Oper und Schauspiel: neuer Standort / alternative Lösungen?

  • Kulturkiez

    Wofür steht dieser Begriff in diesem Themenbereich?
    "Städtischer Bereich mit einer eigenen Infrastruktur als Lebenszentrum seiner Bewohner" (Wiktionary)
    - das wäre doch die Stadt als Ganzes, bzw. der Bereich der Stadt, der von allen ihren Bewohnern ohne zuviel Mühe auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar wäre.
    "Vergnügungsviertel einer Stadt" (Wiktionary)
    - da wären wir bei einer Abschiebung ins Unverbindliche. Oder aber wieder bei der schönen alten Aussage "Nimm die Wäsche von der Leine, die Komödianten kommen." .
    Ein Theater sollte meiner Meinung nach bitte im Brennpunkt liegen, nicht an der Peripherie.
    Und als "Stadtbildikone" taugt es am allerwenigsten.
    Eine seiner wichtigsten Aufgaben ist, Fragen zu der uns umgebenden Realität zu stellen. Mit Spass und Emotionen und Sinnlichkeit darzustellen, wie sich Personen unter genau definierten Umständen verhalten und miteinander umgehen. Und das sollte nicht auf irgendeiner grünen Wiese im Wohlfühlviertel verpuffen sondern ins Zentrum der Stadt zurückführen.

  • Das erinnert micht ein wenig an den Anspruch "Das Theater als moralische Anstalt".
    Dass ein Opernhaus nicht als Stadtbildikone taugt, sollte man der Bevölkerung von Sydney mal erzählen, die sind da sicherlich anderer Meinung.


    Eine Auslagerung des Opernbetriebes in die Alte Oper ist (unabhängig von der bestehenden Nutzung) aus technischen Gründen kaum möglich, wenn man sich bewusst macht, dass das Publikum heute im Bereich der ehemaligen Bühne sitzt und die Bereiche der ehemaligen Bühnentechnik die heutige Bühnenanlage aufnehmen - das ist eben nur noch ein Konzerthaus.


    Die Nachteile einer Aufsplittung haben wir jetzt schon ein paar Mal erläutert bekommen und natürlich steigen die Ansprüche an das Flächenangebot eines neuen Standortes - man muss sich die Ausdehnung des heutigen Baus (120m lang, zwischen 120m am WBP und 100m am Kammerspiel breit und im Bürobereich sechs oder sieben Etagen hoch) vor Augen führen, wenn man über alternative Standorte nachdenkt.


    Oper und Schauspiel bräuchten ihre eigenen Werkstätten und das bedeutet, dass weite Teile der heutigen Flächen mehrfach vorhanden sein müssten. Ebenso Probenräume und ähnliches.


    Bei einem Neubau auf einer bislang leeren Fläche ist aber sicherlich Optimierungspotential hinsichtlich der Anordnung gegeben (Werkstätten unter oder über den Bühnen ließen sich mit heutigen Mitteln realisieren - My-Zeil-Parkhaus ohne die Zwischenböden...), so dass der Grundflächenverbrauch geringer ausfallen könnte - aber deutlich weniger als die heutigen gut 13000m² werden es für die Gesamtanlage nicht werden.

  • Kulturcampus Bockenheimer Warte

    Wenn man über neue Standorte für kulturelle Einrichtungen nachdenkt: wo würde sowas aktuell besser hinpassen als auf den Kulturcampus an der Bockenheimer Warte?


    Außer dem Umbau bestehender, denkmalgeschützter Gebäude wurden meines Wissens nach bisher keine Fakten geschaffen. Alles andere ist noch in der Planungsphase. Die Pläne lassen sich ändern.


    Der Standort ist durch ÖPNV bestens erschlossen. Ausgehen sollte auch kein Thema sein. In der Umgebung gibt es unzählige Bars und Kneipen, deren Erhalt dann auch trotz Wegzug der Uni noch zusätzlich gesichert werden könnte - vielleicht besser als durch Büros und Wohnungen.


    Der beste Standort für ein großen Saal mit herausragender Architektur ist meiner Ansicht nach das Eckgrundstück Bockenheimer Warte / Senckenberganlage, das bisher als Mischgebiet vorgesehen ist (letzter Entwurf - wohl überwiegend Büros?). Für die Verwaltung, Werkstätten und Lagerräume lässt sich gut in die Höhe und auch Tiefe gehen. Zwischen der Straßenebene und den U-Bahn-Tunneln gibt es riesige unterirdische Räumlichkeiten, die derzeit teilweise durch die Uni-Bibliothek als Magazinräume genutzt werden, der Rest ist ungenutzt. Nach Wegzug der Bibliothek wird wohl alles leerstehen. Diese Räume ließen sich auch nutzen, um eine unterirdische Verbindung zum nördlichen Grundstück herzustellen. Das Depot lässt sich natürlich auch integrieren.


