Dresden: Historische Ansichten, Vergleiche und Projekte.

  • ^Kleine Korrektur zu den Oberleitungsmasten:


    Blid von der Eröffnung der "Brücke der Einheit" 1946 mit extra hergerichtetem "Kleinem Hecht" nebst passendem Schwebeachsbeiwagen. Es handelt sich wohl ursprünglich tatsächlich um Stahlmasten mit einer raketenförmigen Spitze, gleiche Masten wurden z. B. auch für die etwa zeitgleich entstandene Obusstrecke verwendet.


    http://fotothek.slub-dresden.d…0003000/df_ps_0003910.jpg


    Zuletzt standen auf der Brücke historisierende Betonmasten mit Häubchen ähnlich denen auf der Augustusbrücke, nur schlanker. Diese wurden nach meiner Erinnerung erst in den 1980ern aufgestellt. Soviel Einfühlungsvermögen würde man sich heute wünschen...


    Anbei zwei Bilder, die vor Beginn des Umbaus entstanden. Sie zeigen die genannte Mastvariante und die doppelläufigen Leuchten, deren DDR-Töpfe in den 1990ern durch ein westliches Fabrikat ersetzt wurden.





    Nachtrag:


    Das Bild ohne Masten sollte aus der Zeit vor der Elektrifizierung 1896 stammen, als die Brücke noch bepferdet überquert wurde.



    Hier wiederum gibt es nur verzierte OL-Masten ohne Beleuchtung nebst Normallaternen. Leider ist das Bild nicht datiert:


    http://fotothek.slub-dresden.d…_hauptkatalog_0047833.jpg



    In den dreißiger Jahren gab es dann offenbar schon die Stahlmasten, wie sie beim Wiederaufbau Verwendung fanden! Außerdem sind die Gaslaternen verschwunden, und es gibt (wohl elektrische) Hängebeleuchtung:


    http://fotothek.slub-dresden.d…_hauptkatalog_0506278.jpg



    Stahlmasten mit DDR-Töpfen, auch an den OL-Masten! An den Betonmasten gab es die nie. Zustand vermutlich bis in die 80er Jahre. Das Bild ist auf 1974 datiert.


    http://fotothek.slub-dresden.d…_hauptkatalog_0182478.jpg



    Mit Betonmasten, aber noch den DDR-Töpfen (1991):


    http://fotothek.slub-dresden.d…_hauptkatalog_0267887.jpg



    Meine Herren, die müssen ja ständig an der Brücke rumgebastelt haben!


    -Edit Ende-


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    Die Hochlage des Königsufers scheint uns heute etwas merkwürdig, da die Baulichkeiten der dreißiger Jahre noch fehlen - es war halt einfach eine steil ansteigende Wiese.


    Hier ein Fotothek-Bild mit dem gerade fertiggestellten Pavillon, dahinter die ehemalige Königliche Intendantur, die heute nur noch teilerhalten ist. Ohne Bewuchs lässt sich das ursprüngliche Geländeprovil noch gut erkennen.


    http://fotothek.slub-dresden.d…_hauptkatalog_0310859.jpg

  • Hoffentlich! Dringend nötig hätte er's. Auch die Rundtreppe daneben ist sehr abenteuerlich, da muss man aufpassen, nicht mit den Stufen abzugehen...


    Ich hoffe und glaube, die Stützmauern nebst Klimbims werden mit der Brückenunterseite saniert - schließlich kommt ja auch die Überfahrt am Staudengarten wieder hin.

  • Carolabrücke

    Da Elli an dieser Stelle die Albertbrücke ins Spiel gebracht hat ist die Idee sicher naheliegend, sich ein Stückchen elbabwärts zu begeben und die Carolabrücke näher zu beäugen.


    Damit meine ich ausdrücklich nicht die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Brücke, sondern den in den Jahren 1892 bis 1895 errichteten Vorgängerbau aus der Zeichenstube der Herren Manck und Klette.


