Neuer Suhrkamp-Verlagssitz Torstraße

  • Beton ist nicht gleich Beton

    ... aber hallo, in Chandigarh "lebt" der Beton durch die rauhen Oberflächen mit den Spuren der Verschalung; hier ist er viel zu glatt und ohne Konturen, das macht nicht zuletzt in Kombination mit dem grauen Berliner Himmel die Sache so trist. Auf der Visualisierung (auf Seite 2 nochmal schön zu sehen), sah das noch ganz anders aus, da dachte man, hier werde ein richtig kraftvoller béton brut à al Corbusier gegossen, aber Pustekuchen ...

  • Bloß wegen zwei höheren Häusern an einer Straße ergibt sich noch kein Tor. Das ist reine Planersprech um mehr Geschosse durchzusetzen.


    Wie sich der monotone Bau mittelfristig macht werden wir ja erleben. Lange Aufhalten mag sich in der Torstraße ja eh' kaum mehr jemand.

  • ^ Ich habe nicht "Plansprech" gesprochen, von "Plansprech" habe ich keine Ahnung. Ich habe meine eigene Ansschauung beschrieben. Vielleicht können wir uns ja auf die von mir vorgeschlagene "Geschmackssache" einigen. Aber ich ahne schon, dass Du Dich darauf nicht einlassen wirst – bzw. nur mit einer Volte, wonach ich im Gegensatz zu Dir halt keinen Geschmack hätte...

  • Na das ist aber schon sehr mit der Goldwaage gewogen ;) - Rotes Rathaus meinte hier ganz offenkundig eine Torsituation und keine große Tür. Die ist hier doch durchaus durch zwei auffällige Gebäude, die als Überleitung zu einem neuen Straßenabschnitt fungieren, gegeben.


    Marco

  • ElleDeBE


    Legt man das in dem nachfolgenden Artikel beschriebene Untersuchungsergebnis zugrunde, scheint der Großteil der Berliner Bevölkerung chronisch betrunken zu sein. Ursächlich hierfür sind allerdings weniger die von Dir aufgezählten Kneipen/Lokale.


    https://www.curem.uzh.ch/dam/j…itektur_tut_nicht_gut.pdf


    Zitat: gelöscht. Grund sollte klar sein.
    Bato


    Konstantins These, der zufolge sich der Großteil der Bevölkerung nicht gern allzu lange an der Kreuzung aufhält, wurde durch das Experiment bestätigt:

  • ^Nur dass das L40 keine lange geschlossene Fassade hat. An der schmalen Seite zur Linienstrasse hin befinden sich zwei Ladengeschäfte. Zur Rosa-Luxemburgstrasse hin, eine äusserst beliebte und immer volle Kneipe.


    Konstantin und du liegen völlig falsch.

  • Ich würde mal behauten, dass es an der Kreuzung momentan mehr und frequentiertere Läden und Kneipen gibt, als im Nikolaiviertel oder in der neuen frankfurter Altstadt. Die kommt trotz historisierender Gestaltung ja scheinbar nicht so aus den Puschen.

  • @ DickesB:


    Konstantin sagte "in der Torstraße", darauf habe ich mich bezogen, danach erst hat er seine Aussage stillschweigend auf die Kreuzung eingeschränkt.


    Was also diese Kreuzung angeht (seit 12 Jahren komme ich wöchentlich, ja fast täglich an dieser Kreuzung vorbei, ich habe ihre Entwicklung sehr genau miterlebt und kann aus eigener Erfahrung sprechen): Man kann zur Architektur des L40 und des neuen Suhrkamp-Gebäudes stehen, wie man will, – ich finde sie bekanntlich sehr gut (mit der Einschränkung, dass mir die Nordfassade des Suhrkamp-Gebäudes weniger gefällt als die übrigen Bauteile) und habe das hier wiederholt zu begründen versucht, – aber es ist vollkommen abwegig, gerade diesen Gebäuden (von denen einer noch gar nicht fertig gestellt ist) einen negativen Einfluss auf die Aufenthaltsqualität der Kreuzung zusprechen zu wollen.


    Diese Kreuzung hat durch das L40 (und danach durch das westliche Nachbargebäude mit dem Rose Garden) enorm gewonnen und wird, das ist jetzt schon absehbar, durch das Suhrkamp-Gebäude weiter gewinnen. Beide Gebäude schaffen sehr schöne Orte an der Linienstraße und intensivieren die Kreuzung, die durch sie in Richtung des superurbanen Rosenthaler Platzes gerückt wird.


    Wenn die Kreuzung an dieser Stelle dennoch nicht an den Rosenthaler Platz heranreicht, dann liegt das also nicht an der südlichen Bebauung, sondern an den beiden sterilen Gebäuden nördlich der Kreuzung, die in den 90er Jahren gebaut worden sein dürften.

  • Die zitierten Studien klingen schon sehr nach geliefert wie bestellt und sind ohne zusätzliche Informationen als Diskussionsgrundlage völlig sinnlos. Allein schon die Tatsache, dass die kleinteiligere Architektur in den Beispielen von Straßengrün begleitet wird, die "monotone" aber nicht und gleichzeitig mehrfach die positive kognitive Auswirkungen desselben erwähnt wird, lässt diesen Schluss durchaus zu. Hinzu kommt die Tatsache, dass an der besagten Kreuzung allein durch die furchtbare Ampelschaltung in Zusammenhang mit der Umstiegsmöglichkeit von M8 zu U2 un den engen Fußwegen eigentlich per se nicht flaniert wird. Dies Alles nun der Architektur zulasten zu legen ist noch billiger als das Alte-Männer-Gequatsche von der toten Torstraße, auf der sich keiner Aufhalten will.


