Neuentwicklung der Burgpassage (Planungsphase)

  • Um auf den Siegerentwurf zurückzukommen. In der Verlautbarung der Stadt habe ich noch diesen Satz gefunden:


    „Da die Gebäudeeinheiten nicht Altstadt simulieren oder historisierend wirken, sondern den Maßstab der Innenstadtbebauung und typische Fassadenelemente der Umgebung aufgreifen und interpretieren, entsteht ein zeitgemäßes Ambiente.“


    Welche typischen Fassadenelemente der Umgebung sind hier denn bitteschön gemeint? Wer definiert ein zeitgemäßes Ambiente?


    Wäre es nicht Sache der Stadt und ihrer Bürger, darüber zu diskutieren, an welchen städtebaulichen Leitbildern man sich an dieser Stelle orientieren sollte?

  • Ackerhof-Portal als Tor zur Burggasse?

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier Selbstgespräche führe (wie unschwer zu bemerken ist, lässt mir die Sache keine Ruhe) möchte ich doch in Ergänzung meiner Kompromissvorschläge in Post #12 noch einen Gedanken loswerden.


    Gesetzt den Fall, der Abriss des Gebäudes in der Schuhstraße ließe sich nicht mehr verhindern, wäre m. E. noch eine Option gegeben, wie die nördliche Eingangssituation zur „Burggasse“ verbessert werden könnte.


    Es ist bloß eine Idee, und ich weiß nicht, ob sie sich räumlich umsetzen ließe, weil mir das Datenmaterial dazu fehlt (vielleicht könnte Dvorak hier Abhilfe schaffen, falls er mitlesen sollte): Wäre es nicht eine Option, an dieser Stelle das Ackerhof-Portal wieder aufzubauen, über das wir hier vor Jahren bereits ausgiebig diskutiert haben?


    Das spottet zwar den historischen Gegebenheiten, gleichwohl ist es in Braunschweig ja auch in der Vergangenheit nicht unüblich gewesen, historische Bauten zu versetzen.


    Sollte das von den Maßen her passen, könnte man sprichwörtlich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Portal würde anstelle der jetzt vorgesehenen Baulücke eine großzügige Eingangssituation zur neuen Gasse schaffen, also die derzeit beabsichtigte Wunde im Straßenzug vermeiden, sowie eine attraktive Sichtbeziehung aus Richtung Norden (Ringerbrunnen) herstellen - und zugleich könnte die Stadt ggf. den Investor an den Kosten der Wiedererrichtung beteiligen. Der hätte im Gegenzug ein Aushängeschild für seine Shopping-Meile.


    Ist nur eine Idee, doch was meint ihr?


    P.S.: Wie einem heutigen Artikel der "Braunschweiger Zeitung" zu entnehmen ist, befindet sich das Gebäude der Buchhandlung Pfankuch nicht im Besitz der Investoren. Die Gestaltung hier ist also noch völlig offen. Das führt mich zu der Frage, wie es sich mit den Nachbarbauten des zum Abriss vorgesehenen Hauses in der Schuhstraße verhält. In der Visualisierung sind hier großzügige (Schau-)Fensterflächen vorgesehen. Ist das zwingend, oder werden da am Ende womöglich nur verkleidete Brandmauern stehen?

  • Da sieht man mal, wie leichtfertig unsere politischen Vertreter mit diesem doch sehr sensiblen Bereich in der Innenstadt umgehen.


    Ted, deine Kritik an der Braunschweiger Zeitung und den städtischen Vertretern ist berechtigt. Auch die Braunschweiger Zeitung sollte auf den Bürgerwillen eingehen und darüber berichten/diskutieren.


    Wie agiert also unser Denkmalschutz (wenn man doch alles machen kann, was man möchte) und was ist uns unsere Geschichte wert?


    Jetzt sind auch deutliche Unterschiede zu Großbritannien erkennbar.


    Dort darf an denkmalgeschützten Gebäuden im Wesentlichen nichts verändert werden und es gibt klare Register, die diese Gebäude in Gruppen einteilen.
    Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft auch die Umgebung der geschützten Gebäude; so müssen Nachbargebäude einen ähnlichen Stil haben und starke Auflagen erfüllen. Somit kann es auch niemals zu einem Stilbruch kommen.


