Freiraumgestaltung Berliner Schloss/Humboldt-Forum

  • Ist doch völlig klar, dass es woanders in Wien ok oder ggf. sogar noch ziemlich cool ist, in Berlin aber mindestens eine Katastrophe und ein Totalversagen. Haben ja eh alle viel besseren Geschmack und auch die besseren Konzepte usw.


    Wo ich noch mitgehe, dass die Freiflächen zu weitläufig sind und die Sitzelemente daher etwas verloren wirken können. Das wäre bei paar Bänken aber auch nicht groß anders gewesen und da wird ja hoffentlich(!!!) generell noch nachjustiert. Denn so oder so finde ich solche weiten Steinflächen öde und völlig aus der Zeit gefallen.

    Unbequem sehen die Elemente mE aber absolut nicht aus. Eher erinnern die mich an die neuen Holzliegen im Tierpark und die sind mE gerade mit einer schönen Decke sogar verdammt bequem (da kann jede Parkbank einpacken).

    Und ein paar kräftige Farbtupfer tun so einer Steinorgie nun auch nicht gerade weh. Es ist ja sogar nur einfarbig (insgesamt und auch pro Element). Klar ist das eine Signalfarbe, wird in der Sonne aber ähnlich wie in Wien noch ausbleichen. Und zu schrill ist es mE auch nicht. Man kann sich vergleichsweise ja mal anthrazitgrau oder beige vorstellen. Das wären klassische Farben, die sich harmonisch integrieren statt einen Kontrast zu bilden. Würde mE aber optisch nicht gut funktionieren. Pastelltöne o.ä. fände ich hier auch zu blass.

  • Die Gestaltung des Schossumfeldes ist von zwei Kräften geprägt:
    1. Einer Bau-Verwaltung die darauf drängt, alle öffentlichen Räume im Unterhalt günstig zu gestalten, was Folgekosten angeht. Günstig gestalten heisst in diesem Fall: Sicher vor Zerstörung, Vandalismus, Missbrach und Abnutzung. Man kennt ja seine Berliner. Und es heisst andererseits: Möglichst günstig in der Pflege. Gärtnerisch gestaltete Flächen sind sehr teuer im Unterhalt - jedes Jahr aufs Neue und das auf Jahrzehnte. Stein ist auf Dauer billig. Einmal gelegt und gut ist. Also lieber Stein und Plastik, das 100 Jahre nicht verrottet.


    2. Einer für die Entscheidungen relevanten Senatsbaudirektion, der das ganze Projekt sowieso zuwider war - und die, wäre es nach ihr gegangen, den Palast der Republik gern erhalten hätte. Und die daher alles daran gesetzt hat, wenigstens moderne Akzente (oder das was sie dafür hielt) im Schlossumfeld zu setzen - wo die Senatsbaudirektion eben mehr Durchgriff hatte - wenn man schon das Schloss selbst nicht verhindern konnte.

    Heraus kam eine Steinwüste mit einer Steinwelle als Bank etc. Wundern kann das nicht.

  • ^ Eine politisch-polemische Vereinfachung (und das weißt Du auch).

    • Es gab einen Wettbewerb für das Umfeld, der 2013 keineswegs allein vom Senat entschieden wurde.
    • Die Gestaltung der Lustgartenseite lehnt sich eng an die historische Gestaltung an und enthält aufwendig zu pflegende Grünflächen, die Terrassen.
    • Die Südseite war vielleicht im Wilhelminismus grüner als heute, davor aber nicht.
    • Das Schlossumfeld ist jetzt seit einigen Jahren offen, ohne dass größere Probleme mir Vandalismus, Sprayern, etc. aufgetaucht wären.
    • Als "Steinwüste" kann man auch die Place Vendôme in Paris bezeichnen. Oder den Max-Joseph-Platz vor der Residenz in München, um eine Liga kleiner zu spielen. Macht aber niemand.

    Ich bin durchaus dafür, dass man auf der Südseite etwas verändert – Wasser und etwas Grün hinzufügt. Nur diese nicht enden wollende Klage über die dumme, ideologisierte Stadt nebst verrohter Bevölkerung – das kann ich nicht mehr lesen. Da kam seit zehn Jahren kein Argument hinzu.