    Dieses filigrane Bauwerk war anders als die anderen innerstädtischen Brücken keine reine Sandsteinkonstruktion, sondern besaß neben den beiden steinernen Vorlandbrücken drei breite eiserne Bögen, die die Flussdurchfahrt überspannten. Die 9,6 Meter breite Fahrbahn trug von Beginn an ein Straßenbahn-Doppelgleis, vorsorglich war eine unterirdische Straßenbahn-Stromzufuhr eingebaut worden, die jedoch nie in Betrieb genommen wurde. Zunächst befuhren Pferdebahnen die Brücke, ab 1898 wurde elektrisch gefahren, allerdings zunächst nur mit Akkumulatoren – man wollte das stolze Bauwerk nicht durch eine disgraziöse Fahrleitungsinstallation ruinieren! Diese wurde schließlich erst nach der Jahrhundertwende gezogen.


    Insgesamt war das Bauwerk sehr pompös ausgestattet und mit allerlei architektonisch-künstlerischem Beiwerk versehen. Nicht alles davon sollte bis zur Zerstörung 1945 erhalten bleiben.


    Die Brücke überlebte die Angriffe vom Februar 1945, wurde allerdings noch am Abend des 7. Mai 1945 von SS-Einheiten gesprengt. Nur die Flusspfeiler und die Altstädter Vorlandbrücke zeugten noch bis Mitte der 1960er Jahre von der einstigen Pracht. Dann sollte die Brücke in völlig geänderter Form neu entstehen…



    Ausgangspunkt der Brücke auf Altstädter Seite war der Amalienplatz, in der Weimarer Zeit Rathenauplatz. Die Postkarte zeigt die Einmündung der heute überbauten Marschallstraße (nach dem Krieg Rathenaustraße, anm deren Ende wir den Sachsenplatz erahnen können.
    Daneben die großzügige Brückenrampe, rechts davon der Elbberg, links der Hasenberg. Über die beiden Straßen führen bereits elektrifizierte Verbindungsgleise vom bzw. zum Terrassenufer, die anfänglich von der späteren Linie 16 auf ihrem Weg zur Grenadierkaserne genutzt wurden und später bis in die 1930er Jahre als Betriebsgleise dienten. Auf der Brücke fehlt die Oberleitung noch, und die Podeste der beiden Elballegorien sind noch ungenutzt.




    Heute noch vorhanden sind die beiden Elballegorien von Friedrich Offermann aus dem Jahre 1907. Hier die Bewegte Elbe, dahinter die Sempersche Synagoge am Hasenberg.




    Und das Gegenstück, die Ruhige Elbe, dahinter der Elbberg mit dem Güntzbad.




    Blick auf den Elbberg. (Deutsche Fotothek)




    Blick auf die Brücke unmittelbar nach der Eröffnung. Zunächst verkehrte hier provisorisch die Pferdebahn, hier ein Wägelchen der „C-Linie“ Marienstraße – Neustädter Bahnhöfe. Die pompösen Pavillons und Leuchter verschwanden wenig später. Stammen diese gar noch von den Einweihungsfeierlichkeiten? (deutsche Fotothek)




    Detail der Altstädter Vorlandbrücke. Die architektonische Qualität des Bauwerkes war bemerkenswert.




    Terrassenufer mit Venezianischem Haus und der Ecke zum Elbberg. Der Straßenbahnzug, der gleich unter der Brücke verschwindet, hat es in sich: Hinter dem sechsbogenfenstrigen „roten“ Triebwagen der Deutschen Straßenbahngesellschaft hängt nämlich einer der in Beiwagen umgebauten Gasmotorwagen der Linie Albertplatz - Wilder Mann / St.-Pauli-Friedhof!




    Altstädter Silhouette mit Carolabrücke. Die Brücke befindet sich bereits in purifiziertem Zustand. (Deutsche Fotothek).




    Altstädter Vorlandbrücke von Westen, im Hintergrund das Venezianische Haus.




    Wir verlassen die Altstädter Elbseite und blicken noch einmal auf die Brücke. Sie besitzt mittlerweile eine Oberleitung, und aus der „C-Linie“ wurde die 10. Diese wiederum existierte bis 1909 und wurde dann durch die Innenringlinie 4 ersetzt (siehe Beitrag in den „Straßenbahnstrecken“ ).




    Totale der Brücke, deren ausgesprochene Eleganz der Nachfolgebau nicht annähernd erreicht.




    Carolabrücke in den 1920er Jahren, mit einem Zug der Linie 12 St.-Pauili-Friedhof – Niedersedlitz. (Deutsche Fotothek)





    Auch auf der Neustädter Vorlandbrücke fanden sich Bildwerke. Hier das Denkmal für die namensgebende Königin Carola auf der flussaufwärtigen Seite. (Deutsche Fotothek)




    Gegenüber flussabwärts der „Flussgott der Elbe“.




