Der Kleine Grasbrook - Hamburgs zweite Hafencity

  • Aufteilung der Quartiere:



    Bild: Hosoya Schaefer Architects AG


    Edit: bei der Laermkarte links unten hat mal offenbar die Olympia-Bebauung als Grundlage genommen und nicht die nun geplante kleine Variante.

  • Ich werde mich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich zum Gesamtvorhaben äußern, im Moment frage ich mich in Bezug auf die Verkehrserschließung jedoch erstmal eines: wie wird die Fußwegeverbindung von der Station Elbbrücken zum Grasbrook hergestellt? Gemessen daran, dass dieser nun nicht kleine Bereich über die Station erschlossen werden soll, erscheinen mir die Bürgersteige auf der bestehenden Freihafenelbbrücke doch etwas unterdimensioniert. Und selbst wenn es mit einer Aufteilung auf Fußgänger, Radverkehr, Bus und MIV logistisch klappen sollte, so kann die Brücke kaum den geeigneten Auftakt für den Stadtteil Grasbrook liefern, wenn man von der U- oder S-Bahn kommt. Man stelle sich vor, dass man aus der Bombaststation heraustritt und dann über diesen denkbar unscheinbaren Weg die Elbe überqueren soll... eher unwahrscheinlich...


    Ob dann doch eine Brücke wie diejenige gebaut wird, die im Rahmen der Olympia-Planung die U-Bahn-Station als Fußgängerverbindung mit der OlympiaCity verbinden und nach den Spielen die U-Bahn-Gleise sowie einen verschmälerten Fußweg aufnehmen sollte? Der Preis wurde damals auf 150 Mio. EUR prognostiziert und wenn man weiterhin Fußgänger und U-Bahn über sie führen können möchte/müsste, dürfte diese Prognose immer noch mehr oder minder aktuell sein...

  • ^^ Der Kleine Grasbrook soll durch Busse erschlossen werden, die zu den umliegenden U- und S-Bahn-Stationen fahren. Da wäre dann abzuwarten, in welchem Takt die Busse fahren.


    Dass eine U-Bahn-Brücke als Bauvorleistung erstmal als Fußgängerbrücke parallel zur Freihafenelbbrücke gebaut wird, halte ich für unwahrscheinlich. - Es sind nicht die Fußgängerströme wie bei Olympischen Spielen zu erwarten.


    Zu kritisieren ist meiner Meinung nach, dass keine Straßenbrücke vom Baakenhöft über die Norderelbe zum Kleinen Grasbrook gebaut werden soll. Damit könnte man den neuen Stadtteil im Westen besser anbinden. - Vermutlich spricht dagegen, dass die Liegeplätze für Schiffe vor den Elbbrücken weiterhin genutzt werden sollen. Weiß dazu jemand mehr?

  • Eine Anbindung per Bus? Haben wir schon wieder April?
    Da kann man nur hoffen das potenzielle Investoren auf eine Bahnanbindung drängen.
    Mit allem was man südlich der Elbe plant, steigt die Zahl der Bewohner auf deutlich über 300000 an. Und das, wo die. S3 schon heute aus allen Nähten platzt.

  • Nach Betrachten der Broschüre hoffe ich mal, dass die bisherigen Planungen für den Kleinen Grasbrook nochmal deutlich verändert werden.


    Im Vergleich zu der alten Post-Olympia-Planung fehlen die entscheidende Verbindungen zur HafenCity und Innenstadt, wie eine weitere Elbbrücke und eben auch eine U4-Station. Stadträumlich bliebe der Kleine Grasbrook ziemlich isoliert zwischen Hauptverkehrs-/Bahntrassen, Hafenflächen und der Norderelbe.


    Die geplante Busanbindung mit Umsteigen an den Elbbrücken ist alles andere als attraktiv und ich frage mich ernsthaft, welcher Investor denn hochwertige Bürohochhäuser (siehe Visualisierungen) an einem Standort ohne vernünftige ÖV-Anbindung realisieren möchte. Auch die Fuß- und Radwege-Anbindung an die Innenstadt ist nicht wirklich komfortabel, da alle Wege über die verlärmten bestehenden Elbbrücken führen müssten. Die in der Olympia-Planung angedachte Elbquerung für Fußgänger, Radfahrer und Busse würde dagegen die Wege in die Innenstadt deutlich verkürzen und den Stadtteil vernünftig mit der HafenCity verbinden.


    Ich hoffe einfach mal, dass die Planungen nur ein erster Aufschlag sind und man sich während des weiteren Planungsprozesses doch noch zu einer großen Lösung durchringt.

