laozi Deine Formulierung "Dachgeschoss in neuer Gestalt aber mit Mansarddach" finde ich irreführend. Vielmehr heißt es im Artikel:

    "Bei einer Korrektur des obersten Stockwerks halten sie es für wünschenswert, den Umriss oder die Rekonstruktion des historischen, verlorenen Mansarddaches zum Paulsplatz hin wiederherzustellen."

    Eine Rekonstruktion wird also, neben der Alternative einer freien Interpretation der historischen Dachform, ausdrücklich gutgeheißen.

    Explizit erwähnt werden die "Schaufassaden des denkmalgeschützten Gebäudes zum Paulsplatz, zur Bethmannstraße und zum Großen Kornmarkt", die Fassade zur Barfüßergasse bzw. Berliner Straße jedoch nicht. Dort scheint es im Gegensatz zu den genannten Fassadenseiten akzeptiert zu werden, wenn sie "angetastet" wird.

    Die zitierte "zukunftsweisende Architektur" kann sich dann außerdem in den Höfen und Innenräumen austoben.

    Euch allen schöne Feiertage!

  • Ja, korrekt!

    Ich bin etwas gespalten. Auf der einen Seite macht die Schaufassade nur zusammen mit dem neobarocken Dach ästhetisch Sinn. Bei einer Rekonstruktion kann im Sinne der Gefälligkeit nichts falsch gemacht werden. Da das nicht das "Haus der Demokratie" selber ist, sondern es nur dieses beherbergen soll, brauch es architektonisch kein Ausrufezeichen setzen.

    Auf der anderen Seite finde ich einen Verwaltungsbau im Stil des wilhelminischen Historismus symbolisch etwas unpassend, auch weil die Preußen ein paar Jahre vorher Frankfurt annektiert hatten. Man setzt sozusagen dem Souverän des Ancien Regime die Krone wieder aufs Haupt. Der spätromantische Historismus war ja auch geistig etwas rückwärtsgewand, wo ja hier eigentlich von demokratischem Fortschritt erzählt werden soll.

    Bei einer Wiederherstellung des Dachumrisses habe ich die Befürchtung, das es stilistisch nicht hinhaut, also weder eindeutig modern noch harmonisch zum Bestand passend. Den Entwurf von Lorentzen Lankilde finde ich in diesem Sinn nur oberflächlich passend und ästhetisch unbefriedigend.

  • Dass die Preußen Frankfurt annektiert haben, mag manchen Frankfurter heute noch schmerzen, das geschah aber im Rahmen des ersten Reichseinigungskrieges. Frankfurt hatte sich mit Österreich eingelassen und damit schlicht die Verliererkarte gezogen. Wie man die Gründung des deutschen Reiches unter Preußens Führung bewertet, kann man wohl als Historikerstreit bezeichnen, aber definitiv ist das Kaiserreich eine ganz maßgebliche Wurzel unseres heutigen demokratischen Deutschlands, wahrscheinlich sogar viel wirkmächtiger als die vor allem symbolträchtige Nationalversammlung in der Paulskirche. Und dem "Ancien Regime die Krone aufs Haupt" zu setzen, war ja sogar das, was die Paulskirchler wollten: den preußischen König zum Kaiser krönen. Das gelang ihnen aber nicht, dazu musste erst ein Bismarck die Reichseinigungskriege anzetteln und gewinnen.

    Geschichte ist kein Ponyhof, insofern sollte man sich da auch baulich ehrlich machen. Bauwerke im Stil des Historismus beherbergen nicht ohne Grund die wichtigsten Institutionen des heutigen Deutschlands, wie ich hier schon angerissen hatte.

    Insofern finde ich den architektonischen Bogen von der Paulskirche (1789 bis 1833 erbaut) zum Kämmereigebäude als typischen, historistischen Verwaltungsbau ungemein passend und geradezu sinnbildlich.

    Die Kämmerei zu entstellen, um sich auf diesem Wege demonstrativ von der Geschichte abzuwenden, fände ich dagegen unwürdig. Das historische Dach, und nach Stand der Dinge nur dieses, wird der Architektur der Kämmerei gerecht. Es gibt genug Möglichkeiten, im Haus zeitgenössische Erlebnisräume zu schaffen.

    Einmal editiert, zuletzt von Ziegel (29. Dezember 2025 um 03:41)

  • Die Magistratsvortrag M_19_2026 vom 16.01.2026 ist online.

    Basierend darauf soll die STVV "einen hochbaulichen Realisierungswettbewerb für die Planung und den Bau des Hauses der Demokratie sowie einen freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb für die Bereiche rund um die Paulskirche, Paulsplatz und Platz nördlich der Kämmerei/Rathaus Nordbau vorzubereiten, auszutoben und durchzuführen."

