Fasanenstraße 62 - 63A

  • Fasanenstraße 62 - 63A

    Für das Grundstück Fasanenstraße 63 steht das nächste Primus-Projekt in den Startlöchern.



    (C) Wiegand/Hoffmann Gesellschaft von Architekten mbH | PRIMUS Immobilien AG


    Allerdings sind die Eckdaten noch unklar. Über Baubeginn etc lässt sich im Netz nichts finden. Zudem müsste noch ein Bestandsgebäude (80er?) weichen.
    Weiß jemand mehr?

  • Fasanenstraße 62 - 63A

    Wie der Tagesspiegel berichtet, soll das Haus von Gottfried Böhm in der Fasanenstraße 62 sowie andere 60er Jahre Bauten einem Neubau weichen, weil diese mit ihren günstigen Mieten dem Investitionsdruck nicht mehr standhalten und Platz für Luxusimmobilien machen müssen.


    http://i.imgur.com/KMskZFFl.jpg
    Foto: Kitty Kleist-Heinrich


    --------------------
    Hinweis der Moderation: Die Einbindung der Bilddatei wurde in einen Link geändert. Es ist nicht ersichtlich ob die Fotogräfin auch anderen Nutzern als dem Tagesspiegel ein Nutzungsrecht einräumt.
    Bato

  • Um den IBA-Bau von Gottfried Böhm finde ich es fast schon ein wenig schade. Macht sich eigentlich ganz gut im Blockrand und die turmhaften runden Erker machen den Bau zu einen kleinen Hingucker. Nur das EG sieht ziemlich billig aus:



    GNU-Lizenz für freie Dokumentation - Urheber: Achim Raschka

  • Um den IBA-Bau von Gottfried Böhm finde ich es fast schon ein wenig schade.


    Finde ich auch. Man sollte vielmehr auf eine qualitativ hochwertige Renovierung setzen.


    Kann man das sinnlose Abreisen funktionierender und in diesem Fall auch ansehnlicher Gebäude nicht verhindern?

  • Denkmalschutzwürdigkeit ist hier trotz etwas Sympathie sicherlich nicht zu unterstellen und ansonsten kann jeder mit seinem Privateigentum machen was er will.


    ^^ das war auf den sechstürmigen Bau bezogen, der weichen soll.


    Hatte mein Beitrag schon vor deinem Posting gelöscht.
    Bato

  • Ich fände einen Abriss auch komplett falsch, ästhetisch, sozial und ökologisch: Ein architektonisch interessantes, technisch modernes, voll funktionsfähiges und komplett bewohntes Haus wird entmietet und zerstört – vermutlich, um durch irgendeinen styroporverdämmten Neubau ersetzt zu werden, der ahnungslosen Kunden mit Hilfe aufgeklebter Stuckimitate als "gehobener Stil" vertickt wird.


    Und ich fürchte, in Quartieren, in denen der Markt allein die Sache regelt, lässt sich kaum etwas gegen solche Prozesse ausrichten. Höchstens mittels Bestands- oder Millieuschutz oder ähnlicher Instrumente wäre da etwas zu bewerkstelligen, doch das wäre in dieser Gegend wohl kaum durchsetzbar. Selbst hier im Forum gibt es schließlich genug Leute, die finden, dass nur eine zügige Gentrifizierung Berlin zu einer attraktiven Stadt machen könne – weil sie "bessere" Menschen an den wichtigen Orten ansiedele und die "Sozialschmarotzer" an den Stadtrand verdränge.


    Ich könnte gut damit leben, wenn man die zurückversetzten Bauten in der Fasanenstraße abrisse, um wieder einen echten Blockrand herzustellen – einen Abriss der Nr. 62 dagegen empfinde ich als herben Verlust... :(

  • Denkmalschutzwürdigkeit ist hier trotz etwas Sympathie sicherlich nicht zu unterstellen und ansonsten kann jeder mit seinem Privateigentum machen was er will.


    Sicher, passiert auch oft genug mit Bauten aus der Jahrhundertwende oder gar Gründerzeit und noch früher. Schade ist es dennoch.

