Freiraumgestaltung Berliner Schloss/Humboldt-Forum

  • In der Berliner Morgenpost wird über Pläne der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für die historische Mitte und eine entsprechende Ausschreibung berichtet. Eine interessante Information betrifft diesen Strang. Die Stiftung Zukunft Berlin möchte den Rathausplatz zum „Platz der Demokratie“ für Veranstaltungen von bis zu 60.000 Menschen umgestalten und den Neptunbrunnen vor das Humboldt Forum versetzen.

  • Die Stiftung Zukunft Berlin hat keinen Einfluss auf die Gestaltung des Rathausplatzes und die Senatsverwaltung hat in der Ausschreibung ausdrücklich (!) auf den Verbleib des Neptunbrunnens am jetzigen Standort hingewiesen.

  • Einen "Rathausplatz", Bauästhet, gibt es Berlin-Mitte nicht, richtig ist aber sicher dasß die Vorschläge der Stiftung Zukunft und auch der über 20 Bürgervereine für die Mitte vollständig ohne Einfluß auf die weitere Planung bleiben werden. Momentan ist ja sowieso, wie vorher um den Fernsehturm, nur eine behutsame Modernisierung des status quo geplant.


    Der Neptunbrunnen wird solange vor dem Rathaus stehen, bis er von allein auseinanderfällt. Der Zeitpunkt ist ja nur noch wenige Jahre hin; schon vor zehn Jahren sollte der Brunnen dringlich saniert werden. Dann wird der Brunnen zur Sanierung abgebaut und wird - wie die Heilige Getraud auf der gleichnamigen Brücke - auf Jahre verschwinden. Nach dem Abbau wird der Senat von Berlin über ein Provisorium entscheiden, daß - berlintypisch - zur Dauerlösung wird. Der Neptunbrunnen wird in einem Depot der Denkmalpflege vergessen werden.

  • Hmm, Konstantin, das klingt nicht gut, wenn ich mir vorstelle, dass die vier Fluß-Jungfrauen gemeinsam mit dem Wüstling Neptun ohne Öffentlichkeit in einem Depot verschmachten müssten. Das kann ich mir jedenfalls kaum vorstellen, nachdem die Senatsverantwortlichen (Lüscher, Lederer, Ausschreibungstäter usw.) so beharrlich auf dem Standortverbleib des Brunnens vor dem Rathaus beharren und der Senat sogar die 10 Mio. € Angebot des Bundes zur Sanierung und Versetzung zum Schlossplatz abgelehnt haben. Eine Vernachlässigung und Sanierungsverweigerung käme ja einem schleichenden Meuchelmord und einer talibanischen Kulturvernichtung gleich! Das wage ich dem Senat nicht zu unterstellen.

  • Ist aber so auch nicht selten geschehen - vieles landete im Depot um dann auf nimmerwiedersehen zu verschwinden. Ich glaube die Berolina ereilte so ein Schicksal ebenso der Figurenschmuck so mancher Gebäude, bei den Standbildern vom roten Rathaus kann man von einer Einschmelzung ausgehen hätte sich auch zu komisch ausgenommen die Hohenzollern in der Hauptstadt des real existierenden Sozialismus weiter vom roten Rathaus herabblicken zu lassen.

    Die professorenstandbilder der Kngl. Bibliothek gelten ebenso als Verschollen obwohl man sie wieder aufzustellen gedachte.

    Was mit dem Brunnen wird, bleibt spekulativ und auch ein Stück weit abhängig von der lokalpolitischen entwicklung - durchaus möglich dass die standortdebatte mit anderer politischer Konstellation wieder aufgerollt wird. Ich halte hier nichts für unmöglich und das Festhalten am jetzigen Standort eher sowohl für eine vorauseilende kalkulierte Geste gegenüber Nostalgischen Strömungen innerhalb potenzieller Wählerklientel als auch als eine zickig, trotzige Antwort gegenüber der vermodernden städtebaulichen Restaurationshaltung die sich am Humboldt-Forum ausnahmsweise weitestmöglich durchzusetzen vermochte. In diesem Fall hat der amtliche Spiesserdackel wieder mal den Rekonstruktstionsbestrebungen einfach mal in die Rabatte gepisst, man muss halt für seine Überzeugungen eben das Bein heben, glücklich der, der da von Amts wegen am längeren Hebel sitzt.

