Paulskirche: Generalsanierung und "Haus der Demokratie"

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Die Mehrheit wünscht sich historische Architektur, die Architekten setzen auf Modernismus, und zur Diskussion gestellt werden ausschließlich moderne Konzepte. Das ist für mich ein klarer Hinweis darauf, dass die Demokratie hier aus dem Gleichgewicht geraten ist.

    Mich würde interessieren, woher du das weißt. Was soll denn historische Architektur sein? Darunter fällt so ziemlich alles, was seit mindestens dem Untergang des Römischen Reichs mal gebaut wurde. Eine absurde Vorstellung das.

  • Ich möchte mich nicht aktiv in diese Debatte einschalten aber Folgendes zu bedenken geben:

    Sofern etwas "Modernes" in Ergänzung zur "historischen" Paulskirche entstehen sollte, so würde ein solches "Nebeneinander" eine zeitliche Brücke zwischen der "Historie" der Paulskirche und der "Moderne" der zeitgenössischen Demokratie schlagen. Thematisch wäre das mMn völlig in Ordnung.

    Städtebaulich wird man den Kritikern von "Modernismus" in diesem Bereich der Innenstadt allerdings schwerlich widersprechen können.

  • tunnelklick

    Es gibt eine Studie der TU Chemnitz, die dies nachweist: https://www.mdr.de/wissen/archite…aeuser-100.html

    Dazu noch die Sichtweise einer Architekturpsychologin: https://fokus.swiss/lifestyle/wohnen/moderne-architektur/

    Darüber hinaus gibt es unzählige internationale Studien, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Hier mal eine Zusammenstellung, ohne dass ich sie alle im Einzelnen genauer betrachtet hätte: https://www.architecturaluprising.com/studies/

    Ich denke, man muss darauf achten, nicht zu pauschalisieren. Es gibt auch hervorragende moderne Architektur, aber allzu häufig eben auch nicht. Vieles hängt natürlich vom Standort und dem Umfeld ab. Ein unpassender Standort, der nicht zum Bestand passt, macht einiges zunichte.

  • tunnelklick Vor dem Krieg hatten die ganzen Stile egal ob Barock, Gründerzeit oder Jugendstil etc. trotz aller Unterschiede ein paar Basics gemeinsam. Fassaden waren fast immer klar gegliedert, oft mit so einer Dreiteilung (Sockel, Mittelteil, Dachabschluss). Symmetrien oder zumindest Teilsymmetrien waren Standard, und Details wie Gesimse, Ornamente oder Erker haben dem Ganzen Rhythmus und Proportion gegeben. Alles war noch stark am menschlichen Maßstab orientiert, selbst große Häuser hatten Struktur und waren „lesbar“. Auch die Römer haben so gebaut und diese Prinzipien gefolgt. Nach dem Krieg dann der komplette Bruch. Modernismus hat das alles über Bord geworfen. Keine Dreiteilungen mehr, Symmetrie egal, Ornamente sowieso weg. Stattdessen Rasterfassaden oder ganz freie Formen, viel Beton, Glas und Stahl. Fokus lag auf Funktion, nicht mehr auf Schönheit oder Harmonie.

    Und genau da liegt der Punkt. Zwishen vor und nach dem Krieg ist ein riesiger Schnitt passiert,fast zwei Welten, die architektonisch nichts mehr miteinander zu tun haben. Das ist wahrscheinlich den meisten Menschen gar nicht so bewusst, und genau deshalb lohnt es sich, klar von klassischer Architektur vs. Modernismus zu sprechen. Eigentlich muss man so die Welt aufteilen, um es wirklich zu verstehen.

    Wenn ich sage, ich will „historische Architektur“ sehen, meine ich Bauten nach klassischen Prinzipien – also Symmetrie, Dreiteilung, Proportionen, Harmonie.

