Freiraumgestaltung Berliner Schloss/Humboldt-Forum

  • ^ Ich finde den Bryant Park völlig in Ordnung aber als Beispiel für den Lustgarten schwebt mir mehr der Washinhton Square Park vor. Man muss dort ja keine Folkmusik aufspielen, aber so etwas in der Art, wäre des Sache bestimmt nicht abträglich.


    Wenn man das seitens des Bezirks mit Stühlen organisiert kriegt, wäre dass bestimmt eine gute Lösung, aber Bänke entlang der Wege gehen auch.

  • Warum denn so kompliziert? In der Münchner Fußgängerzone werden die Stühle einfach mit Stahlseilen befestigt. Das sollte doch auch im Berliner Lustgarten möglich sein:


    Klick

  • Die Befestigung mittels Stahlseilen ist auch Gegenstand eines Langzeitversuchs mit Fahrrädern in Berlin - bis dato mit eher unbefriedigendem Ergebnis.


    Die abgebildeten Stühle sind zudem nicht vandalismussicher, ich gäbe einer solchen Lösung, wie von Camondo vorgeschlagen, genau drei Monate.


    Eine Möglichkeit wäre Videoüberwachung, das ist allerdings in Berlin nicht durchsetzbar.


    Stühle gab es auch zu DDR-Tagen ein paar Meter weiter. Der Lustgarten hatte da ja noch seine NS-Pflasterung für die Aufmärsche.



    (c) akg-images

  • Ich habe heute neue Bilder von der Pflasterung im südlichen Schlossplatzbereich aufgenommen, die mehr und mehr Gestalt annimmt und, meinem Geschmack nach, einen Riesenfortschritt darstellt:


    Hier ein Rest, der die bisherige Situation (an der Hochschule für Musik) abbildet:



    Und so sieht es bald überall aus:




    Auch beim ehemaligen Staatsratsgebäude ist die neue Pflasterung fortgeschritten:





    Wenn ich nicht falsch liege, sind auch die Laternen neu. Merkwürdig ist allerdings, dass sie (noch?) nicht einheitlich gestaltet sind.


  • Die Platzgestaltung am Neuem Marstall und Staatsratsgebäude sieht tatsächlich besser aus als erwartet. Hoffentlich werden auch die anderen Straßenlaternen für ein einheitliches Gesamtbild noch durch die historischen Schupmann-Kandelaber ersetzt.


    Was ist eigentlich der neueste Stand beim Neptunbrunnen? Auf der Website des Fördervereins habe ich einen interessanten Alternativentwurf gefunden, bei dem der Schlossbrunnen von schönen Grünflächen umgeben und auf eine kleine "Halbinsel" gestellt wird (siehe Bild 3):


    https://berliner-schloss.de/bl…nheit-und-reprasentation/

  • Es handelt sich um Elemente die auch in der restlichen Stadt zu sehen sind und genau das passt auch. Im APH werden schon provinzielle Kringel-Muster aus dem Steingarten einer Neubausiedlung in NRW (so sehen die zumindest aus) als Gegenentwurf vorgeschlagen. So piefig war das Stadtschloss nie und es ist gut, dass genau solcher Baumarkt-Schwulst hier nicht ausgeführt wurde.


    Das Schloss/Forum sollte ein selbstverständlicher Teil der Innenstadt werden und mit dem Umfeld verschmelzen. Da hilft es ungemein auch die Art der Pflasterung, die in Berlin typisch ist, fortzuführen und auch Replikationen historischer Stadtbeleuchtung aufzustellen. Hätte man auch ohne teuren Gestaltungswettbewerb von den Fachleuten in der zuständigen Baubehörde aufreißen lassen können, aber gut, so sind die Prozedere in Schilda halt. Ende gut, alles (?) gut.

  • Was ist eigentlich der neueste Stand beim Neptunbrunnen? Auf der Website des Fördervereins habe ich einen interessanten Alternativentwurf gefunden, bei dem der Schlossbrunnen von schönen Grünflächen umgeben und auf eine kleine "Halbinsel" gestellt wird


    Das ist ja schön, aber solange keine adäquate Alternative für den Rathausplatz präsentiert wird, glaube ich nicht, dass davon auch nur ein Kritiker überzeugt wird.