    Synergiepotenzial gäbe es sicher auch mit der Musikhochschule am selben Standort, deren Zukunft wohl noch offen ist.


    Die Grundstücke wurden schon oder werden noch vom Land an die ABG übergeben, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, so dass diese noch in öffentlicher Hand sind und noch nicht an private Investoren vergeben.


    Letzter Planungsstand von 2012:



    Plan: Stadt Frankfurt am Main

  • Das ist ein grandiöser Einfall und ich wundere mich, dass ihn scheinbar bisher noch niemand hatte! Dadurch könnte dort im besten Fall ein "Kulturcampus" von Weltbedeutung entstehen, zumindest aber würde Name für das Areal dann auch angemessen sein (was ich bisher nicht im Geringsten erkennen kann). Musikhochschule, Depot, Senkenbergmuseum und eine repräsentative Oper in ansprechender Architektur! Fantastisch wäre das. Ideal natürlich auch der Anschluss an den ÖVPN, mit einer der größten U-Bahnstationen (und eine der wenigen Umsteigestationen; in Zukunft sogar noch bedeutender durch die Ginnheimer Kurve) Frankfurts, die jetzt schon durch den Wegzug der Uni meistens fast gespenstisch leer ist. Die bisherigen Planungen für die Ecke konnten wohl kaum jemanden wirklich überzeugen. Weitere Büroflächen braucht dort wirklich niemand, und die Architektur des Siegerentwurfes war ja auch eher umstritten wenn ich mich recht entsinne.

  • Wenn Neubauten, dann sehe ich hier eigentlich auf dem Stadtplan Frankfurts aus der Vogelperspektive nur einen Ort, der sich für einen "großen Wurf" eignen würde, einen ganz eigenen Kulturkiez, mit großzügigen Freiflächen usw. - also ein echter großer Wurf - und dabei auch das Zeug zur Stadtbildikone hat: die von ominösen Schutthalten bedeckte Fläche, die direkt auf das neue Europaviertel folgt.


    Das ist nur ein auszugsweises Zitat aus Deinem Beitrag von Gestern, für den man Dir die Ehrenbürger-Würde von FFM verleihen sollte :master:
    Im Grundsatz 100 % Zustimmung !


    Meine Verschlimmbesserung dazu: Ich würde genau Dein Konzept nach Osten wenden und EIN grösseres Grundstück im Bereich Osthafen für die neue Oper /bzw. Konzertbaus bebauen (a la "Elbphilhamonie", oder "neuer Konzertsaal in München auf dem Pfanni-Grundstück"). Keine Sorge: Die von der Stadt sinnlos bis ca. 2050 subventionierten "Kümmernutzungen" würden vorerst im Osthafen noch bleiben können. Aber diese Osthafen-Oper könnte ein langfristiges Fanal werden um das Gebiet Hanauer L-Strasse / Osthafen langfristig doch noch zu einer Art <Boulevard-City> umzunutzen, ein echtes, neues Mittelstück zwischen OF und FFM. Der Bereich Taunusanlage und Seitenstrassen eignet sich für einen (optisch weithin sichtbaren / wahrnehmbaren) Oper-Neubau nicht. Das ist schon heute eine ziemlich eng bebaute <Business-City> und sollte es auch bleiben. Und echte (Welt-)Metropolen haben nun mal mehrere Zentren und nicht nur eines.


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    Mod-Service: Info zum Zitat.

  • Bürgerinitiative für Altes Schauspielhaus gegründet

    Eine neue Bürgerinitiative schlägt angesichts der hohen Sanierungskosten vor, die heruntergekommene Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz abzureißen. An ihrer Stelle soll das prächtige Alte Schauspielhaus mit historischer Fassade, modernem Inneren und ggf. veränderter Nutzung wiederaufgebaut werden. Die Finanzierung würde wie bei der Alten Oper durch Spenden von Privatpersonen und Unternehmen erfolgen.


    http://www.fnp.de/lokales/fran…uspielhaus;art675,2134486
    http://www.fr-online.de/frankf…tz-,1472798,34554180.html

  • ^Diese Initiative hat aber auch noch keine Lösung dafür, wo der Spielbetrieb von Oper, Schauspiel und Kammerspiel dann stattfinden soll, da ja ausdrücklich von "veränderter Nutzung" geschrieben wird.