    Neustädter Vorlandbrücke am Carolaplatz mit den beiden Figurengruppen.




    Die aufwändige Treppenanlage am Neustädter Elbufer am Carolaplatz. (Deutsche Fotothek)




    Zu guter Letzt noch einmal ein Fernblick.




    Es ist wirklich äußerst schade um diese elegante, filigrane Konstruktion. Wäre sie nicht gesprengt worden, wer weiß, ob es je zum Bau der stadtschneidenden Verkehrsschneise in ihrer heutigen Form gekommen wäre. Seufz…

  • Wenn man die Bilder so sieht, wage ich zu behaupten, dass kein Bauherr mehr solch eine Brücke heutzutage erstellen kann.


    Und da geht es mir vorallem um die detailvolle Gestaltung am Sandstein.
    Auch die Planung einer solchen Brücke mit der Rampe und allem, Figuren, Kunst am Bau, etc.


    Aus Beton kann das jeder gießen, haben wir ja alles bei der neuen Albertbrücke gesehen. Aber das Handwerk mit Sandstein scheint verlernt zu sein.


    Heutzutage gibt es nurnoch nützliche gerade Stahlbetonbrücken...

  • Dresdner Brücken

    ^Wohl war...


    Zur Abrundung und allgemeinen Erbauung zu nächtlicher Stunde noch eine nette Grafik aus meinem Fundus, genauer aus


    Der Rat zu Dresden: Führer durch das Arbeitsgebiet des Tiefbauamtes. In:
    Deutsche Städteausstellung 1903. Führer durch das Verwaltungsgebiet der Stadt Dresden. C. C. Meinhold und Söhne, Dresden.


    Vergleich der innerstädtischen Elbbrücken - besonders interessant ist sicherlich die Entwurfsplanung für die neue Augustusbrücke im Frühstadium. Die Grafik stammt von 1902.



    In Groß.

  • Die Neustädter Bahnhöfe

    I. Der Leipziger Bahnhof


    Wollte man um 1890 von der Neustädter Seite aus nach Leipzig reisen, so begab man sich zum Leipziger Bahnhof, der ersten derartigen Verkehrsanstalt auf Dresdner Boden.



    Lage des Leipziger und des Schlesischen Bahnhofs an der Nahtstelle zwischen Neustadt, Antonstadt und Leipziger Vorstadt, im Stadtplan von 1896. Der Bau der Hochgleisanlagen und des Neustädter Bahnhofes sollte die Umgebung wenige Jahre später grundlegend wandeln.


    Der erste Bahnhof wurde 1838 anlässlich der Einweihung der Teilstrecke der LDE nach Weintraube in Betrieb genommen und war eine typische Anlage aus der Frühzeit des Eisenbahnwesens. Hier die Stadtseite mit Halle und seitlichen Flügelbauten. (Deutsche Fotothek)




    Die Feldseite mit Hallenausfahrt. (Deutsche Fotothek)




    Nach dem Bau der Marienbrücke wurde eine Verbindungsbahn vom Schlesischen und Leipziger Bahnhof zum Böhmischen Bahnhof südlich der Altstadt errichtet. Dieser Eisenbahnbogen sollte entscheidend für die städtebauliche Entwicklung der Stadt im 19. Jahrhundert werden und ist in Form des westlichen 26er Ringes noch heute im Stadtplan unübersehbar. Die noch gar nicht so alte Halle musste für die Gleisverbindung weichen, es blieben zunächst die ursprünglichen seitlichen Flügelbauten. Bemerkenswert die ebenerdige Kreuzung der Leipziger Straße!




    1857 wichen auch die beiden originalen Flügelbauten einem neuen, seitlichen Empfangsgebäude, das heute noch in sehr ruinösem Zustand teilweise vorhanden ist. Auf dem Bild sind im Vordergrund deutlich die „gelben“ Pferdebahngleise erkennbar. Beide Gesellschaften bedienten den Bahnhof.




    1876 wurde die Leipzig-Dresdner Eisenbahn Compagnie verstaatlicht, in der Folgezeit wanderten viele Funktionen zum Böhmischen Bahnhof ab. 1901 wurde er für den Personenverkehr geschlossen, seine Aufgaben übernahm der nagelneue Neustädter Bahnhof auf dem Gelände des benachbarten Schlesischen Bahnhofs. Der alte Leipziger Bahnhof diente fortan als Güterbahnhof. Hier die einstige Eingangsseite, nun mit Laderampen.