  • Ich finde es um die Nr. 62 auch irgendwie schade. Schaut man sich die Gegend auf google maps aber an, dann wird offenkundig, woran es in diesem Gebiet krank. Denn wir sehen eine Entwicklung, die sich sukzessive nun durch viele Städte fressen wird. Letztlich werden viele Bauten in den nächsten zwanzig Jahren Opfer von verhängnisvollen städtebaulichen Utopievorstellungen.


    Die Vision der Auflösung der Blockrandbebauung und die Auflösung des Stadtraums indem man glaubte, man könne in Zentrallagen eine Vorstadtidylle schaffen, ist kolossal gescheitert. Diese ganzen aus den Blöcken fallenden Bauten werden früher oder später abgerissen werden, allein schon, weil es meist unökonomisch ist, weil man viel zu viel teure Bestlage verschenkt und hier dann ganz nebenbei viel mehr Menschen untergebracht werden können auf der gleichen Fläche!


    Zudem muss man auch festhalten, dass die Bausubstanz der Nachkriegsbauten nun häufig an ihre Grenzen stößt und eine Sanierung nicht mehr lohnt.


    Ferner, und ich weiß dass ich damit durchaus Unmut auf mich ziehen werden, aber ich kann manchmal diese Sozialutopie nicht mehr wirklich verstehen. Natürlich muss einem Staat an einer guten Durchmischung der Milieus gelegen sein. Aber das hier manchmal schon von einigen zum Gesetz erhobene Recht, dass jeder das Recht hat, in Bestlage wohnen zu können, das kann ich manchmal nicht mehr nachvollziehen. Am Kudamm und Seitenstraßen oder in der Wilhelmstraße ist für mich einfach die Grenze erreicht. Man kann den Markt eben nicht völlig außer Kraft setzen und ein breites staatliches Engagement in solchen Toplagen halte ich für falsch, denn nur so ginge es ja. Man kann von keinem Grundstückeigner verlangen, dass er seine Objekte unter Marktwert anbietet. Und dabei sehe ich nicht ein, warum man von Steuergeldern Sozialwohnungen am Kudamm finanzieren soll.


    Ich sehe ein, dass man französische Verhältnisse verhindern muss und eine Lösung finden muss, wie sich Normalverdiener, Studenten etc. Wohnraum in Großstädten leisten können. Allerdings lässt sich daraus kein Recht ableiten, dies am Brandenburger Tor oder am Schloss Charlottenburg zu tun.

  • Absolut richtig Odysseus! :daumen:


    Der Wunsch nach einer sozialen Durchmischung der Stadtbewohner steht in Konkurrenz zum Wunsch, bei besserer Leistungsfähigkeit und größerem Verdienst sich auch eine bessere Wohngegend leisten zu können bzw. zu dürfen.


    Das klassische Berliner Wohnhaus mit seiner Belle Etage für den Besitzbürger, die Hinterhofwohnungen für die Arbeiterfamilien und die Dachkammer für die Domestiquen vereinte diesen Wunsch in besserer Weise als es der Soziale Wohnungsbau des 20. Jahrhunderts konnte.


    Für die heutige Nomenklatura verbietet sich die alte Lösung, es muß ´was Neues sein. Gerechtigkeit mit starker sozialer Komponente.
    Bloß: wie geht das?

  • Eine wirklich gute Möglichkeit, Blockrandbebauung effizienter zu machen, sind imho T-förmige Dreispänner. Die ermöglichen bei geringer Verkehrsfläche Querlüftung und zweiseitige Belichtung für drei Parteien und können daher relativ kompakter werden als mit Seitenflügeln wünschenswert wäre und bieten, trotz zentralem Treppenhaus, sehr große zusammenhängende Erdgeschossflächen für Gewerbe. Wenn man dann, sagen wir mal 18 Wohnungen erschließt, wird auch moderner Komfort wirtschaftlich. Und dabei kann man sogar sehr gut sehr verschiedene Wohnungsgrößen und auch Ansprüche so durchmischen, dass für alle was dabei ist. Da ist nur diese kleine rechtliche Sache...