  • WII. hat die ganzen Rabatten und Vorgärten am Schlossplatz anlegen lassen damit mit sich vor seinem Schlafzimmer keine Volksmengen versammeln können. Auch die Vergitterungen wurden damals angebracht. Historisch war der Ort ein gepflasterter Stadtplatz. Da keine größeren Demonstrationen vor dem Ethnologischen Museum zu erwarten sind, sollte man zum historischen Vorbild (Friedrich II.) zurückkehren. Eigentlich sollte auch meiner Meinung nach auch die Fahrbahn gepflastert und der Bordstein abgesenkt werden.


    Wollte Herr v. Boddin nicht eine Kopie des Neptunbrunnens erstellen lassen und diese aufstellen?

  • Historisch war vieles anders in Berlin. Und gegen Grün (und auch etwas bunt) ist wohl kaum was einzuwenden. Man kämpft hier ja schon für jeden Löwenzahn. Außerdem würde dadurch der Verkehr zusätzlich etwas gezügelt. Man kann es ja auch moderner gestalten, wie am Ziethenplatz z.B., wenn man ein paar klassische Rabatten nicht verkraftet. Aber das Pflaster bisher finde ich gut. Auch, dass man die alten Schweinebäuche wieder benutzt hat, statt der sauber gefrästen Granitplatten.


    Eine Kopie ist doch einfach nur grotesk. DA wäre Disneyland vielleicht mal angebracht. Eine moderne und vor allem zum planschen gemachte Alternative fürs Rathausforum zu kreieren sollte wohl das kleinste Problem sein. Das ganze ist doch einfach ein Tortzverhalten.

  • Schweinebauch und Passéepflaster sind die authentische, seit dem 19. Jahrhundert in Berlin verbreitete Gestaltung öffentlicher Flächen und Gehwege. Es wäre sowohl verkünstelt da irgendwas modernistisches rein zu zwingen, wie auch pseudohistorische Schwulst einzubauen. So haben sich die Extreme quasi gegenseitig neutralisiert und es kam solide Berliner Normalität heraus. Ich bin wirklich erleichtert. Man kann Freiräume mit Pflasterung nämlich auch richtig verhunzen. Mehr Grün und Blüten wären immer schön und auch überaus zeitgemäß, aber das kommt vielleicht noch. Irgendwann muss der Mehrheitsgeschmack ja mal von Stein und Beton weg und all den Lippenbekenntnissen von mehr Naturnähe folgen. Aktuell sind ja im privaten Bereich die sogenannten Steingärten voll im Trend. Da wird die Pflasterwüste den Leuten gut gefallen.

  • Ich möchte den teilweisen Optimismus ja nur ungern bremsen, aber...


    Natürlich ist die Gehwegspflasterung vor Marstall und Staatsrat in der ausgeführten Form sehr löblich.
    Dies muß man allerdings von der eigentlichen, noch anstehenden Platzgestaltung (bezüglich der Bauausführung) getrennt betrachten.


    Die bisher vorgestellten Planungen knüpfen nicht an das historische Gewegplaster an, sondern "glänzen" weiterhin mit einer monotonen, grauen und schmucklosen Pflasterung.


    Die einzige momentan begründete Hoffnung besteht darin, daß die historische/historisierende Gewegspflasterung und die historischen Schupmann-Kandelaber die Monotonie ums Schloss selber etwas abmildern.


    Jede weitere schmückende Zutat (z.B. der Schlossbrunnen und/oder Hochbeete) würden diesen positiven Gesamteindruck sicher verbessern helfen.




    Gruß, Jockel

  • ^ Im September des vergangenen Jahres hat Tomov hier die Musterfläche an der Breiten Straße gezeigt, die auch für das Schlossumfeld diese Gestaltung nahelegt:


    Bitte keine Bildquotes. Ein Link reicht völlig. Danke
    Bato

  • Genau, das sind die Musterflächen für das Schlossumfeld. Man sieht auch die Sandsteinverkleidung der schrägen Mauer vor der Ostfassade. Auch der schon gepflasterte Bereich an der Nordseite, auf dem nun der Infocontainer steht, ist im gleichen Kleinpflaster ausgeführt wie der Bereich jetzt vorm Staatsratsgebäude.