    Einmal editiert, zuletzt von Fettucine (7. September 2025 um 23:09)

  • Keine Demokratie ist perfekt. In jeder Demokratie gibt es Gruppen, die überproportional viel Einfluss haben. Medien, Parteimitglieder und gut in der Politik vernetzte, "Influencer" und Meinungsmacher aller Art, Mitarbeiter der Stadt, die ja auch die Agenda etwas lenken können, Auftragnehmer / Architekturbüros mit guter Vernetzung usw..

    Beim Haus der Demokratie scheint es aber tatsächlich so zu sein, das man extrem weit weg ist von dem, was sich die Bürger wünschen, die Entwürfe sind fast durchgehend eine Katastrophe, die Ausschreibung ging komplett am Ziel vorbei. Das ist hier besonders absurd, angesichts dessen dass das hier ja ein demokratischer Musterprozess sein soll.

    Sollte tatsächlich einer dieser furchtbaren und völlig deplatzierten modernen Entwürfe zum Zuge kommen, würde das auch ein sehr schlechtes Licht auf den so wortreich zelebrierten demokratischen Prozess zur Gestaltung des Hauses der Demokratie werfen. Aus meiner Sicht wäre der dann komplett gescheitert, da das Ergebnis dann eben nicht mal im entferntesten den Wunsch der Bevölkerung widerspiegeln würde.

    Einmal editiert, zuletzt von Rud (8. September 2025 um 16:13) aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • ^ Ganz ehrlich, alles was um dieses Projekt passiert, spiegelt einfach nur perfekt den gegenwärtigen Zustand unseres Landes und unserer Demokratie wieder.

    Sehr passend und bezeichnend aber, wie ich finde...

    Ich hoffe bloß, dass dieser Bau dann nicht noch unter Denkmalschutz gesetzt wird, nur um ihn als Negativbeispiel, wie es nicht laufen sollte in einer Demokratie, zu manifestieren 😆

    Vllt. wäre es ja mal angebracht, sich an die Zuständigen zu wenden und die fehlende Beteiligung zu bemängeln. Die GHND in Dresden hat sich auch Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um wieder eine schöne Altstadt zu bekommen. Wäre denke ich bei so einem wichtigen Gebäude für und Deutsche angebracht!

    Ich bin trotz alledem gespannt, wohin die Reise geht.

  • Noch mal ein Kommentar zur Qualität des ach so tollen demokratischen Prozesses:

    Die Richtungsentscheidung, die durch die Ausschreibung und Kommunikation mit den Architekten vorgenommen wurde, die war das wichtige.

    Und diese wurde eben nicht super demokratisch vorgenommen, sondern von Politikern und Technokraten im stillen Kämmerlein. Rausgekommen sind völlig unpassende Schrottentwürfe.

    Jetzt dürfen wir ganz demokratisch zwischen Pest und Cholera wählen und die Politik klopft sich am Ende auf die Schulter wie toll denn die Bürgerbeteiligung funktioniert hat und schiebt dann auch noch die Verantwortung für das Ergebnis auf die Bürger ab.

    Durch die Richtungsentscheidungen im Rahmen des Ausschreibungsprozesses, an dem die Bürger nicht angemessen beteiligt waren, wurde das ganze schon komplett an die Wand gefahren. Jetzt ist das fast unrettbar verloren, wenn nicht noch nachgesteuert wird. Der Walmdachentwurf ist akzeptabel, aber die Rundungen sind auch völlig unnötig und stören das Gesamtensemble.

    Sorry, das ist Fake-Demokratie und wird dem Erbe der Paulskirchenhistorie und dem hochtrabenden Namen des Projekts nicht mal im entferntesten gerecht.

    Wenn es wirklich einen Sachgrund gegen eine Rekonstruktion gab, soll die Politik ihn nennen, ansonsten gehe ich davon aus, dass eine Rekonstruktion grundsätzlich möglich gewesen wäre.

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Ganz ehrlich, alles was um dieses Projekt passiert, spiegelt einfach nur perfekt den gegenwärtigen Zustand unseres Landes und unserer Demokratie wieder.

