Galeria-Anbau Eberhardstraße

  • zu #19:


    Bei Kindergärten und Speilplätzen inzwischen nicht mehr, da gabs ein BGH-Urteil, dass spielende Kinder kein Lärm eine Anlage im Sinne der tA Lärm sind, und insofern die Klagegrundlage fundamental entfällt. Bei Veranstaltungen ist das was anderes. Aber dafür kann man rechnen und das Bauwerk entsprechend gestalten. Eventuell müsste es höher werden wie 60m, und unten noch mal eine Reihe Büros rein.

  • ... mir war gar nicht mehr bewusst wie brachial der Anbau aus Richtung Altstädtle wirkt. Hier muss echt sensibel vorgegangen werden!


    Sensibel vorgehen? Nun, wir sind hier in Stuttgart. Da gibt es kein sensibles Vorgehen. Man muss nur die Entwicklung verfolgen, die wenige Meter entfernt auf dem Areal der ehemaligen Rathausgarage stattfindet. Dort ersetzt man altes Hässliches durch neues Hässliches.


    Wenn eine Bausünde entfernt wird, dann ist das eine riesige Chance, die auch genützt werden sollte. Und da habe ich so meine Zweifel. Ich befürchte, daß man hier genauso handeln wird, wie es beim Bauprojekt der Ex-Rathausgarage (Neubau Areal Eichstrasse) der Fall ist.

  • Völlig unsensibel war man vor allem beim Gerber. Dass es auch besser geht sieht man am Dorotheenquartier, wo nach einer Reduzierung der Baumassen mit zeitgenössischen Mitteln an der Stadt weitergebaut wurde. Ein Weiterbauen an der Stadt würde ich mir auch hier wünschen, in heutiger Form, keine (falsche) Rekonstruktion.


    Den Neubau anstelle der Rathausgarage finde ich so schlecht nicht.

  • Wurde nicht der umgekehrte Weg überlegt, nämlich die angrenzenden Altbauten nach und nach mit der Horten-Eiermann-Fassade zu überziehen?
    Sähe bestimmt ganz interessant aus und würde Stuttgart etwas moderner machen.

  • ^^vorher müssen die Fassadenelemente allerdings 20 Jahre in einen Taubenschlag, damit sie die so berühmte Patina erhalten. Anfangen würde ich mit dem Hugendubelhaus, dieses stehen zu lassen grenzt schon an Fortschrittsverweigerung. mal sehen, wer die Satire nicht erkennt..


    Viel Hoffnung auf eine ansprechende Lösung habe ich ehrlich gesagt auch nicht, ich tippe auf eine Rasterfassade, hatten wir schon länger nicht mehr. Vielleicht geschieht aber auch ein Wunder?

  • ma-frey
    Sowohl beim Gerber als auch beim Dorotheen Quartier hat sogar die neue völlig überdrehte sogenannte "Sensibilität" an falscher Stelle dazu geführt, dass jeweils nur halbgeile Lösungen entstanden, wobei ich das Gerber für insgesamt deutlich stimmiger halte als das Dorotheen Quartier mit dem seltsamen Foliendach. Man muss auch bedenken, was für ein Hüttenkruscht vor dem Gerber stand. Das hatte mit Stadtbaukunst nämlich überhaupt nichts mehr gemein.


    Ich schließe mich für die Eberhardstraße prinzipiell hier hfrik an, zur Straße hin höhergeschossig mit Wohnungen in den oberen Geschossen, zum Altstädtle hin niedriger bebaut, meinetwegen auch historisierend - Schmerzgrenze wäre hier natürlich der Kitsch.

  • Tja was ist Kitsch?
    Mir ist in irgendeiner Stadt, ich weis nicht mehr wo, könnte Frankreich gewesen sein, neulich ein gut gelungener neu gebauter Barockbau in einer Altstadt begegnet. Wurde aussen gerade verputzt, innen sah man aber 100% Poroto+Betondecken, also Neubau.
    Sah aber nirgens was von Rekonstruktion auf den Bautafeln nur Neubau.
    Da bin ich dann im Zwiespalt - ist das nun Kitsch weil heute einfach kein Barock mehr ist? Oder ist das können, weil der Bau gut gelungen ist und wunderbar in die Altstadt gepasst hat? Oder gibts auch gekonnten Kitsch, sozusagen Premium-Kitsch? und ist der nun gut oder schlecht?
    Im vorbeigehen habe ich mir gadacht "ist eigentlich ein no-go, aber passt wunderbar."