  • Was ist daran polemisch? Dass die Bauverwaltungen auf "Stein statt Gartenbeet" drängen (müssen), ist ein Berlin-weites Thema - und zwar seit vielen Jahren. Das steht auch nicht im Gegensatz dazu, dass es auch in anderen Städten Steinplätze gibt. Ideologisch ist eher die Verweigerung, das zur Kenntnis zu nehmen.


    Eine nüchterne Betrachtung kommt im Vergleich zu anderen Städten auch zum Schluss, dass Berlin ganz klar ein weit überdurchschnittliches Problem mit einem rücksichtslosen Umgang von Teilen der Bewohner mit öffentlichen Gütern hat - und zwar ein wachsendes. Widerum ideologisch ist es, das abzustreiten und nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen. Denn solange man es nicht mal zur Kenntnis nimmt, wird man es auch nicht verändern.


    Es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn eine demokratisch legitimierte Senatsbaudirektorin etwas anderen will als einzelne Bewohner - oder gar ich. Immerhin hatte sie einen stark ausgeprägten Gestaltungswillen - und das ist ja schon mal was für Berliner Verhältnisse! Trotzdem muss ich deswegen noch lange nicht gut finden, wie sich das am Schlossumfeld ausgewirkt hat.

  • ...und wie ist die absichtsvoll geschaffene künstlerische Kahlheit des südlchen Schlossplatzes begründet? Die einst dekorativen und erhaltenen Kunstwerke (Brunnen, Rosse) im Schlossumfeld sind an jedem Ort gleichermaßen zu pflegen. Am Schloss ist ein durch Ergänzung wieder herstellbares Gesamtensemble durch das Weglassen der Artefakte dauerhaft beschädigt, zugunsten der Steinwüste und des „entschmückten“ Portals IV. Kommentar der früheren Senatsbaudirektorin war: „Wir wollen kein Freiraummuseum“. Die heutige Senatsbaudirektorin verweist ohne Begründung „auf komplexe Fragestellungen, in deren Ergebnis die Entscheidungen“ gefallen sind!“ Was steckt dahinter, sicher kein Pflegeaufwand.

  • Wer ist eigentlich für das Stadtmobilar, Grünflächen sowie die Pflege von beidem im direkten Schloss-Vorfeld zuständig? Die Stadt? Das Humboldt-Forum? Letzterer Akteur wäre sicherlich wesentlich fleißiger bei der Reinigung und Pflege der neuen Sitzbänke.


    Nächste Frage: Bleiben die Stühle erhalten? Die finde ich deutlich ansprechender, sowohl vom Komfort als auch von der Ästhetik. Weiß jemand, welche Erfahrungen damit gesammelt wurden (Diebstahl, Vandalismus, etc..).


    Mich überzeugen diese Bänke nicht. Man ist quasi gezwungen mit einer Signalfarbe zu arbeiten, da sonst nur langweilige, vielleicht sogar hässliche Klötze übrigbleiben würden (Motto: "If you can't hide it, accentuate it"). Das Spiel mit Kontrasten kann oft zu interessanten Ergebnissen führen, hier ist das für mich aber nicht der Fall. Da bleibt der Eindruck bestehen, dass man aus praktischen und damit ökonomischen Gründen auf eine solche Lösung zurückgreifen muss. So ganz von der Hand zu weisen sind die Bedenken hinsichtlich Sauberkeit und Vandalismus nicht, auch wenn man sich die offizielle Beschreibung aus dem anfänglich verlinkten Artikel anschaut: "preisgekrönte Sitz-, Liege-, Chill- und Kletterobjekte" [Augenrollemoji]. Eine "diverse Nutzung" ist also nicht nur durch Größe und Form begünstigt, sondern gewollt. Aber es reicht ja schon, dass eine Schulklasse mit dreckigen Schuhen über die Bänke klettert und schon mögen sich viele dort nicht mehr hinsetzten, geschweigen denn hinlegen. Wünsche viel Spaß und Ausdauer beim hinterherwischen.


    Alles in allem ist das für mich eine unpassende und dem Ort irgendwie auch unwürdige Wahl. Ich fände es ansprechender, wenn die Fläche über die Vegetationsphase mit hochwertigen Pflanzenkübeln und weiteren Grüppchen von diesen schon vorhandenen Stühlen angereichert werden würde.