    Ebenfalls offen sind die Kosten des Grunderwerbs, da die 300 Millionen, die die Stadt für eine Sanierung oder einen Neubau am bestehenden Standort ausgeben müsste, keinen Grunderwerb vorsehen. Die BI müsste also zunächst von der Stadt das Grundstück erwerben, um dann die Rekonstruktion zu betreiben.


    Und wenn das, was da dann entstehen soll, nicht in die erlaubten Nutzungen in den Wallanlagen passt, ist die Diskussion wieder offen, ob ein Neubau an dieser Stelle, auch wenn er wie das alte Schauspielhaus aussieht, dort stehen darf (-> Wallservitut).

  • Die Webseite ist vom Inhalt schon etwas grenzwertig. Klar will man sein Ansinnen (Rekonstruktion altes Schauspielhaus) puschen. Dazu hat man wahrscheinlich lange das absolut schlechteste Foto der Glasfront gesucht das es gibt, die nach meiner Einschätzung nun wirklich nicht das Problem ist.


    http://s2.germany.travel/media…ankfurt_HQ_01_300x200.jpg


    Was der Vergleich mit dem Palast der Republik soll verstehe ich auch nicht ganz, bzw. ich verstehe es schon: Assoziation mit der DDR schaffen und dadurch schlecht reden. Unter einem vernünftigen Argument verstehe ich aber etwas anderes.


    Die Auswahl an modernen Oper/Schauspielhäusern ist natürlich auch mit bedacht gewählt. Warum keine Bilder von den Häusern in Oslo, Sydney, Teneriffa, Kopenhagen, etc? (ja ich weiß schon warum)


    Die Platzprobleme werden mehr oder weniger ignoriert. Irgendwie vielleicht ein Anbau oder so...


    Und was genau an dem alten Schauspielhaus so besonders sein soll ist mir auch nicht klar. Es wird stillschweigend vorausgesetzt, dass alt = gut. Architekturhistorisch ist der Bau in jedem Fall nicht sonderlich bedeutend.


    Letztlich sind Geschmäcker verschieden, das Problem am Wiederaufbau/Rekonstruktion ist in diesem Fall die mangelnde Nutzbarkeit und die sollte bei einem solchen Bau vielleicht nicht die einzige Rolle aber eine bedeutende Spielen und damit ist eine Reko eigentlich ausgeschlossen.


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    Mod: Direkteinbindung des Fotos entfernt - bitte kein Hotlinking! Außerdem fremde Urheberrechte beachten und bei zulässigen Einbindungen bitte immer die Quelle angeben, siehe Richtlinien

  • Mir gefällt das Auftreten der Bürgerinitiative auch nicht. So schön eine Rekonstruktion wäre - die 10 Gründe überzeugen nur bedingt. Das Brexit-Argument passt gar nicht. Für die Attraktivität kommt es in erster Linie auf die Leitung des Hauses und den Spielbetrieb an und die technische Ausstattung. Das (äußerliche) Erscheinungsbild ist sicher nicht unwichtig, aber eben nicht das primär Entscheidende. Natürlich war es schade, dass man den Rest des alten Gebäudes abgerissen hat, anstatt es wieder aufzubauen. Aber der Neubau hat eben auch was. Er ist eben kein Schandfleck und passt sehr gut dahin. Mit dem Eurotower zum Beispiel harmoniert er meines Erachtens sehr gut.

  • Mein Gott, die Seite ist im Moment noch eine One-man-show, grad am Anfang geht's doch eh immer erstmal darum aufzurütteln und sein Anliegen publik zu machen. Und dieses Anliegen ist mal absolut unterstützenswert.
    Den ziemlich gut erhaltenen Altbau seiner Fassade zu berauben (abgerissen wurde er gar nicht, der Kern ist immer noch die Originalsubstanz) , zu verstümmeln und mit furchtbarer grauer Fassade zu versehen, bzw den unsäglichen Glaskasten zum Theaterplatz zu bauen war eine absolute Kulturbarbarei. Noch dazu da es sich hier um das größte und bedeutendste Beispiel für den in Frankfurt eh schon nur spärlich vertretenen Jugendstil handelt!
    Der konzeptlos zusammengebastele Ist-Zustand ist eine provinzielle Peinlichkeit und einen solitären Möchtegern-Eyecatcher wie ein völliger Neubau es wohl werden würde braucht es an der Stelle nicht, dafür sollte auch das Wallservitut keine Ausnahme zulassen, unabhängig von der Nutzung. Was für ein wunderbares Alleinstellungsmerkmal wäre es jedoch, wenn die Skylineansichten um die wiederhergestellten Dächer der Rathaustürme und den ebenfalls auffälligen wunderbaren Bühnenturm des Schauspielhauses bereichert würden, und in der Fußgängerperspektive die Alte Oper ihr würdiges Pendant am anderen Ende des Parks wieder bekommt.
    Der BI geht es um die Wiederherstellung dieses bedeutenden Gebäudes, da ist es nicht ihre Aufgabe sich zu einem so frühen Zeitpunkt mit Nebenkriegsschauplätzen wie einem kompletten Standortkonzept für alle Bühnen zu beschäftigen, über das in Anbetracht der Situation vor der sich die Stadt jetzt befindet ohnehin noch viel diskutiert werden muss und wo mehrere denkbare Lösungen existieren.