  • ma-frey
    Was meinst du denn genau mit "Weiterbauen der Stadt"? Und was spricht denn bitte dagegen die Bebauungsstruktur und Formensprache der recht schönen Gebäude um den Hans im Glück-Brunnen aufzunehmen, zumindest eben dann im rückwärtigen bzw. dem HiG zugewandten Bereich?! Und dir schwebt hier eine "moderne" Lösung vor, etwa wie in der Lautenschlagerstraße?! Daneben und gegenüber im Bereich der Eberhardstraße gibt es doch noch geschlossen historisch anmutende Bebauung am Stück, warum also hier modern querschießen?! Was wäre schlimm daran entlang der Eberhardstraße historisierend zu bauen, v.a. im Hinblick darauf dass ja der zunächst erhaltene Galeria-Bau links auch irgendwann doch fällt! Warum also eine jetzige und zukünftige Chance verbauen? Ergreift man jetzt die Chance, hat man in 10-20 Jahren die Chance auf der anderen Seite direkt weiterzumachen, wenn der verbleibende Block fällt. Man hat hier ein Spitzengrundstück, kann eine Torsituation schaffen sowohl zum HiG als auch in die Eberhardstraße! Und dann im Hinterkopf den bestehenden Galeria-Klotz behalten dessen Jahre sicher gezählt sind. Kitsch Wagahai muss hier natürlich nicht sein.


    Und da du dir das Gerber aussuchst - so verschieden sind die Geschmäcker. Das Gerber finde ich um Welten besser als das DoQu. und hier teile ich die Meinung von Wagahai, auch hier wurde ohne jede Not eingegriffen und zurechtgestutzt, die vormaligen Dimensionen waren legitim an der Stelle. Das Gerber ist architektonisch ein echter Lichtblick, ich hätte sogar die angedeuteten Arkaden geöffnet, das wäre es gewesen... Schau mal was an 3 der 4 Seiten drum herum steht, bzw. vorher hier Stand - ultimatives Gruselkabinett! Immerhin hast du die Pauline21 ziemlich schlecht bewertet, somit kann das Gerber doch so schlimm nicht sein?!


    Aber zurück zu Galeria und noch ein paar Sätze zum Parkhaus in der Steinstraße. Dem Parkhaus fehlen heute 2-3 Etagen zur Höhe der umliegenden Gebäude. Man könnte also durch einen Neubau (oder sogar per Umbau?!) alle Parkplätze erhalten (wenn man denn überhaupt will) und sogar noch nennenswert Wohnraum/Bürofläche schaffen.


    Der Vorschlag von MaxBGF alles mit der Horten-Fassade zu überziehen ist so abartig dass er wieder echt interessant ist. :lach: Und hans-maulwurf mach schließlich auch mit, der ja die meisten Teile der Stadt (wie auch hier) eh nur bei Dunkelheit kennt. ;)

  • 'Weiterbauen an der Stadt' ist so ein Ideal, das bedeutet dass man mit heutigen architektonischen Mitteln an das Bestehende anknüpft, die vorhanden Qualitäten eines Ortes aufgreift und stärkt. Den Wettbewerbsentwurf für das Kronenhöfe in Backnang würde ich da mal als Beispiel nennen. Hier Türmchen und Erkerchen anbringen, würde ich als Anbiederung ansehen. Pseudo-Rekonstruktionen wie die Römer-Ostzeile in Frankfurt mit Fachwerkhäusern die nur so aussehen, als hätte sie da mal gestanden hätten, halte ich ein Stück weit schon für Verar... der Besucher. Sehr kulissenhaft.