  • Die Musterfläche wirkt vorallem dadurch interessant weil sie auf relativ kleiner Fläche viel Abwechslung bietet.


    Interessanter wäre welchen optischen Eindruck die schon vorhandene Pflasterung um den "Besuchercontainer" auf der Lustgartenseite vermittelt.


    Auch interessanter wäre ob bei der Lustgartenseite die Gehwege gesondert (vielleicht wie vor Marstall und Staatsrat) angelegt werden, oder wird die gesamte Fläche in einem Stück ohne optische Unterbrechung gepflastert.
    Auch wäre es interessant zu wissen ob es eine vielleicht farblich abgesetzte Umrandung der U-Bahnzugänge geben wird und gibt es auf der gesamten Fläche überhaupt farbliche Unterbrechungen im Pflaster.


    Verschiedene Visualisierungen zeigen hier noch zu wenige Details.
    In der Draufsicht deutet diese (https://images.ctfassets.net/7…n_Terrassen_bbz_ret01.jpg) vielleicht eine dunklere Unterbrechung in Nord-Südausrichtung an und in Ost-Westausrichzung vielleicht eine Unterbrechung mit Abdeckgittern von Regenwasserablaufrinnen.


    Auf älteren Lageplänen (siehe hier: http://bbz.la/projekt/freiraum…ng-umfeld-humboldt-forum/) ist der Straßenübergang ebenfalls gepflastert (?), auf der oben gezeigten Visu fehlt der Bereich leider, ebenso die Gewegbereiche beiderseits der Straße.


    Will sagen...
    Jede dezente geometrische Unterbrechung würde die Pflasterung enorm aufwerten und ihr die monotone Erscheinung nehmen.
    Ich meine damit nicht irgendwelche verschnörkelten Muster.



    Gruß, Jockel



    PS.: Da war Tomov schneller als ich in Bezug auf "Besuchercontainer" der ein Infocontainer ist. ;)

  • Es handelt sich um Elemente die auch in der restlichen Stadt zu sehen sind und genau das passt auch. [...]


    Das Schloss/Forum sollte ein selbstverständlicher Teil der Innenstadt werden und mit dem Umfeld verschmelzen. Da hilft es ungemein auch die Art der Pflasterung, die in Berlin typisch ist, fortzuführen und auch Replikationen historischer Stadtbeleuchtung aufzustellen.


    Ich teile den Eindruck und die Bewertung. Alles wirkt wie aus einem Guss, als wenn das seit zig Jahren nicht angerührt wurde. Ein rundes, harmonisches Bild. Allerdings zeigt es für mich zugleich, dass die modernen Fassaden sinnvoll sind. Es wäre mE schwierig, wenn man die Spuren der Geschichte komplett verblendet. Ich bin auch noch nicht ganz schlüssig, wie stark man tatsächlich weitere historische Elemente ins Umfeld einbinden sollte. Das ist mE eine Gratwanderung mit vielen Argumenten in beide Richtungen. Unabhängig von dieser Frage glaube ich, dass das Umfeld mit etwas Grün und einigen Sitzgelegenheiten ein richtig schöner Fleck Berlin werden kann.

  • Ich bin völlig überzeugt, dass die entstehenden Plätze um das und im HF richtig schöne Plätze werden.


    Das hat auch m.E. wenig damit zu tun, ob da jetzt noch 10% der Flächen zusätzlich begrünt werden oder nicht. Die barocken Fassaden und auch der Spannungsbogen an der Ostfassade, historisch - modern - historisch, sowohl auf die Fassadenflügel als auch auf die Nachbargebäude, Dom und Marstall, bezogen und desgleichen auch am Schlossplatz mit den Gegenpolen Eosanderportal - Einheitsdenkmal, überstrahlen alle Flächengestaltungen.


    Selbst ein an die Straße gequetschter Neptunbrunnen würde das nicht mehr wesentlich andern.


    Man könnte auch eine Fahrspur auf dem Schlossplatz asphaltieren und den Verkehr drüber leiten - auch das würde wahrscheinlich der optischen Wirkung nicht abträglich sein (siehe Potsdamer Schloss), wohl aber der Nutzung.


