Mehr Lebensqualität durch "bessere" Architektur?

  • @Munich2030: Dass sich in den Online-Kommentarspalten der Klatschblätter manch ein grantiger Bürger genauso "lautstark" austobt wie auf diversen "Social Media"-Plattformen ist ja nun wirklich nichts neues mehr und sollte nicht als ein Indiz für die tatsächliche Stimmung bei der Mehrheit der Bevölkerung missverstanden werden.


    Interessant ist, dass wir mit einigen Leuten aus dem Forum Ende Januar auf der Veranstaltung des Referats für Stadtentwicklung diese Frage bei einer Wortmeldung formuliert haben: Warum wird in München nicht mehr innovative Architektur zugelassen und würde dabei nicht helfen, wenn es z.B. einen Hochhausrahmenplan gäbe? Diese Frage (man könnte fast meinen, Herr Pretzl habe sie von uns gehört ;)) haben wir direkt an Elisabeth Merk gerichtet, die öffentlich auf dem Podium nicht darauf einging, dafür später im persönlichen Gespräch sehr ausführlich. Was sie über den Hochhausrahmenplan gesagt hat, habe ich ja schon geschrieben. Zum Thema innovative Architektur meinte sie, dass sie über die städtebaulichen Wettbewerbe und die Vorgabe, dass es dann projektbezogen noch einen Realisierungewettbewerb gibt, so wie beim Areal Paul-Gerhardt-Allee oder auch in Freiham grundsätzlich schon froh sei. Dann werde es aber immer schwieriger, konkrete und bindende Spezifikationen auch vom Bauherren umsetzen zu lassen. Der wolle ja möglichst billig bauen und die Stadt wiederum will, dass er möglichst schnell baut (und ggf. möglichst günstige Wohnungen anbietet). Das sei keine gute Verhandlungsposition, um außergewöhnliche und innovativer Architektur vom Bauherrn einzufordern.


    Edit: Dass das Thema architektonische Gestaltung zunehmend zum Politikum und potenziell zum Wahlkampfthema wird, zeigt auch das Beispiel dieses Plakats der ÖDP, das ich gerade zufällig an der Nymphenburger Str. gesehen habe:


    Flächenfraß, gesichtslose Architektur, seelenlose Dörfer – zerstören wir unsere Heimat?“ Prof. Dr. Egon Johannes Greipl, Honorarprofessor der Universität Bamberg: Was ist eine Stadt ohne Historie, ohne Denkmäler?“ „Welchen Kahlschlag hat die bayerische Kulturland schaft in den letzten Jahren erfahren?“ „Wie sehr wird München mit geschichts- und gesichtsloser Architektur verschandelt?“


    Quelle: https://oedp-muenchen.de/wp-co…-final-ohne-Beschnitt.pdf


    Bei aller Architekturkritik ist es jetzt wichtig, dass die Kritik konstruktiv und vorausschauend bleibt. Sonst haben wir am Ende als Konsequenz aus der ach so "langweiligen Architektur" einen Hochhaus-Entscheid reloaded, oder - schlimmer noch - einen Bürgerentscheid mit dem Ziel, jegliche städtbauliche Entwicklung zu blockieren.

  • ^


    Das verstehe ich nicht ganz, was Frau Merk euch damit sagen wollte? Bzw. frage ich mich, warum gibt es dieses Problem nur in München?


    Es gibt weltweit genug Städte, die haben auch einen extremen Zulauf und dort werden hochwertige Projekte bzw. Architektur viel schneller realisiert, als in München?


    Woran scheitert es hier denn? Es kann doch nicht sein, daß es für München immer Sonderregelungen gibt?

  • Was bringt das jetzt gegen den Herrn Pretzl zu sein ?


    Die Wohnungsnachfrage bleibt sehr hoch und auch wieder Büroraummangel.


    Die Wirtschaftskraft wird eher zu als abnehmen.


    In anderen Städten wird das auch gut organisiert.


    Wieso dürfen Defizite nicht angesprochen werden ?

  • Munich_2030 : genau diese Frage kam dann beim Gespräch mit Frau Merk auch auf. Und an der Stelle wird es dann schwierig, weitere Antworten zu finden.