    Neu errichtete Güterhalle.




    Seit der Schließung des Neustädter Güterbahnhofs vor einigen Jahren dümpelt das äußerst wertvolle Ensemble bekanntermaßen einer bislang ungeklärten Zukunft entgegen…




    II. Der Schlesische Bahnhof


    Unmittelbar daneben wurde 1844 bis 1847 der Schlesische Bahnhof errichtet, der bereits von Beginn an als Durchgangsbahnhof mit getrenntem Abfahrts- und Ankunftsbauwerk konzipiert und 1852 ebenfalls an die neue Marienbrücke angebunden wurde.




    Die Anlage verblieb fast unverändert bis zum Abbruch 1898. Die Fotothek-Bilder zeigen den Zustand kurz vor dem Ende. Gut nachvollziehbar, dass die rudimentären Anlagen aus der Frühzeit der Eisenbahn dem Verkehrsaufkommen kaum noch gewachsen waren und dringend nach einer „großen Lösung“ verlangten. Vom Schlesischen Bahnhof selbst zeugt heute nur noch der Name des Vorplatzes.






    Bis zur Fertigstellung des neuen Bahnhofes wurde auf dem Vorplatz ein Interimsbahnhof errichtet, den wir hier im Vordergrund sehen. Dahinter der bereits fertige neue Bahnhof. (wikipedia)




    Der neue Bahnhof hat wie durch ein Wunder die Bombenangriffe fast unbeschadet überstanden und präsentiert sich noch heute äußerlich fast in seinem Ursprungszustand.







    Die Empfangshalle, Ursprungszustand und heute. [/img]






    Zum Schluss noch ein Blick in die Bahnsteighalle.



  • Es war ein wahres Idyll, das Schlößchen Antons an der Elbe am, wie der Name unmissverständlich verriet, Elbufer gelegen, schräg gegenüber der Prießnitzmündung und des Linckeschen Gartens. 1754 entstand das spätbarocke Kleinod als Wohnsitz des Steuerrates Christian Gottlob Anton auf dem Gelände einer defizitären Kalkbrennerei. Da ihm das ganze Projekt doch etwas über den Kopf wuchs, richtete er von Beginn an einen kleinen Gastronomiebetrieb nebst Gästezimmern ein. Die gastronomische Nutzung des Anwesens sollte sich bis zu dessen Untergang 1945 fortsetzen.


    Nach diversen Betreiberwechseln, zahlreichen Hochwässern und einem klassizistischen Umbau 1828, dem das Antons seinen markanten Uhrturm verdankte, ging es 1898 in den Besitz der Stadt Dresden über, die es für die geplante Hochuferstraße und aus Hochwasserschutzgründen plattmachen wollte. Letztlich jedoch blieb es bestehen, die Straße wurde weit landeinwärts angelegt (das heutige Käthe-Kollwitz-Ufer), das Schlösschen wurde durch Dammanlagen vor Hochwässern geschützt (die wahrscheinlich 2002 und 2013 herzlich wenig hätten ausrichten können) und ein erfolgreicher Gastronomiebetrieb eingerichtet, zu dem sich in den zwanziger Jahren noch ein Elbbad gesellte, das allerdings nur eine kurze Halbwertszeit haben sollte.


    Das Schlösschen Antons überlebte schließlich bis zum 13. Februar 1945. Nach dem Krieg wurden die Ruinen abgeräumt, auf dem Gelände entstand die Kleingartensparte „Elbfrieden II“. Dieser wiederum machte der Hochwasserschutz nach dem Desaster von 2002 den Garaus. Von Antons an der Elbe zeugen heute nur noch die Reste der Uferbefestigung und die Bäume des einstigen Gartens, die den Luftangriffen erfolgreich trotzen konnten.


    Näheres zur Geschichte von Antons findet man im Johannstadt-Archiv oder bei Tante Wiki.



    Lage von Antons an der Elbe auf einer aktuellen Luftansicht aus dem Themenstadtplan.




