Oper und Schauspiel: neuer Standort / alternative Lösungen?

  • In Stuttgart stehen sie momentan auch vor dem Problem einer Generalsanierung. Insbesondere die Bühnentechnik steht bei der angedachten Sanierung im Mittelpunkt. Anders als in FFM handelt es sich bei der Oper in Stuttgart sogar um ein Dreispartenhaus. Aber ebenso wie die Frankfurter Oper hat auch die Stuttgarter Oper lange Zeit reihenweise Auszeichnungen erhalten.


    So wie es aussieht werden die drei Sparten beibeihalten und im altehrwürdigen Bau weiterbetrieben. Der Opernbau in Stuttgart wirkt (ohne genaue Fakten zu kennen) sogar etwas kleiner als die in Frankfurt in der Diskussion stehende. M.a.W.: was in Stuttgart möglich ist, müsste mit Sicherheit auch in FFM möglich sein, auch wenn es mit hohen Kosten verbunden ist.


    FAZ

  • Ausgemessen mit Google Earth ist das Grundstück in Stuttgart rund 100m tief und 190m lang - damit gut 80% größer als das in Frankfurt.


    Das "Dreispartenhaus" spielt Oper, Schauspiel und Ballet, letztere teilen sich das Schauspielhaus (kommt mir aus Frankfurt bekannt vor). Zusätzlich gibt es ein Kammerspiel und eine kleine Studiobühne - das ist eine Kleinbühne mehr als in Frankfurt.


    Die Klagen und der Sanierungsbedarf resultieren nicht zuletzt daraus, dass das Opernhaus noch mit wirklich antiker Bühnentechnik arbeitet - was nie zerstört wurde musste nie neu gebaut werden - und natürlich wegen des Kontrasts zwischen Opernhaus und "modernem" Schauspielbau.

  • Die FAZ schreibt heute in ihrer Druckausgabe, es liege im "vorläufigen Gutachten" nun eine erste Kostenschätzung für die Gesamtsanierung der Anlage am Willy-Brandt-Platz vor: 380 Millionen Euro. Ende des Jahres wolle werde das endgültige Gutachten zur Verfügung stehen.


    Der frühere Planungsdezernent Martin Wentz bringt übrigens einen "neuen" Vorschlag für einen Standort ins Spiel, nämlich den Kulturcampus. Ganz neu ist die Idee freilich nicht, äußerte sie bspw. Torben hier im Forum schon vor einer Weile. Wie auch immer, Wentz warnt vor Mutlosigkeit. Er erkennt in den hohen Kosten der Sanierung eine große Chance für die städtebauliche Entwicklung Frankfurts. Hilmar Hoffmann und die neue Kulturdezernentin Ina Hartwig haben sich in ersten Stellungnahmen für den Verbleib der Doppelanlage am Platz ausgesprochen.


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    Mod: Der erwähnte Artikel ist jetzt auch online zu lesen.

  • Im Kommentar der FAZ (http://www.faz.net/aktuell/rhe…sser-denken-14391676.html) wird gefordert, dass man Mut zu einer offenen Diskussion über Lösungsmöglichkeiten und Standorten haben sollte. Der treffende Titel des Kommentars: "Größer denken". Sonderlich optimistisch ist die FAZ aber nicht, da der Politik der Mut zu großen Ideen abhanden gekommen sei. In diesem Zusammenhang wird das früher in Ffm starke bürgerschaftliche Engagement gewürdigt, da schon zu vielen Ideen und Häusern geführt hat. Gelobt wird Martin Wentz dafür, dass er mit dem Kulturcampus den Blick über den jetzigen Standort lenkt.

