Freiraumgestaltung Berliner Schloss/Humboldt-Forum

  • Als die Schlossfassaden des Humboldt-Forums entstanden, wurden prächtige Tore sichtbar: im Westen das großartige Eosanderportal, im Norden die von Hermen geschmückten Tore IV und V zum Lustgarten, (weiterhin ohne die dahin gehörenden Rossebändiger), im Süden die Tore I und II in repräsentativer Kolossalordnung, (weiterhin ohne den dahin gehörenden Schlossbrunnen).

    Ich hätte Franco Stella den Mut gewünscht, konsequenter Weise auch an der Ostseite ein repräsentatives Tor, in passendem modernem Stil, zu gestalten. Hier könnte nun das Sanchi-Tor die Außenanlage und die gelungene, aber sehr schlichte Ostfassade als schmückendes Element bereichern. Das Tor könnte sinnvoll nahe am portallosen Eingang aufgestellt werden, als optischer Ersatz und als symbolischer Hinweis auf das Museum.

  • Tatsächlich?

    "...hatte Parzinger die Neuaufstellung des Sanchi-Tores ursprünglich vor der Stella-Fassade angedacht."

    Es war anfänglich die Rede von "der Ost-Seite", aber offenbar auch vom "Schlossplatz". Anbei eine Pressemitteilung von 2017, die auch eine Grafik mit dem Sanchi-Tor vor der Stellafassade enthält (die Größe des Tores hier aber deutlich übertrieben), aber bei der Ortswahl für die Aufstellung vage bis widersprüchlich bleibt:

    https://www.preussischer-kultu…r-das-humboldt-forum.html

  • Also rein gestalterisch passt das Sanchi Tor doch in absolut keinster Weise zur Architektur des Stadtschlosses. Das wäre wieder so eine Kopfgeburt geworden und absolut daneben. Zum Glück ist das so nicht gekommen.

  • ... Sanchi-Tor vor der Stellafassade enthält (die Größe des Tores hier aber deutlich übertrieben), ...

    2/3 der dargestellten Größe wäre wohl näher an der Wahrheit. ;)

    Aber wie sähe das Ganze zusammen mit den beiden Fußgänger/ Radfahr /Rollstuhlfahrer-Rampen aus?
    Da wäre es doch deutlich ästhetischer, das Tor in die Mitte zu setzen und nicht an die Seite zu stellen! :)

  • Es war anfänglich die Rede von "der Ost-Seite", aber offenbar auch vom "Schlossplatz". Anbei eine Pressemitteilung von 2017, die auch eine Grafik mit dem Sanchi-Tor vor der Stellafassade enthält (die Größe des Tores hier aber deutlich übertrieben), aber bei der Ortswahl für die Aufstellung vage bis widersprüchlich bleibt:

    https://www.preussischer-kultu…r-das-humboldt-forum.html

    also der Link mit der Stellungnahme Parzingers zum Tor und seiner Aufstellung am Schloss klingt erst mal verwirrend.
    Gezeigt wird in der visu das Tor vor der Stellafassade, Parzinger findet die Idee eines Kontrapunktes zur Wilhelminischen Architektur reizvoll, die ja eigentlich nur am Schlossplatz den Marstall meinen kann und schwenkt dann alternativ auf die Ostseite wo er über den Lustgarten hinweg, wohl den Wilhelminischen Kontrapunkt im Dom sieht. Häh?!?


    Das wäre ja bestenfalls diagonal vom alten Museum betrachtet, die Flanke an der Liebknechtbrücke.


    Daraus schließe ich dass hier die Aufstellung des Tores entweder an den Zugängen zur Rampe -mit Blick auf Marstall/ Dom oder auch Höhe Schlossgarten resp. Apothekerflügel ernsthaft erwogen wird.

    Die seitliche Aufstellung erscheint mir bisher jedenfalls als die eleganteste und unkomplizierteste Lösung.


    Bei der Option das Tor frontal zur Stellafassade aufzustellen und dann sogar zentriert bin ich hin und her gerissen.
    Eine Frontale Aufstellung am Stellaflügel würde zwar dem Tor die bestmögliche Aufmerksamkeit von Osten kommend schenken, bräuchte aber für eine zentrierte Aufstellung m.M.n. ein geschickt gestaltetes Umfeld.