    Bei Dorotheenquartier wurde der bestehende Straßengrundriss im Bereich Markthalle in ähnlicher Form in das neue Quartier übernommen, sowie die Traufhöhe von Markthalle und Hotel Silber übernommen. Die Architektur ist sehr heutig, fügt sich aber trotzdem sehr gut ein.


    Das Gerber füllt fast einen ganzen Gebäudeblock aus. In dieser Gegend bestehen aber die Häuserblocks aus vielen Einzelbauten. Vielleicht zur Paulinenstraße hin nicht so schlimm. Ich war entsetzt, als ich erste Visualisierungen sah. Hier passt die Bezeichnung Konsumtempel. Überhaupt empfinde ich diese Einkaufszentren als gegen die Stadt gerichtet und sie tragen dazu bei, dass die Städte immer weniger unterscheidbar werden. Von innen sehen sie weitgehend gleich aus, ohne Bezug zum jeweiligen Ort. Ich empfinde sie als städtebauliche Krebsgeschwüre.

  • Woher wusste ich nur von den Kronenhöfen in Backnang, die hier gleich ums Eck kommen?! ;) Ans Bestehende anknüpfen, vorhandene Qualitäten aufgreifen, setzt hier doch Türmchen und Erker fast voraus, oder schließt sie zumindest nicht aus.
    Die Römer-Ostzeile ist toll. Verarscht fühle ich mich durch kubistische Sichtbetonorgien. Die Römer-Ostzeile ist authentischer, lebendiger, hübscher fürs Auge, ein menschlicheres Maß als das was da vorher stand. Ob es da jetzt geringe Abweichungen gibt und nicht zu 100% rekonstruiert wurde, ist für einige Leute vielleicht dennoch ärgerlich, sonst aber gemeinhin zu verschmerzen. Ähnlich gerade dahinter, einfach toll was da entsteht. Die Leute kriegen die Stadt zurück, die davor seit dem Krieg von Beamten und Büromuff vergeudet wurde. Abfällige Argumente wie "Pseude-Rekos", Disney" etc. finde ich künstlich, weit hergeholt und an der Realität vorbei. Da schwingt auch immer die Angst der Architekten mit ihre Arbeit heute nicht mehr ausreichend gewürdigt zu sehen, kein Wunder bei so viel anspruchslosen Schrott. Berechtigt also aus beiden Perspektiven. Die Leute stehen übrigens viel mehr auf Illusionen als auf Bausünden über Jahrzehnte.


    Den Straßengrundriss beim DoQu sehe ich nur positiv, Traufhöhe dagegen nachrangig, siehe meine Ausführungen im DoQu-Strang.


    Ok, du lehnst solche Konsumtempel ab, ist kein Problem für mich. Offensichtlich beeinträchtig das aber deine Bewertung. Das Defizit mit dem einzigen großen Häuserblock sehe ich hier jedoch auch. Ich hätte mir hier eine Aufteilung in 2 Blöcke vorstellen können, mit einem Anschluss an den Stummel der Krummen Straße. Vielleicht zumindest eine Passage mit Brücken. Vielleicht hätte man so auch die Krumme Straße beleben können und einen Bypass geschafft. Leider würde eine logische Fortführung Richtung Westen aber fehlen, durch die Barriere Paulinenstraße und überhaupt eine fehlende weiterführende Straße. Außer man hätte die Paulinenbrücke weggeholzt... Was hier vorher Stand war auch ein menschenfeindlicher Block, wenn auch aus bedingt kleinteiligerer Nachkriegsbebauung. Ein Glück ist die weg...

  • Schön, dass hier auch mal wieder etwas philosophiert wird, schon hfrik  :)

    Pseudo-Rekonstruktionen wie die Römer-Ostzeile in Frankfurt mit Fachwerkhäusern die nur so aussehen, als hätte sie da mal gestanden hätten, halte ich ein Stück weit schon für Verar... der Besucher. Sehr kulissenhaft.

    Zumindest alle, die es interessiert, wissen darüber. Wen es nicht interessiert, der erhält immerhin einen Eindruck wie es dort Jahrhunderte bzw. original aussah oder fühlt sich schlicht wohler.