    Edit: Zustimmung an ElleDeBE, problematisch ist hier tatsächlich eher das Schönhauser Tor mit dem Rossmann.

  • Hier mal eine Aufnahme, die die Torsituation verdeutlicht.



    Und hier die geschlossene, anti-urbane Seite des L40. ;-)







    Alle Fotos sind von mir selbst geschossen.

  • Wo ist da denn das "Tor"? Zwei gleichhohe Gebäude einer gleichhohen Straßenbebauung werden durch eine Straße getrennt. Dann ist ja jede Kreuzung in einer geschlossenen Bebauung ein "Tor".


    Das ist doch billige Architektenprosa, die nichts mit der Realität zu tun hat.

  • ^ Von der Schönhauser Allee kommend ist das noch eindeutiger. Vor Ort wirkt es tatsächlich wie ein Tor oder eine torähnliche Situation.
    Ich weiß auch gar nicht, was es da immer zu negieren gibt. Ausser man will unbedingt Recht behalten.

  • Obwohl das bereits etwas länger schon zu sehen war, habe ich erst heute wahrgenommen, dass die beweglichen Fassadenteile zwischen den Riesenfenstern von Innen zu öffnen sind und dann, geöffnet, offenbar als schmale "französische Fenster" zum Lüften (bzw. Rauchen) fungieren können.


    Obwohl das Hochladen bei Abload leider viel Qualität frisst, sollte die Aufnahme (von heute & von mir) zudem erkennen lassen, dass der Bau ausgesprochen gut verarbeitet erscheint. Die Tatsache, dass die Architekten genau gegenüber der Baustelle sitzen und sie von ihrem Büro täglich begutachten konnten, hat in dieser Hinsicht vermutlich nicht geschadet.


  • Es gibt nun auch eine Sicht von Innen (vorgestern im Tagesspiegel, heute die gleiche in der FAZ). Neben der schönen Aussicht kann man links im Bild auch die von mir im vorigen Beitrag erwähnten "französischen Fenster" von Innen erkennen. Mir persönlich erscheinen sie zu eng, sie wirken auf mich etwas beklemmend.


    Gestern war dem Tagesspiegel zufolge auch der erste Arbeitstag im Gebäude. Von Außen ist es aber noch nicht ganz fertiggestellt.

  • ^
    Den von dir angespochenen Artikel von Gerrit Bartels kann ich in der Online-Ausgabe der FAZ leider nicht finden. Allerdings findet sich in der FAZ ein anderer Artikel ("Fasten zum Erfolg" von Sandra Kegel) zum Neubau des Suhrkamp-Verlages
    Link: https://www.faz.net/aktuell/fe…-zum-erfolg-16352893.html


    Der Artikel äußert sich grundsätzlich wohlwollend zu dem Projekt. Aber es finden sich Sätze, die Wasser auf die Mühlen der Kritiker sein dürften. Gleich zu Beginn des Artikels ist die Rede davon, daß das neue Verlagshaus in Berlin Erinnerungen wachrufen würde an das Frankfurter Verlagshaus der Nachkriegszeit. Im Artikel unterstellte architektonische Parallelen zu den 1950er Jahren dürften jedenfalls nicht dazu geeignet sein, die Akzeptanz dieses Neubaus zu erhöhen.


    Hochinteressant auch die Aussage, daß man bei der Errichtung des neuen Domizils auch die Ausgaben im Blick hatte. Wer es böse meint mit dem neuen Verlagshaus, der könnte hieraus folgern, daß ein ärmliches Budget zu ärmlicher Architektur führt.

  • ^ Einen Artikel von Gerrit Bartels habe ich gar nicht erwähnt, ich bezog mich auf den Blick in die Almstadtstraße/Rosa-Luxemburg-Straße vom Gebäudeinnern, der im verlinkten Tagesspiegel-Artikel und in der Online-Ausgabe der FAZ für das Interview Sandra Kegels mit dem Suhrkamp-"Chef" Jonathan Landgrebe gewählt wurde.


    Danke für den von Dir verlinkten Artikel, den hatte ich übersehen. Den Hinweis auf den ursprünglichen Verlagssitz an der Lindenstraße in Frankfurt finde ich sehr interessant, denn in der Tat lassen sich formale Anleihen finden, wodurch weitere Aspekte des Baus, z.B. die schmale Dachterasse, erst eigentlich verständlich oder lesbar werden.


    Hier der Bau aus der Lindenstraße:


    (Das Bild stammt von Karsten Ratzke, die Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.


    Und hier, zum Vergleich, noch einmal mein Bild von #213


    Da ich die Architektur der 50er Jahre im allgemeinen ansprechender finde als die der 60er bis 80er Jahre, würden Anleihen an die 50er Jahre zumindest nicht meine Akzeptanz eines Neubaus verringern. Und dass die triviale Tatsache, dass man auch bei diesem Bau (wie bei 99,99% aller Bauten) "auch die Ausgaben im Blick" haben musste, kann tatsächlich, wie Du selbst sagst, nur dann gegen dieses Gebäude gewendet werden, wenn man es böse mit ihm meint.

  • Ich frage mich, ob diese ähnliche Positionierung der Dachterrasse wirklich beabsichtigt ist. Oder ob es einfach nur Zufall ist. Da wäre jetzt interessant, ob es vom Architekten oder Bauherren dazu eine Aussage gibt. Ansonsten ist sowas doch Kaffeesatzleserei.