Komm, wir müssen reden ... (Querbeet-Diskussion)

  • merlinammain


    Die Einwände von rilla90 sind (leider) berechtigt. Auch mir gefällt es nicht diese Umstände anzusprechen, aber man muss der Wahrheit nun einmal in den Rachen greifen dürfen.


    Wir leben hier seit Jahrzehnten von der Substanz.
    Ffm. hat strukturell betrachtet seit 1990 NULL Neuzugänge- im Gegenteil: viele, viele Unternehmen haben seither ihre headquarters hier abgebrochen, die Verbände sind fast komplett nach Berlin weggezogen. Der heutige "boom" ist rein konjunkturell bedingt. Spruch: "Wenn die Flut kommt, dann steigen eben alle Boote". Strukturell betrachtet ist das hier eine geradezu verblüffende Stagnation (aus welchen Gründen auch immer).
    Einzige Ausnahme: Die EZB. Nicht auszudenken, wie es um Ffm. heute stünde, wenn diese Institution nicht gekommen wäre.


    Was der Brexit an Zuwachs bringen wird, bleibt abzuwarten.
    Die neuesten Zahlen aus dem 1.HJ. 2017 zum Buroflächenmarkt dokumentieren jedenfalls die seit gut 10 Jahren zu beobachtende Misere: Ffm. steht bei den Umsätzen nur noch auf Platz 4 - weit hinter Hamburg (Platz 3). Auf den Spitzenplätzen stehen München und Berlin.
    Das ist eine Wahrheit, die in keinster Weise mit dem Anspruch einer "Skyline" in Zusammenhang gebracht werden kann. Wenn sich das nicht grundlegend bessert, komme ich bald zu folgendem Schlus: Hört auf, weiterhin (dünne und schmale) Hochhäuser in die "City" zu bauen. Es ist lächerlich und verschandelt nur den ohnehin schon viel zu engen Stadtraum. "Altstadt" ist dann veilleicht doch besser !.

  • Ffm. steht bei den Umsätzen nur noch auf Platz 4 - weit hinter Hamburg (Platz 3).



    Was für eine Katastrophe! Da ändert sich der Büroflächenumsatz seit über 10 Jahren praktisch nicht und man steht schlechter da als drei Städte, die jeweils 2-5 Mal so groß sind wie Frankfurt. Das Ende ist nah.


    Die ganze Statistik ist für die Füße, weil sie z.B. Vertragsverlängerungen gar nicht berücksichtigt. D.h. eine Stadt steht dann "gut" da, wenn es häufige Mieterwechsel gibt. Ob das ein Qualitätskriterium ist, wage ich mal zu bezweifeln. Das freut die Maklerschaft und Umzugsunternehmen, ist aber sonst eher irrelevant.

  • Humpty:
    Zitat: ... und man steht schlechter da als drei Städte, die jeweils 2-5 Mal so groß sind wie Frankfurt."


    Dein Einwand ist definitiv falsch.
    Ffm. hat eine ausgeprägte "Downtown-Struktur", d.h. die Menschen wohnen überwiegend draussen und fahren zum Job in die Stadt - siehe "Pendler-Hauptstadt".
    Wegen dieser Ffm-Besonderheit muss man bei der Relation "Einwohnerzahl / Büroumsatz" (sofern man diese Relation überhaupt betrachten will) selbstverständlich den Ballungsraum Ffm. betrachten. In diesem Betracht ist Ffm. vor allem mit München und Berlin voll vergleichbar. Bei der o.g. Relation nur auf die Einwohnerzahlen des Stadtgebietes von Ffm. zu verweisen, ist eine sehr bequeme aber leider total falsche "Beruhigungspille".
    Fazit: Lieber gar keine Einwände, als definitiv falsche Einwände.


    PS: ... und Büroumsatz gibt es jenseits von Eschborn und Kaiserlei (beide zählen i.ü. bei den Erhebungen traditionell schon dazu) fast gar nicht. Also auch in diese Richtung liesse sich die langjährig schwache Performance des Ffm.-Marktes nicht "schönrechnen".