  • Denkmalschutzwürdigkeit ist hier trotz etwas Sympathie sicherlich nicht zu unterstellen und ansonsten kann jeder mit seinem Privateigentum machen was er will.


    Da machst Du ein interessantes Fass auf, denn ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht. Eigentümer von Mietshäusern haben z.B. das Mietrecht zu achten – dem allerdings in diesem Falle wohl mit der Einhaltung der Kündigungsfristen genüge getan sein wird. Spannend könnte es bei zeitgeschichtlich relevanten Gebäuden wie einem IBA 87-Projekt aber werden, wenn sich der Architekt selbst einmischt und aufgrund des Werkcharakters seiner Arbeit auf Mitsprache besteht.


    Ein prominentes Beispiel für so einen Streit ist das Leineschloss in Hannover: Die Ruine dieses Schlosses war um 1960 herum von dem Architekten Dieter Oesterlen zum Sitz des Niedersächsischen Landtags ausgebaut worden. Ende der Nullerjahre plante der Landtag, den von Oesterlen entworfenen, ziemlich heruntergerockten Plenartrakt des Hauses abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen (DAF-Debatte hier). Daraufhin traten die Erben des verstorbenen Herrn Oesterlen einen Krach los, der über Monate die Niedersächsischen Medien beschäftigte. Am Ende änderte der Landtag seinen Beschluss: Der Plenartrakt wird nicht abgerissen, sondern entkernt und umgebaut. Äußerlich bleibt er erhalten.


    Will sagen: Ottfried Böhm könnte (so er im Alter von 90plus denn noch Interesse an solch irdischen Dingen entwickelt) auf dem Bestand des Gebäudes bestehen, indem er es zu einem von ihm erschaffenen Kunstwerk deklariert. Dass er eine entsprechende Klage gewinnen würde, halte ich für unwahrscheinlich, aber er dürfte damit zumindest eine öffentliche Debatte über das Verhältnis von Architektur und Verwertung anstoßen. Und das wäre angesichts der Übermacht, die der Verwertungs-Aspekt inzwischen einnimmt, doch auch schon was wert.

  • Und ich fürchte, in Quartieren, in denen der Markt allein die Sache regelt, lässt sich kaum etwas gegen solche Prozesse ausrichten.(


    Zur Erinnerung: die gesamte gründerzeitliche Stadt von den Kudammseitenstraße über Bergmannstraße und Chamissoplatz bis zum Kollwitzplatz ist unter diesen Bedingungen entstanden.

  • Mit den bekannten Defiziten und außerdem bei erheblichen Investitionen der damals recht wohlhabenden Stadt, die nicht privat refinanziert wurden.

  • Unsinn. Kreuzberg und Schöneberg waren bitterarm. Der Bezirk Prenzlauer Berg nicht minder obschon schon Teil Berlins.
    Dass die öffentliche Hand in gründerzeitlichen Wohnungsbau investiert hätte wäre mir neu und die prächtigen Rathäuser oder Gerichte entzogen sich damals wie heute den Regeln des Marktes. Ursache war die Bevölkerungsexplosion, vorhandenes Investivkapital und der Bauliberalismus des Kaiserreiches.

  • Die vielbeschworene Schönheit von Gründerzeitvierteln gründet sich auf gelungener Stadtgestaltung und Infrastruktur, deren Kosten auf die Privateigentümer abzuwälzen (abgesehen von den Straßenbaukosten bei den direkten Anliegern) regelmäßig unmöglich war. Darin hat die Stadt seit dem Hobrechtplan investiert und zwar nicht zu knapp.
    Die Segnungen des Intensivkapitalismus begannen hinter der Bauflucht und das ging oft nur die ersten Meter gut.

  • Die Schönheit der Gründerzeitviertel beruht nicht nur auf gelungenem Städtebau (sonst könnten Lückenschliessungen heute ja genauso schön werden), und auch nicht auf der Infrastruktur.