    Welcher gegenwärtiger Zustand, etwa der als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA und China und größer bspw. als die Wirtschaft Japans (mit 50% mehr Einwohnern)? Im Vergleich zum Nachbarland Frankreich, in dem gerade eine Regierung nach der anderen scheitert (da kann einem wirklich Angst und bange werden) oder zu Großbritannien, wo der Brexit-Antihero und Trump-Imitator Nigel Farage die Umfragen um 10% anführt, steht Deutschland noch relativ gut da. Über die beklagenswerte Abwärtsspirale in dem sich die US Demokratie befindet, brauchen wir gar nicht erst reden. Die Demokratie-verachtenden Populisten haben (leider) in jeder Demokratie gerade Aufwind, selbst in den reichsten / zufriedensten Ländern des Erdballs (siehe Wahlen in Norwegen, Schweiz, Neuseeland, Finnland, etc.), die "Demokratie Quo Vadis?" Frage ist also eine globale, die alle OECD-Länder umtreibt.

    Wer beim Haus der Demokratie mitreden und mitgestalten will, kann das auch außerhalb des Forums tun. Ich werde die Kanäle nutzen, den die Stadt anbietet um sich bei dem Haus der Demokratie mit Ideen zu beteiligen, bspw. durch Beantwortung des Fragebogens. Ich glaube nicht, dass ich zwischen Pest und Cholera abstimmen muss und man hier "Opfer" einer Fake Demokratie wird, sondern der Lorentzen Entwurf schon tauglich genug ist und es sich lohnt hierfür abzustimmen. Wer von vornherein nihilistisch abwinkt, alles schlecht redet und zuhause bleibt, der schadet der Demokratie genauso (siehe die bequemen Nichtwähler in den USA, die Harris am meisten zugesetzt haben). Beteiligen ist noch bis zum 30.9. möglich, siehe hier: Haus der Demokratie.

    4 Mal editiert, zuletzt von Golden Age (11. September 2025 um 01:57)

  • Hier sind wir bereits ganz schön off-topic, daher bitte verschieben.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Welcher gegenwärtiger Zustand, etwa der als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA und China und ...

    Lass dich mal von den Ist-Zahlen nicht blenden. Deutschland ist seit mehreren Jahren so ziemlich das einzige relevante Land das nach wie vor in der Rezession steckt. Vor zwei Jahren noch zusammen mit Argentinien (vor hundert Jahren noch eins der reichsten Länder der Welt, dann durch jahrzehntelange sozialistische Experimente auf das Niveau eines Entwicklungslandes zurückgeworfen), welches durch Mileis Kettensäge aber jetzt den Weg zurück in die Spur gefunden hat und ein enormes Wachstum verzeichnet, so dass Deutschland nunmehr das einzige nennenswerte Land mit schrumpfender Wirtschaft ist. Wir erleben hier eine durch die Politik verursachte Deindustrialisierung, die uns unseren kompletten Wohlstand kosten wird, wenn die Politik, die genau diese Deindustrialisierung auch maßgeblich verursacht hat, nicht endlich eine 180Grad-Wende hinlegt. Das einzige was unser BIP noch hoch- und und die Arbeitslosigkeit halbwegs niedrig hält (wobei 3 Millionen Arbeitslose trotzdem schon ein Höchststand ist den wir lange nicht mehr hatten), der völlig aufgeblähte Staatssektor ist. Die Wirtschaft selbst, und hier vor Allem neben der Landwirtschaft auch das produzierende Gewerbe, geht seit Jahren komplett auf dem Zahnfleisch.

    Und die US-Demokratie steht ganz hervorragend da im Vergleich zur Deutschen. Es ist nicht die USA wo die einzige relevante Oppositionspartei mit immer abstruseren Mitteln zu torpedieren versucht wird, bishin zu Verbotsdiskussionen. Wo man rechts wählt, aber links bekommt. Wo man für ein harmloses Tweet oder Meme morgens um 6 eine Hausdurchsuchung bekommt, mehrere Oppositionelle bereits sogar im Knast gelandet sind, oder wo (mittlerweile zum Glück nicht mehr amtierende) Regierungsmitglieder gleich mal verfassungswidrigerweise ganze Medien unter irrwitzigen Vorwänden (Compact) verbieten...

