Immeo(FdR)-Areal am Alexanderplatz

  • ^Architektenkind, ich habe mich mittlerweile bereits ein wenig an deine reflexhafte Reaktionen auf meine Beiträge gewöhnt.


    Du hättest in deinen Amerikanischen Beispielen auch noch das Chrysler Buiding nennen können, Bauten im Stile der Art Deco. Darin sind die Wörter Kunst und Dekor enthalten. Das sind Eigenschaften die man in den, Zitat, Tetra-Pack-Gebäuden schwer ausmachen kann. Ich beobachte in der aktuellen Berliner Architektur diese Faszination für die Architektur der Siebzigern und kann mich nur wundern.


    Übrigens ist meine Maxime eine von Lord Chesterfield: speak of the moderns without content and of the ancients without idolatry. Aber auch das wirst du mir wahrscheinlich nicht abnehmen.

  • Das sieht irgendwie schon traurig aus, fast könnte man meinen dass sich gestalterisch nichts getan hat seit den 50ern. Zumindest bringt die zweiteilige Farbgestaltung der Hochhausfassade etwas Abwechslung. In Richtung Alexanderstraße wirkt das Gebäude sogar relativ elegant. Es bleibt zu hoffen dass bei den anderen Projekten mehr Kreativität ins Spiel kommt, ansonsten wird auch die „Einheitshöhe“ mit dazu beitragen, dass die zukünftige „Skyline“ am Alex den Charme einer Hochhaussiedlung haben wird.
    Übrigens muß man sich in diesem Kontext auch mal vor Augen halten, was in anderen Großstädten an ähnlich prominenten Stellen gebaut und geplant wird.

  • Es fiel mir nicht ganz leicht, den Entwurf sofort zu beurteilen. Das liegt daran, dass der Ist-Zustand grottig ist und das Begehren, dass überhaupt etwas geschehen könnte, gerade beim Alexanderplatz, nach einer unendlich scheinenden Kette von Ankündigungen und Enttäuschungen, besonders groß ist. Daher ist man zunächst über alles froh, was die Hoffnung auf Bebauung weckt, v.a. wenn, wie hier, ein Sockel den Alexanderplatz einfassen und die hier überbreite Alexanderstraße deutlich verschmälern und humanisieren wird.


    Nachdem zwei Tage vergangen sind, schält sich aber für mich heraus, dass dieser Entwurf doch eher enttäuschend ist. Ein wie auch immer gearteter Ehrgeiz, an diesem namhaften Platz etwas besonderes zu leisten oder auch nur an bestehende Bauten anzuknüpfen und den Charakter des Platzes zu stärken, kann ich nicht erkennen. Der Sockel ist einfallslos und uninspiriert, könnte so fast überall stehen und wird der exponierten Lage m.E. nicht gerecht. Hier ist die Bezeichnung "Klotz" tatsächlich angebracht.


    Beim Hochhaus gefällt mir die Fuge und der dadurch erzielte Twin-Tower-Effekt einerseits ganz gut, andererseits ist es vielleicht gerade die Twin-Tower-Assoziation, die vielleicht dazu beiträgt, dass das Hochhaus auf mich etwas düster und deprimierend wirkt. Es geht keine Leichtigkeit von ihm aus, keine Heiterkeit, kein Optimismus, und ich hoffe, dass die Twin-Tower-Assoziation nicht irgendwelche Idioten auf dumme Gedanken bringen wird. Mir ist auch nicht klar, warum kein erkennbarer Versuch der Vermittlung zwischen Sockel und Hochhaus versucht wurde, zumal beim geplanten Nachbarn Hines beides in grotesker Weise auseinanderfallen wird und man mit einem homogenen Etwurf hier hätte punkten können. Ich bin nicht so enttäuscht wie das hier nun klingen könnte, aber ich denke doch, dass deutlich mehr drin gewesen wäre.

  • ^ Mir geht es ähnlich wie Dir, erst musste ich schlucken und dann habe ich immer den 2ten Zwillingsturm gesucht. Das hier ist für mich kein Zwillingsturm. Solche mit Nieschen abgesetzte Türme gab es schon im Frankfurt der 70er Jahre und keiner kam auf die Idee sie als Zwillingsturm zu bezeichnen. Auch die Türme der Deutschen Bank, die ja getrennt sind und nur im Sockelbereich verbunden sind, sind keine Zwillingstürme da sie bei Grundrissbetrachtung erheblich voneinander abweichen. Somit ist Deine Sorge dass jemand beim Anblick dieses Turms hier eine Assoziation mit dem WTC in New York habe könnte für mich nicht nachvollziehbar. Vieles wird von Details der Fassadengestaltung abhängen, dass man jetzt so noch nicht beurteilen kann- der Sockel allerdings sollte unbedingt qualitativ überarbeitet werden. Da ja laut Masterplan man sich nicht von dieser wirklich öden Marotte verabschieden möchte.