    Die Starke Durchfräsung Hutfiltern wäre demnach unmöglich, der Abriss des geschützten Fachwerkgebäudes Schuhstraße verboten/strafbar und die hinteren Gebäude müssten sich dem Stil der Gebäude Schuhstraße /Hutfiltern anpassen.

  • in Braunschweig soll eine moderne Bebauung eine andere moderne Bebauung ablösen - auf einem Gelände, das nie etwas anderes war als eine Hinterhoflage.


    Das stimmt so auch nicht.. Das Gelände war mal mehr, da befand sich die mittelalterliche Bebauung des Stifts St. Ägidien mit Maria-Magdalenen-Kapelle zugänglich über die kleine Burg..
    Abgerissen für's Pressehaus..
    Die Braunschweiger Zeitung ist seitdem einige Male umgezogen..., das mittelalterliche Kulturerbe bleibt seitdem trotzdem unwiederbringlich zerstört.


    Und jetzt opfert man halt noch "ein wenig" mehr... bis überhaupt nichts mehr da ist.. Schließlich kann man es den neuen Bewohnern und den Kunden nicht zumuten unter denkmalgeschützten Häusern durchzugehen...
    Wir haben ja schließlich seit den Bombardierungen noch ganz viel mittelalterliche Bebauung über, da kommt es auf die paar Häuser ja auch nicht mehr an.. Diese neuen identitätslosen Häuser (die so in jeder anderen Stadt auch stehen würden) sind ja umso wichtiger als das kulturhistorische Erbe Braunschweigs..


    Ich denke, es war schon damals ein gut abgewägter Kompromiss als man die Durchgänge zur Burgpassage schuf, und jetzt geht man halt noch paar radikale Schritte weiter.. Und sowas gilt eigentlich verhindert..

  • ^ Unbestritten war der Krieg ein fürchterlicher Einschnitt in die Stadtgeschichte, und auch danach ist noch viel zerstört worden, was man hätte erhalten können. Auch habe ich bereits geschrieben, dass ich gegen den Abriss in der Schuhstraße bin. Trotzdem ist Deine These irreführend, wonach man auch heute noch sukzessive abreiße, bis nichts mehr übrig sei, und dabei einzigartige Braunschweiger Architektur ständig durch "identitätslose Häuser" ersetze. Das ist, mit Verlaub, wohlfeiler Kulturpessimismus - man bekommt schnell Applaus dafür, ohne allzu viel begründen zu müssen. Ich versuche es mal mit ein paar Gegenargumenten:


    1. Im Gegensatz zu Deinem Argument vom langsamen Verschwinden jeglicher historischer Substanz wurde in Braunschweig seit Ende der Achtziger einiges (teil-)rekonstruiert, was bereits weg war: Das Landschaftliche Haus am Eiermarkt, mehrere historische Fassaden des Kohlmarkts, die Schlossfassaden, im Krieg ruinierte Gründerzeithäuser, etc. Zumindest innerhalb des Umflutgrabens ist heute mehr historisch anmutende Bausubstanz zu sehen als vor 30 Jahren.


    2. Dass das industrialisierte Bauen der letzten hundert Jahre viel Verwechselbares hervorbringt, ist leider wahr. Falsch ist die Gegenthese, vor 400 Jahren wäre jedes Gebäude der unverwechselbare Ausdruck einer einzigartigen (in diesem Falle Braunschweiger) Stadtkultur gewesen. Das trifft auf Repräsentationsbauten wie das Gewandhaus oder das Altstadt-Rathaus sicher zu - Häuser wie das bedrohte in der Schuhstraße entsprechen aber einem Typus, wie er in dessen Entstehungszeit in ganz Norddeutschland verbreitet war. Noch heute findet man dutzende Exemplare davon in zahlreichen Städten.