    Und konkret zur Paulskirche: nur weil der Lorentzen Entwurf nicht ganz so extrem hässlich und unpassend ist wie der Rest, ist das trotzdem noch lange kein unterstützenswerter Entwurf. Hier gehört mindestens auch ein Entwurf in die Auswahl der das historische Dach möglichst originalgetreu wieder herstellt!

  • Ja, der "nicht durch die rosarote Brille geschaute" gegenwärtige Zustand der noch drittgrößten VW. Mit einer wieder kurz vor dem Zerfall stehenden Regierung, einem immer noch nicht "wiedervereinigten" Deutschland, einem Volk was nicht gespaltener sein könnte, einem verarmenden Volk, eine mehr als abgehobene Regierung (man schaue sich nur an, welch pompöse Paläste gerade gebaut oder erweitert werden!), und und und

    Ich hab wirklich keine Motivation hier jetzt eine politische Debatte zu entfachen, daher lass ich es.

    Ich empfehle dir nur, die Brille mal abzusetzen und mal deine Bubble zu verlassen! Aber Achtung, die Realität könnte schwer zu ertragen sein!

    Um zu Thema zurückzukommen.

    Die Entwürfe sind einfach eine Farce. Es wird gerade der Lange Franz rekonstruiert, warum dann nicht auch gleich die Kämmerei? Mit dem Bisschen, was an historischen Fassaden nach dem Krieg noch übrig geblieben ist, wird so wenig geschätzt... Siehe Deutsche Bank Palais am Rossmarkt, Bethmannhof, aber auch die alten Fassaden die im Bankenviertel oder der Altstadt stehen. Fast alle mit neuem Kern oder würdelosen Dachaufbauten.

    Naja, wer eben kein Stolz mehr für seine Stadt und sein Land empfindet, kann auch nur sowas gutheißen...

    Ist ja auch egal. Ich hab das mitgemacht, was dem Pöbel als "Beteiligung" verkauft wird und der Rest liegt nicht in meiner Hand.

    Ich freu mich schon das desaströse Resultat in 15 Jahren zu begutachten. Nein, wohl eher zu bedauern, was aus unserer Wiege unserer Demokratie geworden ist.

    Geil, ich freu mich schon! Irgendein Entwurf wird wieder gewinnen, wo sich irgendein "Stararchitekt" einen abgesponnen hat (natürlich viel Zeit dafür gebraucht hat, auch wenn es dann nicht so aussieht), den Platz und die Gebäude komplett verschandelt, dafür ein Haufen Geld bekommen hat und alle ihn feiern. 😆 Und das Beste: 90% die an dem Ungetüm von "Haus der Demokratie" dann vorbeilaufen, finden es hässlich. 🤣🤣

    Ich liebe es, wie sich eine Person/ vllt. auch mehrere auf Kosten unserer immer hässlicher werdenden Lebensumgebung ausleben dürfen...

    Keine Ahnung, wie man mit solchen Entwürfen zufrieden sein kann...

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Der Walmdachentwurf ist akzeptabel, aber die Rundungen sind auch völlig unnötig und stören das Gesamtensemble.

    Dekoratives Anführungszeichen

    Wenn es wirklich einen Sachgrund gegen eine Rekonstruktion gab, soll die Politik ihn nennen, ansonsten gehe ich davon aus, dass eine Rekonstruktion grundsätzlich möglich gewesen wäre.

    Was ist denn so schwer daran, zu verstehen, dass es im Wettbewerb ein Entwurf mit Rekonstruktion des Daches in die Auswahl geschafft hat und über diesen auch abgestimmt werden kann?

    Ja ja, das rekonstruierte Dach wurde durch die Architekten nicht visualisiert, dennoch gibt es diesen Entwurf. Und der ist nicht von Lorentzen.