  • Die Misere ist wirklich schlimm, insbesondere da sie schon 10 Jahre andauert und uns wohl auch noch mindestens 10 weitere Jahre erhalten bleibt. Kein einziges Hochhaus wurde seitdem gebaut, Planungen für weitere Hochhäuser gibt es auch keine...
    Und dann kommen auch noch irgendwelche Kleinstädte wie Berlin, Hamburg oder München und sind in irgend einer Statistik vor uns!

  • Der allwissende m.Ro80 hat wieder zugeschlagen ... mal wieder mit Unterstrichen und Fett-Buchstaben. :lach:


    So so, den "Boom" haben wir nur, weil es konjunkturell gut läuft. Auf diesen Zusammenhang wäre ich nie gekommen, dafür muss man schon den Master in BWL haben. Würde mich nur noch brennend interessieren, wie es einen Boom ohne ein gutes konjunkturelles Umfeld geben kann :confused: Aber selbst dafür hast du bestimmt eine Theorie parat :D


    Aber schön, dass du uns wieder daran erinnerst, dass wir in ein wirtschaftlich notleidenden Stadt ohne Entwicklung & Hoffnung auf Besserung leben. Harte Fakten wie BIP pro Kopf, Gewerbesteueraufkommen oder Zahl der Arbeitsplätze pro EW verzerren doch nur das Bild.

  • Freies Frankfurt ?!

    Diese neueste Umfrage hat es RICHTIG in sich:


    http://www.focus.de/politik/vi…srepublik_id_7363408.html


    Durchschnittlich 1/5 aller Deutschen wollen los von Berlin.
    Das kommentiere ich an dieser Stelle nicht. Das ist hier kein Aufruf zur Revolution, nur ein Anstoss zum Nachdenken *fg*


    Speziell bzgl. Ffm erlaube ich mir zu erinnern:
    Bis 1866 waren wir eine FREIE, VOLLAUTONOME Stadt.
    Wie wäre es also, wenn wir die alte Autonomie zurückforden würden ?
    Hätte jedenfalls auch Vorteile:
    a.) Planungsrecht komplett bei Ffm
    b.) Miet- und sonstige immobilienrechtliche Regeln könnten von unserer Bürgerschaft komplett alleine bestimmt werden.
    c.) Steuerrecht ! Ffm. könnte autonome Standortpolitk machen (Luxemburg macht das ja auch - und wie GUT die das machen - unzählige Unternehmen / headquarters wollen nach Luxemburg. Vielleicht käme nach Jahrzehnten auch mal wieder jemand zu uns).


    Irgendwie kommt mir das Thema extrem bekannt vor:
    Katalonien, Schottland, lega nord ... Überall gibt es starke Bewegungen raus aus den Nationalstaaten.
    Eine Ffm-Autonomie wäre also mitnichten eine spinnerte Idee. Man befände sich vielmehr in "sehr guter" Gesellschaft. ...


    Aber ich will ja nicht zur Revolution aufrufen ... *fg*

  • Wenn Du weg willst von Berlin, oder der Bundes-Republik-Deutschland, bleibt es Dir unbenommen ins Ausland auszuwandern (so wie ich...). Singapur ist ein netter Stadtstaat, der all das bietet was Du aufgelistet hast.

  • ^ Na na na sipaq, man sollte ihn nicht gleich entmutigen. Er könnte ja klein anfangen und erst mal ein vom DAF "autonomes" Forum gründen und dort seine ("spinnerten") Ideen veröffentlichen. Das würde auch uns hier im Forum allen gut tun, wenn wir hier nicht ständig seine Beiträge (in fett und unterstrichen) lesen müssten. :D

  • merlinammain


    Mein Ffm-Bezug zu einer wirklich spannenden Umfrage (deren Essenz ich so nicht erwartet hätte) trägt im Kern den „Wettbewerbsföderalismus“ als Gedanke / Botschaft.
    Schon mal darüber nachgedacht, warum bzgl. Ffm immer seltener von der „günstigen geografischen Lage“ und dem „Weltflughafen“ die Rede ist, wenn es um das Aufzählen Standortvorteilen geht ? Derlei Faktoren gehören selbstverständlich zu einem „Wirtschaftsstandort“ sie machen einen solchen aber alleine längst nicht mehr aus.
    Es geht um die Möglichkeit, flexibel, individuell („autonom“) Standortbedingungen möglichst weitgehend selbst definieren zu können – etwas was es in unserem deutschen „Förderalismus“ faktisch nicht gibt (siehe die Umfrage und die Gründe derjenigen Menschen, die in diese Richtung denken).


