Westville - Neuentwicklung Ex-Avaya-Areal (Bauphase)

  • Westville und seine Rechenzentren-Nachbarn

    Der Abriss des Avaya-Hauptgebäudes an der Kleyerstraße geht unaufhaltsam voran und das Ende der Empfangshalle steht in Kürze bevor. So sah es hier noch im Februar aus #30.


    In der Glasfassade der Halle spiegelt sich ein gegegenüber gelegenes Gebäude der Firma Telehouse, die hier ein Rechenzentrum betreibt. In unmittelbarer Nähe, direkt jenseits des Bahngleises auf der gleichen Straßenseite der Kleyerstraße betreibt die Firma Equinix ebenfalls ein Rechenzentrum. Die dort hörbare Lärmbelastung ist deutlich wahrnehmbar. Nicht umsonst war das Lärmthema wie in Beitrag #16 von Schmittchen dargestellt für die Verzögerung der Entwicklung des Wohnquartiers verantwortlich.


    Diese unmittelbare Nähe zweier wichtiger Rechenzentren war mir bisher unbekannt. Gerne verweise ich in diesem Zusammenhang auf die Beiträge von Tunnelklick und anderen im Strang "Wirtschaftsfaktor Rechenzentrum" - z.B. Beitrag #5. Interessant fand ich als Laie in dem Zusammenhang auch einen Übersichtsartikel der FAZ von März 2018 zu dem Thema Hauptstadt der Daten


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    Spiegelung eines in der Kleyerstraße gegenüber gelegenen Gebäudes mit Rechenzentrum der Firma Telehouse


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    Blick auf die Abluft und Klimaanlagen der Firma Equinix in der Kleyerstraße


  • ^ Mehrere Rechenzentren und der Internetknoten sind an der Rebstöcker Straße angesiedelt. Telehouse benutzt den alten, z.T. untervermieteten Siemens-Bau entlang der Kleyerstraße de facto als Lärmschutz für die dahinter liegende IT-Ablufttechnik.


    Leider werden all diese RZ nach wie vor lufttechnisch gekühlt, so dass die Abwärme nicht verwertbar ist. Dazu bedarf es einer Umstellung auf Wasserkühlung, die Wärmetauscher ermöglichen würde. Dies könnte nicht nur den Gallus mit Heizwärme versorgen.

  • Die Empfangshalle an der Kleyerstraße ist Vergangenheit und der letzte Block des Hauptgebäudes in Kürze ebenfalls. Was man hier nicht sieht, große Teile der Rückfassade wurden bereits abgerissen. Im Weitwinkel wird jetzt die Größe des Areals deutlich; rechts der Zaun zur Kleyerstraße.


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    Foto von mir

  • Nach dem kompletten Abbruch der Avaya-Gebäude auf dem südlichen Teil des "Westville"-Areals wird für begrenzte Zeit der ungehinderte Blick auf das ehemalige Werk 2 von Telenorma TN frei. Es wurde an Stelle des 1944 zerstörten Vorgängergebäudes in mehreren Bauabschnitten errichtet und trug viele Jahre ein auffälliges, sich drehendes Firmensymbol auf dem Dach.


    In diesem Gebäude hatte Telenorma schon 1989 ein rechnergesteuertes Montagesystem für Leiterplatten mit 3 Bestückungsrobotern in Betrieb genommen. 1998 wird hier das Business Continuity Center (UC/BCC) fertig gestellt und Databurg genannt, welche 2012 durch Verkauf zur Telehouse-Deutschland GmbH firmiert.


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    Foto von mir

    Einmal editiert, zuletzt von Lu-Mo () aus folgendem Grund: typo...

  • Blick auf das Westville-Areal vom angrenzenden Tevesgelände und auf das Teves-Gelände von der Rebstöcker Straße

    Nach dem erfolgten Abbruch ergeben sich vom Tevesgelände hinter der Bahnlinie aus beeindruckende Ansichten vom Gelände des neuen Stadtteils in dem 1300 neue Wohnungen entstehen sollen.


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    Standort kurz hinter der Bahnunterführung mit Blick in Richtung Kleyerstraße


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    Panorama von Höhe des IB Ausbildungslokals "Startorante" (nahe Mainzer Landstraße) in Richtung Kleyer und Ackermannstraße


    Die Abbrucharbeiten am Tevesgeländer vor der Bahnline an der Rebstöckerstraße sind abgeschlossen. Das Gelände ist sozusagen "besenrein" und durch einen Zaun gesichert. Nun bleibt abzuwarten, was die Bodenproben im Hinblick auf die industriellen Altlasten ergeben und was das für die weitere Entwicklung des Geländes bedeutet. Einen Artikel zu dem Thema gab es in der Frankfurter Rundschau am 19.12.2019


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    Panoramaaufnahme Tevesgelände auf Höhe der Haltestelle Gustavsburgplatz


  • Seit dem letzten Beitrag vom September 2020 ist man hier mit Erschließungsarbeiten beschäftigt und am späten Nachmittag waren noch zwei Bagger im Einsatz.