  • « Naja, wer eben kein Stolz mehr für seine Stadt und sein Land empfindet, kann auch nur sowas gutheißen...«

    Das eine schließt das andere keineswegs aus und was « patriotisch » ist, ist vor allem

    Ansichtssache. Du hast dankenswerterweise an der angeblichen « Farce » Abstimmung teilgenommen und hoffentlich dann auch in der Kommentarspalte Deine berechtigte Kritik an den vollendeten Tatsachen kundgetan (habe ich bspw. gemacht). Mal sehen was passiert. Wir erinnern uns auch an die Anfänge der Neuen Altstadt als das Morgenland ebenfalls kurz vor dem Untergang stand, da nicht sofort alle Maximalforderungen umgesetzt worden waren. Rausgekommen ist aber ein sehr ansehnliches Endresultat, das einer breiten Mehrheit der Nutzer anspricht. Da hat die Demokratie sehr gut funktioniert, meine ich.

    « Ich liebe es, wie sich eine Person/ vllt. auch mehrere auf Kosten unserer immer hässlicher werdenden Lebensumgebung ausleben dürfen...«

    Auch hier ist Differenzierung stark angebracht und eine immer hässlicher werdende Umgebung ist gerade bei Frankfurt nicht sonderlich zutreffend. Bitte mal die Aufwertungen im Ostend (besonders Hafenpark), Gallus, Rödelheim der letzten Dekaden beachten, wo der Vorher / Nachher Effekt besonders stark spürbar ist. Bitte mal an den Campus Westend denken und die Barracken, die dort vorher standen. Selbst im hübschen Sachsenhausen ist das gelungene Wohnviertel rund um den Henninger Turm ist ein riesiger Zugewinn. Auch wenn das teilweise nicht gelungene Europaviertel zu monoton geraten ist, sind zumindest die Hochhäuser dort absolute Hingucker geworden. Das jüngste Beispiel für gelungene Stadtreparatur wird das Allerheiligenviertel sein, ein Quantensprung für die dortige Gegend. Ich sehe keinen triftigen Grund für diese exzessive Schwarzmalerei.

    3 Mal editiert, zuletzt von Golden Age (12. September 2025 um 13:41)

  • Tatsächlich gibt es einen Vorschlag von Sowatorini Wagner, das Dach der Kämmerei in seiner historischen Form wiederherzustellen, aber kein einziges Bild davon (steht im Text) :) . Sehr merkwürdig. Man fragt sich, was sich die Gestalter der Umfrage erwarten. Soll wirklich jeder Bürger mehrere Stunden investieren, um alle Vorschläge, Texte und Downloads im Detail durchzugehen? Genau hier liegt doch das Demokratie-Problem. So wird Beteiligung nicht sehr gut funktionieren. Die Alternativen müssen einfacher, kurz und übersichtlicher präsentiert werden. Ich habe mein Feedback abgegeben, aber es hat sehr lange gedauert und trotzdem habe ich längst nicht alles gelesen oder jedes Detail angeschaut. Das ist nicht das perfekte Basis für Demokratie. Es muss noch einfacher werden. Mehr Bilder vor allem. Es geht doch um Architektu/ Stadtplanung hier. Das kann man doch alles visualisieren.

    Auch der Vorschlag von Frielinghaus Haase, den ursprünglichen Paulsplatz wieder in seiner historischen Größe und Proportion zu fassen, ist interessant. Allerdings sollte man an diesem Ort die Geschichte respektieren und das nur mit einem Gebäude tun, das klassische Formen aufgreift. Den Platz nördlich der Kämmerei halte ich für überflüssig, da dort ohnehin zu viel Verkehr herrscht und man sich dort kaum gerne aufhalten wird. Dort könnte man was bauen finde ich.

    3 Mal editiert, zuletzt von Fettucine (12. September 2025 um 23:30)

  • Dekoratives Anführungszeichen

    Tatsächlich gibt es einen Vorschlag von Sowatorini Wagner, das Dach der Kämmerei in seiner historischen Form wiederherzustellen, aber kein einziges Bild davon (steht im Text)

    Dekoratives Anführungszeichen

    Soll wirklich jeder Bürger mehrere Stunden investieren, um alle Vorschläge, Texte und Downloads im Detail durchzugehen? Genau hier liegt doch das Demokratie-Problem. So wird Beteiligung nicht sehr gut funktionieren. Die Alternativen müssen einfacher, kurz und übersichtlicher präsentiert werden.