  • Schon ein paar Tage her, aber der Vollständigkeit halber verweise ich noch auf ein Interview, das OB Feldmann der FR gegeben hat:



    Frage Rundschau:
    Das heißt, die Theater-Doppelanlage sollte am Willy-Brandt-Platz bleiben?
    Antwort Feldmann:
    Der Standort ist gesetzt. Das wünschen sich auch die Bürgerinnen und Bürger. Wir handeln mit der Kultur und nicht gegen sie.


    http://www.fr-online.de/frankf…ur-,1472798,34612906.html

  • Vielmehr wünschen sich die "Bürgerinnen und Bürger" eine offene, unbefangene Diskussion, denke ich. Dazu einen Oberbürgermeister, der alle Bewohner dieser Stadt repräsentiert, und sich als Moderator einer diesbezüglichen Debatte versteht, statt apodiktisch Positionen zu verkünden, die wahrscheinlich sein Politbüro festgelegt hat. Einen, dessen Kernkompetenzen nicht in der Selbstinszenierung zu finden sind, nicht im Dauergrinsen und Anschneiden von Torten.

  • Dem kann ich mich nur anschließen. Und ich wünsche mir, daß der neue Planungsdezernent mehr auf Martin Wentz hört als auf den OB. Seinem Vorschlag, Oper und/oder Schauspiel auf dem - dann auch wirklich den Namen verdienenden Kulturforum anzusiedeln, finde ich sehr, sehr bedenkenswert. Die ÖPNV-Anbindung ist auf jeden Fall noch besser als am Theaterplatz - pardon, Willy-Brandt-Platz - und in der heutigen Stadt ist die Bockenheimer Warte alles andere als Peripherie. Und was die 'Tradition' des bisherigen Standorts angeht: nicht nur das Theater zog erst 1902 vom heutigen Rathenauplatz, wo man im Comödienhaus seit 1782 und damit nur geringfügig kürzer gespielt hatte, an die Taunusanlage, man nahm auch den Namen Theaterplatz gleich von dort mit. Warum sollte man diesem Wanderzirkus keine weitere Station folgen lassen? Der marode Zustand des jetzigen Bestands gäbe dazu ernsthaft Anlaß. Denn wie die Sanierung der Kölner Oper zeigt - und dabei handelt es sich um einen lupenreinen Nachkriegsbau und nicht um ein Patchwork vieler Jahrzehnte mit zwischenzeitlichen Kriegs- und Brandschäden - ist da jede Kostenschätzung von vornherein Makulatur.

  • Denkmalschutz

    Man hat es kommen sehen: Das Landesamt für Denkmalpflege sieht Teile der Theaterdoppelanlage als schutzwürdig an. Das schreibt die FR. Zu diesen Teilen zählen das sogenannte Wolkenfoyer sowie bauliche Überreste des Schauspielhauses von 1902, darunter zwei Treppenanlagen und die originalen Keller mit Brandschutztüren. Eventuell werden auch die beiden großen Bühnen von Oper und Schauspiel einschließlich ihrer Technik als schutzwürdig eingestuft.


    Damit wird es voraussichtlich eine Behörde sein, die über die hier gestellte Frage entscheidet. Maßgeblich wird die Einschätzung von Konservator Heinz Wionski sein. Wir erinnern uns: Das ist der Landesbedienstete, der zu der Umbauplanung für Jügelhaus und Alter Physik äußerte, Peter Kulkas Gesamtentwurf habe seine "nicht nachlassende Wertschätzung".

  • Sobald das Denkmalschutzamt irgendwie involviert ist (oder dessen Involvierung abzusehen ist), ist vom Worst-Case auszugehen. Von daher überrascht es eigentlich (leider) nicht.

  • Damit zeichnet sich ein Trauerspiel am Horizont ab. Ich bin ein großer Freund der Bronzewolken und hatte an dieser Stelle eine Freilegung der historischen Nord-Fassade unter Beibehaltung bzw. Vergrößerung des "Aquariums" angedeutet. Allerdings auch eine Freistellung des Westteils (jetzige Oper, also Umzug des Schauspiels dorthin und Neubau für die Oper anderswo in der Stadt).


