Neuentwicklung der Burgpassage (Planungsphase)

  • Neuentwicklung der Burgpassage (Planungsphase)

    Die Burgpassage wird zur "Burggasse": Das Architekturbüro Welp von Klitzing hat den Wettbewerb für das Projekt der neuen "Burggasse" in Braunschweig gewonnen. Gemeinsam mit dem Architekturbüro haben Ralf Niggemann, CEO von Development Partner, und Oberbürgermeister Ulrich Markurth heute den Siegerentwurf in einem Pressegespräch vorgestellt. Gegenstand des Siegerentwurfs ist die Planung von attraktiven Neubauten entlang einer neuen, in das bestehende Innenstadtsystem der Stadt Braunschweig integrierten Straße – der neuen ‚Burggasse‘ –, die in ihrer Dimensionierung die Körnigkeit der Altstadt Braunschweigs aufnehmen und in ihrer Nutzungsmischung aus Einzelhandelsflächen im Erd- und Obergeschoss sowie Wohnnutzungen in den oberen Geschossen die Attraktivität und die Lebendigkeit dieses Teils der Innenstadt wahrnehmbar erhöhen wird.
    http://www.braunschweig.de/pol…ng/nachrichten//burggasse

  • Burggasse-Betongasse

    geschmackloses Trauerpiel. Man nennt es 'Altstadt' und 'Burggasse' und will 0-8-15 Betonklötze im fast Einheitsstil hinsetzen, die auch in Bonn, Nürnberg und Karlsruhe stehen könnten. Besonders die Perspektive Schuhstraße ist ein Unding.

  • Scheinbar nicht. Wir gehen mit unserer Geschichte und Tradition nicht gerade bewusst um.
    Ich finde, unsere Innenstadt / Altstadt sollte gerade etwas eigenen Charme besitzen. Der Hausabriss Eingang Schuhstraße ist traurig - auch die Perspektive in die neue 'Burggasse'. Unter einer Gasse versteht man auch etwas anderes.


    Leider sind in dem Gebiet der Burgpassage schon einige Bausünden, die unsere Innenstadt abwerten, zb. Kattreppeln oder die Schuhstraße weiter/Ecke Neue Straße.


    Leider liest es sich negativ, aber es geht nicht anders.
    Um noch einen konstruktiven Vorschlag zu geben, hätte man sich besser an der Bebauung in der Straße 'Vor der Burg' orientieren sollen.

  • Ich bin fassungslos darüber was man in Braunschweig so alles mit denkmalgeschützten Gebäuden machen kann..
    In das eine wird ein überdimensionierter Durchgang in die Originalbausubstanz durchgeschlagen (während man woanders solche modernen Verunstaltungen mit Fördergeldern zurückbaut..) und das andere Gebäude wird gleich komplett abgerissen (in einer komplett erhaltenen historischen Straßenzeile).. Da fehlen einem echt die Worte..


    Die Stadt hat total versagt. Und die Denkmalschutzbehörde versagt seit Jahren in Braunschweig...



    Auch die überdachte Burgpassage werde ich vermissen, sie war einzigartig in Braunschweig, hatte Charme und Flair.. Und war für mich immer einer der ersten Orte in der Innenstadt die ich aufgesucht habe besonders im Winter, mit Schutz vor Wind, Regen und Kälte...

  • Der "Entwurf" ist meiner Meinung nach auch alles andere als gelungen. Die Bebauung mit bis zu 5 Geschossen und der dadurch sehr schmal wirkenden Gasse erdrückt mich.


    Dass baulich etwas mit der bestehenden Burgpassage geschehen muss, halte ich für sinnvoll.
    Auf mich wirkt der jetzige Eingang der Passage aus der Schuhstraße kommend schon immer sehr bedrückend und wenig einladend (liegt vermutlich an dem Tunnelcharakter). Hier wäre aus meiner Sicht eine "Öffnung" gut - z.B. als 2-geschosiger Eingang, gläserner Eingangsbereich, o.ä..


    Zudem könnten im Innenbereich die überflüssigen Treppen verschwinden und die Erschließung der Obergeschosse allein über die "Läden" erfolgen.
    Aber auch ich finde, dass zumindest die Überdachung bestehen bleiben sollte, da dies - wie bereits von GreenLion angesprochen - bei Regen und Kälte recht atraktiv ist.