    Wäre es z.B Teil einer Aussenaustellung wie beim Märk.Museum wäre das sicher nicht uninteressant.

    Die Stellafront funktioniert da ja architekt. ein Stück weit wie eine Jungfräuliche Leinwand, sie kann ohne weiteres Zutaten gebrauchen und verkraften, nur sollte man sich sicher sein was man dort wie installiert.

    Für eine isolierte zentrierte Platzierung des Sanchi, bräuchte es m.M hingegen eine Umfeldgestaltung die das Tor als herausragend und wichtig für das HF deklariert und seine zentrierte Position dort rechtfertigt- was ich bei einer Kopie eines Objektes, mit bisher mäßigem Bekanntheitsgrad, doch sehr exotischem Charakter und auch in seiner Eigenschaft als einer Spezialität, die nur einen Teil der hier vertretenen Vielfalt der Sammlungen repräsentiert als schwierig empfinde, zudem sollte man die Wechsel-Wirkung des Tores mit dem Schriftzug des HF über dem Eingang an der Stellafassade nicht ganz außer Acht lassen, das könnte schnell mit der optischen Zerteilung des Schriftzuges in Konfusion zueinander geraten.

  • In der Berliner Zeitung ist heute von der Nordseite die Rede. Ich tippe auf die nordwestliche Ecke. Dort werden im Rahmen der Freiraumgestaltung schließlich gerade Fundamente erstellt. Dann träte das Tor in einen Dialog mit dem Eosanderportal.

  • ... Nordwestliche Ecke, da befindet sich aber auch der U-Bahneingang und es sollten dort eigentlich 2-3 grössere Bäume gepflanzt werden, wenn man der Visu der Gewinner für die Gestaltung des Schlossumfeldes Glauben schenken wollte ....

  • Ich werde wohl nie verstehen, wieso immer wieder versucht wird, mit zusammenhanglos nebeneinander gestellten Objekten, Stilmischungen und großen steinernen Leerflächen positive Aufmerksamkeit zu schaffen. Aus der Perspektive von Unter den Linden, von Westen aus, würde man sehen: rechts die riesige moderne, umgebungsfremde Freiheits- und Einheitswippe, daneben, in der Ansicht beengt und konkurrierend, das prächtige Eosanderportal, davor funktionsbedingt und schief positioniert, ein modernes Aufzugshäuschen, daneben irgendwo ein indisches Sancho-Tor, dazu ein die Sicht auf die Nord-Fassade einschränkendes Mini-Wäldchen aus drei großen Bäumen und dahinter vor der Barockfassade eine gähnend leere Steinfläche. Tröstlich die moderne Terrasse. Aber alles zusammenhanglos von schief nach schräg in Konkurrenz ohne ein historisch und stilvoll passendes Leitmotiv, das die Blicke auf sich lenkt, so wie es die dominanten Rossebändiger einst waren.

  • ^ Tja - damit ist dieses Konglomerat ein Abbild unserer Zeit: chaotisch ohne Hoffnung auf sinnvolle Neuordnung.


    Mod: Sinnloses Zitat des Vorposts gelöscht.

  • Die Berliner Zeitung zeigt die beiden Bronzereliefs, die bald im Portal 3 installiert werden. Außerdem soll bald mit der Planung der Rekonstruktion der Kassettendecken und Säulen in Portal 5 begonnen werden.


    Später sei auch eine Diskussion über die Balustradenfiguren und Prophetenskulpturen für die Schlosskuppel geplant.

  • Wenn es ein Abbild unserer Zeit ist, dann ist es doch genau das was es sein sollte, oder nicht?

    Ich hatte es für meine Verschwörungstheorie gehalten, aber scheinbar ist dies tatsächlich das Gestaltungsziel gewesen.

    Ob diese Feststellung positiv oder negativ einzuordnen ist, bleibt natürlich Geschmackssache.