    Insofern liegt die Annahme schon nahe, dass bei allen Beteiligten – Architekten, Investoren, beim Planungsreferat, in der Stadtgestaltungskommission, in den Architektur-Fakultäten der Hochschulen, und dann eben auch in den Jurys, die aus all diesen Bereichen zusammengesetzt sind – zu wenig echtes Interesse und Engagement für mutige, innovative und außergewöhnliche Architektur und Städtebau vorhanden sind. Hinzu kommen die massiven Einschränkungen durch das Baurecht und die endlosen Satzungen, die den Gestaltungs-Spielraum bei uns vermutlich so stark einschränken wie nirgendwo sonst auf der Welt. Frau Merk machte den Eindruck, dass sie diese Kritik sehr genau nachvollzieht und sie hat die Probleme nicht von der Hand gewiesen. Leider hatte sie aber auch keinen Lösungsvorschlag parat. Sie meinte nur, es könne sicher nicht schaden, wenn mehr konstruktiver Input von außen bzw. von den Bürgern käme (sie erlebt auf den Veranstaltungen halt immer nur die üblichen Verdächtigen, die jegliche Bebauung verhindern wollen, von innovativer Architektur ganz zu Schweigen; deshalb ist es schon wichtig, dass auch wir immer wieder das Gespräch mit den Vertretern der Stadt und dem Planungsreferat suchen) .


    Vor diesem Hintergrund erscheint es überaus sinnvoll, dass Pretzl eine Architekturdiskussion in der Öffentlichkeit losgetreten hat. Mit offenem Ausgang, denn noch ist ja eigentlich unklar, welches die entscheidenden Stellen sind, wo es schief läuft - und vor allem, welche Maßnahmen zur Verbesserung eingeleitet werden müssen.

  • Und genau hier liegt das Problem. Die Antworten auf diese Fragen zu finden.


    Denn:


    a) ist München eine reiche Stadt und der Wirtschaftsraum München und Umgebung, der 2. stärkste nach dem Großraum London, in Europa!


    b) wollen ausgerechnet hier die Investoren und Bauherren mit einer grenzenlosen Gier das Maximalste vedienen. Billige, langweilige Architektur aber dafür dann die höchsten Mieten bzw. Kaufpreise verlangen!


    Daher wundert es mich nicht, daß so manchem das SZ Interview mit Herrn Pretzl schwer aufstößt. Denn es könnte ja passieren, daß sich die paradisischen Zustände für diese Gesellschaft dadurch ändern könnten.


    Dann verdient man durch die Wohnungsnot in München nur noch 3 Millionen, anstelle von 10 Millionen/Jahr. Und schon rückt die 50 Mio Yacht in weitere Ferne :)


    Jaja, die Gier sein Geld mit Personen zu verdienen, denen es nicht so gut geht, hat eine lange Tradition. In München ganz besonders!


  • Dann werde es aber immer schwieriger, konkrete und bindende Spezifikationen auch vom Bauherren umsetzen zu lassen. Der wolle ja möglichst billig bauen und die Stadt wiederum will, dass er möglichst schnell baut (und ggf. möglichst günstige Wohnungen anbietet). Das sei keine gute Verhandlungsposition, um außergewöhnliche und innovativer Architektur vom Bauherrn einzufordern.


    Ich denke, die Stadt unterschätzt oftmals ihre Verhandlungsposition und knickt viel zu schnell vor Bauherren ein (zuletzt beispielhaft in einem anderem Zusammenhang beim Alte-Akademie-Umbau). Wer interessante Architektur fordert, verzögert wohl kaum den Baubeginn und sorgt auch nicht automatisch dafür, dass die Baukosten und damit die Preise auf dem Markt noch weiter explodieren. Denn der Hauptkostentreiber auf den Münchner Immobilienmärkten sind doch die Grundstücke und nicht etwa die Architektur und die Baukosten. Oder irre ich mich da?