  • Einfach nur ein Kostenpunkt, sonst hätte man die Passage erhalten (Brandschutz und Reinigung des Glasdaches). Sie ist auch nicht zu alt und wie ihr geschrieben habt, ist sie bei Regen und Wind angenehm. Sie hat ihren Charme bis heute, keine Frage. Jetzt wird es eine kleine Straße mit hohen Gebäudefassaden, schmal, wenig Licht und wo der Wind durchzieht.


    Dann wird das Gebäude Hutfiltern ausefräst und das andere Fachwerkgebäude Schuhstraße mit toller alter Bausubstanz drumherum platt gemacht. Da fragt man sich wirklich für was? Ich dachte, wir sind auf unsere wenigen alten Gebäude stolz, die den Feuersturm Okt 44. überschadet haben?

  • Na, dann bin ich mal der erste, der das einhellige Entsetzen nicht teilt. Ich finde, die geplanten Fassaden haben durchaus ihre Qualität. Sie sind abwechlungsreich, haben klar akzentuierte Erdgeschoss- bzw. Sockelzonen und sollen sämtlich eine Klinker- oder Natursteinverkleidung erhalten, nicht die heute gängige Kombination aus Styropor und Putz. (Voraussetzung für ein Gelingen ist natürlich eine wertige Umsetzung ohne Spar-Trickserein.) Und es ist ja nicht so, das massenhaft historische Bausubstanz geopfert werden soll, sondern im Wesentlichen eine 80er-Jahre-Shoppingmall, deren architektonischer Wert von Anfang an eher so mittel war (das sage ich trotz nostalgischer Gefühle: In der Plattenabteilung bei Salzmann und der Comic-Abteilung von Pfannkuch habe ich große Teile meiner Jugend verbracht ;)).


    Auch der Stadtraum wirkt als (künftige) Gasse wesentlich weniger austauschbar denn heute als Passage, Braunschweiger. Diese Kombination aus modernen Fassaden, gründerzeitlicher Gebäudehöhe und mittelalterlichem Straßenquerschnitt findet man so häufig nicht. Dass ist sehr wohl ein bewusster Umgang mit "unserer Geschichte und Tradition", ein sehr viel bewussterer jedenfalls als der derzeitige Zuschnitt, der nun wirklich 08/15 ist. Einerseits für die historische Innenstadt zu plädieren, andererseits die überdachte, wettergeschützte und beheizte Behaglichkeit einer Mall zu verteidigen, finde ich etwas widersprüchlich.


    Besonders gefällt mir der kleine Platz, der am (heute geschlossenen) Durchgang zur Kleinen Burg entstehen soll. Das ist doch mal wirklich eine Wiederbegewinnung altstädtischer Dimensionen in moderner Form. Weiterer Vorteil: Die Burgpassage wird nach Ladenschluss vorne und hinten mit Gittern verriegelt. Die Gasse dürfte rund um die Uhr offen sein und so auch Abends und Nachts eine belebte Zone bleiben. Insofern hätte man auch einen Zugewinn an öffentlichem Raum.


    Das schaut übelst eingefräst aus. Steht das Gebäude nicht unter Denkmalschutz der sowas verhindert?


    Die Fräse ging schon in den 80ern durch das Gebäude, als die Burgpassage gebaut wurde; im Erdgeschoss ist der Mittelteil der Fassade schon lange weg. Jetzt soll anscheinend der 30 Jahre alte (und recht düstere) Durchgang um ein Stockwerk ergänzt werden, wodurch fünf weitere Fenster des Altbaus verschwinden würden. Finde ich schade, aber verschmerzbar.


    Recht gebe ich den Kritikern allerdings, was den geplanten Abriss in der Schuhstraße betrifft. Der ist zwar aus der Logik der Gassen-Idee heraus verständlich, aber trotzdem ein Ärgernis. Ich könnte mir vorstellen, dass es hier Kritik und Proteste geben wird, und hoffe auf eine Änderung des Entwurfs.

  • Beispiel Bath

    Unsere beliebte Partnerstadt Bath im Südwesten Großbritanniens hat etwas ähnliches gewagt und baute den 'SouthGate shopping complex' im Herzen der Stadt. Dabei durften sich die Bürgerinnen und Bürger einbringen und es wurde behutsam darauf geachtet, die örtliche Architektur mit dem Bath Sandstein einzuhalten und die Fassaden im einheitlichen Viktorianischen Stil aufzubauen.