    Blick auf die Stadt Dresden von der Bautzner Straße in Höhe Waldschlößchen 1830. Links allein auf weiter Flur das Antons noch ohne Turm. (Deutsche Fotothek). Dieser Blick wird heute durch ein gewisses Brückenbauwerk massiv entstellt.




    Annäherung an das Grundstück vom Käthe-Kollwitz-Ufer aus.




    Die Gorbitz (oder ist es die Prohlis?) passiert den Standort des Schlösschens Antons.




    Antons an der Elbe, Blick in Richtung Innenstadt um 1900.




    Vergleichsansicht. Das Schlösschen hätte sich links des Weges befunden. Rechts zeugt das Gebüsch vom einstigen Biergarten, darunter die mit Trümmerschutt angefüllten Reste der dem Hochwasserschutz dienenden Uferbefestigung des Anwesens.




    Nichts zeugt mehr vom geschäftigen Treiben der Sommerfrischler, die sich unter dem üppigen Baumbestand ihr Bierchen, Schälchen Heeßn oder ein Stück Eierschecke zu Gemüte führten. Das Antons war ein sehr volkstümliches Etablissement.




    Die einstigen Wiesen des Anwesens wurden nach dem Krieg der Kleingartensparte „Elbfrieden II“ zur Verfügung gestellt. Diese hielt sich bis 2002.





    Uferbefestigung.





    Standort des Antons in flussaufwärtiger Richtung geschaut.




    Zwei Vergleichsbilder aus der Deutschen Fotothek.





    Fassadenaufriss des Hauptbaus (Deutsche Fotothek).




    Antons von der Johannstädter Fähre aus gesehen.




    Standort des Antons vom Antonstädter Elbufer aus.




    Ähnliche Perspektive bereits mit Elbbad, Foto aus der Fotothek. Beachtenswert: Die alten Bäume im Garten sind heute noch sehr gut zu erkennen!




    Weiteres Vergleichsbild auf alter Postkarte, um 1900. Noch ist an den Badebetrieb nicht zu denken.




    Die Ruine überlebte noch einige Zeit nach der Zerstörung, wurde jedoch später abgetragen und das Gelände als Kleingartensparte genutzt. Die traurigen Bilder entstammen ebenfalls der Deutschen Fotothek.





    Die „Kurort Rathen (III)“, Baujahr 1896 und bis 1956 als "Bastei" bezeichnet, passiert Antons auf voller Fahrt flussabwärts und hat bereits den Schornstein zur Durchfahrt der Innenstadtbrücken umgelegt. Die Waldschlößchenbrücke konnte sie noch erigiert unterqueren. Das Schiff wurde ursprünglich als Glattdeckdampfer gebaut und erhielt sein Oberdeck erst 1927/28. Die grün-weiße Lackierung der meisten Elbdampfer entspricht übrigens dem Anstrich der Glattdeckdampfer, die historische „Oberdecklackierung“ trägt (fälschlicherweise) nur die Stadt Wehlen.



    Mit der Johannstädter Elbfähre, einer von nur noch drei der ursprünglich zahllosen Fährstellen im Stadtgebiet, werden wir nach dem Besuch in der Johannstadt wieder in heimatliche Gefilde übersetzen.


  • Die Sprache im Plan zur Verschwenkung der Brücke ist deftig:


    "Eine Verbindung von so grossartigen Motiven wie die des Hauptbahnhofes und der neuen Brücke sowie des Albertplatzes muss durch eine vornehme Alleestrasse vermittelt werden, welche ohne Rücksicht auf etwaiges im Wege stehendes altes Geröll durchzuführen ist [...]"


    Diese Stelle fand ich auch bemerkenswert... wobei überhaupt interessant ist, dass sich manche Diskussionen bis heute kaum geändert haben...


    Die Schinkelwache hätte auch weggemusst.

    Am Standort der Wache haben sich viele Planungen im Zusammenhang mit dem Schlossplatz gestört...
    Wenn ich mich recht erinnere, wollte auch Semper sie für das Zwingerforum versetzen.


    Der neue Bahnhof hat wie durch ein Wunder die Bombenangriffe fast unbeschadet überstanden und präsentiert sich noch heute äußerlich fast in seinem Ursprungszustand.




    Die Vordächer über den Eingängen hatte ich bisher für einen Anbau der 60er oder 70er Jahre gehalten...
    Die unschöne Beschriftung "BAHNHOF DRESDEN-NEUSTADT" könnte aber gerne wieder verschwinden.