  • Die Präsidentin der Architektenkammer, die die Kritik Pretzls zurückweist oder besser gesagt um weitere Faktoren ergänzt, bietet Pretzl eine öffentliche Diskussion an, unter welchen Bedingungen gute Architektur entstehen kann. Dies ist schon mal positiv zu sehen, auch wenn sie den Kern Pretzl´s Kritik, die sich meinem Eindruck nach eben nicht "pauschal" gegen alle Architekten richtet, allem Anschein nach nicht verstanden hat. SPD Politikerin Heide Rieke meint, die technischen Argumente (Brandschutz) würden zunehmend an Gewicht gewinnen und die Architektur damit ins Hintertreffen geraten.


    http://www.sueddeutsche.de/mue…u-fraktionschef-1.3864489



    Ich halte es hier wie Munich_2030. Ich verstehe nicht, was an dem Thema so schwer sein soll und warum gerade Frau Merk hier so herumdrückt. Soll sie sich doch einmal in ihrer Amtszeit klar positionieren. Ihre Aufgabe ist es, das Stadtbild voranzubringen und nicht kritische Fragen nur im Hinterzimmer zu beantworten und von einer Diskussion zur nächsten zu tingeln ohne ihre Worte in Taten umzusetzen. Vielleicht wird es wirklich Zeit, dass jemand progressiveres in dieses Amt berufen wird. Darüber hinaus ist die Haltung der Rathausfraktionen zu sprunghaft. Am Montag heißt es mehr Hochhäuser, am Dienstag, welche Hochhäuser? Hinzu kommen die angeblich gottgegebenen Rahmenbedingungen bei Wettbewerben. So ein Käse! Wenn doch mehr BGF erlaubt wird, dann rechnet es sich für den Bauherrn auch eher, innovative Architektur zuzulassen. Das funktioniert doch in Wien auch. Sind denn hier nur Dilettanten am Werk (Bauherr, Investor, Verwaltung)? Sollen die paar Wutbürger Unterschriften sammeln bis sie umfallen. Wenn sich die Politik nur konsequent darüber hinwegsetzt, natürlich konstruktiv, dann schwindet auch irgendwann das Interesse, gegen jeden Vorstoß eine diskriminierende Initiative zu gründen. Nur solange jedes mal nachgegeben wird, leidet jedes mal die Mehrheit ein Stückchen mehr... Auch diese Zwangslage - der Notwendigkeit heute schnell und günstig zu bauen - haben wir Ude und Kronawitter zu verdanken.


    Ich hoffe, OB Reiter meldet sich auch noch zu Wort. Denn wir brauchen jetzt quer durch alle Ebenen und Organe eine lebhafte Diskussion, deren alleiniges Vorhandensein vielleicht schon ausreicht, damit hier in der Breite wieder mutigere Architektur geschaffen wird.

  • ^ Man muss nicht gleich mit surrealistischen Formen experimentieren - viel kann man mit Farben (jenseits weiß-grau) oder Verklinkerung erreichen, auch mit Mustern/Ornamenten, praktisch ohne Mehrkosten. Wenn es nicht getan wird und so oft auf Weißputz + versetzte Fenster herauskommt, ist dies eindeutig die Schuld der Architekten - ich glaube nicht, dass ein Investor sich der wiedererkennbarer Erscheinung verschliessen würde, wenn es nichts zusätzlich kosten würde.


    Dass die CSU bisher normalerweise Proteste gegen Nachverdichtungen und Hochpunkte organisierte (die Aussage von Fr. Hanusch im Artikel), mag sogar stimmen - ich hoffe, dass ein dauerhaftes Umdenken stattfand, dem die Schwesterpartei CDU in etlichen Metropolen folgt.


    BTW: Ich habe gegoogelt - hier unter Pkt. 3 spricht Fr. Hanusch explizit die Verteufelung des Ornaments an, als ob diese nicht einzig und alleine bei den Architekten läge.


    Die Bedeutung für die Nachverdichtung - während ich Bauten mit Weißputz-Einerlei und 4-5 Geschossen bedrückend finde, schöne Häuser wirken auch mit 8-10 Geschossen nicht einengend, sondern aufregend - ich glaube, Vielen geht es ähnlich. Man kann ganz andere Dichten ertragen bzw. gar attraktiv finden.

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    Es braucht mehr als Backstein und ein bisschen Farbe, erst recht, wenn 8-10 stöckig gebaut wird (vgl. Backstein hier). Ein wichtiger Punkt ist, Iconic hat ihn hier schon einmal erwähnt, die Orientierung der Fassaden zur öffentlichen Seite hin, z.B. mithilfe von Balkonen, die häufiger zur Straßenseite gerichtet sein sollten (dort, wo emissionsbedingt und aufgrund der Lichtverhältnisse möglich) (vgl. Backstein hier).