  • ^^ Das wird schon. Vielleicht mit einigen Kompromissen in der Uebergangszeit aber ich denke, dass sich da noch mehr tun wird in den kommenden Jahren. Allein die Dichte und Massivitaet der geplanten Bebauung rechfertigt eine U-Bahn-Trasse.


    Hinzu kommt ausserdem noch ein wichtiger, bislang vernachlaessigter Faktor:


    Im Zeitrahmen 2025-2030 waere es sicherlich angebracht einen 'Tausch' bei den Hafenanlangen und Terminals vorzunehmen.


    [Unikai Roro und Container Terminal] ---> [Standort des heutigen Cruise Terminals Steinwerder]


    [Cruise Terminal Steinwerder] ---> [Unikai Roro und Container Terminal]


    [Unikai Reefer / Frucht terminal] ---> Verbleib am Standort (bis auf weiteres)


    Ein Kruezfahrt-Terminal statt eines Roro / Containerterminals am kleinen Grasbrook wuerde langfristig die staedtebauliche Integration des Hafenareals erleichtern und braechte zusaetzlichen Anreiz fuer eine bessere Anbindung (U-Bahn).

  • Zu kritisieren ist meiner Meinung nach, dass keine Straßenbrücke vom Baakenhöft über die Norderelbe zum Kleinen Grasbrook gebaut werden soll. Damit könnte man den neuen Stadtteil im Westen besser anbinden. - Vermutlich spricht dagegen, dass die Liegeplätze für Schiffe vor den Elbbrücken weiterhin genutzt werden sollen. Weiß dazu jemand mehr?


    Ich sehe das genau andersherum. Eine zusätzliche Brücke würde den maritimen Charakter beider Quartiere noch weiter schmälern als ohnehin schon. Objektiv eine Verbesserung der Verkehrsanbindung, ja, aber um den Preis einer Verminderung des Wohnwertes.


    Die Lösung sollte nicht in Brücken für den KFZ-Verkehr über die Elbe liegen, sondern in einer Verlängerung von U3 + Fähre 62.

  • Die Lösung sollte nicht in Brücken für den KFZ-Verkehr über die Elbe liegen, [...]


    Eine Fußgängerbrücke wäre allerdings schon Wünschenswert. Ein Beispiel könnte die Millennium Bridge in London sein.
    Wobei gerade in der prädestinierten Lage sollte auch ein Radweg mit eingeplant werden.
    Ggf. als Klappbrücke, so könnten die Liegeplätze weiter genutzt werden.


    Am allerbesten wäre aber wohl eine "Garden Bridge" ebenfalls im Londoner Vorbild. Das würde den Lohsepark 1A verlängern.

  • Ich denke Du meist die U4 Helge, oder?


    Ja, in der Tat. Bevor man über eine Fußgängerbrücke nachdenkt, sollte die U-Bahn-Brücke samt Bahnhof im Süden fertig sein.
    Bis die fertig ist werden die Liegeplätze dort vieleicht nicht mehr benötigt.
    Im Norden der Elbe hat man es richtig gemacht, U-Bahn und Bahnhof sind die ersten Bauwerke die in dem Bereich fertig sind.
    Im Süden sollte man das genauso machen, so teuer kann doch eine Brücke auch nicht sein.
    Man sollte auch nicht vergessen, dass im Osten, zwischen alter und neuer Elbbrücke auch das alte Zollgelände einer Nachnutzung entgegen sieht.


    Ein Fuß- und Radwegbrücke wäre zwar wünschenswert, aber eine Fährlösung hätte auch was, oder?

  • @ nairobi: Zustimmung in allen Punkten.


    Mit U-Bahn + Fähre wäre das Quartier attraktiv und zweckmäßig zugleich angebunden. Die gestalterische Chance, ein Wohnquartier direkt an einem Seehafen errichten zu können, wäre nicht vertan.

  • Ich mache an dieser Stelle noch einmal auf die recht umfrangreichen Praesentationen zur Stadt-Werkstatt vom 1. Jun 2018 () aufmerksam.

  • So, heute abend war auf der Veddel der erste von vier Stadtwerkstatt-Terminen (nach dem Auftakt) zum kleinen Grasbrook, die in nächsten Zeit in der Umgebung touren. Die Ergebnisse aus diesen Veranstaltungen sollen in die Auslobung des Städtebauwettbewerbs einfließen (der analog zu Oberbillwerder ein Workshopverfahren wird).