    Etwas philosophischer stelle ich mir bei solcher Kritik die Frage, was denn eigentlich authentisch/original/kreativ/Leistung ist, wenn stets nur die Kombination aus aktueller Technologie bzw. Architekturmainstream (Stahl, Glas, Sichtbeton, keinerlei Ornament) und Profitmaximierung gebaut wird. Unterliegt Architekt dann nicht weit mehr Zwängen und Unfreiheiten als wenn er aus der vollen Stilpalette von Jahrhunderten schöpfen kann? Dies führte doch global zu weit mehr ununterscheidbarer, ortsuntypischer Architektur, wenn nicht glücklicherweise viele Städte mehr Wert auf ihre Baugeschichte legten als das heutige Stuttgart.


    Schadet die neugotische (damals historisierend) Johanneskirche dem Antlitz des Feuersees? War es authentisch, das Neue Schloss wiederaufzubauen? Wirken die schlichten Nachkriegswohnbauten in bspw. S-West, welche sich zerstörungsbedingt neben die Gründerzeitler reihen nicht immer noch fremd und abwertend, gar emotional negativ?


    Zudem stellt sich die Frage, was an Geschmack unauthentisch ist? Wenn viele bzw. mehr Menschen im 21. Jhdt. eine Renaissance-Fassade einer modernistischen vorziehen, was wäre dann am Bau der modernistischen authentisch? Wäre nicht gerade sie eine Täuschung, die vorgibt, so sei der Geschmack der Zeit gewesen? Man denke an Menschen im 22. Jhdt, die (womöglich kopfschüttelnd) die Stuttgarter Altstadt bereisen. Sollte Neuheit gewichtiger als Gefallen sein? Apropos Renaissance: Sie war eine Rückbesinnung auf die Antike, spürbar auch im Baulichen.


    Überhaupt empfinde ich diese Einkaufszentren als gegen die Stadt gerichtet und sie tragen dazu bei, dass die Städte immer weniger unterscheidbar werden. Von innen sehen sie weitgehend gleich aus, ohne Bezug zum jeweiligen Ort. Ich empfinde sie als städtebauliche Krebsgeschwüre.

    Es gibt gerechtfertigte Vorwürfe und welche, die man wirklich nicht anlasten kann. Eine Mall innen jeweils ortstypisch zu gestalten, scheint dann doch ein etwas hehrer Anspruch und würde schnell ebenfalls in Kitsch ausarten. In Stuttgart dann stets Rössle- oder Auto-Optik? Im Marstallcenter Ludwigsburg wurde etwas in der Richtung versucht. Klappt aber bei einer Mall. Würde es jede wiederholen... Langweilig und wieder austauschbar. Oder sollte angesichts der zwei UNESCO-Häuschen nun in jeder Stuttgarter Mall innen Corbusier-Ambiente herrschen? Und wieviele Städte gibt es, was wäre für Böblingen, Waiblingen oder Reutlingen ortstypische Innengestaltung, was für Bochum, Dortmund, Essen?


    Welche Läden(ketten) - mit ihrer jeweils mehr oder weniger ansehnlichen - Eigengestaltung einziehen, ist kaum steuerbar. Da muss man angesichts Online-Shopping und Miethöhe nehmen, was man kriegt bzw. was angesagt ist. Was auch sinnvoll ist, da ein Laden immer noch zuerst dafür da ist, die Nachfrage zu befriedigen.


    Insofern bin ich froh, dass äußerlich ansprechende Malls wie Gerber oder Milaneo entstanden ist. Aussen betrifft weit mehr Menschen, besitzt mehr Wirkung, kann ganze Viertel aufwerten oder runterziehen.


    Etwas provokativ vermutet, würden sich die Innenstädte von Stuttgart und z.B. Bochum weniger unterscheiden, wenn Deine architektonischen Vorlieben 1:1 umgesetzt werden, ohne Dir Unrecht tun zu wollen. Wie gesagt: Vermutung :)

  • @authentisch
    Wenn man Geld in die Hand nimmt und wertig neu/alt baut, kann es Gefallen. Wenn man dies nicht tut entsteht ein Fake, wie das Berliner Adlon.