    3. In der Burgpassage geht es - mit Ausnahme eines einzigen Gebäudes - darum, modernes Bauen der 1980er- durch modernes Bauen der 2010er-Jahre zu ersetzen. Beides ist in gewisser Weise verwechselbar, das stimmt, aber die neue Variante scheint sich mir doch deutlich stärker an den Charakter einer Altstadtgasse mit Windungen und kleinen Plätzchen anzulehnen als die bestehende Passage. Will man den vorliegenden Entwurf fair beurteilen und kritisieren, gehört dieser Umstand dazu. Sonst erweckt man den Eindruck, hier solle Häuserzeilen-Weise historische Bausubstanz durch Stahlbeton ersetzt werden. Und das ist einfach falsch.

  • ^ Ist das irgendwie als Kommentar zu meinem Beitrag gemeint, oder wolltest Du das nur mal so einwerfen? Im Übrigen ist Denkmalschutz immer nur relativ, nicht absolut – wenn die Stadt den Entwurf haben will, wie er ist, denn wird sie den Weg dahin freimachen.

  • Dann bräuchten wir auch keinen Denkmalschutz mehr, die Stadt/Investor würden Gesetze brechen bzw. sich sogar strafbar machen und geltendes Recht würde ausgehölt. Was sollen denn da die Bürgerinnen und Bürger denken?


    Wir sollten uns alle mal in das Denkmalschutzrecht genau einlesen..!

  • Moin,


    ich habe mich ja schon länger nicht gemeldet, weil ich beruflich gerade enorm eingespannt bin, aber zu dem Thema möchte ich doch was sagen.


    Objekt versus Raum


    Ich habe anfangs den negativen Tenor durchaus verstehen können, in meinen Augen krankt die Diskussion - wie die meisten, die ich auch beruflich führen muss - am immer selben Problem: Man redet über Objekte, dort wo es eigentlich um den Raum gehen sollte. Bestes Beispiel ist der Gebäudetorso an der Schuhstraße.


    Die heutige Lösung scheint aus Sicht der 80er Jahre, als man ein komplett neues Projekt geplant hat, dessen Erfolg ungewiss schien, als guter Kompromiss. Der heutigen Bedeutung der Burgpassage ist die Eingangssituation aber einfach nicht mehr angemessen, egal ob für eine Burgpassage oder eine Burggasse. Natürlich steht da ein Rest von einem wertvollen Gebäude, den muss man aber abwägen gegen andere Aspekte.


    Der Verlust des Gebäudes wiegt für mich verhältnismäßig leicht, weil ich da:
    - weder viel Bausubstanz sehe,
    - diese in keinem guten Erhaltungszustand ist (nur eine halbe Fassade, ohne Erdgeschoss oder rückwärtige Bausubtanz aus der Erbauungszeit,
    - der Zeugniswert nur mäßig ist und es sich nicht um ein herausragendes Kunstwerk handelt, und
    - in direkter Umgebung ein halbes Dutzend fast identischer Gebäude stehen.


    Man darf nicht vergessen, das fünf- siebenachsige Gebäude mit zwei Geschossen und Mittelzwerchhaus der Bautyp schlechthin waren in der geschätzten Zeit 1600-1800, und als absolute Massenware hergestellt wurden. Dennoch schade.


    Dem gegenüber steht ein um Längen besserer Raum. Ich darf erinnern, wie es heute aussieht. Die Frage, ob man bei einem ähnlichen Projekt zur Erbauungszeit, oder in der Gründerzeit versucht hätte, dieses Gebäude zu retten, wenn es einer Straße im Weg stünde, die stelle ich mir gar nicht. Ist vielleicht auch nur am Rande relevant als Gedankenspiel.


    Ich sehe einen Verlust, aber mehr Gewinn, insbesondere, wenn ich mal nicht nur an ein Objekt, sondern an den Raum denke, der in meinen Augen auch viel mehr Bedeutung haben müsste.


    Architektur


    Der hier vielerorts geäußerte Wunsch nach historisierender Architektur erschließt sich mir nicht. Das Gelände war über die Jahrhunderte bis zur Bebauung mit der Burgpassage ein feuchtes Niemandsland und lag entsprechend zwischen den Weichbilden als überwiegend unbebauter und untergenutzter Raum dar. Trotz Magdalenen-Kapelle sehe ich für keine Zeitschicht relevante Bausubstanz, an die man anknüpfen könnte.