    Dass eine Dach-Rekonstruktion vorgeschlagen wird, ist einer von nur vierzehn Sätzen, mit denen der Entwurf in der Umfrage vorgestellt wird. Auf einem der drei Bilder der Umfrage sieht man auch die historische Geometrie des Daches. Ein größeres, bunteres Bildchen des Daches wäre aus meiner Sicht wünschenswert gewesen, darauf hat allerdings das Architekturbüro verzichtet. Die kompletten Präsentationen aller Büros sind in der Umfrage verlinkt und können bei näherem Interesse vertieft geprüft werden.

    Noch kondensierter als in 14 Sätzen kann man so etwas Komplexes wie Städtebau nicht zusammenfassen. Wenn die Bürger/innen nicht bereit sind, sich ca. 10x14, also 140 Sätze durchzulesen, bevor sie ihre Stimme abgeben, haben wir wirklich ein Demokratie-Problem.

  • @Ziegel Ich finde die Seite deinhausderdemokratie.de insgesamt sehr gelungen und auch schön gestaltet. Aber die Projekte selbst sind meinrr Meinung nach nicht optimal präsentiert wie z.B. die Rekonstruktion des Dachs nach historischem Vorbild bei Sowatorini Wagner wird nur ganz nebenbei erwähnt. Selbst hier im Forum, wo viele hochinteressierte architektur Fans ^.^ unterwegs sind, hat es eine Weile gedauert, bis dieser Punkt überhaupt entdeckt wurde. Schaut man sich die Bilder auf der Webseite an, merkt man davon nichts. Im Text steht es nur in einem kurzen Satz, und erst im heruntergeladenen Präsentationsplan gibt es ein paar mehr Infos ganz unten. Ja, das ist Jammern auf hohem Niveau, aber wenn das Ziel ist dass möglichst viele Bürger abstimmen sollen, wäre es doch sinnvoller, die Vorschläge übersichtlicher und klarer darzustellen. Vor allem ein paar zusätzliche Renderings würden schon helfen. Sonst muss man jeden Satz in jedem Vorschlag lesen und vielleicht noch die Downloads durchgehen, um essenzielle Details zu entdecken. Ich glaube nicht, dass die meisten Menschen so viel Zeit und Interesse haben, um sich jeden Entwurf so genau anzuschauen. Sonst bleibt das am Ende eine Übung ausschließlich für Architektur-Nerds wie wir hier im DAF 8o

  • Auf Seite 13 hier im Forum wurden großformatig ein historisches Foto und eine kolorierte Variante eingebunden und darauf verwiesen, dass ein entsprechender Entwurf im Rennen ist. Und dennoch hatten es ein paar Kommentare darunter einige immer noch nicht begriffen. Ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit ist halt schon notwendig, wenn man sich ein halbwegs fundiertes Urteil bilden will.

    Die Architekten haben ihren Fokus auf andere Aspekte des Entwurfes gelegt und daher das Dach nicht visualisiert. Kann man kritisieren, den Leuten, welche das für die Bürgerbeteiligung aufbereitet haben, aber nicht vorwerfen.

  • Teils harsche Kritik zu den vorgelegten Varianten gibt es in einem Kommentar in der FAZ vor einigen Tagen. Es wird von "verkopften Konzepten" gesprochen, die in den meisten Entwürfen den historischen Kontext vernachlässigen und "mutlos, rücksichtslos und einfallslos" ausfallen.

  • In der Paulskirche sind übrigens nicht nur die Gewinner-Arbeiten zu sehen sondern auch alle übrigen Entwürfe - wenn auch in einem Posterständer zum blättern, sodass man warten muss bis man an der Reihe ist. Zwar hat mich kein Entwurf vollständig überzeugt, doch fand ich ein paar Ideen durchaus inspirierend.