    Es gab auch Gründe, warum in der Gründerzeit viele alte Gebäude abgerissen wurden. Einer war die niedrigen Raumhöhen der Häuser vergangener Epochen. So macht es imho überhaupt keinen Sinn ein Haus wieder herzustellen, das Raumhöhen von 2,1m hat.

  • Ich halte es für falsch aus den verschiedenen Stilrichtungen der Baugeschichte sich in der Art eines Gemischtwarenladens zu bedienen und für neue Gebäude Eins zu Eins übernehmen. Man kann die Qualitäten jener Bauepochen aufspüren und versuchen in eine zeitgemäße Architektur zu übernehmen. Das meine ich auch mit 'Weiterbauen an der Stadt.' Mit dem Dorothesnquartier ist dies ganz gut gelungen wie ich meine.


    Ein anderes in meinen Augen sehr gelungenes Beispiel ist der Neubau des historischen Museums in Frankfurt in sensibler Umgebung. Hier im Forum gab es heftige Diskussionen, dass man doch bitteschön die alten Häuser dort wieder aufbaut und darin die Museumsräume unterbringen soll. Die Architekten gingen einen anderen Weg. Neue Bauten die aber ins Umfeld passen und dort dem Ort ganz neue Qualitäten geben. Es ist anders als die Vorkriegsbebauung, aber passt wie ich meine. Der neue Platz hat sehr große urbane Qualitäten und lässt auch das gegenüberliegende noch erhaltene Fachwerkgebäude neu zur Geltung bringen.








    Ein Stuttgarter Architekturexport übrigens. LRO haben auch in Stuttgart mit dem Hospitalhof ähnlich positive Impulse im dortigen Viertel gesetzt. Mit dem Sandstein wird ein ortstypisches Material verwendet, die Bauformen sind weder der Moderne zuzuordnen noch irgendeine Kopie früherer Stilrichtungen.


    Hier im Forum habe ich eher den Eindruck, dass den Investorenprojekten das Wort geredet wird, die Informationen auf jenen einschlägigen Seiten geholt und typische Investoreninteressen propagiert werden (mehr Höhe, mehr nutzbare Fläche, mehr Rendite).


    Wie verloren eine neue Barockkirche in der Stadt stehen kann, sieht man in Feuerbach: Google Maps. Früher hatte sich die Stadt auf solche Kirchen mit ihrer Bebauung ausgerichtet.

  • Dein Eindruck täuscht gewaltig, insbesondere ist glaube ich bei nicht nur oberflächlicher Lektüre der Beiträge leicht erkennbar, dass im Forum unterschiedlichste Meinungen zu Architektur und Städtebau vertreten werden, und das ist auch gut so. Investoren, die all zu oft möglichst billig und von der Stange bauen kriegen ihr Fett weg (siehe zuletzt Daimler, Bosch) ebenso wie die Poitik bzw. Stadtverwaltung, die mit zumeist nicht nachvollziehbarer Überreguliering das Bauen praktisch unmöglich machen, und so z.B. unrühmlich aktuell zur Wohnungsnot oder extremen Büroverknappung beitragen. Auf der anderen Seite werden gelungene Entwürfe und Politiken auch gewürdigt und gelobt. Und vieles davon ist auch ganz einfach eine Frage des Geschmacks. Die mit Spannung erwartete Lösung in Frankfurt von LRO finde ich selbst im Übrigen auch ziemlich gut. Daher trifft m.E. der Vorwurf der platten Investorenhörigkeit im Forum nach meinem Verständnis überhaupt nicht zu. Gleichwohl kann natürlich der wirtschaftliche Nutzen von Bauten im Stadtgefüge wie auch in Region und Land nicht komplett ausgeblendet werden. Ich vertrete eher einen Ansatz, der versucht Ästhetik und Nutzen möglichst zu verbinden. Du vertrittst m.E. bisher einen eher künstlerisch-intellektuellen Standpunkt. Das alles hat seine Berechtigung und belebt das Forum. Lass uns das auch bitte so fortführen, ohne den einen oder anderen in eine bestimmte extreme Ecke zu stellen.