  • vieles landete im Depot um dann auf nimmerwiedersehen zu verschwinden. Ich glaube die Berolina ereilte so ein Schicksal

    Für die Berolina gilt "vermutlich eingeschmolzen".

    Wenn die Berolina in einem Depot vorhanden gewesen wäre, hätte man diese sicher 1987 (zur 750-jahrfeier Berlin) in irgendeiner Form aus dem Hut gezaubert.

    Wenn z.B. Ost-Berlin damals Zugriff darauf gehabt hätte, hätte der Genosse Erich Honecker ihr wahrscheinlich (schwer verliebt und stolz) gerne höchst persönlich die Kleider vom Laib gerissen (ähm, ich meine die Dame enthüllt). :P


    Den Neptunbrunnen betreffend kann ich mir nur schwer vorstellen wie Berlin eine Sanierung und vorallem einen darauf folgenden dauerhaften Erhalt vor dem Rathaus bewerkstelligen will.

    Außerdem ist es nur schwer zu ertragen (einmal von mir, aber in erster Linie vom Brunnen selbst) als Klettergerüst, Planschbecken und Abenteuerspielplatz mißbraucht zu werden.

    Genau diese Funktion hat er leider in großem Maße am derzeitigen Standort.

    Es ist halt leider schwer zu vermitteln weshalb man auf/in den (dafür gut geeigneten) Wasserkaskaden am Fernsehturm spielen und toben darf und im (dafür überhaupt nicht geeigneten) Brunnen daneben eben nicht.


    Das zeigt für mich ganz deutlich, daß der Neptunbrunnen in diesem modernen Ensemble auch deshalb völlig fehl am Platze ist.

    Vor das Rathaus gehört ein passender, moderner und vorallem belastbarer/bespielbarer Brunnen.


    In das Gesamtkunstwerk Museumsinsel, mit Humboldt-Forum gehört halt auch das Kunstwerk Neptun-/Schlossbrunnen, denn genau für den Schloßplatz (vor das Schloss) ist er gedacht und gemacht.



    Gruß, Jockel

  • Ich habe das schöne Wetter für einen kleinen Spaziergang um das Humboldtforum genutzt. Die neuen Freiflächen werden langsam in Besitz genommen. Zudem werden noch einige Restarbeiten durchgeführt. Ich beginne mit der Südseite:


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    Die Baustelle der Freitreppe für das Flussbad an der Westseite:


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    Die Nordseite, wo man schon jetzt angenehm sitzen kann:

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    Und hier sieht man das Hauptproblem des Humboldtforum-Umfeldes: Die Hauptstraße, die das Humboldtforum vom Lustgarten abschneidet. Laut Koalitionsvertrag sollte hier der MIV unterbunden werden. Hoffentlich wird dieser Beschluss bald umgesetzt.


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    Alle Fotos: Klarenbach

  • Das Flußbad ist doch noch lange nicht beschlossene Sache! Das Treppenprojekt wird unabhängig davon verwirklicht. Eigentlich stehen ja die gesamten historischen Ufermauern unter Denkmalschutz. Der wird aber anscheinend eben sowenig wie bei der Zerstückelung des Sockels für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ernst genommen.

  • Sicherlich kann man dadurch deutlich die Aufenthaltsqualität erhöhen. Die Frage ist dann, wo man den Verkehr umleiten will. Nur weil UdL-dicht gemacht wird, schafft doch keiner sein Auto ab. Alles auf die B1?

  • Es ist leer, weil wir Corona haben. Das hat doch nichts mit der Stadtplanung zu tun.

    Ein Pflaster alleine macht noch keinen Stadtraum. Und man kann Corona nicht für alles verdammen. Wenn es dort keine Sitzgelegenheiten oder Rasenflächen gibt, könnte es auch durchaus eine Ödnis werden – auf Dauer. Man braucht hier schon ein Konzept.

  • ^ Es gibt kaum eine Ecke in Berlin, die im Sommer derart (von Touris) überlaufen ist, wie der Lustgarten. Wenn das Humboldtforum offen ist, wird sich der Trouble auch dorthin ausdehnen. Mangel an Publikum ist hier (ohne Corona) wahrhaft kein Problem. Die Straße als Barriere ist es schon – die Ampelphasen dauern ewig. Das hat in den letzten Jahren kaum gestört, weil auf der Südseite nur eine Baustelle war. Wenn demnächst Tausende zwischen Lustgarten und Forum wechseln wollen, ist der jetzige Zustand nicht mehr haltbar.