    Ob da jetzt Granit aus Sachsen oder China oder modernes und schönes Betonsteinverbundpflaster aus Rüdersdorfer Zement verlegt werden, schlussendlich ist es eine Nutzfläche, die in Erster Linie zweckmäßig sein muss, auf der man nicht stolpert oder ausrutscht und von der man alle paar Jahre tausende Kaugummis auch wieder runterkratzen kann.

  • Denkmäler im Schlossumfeld

    Ein endgültiges Urteil können wir erst fällen, wenn alle Freiflächen fertig sind. Ich finde übrigens, dass nicht jedes Denkmal ins Schlossumfeld zurückkehren muss. Der Heilige Georg z. B. kommt im Nikolaiviertel viel besser zur Geltung als im Eosanderhof. Auf die etwas kitschig wirkenden Oranierfürsten an der Schlossterrasse kann ich auch verzichten.


    Ganz anders verhält es sich dagegen mit dem Neptunbrunnen (Bezüge zur Breiten Straße, zum Schlossplatz und zum Schlossportal II) und den Rossebändigern (Bezüge zum Alten Museum und zur Straße Unter den Linden), die wie die Adlersäule (Bezug zum Münzturm) eine unverzichtbare städtebaulich-architektonische Rolle im Schlossumfeld spielen.


    Früher oder später wird man sich auch Gedanken über die Rückkehr des Großen Kurfürsten machen müssen, der derzeit völlig zusammenhanglos am Schloss Charlottenburg steht.

  • Mit der Pflasterung des "Außenbereichs" des Humboldt Forums, zu dem offenbar auch der südliche Bereich der Schloßplatz-Straße vor dem Staatsratsgebäude und der Hochschule für Musik gehört, ist Eurovia beauftragt worden. Auf Instagram kommentiert die Firma zwei Bilder der Pflasterarbeiten mit dem Hinweis, dass mit "recycelten Steinen aus der Region" gearbeitet werde.


    EDIT: Auf =68.ARDM9j6sUUjdWB0SJavm6nPS8djc__PeGaCznfW5aAKk5xpCIZSc_bq_tO-QAXqikpdsgctMvX4yzFAti1Jh2_bpkRMxvEeMExDWZnEnaUFwZ-ajlFI4KOrrEaEXAdoVHjUXiXH43PJ4DFgTqCFHhV0qoJKo5-Pyle25gTPdAppOqDDvqFHkVLtX4jKg5XJPFUQmpMY9zmQjtJeD_3Q0NZKlRpPliuwwxgCb2RrG9pDlTXqaeNrB0nCFJCcrfZR8Pjk5S7OiyXdO6FclJBjwtVbfQ-ni63b3IbbkIIeeX9BnCnHSUonyq2imUsac3ljL47IObOKcRkZMUeKl4Mdu_yE&__tn__=-R"]Facebook lautet es bei derselben Firma etwas einschränkender, dass dies für den südlichen Bereich gelte: "Für den Bereich vor dem Marstall - der ehemalige Kaiserlichen Pferdestall- verbauen wir nur alte Steine aus der Region, die wir selbst aufbereitet haben."

  • ^ Für die ungläubigen Thomase und Jockels hier die Gesamtübersicht über den derzeitigen Stand der Freiraumgestaltung.


    Vor der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" wurde - wie bereits gesagt - mit "recycelten Steinen aus der Region" gearbeitet. Im Kreuzungsbereich Breite Straße/Schloßplatz finden sich demgemäß alte Schweinebäuche:



    Daneben Bernburger Mosaik:





    Besonders interessant ist, dass die von Tomov gezeigte Musterfläche in der Breiten Straße im vorderen Bereich Kopfsteinpflaster und einen "modernen" Stein nebeneinander zeigt. Hierbei handelt es sich um die Gestaltung der Parkbuchten:




    "Alt" und "neu" liegen hier nah beieinander:



    Dem wachsamen Marx an der Hanns-Eisler-Fassade scheint jedenfalls zu gefallen, was er hier sieht:



    Auch die Mittelinseln am Schloßplatz sind mit Kleinpflaster gestaltet worden (mit im Bild auch die Schupmann-Kandelaber):





    Wie vor der Musikhochschule ist auch der Bereich vor dem Staatsratsgebäude gestaltet:





    © HarrySeidler