    Anders formuliert: Mit „autonom“ meine ich nicht „Steine werfen...“ und so. Da Du recht oft mit in den Text kopierten Fratzen und sonstigen Unmutsbekundungen arbeitest (auch gegenüber anderen Foristen !) wollte ich nur sicher gehen, dass Du mich auch verstehst … (ganz ohne Fettdruck).


  • Es geht um die Möglichkeit, flexibel, individuell („autonom“) Standortbedingungen möglichst weitgehend selbst definieren zu können – etwas was es in unserem deutschen „Förderalismus“ faktisch nicht gibt


    Unsinn! Die Planungshoheit liegt bei den Gemeinden, d.h. die bauliche Gestalt und die Flächennutzung wird im wesentlichen von den Städten und Gemeinden bestimmt. Die Skyline ist der markanteste Beweis. Ob es Hochhäuser gibt und wo, ob Industriegebiete oder Wohnbauflächen und was sonst noch, entscheidet die StVV; dasselbe gilt für die Hebesätze von Grund- und Gewerbesteuer. Im Verhältnis zu Eschborn wird doch sonst immer laut deklamiert, dass dieser Nachbarort seine Strandortbedingung selbst definiert. Könnte es auch sein, dass echter Wettbewerb Frankfurt nicht wirklich gut tut?

  • Aber er trifft da durchaus einen wunden Punkt. Das was wir in Deutschland Föderalismus nennen, wird zunehmends zu einer blutleeren Hülle.
    Baugebiete kann die Stadt nur dort relativ kurzfristig ausweisen, wo sie auch schon im völlig veralteten RegFNP verankert sind, ansonsten sind aufwändige Änderungsverfahren nötig. Kostengünstiger und effektiver Bauen kann man auch nicht weil Bundes- und Landesverordnungen (zB die Bauordnung basiert immer noch der unseligen Charta von Athen und verhindert damit anständigen Städtebau weitgehend und gerade zur unseligen EnEV wird in letzter Zeit zu Recht schon genug Unmut geäußert) dem entgegenstehen.
    Und dann das finanzielle Thema: die Länder und Kommunen haben kaum Finanzhoheit, zahlen sie doch zum großen Teil für vom Bund gestellte Aufgaben, während der Bund sich in immer größerem Maße in regionale Angelegenheiten einmischt. Es wird immer mehr Mikromanagement betrieben anstatt dass sich jede Ebene um das kümmert was sie am besten kann, und auch die Möglichkeit hat eigenverantwortlich die entsprechenden Finanzmittel aufzutreiben. Grade Tunnelklick braucht nur mal an die Finanzierung von ÖPNV-Projekten denken wo heutzutage ohne Geld vom Bund gar nichts mehr läuft weil die kommunalen Haushalte selbst aufgrund vor allem auch von den höheren Ebenen gestellter Aufgaben gar nicht mehr die finanziellen Spielräume haben sich um so was selbst kümmern zu können. Das klappt in den USA mittlerweile deutlich besser. Das bischen verbliebener Wettbewerb in Deutschland wird dann durch den völlig aus dem Ruder gelaufenen Länderfinanzausgleich auch noch großteils wegnivelliert.
    Und die von der großen Koalition erdachten Grundgesetzänderungen laufen zum großen Teil auf eine völlige Aufgabe des Föderalismus hinaus, wo insbesondere die Länder sich (krankerweise auch noch aus freien Stücken für die Geldgeschenke vom Bund) zu bloßen Verwaltungseinheiten ohne wirkliche eigene Verantwortlichkeiten degradieren.

  • ^Du hast natürlich Recht hinsichtlich der finanziellen Aspekte, keine Frage, die Städte hängen mehr oder weniger am Tropf. Wobei m europäischen Vergleich die deutschen Städte und Gemeinden mit ihrer Rechts- und Finanzausstattung noch ganz gut dastehen.


