Architektenkind: Zugegeben war dieser Beitrag nur lose an Deine Adresse gerichtet, sodass ich das Architektenkind hätte weglassen sollen (wobei ich generell doch bitte zu berücksichtigen, dass auch ein direkter Bezug NICHT suggerieren soll, Du hättest genau das Gegenteil behauptet. In einigem wollte ich Dir umgekehrt zustimmen/ es als Konsens ansehen und in anderem widersprechen oder meine Sicht ohne Vorwurf an Dich weiter ausführen - vielleicht liest Du es noch mal in diesem Lichte). Nur entlädt sich der angestaute Frust zugegeben auch etwas an Deiner ursprünglichen Aussage, dass man den neuen Senat nach gerade mal etwas über einem Jahr nicht so sehr für die Lage verantwortlich machen kann. Zu einem gewissen Teil stimmt das sogar (nämlich was vergangene Verfehlungen betrifft, die primär die SPD und nicht Frau Lompscher betreffen).
Aber was da aktuell passiert oder vielmehr nicht passiert, ist einfach nur krass. Die Frau ist gefühlt nur mit sich selbst beschäftigt und bekommt gar nichts auf die Reihe. Für mich steht das einfach für alles, was politisch falsch laufen kann, wenn nicht mehr die Sachlage im Vordergrund steht. Dies wohlgemerkt unabhängig von der aktuellen Koalition. Vor der Wahl schrieb ich in Bezug auf Diskussionen bezüglich einer neuen S-Bahnlackierung sinngemäß: Es ist egal, welche Farbe drauf klebt, so lange die Dinger zuverlässig fahren. So gehe es mir auch mit Politikern. Dabei ist es geblieben. Einen Geisel fände ich für die aktuelle Situation gut, egal bei welcher Partei er wäre und der ist wohlgemerkt ja auch nicht bei CDU/ FDP oder gar AfD, sondern ebenso in der SPD wie die von mir kritisierten Bildungssenatoren der letzten Jahrzehnte. Lompscher finde ich hingegen katastrophal schlecht aber damals fand ich Wolf/ Wolff (?) von der gleichen Partei als Wirtschaftssenator recht überzeugend (und sicher nicht schlechter als manchen Politiker der CDU im gleichen Ressort), sodass ich damals wie heute Anerkennung zolle.
Es liegt bei mir also ganz sicher nicht daran, dass ich linke Politiker pauschal nicht ab kann. Im Grunde war lange eher das Gegenteil der Fall aber langsam finde ich die realen Ergebnisse unzumutbar. Obwohl ich von den Alternativen auch nicht sehr viel halte, hat sich meine Befürchtung bestätigt, dass es bei zu viel Linkslastigkeit noch schlimmer werden konnte und wahrscheinlich auch zumindest nicht besser werde. Eben darum hatte ich damals bezüglich manch einem euphorischen rot-rot-grün Verfechter Brecht angeführt, der einmal sinngemäß schrieb: "Ich mag nicht, wo ich herkomme und ich mag ebenso wenig wo ich hinkomme. Warum erwarte ich den Radwechsel mit Ungeduld?" Klarenbach feierte damals ja laut eigenen Worten schon mit Sekt. Inzwischen feiert sich die Regierung primär selbst und andere verlangt es wohl eher nach Hochprozentigem, um sich das noch schönzusaufen.
Unter rot-schwarz habe ich wenigstens noch Ansätze gesehen, dass man sich ehrlich und offen der Situation stellt und gerade einige Punkte angehen konnte. Hier in der Gropiusstadt sehe ich die ersten Resultate davon. Und ich hatte die Hoffnung, dass ganz Berlin seinen Teil leisten wird und Herr Geisel der richtige Mann dafür sein könnte. Aber vermutlich hat der Volksentscheid zu Tempelhof u.a. Müller viel Mut gekostet. Der scheint sich immer weiter zurück zu ziehen und die dringend nötige Konfrontation zu scheuen. Stattdessen schickt er in der Frage eine Person vor, die es allen Recht machen soll und dann eben im Zweifel gar nichts macht (sogar alte Pläne einkassiert, um auch ja jeden Kritiker mitzunehmen).
Und so viel erkennt man eben leider schon in einem Jahr. Es ist sehr viel Zeit verloren und tausende geplante Wohnungen wurden dauerhaft (?) verhindert. Ich stehe im übrigen dazu, dass dies sehr viele soziale Probleme heftig verstärken wird. Da hilft es mir dann auch nicht, dass es in London womöglich noch viel schlimmer ist und die Lage global nicht leichter wird. Gerade dann müsste doch die entsprechende Dringlichkeit einkehren und persönliche Eitelkeit sowie Klientelpolitik abgestreift werden.