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  • Gut zwei Monate Monate später laufen Gründungsarbeiten. Mit der Erschließung ist man weiterhin beschäftigt. Das sehr große Bauareal von Osten:


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    Abschnittsweise von Süden nach Norden, Klick macht die Thumbnails groß:


    Bild: https://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/4763_westville.jpg   Bild: https://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/4764_westville.jpg   Bild: https://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/4765_westville.jpg
    Bilder: Schmittchen

  • Weitere zweieinhalb Monate später zeigt sich das Gelände vom Standort Tewes West jenseits der Bahnlinie wie folgt:


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    Blick in Richtung Süden Kleyerstraße


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    Blick in Richtung Westen Ackermannstraße


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    Blick Richtung Südwesten Kleyer/Ackermannstraße

  • Das auf der anderen Seite der Kleyerstraße gelegene Rechenzentrum der Telehouse Deutschland GmbH wird das neue Wohnquartier mit Wärme versorgen. Einzelheiten in einer Pressemitteilung der Stadt:


    Der Frankfurter Energieversorger Mainova, der Rechenzentrumsbetreiber Telehouse Deutschland und der Projektentwickler Instone Real Estate haben am Donnerstag, 8. Juli, bei einem Vor-Ort-Termin ihre Kooperation für das innovative Wärmekonzept im künftigen Wohnquartier „Westville“ offiziell vorgestellt. „Die geplanten rund 1300 Neubauwohnungen sowie Gewerbeeinheiten am südwestlichen Rand des Frankfurter Gallusviertels mit einem Jahresbedarf von 4000 Megawattstunden (MWh) werden künftig zu mindestens 60 Prozent aus der Abwärme des benachbarten Rechenzentrums versorgt“, erläuterte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Bis zu 40 Prozent werden durch die umweltschonende Fernwärme aus den hocheffizienten Heizkraftwerken der Mainova ergänzt. Der Beginn der Wärmelieferung ist ab Anfang 2023 vorgesehen.

    „Klimaschutz lebt von guten Ideen“, betonte Feldmann, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Mainova ist. „Das Gemeinschaftsprojekt von Mainova und Partnern für die Nutzung der Rechenzentrumsabwärme zeigt, was zukünftig möglich ist. Mit der Hitze, die in den Serverfarmen entsteht, werden wir 3000 Menschen mit Wärme versorgen – das ist in dieser Größenordnung deutschlandweit einmalig. Damit wird Frankfurt als weltweit größter Internetknotenpunkt und Datencenter-Hotspot zum Schrittmacher auf dem Weg zum klimaneutralen Rechenzentrum.“

    Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Mainova, sagte: „Mainova bietet gebündelte Energiekompetenz fürs Wohnquartier. Unsere innovative Lösung zusammen mit Telehouse und Instone für das Leuchtturmprojekt ‚Westville‘ gewährleistet eine langfristig günstige, sichere und nachhaltige Wärmeversorgung. Die Kombination aus der sonst ungenutzten Abwärme des Rechenzentrums sowie der umweltschonenden Mainova-Fernwärme zur Abdeckung von Spitzenlasten spart im Vergleich zu konventioneller Wärmeerzeugung 400 Tonnen CO2 im Jahr ein.“

    Bela Waldhauser, Chief Executive Officer der Telehouse Deutschland, ergänzte: „Als ich hörte, dass in unmittelbarer Nachbarschaft 1300 Wohnungen entstehen werden, war für mich klar, dass die Telehouse die Abwärme dafür bereit stellen muss. Die Verantwortlichen bei Mainova und bei Instone waren ebenfalls schnell von diesem nachhaltigen Konzept überzeugt. Und so gestalten wir gemeinsam ein deutschlandweit einzigartiges Leuchtturmprojekt für die Nutzung der ‚digitalen Abwärme‘.“

    Ralf Werner, Chief Operating Officer Rhein-Main von Instone Real Estate, fügte hinzu: „Als einer der führenden deutschen Wohnentwickler ist es unser Selbstverständnis, bei Nachhaltigkeit Vorreiter in der Branche zu sein. Das im Gallus realisierte Wärmekonzept beweist eindrucksvoll, dass pfiffige Ideen gefragt sind, um den ökologischen Fußabdruck unserer Projekte kontinuierlich zu verbessern. Bereits bis spätestens 2030 wollen wir die durch den Bau und die Nutzung von Wohnquartieren entstehenden CO2-Emmissionen im Vergleich zu heute um 50 Prozent senken.“

    Technische Daten
    Versorgungskonzept Wärme

    • Mainova-Contracting, 15 Jahre Vertragslaufzeit
    • Kombination aus Abwärme (mindestens 60 Prozent) und Fernwärme (maximal 40 Prozent)
    • Prognostizierter Wärmebedarf: ~ 4000 MWh/a, davon mindestens 2400 MWh/a aus Abwärme.
    • Mainova plant und errichtet die technischen Anlagen.
    • Bau der Abwärmeleitung vom Datencenter der Telehouse zur Haupttechnikzentrale: rund 500 Meter
    • Ausbau Fernwärmeleitung: rund 260 Meter entlang der Rebstöcker Straße
    • Bau des Nahwärmenetzes im Wohnquartier: rund 580 Meter

    Technische Anlage (Heizzentrale)

    • Zwei Großwärmepumpen je 320 kWth: Die Abwärme kommt mit 30° C an, die Wärmepumpen heben Vorlauftemperatur auf circa 70° C an.
    • Fernwärme-Übergabestation: 3210 kWth
    • Pufferspeicher, Peripherie, Steuerung