    So sollte auch das Architekturbüro Welp von Klitzing sowie die Stadt Braunschweig neu in Gespräche gehen und die Entwürfe ändern/anpassen. Die Fassaden sollten sich den vielen Fachwerkhäusern /Gründerzeithäusern in der Umgebung anpassen - zumindest zum größeren Teil. Sonst bereuen wir es mal wieder in 30 Jahren.


    Das Fachwerkhaus Schuhstraße muss erhalten bleiben.


    Auch noch: Die Stadt Frankfurt baut zurzeit ein ähnliches Quartier in seine Altstadt und passt es dem Vorkriegsniveau an.

  • ^ Das SouthGate-Center in Bath sieht so sehr nach authentischem Bath aus, wie das The Venetian-Resort-Hotel in Las Vegas nach authentischem Venedig aussieht. Schauderhaft, da stimmt gar nichts! Da lobe ich mir das ECE-Monstrum in Braunschweig, dort ist wenigstens die Schloss-Fassade gelungen. Und mit dem Dom-Römer-Areal in Frankfurt hat das Projekt in Braunschweig nicht das Geringste zu tun: In Frankfurt geht es um die Rekonstruktion eines zentralen Teils der alten Innenstadt, in Braunschweig soll eine moderne Bebauung eine andere moderne Bebauung ablösen - auf einem Gelände, das nie etwas anderes war als eine Hinterhoflage.


    Ich finde die Planung, wie sie ist, schon in Ordnung - mit Ausnahme des Abrisses in der Schuhstraße. Sonst sind es anständige, moderne Fassaden, eine relativ kleinteilige Gliederung und ein sehr schmaler Straßenzuschnitt, der einen interessanten Raumeindruck ergeben wird. Nicht zu vergessen, sollen an beiden Gassenseiten zwei bzw. drei Stockwerke für neue Wohnungen mitten in der Innenstadt entstehen. Bisher ist dort nur Einzelhandel. Auch so etwas ist wichtig für diese Lage.


    P.S. an die Moderation: Könnt Ihr für dieses Projekt einen eigenen Strang aufmachen? Das wird uns ja längerfristig beschäftigen...

  • Einerseits für die historische Innenstadt zu plädieren, andererseits die überdachte, wettergeschützte und beheizte Behaglichkeit einer Mall zu verteidigen, finde ich etwas widersprüchlich.


    Ich sehe da den Widerspruch nicht. Das ist eine in die Innenstadt integrierte Ladenpassage, und kein Klotz, der irgendwo in die Landschaft mit Parkplätzen gesetzt wurde..
    Die zudem als Verbindung zweier wichtiger Wege der Fußgängerzone dient.
    Die Innenstadt Leipzigs und ihre Attraktivität zeichnen sich beispielsweise durch ihre zahlreichen Passagen aus.


    Zitat


    Weiterer Vorteil: Die Burgpassage wird nach Ladenschluss vorne und hinten mit Gittern verriegelt. Die Gasse dürfte rund um die Uhr offen sein und so auch Abends und Nachts eine belebte Zone bleiben.


    Die Burgpassage ist auch rund um die Uhr geöffnet..


    Zitat


    Insofern hätte man auch einen Zugewinn an öffentlichem Raum.


    Wir haben schon jetzt genug öffentlichen Raum alleine in der Innenstadt, den man noch attraktiver gestalten könnte..


    Zitat

    Jetzt soll anscheinend der 30 Jahre alte (und recht düstere) Durchgang um ein Stockwerk ergänzt werden, wodurch fünf weitere Fenster des Altbaus verschwinden würden.


    "Nur" ein weiteres Stockwerk. Bleibt ja dann nicht mehr viel vom Haus...

  • In einer Mitteilung der Stadt hieß es bezüglich der Burgpassage noch am 15. März 2017:


    „Gefordert wird ein sensibler Umgang mit dem Denkmalschutz. Insbesondere die Fassaden der denkmalgeschützten Eingangsgebäude sind im städtebaulichen Kontext von besonderer Bedeutung und entsprechend zu beachten.“ ( vgl. https://ratsinfo.braunschweig.…vo020.asp?VOLFDNR=1005354).


