Neuer Suhrkamp-Verlagssitz Torstraße

  • Finde den Entwurf ganz schlimm. 60er-Jahre Bürostadt-Mief ausgerechnet mitten in der Spandauer Vorstadt. Die urbane städtebauliche Umgebung wird bewusst ignoriert und aufgebrochen. Im Nachhinein würde ich daher sagen: schade um den Park.

  • Weitere Visus:




    Und die bekannte:



    (C) Bundschuh Architekten


    Dort gibt's die Visus in groß zu sehen. Das Fassadenmaterial wird aus Sichtbeton und eloxiertem Aluminium bestehen.


    Die Ansicht von der Torstraße aus finde ich auch grottig. Der Bau wirkt wie ein Fremdkörper und versucht gar nicht erst sich in die bestehende Stadtlandschaft zu integrieren. Alternativ könnte man ja wenigstens die Traufhöhe der Nachbarbebauung aufnehmen und dann in Richtung Rosa-Luxemburg-Straße eine kleine Höhendominante ausarbeiten.

  • Die Ansicht von Norden ist in der Tat nicht übermäßig attraktiv, die südliche ist deutlich besser. Ganz entfernt erinnern mich einige Aspekte des Baus an den Neubau des Aufbau-Verlags am Moritzplatz. Was mir gefällt, ist die Herstellung eines kleinen begrünten Platzes sowie die Fortführung eines überdachten Bürgersteigs an der Torstaße, wie bei den Arkaden westlich nebenan, aber ohne Säulen.
    (Und ja, Bato: Die wenigen Proteste wurden medial maßlos aufgebauscht. Conflict sells.)

  • ^ Der Sichtbeton-Mittelblock, der dem Gebäude eine entfernt brutalistische Anmutung verleiht (was ich persönlich aber auch nicht schlimm finde), vermittelt ja hier den Eindruck, zwei überhängende, freischwebende Gebäudeflügel tragen zu müssen. Das rechtfertigt für mich die Wahl dieses Materials (er strahlt sozusagen das Vertrauen aus, dass er imstande ist, diese tragende Funktion übernehmen zu können).
    Diese überhängenden Teile wiederum sind ebenfalls gerechtfertigt, nach Norden, wo sie die Fortsetzung der Arkaden gewährleisten, nach Süden, weil der knappe Außenraum dadurch vergrößert wird, ohne dass zuviel Gebäudefläche geopfert werden müsste.
    Interessant finde ich zwei Aspekte:
    1. An der Linienstraße knüpft der Bau schön an den Vorsprung des bestehenden Altbaus an;
    2. da Rosa-Luxemburg-Straße und Torstaße keinen rechten Winkel zueinander bilden, entsteht eine etwas komplizierte Situation: Orientierung an der R.-L.-Straße oder an der Torstraße? Der Bau orientiert sich an beide, der obere Teile vermittelt beide unterschiedlichen Winkel, und dadurch wird die Südflanke dynamisiert.

  • ^^
    Die genannnten Rechtfertigungen mögen passen wenn man das Gebäude isoliert vom umgebenden Stadtraum betrachtet. Nur wird es eben nicht im luftleeren Raum gebaut.
    Mit einer einfach Blockrandbebauung könnte man problemlos allen Sichtachsen gerecht werden, wesentlich einfach die zu beplanende BGF stadtbildverträglich auf dem Grundstück verteilen und eine ansprechende Ecksituation kreieren.
    Die momentane Planung ist m.E. das falscheste was man auf diesem Grundstück machen kann.


    Und bei der Fassade hat RB anscheinend auch nur copy paste gemacht.

  • Und wieder ein Stück Neomoderne in Berlin. Maßgeblich ggü. verwandten Entwürfe aus den 1970ern unterscheidet sich der Entwurf eigentlich nur dadurch, dass die Fassadenbleche nicht schwarz/bräunlich lackiert werden, sondern in einem hellen Farbton (wie auch schon bei diversen anderen Entwürfen der Neomoderne in der letzten Zeit). Vielleicht kommen ja sogar Kugellampen zur Beleuchtung in den Außenbereich.