  • So ist es. Maßstab ist der persönliche Geschmack oder Prioritäten. Daß diese beim Einen jene Partei(en) oder Architekten, beim Anderen andere besser treffen, liegt in der Natür der Sache, genauso wie die daraus folgende Kritik.


    Wenn ich 90% über Grüne herziehe, dann würde ich über die Union bei gleicher Politik 95% herziehen; schlicht weil ich von denen anderes erwarte, die Enttäuschung noch größer wäre. Erstere bleiben ja wenigstens ihrer Linie treu, wenn ich diese auch meist reichlich beschissen finde.


    Was Frankfurt angeht. Einfach mal Kommentare zum Dom-Römer-Projekt lesen, Bilder ansehen. Das Projekt ist in ähnlich reicher und modernistischer Stadt um so viel größer als was es in Stuttgart am Marktplatz bräuchte. und trotzdem geschieht hier NICHTS, allenfalls Kaschierung.


    Übrigens etwas, wo ich gewisse Hoffnung in die Grünen gesetzt hatte. Wenn sie sich schon gegen Großes und Investoren stellen, dann doch vielleicht wenigstens etwas Stadtreparatur. Schliesslich ein Feld, wo Ökos neben der Umweltbewegung herkommen. Doch offenbar will man der Stadt außer ein paar Fahrbahnummarkierungen, Pseudo-Bürgermitnahmeprojekten und Fahrradständern nichts hinterlassen. Dass sie so klein und lahm denken, hätte selbst ich nicht gedacht.

  • »Ziel und Anlass des Gutachtens war es, anstelle der bestehenden Gebäude auf dem Eckgrundstück Eberhard-/Stein-/Geißstraße ein multifunktionales Wohn- und Geschäftshaus zu errichten, das mit seiner Wertigkeit zum einen der zentralen und prominenten Lage gerecht wird und zum anderen auf die historische Altstadtbebauung in der Nachbarschaft städtebaulich und architektonisch angemessen reagiert. «


    Oft frage ich mich wer diese Jurys überhaupt sind. Sogar nicht architekturinteressierte Menschen können sofort sagen, dass dieser Entwurf gar nicht zu der Umgebungsbebauung und schon gar nicht zu den Resten der Altstadt passt.
    Heißt "Antwort auf die Altstadtbebauung" etwa, dass man neben den letzten noch vorhandenen Altstadthäusern moderne Klötze mit Strichcodefenstern baut um einen möglichst großen Kontrast zu schaffen?
    Diese Architekten und die Jury sind wirklich extrem weltfremd. Sogar die alte verfaulte Sichtbeton-Bebauung fügt sich mit ihren "Spitzdächern" besser in die Umgebung ein als dieser Entwurf. Das Stadtbild wird nicht repariert, sondern weiter zerschnitten.
    Ich hätte nichts gegen diesen Entwurf, wenn er im Europaviertel stehen würde, aber hier ist er wirklich unakzeptabel. Ich hoffe die Bürger lassen sich so etwas nicht gefallen.
    Es muss ja nicht gleich eine Rekonstruktion sein aber in den Formen sollte sich der Neubau schon an die andere Bebauung anlehnen.
    Ich weiß nicht wie man bei so etwas tatenlos zusehen kann!

  • ^Ruhig Blut Leute, ruhig Blut. Ob die Fassaden schon Entgültig sind würde ich jetzt nicht in Stein gemeiselt sehen. Was aber gut ist – eine gewisse Kleinteiligkeit und unterschiedliche Höhen, die durchaus die Höhen der umliegenden Gebäude aufnehmen. Man muss auch mal schauen was da momentan steht! Alles ist besser als diese Pissecke jetzt.

  • So etwas von Einfallslosiglkeit. Ich bevorzuge dann doch eher eine Generalsanierung des Bestands, wenigstens hat dieser noch im Vergleich rauhen Charme und Charakter. Schlumpfhausen in eckig und Barcode brauche ich zumindest nicht.