    Die Empfangshalle, Ursprungszustand und heute.




    Erst werden die Bahnhöfe mit großem Aufwand wiederhergestellt, nur um dann mit allerlei Shoppinggerümpel wieder zugemüllt zu werden... ärgerlich.
    Ein besonders drastisches Beispiel für diese merkwürdige Interpretation von Denkmalschutz findet sich leider auch im Hallenser Bahnhof.


    Es war ein wahres Idyll, das Schlößchen Antons an der Elbe [...]


    Fassadenaufriss des Hauptbaus (Deutsche Fotothek).



    Wie es der Zufall (:cool:) wollte, hab ich vor kurzem einen Beitrag dazu in den Sächsischen Heimatheften aus den 20er Jahren gelesen, der u.a. auch eine Zeichnung enthielt:



    größer

  • Das Lincke'sche Bad

    ^Nette Grafik von Antons. Das schreit ja förmlich nach modellbauerischer Aktivität...

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    „So war er bis an den Eingang des Linke'schen Bades gekommen; eine Reihe festlich gekleideter Menschen nach der andern zog herein. [...] hinter demselben streckte das herrliche Dresden kühn und stolz seine lichten Türme empor in den duftigen Himmelsgrund, der sich hinabsenkte auf die blumigen Wiesen und frisch grünenden Wälder, und aus tiefer Dämmerung gaben die zackichten Gebirge Kunde vom fernen Böhmerlande.“

    E.T.A. Hoffmann


    Einmal den Strom gekreuzt, und schon treffen wir an dessen lieblichen Gestaden zur rechten auf das nächste Vergnügungsetablissement, von der hiesigen und auswärtigen Bohème des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ausgiebig zu mancherlei Erbauung frequentiert und in diversen literarischen Zeugnissen gewürdigt: das Lincke‘sche Bad.





    Plan des Lincke’schen Bades um 1805 (Deutsche Fotothek). Der Plan ist gesüdet und muss imaginär um 180° gedreht werden: Im Plan oben die noch als solche vorhandene untere Prießnitzbrücke an der Holzhofgasse, der alten Bautzner Straße; unten die obere Brücke an der neuen Straße. Letztere ist heute kaum noch als solche erkennbar, da die Prießnitz direkt unterhalb in einen Tunnel tritt und dabei unter anderem die Diakonissenkirche unterquert. Der heutige Diakonissenweg ist nur ein schmaler Fußweg. Der Haupteingang des Bades befand sich an der Bautzner Straße.



    Das Linckesche Bad hat seinen Ursprung in einem kleinen, 1734 errichteten Lusthäuschen an der Elbe, das noch heute stark verändert in der einstigen „Drachenschänke“ überlebt hat. Später ließ ein gewisser Herr Lehmann ein Mineralbad errichten, das bis 1860 Bestand haben sollte.


    Seine Glanzzeit erlebte das Lincke’sche Bad aber erst mit der Übernahme durch Carl Christian Lincke im Jahre 1766, der es zu einem Vergnügungsareal mit Sommertheater ausbauen ließ. Im 19. Jahrhundert folgte dem Theater ein kurzlebiger Konzertsaal, später ein „Grand Théâtre des Variétés“. Um 1900 bestand das Ensemble aus einem Weinrestaurant, einem großen Konzertgarten, einem Saal sowie einem Restaurationsgarten mit Veranden und erfreute sich bis in die 1920er Jahre großer Beliebtheit.


    1945 wurde das Areal nahezu völlig zerstört. Nur die Stützmauer am Elbufer und die bis vor wenigen Jahren gastronomisch genutzte Drachenschänke zeugen noch heute vom einstigen Lincke’schen Bad.




    Lincke’sches Bad vom Johannstädter Elbufer, um 1800 (Fotothek). Rechts das kleine Lusthäuschen von 1734, dem Ursprung der Anlage.




    Lincke’sches Bad heute, vom Johannstädter Fähranleger gesehen. Links die ehemalige Drachenschänke, mit dem einstigen, stark überformten Lusthaus.




    Drachenschänke um 1910 auf einer historischen Postkarte. Prägnant das einstige Lusthaus.




    Dessen heutiger Zustand. Seit einigen Jahren wird die Drachenschänke zu Wohnzwecken genutzt. Schade drum!