    Überhaupt finde ich die Berliner Situation durchaus mit der Warschaus vergleichbar.
    Warschau hat sich in den letzten Jahren eine Skyline zugelegt in der sich auch einige namhafte Architekten wie Liebeskind verewigt haben. Nur, dass in Warschau der stalinistische Kulturpalast das Leitgebäude ist und in Berlin der Fernsehturm. Ansonsten, das Umfeld, breite Strassenraster und große Plattenriegel in der näheren Umgebung, sind identisch.
    Wenn man das so will bitte, vielleicht sollte man sich, wie so oft in Berlin (Beitrag von Forumsmitglied Haufen) öfter mal informieren was wie woanders gemacht wird um nicht gleiche Fehler zu wiederholen.


    hier der kleine Film über die Situation im Zentrum Warschaus:


    https://www.youtube.com/watch?v=wOQp8130DdE

  • Kleiner Nachtrag: Auch das BauNetz berichtete über das Ergebnis des Wettbewerbes:


    https://www.baunetz.de/meldung…_entschieden_5519219.html


    Interessant sind die Kommentare der Leser (unten verlinkt), die - obgleich sonst überwiegend der zeitgenössischen Architektur zugetan - dem Entwurf fast ausnahmslos ablehnend gegenüberstehen.


    In der kommende Woche sollen übrigens auf der BauNetz-Seite die im Wettbewerb unterlegenen Entwürfe vorgestellt werden. Wie so oft in den letzten Jahren befürchte ich, dass es wieder zahlreiche Entwürfe gab, denen ich den Vorzug vor dem Wettbewerbsgewinner gegeben hätte.

  • Naja, das sind so Marketing-Aussagen. Ärgerlich, wenn die Presse das unreflektiert übernimmt. 9 qm sind auch für eine Studentenbude verdammt klein. Ich habe mal in einem Studentenwohnheim aus den 50ern auf 9,5 qm gewohnt, aber da gab es Gemeinschaftsküche und -duschen. Hier auch, oder sollen Bad und Kochnische in den 9 qm enthalten sein? Und gibt es tatsächlich Familien, die sich eine Wohnung in so einem Objekt leisten können, dann aber mit 100 qm zufrieden sind? Ich habe so meine Zweifel, ob da am Ende mehr als 150 oder 200 Leute dauerhaft zu Hause sein werden.


    Du hättest lesen können und dann wäre Dir vielleicht aufgefallen, dass ich schon geschrieben hatte '9 qm Studentenwhg. mit Gemeinschaftsküche'.
    Übrigens zur Miete: 15 EUR / qm kalt sollen es werden. Die Wohnungen werden vermietet und nicht verkauft.


    Ansonsten liebes Kind, bist Du meiner Wahrnehmung nach in Deinen Beiträgen, hier und anderen orts, wild am spekulieren und schwadronieren ohne wirkliche Substanz zur Grundlage zu nehmen - ins Blaue hinein. Mir kommt es geradezu spiegelbildlich vor, wenn Du Dich über Marketingaussagen in deren Übernahme durch die Presse echauffierst.


    Habe die Ehre.

  • Nach diversen Wettbewerbsergebnissen in Zusammenhang mit dem Alex habe ich meine Erwartungen ja mittlerweile deutlich heruntergeschraubt. Insofern lässt mich der Entwurf von Sauerbruch Hutton relativ kalt.
    Das Hochhaus im International Style wirkt als Neubau heutzutage wenig modern. Die Betonung der Vertikale ist bei einer Höhe von nur 130 m aber richtig.
    Viel schlimmer finde ich jedoch den Sockel der - wie schon andere User bemerkten - einen völligen Bruch zum Hochhaus darstellt.
    Dass die Fassade als austauschbare Meterware überall stehen könnte geschenkt. Aber in der Masse wird dieser Block den Alex m.E. erschlagen.
    Selbst Kollhoff wusste, dass bei einer Verkleinerung des Alex die Sockelbauten mit Staffelgeschoss auszuführen sind um die Klobigkeit der Sockelbauten etwas abzumildern was gerade bei diesem Block mit quadratischem Grundriss wichtig ist.