    Dieser Forderung kommt der jetzt ausgewählte Entwurf leider nicht nach. Darüber können auch die Euphemismen in der Präsentation („Rückbau“, „zeitgemäße Interpretation der Frontfassade“) nicht hinwegtäuschen.


    Ich stimme Architektenkind zu, dass die derzeitige Planung ihre Stärken hat. Die kleinteilig gestaltete Gasse wird dem Bild der mittelalterlichen Stadt, das an dieser Stelle des Braunschweiger Zentrums durchaus als Leitbild fungieren sollte, besser gerecht als die gegenwärtige Passage. Die geplanten Fassaden erscheinen mir aber noch viel zu austauschbar und stellen eben keinen Bezug zu historischen Vorbildern her.

    Es sind vor allem recht langweilige Kisten, nicht allzu große Kisten, aber eben immer noch Kisten. Nicht ein einziger Spitzgiebel, kein Satteldach, keine Gauben etc. Man kann eine mittelalterliche Gasse durchaus modern interpretieren, doch sollte die Architektur dann zumindest einige Bezüge zu traditionellen Bauformen herstellten. Ein bisschen Backstein reicht da nicht. Das, was jetzt geplant ist, ist letztendlich Dutzendware. Lediglich das Eckhaus mit spitzwinkelig gestalteten Grundriss könnte m. E. einen Wiedererkennungswert erlangen. Hier sehe ich also noch erheblichen Verbesserungsbedarf, um am Ende keine Schlosspassage 2.0 zu erhalten.


    Dafür zudem so massiv in zwei der wenigen noch halbwegs gut erhaltenen historischen Straßenzeilen Braunschweigs einzugreifen, halte ich für höchst problematisch. Insbesondere der geplante Abriss des Gebäudes in der Schuhstraße ist eine Zumutung (und hat mich auch einige Minuten um Fassung ringen lassen).


    Allein, und auch da schließe ich mich Architektenkind an, macht er, aus der Logik der Gassenidee heraus betrachtet, durchaus Sinn. Das dürfte Kompromisslösungen schwierig gestalten.


    Mir fallen für die Schuhstraße spontan drei Optionen ein:


    1. Man belässt die Eingangssituation weitgehend so, wie sie ist: als Durchgang im Erdgeschoss. Das wird den Investoren zwar nicht gefallen, doch ist die Stadt ja nun auch zunächst einmal für die Menschen da, die in ihr Leben oder sie besuchen.


    2. Man erhält das Haus und vergrößert den Eingang. Das könnte nur gelingen, wenn man das Erdgeschoss erhöht. Die Traufhöhe würde dann vom westlich gelegenen Nachbargebäude abweichen. Allerdings halte ich das für problematisch, weil es die Proportionen des Baus vermutlich verhunzen würde.


    3. Man öffnet den Zugang wie nun geplant, reißt das Gebäude aber nicht ab, sondern integriert es in die neue Burggasse – und zwar möglichst dicht am historischen Standort am Nordzugang.


    Hinsichtlich des Bereichs Hutfiltern halte ich den derzeit geplanten Durchgang für überdimensioniert. Den Vorschlag diesen zweigeschossig zu gestalten, kann ich nachvollziehen und empfinde ihn auch nicht als unannehmbar. Ich denke aber, dass er dann schmaler gehalten werden sollte. Auch über einen torartigen Zugang mit Rundbogen könnte man m. E. nachdenken.


    Ich denke noch immer, dass aus dem Projekt etwas werden kann. Sollte der Entwurf aber ohne erhebliche Verbesserungen umgesetzt werden, so wird die Stadt unterm Strich mehr verlieren als sie gewinnt.

    2 Mal editiert, zuletzt von Ted Mosby () aus folgendem Grund: Kleine Formulierungsänderungen

  • Zitat

    Ein gemeinsames Untergeschoss verbindet die straßenbegleitenden Bebauungen, hier werden auch die erforderlichen Lager- und Nebenräume sowie die notwendigen Stellplätze platziert.


    Wenn über den Geschäften in der Gasse Wohnungen entstehen sollen und die Stellplätze dazu in der Tiefgarage darunter... wie kommen die Autos dann dorhin? Die Zuwegung kann nur über die "Kleine Burg" erfolgen. Wenn sich da aber am frühen Nachmittag / Abend ein paar Duzend Autos langwollen, verliert diese Straße schnell ihren Fußgängerzonen-Charakter. Ich empfinde schon jetzt den Lieferverkehr zur Passage und die gelegentlichen Transporte zum Gericht als störend.