    Torbogen zum einstigen Biergarten. Dieser dürfte aus der Zeit des Elbuferumbaus in den dreißiger Jahren stammen.




    Nur der Sonnenuhrzeiger erinnert an die einstige Nutzung.




    Gastanbau aus den zwanziger oder dreißiger Jahren ?).




    Vor der Drachenschänke: MABEG-Stele der DVB mal nicht als Haltestellenschild, sondern als Hinweis auf den Neustädter Fähranleger.




    Neben der Drachenschänke zeugt noch die Stützmauer entlang der Elbe vom Lincke’schen Bad.




    Blick zur unteren Prießnitzbrücke und der Prießnitzmündung.




    Blick hinüber zu Antons, um 1800. Links das noch einzeln stehende Lusthäuschen. (Deutsche Fotothek)




    Im Lincke’schen Bad, um 1825 (Deutsche Fotothek). Blick zu den Loschwitzer Elbhängen. Rechts wieder das Lusthaus, heute Teil der Drachenschänke.




    Lincke’sches Bad von Westen, um 1800. Rechts über der Elbe Antons, links pappelbestanden die neue Bautzner Straße. Das landwirtschaftlich genutzte Gelände vorn gehört heute zur Diakonie. (Deutsche Fotothek)




    Ansicht des von 1776 bis 1858 bestehenden Sommertheaters im Lincke’schen Bad.




    Heute verläuft zwischen Diakonissenkrankenhaus und dem einstigen Badgelände die Holzhofgasse.




    An dieser ein sehr verwahrloster weiterer Rest der Altbebauung. Welches Schicksal hier wohl blüht…?




    Einblicke in das Lincke’sche Bad, was nun schon längst kein Bad mehr war, um die Jahrhundertwende.





    Grünanlage und Pergola an der Holzhofgasse, entstanden im Zusammenhang mit der Elbufergestaltung in den 1930ern.





    Zeitgenössische Laterne an der Holzhofgasse, die gleichzeitig noch als Schildermast dient.




    Pergola an der Ecke Bautzner Straße/Holzhofgasse, am einstigen Lincke’schen Bad.




    Etwa hier befand sich der historische Haupteingang des Etablissements. Wir springen zurück ins 19. Jahrhundert.




    Heute beherrscht die Szenerie die sehr hübsche Rundtankstelle von 1927, die völlig zu Recht Denkmalschutzstatus genießt.




    Wir verabschieden uns mit dieser Postkarte aus den Glanzzeiten des Bads. Links oben der Haupteingang an der Bautzner Straße, unten links die Drachenschänke am Elbufer.




    Ahoj!

  • [I]^Nette Grafik von Antons. Das schreit ja förmlich nach modellbauerischer Aktivität...

    Am besten im Maßstab 1:1 am Originalschauplatz. :cool:



    "Entwurf zu dem Mittelbild der Kuppel im Neuen Rathaus zu Dresden" von Otto Gussmann:



    größer - veröffentlicht 1910.


    ...und heute:



    direkter Vergleich


    Neben den Abweichungen vom Entwurf, die vermutlich bereits bei der ursprünglichen Ausmalung erfolgten,
    wäre noch der Vergleich mit dem Vorkriegszustand interessant (auch bezüglich der weiteren Malerei),
    leider hab ich dazu kein Bild gefunden...

  • In einer zeitgenössischen Kunstzeitschrift („Die Kunst für alle“) erschien im Sommer 1915 ein 4-seitiger Artikel über die Ausmalung des Neuen Rathauses durch Otto Gussmann. Er enthält diverse Abbildungen der Malereien – die Ansichten von 1915 dürften ja sicher dem Vorkriegszustand entsprechen.
    Auch der Text ist recht interessant, vor allem die Erläuterungen zu den dargestellten Motiven):


    Als Motiv ist dem Figürlichen zugrunde gelegt: Dresden als Kulturstadt. In der Mitte als Hauptbild (Seite 358) eine weibliche Figur, die den Gipfel eines Berges erreicht hat, den Höhepunkt einer Kulturperiode versinnbildlichend. In den acht Feldern werden mit je einer Figur die Hauptkulturabschnitte dargestellt: Anfang der Kultur (Entdeckung des Feuers), …(u.s.w.)