    Und wie schon bei der "Original"-Moderne der 70er wiederholt man den alten Fehler nicht auf die Umgebung zu achten. Meiner Meinung nach ist das in 30 Jahren wieder ein Abrißkandidat, im Gegensatz zu jetzt schon deutlich älteren Bestandsbauten in der Umgebung.

  • Die genannnten Rechtfertigungen mögen passen wenn man das Gebäude isoliert vom umgebenden Stadtraum betrachtet. Nur wird es eben nicht im luftleeren Raum gebaut.


    Sehe ich auch so. Es spricht ja nichts dagegen, diese Art Architektur gut zu finden, nur begreife ich nicht, warum man so ein Gebäude, das eigentlich ein Solitär ist, in ein urbanes Gefüge hineinsetzen muss. Es steht Suhrkamp doch frei, sein Verlagsgebäude in Adlershof oder in Tegel zu bauen, wo man sich um das Umfeld keine Gedanken machen muss, wenn man sich dafür zu schade ist.

  • @ Bato:
    Meine Argumente (keine „Rechtfertigungen“, ich habe hier nichts zu rechtfertigen) beziehen sich ja gerade explizit auch auf Bezugnahmen des Baus auf die Nachbarschaft und betrachten das Gebäude daher gerade nicht „isoliert“. Und gerade wenn du diese Umgebung berücksichtigst, wirst du feststellen, dass sie alles andere als homogen ist: Altbauten aus der (19.) Jahrhundertwende, die Volksbühne und (zum Teil markante) 20er Jahre Gebäude südlich, recht langweilige 30er Jahre (?) östlich, Plattenbauten, ein großer, hässlicher Nachwende-Bürobau genau nördlich gegenüber, Gebäude der Nuller-Jahre westlich daneben, davon ein sehr markanter vom gleichen Architekten.


    Gerade wenn man also diesen heterogenen „umgebenden Stadtraum“ berücksichtigt, wird man finden, dass dieser Bau gerade kein autistischer Monolith ist, der sich um die Umgebung schert, sondern dass er sehr genau auf den spezifischen Stadtraum antwortet (was übrigens auch nicht sonderlich verwundert, hat der Architekt genau in dieser Umgebung bereits mehrere Projekte realisiert und kennt sie also sehr gut):


    Er antwortet direkt auf seine Nachbarn: dem markanten L40 setzt er eine markante Fassade gegenüber, auf das langweilige Gegenüber antwortet er (leider ebenso) langweilig, ebenso wie auf den östlichen Nachbarn.


    Er antwortet, wie ich schon sagte, auf die spezifische Straßen- und Winkelsituation und findet dafür Lösungen;

    Schließlich antwortet er auf den spezifische Stadtraum: Eine kleine Grünfläche, von denen es hier nicht viele gibt und die daher manche bewahren wollten, die aber den Nachteil hatte, an einer sehr lauten Kreuzung zu liegen, daher wenig genutzt wurde (außer von Trinkern). Das Gebäude bewahrt einen Teil dieser Grünfläche, schirmt sie von der lauten Torstraße ab und schafft damit jenen ruhigen Platz, den es hier bislang nicht gab. Und da Suhrkamp sicher Veranstaltungen und Lesungen abhalten wird, zweifle ich nicht an den Potentialen eines nach Süden ausgerichteten Kaffees im Grünen an dieser Stelle. Und auf diese spezifische Situation würde jene Blockrandbebauung, die Du favorisierst, gerade nicht angemessen antworten.

  • ^du liest aber sehr viele "Antworten" aus einer sehr simplen, fast schon rein technischen, Fassade.