    Hinter der Schule bekommen wir dann ein klaffendes Loch für die Tiefgarageneinfahrt, die möglichst hoch ist, um auch LKWs für die Ladengeschäfte empfangen zu können?


    Ob die entstehende enge, dunkle Gasse dann eine echte 1A-Einzelhandelslage wird, müssen Experten bewerten, aber ich sehe den Vorteil gegenüber der Passage nicht.

  • Die Reaktionen auf den Entwurf sind nicht nur hier im Forum überwiegend negativ. Auch die Meinung der Leser von News38 fällt unmissverständlich aus. Die ablehnenden Stimmen sind eindeutig in der Mehrheit. Hier geht es zum Artikel: https://www.news38.de/braunsch…teil-ist-vernichtend.html


    Auch wenn das keine repräsentativen Meinungsbilder sind: Kritik am Entwurf muss nicht ins Leere laufen. Noch ist Zeit, die Pläne zu ändern.

  • Die Pressemitteilung der Stadt, Link im Eingangsbeitrag, führt auch zu einer Präsentation des Architekturbüros Welp von Klitzing. Seite 7 des PDF enthält Grundrisse (EG in höherer Auflösung auf Seite 9). Zur Erschließung der Tiefgarage für Pkw scheint demnach ein Aufzug vorgesehen zu sein, also keine Rampe, auch wenn das nicht eindeutig ist. Das zu Beitrag #13.


    Ich nehme an, der mit dem 2. Preis bedachte Entwurf von KSP Jürgen Engel ist noch nicht bekannt? Nach deren Planung soll die "Einkaufsgasse" so aussehen (Klick vergrößert):


    Bild: http://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/braunschweig_burgpassage_01.jpg...Bild: http://www.deutsches-architektur-forum.de/pics/schmittchen/braunschweig_burgpassage_03.jpg
    Grafiken: KSP Jürgen Engel Architekten


    Der erstplatzierte Wettbewerbsbeitrag dagegen dürfte ungleich mehr Potential haben, eine mittelalterliche Gasse modern zu interpretieren und Bezüge zu traditionellen Bauformen herzustellen, wie Ted Mosby in #12 fordert. In der Größe angepasste Fensteröffnungen sowie der eine oder andere Giebel, wohl ohne Weiteres zu ergänzen, dürften viel bewirken. Kleinteiligkeit, differenzierte Fassaden und unterschiedliche Höhen nach Vorschlag von Welp von Klitzing:



    Grafiken: Architekturbüro Welp von Klitzing

  • Womöglich waren alle Entwürfe nicht herausragend. Der 2. Platz ist nochmal dramatisch langweiliger und völlig deplatziert für unsere Altstsadt.Der würde nur in eine moderne Retortenstadt passen.


    Wie könnte denn jetzt vorgegangen werden mit dem ersten Entwurf von Welp von Klitzing?


    Davon ist auch nicht alles schlecht. Aber:
    - Es sollte der Bezug zur Umgebung geschaffen werden - Fachwerkhäusern, Gründerzeithäuser.Das wird mit schlichten, bunkerartigen Würfeln samt Flachdächern nicht vereinbar sein - auch wenn es in der Architektur gerade Trend ist. Dieser Trend wird in 10 Jahren wieder vorbei sein und was kommt dann...


    -Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus Schuhstraße muss erhalten bleiben
    .
    -Teilüberdachungen schaffen, z.B. luftige Segel, damit die neue 'Gasse' auch bei schlechtem Wetter ankommt.


    Es geht schließlich um unsere Altstadt, die auch noch für unsere nächsten Generationen ansprechend sein soll. Außerdem haben wir immer noch genügend Schandflecken, die kriegsbedingt in der Altstadt sind (Bohlweg, Ecke Neue Straße etc.).

  • Ich schließe mich den Vorschlägen von Ted Mosby und Schmittchen an, es ausgehend von dem Siegerentwurf mit einer Annäherung an historische Bautypen zu versuchen. Damit meine ich explizit keine Rekonstruktionen (bzw. Fake-Rekonstruktionen, denn an dieser Stelle war historisch keine Straße), sondern moderne Interpretationen. Ein Dachgeschoss mir Erkern oder ein Giebel können da schon Wunder wirken.