    Die vorgeschlagenen Fassaden, die ich bis heute nur als weiße Klötzchen kannte, gefallen mir gut. Ich finde es logisch und angemessen, eine massive Fassadenarchitektur zu schaffen, die hier und da Anklänge an die vorletzte Jahrhundertwende zeigt. Mir fehlt da nichts.


    Der Ruf nach einer komplexeren Dachlandschaft ist auch so ein Fall einer Objektdiskussion. Vier oder fünf Meter von einer viergeschossigen Fassade entfernt, kann ich keine Dachlandschaft erkennen. Das geht nicht ohne Röntgenblick. Bei den Proportionen der Gasse machen Satteldächer, Erker, Gauben, oder gar für Braunschweig gänzlich untypische "Spitzgiebel" keinen Sinn und würden den Raum nur negativ beeinflussen. Bei den schmalen Proportionen möchte ich nicht noch einen Dachüberstand als zusätzliche Verschattung haben.


    Die Situation am Hutfiltern ist gewöhnungsbedürftig, aber erträglich. Zwar wird der Durchgang höher und Bausubstanz geht verloren, dafür verschwinden die "Ausfahrkeile" an den Seiten. Die Fassade wirkt auf mich so stimmiger als heute. Eine Verwendung von Spolien fände ich für die neuen Fassaden wünschenswert.


    Sonstiges


    Der Aspekt, dass eine monofunktionale Handelspassage einem gemischtgenutzten Komplex aus mehreren Gebäuden weicht, findet in meinen Augen viel zu wenig Beachtung und Lob. Die Innenstadt krankt an zu großen Einheiten und an der einseitigen Ausrichtung auf den Handel. Hier wird mal was richtig gemacht und die Effekte eines verstärkten Wohnens alleine überwiegen für mich schon die Verluste an Bausubstanz.


    Ich möchte auch anregen, den Vergleich mit dem Handelsweg zu ziehen und nicht mit anderen Einkaufsstraßen. Auch dieser hat eine Nutzungsmischung, und sehr massive Architektur bei hohen Proportionen. Ich mag die Situation dort sehr gerne und kann mir die Burggasse tatsächlich besser vorstellen. Die Proportionen sind Großstädtischer, aber angenehm intim.


    Was mir fehlt


    Perspektivisch sollte man einen Durchstich durch das Karstadt-Sporthaus versuchen zu realisieren. Zwar reduziert das die Passantenfrequenz in der Burgpassage, würde den ganzen inneren Blockbereich aber öffnen. Hier sehe ich Potenzial für eine "ruhige Ecke", wenn man sie denn erschlösse.


    Eine moderne Verkehrsplanung, die im Innenstadtbereich mal auf eine Tiefgarage verzichtet. Das würde die Klientel, die dort mal einziehen möchte schon mal positiv beeinflussen.


    Fazit


    Ich sehe nach meinen ersten Eindrücken und danach folgender Überlegungen á la "wie würde ich es machen" mehr positives, als negatives. Ich habe immer einen guten Eindruck vom Büro Welp/Klitzing gehabt und vertraue den Kollegen auch, wenn es um qualitätvolle Architektur geht. Ich freue mich auf ein Projekt, das mal etwas anderes bietet, als die ganzen Shopping-Mall, nämlich kein Objekt, sondern einen Raum und deshalb wird das auch gelingen.


    VG Dvorak

  • Hallo nochmal,


    ich war gerade zufällig vor Ort und habe genauer hingesehen. Anbei ein Foto.


    Hier geht's zum Foto.


    Ich mache jetzt kein Rätsel daraus. Meines Erachtens ist vom Obergeschoss noch weit weniger vorhanden, als ich vermutet habe. Die Fassade besteht offenbar aus einem Plattenwerkstoff, der nicht einmal verputzt ist. Ich tippe mal auf Spanplatte. Die Fenster sind natürlich auch Nachbildungen. Ich gehe jetzt stark davon aus, dass das haus in Gänze eine Attrappe ist. In meinen Augen ist der Wert damit eigentlich nahe Null.