    Zum Vergleich:


    Bild: https://abload.de/img/alexanderplatz_projecqi2l.jpeg Bild: https://abload.de/img/alexanderplatz_projec5si11.jpg
    (C) Sauerbruch Hutton | Nachbearbeitung Bato


  • Überhaupt finde ich die Berliner Situation durchaus mit der Warschaus vergleichbar.


    Das ist mir dann doch arg ostfixiert. Einigen wir uns darauf, dass die Situation am Alex mit Warschau vergleichbar ist. Mit dem Kudamm glücklicherweise nicht.

  • Ich finde den Sockel wohltuend plastisch. Sowohl im Vergleich mit dem Kaufhaus, als auch mit Blick auf den Saturn. Dass sich der Sockel optisch vom Hochhaus abhebt, finde ich ebenfalls gut. Das erzeugt Abwechslung. Der Alex ist zugestellt von Gebäuden, die vorne, hinten und von der Seite jeweils identisch aussehen. Meist noch in Würfelform. Wohltuend finde ich auch die Höhe des Sockels, der doch noch um einiges höher zu sein scheint, als der Saturn.

  • ..Wohltuend finde ich auch die Höhe des Sockels, der doch noch um einiges höher zu sein scheint, als der Saturn.


    Ich denke der Sockel wird die gleiche Höhe wie die beiden Behrensbauten haben um eine ästehtische Platzfassung zu erzeugen.

  • Nach mehrtägigem Nachdenken inklusive einer Fahrt durch die Alexanderstraße komme ich zu einem vorsichtig positiven Fazit. Man muss zunächst die Gegebenheiten berücksichtigen: ästhetische Vorstellungen im Senat, Jahrzehnte mit nur minimalen oft sogar negativen Veränderungen (Alexa, Saturn) und den zweifelhaften Ruf des Alexanderplatzes. Ein mich überzeugender Entwurf im Kollhoffschen Sinne war in keiner Weise zu erwarten. Tatsächlich ist der vorliegende Entwurf wieder klar Neomoderne a.e. 60er. Das liegt offenbar im Trend und passt den Entscheidern in Berlin.


    Ich bin allerdings froh, dass auf Stapelungen und Drehungen verzichtet wurde, die die Schwächen von Hines und Monarch sind und leider auch beim Turm an der Warschauer vorgesehen werden. Der Turm wirkt hingegen elegant und ein Stück weit zeitlos. Den Sockel muss ich klar verteidigen. Er wirkt stark Strukturiert im Gegensatz zum kartonartigen Saturnbau und wird den Platz endlich fassen. Alles in allem ein guter Entwurf - mehr 20er Futurismus, mehr Höhe und Verjüngung wären natürlich um Klassen besser (aber Wunschtraum).


    Hoffentlich geht dann auch endlich mal ein Projekt in die Bauphase.

  • ^^ Ich denke, da trifft Du genau den Punkt.


    Geplant ist am Alexanderplatz keine Neuerfindung, das wäre der Kollhoff-Plan gewesen, der aber nur funktioniert hätte, wenn eine ganze Reihe klassischer Hochhäuser entstanden wären. Aber was würde jetzt z.B. ein einzelnes Art-Deco-Hochhaus in dieser Gegend nutzen?


    Außerdem soll der Bestand respektiert werden. Also müssen sich die neuen Häuser an den bestehenden orientieren und das tut der Entwurf ganz gut


    Im Grunde sollen die Behrens Bauten und der DDR Städtebau mit dem Fernsehturm als Fluchtpunkt weiterentwickelt werden (dafür ist aber der Gehry-Entwurf schon recht extravagant). Dafür sprechen auch die Pläne für das Haus der Statistik und die Pavillions an der KMA.


    Interessant wäre zu wissen, ob es eine Art inoffiziellen Masterpaln gibt, der z.B. die städtebaulichen Auswirkungen der neuen Gebäude z.B an der Kreuzung B1 / B2 oder der Alexanderstraße behandelt. Oder ob dort schlicht drauflos geplant und gebaut wird, in der Hoffnung es wird schon was draus werden...