    Dass so etwas umgesetzt wird, halte ich für wünschenswert, aber für unwahrscheinlich – genau wie den Erhalt des Schuhstraßen-Eingangs in seiner jetzigen Form. Beides würde Kosten verursachen bzw. Gewinnaussichten schmälern und liegt deshalb nicht im Interesse des Investors (der bekanntlich großen Einfluss auf politische Entscheidungen hat, weil an seiner Entscheidung für oder wider den Standort eine Menge Gewerbesteuern hängen). Dennoch sollte die Stadt den Investor in dieser Richtung unter Druck setzen, auch da schließe ich mich Ted Mosby an. Und öffentliche Kritik in dieser Richtung kann nur helfen.


    Auch die Meinung der Leser von News38 fällt unmissverständlich aus. Die ablehnenden Stimmen sind eindeutig in der Mehrheit. Hier geht es zum Artikel: https://www.news38.de/braunsch…teil-ist-vernichtend.html


    Ich finde, dieser Artikel ist eine Unverschämtheit. Schon die Überschrift ("Euer Urteil ist eindeutig") ist distanzlos, ranschmeißerisch und außerdem falsch: im Text kommen auch Gegenstimmen zu Wort, also ist "unser" Urteil wohl doch mehrdeutig. (Ursprünglich lautete die Überschrift, wie der URL noch zu entnehmen ist, sogar "Euer Urteil ist vernichtend", aber das war wohl selbst "News38" zu reißerisch)


    Dann scheint kaum eine der zitierten Stimmen begriffen zu haben, was eigentlich Thema ist. Z.B. wird unterstellt, es gehe um 90 Mio. Euro aus dem Stadthaushalt statt um Investorengeld – was die Verfasser unwidersprochen stehen lassen. Ja, die Behauptung, das Ganze sei "teuer" (für wen denn?), wird sogar in diese dämliche Entweder-oder-Umfrage übernommen. Sorry, aber bei dieser indifferenten Form von "Content"-Journalismus werde ich aggressiv. War mal vom Fach und hätte mir nicht einmal als Praktikant erlaubt, eine derart manipulative Sülze zu veröffentlichen.


    P.S.: Ich habe übrigens den Eindruck, die Reaktion auf jedes größere Städtebau-Vorhaben fällt seit Jahren erst einmal "vernichtend" bzw. "eindeutig" aus, und zwar relativ unabhängig von Charakter und Qualität eines Projektes: Der wutbürgerlich gesenkte Daumen überwiegt immer. Sollte man an anderer Stelle vielleicht einmal grundsätzlich diskutieren, woran das liegt.

  • Ich denke nicht, dass es in diesem Fall mit Wutbürgern zu tun hat. Erstmal ist es begrüßenswert, dass ein Investor so viel Geld in die Hand nimmt und ein ganzes Areal verändern will - da ist nur die Frage wie?


    Wie wir jetzt schon mehrfach angesprochen haben, ist es ein Entwurf und dieser kann verändert werden? Die Architekten Welp von Klitzing müssen eben nur mehr auf die Interessen und Wünsche der Bürger/innen eingehen und ein offenes Ohr zeigen.
    Die Stadt und die Bürger/innen müssen ebenso Druck ausüben.
    Vorschläge s.o.


    Dann wird es am Ende auch ein geglücktes Projekt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürger und für unsere Innenstadt, und nicht nur im günstigsten Interesse des Investors und in der Auslebung von persönlichen Ideen/ Trends des Architekturbüros.

  • ^^


    Dass „News38“ nicht „Die Zeit“ ist, sollte klar sein. Ebenso, dass viele Menschen heutzutage ihre Meinung online kundtun, bevor Sie nachdenken oder sich informieren. Die Unkenntnis, von der zahlreiche Kommentare, auch in der Online Ausgabe der „Braunschweiger Zeitung“, zeugen, kann aber auch darauf zurückgeführt werden, dass die Informationspolitik der Stadt eindeutig Defizite aufweist. Mehr Bürgerbeteiligung wäre hier absolut wünschenswert und notwendig. Schließlich geht es nicht um irgendein x-beliebiges Investorenprojekt, sondern um eine umfangreiche Baumaßnahme im historischen Herz der Stadt.