    Die große vergebene Chance ist, dass an dieser vergleichsweise wenig befahrenen Kreuzung, etwas von der Verkehrsachse "Torstraße" zurückversetzt, ein kleines Zentrum für das Viertel hätte entstehen können. Das Potential wäre da, ein ÖPNV Knoten zwischen Tram und U-Bahn, der kleine Platz auf dem Baugrundstück selbst, relativ intakter Blockrand rund um die Kreuzung Linienstraße/RL-Straße. Wenn man vorgesehen hätte, die kleine Freifläche mit Sitzgelegenheiten, vielleicht 1-2 Schachtischen, ein paar Blumenbeeten und einem Brunnen zu bespielen, statt sie einfach mit Gras und Bäumen "aufzufüllen" und dann noch mit der Stadt gesprochen hätte, dass die Grünfläche an der Spitze zwischen RL-Straße und Almstadtstraße entkrautet, ausgelichtet und mit einem kleinen Wasserspiel und 2-3 Sitzbänken ausgestattet wird, dann wäre dies ein nettes kleines Zentrum für das Viertel, wo hochgestochene Literaten und "Alltagsmenschen" auch mal hätten aufeinander treffen können. Das kontemplative Plätschern von Brunnen und Wasserspiel hätte den Lärm der Torstraße in den Hintergrund gedrängt und alles wäre sehr urban und doch fast sowas wie ein kleiner Rückzugsort.


    Unweit von Volksbühne und RL-Platz, diese Kreuzung liegt ja eben gerade nicht irgendwo weit draußen in Adlershof, hätte das wirklich funktionieren können.


    Sowas muss man IMHO als Architekt sehen und den Bauherren auch ein bischen, mit sanfter Beharrlichkeit, zu seinem Glück "zwingen" und dahingehend überzeugen. Das hätte sozusagen ein Markenzeichen dafür werden können, wie sich der Verlag ja eigentlich gerne selbst sieht. Linksintellektuell, aber nicht elitär.


    Dieser Entwurf könnte tatsächlich auch - genau so - in Adlershof oder sonstwo stehen. Und anstatt des Verlags eine Bank oder Versicherung oder oder... beherbergen. Ich kann darin keinerlei genius loci oder "Antworten" entdecken.

  • ^ Du sprichst von einer „vergleichsweise wenig befahrenen Kreuzung“? Nun, es kommt natürlich darauf an, womit Du sie vergleichst. Aber diese Kreuzung ist gewiss nicht „wenig befahren“, und die Torstraße schon gar nicht, die hier durch Ampeln und Straßenbahn-Station besonders laut ist. Aus dieser Ecke wird gewiss nie ein „Rückzugsort“, glaub’ mir.


    Abgesehen davon: Die Vorstellung, ausgerechnet diesen Platz nahe der Volksbühne und den großartigen Poelzig-Bauten, neben dem markanten L40, an einer hochfrequentierten, pulsierenden Kreuzung, „mit Sitzgelegenheiten, vielleicht 1-2 Schachtischen, ein paar Blumenbeeten und einem Brunnen zu bespielen“ (warum nicht noch eine Minigolfanlage?), samt „kontemplative[s] Plätschern von Brunnen und Wasserspiel“ ist so grotesk und hat in ihrer spießbürgerlichen Biederkeit so rein gar nichts mit dem Charakter dieses Ortes zu tun, dass es nicht unkomisch ist, wenn ausgerechnet Du den Architekten vorwirfst, ihr Entwurf könnte auch "in Adlershof" stehen. Nein, kann er aufgrund der vielen Bezüge zur Umgebung nicht. Deine Vorstellungen hingegen könnten, eben weil sie so provinziell sind, in jeder beliebigen Provinz problemlos umgesetzt werden.

  • Die Rückehr der 70er ist jetzt auch nicht so mein Fall, wird uns aber wohl häufig begegnen,wie es aussieht.


    Ansonsten ist das Projekt eine enorme Bereicherung für die Gegend und der komplexe Bau fügt sich durchaus gut ein. Bundschuh hat gleich gegenüber sein Büro und man kann dem Entwurf auch entnehmen wieviel er sich dabei Gedacht hat. Er fällt auf, fügt sich aber durchaus ein. Die
    südöstlich anschließende Bebauung inklusive der Volksbühne bräuchte vor allem eine Sanierung. Die dortige Linienstrasse müsste dringend aufgefrischt und belebt werden und dort sind auch noch Lücken zu schließen. Da steckt viel Potential drin und dieser Anfang lässt sich sehen.