  • ^Da warst du schneller als ich :daumen:


    Insbesondere vom zweitplatzierten Büro Diener + Diener, hatte ich eigentlich eine relativ ähnliche rationale Formensprache mit viel „flächigeren“ Fassadengestaltungen als wie beim erstplatzierten Büro vermutet. Nun muss ich sagen, dass ich den Entwurf von Diener + Diener bei weitem besser finde, als der von Sauerbruch-Hutton. Der Sockel ist sehr filigran und elegant (aus der Entfernung hat er etwas von einem 50er/60er-Jahre Kaufhaus- und Verwaltungsbau) – der Turm hingegen, ist viel massiver gehalten – was zumindest eine leichte Anleihe zu den Behrensbauten assortiert. Beide Bauteile sind bei näherer Betrachtung mit gezackter Fassade versehen. Dies ist insbesondere auf der Perspektive mit Blick in die Alexanderstraße zu beobachten.


    Die Wohnungsgrundrisse der beiden Erstplatzierten Büros, sind allerdings beide verbesserungsfähig. Erschließung über den Hof direkt ins Wohnzimmer vs. klaustrophobische Flure ohne Licht.


    Der Barkow-Leibinger Entwurf wirkt mit seiner Screen-Fassade natürlich recht abstrakt und maßstabslos. Der herausgezogene Sockel nimmt aber sehr gut die Höhe des verbliebenen Sockels des ParkInn auf und auch das Hochhaus auf die östliche Ecke des Blocks zu schieben, gefällt mir sehr gut.


    Bei Herrn Kollhoff fehlen mir mal wieder die Worte – besonders die Details am Rande, wie die weltgrößte Markise und der steinerne ParkInn-Sockel, versuchen zu Recht vom eigentlichen Entwurf abzulenken.


    Ich muss leider auch sagen - Chance vertan! :(

  • Also ich bin anderer Meinung. Wenn man die Auswahl sieht finde ich den Sauerbruch-Hutton Entwurf tatsächlich noch am besten geeignet!


    D.h. nicht, dass keine Verbesserungen nötig wären, z.B. eine Hervorhebung der beiden unteren Etagen, aber der ausgewählte Entwurf passt m.E. am besten zu den bestehenden Gebäuden. Auch der Entwurf für das Hochhaus gefällt mir von allen am Besten.


    Komisch finde ich den Kollhoff Entwurf, der selbst nicht mehr viel mit dem Plan aus den Neunzigern zu tun hat.

  • Ich muss mich anschließen. Der Sieger hatte den besten Entwurf: klar, steinern, elegant, unaufgeregt. Er wird dem Platz mit den großartigen Beherensbauten am ehesten gerecht. Barkow Leibinger entsprich hingegen ziemlich genau meinen Befürchtungen.


    Die Entwürfe zeigen klar, wie schlecht die Entscheidung ist das Parkinn zu vervielfältigen. Diese Scheibenform ist nicht toll, schon gar nicht wenn man sie klont.


    Hoffentlich kommen Hines und Monarch und man kommt zur Vernunft und baut auch später noch einige Türme höher und schlanker, dann kann es was werden. Sonst wird’s ein Stelenfeld (als DDR Memorandum).

  • Kollhoff bleibt seiner amerikanischen Formsprache auf jeden Fall treu, groß vom Hocker haut mich sein Entwurf aber auch nicht. Baumgarten gefällt mir noch am besten.


    Am Ende kann ich mit dem Siegerentwurf mittlerweile gut leben, zumindest mit dem Turm, der durch den Zwillings-Kniff schon was hermacht. Der Sockelbau bleibt eine Enttäuschung, lässt mich aber aiuch ratlos zurück, weil die anderen auch nicht besser sind. Baumgarten und Eberle gefällt mir von der Baumasse und Anordnung ansich zwar am besten. Im Kontext des Platzes passt der niedrigeste der drei Sockelbauten allerdings überhaupt nicht, weil er nicht mit dem riesigen Klotz von Galeria Kaufhof harmoniert und die Höhenlücke zwischen den beiden dem Platz nicht gut tut. Das war vermutlich auch der Grund, warum der Sieger-Sockel so aussieht, wie er aussieht, er soll den Kaufhof zitieren und rauskommen musste ein ähnlicher Klotz.


    Ich würde daher mal behaupten, die Galerie Kaufhof ist durch ihre Masse und geometrische Strenge als Gestaltungsdominante am Platz das Hauptproblem, weil sich alles andere daran orientieren muss/will. Man vergleiche das mal mit dem alten Hertie-Gebäude an fast gleicher Stelle.