  • Wenn es ein Abbild unserer Zeit ist, dann ist es doch genau das was es sein sollte, oder nicht?

    Wie soll ich Ihren Beitrag verstehen, als kritische Ironie oder als Einverständnis mit dem „Zeitgeist“?

    Es ist doch beschämend und traurig, wie rund um das rekonstruierte Gesicht des Leitgebäudes im Berliner Zentrum die neuen, prägenden Elemente der Außenanlagen kein planvoll ausgewogenes Ensemble ergeben, sondern nach und nach als zusammenhanglose Stückwerke zusammengestupft, bzw. ergänzt werden. Immer deutlicher wird dadurch, wie krampfhaft und arrogant mit der Keule des „Zeitgeistes“ das einst stimmige Ensemble verhindert werden soll.

  • Später sei auch eine Diskussion über die Balustradenfiguren und Prophetenskulpturen für die Schlosskuppel geplant.


    . . . mit erneuter Entscheidung!

    Es stimmt doch, dass die Rekonstruktion der Kuppel in historischer Form beschlossen wurde und durch einen Spender finanziert wird? Wie kann es dann sein, dass jetzt im Stiftungsrat über die Balustraden-Figuren und Propheten-Figuren erneut diskutiert und zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden soll? Könnte es sein, dass der Stiftungsrat aus Angst vor „Kuppel- und Symbolgegnern“ oder wegen eigener neuer Vorbehalte rückwärts rudern will?

    Einmal editiert, zuletzt von Bauaesthet () aus folgendem Grund: Ergänzung mit erneuter Entscheidung

  • Mittlerweile geht es ganz flott voran.

    Der Hauptteil der noch fehlt ist die Westseite.


    Die vorgesehenen Bäume sollten jetzt wohl alle gesetzt sein.


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    Die Unsicherheit über die Freitreppe ist jedenfalls insofern wieder ärgerlich, dass dieser verwahrloste Abschnitt uns noch Jahre erhalten bleibt.


    Ansonsten sind auch die Gehwege auf der Schlossseite weit fortgeschritten.


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    Die Infostelen gefallen mir auch sehr gut, wie überhaupt das Wegeleitsystem.


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    Ein neues Restaurant hat im Nordostflügel aufgemacht.

    Wilhelm Alexander bzw Deli Alexander. Eingang über Portal VI


    Hier mal einen Blick reingeworfen


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    oder über den Schlüterhof


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    Preisniveau ist relativ gehoben.




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    Das 'Wäldchen' mit den angeketteten Stühlen wird auch langsam dichter und macht schon was her




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    Die einsame Trauerweide macht sich auch langsam


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    Schön zu sehen, dass langsam alles fertig wird. Wenn jetzt noch im September die letzten Ausstellungend eröffnet werden und die Westseite mit dem Freiheitsdenkmal fertig ist, wird das schon sehr gut werden, da bin ich mir ziemlich sicher.


    Und nochmal zum geniessen


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  • Update zum Straßenumbau, fotografiert von mir am 26.07.2022 durch mich



    Eine neue Asphaltschicht wurde gen Spandauer Straße aufgetragen

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    Der Gehweg auf der Lustgartenseite wird endlich frisch gemacht und das jahrelange Provisorium damit beseitigt. Die Bordsteine sind schon verlegt...

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    Auf der Schloss-Seite stehen lediglich noch Restarbeiten an. Der Verkehr läuft bereits auf der neu asphaltierten Fahrbahnhälfte

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    Der neue Asphalt ist auf der Schlossbrücke schon vollständig aufgetragen

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    d.

  • Herzlichen Dank für die Bilder,

    was mir bei der Planung auffällt ist, dass die Bäume sehr zugepflastert sind mit Gehwegplatten.

    Das sieht so aus, wie in den 1970ern, wo man um Bäume nur einen Meter Platz gelassen hat.

    Nicht nur aus Gründen der Wasserversorgung wäre es besser, den Freiraum um die Bäume größer zu halten.

    Man will ja schließlich, dass die Bäume vor Ort gesund leben und sich entfalten.

    Oder man macht es wie in Hamburg, dass man Bewääserungsbeutel direkt an die Bäume hängt.