    Der "Intensivkapitalismus" hat diese Häuser hervorgebracht, nicht staatliche Reglementierung. Natürlich schliesst das auch Entgrenzungen wie die 6ten Hinterhof und zweifelhafte hygienische Verhältnisse ein.


    Heute haben wir soziale Marktwirkschft mit umfassenden Eingriffen in das Eigentums und Besitzrecht, die zu Kaisers Zeiten undenkbar gewesen werden. Die Segnungen dieses Sozialstaates, von dem Du wahrheitswidrig behauptest es regele allein der Markt die Lage, können wir hier ja besichtigen.


    Deshalb greift die fundamentale Kapitalismus in dieser Frage wirklich zu kurz.

  • Genau, nicht nur, aber vorallem. Dass es eine ganz andere Baukultur gab, die auch die Qualität der Entwürfe selbst durch Laien und Maurermeister nach unten abfederte, ist nochmal ein anderes Thema. Zweitens verkennst du völlig die Stärke der Eingriffe, die auch im Kaiserreich und sogar davor versucht wurden. Diese sind zwar regelmäßig gescheitert aber die Parallele sozial - mehr Einmischung langt nicht hin. Und daher auch die Behauptung: Die Vorzeichen haben sich sicherlich verändert, die Methodik jedoch nicht. Ergo Kontinuität (und damit sind wir schon im anderen Thema angekommen).


    Außerdem käme ich nie auf die Idee, zu behaupten der Markt regle irgendwas. Wo hast du das nur her?


    Aber obwohl ich glaube, dass wir uns hier großartig und zu beiderseitigem Amüsement streiten können, sprengen wir langsam den Thread.


    Liebe Grüße, Milan

  • Ursache war [...] vorhandenes Investivkapital.


    Das übrigens nicht zuletzt aus den 5 Milliarden Francs stammte, die man Frankreich 1871 an Reparationen abverlangt hatte. Für den Gründerzeit-Boom gilt: Wer vom Markt reden will, sollte vom Krieg nicht schweigen. ;)

  • Mich dünkt, ich habe neulich schon mal irgendwo geschrieben, dass das ein ziemlich virulenter Mythos ist. 5 Milliarden Goldfranc (ca. 4.5 Milliarden Mark) sind, selbst wenn man fälschlicherweise davon ausgeht, das Geld wäre ausschließlich in den Städtebau geflossen, angesichts der wahren Bauwut ein Tropfen auf den heißen Stein. Tatsächlich ging aber nur ein kleiner Teil der Summe direkt in (prestigeträchtige) Bauvorhaben, der Reichstag ist meines Wissens mit 24 Millionen Mark das am stärksten unterstützte Vorhaben gewesen.


    Überhaupt fällt die Zeit des größten Baubooms gar nicht in die Zeit des französischen Geldsegens. Der Gründerkrach hat viel weitaus wichtigeres Privatkapital vernichtet. Die heutigen Gründerzeitviertel entstanden in der großen Masse ab den 1880ern mit einer als Bauwut wohl noch verniedlichten Explosion um den Jahrhundertwechsel rum.

  • Einen Gottfried-Böhm-Bau abzureißen ist eine "Sünde" bei den bedeutenden Leistungen aller Böhms insbesondere im Sakralbau. Das Gebäude müsste unbedingt als IBA-Zeugnis der besten Art erhalten bleiben. Die sozialen Aspekte mal grob beiseite lassend könnte man die Fassade dezent veredeln und teure offene Maisonette-Wohnungen zur Milderung der geringen Deckenhöhen bauen wenn es denn schon sein muss. Aber Abriss.... barbarisch.


    Bei der Vorkriegs-Tanke freuts mich sehr, dass sie so schmuck wird - hätte der keine Überlebenschance gegeben. Apropos Vorkrieg und Autos: was wird aus Kantgaragen? Abriss ausgesetzt?


    @urbanplaner #394: Dein Bild zeigt glaube ich den ganz ähnlichen Turm fast am Adenauer Platz (?) Der zu bestuckende steht weiter nordwestlich an der Bahn.