    "Für den Hochbau des Hauses der Demokratie gelten folgende Maßgaben:

    - Ensemblewahrung: Eingriffe müssen Rücksicht auf das historische Ensemble (Paulskirche, Rathaus, Römer, Kämmerei/Rathaus Nordbau) nehmen;

    - Vorrang für Transformation und Weiterentwicklung der Kämmerei/Rathaus Nordbau mit Dachaufbau; Transformation entsprechend denkmalpflegerischer Belange;

    - signifikante, mutige und sichtbare Architektursprache;

    - direkte Blickbeziehung zur Paulskirche;

    - klare Adressbildung und Sichtbarkeit des Hauses der Demokratie mit klar erkennbarem, niedrigschwelligem und einladendem Zugang;

    - Offenheit nach Norden, Süden, Osten und Westen sowie Teilhabemöglichkeit / Durchlässigkeit und Transparenz in den Erdgeschosszonen;

    - Flexible Innenräume / multifunktionale Räume;

    - Barrierefreiheit für den gesamten Ort;

    - funktionale Verbindung zur Paulskirche."

    "Für den Freiraum Paulskirche Haus der Demokratie gelten die Ergebnisse der Nutzungsanalyse Paulsplatz, das Innenstadtkonzept - Gestaltungsplan Öffentlicher Raum, Fußverkehr, Quartiersanbindung, Berliner Straße - […], der Leitfaden zur klimaangepassten Stadtplatzgestaltung und die Frankfurter Anpassungsstrategie."

    Folgende Kosten werden geschätzt:

    - 82,95 Mio. EUR als Gesamtinvestitionsbedarf;

    - 6,221 Mio. EUR für Planungsmittel bis Lph 3.

    Anlagen in der Magistratsvorlage:

    1 Haus Demokratie Förderbedingungen (8 Seiten);

    2 Haus Demokratie Konzept (144 Seiten);

    3 Haus Demokratie Expertenkomm Empfehlung (15 Seiten);

    4 HDD Verfahrensdokumentation(88 Seiten);

    5_1 Erfassungsmerkmale (2 Seiten);

    5_2 Karte Erdgeschossnutzung (1 Seite);

    5_3 Karte Freiraumstruktur (1 Seite);

    5_4 Karte Barrieren (1 Seite);

    5_5 Fussverkehrszählung (1 Seite);

    5_6 Aufenthalt (1 Seite);

    5_7 Wegebeziehung (1 Seite);

    5_8 Verteilung Aufenthalt (1 Seite);

    5 Erläuterungsber Paulsplatz (28 Seiten);

    6 Zusammenf Ergebnisse Beteiligung (20 Seiten).

    Der Entwurf "3090 Atelier Lorentzen Langkilde Aps" wurde als einer von zehn Entwürfen prämiert und kommt in der Zusammenfassung der Ergebnisse so 'lalü' weg.

    Bei allen anderen Entwürfen frage ich mich warum der Lange Franz, insbesondere unter Berücksichtigung des Vorhabens Neuer Bethmannhof, rekonstruiert werden soll.

  • Hierzu gibts auch einen Artikel in der FAZ (aktuell noch frei verfügbar).

    • Kein Neubau auf dem Paulsplatz
    • Es soll es einen zweiteiligen Realisierungswettbewerb zum Hochbau und zur Gestaltung der Freiflächen rund um die Paulskirche geben
    • Denkmalpflegerische Belange sollen gewahrt werden und es soll Rücksicht auf das historische Ensemble mit Paulskirche und Römer genommen werden
    • Demgegenüber steht der Wunsch nach einer „signifikanten, mutigen und sichtbaren Architektursprache“.
    • Der Städtebaubeirat wünscht sich ein begrüntes und nutzbares Dach und zitiert als Beispiel ein Museum aus Rotterdam. Da ist eine klare Tendenz zu einem modernistischen Umbau sichtbar
    • Die Bürger hingegen bevorzugen eher eine konservative Architektursprache, denn bei denen kam der Entwurf von Lorentzen Langkilde mit dem ans historische Vorbild angelehnte Mansarddach am besten an.
    • Der Oberbürgermeister strebt einen Beschluss der StVV am 5. März an
    • Wann dann ein Architektenwettbewerb startet ist noch unklar

    Lange rede kurzer Sinn: Die Experten aus der Architektenschaft favorisieren etwas modernistisches. Die Bürger hingegen möchten ehr Stadtreparatur in Anlehnung an die Altstadt-Reko und den Wiederaufbau des Langen Franz.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Die Bürger hingegen bevorzugen eher eine konservative Architektursprache, denn bei denen kam der Entwurf von Lorentzen Langkilde mit dem ans historische Vorbild angelehnte Mansarddach am besten an.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Die Bürger hingegen möchten ehr Stadtreparatur in Anlehnung an die Altstadt-Reko und den Wiederaufbau des Langen Franz.

    Na ja, wie auch hier im Forum hat der Entwurf, der eine Dach-Rekonstruktion vorgeschlagen hat, eher schlecht abgeschnitten. Muss man so hinnehmen, auch wenn man spekulieren kann, ob es nur am fehlenden bunten Bildchen lag. Den kleinen Hype um Lorentzen Langkilde kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

  • Wir müssen die Diskussion hier nicht wiederholen, Ziegel

    Der Sowatorini/Wagner Entwurf hat in der Außendarstellung ganz klar seinen Fokus auf das offene Parlament auf dem Paulsplatz gelegt und die Dachrekonstruktion der Kämmerei im Text "versteckt". Da muss man sich dann nicht beschweren, wenn die Bürger darauf reagieren. Das Menschen zuallererst visuelle Wesen sind, muss man einem Architekten doch nicht erklären.