    Das Umblättern (nach Aufrufen des Links) funktioniert bei mir nur über die waagerechte Scroll-Leiste (liegt aber vermutlich an meinem Browser). Hier also der Link:
    http://digi.ub.uni-heidelberg.…be4885d033183079259ca5123

  • In einer zeitgenössischen Kunstzeitschrift („Die Kunst für alle“) erschien im Sommer 1915 ein 4-seitiger Artikel über die Ausmalung des Neuen Rathauses durch Otto Gussmann. Er enthält diverse Abbildungen der Malereien – die Ansichten von 1915 dürften ja sicher dem Vorkriegszustand entsprechen.

    Perfekt! :daumen: und dort finden sich auch noch andere interessante Artikel in vergleichsweise guter Bildqualität... :)


    Auf dieser Grundlage können wir nochmal etwas genauer hinsehen:




    an der Treppe fehlen leider (noch?) einige Figuren...



    Auch der Text ist recht interessant, vor allem die Erläuterungen zu den dargestellten Motiven)
    "Dresden als Kulturstadt. In der Mitte als Hauptbild eine weibliche Figur, die den Gipfel eines Berges erreicht hat, den Höhepunkt einer Kulturperiode versinnbildlichend. "

    Obwohl Städte gerne als Frauen dargestellt wurden, wäre ich auf diese Interpretation nicht gekommen. :D




    Im Vergleich fällt auf, dass die "gelb-weiß-roten Gurte", die die Kuppel strahlenförmig in acht Felder unterteilen, im alten Schwarz-Weiß-Bild jeweils 2 dunklere Streifen aufweisen, wodurch das Ganze nach meinem Eindruck etwas feiner und gewissermaßen strahlender wirkt.
    Auch im äußeren Fries um das runde Zentralbild wirkt der Untergrund deutlich dunkler, wobei ich nicht weiß, ob hier wirklich ursprünglich vielleicht ein relativ dunkles Rot eingesetzt wurde oder ob die alten Bilder in irgendeiner Weise nachbearbeitet wurden (allerdings ist nicht das ganze Bild betroffen, sondern nur diese beiden Bereiche)...?
    Hier noch die Umwandlung in Schwarz-Weiß:



    Und noch zum eigentlichen Ausgangspunkt: Einige Stellen sahen irgendwie bissel grob bzw. fleckig aus und ich war mir unsicher, ob das nun dem Stil oder dem Zustand der erhaltenen Malerei zuzuschreiben ist, bspw. bei dieser Figur:



    Dank des Links von BautzenFan eine Figur im direkten Vergleich:



    größer, in SW und nachbearbeitet.


    ...und zum Schluss geht's die Treppe nadierhlich ouh widdour nunndor!



  • Der Entwurf zum Bankgebäude von Hans Poelzig war mir schon mal irgendwo im Netz begegnet, aber ohne genaue Standortangabe... datiert war er mit 1920.



    größer



    Eigenwillig und interessant...




    Ein weiteres Highlight der 20er in Dresden ist - nein, wäre dieses Museum gewesen:



    Wettbewerbsbeitrag von Hans Luckhardt für das Hygiene-Museum Dresden,
    Standort hinter dem Zwingerteich, 1920.



    Grundriss




    Farbversuche nach Ostwald, Schauseite.



    Über den Standort kann man diskutieren, aber das Museum selbst wäre heute sicher eine Stilikone des Expressionismus. :cool:


  • Weitere Brückenvarianten:



    Um nochmal auf diesen Entwurf von Erlwein zurückzukommen. Zumindest was den Bereich des italienischen Dörfchens betrifft, ist er ja weitgehend umgesetzt worden. Für das an der westlichen Treppenwange zum Dörfchen hin zu sehende Standbild von König Georg wurde ein eigener Wettberwerb ausgelobt, bei dem sich Georg Wrba durchsetzen konnte. Das Modell des Denkmals hat Wrba wohl noch während des Krieges vollendet. Ein Guss erfolgte nicht mehr.


    http://www.deutschefotothek.de…idvRzUWIuycnWYgAAzhYJvg**


    Der geplante Aufstellungsort ist heute von einem kleinen Pavillon überbaut.

    https://commons.wikimedia.org
    /wiki/File:Blick_auf_Dresden_(15).JPG?uselang=de


    So sah es um 1930 aus. Der geplante Standort ist gut zu erkennen.
    http://www.deutschefotothek.de…1/df_hauptkatalog_0353374