    Die Ausgangslage des Wettbewerb empfinde ich als sehr knifflig. Es gibt so viele Fragestellungen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Und wenn selbst Dutzende Architekturbüros zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen gelangen, ist ein Konsens wohl noch in weiter Ferne.

    Zunächst einmal zur Frage, in welchem Stil das Haus der Demokratie gestaltet werden soll: einerseits soll die Ausstellung im „HdD“ die Geschichte der Demokratie beleuchten, andererseits soll sie sicher auch in die Gegenwart wirken. Vor diesem Hintergrund scheint eine historische oder historisierende äußere Hülle unpassend - ob Altstadt-historisierend oder Nachkriegs-historisierend. Eine zeitgemäße Architektur wiederum fügt sich schwer in die Umgebung ein.

    Dann stellt sich die Frage des Standorts: in der Stadtkämmerei oder in einem separaten Gebäude, z.B. auf dem Paulsplatz. Einerseits möchte man den öffentlichen Raum des Paulsplatzes nicht opfern, andererseits wäre es brutal, die Kämmerei mit einem aufgesetzten Neubau zu verunstalten. Die ästhetisch ansprechendsten Ideen für eine Unterbringung in der Kämmerei sind genau solche, die ein zurückhaltendes Design vorschlagen. Damit bleibt die Nutzung des HdD von außen jedoch kaum ablesbar.

    Mein Fazit: wir brauchen einen separaten Bau auf dem Paulsplatz. Das Dach der Kämmerei gehört historisch rekonstruiert.

    Und dann die Frage, wo ein separates Gebäude stehen soll. Zunächst hielt ich den nördlichen Teil des Paulsplatzes für geeignet, da hier der Blick auf die schlichten Nachkriegsbauten abgeschirmt wird. Doch kein Entwurf in diese Richtung konnte mich überzeugen. Der Vorschlag von Mäckler (ich erwähne ihn hier, weil er eine wichtige Stimme in der Stadt ist) degradiert den Paulsplatz mit einem L-förmigen Gebäude am nördlichen und östlichen Rand zu einer Art Innenhof. Eine Bebauung am südlichen Rand wiederum rahmt zwar die Paulskirche ein (schön zu sehen im Gewinner-Entwurf von Frielinghaus / Haase), trennt sie aber zugleich von der wichtigen Schnittstelle Braubachstraße / Neue Kräme.

    Und dann die Kubatur und das Design des Gebäudes: einerseits soll ein separates Gebäude eigenständig wirken, andererseits darf es der Paulskirche nicht die Show stehlen. Ein Baukörper, der eher in die Breite geht, wirkt schwach und beansprucht zu viel Grundfläche. Ein eher in die Höhe gehendes Gebäude könnte sich als unpraktisch für einen Ausstellungsraum erweisen.

    Persönliches Fazit: am überzeugendsten finde ich die Entwürfe am südlichen Rand des Paulsplatzes, insbesondere jener von Schneider + Schumacher. Wenn man von der konkreten (zugegeben: abweisenden) Architektur abstrahiert, zeigen sich nämlich ein paar schöne Effekte: von der Kreuzung Braubachstraße / Neue Kräme wirkt der Ort deutlich urbaner, wuseliger und längst nicht mehr so karg wie heute. Beide Laufrichtungen, nach Norden und nach Westen, sind durch das Gebäude klar markiert. Auch die Ansicht aus Norden von der Kreuzung Berliner Straße / Neue Kräme zeigt einen vielfältigeren Ort als heute. Statt einem unstrukturierten Paulsplatz entstehen zwei intimere, besser eingefasste Plätze. Die Anmutung der kleinteiligen und mit kleinen Plätzen durchsetzten Altstadt wird mit dieser Bebauung nach Norden fortgesetzt.