    Hier mal ein Bild von Baumbewässerungssäcken:

    https://cdn.mopo.de/uploads/si…2C600&crop_strategy=smart

  • < die Bäume sind nicht zugepflastert mit Gehwegplatten. Es gibt genügend Freiraum um die Bäume herum, die entweder von Pflasersteinen oder von Kiesschotter umgeben sind.

    Der einzige Baum der Platten in gehörigem Abstand um sich hat ist die Trauerweide auf der Ostsseite.

    Die Bewässerungssäcke sind immerhin schon bis Potsdam und die Gartenanlagen von Sans Souci vorgedrungen. Es kann also nur noch eine kurze Frage der Zeit sein bis sie auch in Berlin Verwendung finden.

    Ich habe nochmal das Umfeldkonzept von bbz Architekten verlinkt. Natürlich arbeiten diese in ihren Visus mit grossen ausgewachsenen Bäumen. Die Visus geben also einen zukünftigen Zustand in sagen wir mal ca. 10 Jahren wider. Das Fehlen der nordwestlichen Baumgruppe in Nähe des U-bahnaufzugs, das ich in meinem Post weiter oben bemängelt hatte, geht wohl mit dem Umstand des Baus der Freitreppe zur Spree hin, einher. Was allerdings sollte dagegen sprechen, die Freitreppe zu errichten und die Bäume ein wenig in Richtung HF hin zu pflanzen?

    Btw. der Wettbewerb ist auch schon vor fast 10 Jahren entschieden worden, da ist es fast schon ein Wunder, dass der Entwurf doch recht stringend umgesetzt wurde.


    link zum Konzept:

    https://www.bbz.la/projekt/fre…ng-umfeld-humboldt-forum/

  • Was allerdings sollte dagegen sprechen, die Freitreppe zu errichten und die Bäume ein wenig in Richtung HF hin zu pflanzen?

    Tatsächlich ist das meines Wissens nach auch vorgesehen. BBZ stellt ja auch den Entwurf für die Freitreppe, den man hier auf dieser Website unten in den Links als Download findet


    https://www.stadtentwicklung.b…hlossfreiheit/index.shtml


    Da sind ja auch einige Bäume im Bereich der Treppe vorgesehen. Eigentlich meiner Meinnung nach ein wenig schade, weil es die Schlossfassade verstellt. Aber lieber Baumgrün als gar keine Bepflanzungen an dieser Stelle.

  • Eine absurde, ärgerliche Analogie?

    Im Rahmen der Freiraumgestaltung des Schlossplatzes wurden der Standort einer Kopie des Sanchi-Tores, das Vor-Zurück der Bäume im Nord-Westen, Ästhetik und Standort der Einheitswippe und die Freitreppe diskutiert. Alle haben darin resigniert, die „Standorte Schlossbrunnen und Rossebändiger“ auch nur noch zu erwähnen. Die Behandlung dieses bedeutsamen Themas haben der Senat und die Bezirksämter abgewürgt und tabuisiert.


    Auf Weltebene erfolgt dagegen die Rückgabe der 1897 geraubten Benin-Bronzen jetzt nach 125 Jahren. Deutsche und britische Museen geben zahlreiche Kunstwerke an ihren ursprünglichen Ort zurück – aus Einsicht und „politischer Korrektheit“. Brunnen und Rossebändiger sind nicht geraubt und weltweit „verhökert“, sondern nur vom Ruinenfeld am Schloss weggeräumt worden: Die Rossebändiger wurden 1945 wenige Kilometer entfernt im Kleistpark und der Schlossbrunnen 1969 auf dem Rathausforum aufgestellt. Das war vor 79 bzw. 53 Jahren.


    Recht und billig wäre es, endlich diese künstlerisch wertvollen Artefakte an ihre ursprünglichen, historisch und stilistisch passenden Standorte zurückzustellen. Die Steinwüste des südlichen Schlossplatzes erhielte lebendige Wasserspiele und die Front mit den neuen Schlossterrassen am Portal IV wäre erheblich aufgewertet aus Einsicht und "politischer Korrektheit"!