  • ^^wenn du mir "spießbürgerliche Biederkeit" vorwirfst, weil ich Straßenleben und kleinteilige Gestaltung wünsche, dann kann ich damit leben. Denn ich fand noch keine Architektur jemals so miefig, spießig und bieder, weil die "Moderne" der 1970er. Sozusagen die perfekte Umwelt für Momos graue Herren, mit den Büros der Zeitbank.


    Wenn du südliche Länder wie zB die Türkei bereist, dann sitzen dort die Leute gesellig neben vielspurigen Hauptverkehrsstraßen den ganzen Tag auf Bänken und an Tischchen, trinken ihren Tee und spielen Karten oder Schach. "Schichtübergreifend", die junge Frau im Business-Kostüm in der Mittagspause, neben dem alten Greis mit Häkelmützchen. Das ist alles, nur keine "spießbürgerliche Biederkeit".


    Grauer Anzug, graue Aktentasche, grauer Sichtbeton, gestutzter Rasen und bischen "Baum-Deko", das ist spießbürgerliche Biederkeit und das alte Vorwende-Deutschland war das Weltzentrum spießbürgerlicher Biederkeit. Daher sträuben sich mir die Nackenhaare beim neuerlichen Trend zu einer Neomoderne.

  • ^ Genau das. Ich spüre förmlich, wie ich ergraue und mir die Mundwinkel nach unten fallen, wenn ich zu lange auf den Entwurf starre. Es sieht aus wie ein 60er-Jahre-Rechenzentrum, ein Ort für leblose Roboter.

  • Und gerade wenn du diese Umgebung berücksichtigst, wirst du feststellen, dass sie alles andere als homogen ist:


    Die Gegend ist mir wohlbekannt. Architektonisch ist sie hetero-, städtebaulich homogen. Die Bebauung ordnet sich im Wesentlichen dem historischen Raster und dem vorherrschenden Blockrand unter. Selbst bei seinem schwer stadtbildverträglichen L40 hat das RB im Rahmen seiner Möglichkeiten umgesetzt. Auch der Nachwendebürobau orientiert sich am historischen Raster. Er schießt höhentechnisch zwar über den Blockrand hinaus, aber ein Verkehrsknotenpunkt wie dort kann es m.E. gut vertragen wenn es einzelne höhere Gebäude gibt die aus dem Blockrand ragen und die Straßenkreuzung einrahmen.
    Gerade weil dort so viele Straßen verlaufen halte ich es für wichtig den Blockrand voll zu bebauen da die Ecke sonst zu fragmentiert wirkt.
    RB greift dieses Problem leider nicht auf und lässt die Kreuzung Linien- Ecke Rosa-Luxemburg-Straße unnötig offen. Die Torsituation Tor- Ecke Rosa-Luxemburg-Straße wird nur unzureichend gebildet. Von der Rosa-Luxemburg-Straße in Richtung Torstraße geschaut trifft man regelrecht auf eine offene Hinterhofsituation. Ein kleiner Platz ist dort m.E. aber gar nicht notwendig da der Rosa-Luxemburg-Platz und die Freiflächen neben der Volksbühne nur ein Steinwurf entfernt sind. Auch der Schendelpark liegt direkt um die Ecke.


    Er antwortet direkt auf seine Nachbarn: dem markanten L40 setzt er eine markante Fassade gegenüber


    Hier musste ich etwas schmunzeln. Es hat schon Chuzpe seitens des Architekten den Neubau so zu entwerfen, dass er mit einem anderen von ihm selbst entworfenen Nachbarbau in Dialog tritt der jedoch selbst nur schwer verdaulich ist.

  • ^ Ich wünschte mir selbst lange eine Blockrandbebauung an dieser Stelle und kann Deine Sicht nachvollziehen. Warum ich dennoch den jetzigen Entwurf für die bessere Lösung halte, habe ich bereits begründet, aber ich denke, es gibt noch einen tieferen Grund:


    Nach Jahrzehnten einer (von mir zunächst entschieden bejahten) überwiegenden Blockrandbebauung erscheint sie mir zunehmend weniger eine heilende Stadtreparatur und zunehmend mehr als nivellierende Vereinheitlichung und abdichtende Homogenisierung. Zumindest im Zentrum Berlins wird es mir mit der (von Dir offenbar bejahten) „städtebauliche Homogenität“ langsam zu viel. Die wenigen Projekte, die diese Tendenz durchbrechen, sei es städtebaulich, sei es architektonisch, haben daher mittlerweile meine Sympathie, auch dieses hier, wenngleich mir nicht alles daran gefällt. Gerade das, was Du ihm vorwirfst, dass er die Gegend nicht genug integriert, halte ich für eine Stärke, zumal diese Gegend, wie Du ja auch selbst sagst, städtebaulich bereits relativ homogen ist.