    Zuletzt noch ein paar Anmerkungen zum Paulsplatz selbst. Der Platz wirkt heute zwar nicht hässlich, aber er schöpft sein Potenzial kaum aus. Das liegt auch an einer unglücklichen Begrünung. Ein breites und dichtes Dach in fünf Metern Höhe - auch wenn es sich um ein Blätterdach handelt -, umgeben von höheren Gebäuden wirkt auf instinktiver Ebene einfach bedrückend. Die zurückgeschnittenen Platanen treiben im Frühling spät aus und tragen im Herbst oft graues Laub.

    Ein paar Architekten haben sich getraut, Änderungen vorzuschlagen. Vielleicht braucht es einen baumfreien Mittelpunkt, eine Skulptur oder einen Brunnen, vielleicht auch eine Pergola oder Galerie (wie mehrfach vorgeschlagen), oder zumindest ein klares Wegenetz. Oder auch andere Bäume, die die heutige, sehr strenge Anordnung aufbrechen (wie der Gewinner SERO, aber auch Stefan Forster anregen - zu sehen auf Instagram). Entscheidend wäre, dem Platz stärkere Akzente und klar definierte Punkte zu geben.


    Mein Gesamtfazit: eine eindeutig beste Lösung gibt es nicht. Ich würde vorschlagen, 1) einen Architekturwettbewerb auf Grundlage des Entwurfs von Schneider + Schumacher auszurichten, mit dem Anspruch an eine zeitgemäße, aber nicht nüchterne Architektur, 2) die Kämmerei historisch zu rekonstruieren und 3) für die Gestaltung des Paulsplatzes einen eigenen Wettbewerb auszuloben.

  • Kleiner Reminder – bis zum 30sten September, also kommenden Dienstag, könnt ihr vor Ort in der Paulskirche oder online unter deinhausderdemokratie.de alle eingereichten Entwürfe zum Haus der Demokratie sichten und bewerten.

    Wie bereits von einigen Vorrednern berichtet, ist die Ausstellung wesentlich umfangreicher als der Online-Auftritt und bietet eine höhere Detailtiefe, mehr Infos und sogar 3D-Modelle. Das hilft ein wenig beim Versuch nachzuvollziehen, was die grundsätzlichen Gedanken und Ideen hinter den Entwürfen waren.

    Ich persöhnlich bin alles in allem immer noch nicht gerade happy mit den Ergebnissen, aber einige Grundsatzgedanken und Teilbereiche der Entwürfe sind in der Theorie gar nicht mal so schlecht. Es happert es meines Erachrens allerdings an der Übersetzung in ansprechende und dem Ort angemessene Architektur, gerade im Bezug auf die Auf- und Umbauten der Stadtkämmerei – aber da kann sich ja bis Dienstag auch jeder gerne selbst ein Bild davon machen.

    Den Reminder hier habe ich eingestellt, weil es super finde, dass die Stadt die Bürger hier zu Wort kommen lässt und zumindest versucht sie mit einzubeziehen. Und ich finde, dies sollten wir auch schätzen und nutzen. Es ist ja immer recht bequem hier online im Forum einfach eine Kritik abzugeben und sich in der eigenen Ressonanzkammer auszutauschen. Es macht aber sicher weitaus mehr Sinn, das Ganze dann auch an Ort und Stelle zu tun, wenn man schon die Möglichkeit hat. Vielleicht trägt es dann ja dazu bei, dass sich im laufenden Prozess noch einiges ändert und verbessert.

    Ich habe einige Bestandteile in den verschiedenen Entwürfen gefunden, die aus meiner Perspektive schon Potential hätten – mal schauen was final daraus wird. Je höher die Beteligung, desto näher wird das Ergebnis am Ende wahrscheinlich die Wünsche der Bevölkerung wiederspiegeln. Also schaut gerne mal vorbei in den nächsten Tagen und nehmt Euch die paar Minuten zum Mitgestalten.

  • Also als einzige Möglichkeit, wenn man schon so viel Geld in die Hand nimmt, kommt für mich eine historische Rekonstruktion des Daches der Kämmerei in Frage. Alles andere wäre pure Geldverschwendung.