    Wenn im Vorfeld die Bedeutung des Denkmalschutzes hervorgehoben wird, um dann einen Entwurf zu präsentieren, der den Komplettabriss eines denkmalgeschützten Gebäudes vorsieht, kann das auch zu einem Vertrauensverlust führen. Dass dieser Aspekt von der „Braunschweiger Zeitung“ bislang offenbar überhaupt nicht aufgegriffen wurde, finde ich persönlich fragwürdiger als den o. g. Artikel zur Online-Umfrage.


    Braunschweig hat im Zweiten Weltkrieg und den Jahrzehnten danach sehr viel historische Bausubstanz verloren. So viel, dass ich es für bedenklich halte, mit den verbliebenen Resten im Jahr 2017 derart leichtfertig umzugehen.


    Wie gesagt, ich kann der Grundidee, die Passage durch eine Gasse zu ersetzen, sehr viel abgewinnen. Doch auch gute Ideen können leider schlecht umgesetzt werden. Damit das nicht passiert, ist es notwendig eine Diskussion in Gang zu setzen - und zwar bevor Fakten geschaffen werden.

  • Der wutbürgerlich gesenkte Daumen überwiegt immer. Sollte man an anderer Stelle vielleicht einmal grundsätzlich diskutieren, woran das liegt.


    Das wäre tatsächlich einmal einen eigenen Thread wert, denn ich denke, dass sich dieser Eindruck empirisch untermauern lässt. Dabei sind Infrastruktur-Projekte vermutlich noch stärker betroffen als Städtebau-Vorhaben.


    Ohne zu sehr vom Thema hier abzuweichen, würde ich mal thesenhaft in den Raum werfen:


    1.) Es gibt eine Angst vor Veränderungen, die von einer (kultur-)pessimistischen Grundstimmung zeugt. Vielen Menschen geht es gut, doch befürchten sie, dass sich das ändern kann. Änderung wird mit Verschlechterung gleichgesetzt.


    Gegen irrationale Ängste kann man rational kaum argumentieren. Hier hilft wohl tatsächlich nur eine umfangreiche, transparente Informationspolitik, zu der es gehört, die Befürchtungen der Menschen anzuhören, so absurd sie manchmal auch sein mögen. Diese Befürchtungen müssen aber auch ernst genommen werden.


    Um auf das Projekt der Burggasse zurückzukommen: Wenn Stadtbaurat Leuer in der Verlautbarung der Stadt sagt, an den Eingangsbereichen werde von den Architekten noch im Detail weitergearbeitet und die in der Folge gefundenen Vorzugslösungen müssten dann auch mit den Denkmalbehörden des Landes abgestimmt werden, so klingt das nicht nach einem offenen Prozess, der eine irgendwie geartete Bürgerbeteiligung vorsieht.


    2.) Mehr Meinungsfreiheit und Möglichkeiten zur medialen Verbreitung: Im Gegensatz zu früheren Generationen sind die Menschen es gewohnt, ihre Meinung frei zu äußern, und dank Internet & Social Media können sie dies hierzulande auch jederzeit tun. Das, was man früher als Stammtischgerede bezeichnete, findet heute viel öffentlicher auf Facebook statt. Dies führt auch dazu, dass es leichter wird, Gleichgesinnte zu identifizieren und vereinfacht, um es einmal grob kommunikationstheoretisch zu formulieren, das Durchbrechen der „Schweigespirale“.


    Dies kann man aktuell leider auch am Beispiel von Verschwörungstheorien beobachten. Grundsätzlich ist der Prozess im demokratischen Sinne jedoch begrüßenswert. Klar ist aber auch: Im kaiserlichen Berlin dürfte es wesentlich einfacher gewesen sein, den Bau einer U-Bahnstrecke oder eines neuen Stadtviertels durchzusetzen als heute.


    Schwieriger wird es dann, das grundsätzliche Verhältnis von Demokratie und Architektur zu bestimmen. Viele architektonische und städtebauliche Leistungen, die wir heute bewundern, sind eben nicht unter demokratischen Bedingungen entstanden und wären heute auch gar nicht mehr umsetzbar. Auch das Selbstverständnis der Architektur wäre ein wichtiger Aspekt: Ist Architektur Kunst? Kann Kunst „demokratisch“ sein?


    Das ist ein ungeheuer spannendes Thema, wäre hier aber dann doch absolut off-topic.