  • Ich verweise nochmal darauf, dass das Fachwerkgebäude Eingang Schuhstraße unter Denkmalschutz steht und nicht abgerissen werden darf.


    Ich gehe jetzt stark davon aus, dass das haus in Gänze eine Attrappe ist.


    Wat denn nu? Denkmalschutz oder Attrappe? Angesichts des Fotos und der Tatsache, dass Dvorak vom Fach ist, tendiere ich zu letzterem. Sollte die Schuhstraße 6 tatsächlich kein Fachwerkhaus sein, sondern eine Pressspan-Kulisse, stünde einer Öffnung der Gasse, wie der Entwurf es vorsieht, wenig im Wege. Auch sonst bin ich mit Dvorak im Wesentlichen einer Meinung, allerdings mit zwei Einschränkungen:


    Die vorgeschlagenen Fassaden, die ich bis heute nur als weiße Klötzchen kannte, gefallen mir gut. Ich finde es logisch und angemessen, eine massive Fassadenarchitektur zu schaffen, die hier und da Anklänge an die vorletzte Jahrhundertwende zeigt. [...] Der Ruf nach einer komplexeren Dachlandschaft ist auch so ein Fall einer Objektdiskussion. Vier oder fünf Meter von einer viergeschossigen Fassade entfernt, kann ich keine Dachlandschaft erkennen.


    1. Richtig ist, dass die Fassaden Potential haben. Ob sie das auch ausschöpfen, hängt aber von der Bauausführung ab: Werden Backsteine verbaut oder nur Riemchen verklebt? Wird Naturstein oder Kunststein verwendet? Aus welchem Material bestehen die Fensterrahmen? Wieviel Arbeit wird in Details wie Fugen, Türgriffe, etc. gesteckt? Von solchen Fragen hängt ab, ob tatsächlich der Eindruck "massiver Fassadenarchitektur" entsteht, oder ob es nach verblendetem Styropor aussieht. Das ist bei rendite-optimierter Investoren-Architektur leider viel zu oft der Fall. Hier ist die Stadt gefragt; sie muss Vorgaben machen, an die sich die Bauherren zu halten haben.


    2. In einer schmalen Gasse kann man zwar keine Dächer sehen, sehr wohl aber die Dachkanten. Und hier sieht der Entwurf vor allem auf der Westseite langweilige gerade Linien vor. Ich wünsche mir ausdrücklich keine historisierende Architektur, sondern moderne – aber auch die kann mit Dachzonen oder wenigstens Staffelgeschossen arbeiten, mit Vor- und Rücksprüngen, mit Geländern, Materialwechseln und natürlich auch mit Giebeln. Z.B. ließen sich die Giebel des Eingangsgebäudes auf der Hutfiltern-Seite im Inneren der Gasse zitieren. Zumindest bei den Vier- und Fünf-Geschossern wäre eine fantasievollere Dachgeschoss-Gestaltung wünschenswert.


    Eine solche Arbeit am Objekt hätte selbstverständlich Auswirkungen auf die Raumwirkung des Ganzen (nämlich beim Blick die Gasse hinunter). Die Unterscheidung in Objekt und Raum ist nicht falsch, aber sie ist auch nicht absolut: Schließlich sind es die Objekte, die den Raum definieren.

  • Eine Attrappe aus Pressspan würde ja kaum unter Denkmalschutz stehen. Das ist eine Fachwerkfassade, die wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert stammt. Mal davon abgesehen, dass es kein freiliegendes Fachwerk ist. Inmitten eines komplett intakten alten Gebäude-Ensembles. Dieser Durchgang würde das Ensemble zerstören..

  • ^ Hast Du Dir das Foto von Dvorak angeschaut? So sieht kein Fachwerk aus. Dass Denkmalschutz besteht, kenne ich nur als Behauptung von Braunschweiger und Dir. Anhand des Fotos wage ich zu bezweifeln, ob das der Wirklichkeit entspricht, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.