    Das ginge alles, sofern die Bronzewolken umziehen dürften und der jetzige Schauspielteil frei würde für eine komplette Neuplanung inklusive Veräußerung für eine Hochhausbebauung zwecks Finanzierung des Vorhabens. Mir schwant allerdings, dass das Amt qua Hr. Wionski am jetzigen Gesamtzustand festhalten möchte. Damit würden historische Chancen platzen wie Seifenblasen an der senckenbergschen Putzwand.

  • Nun denn. Dann wird es wohl ein Gewurschtel werden.


    Die Stadt müsste sich ja nicht daran halten, was das Denkmalschutzamt sagt, aber es müsste ein klarer Wille für etwas Großes bzw. Neues da sein, damit etwas anderes geschieht als nur die Ertüchtigung des Komplexes.


    Meine Prognose ist: keine Prognose.

  • In der Rundschau findet sich ein Bericht über eine Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der Städtischen Bühnen. Interessant daran ist, dass an der Diskussion auch Olaf Winter, der Technische Direktor von Oper und Schauspiel teilgenommen hat, der gleichzeitig auch Leiter einer Arbeitsgruppe aus "50 hochqualifizierten Architekten, Ingenieuren, Akustikern, Elektrikern, Klima- und Lüftungstechnikern" ist, die derzeit an einer Machbarkeitsstudie arbeiten und Anfang 2017 die Ergebnisse präsentieren wollen.
    Die wohl wichtigste Aussage des Artikels:

    Doch immer, sagt Winter, sei die „Prämisse“ gewesen: Die Bühnen bleiben an ihrem historischen Ort. Ein Neubau auf einem anderem Gelände, wie ihn Immobilienunternehmer aufgebracht haben, gar ein „Auseinanderreißen“ der beiden Sparten Oper und Schauspiel sei nie angedacht worden.


    Das klingt ziemlich eindeutig. Die Variante Abriss & Neubau hingegen wird von der Arbeitsgruppe durchaus in Betracht gezogen. Zum drohenden Denkmalschutz findet sich in dem Artikel hingegen kein Wort.


    http://www.fr-online.de/frankf…nen,1472798,34714460.html

  • Bei der im Vorbeitrag erwähnten Diskussionsveranstaltung wurde laut FR vorgeschlagen, auf dem alten Unicampus Bockenheim mit eher einfachen Mitteln ein Bühnengebäude zu errichten. Zunächst als Ausweichquartier für die Oper während der Sanierung der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz. Später dann als gemeinsames Bühnenhaus für die auf den Kulturcampus ziehenden Institutionen, etwa das Frankfurt LAB, das Ensemble Modern,die Junge Deutsche Philharmonie und einige andere mehr.


    Als Ausweichquartier für das Schauspiel wurde das nahe gelegene Bockenheimer Depot vorgeschlagen. Dort ist eine Drehbühne vorhanden, die sich bereits bei verschiedenen Produktionen des Schauspiels bewährt haben soll. Das Depot wurde bekanntlich bereits nach dem Brand des Opernhauses 1987 als Ersatzspielstätte des Schauspiels genutzt. Kürzlich wurde die frühere Hauptwerkstatt der Straßenbahn umgebaut und erweitert, dazu u. a. dieser Beitrag mit Fotos, dabei wurde auch zeitgemäße Klimatechnik eingebaut.

