Projekt "Vier Giebel" Eberhardstraße (ab Q1/2024)

  • Leider hat die Wahl des Fassadenmaterials das Projekt etwas verhunzt. Es sieht doch nun sehr nach Postmoderne und damit aus der Zeit gefallen aus. Schade wenn man sich überlegt was hier für Summen verbaut werden!

    An der Postmoderne finde ich nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Es muss nicht alles der aktuellen Mode entsprechen, insb. wenn ich sehe, was das uns architektonisch gebracht hat... zu viele monoton weißgraue WDVS-Fassaden und Flachdachquader - Hauptsache nicht aus der Zeit gefallen.

    Dagegen besitzen Häuser der Postmoderne eine Menge Charakter, zumindest sehr viel mehr als die meisten Gebäude, die danach und davor ab WW2 in anderen zeitgenössischen Architekturstilen entstanden. Lieber mehr gelber Sandstein ;)

  • Finde den gelben Sandstein hier absolut die richtige Wahl.
    In Grau wäre es wieder sehr Trist und davon haben wir in Stuttgart genug.
    Die postmoderne Architektur hat einige der besten Gebäude Stuttgart hervorgebracht. Allen voran die HMDK und die neue Staatsgalerie.

    Ich schließe mich hier klar MiaSanMia an.

  • Ich kann mich den Ausführungen von MiaSanMia auch komplett anschließen. Allerdings nur, wenn es allgemein die Postmoderne betrifft. Ich kann bei dem Neubau der Vier Giebel keine Postmoderne erkennen, wie Regent und jetzt auch AlexB2507 es sehen.

    Ich möchte Architekturstile nicht absolut und in reiner Form sehen. Ich weiß, dass es oft fließende Übergänge und Mischelemente in den Stilen gibt. Aber hier kann ich überhaupt nichts erkennen, was auf Postmodern hinweist. Evtl. die im Stein ausgebildeten Fensterrahmungen, aber das ist letztlich zu wenig, um es diesem Stil zuzuordnen.

    Nicht jeder Neubau der Bezug auf die Nachbarschaft nimmt ist postmodern. Es ist einfach ein gut in die Altstadt eingefügter Neubau, nicht mehr und nicht weniger. Der Architekt spricht selbst von Zurückhaltung in der Architektur und das Einfügen in die Bestehende Altstadtbebauung. (Frei zitiert nach dem Interview mit dem Architekten auf der Seite von LB=BW Immobilien).

    Ich lerne aber auch gerne dazu und bin gespannt, ob das hier jemand ganz anders sieht. Also gerne antworten :)

  • Es fehlen die Expressivität, Verspieltheit und übersteigerte Ironie, welche oft mit der Postmoderne verbunden werden. Wären bei diesem Projekt irgendwo in der Fassade kreisrunde Fenster, die Fensterrahmen pink und türkis und die Eingänge mit spitzwinkligen Glas-Stahl-Konstruktionen überdacht, wäre die Sache wohl eindeutig. Es fehlen auch rein dekorative Elemente ohne Funktion. Es gibt allerdings auch herausragende Vertreter der Postmoderne, die einen großen, sehr klassischen Ernst ausstrahlen, etwa den Place de l’Europe in Albertville.


    Was hier meines Erachtens Anklänge an diesen Stil erkennen lässt:

    • Städtebauliche Orientierung am (vermeintlich?) historischen Straßenverlauf und Andeutung von Kleinteiligkeit
    • Dennoch klare Erkennbarkeit eines zusammenhängenden, sehr großen Baukörpers, keine echte Abgrenzung der Fassadenabschnitte
    • Horizontal und vertikal symmetrische Fensteranordnung in traditionellen, stehenden Formaten
    • Spitzdächer, diese jedoch nicht symmetrisch, wodurch eine ironische Brechung entsteht
    • Zitieren eines Schieferdaches, jedoch mit größeren Solarpaneelen
    • Verwendung eines traditionellen Fassadenmaterials, Sandstein, der - wie erwähnt - in den 1980ern bis frühen 2000ern besonders beliebt war

    Dass bei dem Projekt auf allzu gewagte Gestaltungsideen verzichtet wurde, die der Postmoderne ihren (wie ich finde: zu unrecht) schlechten Ruf einbrachten, ist wohl eine nachvollziehbare, anschlussfähige Entscheidung. Mehr Differenzierung hätte dem Gebäude aber sehr gut getan und sogar die Baukosten reduzieren können. Zwei, drei Fassadenabschnitte als Putzfassaden in hellen Farbtönen, das hätte schon Wunder bewirkt. Sehr gut finde ich, dass nicht überall die gleichen Fensterbrüstungen verbaut sind. Aber auch mal eine andere Rahmenfarbe bei den Fenstern oder mal im Giebel ein Rundfenster, hätte dem Architekten auch keinen Zacken aus der Krone gebrochen. Am Eckhaus noch ein Kunstwerk am Bau, um die städtebaulich prägende Ecke zu betonen, dann wär's perfekt.


    Stattdessen bleibt trotz aller Mühen der Eindruck zu großer Einförmigkeit zurück.

  • Die Assoziation mit der Postmoderne bezog sich nur auf die Wahl des Fassadenmaterials, nicht der Architektur. Schuld daran dürfte die Stuttgarter Staatsgalerie sein, die eine ähnliche Fassade hat.

  • Es gibt aber auch etliche Gebäude, die mit gelbem Sandstein verkleidet sind und bei denen niemand an die Postmoderne denken würden. Es ist schon auch die Fassadengliederung, die zu dieser Assoziation beiträgt.

  • Wie gesagt, die Fassade erinnert mich an die Staatsgalerie, auch von der Gliederung. Sandstein wurde auch bei vielen Altbauten verwendet, aber eben nicht in Form glatt geschliffener Platten. Überhaupt fehlt mir bei der Fassade die Haptik, es wirkt eben alles sehr flach, was wiederum dazu beiträgt, dass es wie ein großes Gebäude wirkt. Klinker oder sogar Putz, in Verbindung mit einer stärkeren Gliederung der Fassade hätte hier meiner Meinung nach besser funktioniert. Frankfurt oder Potsdam zeigen wie man moderne “Altbauten” umsetzt, Stuttgart zeigt mal wieder das man es hier einfach nicht kann – siehe dazu auch den gerade erst verhunzten Altbau am Marktplatz!

  • Weitere Gerüste sind gefallen. Alle Bilder von heute.


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    Diese Seitenwand von dem nach vorne versetzten Gebäudeteil sieht irgendwie arg kahl aus. Bin gespannt was da noch hinkommt um das aufzulockern.


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