    Aber hinsichtlich der bauordnungsrechtlichen Aspekte würde ich widersprechen und hinsichtlich der bauplanungsrechtlichen weitgehend; auch insofern geht mehr, als viele Städte sich trauen, die Widerstände im Kopf sind meistens größer als die rechtlichen. Kritisch wirds immer dann, wenn Vorhaben "raumbedeutsam" sind; an diesem Punkt gehts nur zusammen und nicht gegeneinander. Ist doch klar, dass sich die Nachbarstädte regen, wenn z.B. in Bad Vilbel ein großes Möbelhaus mit seinem Beisortiment den Einzelhandel in Oberursel oder Bad Homburg ruiniert, oder das MTZ den Einzelhandel in F-Höchst, jeder Euro Kaufkraft kann nur einmal ausgegeben werden. Auch die Belange von öffentlicher Infrastruktur lassen sich längst nicht mehr in den kommunalen Grenzen allein entscheiden, selbst dann nicht, wenn man die kommunalen Grenzen neu zöge, dazu ist alles viel zu sehr vernetzt.

  • Die Vermutung in Beitrag #522, dass der Baubeginn für das "Gateway Gardens Plaza" genannte Nahversorgungszentrum bevorsteht, wird heute durch eine Pressemitteilung bestätigt.


    Wiele WOHNUNGEN gibt es nun genau in diesem Viertel?
    Die viel angepriesene "Urbanität" wird sich wohl nur auf die üblichen Bürozeiten von 9 to 5 beziehen.
    Davor und danach wird dort genauso viel städtisches Leben einziehen, wie in die selige Bürostadt Niederrad.


    Die Halbwertszeit des Einzelhandels wird wohl nach und nach gegen Null tendieren, wenn Wind die Büsche am Wochenende durch die leergefegte Prärie treibt.

  • Ebend, wer soll denn dort shoppen, wenn keiner da wohnt? Und wohnen wird da keiner.
    Und das Feierabendbier in der Außengastronomie kann ich mir auch nicht so recht vorstellen in der lautesten Einflugschneise in ganz Rhein-Main.

  • Die Anzahl der Wohnungen vor Ort ist sicher ein Kriterium. Ein anderes ist die Zahl der Menschen, die sich zwecks Arbeit, Hotel-Unterkunft, Kongressen etc. zu den entsprechenden Uhrzeiten aufhalten.


    Der tegut unter Halle C von Terminal 1 ist ein gutes Beispiel: Der ist über seine gesamte Öffnungszeit hinweg – Mo-So von 6-22 Uhr – sehr gut (manchmal zu gut) besucht. Einzelhandel in Gateway Gardens fehlen Durchreise-Massen, klar, aber außerhalb der Bürozeiten sorgen sechs Hotels sowie die Arbeitsplätze mit Schichtbetrieb (Condor, LSG etc.) für etwas Publikum selbst auf der Straße. Eine "leergefegte Prärie" ist insbesondere die Thea-Rasche-Straße zu keiner Zeit. (Ich war Sonntags einige Male dort.)

  • Der Lebensmittel-Einzelhandel und die Cafés werden sicher in hohem Maß den Convinience-Markt der dort Beschäftigten bedienen und damit außerhalb der Bürozeiten deutlich weniger Frequenz erfahren. Es gibt aber ein hohes Maß an Belgeschaft, die an den Flughafen gebunden ist und damit ungewöhnliche Arbeitszeiten hat. Dazu mag auch ein bisschen was von den Gästen zumindest der weniger komfortablen unter den Hotels kommen.


    Bei den LH-Händlern bin ich relativ überzeugt, dass die davon existieren können. Bei den vielen Cafés und Restaurants in den Büro-Erdgeschossen bin ich da schon skeptischer. Auch dafür gibt es sicher einen Markt, aber in diesem Umfang?


    Der Textilhändler wird meines Wissens übrigens so eine Art Club-Konzept, sowas wie Best Secret oder Brands4friends in der Offline-Welt. Dadurch hofft man, Clubmitglieder aus einem weiten Umkreis anzuziehen.