    Wer schon beim Verfahren zu Oberbillwerder die leise Ahnung hatte, dass von dem aufwändig praktizierten Workshopverfahren vielleicht letztlich nicht wirklich viel inhatlich in die Planung einfließen könnte, konnte heute abend einer vollendeten Farce beiwohnen:
    Nachdem alle wichtigen Leute sich mühten zu betonen, wie wichtig die Einbindung der Veddel in die Planung ist (was, wenn man sich die Planungsgeschichte anschaut, eine relativ späte Einsicht war), wurde relativ schnell aus dem Publikum die Frage laut, wie ernst denn die hinlänglich bekannten "Pläne" von Hosoya Schäfer in Bezug auf Baumasse und Nutzungsverteilung zu nehmen sind.
    Laut Höing nicht zu ernst, es handle sich nur um eine Arbeitsgrundlage... Lediglich die Nutzungsverteilung sei wegen des Lärms quasi gesetzt. Und die bauliche Dichte würde man schon in der Art gerne sehen.... Und der Park entlang der Norderelbe, der sei ja für ihn eine wichtiges Thema. :lach:


    Im weiteren Verlauf konnte der interessierte Bürger dann an völlig übermoderierten Themenständen (wo erst leidlich Diskussionen aufkamen, wenn endlich mal kein HafenCity Kamerateam dabei war) zusehen, wie seine Kommentare auf Karteikarten festgehalten werden.
    Dass dabei nur noch über cosy Nachbarschaftsnetzwerken und die Details des Drittelmixes gesprochen wurde, ist kein Wunder - ist doch alles wesentliche eigentlich schon geklärt. :nono:


    Dass bei dem geplanten Verhältnis von Arbeitsplätzen zu Wohneinheiten das Schaffen von günstigem Wohnraum offenkundig von Anfang an NICHT die oberste Priorität war (was ja auch nicht per se schlimm ist, nur eben nicht zur sozialdemokratischen Kommunalpolitik passt), wurde ungelenk kaschiert. Man wolle keine Hafencity 2 bauen. Die genaue Antwort, wo der Unterschied eigentlich sein soll, sind alle Verantwortlichen schuldig geblieben.


    Mal wieder ein für alle Beteiligten sehr aufwändiges und teures Verfahren, dass eine Illusion von Beteiligung bietet. :nono:

  • Ich war aus Zeitgruenden leider nicht dabei, habe aber bisher alle vorherigen Workshops und Veranstaltungen zum Kleinen Grasbrook mitgemacht und war eigentlich bislang sehr zufrieden mit dem Format.


    Allerdings scheinen die Veddel-Bewohner auch ein merkwuerdiges Verhaeltnis zu dem Projekt zu haben.


    Dort schien die irrige Ansicht vorzuherrschen, dass sich die Bebauung und die Plaene mehrheitlich an den Interessen und Bedarfen der benachbarten Veddel zu orientieren hat.


    Oft war die Frage: 'Und was hat die Veddel davon?'. Das ist natuerlich nicht das worum es geht.


    Der Kleine Grasbrook ist die 'Hafencity 2' und ist von Bedeutungen fuer ganz Hamburg. Entsprechend muss auch geplant werden. Natuerlich, egal wer etwas anderes sagt, will man dort (mit einigen Unterschieden) eine 'Hafencity 2' bauen. Und genau das ist es auch was Hamburg braucht. Warum sollten wir keine zweite Hafencity dort bauen? Nur weil ein paar ewig gestrige Dauernoegler die Hafencity nicht moegen?


    Meine Erfahrung ist nebenbei: Wer vernuenftige Ideen hat und nachvollziehbare Vorschlaege, der kann sich immer ohne Probleme einbringen. Wer abstruse Forderungen stellt oder widerspruchliche Dinge verlangt (z.B. guenstigen Wohnraum aber ja nicht mehr als vier Etagen und neben jedes Haus ein Park...) und dann entsprechend nicht 100%ig einbezogen wird, der schreit dann oft: Die Beteiligung war eine Farce...

    Einmal editiert, zuletzt von Midas () aus folgendem Grund: Tippfehler

  • Midas
    Ich habe das Ganze durchaus nicht aus der Perspektive eines Veddelers betrachtet. Dass die Veddeler sich gewissen Illusionen bezüglich ihrer Rolle in dem ganzen Prozess hingeben ist sicher zutreffend. ;)


    Meine Kritik richtet sich an das Beteiligungsformat. Warum muss man auf der Veddel zäh angeleitete Diskussionen zum Wohnungsbau, Nutzungen usw zelebrieren, wenn das Projekt in wesentlichen Punkten längst abgesteckt scheint. Vielleicht haben wir auch unterschiedliche Auffassungen was "einbringen" bedeutet. Hatte für mich den Charakter einer Appeasement-Veranstaltung.