  • Wenn ich mir die Berichterstattung über das gestrige Bürgergespräch in der FAZ so durchlese, dann kommen mir fast die Tränen. Die Befürworter der Bewahrung des Status Quo waren wohl sowohl im Publikum als auch auf dem Podium eindeutig in der Mehrheit. Zwar ist damit freilich noch keine Entscheidung verbunden, aber ich befürchte, dass sich die ewig gestrigen mit ihren Argumenten im Verlauf der weiteren Diskussion durchsetzen werden:
    Es wird der unsägliche Bau saniert und damit die einmalige Gelegenheit verpasst werden mit einem mutigen, neuen Gebäude ein Wahrzeichen von internationalem Rang zu schaffen. Es gibt so tolle Beispiele für zeitgenössische Opern (vergleiche Oslo oder Kopenhagen) wie ich mir für Frankfurt eines wünschen würde.
    Warum nicht auf dem Kulturcampus ein neue Oper bauen und auf dem jetzigen Standort ein neues Schauspiel unter Integration der historischen Bausubstanz und des Aquariums?
    Warum fehlt den Verantwortlichen der Mut zu so einer Entscheidung? Ich kann es nicht verstehen wie man so leichtfertig eine großartige Chance ungenutzt lässt. Ich hoffe sehr ich irre mich und man besinnt sich eines besseren... Allerdings ist diese Hoffnung eher gering... :nono:

  • Ich war zugegen und, naja, ganz so einfach und schwarz-weiß war's dann doch nicht. Verkürzt gesagt sprach sich die Mehrheit gegen den allgegenwärtigen Frankfurter Abrissreflex aus. Will sagen, man diskutiert einen Abriss, ohne dass klar ist, dass dies der Weisheit letzter Schluß ist. Was wiederum aber nicht heißt, dass man grundätzlich gegen einen Abriss ist, so er denn nötig oder sinnvoll erscheint. Das war's dann aber auch schon an Gemeinsamkeiten.


    Konsens war auch, dass die Debatte aktuell keinen Sinn macht, da die Details noch nicht fertig zusammengetragen sind und das, was bekannt ist, wohl bislang auch nur rudimentär nach außen getragen wurde. Man solle doch die Veröffentlichung der Prüfungen abwarten und dann sich offen eine Meinung bilden. So weit, so richtig.


    Die Intendanten Loebe und Weber (ab 2017) betonten, dass sie die mühsam in den letzten Jahren herbeigeführte (mentale und physische) Einheit der beiden Häuser nur ungern aufgeben möchten. Am Ende ging es vor allem um nötige und mögliche Ausweichmöglichkeiten und deren Größe und damit einhergende Einbußen aufgrund geringerer Kapazitäten (Schauspiel > Depot, Oper > Großes Schauspielhaus), Absagen an feuchte Investorenträume und eine allgemeine Bevorzugung des aktuellen Standorts, nicht zwingend der Gebäudeteile an sich.


    Die Moderation war in meinen Augen unterirdisch. Die beiden FAZ-Redakteure versuchten unnötig und bisweilen krampfhaft, einen (Mini-)Scoop zu landen. Die fortwährende Frage an Hartwig, Pauly, Weber und Loebe, ob es für sie denn nicht reizvoll wäre, Ihre Amtszeit mit der Eröffnung eines neuen Hauses zu krönen, parierten alle gekonnt, was die Fragesteller nicht abhielt, immer wieder darauf zurückzukommen. Irgendwann zeigten sich alle vier sichtlich genervt und Weber parierte damit, dass es ihm primär ums Theater und nicht ums bauen gehe. Loebe pflichtete bei und sagte, dass es ihm zuvorderst um die Kunst geht und dass er bei guten Arbeitsbedingungen für das Haus auch auf einem Bierdeckel spielen würde.


    Interessanter Artikel, der einige weitere Punkte erläutert auf FAZ.net >

  • Die Moderation war in meinen Augen unterirdisch.


    Dem kann ich nur beipflichten. Die unzureichende Gesprächsführung – ob aus Voreingenommenheit oder mangelnder Sachkenntnis in den doch sehr unterschiedlichen Interessenlagen von Theatermachern und Stadtentwicklung – prägte dann auch den weiteren Verlauf der Veranstaltung. Penultimo hat das sehr schön auf den Punkt gebracht:

    Die fortwährende Frage an Hartwig, Pauly, Weber und Loebe, ob es für sie denn nicht reizvoll wäre, Ihre Amtszeit mit der Eröffnung eines neuen Hauses zu krönen, parierten alle gekonnt, was die Fragesteller nicht abhielt, immer wieder darauf zurückzukommen. Irgendwann zeigten sich alle vier sichtlich genervt und Weber parierte damit, dass es ihm primär ums Theater und nicht ums bauen gehe.