    Also: Butter bei die Fische! Vermutest Du nur, oder hast Du eine Quelle? Dass das Gebäude "wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert" stamme, ist ja sehr vage. Wenn Denkmalschutz besteht, weiß man genau, wann das Haus gebaut wurde; und man weiß auch über die Umbauten Bescheid. Dvorak hat eine begründete Vermutung geäußert – wenn Du widersprechende Fakten hast, teile sie uns bitte mit.

  • Hast Du Dir das Foto von Dvorak angeschaut? So sieht kein Fachwerk aus.


    Wenn das kein freiliegendes Fachwerk ist, was willst du denn da bitte an dem Bild erkannt haben? Außer, dass da irgendeine Platte davor ist? Hat verdecktes Fachwerk so an sich...
    Vorallem in dem Bereich, wo sich die große Burgpassagen-Tafel befindet, kurz über der Betonplatte des Durchgangs, da ist es doch klar, dass da stark in die Bausubstanz eingegriffen wurde..
    Aber Fachwerk hin oder her, der Abriss wäre trotzdem rein optisch schon ein sehr großer Einschnitt in das (intakte) Bauensemble der Schuhstraße..


    Zitat

    Dass Denkmalschutz besteht, kenne ich nur als Behauptung von Braunschweiger und Dir. Anhand des Fotos wage ich zu bezweifeln, ob das der Wirklichkeit entspricht, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.


    Dann schau doch bitte mal in die Denkmaltopographie... Da hast du es in schwarz auf weiß und nicht nur als Behauptung. Da kann jeder reinschauen, der sich für die Materie interessiert. Da ist die gesamte Südseite der Schuhstraße als denkmalgeschützt eingetragen..


    Zitat

    Wenn Denkmalschutz besteht, weiß man genau, wann das Haus gebaut wurde; und man weiß auch über die Umbauten Bescheid.


    Du wirst es kaum glauben und es ist vielleicht sehr verwunderlich, aber ich habe die ganzen denkmalgeschützten Häuser und ihre Daten nicht im Kopf... (und ich werde alleine wegen des Baujahres auch nicht zur Bücherei laufen)


    Aber da es sich vom Stil her um ein klassizistisches Fachwerkhaus handelt, das einen symmetrischen Massivbau nachahmt (typisch für klassizistisches Fachwerk), wird es in diesen Zeitraum (des Klassizismus = 1770-1840) einzuordnen sein... Wenn du es ganz genau haben willst, dann schau eben in die Denkmaltopographie..


    Zitat

    Vermutung geäußert – wenn Du widersprechende Fakten


    Vermutungen gegen Fakten...

  • ^ Ich will es ja wirklich wissen, aber Du machst es Dir ein bisschen einfach. Mir fiele kein Grund ein, warum man intaktes Fachwerk mit Spanplatten vernageln sollte. Und "Fachwerk hin oder her" ist eben keine Lapalie - wenn hier kein Fachwerk mehr, dann auch kein Denkmalschutz. Dann ist nämlich das, wofür früher ein Schutz bestanden haben mag, seit 35 Jahren weg. Ähnliches gilt für Deine (unbestreitbar richtige) Aussage, dass hier "stark in die Bausubstanz eingegriffen wurde." Mit solchen Eingriffen ist in aller Regel der Verlust des Denkmalstatus' verbunden.


    Sei so freundlich und verrate mir, wo ich besagte Denkmaltopographie finde. Möglichst ohne nach Braunschweig in die Bibliothek zu kommen - wie Du siehst, wohne ich in Berlin. Im Netz finde ich nur diese Liste, und in der sind diverse Fachwerkhäuser verzeichnet, die Schuhstraße aber nicht. Möglich wäre es, dass die Schuhstraßenzeile unter Ensembleschutz steht. Aber auch dazu habe ich im Netz keine Quelle gefunden.

  • Ich will es ja wirklich wissen, aber Du machst es Dir ein bisschen einfach.