  • Ist doch völlig klar, dass es woanders in Wien ok oder ggf. sogar noch ziemlich cool ist, in Berlin aber mindestens eine Katastrophe und ein Totalversagen. Haben ja eh alle viel besseren Geschmack und auch die besseren Konzepte usw.


    ....


    nicht Totalversagen, soweit würde ich nicht gehen wollen.

    Aber ....

    ich als alter Gestalter finde es schon sehr betrüblich bis ärgerlich, dass Berlin, das sich immer gerne im Zentrum des Design-Geschehens sieht, die deutsche Kreativ-Metropole schlechthin, anscheinend ausser Stande ist eine eigene Stadtmöbel-Designlinie hier speziell für das Humboldt-Forum-Umfeld oder auch weitergehend für Unter den Linden, zu kreieren.

    Dass man sich wirklich nicht zu blöd ist, um als Zweitverwerter dieses Wiener Möblements dazustehen, noch nicht mal eine andere Farbe gewählt hat, oder wie im Fall der bequemen Fermob-Sitzmöbel die im Uferbereich und an der Südseite zum Einsatz kommen einfach dass Modell aus Paris übernimmt und nicht mal ein eigenes Berlin-Modell in Auftrag gibt.

    Ein Leckerbissen wäre das für jeden Industrie-Design-Studiengang einer Berliner Hochschule für Gestaltung und günstig wäre es allemal. Nur auf die Idee kommt man ja leider erst garnicht.

  • Ich finde die Möblierung auch ziemlich halbgar, aber ich denke das ist eher eine Interimslösung, die nicht viel kostet, ein wenig Abhilfe schafft und man verbaut sich nichts bis man ein Gesamtkonzept hat, was dringend nötig ist.

    Allerdings wissen wir alle, dass das bestimmt ein oder zwei Jahre dauern wird, womöglich länger und eine mögliche Umsetzung, falls man sich doch für einem Brunnen - ich fände Wasserspiele ähnlich wie vor dem Centre Pompidou viel passender - oder neuen Grünflächen oder Bäumen auf der Südseite entscheidet, wird dann eine halbe Ewigkeit dauern.

    Ich weiss auch nicht ob die Gewinner des Wettbewerbes für das Schlossumfeld den Änderungen des Konzepts zustimmen oder sonstwie eingebunden werden müssen oder als erstes mit Änderungen beauftragt würden.

    Bis dahin ist hoffentlich das Einheitsdenkmal fertig und die Treppe zur Spree und man kann sich dann die weiteren zusätzlichen Massnahmen noch besser vorstellen.

    An Schloss und Umfeld wurde hunderte von Jahren rumgewerkelt, also von daher alles wie gehabt.

    Und zumindest besteht Einigkeit am Handlungsbedarf, der js jahrelang verleugnet wurde. Ein Fortschritt zumindest.

  • Eine nüchterne Betrachtung kommt im Vergleich zu anderen Städten auch zum Schluss, dass Berlin ganz klar ein weit überdurchschnittliches Problem mit einem rücksichtslosen Umgang von Teilen der Bewohner mit öffentlichen Gütern hat - und zwar ein wachsendes.

    Also das nehme ich ganz anders wahr! Es fallen ganze Horden von Graffiti Künstlern aus halb Europa in Berlin ein weil sich der Mythos hartnäckig hält, dass Graffiti sprayen hier generell legal ist.

    Bei uns im Hansaviertel wird sehr auf Sauberkeit und gepflegtes Grün geachtet, was einzig durch campierende Obdachlose beeinträchtigt wird, das können wir als Bewohner aber nicht beeinflussen, bzw. wollen es auch nicht.

    Die letzte große Zerstörung des Strassengrüns fand durch die Treckerdemo statt und grundsätzlich gibt es ein hohes Müllaufkommen bei Veranstaltungen an der Siegessäule, bzw. Großen Stern.


    Ein großer Teil des Drecks und der Zerstörung ist also importiert.


    Bei den neuen Sitzmöbeln frage ich mich warum man sich im Design nicht an den Sitzgelegenheiten der Terrassen orientiert hat und statt dessen hier wieder ein neues Element einbringt. Das wirkt unruhig und provisorisch. Ohne den "Anker" von Schattenspendern wirken die Elemente auch ziemlich verloren.


    Bei den kolportierten Gartenzwergen kam mir allerdings irgendwie die Assoziation der Oranierfürsten ...