    Deutlicher kann man auch die Crux der gesamten bisherigen öffentlichen Diskussion nicht zusammenfassen: egal, was ihr zu brauchen meint, wir wissen besser, was gut für euch ist.
    Der Wunsch nach Verewigung oder „Krönung“ durch ein (von anderen errichtetes!) Bauwerk wäre in höchstem Maße absurd. Theater erarbeitet bewusst ein vergängliches Produkt.
    Jedoch zur Produktion und zu den Aufführungen der Stücke/Opern wird ein Gebäude benötigt, das den sehr speziellen Anforderungen dieser Arbeitsabläufe entspricht. Wie man den Äußerungen der Theaterleute entnehmen konnte, trifft genau das für die bestehende Anlage zu. Ebenso sprachen beide sich für den Verbleib am Ort und unter gemeinsamen Dach aus. Beide sind erfahrene Theatermacher, warum also sollte man ihre Aussagen nicht ernst nehmen?
    Insofern verstehe ich auch nicht, wieso Herr Wentz im Interview vom 12.09.2016 in der FR den Synergieeffekt bezweifelt. Im Bürgergespräch ging er dann soweit, als unausweichliches Horrorszenario die Lähmung des Theaterbetriebes durch erbitterten Kampf der beiden Sparten um die Ressourcen in Aussicht zu stellen, als habe er es hier nur mit einer Bande ungezogener Blagen zu tun. Weder in den Städtischen Bühnen noch in anderen Mehrspartenhäusern schleichen die jeweiligen Spartenangehörigen mit dem Dolche im Gewande durch die Gänge und meucheln einander vor der Kantinentür.
    Die Argumente der Intendanten, Künstler und Beschäftigten von Oper und Schauspiel summarisch dadurch zu entwerten, dass man ihnen vorwirft „Angst vor der Zukunft haben“ (im oben erwähnten Interview in der FR) macht wenig Hoffnung auf die sachliche Diskussion, die eigentlich nötig wäre. Ich kann nur hoffen, dass sich das ändert, wenn wirkliche Fakten auf dem Tisch liegen.

  • Debatte aus den 1890er Jahren.

    Ein sehr aufschlussreicher Artikel über die Diskussion in den 1890er Jahren zum Standort Oper/Schauspiel hier
    http://www.faz.net/aktuell/rhe…-frankfurts-14441922.html aus der FAZ vom 21.09.16.


    Mich wundert es nicht, dass der berühmte Herr Adickes damals gegen den dann gewählten Standort war. Adickes war ein Meister der grosszügigen städtischen Neuplanung. Ihm haben wir das (für Frankfurter Verhältnisse) weitläufige "Nordend-Ost" zu verdanken.
    Von Herrn Adickes soll auch der Ausruf stammen: "Baut Neues ! Altes Gelersch haben wir genug !" Ich komme darauf in dieser Diskussionsrunde später mit meinen eigenen Vorschlägen noch zurück.
    Dies erst mal an dieser Stelle.

  • Hübsch finde ich im Artikel ja die Aussagen zur Wahl des Architekten der Oper: "Für den Bau der 1880 eröffneten Oper war man einst ein Risiko eingegangen und wurde belohnt...". Man hat einen unerfahrenen Architekten gewählt, der auch sicherlich einen herausragenden Entwurf geliefert hat. Allerdings haben sich die geplanten Baukosten für dessen Umsetzung auch verzehnfacht...