    Bin ich dir irgendetwas schuldig? ;) Ein Literaturhinweis meinerseits sollte vollkommen ausreichen..
    Wenn du weitere genaue Informationen haben willst, kannst du bei der Stadt gegen ein Entgelt nach Einträgen im Verzeichnis der Kulturdenkmale fragen. Das geht sicher auch per Telefon.. (Ob du da Infos zum Baujahr bekommst, ist auch nicht sicher ;) )


    Zitat

    Mir fiele kein Grund ein, warum man intaktes Fachwerk mit Spanplatten vernageln sollte.


    1) Dir ist schon aufgefallen, dass bei den meisten der Fachwerkhäuser in dieser Gegend das Fachwerk nicht freiliegt? Es ist verputzt, mit Holzplatten verdeckt und mit Schindeln bedeckt.. Und jetzt kommst du mit so einem Satz?! Frag doch die Erbauer welchen Grund sie dazu hatten.
    Dies geschah u.a. um einen Massivbau vorzutäuschen. Es ist Teil der Fassadengestaltung. Es war Mode. Oder zum Schutz des Fachwerks vor Witterungseinflüssen.


    In der Straße Vor der Burg gibt es sogar ein Fachwerkhaus, bei der die ursprüngliche Renaissancefassade durch eine klassizistische Fassadengestaltung verdeckt wurde..
    https://commons.wikimedia.org/…raunschweig_WMDE_(15).jpg
    Und das Spitzenhaus am Sack hat auch eine Putzfassade, welche vor 100 Jahren im Jugendstil umgestaltet wurde. Dabei handelt es sich auch um ein Fachwerkhaus.
    https://commons.wikimedia.org/…unschweig_Mattes_(81).JPG


    2) Ich sehe da nur eine kleine Ecke des Hauses auf dem Foto.. Das könnte sonst was sein.. Da könnten Stromkabel hinter sein, an die Handwerker regelmäßig Zugriff haben müssen. Schließlich ist da eine Tafel daneben, die nachts beleuchtet wird.. Wirklich aussagekräftig ist das für mich nicht..


    Ob da nun eine bemalte echte Holzplatte oder bemalte Spanplatte (was bisher auch nicht mehr als irgendeine Vermutung ist, wäre auch recht unpraktisch für außen und bei Regen..) ist, macht nun wirklich den Braten nicht fett. Und ist kein Freifahrschein zum Abriss. Wenn das jetzt dein Argument sein sollte..


    Zitat

    Und "Fachwerk hin oder her" ist eben keine Lapalie - wenn hier kein Fachwerk mehr, dann auch kein Denkmalschutz.


    Mir wäre neu, dass es Denkmalschutz nur für Fachwerk gibt..


    Zitat

    Dann ist nämlich das, wofür früher ein Schutz bestanden haben mag, seit 35 Jahren weg. Ähnliches gilt für Deine (unbestreitbar richtige) Aussage, dass hier "stark in die Bausubstanz eingegriffen wurde." Mit solchen Eingriffen ist in aller Regel der Verlust des Denkmalstatus' verbunden.


    Wenn es seit 35 Jahren keinen Schutz mehr hätte, dann wäre es wohl nicht in der später veröffentlichten Denkmaltopographie von 1993 eingetragen...
    Zudem habe ich hier eine Karte von 2007 bei der die Fassaden der beiden Fachwerkhäuser eingezeichnet sind..


    Zitat

    Sei so freundlich und verrate mir, wo ich besagte Denkmaltopographie finde. Möglichst ohne nach Braunschweig in die Bibliothek zu kommen - wie Du siehst, wohne ich in Berlin.


    Das ist bedauerlich für dich, aber nicht meine Sorge. Kannst ja einen Bekannten aus der Nähe losschicken oder dir das Buch auch gebraucht online bestellen.. Ich glaub in deinem Alter sollte man das schon alleine können. :D
    Das Baujahr ist jedenfalls in diesem Fall irrelevant oder nebensächlich..

  • Zitat

    Ich glaub in deinem Alter sollte man das schon alleine können. :D


    In meinem Alter muss ich jedenfalls mit niemandem mehr diskutieren, der meine Aussagen verdreht, damit er auf einen Pappkameraden eindreschen kann. Debatte beendet.