    Außerdem ist der besagte Entwurf doch immerhin in der näheren Auswahl, sprich unter den zehn Preisträgern (wie auch Lorentzen Langkilde Aps). Es bleibt also zu hoffen, dass da noch was geht.

    Einmal editiert, zuletzt von sipaq (23. Januar 2026 um 12:04)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Na ja, wie auch hier im Forum hat der Entwurf, der eine Dach-Rekonstruktion vorgeschlagen hat, eher schlecht abgeschnitten.

    Hat er aber mit großer Wahrscheinlichkeit nur weil ausgerechnet diese Reko im Entwurf überhaupt nicht zu erahnen war. Da musste man sich schon jeden Text im Detail durchlesen. Hätte er die Dachreko auch visualisiert hätte er hundertpro deutlich besser abgeschnitten.

  • Im Beteiligungsprozess zum geplanten Haus der Demokratie wurden 2.068 Fragebögen eingereicht. Drei Entwürfe sollen sich als Favoriten herauskristallisiert haben. Das ergibt sich aus einer gestern veröffentlichten, 72 Seiten umfassenden Dokumentation .

    Kein Entwurf hat der Dokumentation zufolge in allen Kategorien gleichermaßen überzeugt. Besonders positiv bewertet wurden drei Konzepte: Der Vorschlag des Büros Lorentzen Langkilde aus Kopenhagen mit einem historisch inspirierten Dach für das Kämmereigebäude. Zudem die Entwürfe von Sero Architekten aus Leipzig sowie der Planungsgemeinschaft Rethmaierschlaich, SWStudio und Knüvener aus Köln, die unter anderem begrünte Dächer vorsehen.

    Die Ergebnisse werden auch in einer Ausstellung auf dem Paulsplatz gezeigt und dienen als Grundlage für den nun vorbereiteten Realisierungswettbewerb.


    Bild: https://i.ibb.co/KjzYY95P/rferergeg.jpg
    Bilder: Lorentzen Langkilde, Kopenhagen | Sero Architekten, Leipzig | Planungsgemeinschaft Rethmaierschlaich, SWStudio und Knüvener, Köln

  • Also fällt der einzige "Rekonstruktionsentwurf" weg, wobei dieser ja als solcher gar nicht wirklich beworben wurde.

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier eine nervige Debatte wieder aufmache: Kann man durch diese Auswahl endgültig davon ausgehen, dass keine Rekonstruktion kommen wird?

  • Das kann man mit oder ohne diese Auswahl. Eine Rekonstruktion erscheint mir angesichts der dominierenden politischen Großwetterlage nicht vorstellbar. Der grässlich entstellende Kasten auf dem gründerzeitlichen Großbau wird durch eine unwürdige, clowneske Lösung mit abgefrästem Dach plus aufgesetztem Gestrüpp ersetzt. Das ist unausweichlich; darauf wurde und wird in diesem sonderbaren Verfahren samt Beteiligungsprozess konsequent hingearbeitet. Mit viel Glück bleiben die Fassaden erhalten und von Zumutungen wie bei "Entwurf 3042" verschont. Auf den Denkmalschutz würde ich dabei allerdings nicht bauen.

  • Hier beschleichen einen unweigerlich Déjà-vu-Erlebnisse des Bethmannhof-Wettbewerbes.

    Die Entwürfe 3042 und 3017 erinnern eher an Fahrradparkhäuser denn an großstädtisch-gründerzeitliche Rathausbauten, manifestieren dabei ihrerseits ein Maß an Arroganz und Selbstgefälligkeit gegenüber ihren ursprünglichen Baumeistern, wie sie wohl nur die Moderne hervorzubringen vermag.

    Man kann sich derweil nicht des Eindrucks erwehren, dass ein moderner Bruch am Kämmereigebäude auf Biegen und Brechen perpetuiert werden soll. Hätten die Architekten auch nur ein Mindestmaß an Anstand, würden sie sich ihrerseits mit der Frage konfrontieren, ob die ursprünglichen Bauherren diesen Geschmacksverirrungen zugestimmt hätten.

    Allenfalls beim Entwurf 3090 könnte ich mir dies peripher vorstellen, obschon auch dieser bloß eine groteske Reduzierung der einstigen Pracht mit sich bringt.

    Wenn ich sarkastisch bis zynisch sein wollte, würde ich sagen: Schnell her mit den Neuwahlen, danach wird der Umbau praktischerweise obsolet.

  • Mit 3090 können sicher viele hier leben, zumindest ich kann das. Eine Rekonstruktion war immer unrealistisch und wurde durch das miserable Selbstmarketing des einzigen diesbezüglichen Entwurfs (kein Reko-Rendering) nochmal zusätzlich sabotiert. Hoffen wir, dass es nicht 3042 oder 3017 werden. Das würde die Stadt an dieser Stelle massiv entstellen.