    Was die Alternativen betrifft, bin ich etwas ratlos. Die Französische Straße kann einen Teil des Verkehrs aufnehmen, aber gewiss nicht alles. Und sie ist von Norden nur schwer zu erreichen – die Wilhelmstraße ist an der Britischen Botschaft gesperrt, die Friedrichstraße könnte Fuzo werden. Was von Norden kommt, wird verstärkt über die Torstraße laufen, von Süden über die B1. Aber das sind Provisorien. Auf Dauer hilft es nur, den Autoverkehr durch das Zentrum insgesamt zu verringern.

  • Wenn es dort keine Sitzgelegenheiten oder Rasenflächen gibt, könnte es auch durchaus eine Ödnis werden.

    Aber es gibt doch bereits Rasenflächen im Lustgarten. Siehe dazu dieses Bild von Klarenbach: https://abload.de/image.php?img=p1012806c5jtr.jpg


    Da sitzen Leute auf dem grünen Rasen und genießen den Blick auf die Barockfassade des Humboldtforums. Was willst du denn noch mehr?

  • In den Bildern der Schlossplatz-Südseite wurden schon einige Personen auf den Steinernen Bänken sitzend gesehen, offensichtlich in gemütlicher Haltung. Wer hat Erfahrung, ob die wirklich in Höhe und Ausformung gemütlich sind? Sie haben natürlich auch die "Terroristenabwehrfunktion". Mir gefallen die Holzbänke auf der Lustgartenseite jedenfalls optisch besser.

  • ^ Habe noch nicht drauf gesessen, aber mehrfach beobachtet, dass Kinder einen Heidenspaß daran haben, über die gewellte Oberfläche zu turnen. Zum Sitzen bei diesen Temperaturen sicher zu kalt, ist halt Stein...

  • Meldung der Berlinerischen Zeitung - 1.4.2021


    Glaubwürdige Kreise wollen erfahren haben, dass Berlins Kulturpapst, Viledera heimlich die Rück­führung des Neptun-Brunnens zum Schlossplatz plant, obwohl er das offiziell ablehnt. Grund waren bisher Gasleitungen und Kosten. Auch soll eine Elterninitiative fordern, für die Kleinen wenigstens die Brunnen-Jungfrauen für „Abenteuer­spiele“ zu belassen (Zitat: Boron). Immerhin habe es Viledera erreicht, dass der Bund 10 Mio. € für die Umsetzung anbietet. Viledera sei auch für die Rückführung der Rosse­bändiger. Das sei aber zu teuer (fehlende Kitas). Den Rossebändiger-Umzug verweigere er nur, damit der Bund das irgendwann auch finanziert. Da der Bund wegen der Pandemie pleite sei, lehne er weitere Umzüge von Pferden, Reitern und Bändigern in B-Mitte ab. Jetzt prüfe Willi Boden vom ProSchloss-Verein, mit Spenden auszuhelfen. Ergebnis: Diese könnten zwar für einen Rossebändiger, nicht aber für zwei reichen. Der Teilrepatriierung mit Spenden würde der Kulturchef sogar zustimmen, da beide Statuen im Kleistpark zu weit auseinander stünden. Jetzt werde endlich eine alle befriedigende Gesamt­lösung ausgearbeitet. Danach könnten beide Pferde mit Personal umziehen, wenn die „grausige nachgemachte Schlossfassade“ (Zitat: v. Dusel) dafür „zeitgemäß“ an dem „sehr prominenten Ort“ (Zitat: Luschara) von religiösen Barocksymbolen befreit und weiß gestrichen würde. Auch müsse der Lustgarten planiert werden, damit durch die Pferde kein Freiluftmuseum entsteht. Der so gewonnene „Platz der demokratischen Republik“ könne für beliebte Großdemos von bis zu 60.000 Personen dienen (Wunsch des Senats). Vorteil: Der Platz könnte dann auch als Bus-Parkplatz alle Parkprobleme lösen. Das Rote-Rathaus-Forum könnte dann eng und historisierend bebaut werden (Forderung der Reko-Fraktion). Zur Finanzierung dieses genialen Konzeptes liegen keine Informatio­nen vor, es wären aber viele Bürger zu Spenden bereit. Zudem lägen lukrative Angebote aus aller Welt zum Ankauf von Raubkunst vor, was erheblich zur Finanzierung beitragen könnte. Das erfolgreiche BER-Projektmanagement stehe für diese neue Herausforderung bereit. Red.: Bauaesthet