    An die Allgemeinheit: Es geht mir, angeregt durch Dvoraks Foto, ernsthaft um die Frage, wieviel von dem Eingangsgebäude in der Schuhstraße nach dem Bau der Passage noch original ist, und in welcher Form es Denkmalschutz oder Ensembleschutz genießt. Der Grüne Löwe besitzt anscheinend ein Buch von 1993 und eine Karte von 2007, die beide auf einen (wie auch immer gearteten) Schutzstatus verweisen; die Wikipedia-Liste von 2017 führt die Schuhstraße nicht auf. Es gibt also eine, wie man so schön sagt, widersprüchliche Quellenlage. Wenn jemand mehr weiß, freue ich mich über Informationen.

  • Moin,


    geht es hier nur um das Recht-Haben oder um Meinungsbildung zu einem großen Projekt in der Braunschweiger Innenstadt.


    An den umgebenden Gebäuden gleicher Erbauungszeit kann man die bauzeitlichen Konstruktionsweisen gut erkennen. Ein paar Bilder stelle ich hinten an. Großflächige Beplankungen aus flächigen Holzwerkstoffplatten (Spanplatte gibt es auch witterungsfest) gehören nicht dazu und waren damals nicht erhältlich. Ich habe fast ausnahmslos in der Gegend verputzte/geschlämmte Fassaden mit noch erkennbarem Fachwerk erkannt. Die äußere Fassadenbekleidung ist damit schon mal weder bauzeitlich, noch denkmalpflegerisch fachgerecht wieder hergestellt.


    Im Brüstungsbereich verläuft ein etwa brüstungshoher Unterzug, aus Stahl oder Beton. Hier wird auch keine Substanz der Wand vorhanden sein.


    Die Riegel zwischen den Fenstern sind fraglich. Ich denke, die sind eher nicht mehr vorhanden, da die Wand deutlich stärker ist, als es die sonst typische und an den anderen Gebäuden sichtbare Regelkonstruktion mit ca. 14x14cm Balken vorgibt.


    Der Dachkasten ist mal neu gemacht worden.


    Bei den Zwerchhäusern wird es interessant. Das rechte Nachbargebäude hat noch einen typischen Verputz, der auch, auf eine Verwindung des Fachwerkes zurückzuführende, Delle zeigt. Da ist Substanz vorhanden. Bei dem Fraglichen Bau direkt über dem Eingang ist die gleiche Fassadenbekleidung wie im Obergeschoss zu sehen. Ob von der Konstruktion an dieser Stelle noch Substanz erhalten ist, kann ich gar nicht abschätzen.


    Der Giebel zeigt im Tympanon noch den vermeintlich bauzeitlichen Verputzt, dort sind auch Fachwerkbalken erkennbar. Es ist mehr als nur naheliegend, dass das Gebäude im ursprungszustand in dieser Form verputzt war, da (siehe ganz oben) auch die anderen Gebäude so verputzt sind.


    Die Fenster, die in der Umgebung noch häufig erhalten sind, sind jämmerliche Nachbildungen.


    Zusammenfassend:
    - Die bauzeitliche Fassadenbekleidung des fraglichen Gebäudes war ein dünner Verputz, der in kleinen Bereichen auch noch zu sehen ist. Die ganz überwiegende Fassadenfläche, also alle Teile außer dem Tympanon zeigen keine Hinweise auf historische Bausubstanz.


    Denkmalschutz hängt in erster Linie am Aussagewert eines Gebäudes und der ist an die Substanz gebunden. Wo keine Substanz mehr vorhanden ist, da ist auch nicht von einem hohen Aussagewert auszugehen und in der Abwägung, wie man mit so einem Gebäude weiter vorgehen sollte auch schwer für einen Erhalt zu argumentieren.









    Eins noch:


    Zitat

    Zudem habe ich hier eine Karte von 2007 bei der die Fassaden der beiden Fachwerkhäuser eingezeichnet sind..


    Wie wäre es denn mit scannen?