    Darüber hinaus braucht es aber tatsächlich mehr von den wirklich gewagten Entwürfen. Da kommt es dann schon auch auf die Grundform an. Wir wollen in München wieder Kaliber wie das Hypohochhaus oder den BMW Vierzylinder sehen. Erste Ansätze sind teilweise vorhanden, jetzt muss der nächste Schritt erfolgen. Die halbe Miete wäre schon der anvisierte Hochhausrahmenplan, der hoffentlich auch Hochpunkte über 100m vorsieht.

  • ^ Originelle Grundrisse und Formen sind beim Hochhausbau möglich, doch ein Großteil der Bautätigkeit besteht aus Straßenblöcken, dort ist kaum mehr möglich als ansprechende Fassadengestaltung. Der Entwurf unter dem zweiten Link wurde kleinteilig differenziert, der erste nicht - und er wirkt wie ein Riesenklotz. Da braucht man kaum mehr als die Klinker in verschiedenen Farben zu bestellen, bei gleicher Gesamtmenge bestimmt zum gleichen Preis - ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Architekt Argumente für ansprechendere Gestaltung ohne Mehrkosten vorbringt und ein Investor alle ablehnt. Eher, dass einfach ohne Mühe ß815 heruntergeleiert wird und später mit der "Moderne" gerechtfertigt.


    Etwa in Düsseldorf sind differenzierte Fassadengestaltungen größerer Projekte üblich geworden.


    Balkone auf der Straßenseite wären vermutlich desto häufiger umgesetzt je weniger Verkehr es darauf gäbe bzw. einen Allee-Charakter mit Bäumen entlang der Straße (selbst wenn diesen ein paar Parkplätze am Straßenrand weichen müssten).

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    Auch im Bereich normaler MFH ließe sich mit organischen Formen, verschiedenen Dächern, Winkel ungleich 90°, variantenreicher Balkonanordnung, Vor- und Rücksprüngen sehr viel erreichen. Da ist das Potential längst nicht ausgeschöpft.

  • @ MiaSanMia: Wie lange geht die Amtszeit von Herrn Reiter noch? Vielleicht kann er sich ja vor dem Ende seines Amtes doch noch positionieren und vielleicht auch mal etwas durchsetzen?


    Bei der 3. Startbahn fährt er seit Jahren einen Schlingerkurs, wie es schlimmer nicht mehr geht. Da könnte man doch jetzt mal, gemeinsam mit Frau Merk, den HH Rahmenplan durchziehen und dann auch in die Tat umsetzen.


    Meiner Meinung nach, sollten allerdings für die weitere Zukunft München's, neue Leute her. Frau Merk am Besten durch jemanden mit eigenen Visionen ersetzen und als OB gäbe es sicherlich auch Leute, die sich mehr auf den Bau von Wohnungen, Büro HH und ein modernes und innovatives Stadtbild konzentrieren würden.
    Auch hier wären Kandidaten mit Visionen wünschenswert!

  • Allein die wenigen Rücksprünge , kleinen Gesimse und Einrahmungen aus Ziegelstein machen schon viel her, sodass die Fassaden entlang des Grand Concourse in der Bronx ansehnlicher sind als die meisten neuen Rasterfassaden in München.

  • @#1750

    ^ Organische Formen bedürfen individuelle Schalungen und sind teurer in der Ausführung. Gefragt sind Lösungen, die ohne wesentliche Mehrkosten die Bauten viel individueller scheinen lassen - dann fühlt man sich in Quartieren mit 8-10 Geschossen Blockrand zzgl. Hochpunkte wohl. (Realistischer 7-8 Geschosse Blockrand - darüber rutschen die Bauten nach der Gesetzgebung in Deutschland bereits in den Höhenbereich der Hochhäuser, mit Brandschutz usw.)


    In den öffentlichen Debatten scheint bisher die Stellplatzsatzung ausgeklammert zu sein, die in München aus dem Jahr 2008 stammt - grundsätzlich wird 1 Stellplatz pro WE verlangt. Zeit für eine Reduzierung oder gar Abschaffung solcher Pflichten.

  • Momentan sieht es eigentlich recht gut aus für einen Strategiewechsel in der Stadtplanung.


    Manuel Pretzl setzt sich für mutigere Architektur ein, für dichtere bauen, Hochhäuser auch über 100m.


    OB Reiter lädt Architekten für Entwürfe, insbesondere für Hochhäuser ein, er erwartet auch außergewöhnliche Entwürfe, auch über 100m.