    Kein Wunder also, dass man beim Bau des Theaters zwanzig Jahre später nicht auf einen spektakulären neuen Architekten/Entwurf gesetzt hat, sondern lieber ein erfahrenen genommen hat, der einen soliden langweiligen, dafür aber technisch sehr guten Bau geliefert hat - und wohl auch im Budget geblieben ist.;)


    Aus Angst vor explodierenden Kosten wird man bei der jetzigen Entscheidung wohl auch am Ende bei einer Sanierung des Bestandes landen. Da ist man vor Kostensteigerungen zwar auch nicht gefeit, sie lassen sich aber besser zeitlich strecken und die wirklichen Kosten lassen sich bis zum Point-of-no-Return vermutlich besser kaschieren. Bei einem spektakulären Komplettneubauentwurf oder Rekonstruktion und Teilneubau dürfte nämlich eine viel heftigere Kritik aufkommen, wenn die Kosten davonlaufen.

  • Die FNP vermeldet, dass sich OB Feldmann anlässlich des Opernballs zur Beibehaltung des Standorts des Schauspielhauses und einer Sanierung bekannt habe.

  • Ich denke, das stand zu erwarten und ich muss sagen, obwohl es völlig unrealistisch ist, dass ich mir gewünscht hätte, dass die Oper am Willy-Brandt-Platz bleibt und dort einen Neubau bekommt, der der künstlerischen Bedeutung dieser Institution angemessen ist. Als passionierter Operngänger muss ich leider sagen, dass die gegenwärtigen Bedingungen alles andere als gut sind. Die Akustik ist höchstens mittelprächtig, die Sitzverhältnisse beengt und die Sicht bei vielen Plätzen eingeschränkt. Das wäre bei einem historischen Haus wie in Wiesbaden ja noch hinnehmbar, da es ein Stück weit deren Charme ausmacht, bei modernen Bauten, und so nehme ich die Anlage war, sollten doch auch moderne Standards gelten.


    Aktuell haben wir die Situation, dass wir eine "moderne" Fassade und Erschließung, dafür aber die Platz- und Sichtverhältnisse des Vorkriegsbau haben, also gewissermaßen das jeweils Schlechte aus beiden Welten. Auch die Tatsache, dass das Foyer mit seinen Klangwolken so hochgelobt wird, war mir schon immer schleierhaft. Man muss nur mal eine Aufführung besuchen und sich den vorgschalteten Vortrag anhören, um zu sehen, wie wenig funktional diese Örtlichkeit ist.


    Letztlich muss die Politik, aber auch die Öffentlichkeit akzeptieren, dass Oper eine sehr sehr teure Kunstform ist und zwar in allen Bereichen. Ohne bürgerschaftliches Engagement und den Anspruch, ein international renommiertes Opernhaus in der Stadt zu haben, wird sich sicher keine Verbesserung ergeben, sondern eher der schleichende Abstieg weitergehen ... ja, ich weiß, alle loben die Programmgestaltung und die Innovationskraft der Frankfurter Oper, aber ich merke bei mir und meinen Bekannten, dass wir vor Jahren noch viel regelmäßiger die Frankfurter Oper besucht haben, sie war in Rhein-Main konkurrenzlos. Aber die beständige Sparerei zeigt eben doch langsam Wirkung, die man nur mühsam mit Ausgrabungen selten gespielter Werke und Experimenten überdecken kann. Zudem hat Wiesbaden mit Laufenberg stark aufgeholt und bietet aktuell, das ist zumindet mein Eindruck, die intensiveren und runderen Opernerlebnisse.


    Ich fürchte, dass die geplante Sanierung vor Ort ein quälend langer Prozess werden und mit deutlichen Kostensteigerungen verbunden sein wird, wenn dann klar wir, dass die Bausubstanz und die Haustechnik doch viel maroder als befürchtet war, man kennt das ja von anderen Sanierungsaktionen der letzten Jahre .... aber wir werden sehen ...