  • Ich finde es schon ziemlich mutwillig, den hier entstehenden kleinen, lärmgeschützten Platz in Südlage mit Kaffeeterrasse als Hinterhofsituation zu bezeichnen.
    Letzten Endes zeichnen sich hier wieder die üblichen Konfliktlinien der Berliner Architektur- und Städtebaudebatte ab: Eine Lösung, die nicht der Doktrin der Blockrandbebauung folgt und (horror vacui!) auch noch Sichtbeton als Material zu zeigen wagt wird als neobrutalistisch klassifiziert und damit schön in die Feindbild-Schublade entsorgt, es werden alle möglichen subjektiven persönlichen Negativassoziationen hinsichtlich der Epoche der 60er/70er Jahre (die Zeit in der wir leben ist ja bestimmt sooo viel besser) zum Besten gegeben, und um sich selbst ein wenig Entlastung zu verschaffen wird das betreffende Bauwerk, noch bevor der erste Spatenstich getan ist vorsorglich zum ganz bestimmt zukünftigen Abrisskandidaten erklärt.
    Ziemlich hysterische Reaktion auf ein kleines Eckchen Grün mit drei Bäumen an Stelle der heißersehnten Blockrandwand.

  • ^ Vielleicht liegt es daran, dass unsere Städte vollgestellt sind mit dieser Art Architektur aus der Nachkriegszeit und sie nicht dem entspricht, was Menschen von einer Innenstadt erwarten. Eine Blockrandbebauung lebt auch von ihrer Geschlossenheit und der dichten, urbanen Innenstadt, die für viele Menschen so attraktiv ist, entspricht dieser Gebäudetyp nun eben nicht. Er gehört an den Stadtrand und wird dort auch en masse gebaut (von wegen überall Blockrand). Warum kann man eine Innenstadt nicht mal Innenstadt sein lassen, warum muss die bereits flickenteppichartige Struktur an jeder Ecke weiter aufgebrochen werden, warum kann man sich nicht stattdessen an dem orientieren was eine Innenstadt so dicht, urban und aufregend macht und ihr so etwas von dem zurückgeben, was ihr heutzutage fehlt?

  • Nach Jahrzehnten einer (von mir zunächst entschieden bejahten) überwiegenden Blockrandbebauung erscheint sie mir zunehmend weniger eine heilende Stadtreparatur und zunehmend mehr als nivellierende Vereinheitlichung und abdichtende Homogenisierung.


    Das sehe ich komplett anders. Gerade die Doktrin des Blockrandes hat sich insbesondere für die geschundene Spandauer Vorstadt als Erfolg herausgestellt. Neben vielen restaurierten Altbauten sind Neubauten entstanden die zwar eine eigene Architektursprache sprechen, das Viertel aber als harmonisches Ganzes und wie organisch gewachsen erscheinen lassen. Wozu davon abweichen? Wer einen komplett anderen Stadtraum erfahren möchte kann nur 500m weiter von der hier besprochenen Kreuzung in die Tristesse des sozialistischen Städtebaus eintauchen.


    Man muss sich mal das Geschwurbel des Architekten zu seinen Entwurf durchlesen:

    Das Gebäude ist städtebauliches Pendant des Gebäudes Linienstrasse 40 und teil unserer Arbeit an der Auflösung des rigiden Blockrandkonzeptes der hierarchisch geprägten Stadt Berlin zugunsten eines offeneren, heterarchischen Systems.


    Für mich völlig unverständlich wie man einen einzelnen Architekten erlaubt seine städtebaulichen Vorstellungen von vorgestern an einer so prominenten Ecke verwirklichen zu können.