    Frau Merk möchte eine Hochhaus Studie / Rahmenplan voranbringen.


    Die Wohnungsnachfrage ist ungebrochen, Büroleerstand geht Richtung 1%.


    Investoren möchten Geld anlegen.


    Man könnte Evtl. bekannte Büros antriggern:


    Norman Foster
    Helmut Jahn
    Kohn Pederson Fox

  • Darüber hinaus braucht es aber tatsächlich mehr von den wirklich gewagten Entwürfen. Da kommt es dann schon auch auf die Grundform an. Wir wollen in München wieder Kaliber wie das Hypohochhaus oder den BMW Vierzylinder sehen. Erste Ansätze sind teilweise vorhanden, jetzt muss der nächste Schritt erfolgen. Die halbe Miete wäre schon der anvisierte Hochhausrahmenplan, der hoffentlich auch Hochpunkte über 100m vorsieht.


    Richtig, es geht doch bei dieser Diskussion um deutlich mehr als nur ein paar Schönheitskorrekturen an Fassaden. Da muss ein ganz anderer Anspruch her, der schon bei den städtebaulichen Ideen anfängt. München muss sich trauen, Antworten zu suchen auf große städtebauliche Fragen. Zum Beispiel:


    • - wie kann die Siedlung der Zukunft aussehen?
    • - wie kann Mobilität völlig neu gedacht werden?
    • - wie können Wohnen, Arbeiten und Freizeit so verknüpft werden, wie es vielleicht noch nicht einmal im Silicon Valley gedacht wird?
    • - wie können verschiedene Wohnkonzepte für unterschiedliche Haushaltsgrößen und soziale Schichten ganz anders als bisher gekannt organisiert werden?
    • - wie können auf möglichst wenig Raum, möglichst viele Nutzungen bei steigender Lebensqualität untergebracht werden?
    • - was kann die Region München tun, um mit neuen Ideen und Konzepten eine europaweite, ja weltweite Vorreiterrolle zu übernehmen?
    • - lassen wir Planern und Architekten möglichste Freiheit in ihren Ideen und ihrer Kreativität - wir wollen neue Formen, innovative Materialien etc. Denn: München hat 40 Jahre Langeweile gebaut, da ist es allein schon eine Notwendigkeit für die Balance im Stadtbild, dass endlich etwas passiert :D


    Mit anderen Worten:


    1. Es muss Platz her für Experimente
    In den 1960er Jahren, als Großsiedlungen wie Perlach oder Hadern geplant wurden, oder Konzepte wie der Olympiapark, aber auch einzelne Gebäude, wie Wohn- und Bürohochhäuser aus der damaligen Planungszeit. Das waren alles völlig neuartige Ideen - und man ist natürlich volles Risiko eingegangen. Vieles hat geklappt, manche Sachen sind Icons der Architektur geworden, eine Menge ist auch schiefgegangen. Doch wenn gar nicht erst versucht wird, etwas Neuartiges zu entwickeln, dann hat man doch schon verloren, bevor überhaupt angefangen wurde.


    2. Wir brauchen einen hohen Anspruch
    Wenn die Herausforderungen groß sind, heißt das doch nicht, dass nur noch Minimallösungen gefunden werden können. Auch hier lohnt ein Vergleich in die Zeit um 1965 bzw. einfach auch mal ein Blick in andere europäische Metropolregionen. Wir haben aktuell riesige Mittel. Nutzen wir sie, um uns städtebaulich und architektonisch nicht nur zu messen mit anderen, sondern um besser zu sein, um die ersten zu sein, die Zukunftsvisionen umsetzen, um weltweit beachtete Benchmarks zu setzen. Die Herausforderungen und günstigen Gelegenheiten waren selten so groß, und selten trafen sie auf eine solche ökonomische und kreative Stärke, die in der Region vorhanden ist. Also lasst uns etwas Großartiges daraus machen.


    MiaSanMia : Ehrlich gesagt sehe ich diese "ersten Ansätze" nicht wirklich. Baumkirchen Mitte, Hanns-Seidl-Platz, Werksviertel, Bayernkaserne. Mei, da sind nun endlich mal wieder ein paar Mini-Hochpunkte und die eine oder andere geschwungene Form dabei und städtebaulich geht man Minischritte Richtung Nutzungsmischung. Das genügt nicht im Ansatz dem Anspruch, den Stadt und Region an sich haben müssten und den die Bürger verdient hätten.

  • @ Iconic: Stimme Dir da voll zu. Es sind zwar erste, kleine Ansätze zu sehen. Aber wir müssen uns auch mal überlegen, wie lange diese Ansätze schon geplant wurden und wann sie mal fertig sein werden.


    - Bayernkaserne: Planung wohl seit 2013/2014! Fertigstellung 2028!
    - Macherei: Ging alles ziemlich schnell. Von der Planung bis zur Umsetzung!
    - Werksviertel: Planung dürfte auch so 2013/2014 gewesen sein. Fertigstellung 2029!


    Da liegen teilweise 14-16 Jahre dazwischen, von der Planung, bis zur Fertigstellung. Und wir reden hier ja nur von relativ kleinen Teilgebieten. Ich finde, daß es viel zu lange dauert.


    Was die Fertigstellung betrifft, frage ich mich immer, warum man zum Beispiel bei den BVT nur 40-60 Bauarbeiter (für alle 4 Gebäude) dort rumhüpfen sieht? In Dubai hab ich einem neuen Tower gegenüber des Princess Tower beim Bau zugesehen. Da waren an die 300-500 Bauarbeiter anwesend! Gleichzeitig werden in der Stadt aktuell aber noch 700-1.000 weitere Tower gebaut. Alles fertig pünktlich zur Expo 2020!


    Haben wir nicht genug Arbeitskräfte?

  • iconic :


    Das habe ich mit "erste Ansätze" auch nicht gemeint, sondern die Tatsache, dass erstmals seit langem wieder im Rathaus darüber diskutiert wird, ein Hochhausrahmenplan angedacht ist, mehrere Parteien 100m+ fordern etc., vgl. Beitrag von Schachbrett.

  • Da ja der OB Pläne für HH vorgelegt haben möchte, hat mich unser Klaus (Schachbrett) gebeten, für ihn seine HH Skizze hier mal einzustellen. Er hat sich wirklich viel Mühe gegeben.


    Tippe mal auch beeinflußt durch seine Reisen nach NYC, Chicago und Hongkong. Nach eigenen Angaben kennt er jedes Gebäude in diesen Cities.
    Er postet hier ja nicht so oft, aber wit tauschen uns regelmäßig aus. Und er kann genauso wenig, wie ich verstehen, warum in MUC das Thema HH so ein riesiges Problem darstellt?



    Copyright unser Klaus (Schachbrett)

  • Der Grantler wird sich fragen, was er davon hat, wenn der Städtebau neue Wege geht, die Architektur hier Beachtung findet, sich vieles um ihn herum ändert. Seine Stammkneipe muss vielleicht weichen, sein SUV findet keinen Parkplatz mehr, weil mittlerweile die Fußgänger und Radler das Straßenbild dominieren, im Erdgeschoss des neunstöckigen Hauses seiner drei Zimmer Wohnung im vierten OG ist eine kleine Galerie eingezogen. Mit Kunst konnte er aber noch nie was anfangen, schon gar nicht, wenn sie von einer Ausländerin geschaffen wurde. Dreimal schon hat sie ihm angeboten, doch ein kleines Bild von ihr in seinem Wohnzimmer aufzuhängen. Er genieße lieber den Ausblick auf die Berge, sagt er dann immer. Doch selbst dieses Privileg scheint bedroht, als er eines Tages in der Zeitung ließt, ein Investor auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wolle eine Brachfläche mit einem achtstöckigen, begrünten Wohnhaus bebauen. Allenfalls ein kleiner Supermarkt dürfe da hin, wenn überhaupt. Vor lauter Aufregung kommt ihm sein Mittagsweißbier wieder hoch - und - die Eingebung gleich Morgen eine Initiative zu gründen und Unterschriften sammeln zugehen. Vielleicht gewinnt er den BA für sich, schließlich wohnt er hier schon seit fast zehn Jahren und besitzt damit schon fast ein Gewohnheitsrecht auf Unveränderlichkeit der Umgebung. Damals in Großegerding in der Oberpfalz wäre das niemandem eingefallen, einfach so die Nachbarschaft zuzubauen. Was ist nur aus dem schönen München geworden, nuschelt er kopfschüttelnd in seinen Schnauzer.
    Jaja, wir könnten hier schon weiter sein...