  • Freilegen, nicht Rekonstruieren!

    Wir sollten sofort aufhören, von einer Rekonstruktion zu sprechen. Das alte Schauspielhaus ist in großen Teilen noch vorhanden - und es gilt, dieses wieder freizulegen und dessen Abriss zu verhindern! Im Inneren des Gebäudes sieht es HEUTE zum Beispiel so aus:


    http://www.faz.net/aktuell/rhe…foyer-liegt-14162774.html


    http://www.faz.net/aktuell/rhe…ussen-zeigt-14162775.html


    http://www.faz.net/aktuell/rhe…-notausgang-14162773.html


    Diese erhalten Gebäudeteile sollten eigentlich unter Denkmalschutz stehen! Die Frage lautet: Schwingen WIR die Abrissbirne gegen das alte Schauspiel? Würde es durch einen Neubau ersetzt, wäre das eine weitere SCHWERE Zerstörung. Somit erledigt sich die ganze Debatte um einen Abriss der Anlage. Jetzt gilt es, Antworten zu finden, die diesen Umstand berücksichtigen :)

  • Vielen Dank für die interessanten Einblicke, Julian. Bis jetzt war mir überhaupt nicht bewusst, dass noch so viel erhaltenswerte Bausubstanz vom historischen Schauspielhaus übrig ist. Jedenfalls spricht das ganz klar für eine Freilegung bzw. Ergänzung der fehlenden Elemente.

  • Das alte Schauspielhaus ist in großen Teilen noch vorhanden - und es gilt, dieses wieder freizulegen und dessen Abriss zu verhindern! Im Inneren des Gebäudes sieht es HEUTE zum Beispiel so aus:


    Für mich sieht das stark nach erhöhtem Abrissbedarf aus. Wände, die seit Erstellung des Gebäudes nicht mehr gestrichen wurden, Einbauten und Durchbrüche, die von der Originalsubstanz kaum etwas übrig gelassen haben.


    Im Übrigen passt hier der Begriff Rekonstruktion sogar besser (weil überhaupt), denn es geht Dir doch um einen Rück-Bau auf den alten Zustand, im Gegensatz zur neuen "Altstadt", bei der es sich vollständig um einen Neu-Bau ohne wesentlichen alten Bestand handelt.


    Die Frage lautet: Schwingen WIR die Abrissbirne gegen das alte Schauspiel? Würde es durch einen Neubau ersetzt, wäre das eine weitere SCHWERE Zerstörung.


    Ein Schauspielhaus ist ein Nutzbau, der einen Zweck erfüllen soll. Diesem Zweck entsprechend wurde eine Ausnahmebedingung einer der ältesten baurechtlichen Bestimmungen dieser Stadt angewandt, die den Bau an dieser Stelle erlaubte: Der Nutzen für die gesamte Stadt. Ist diese Bedingung aufgrund veränderter Nutzung nicht mehr gegeben, muss der Bau dort eigentlich weg. Dass man das manchmal etwas großzügig interpretiert (ehemaliges Stadtbad-Mitte) ändert nichts am Grundsatz.


    Nun sollte man aber auch sehen, dass der Bestand rund um das Schauspielhaus sich in den letzten hundert Jahren gewandelt hat. Was damals perfekt passte, wäre angesichts der heutigen Umgebung die Kuckucksuhr im Alessi-Laden.


    Die Argumentation der Bügerinitiative hat im Moment wohl in erster Linie die Aufgabe, die Rekonstruktions-Fans wachzurütteln, die noch immer mit glasigen Augen vor den Renderings der neuen "Altstadt" sitzen, um sie zu den Unterschriftenlisten zu holen.


    Also sucht man sich Bilder und Perspektiven von moderneren Opernhäusern, die nicht ganz unumstritten sind - mit etwas Mühe finden sich als Gegensatz sicher auch ein paar Beispiele auf denen selbst die Opéra Garnier oder die Wiener Staatsoper, als Originale schäbig rüberkommen.


    Im Kern der Sache gibt es keine Argumente:

    • Wie soll ein Theater- und Opernbetrieb in Frankfurt 2025 aussehen und funktionieren?
    • Welcher, mit der Wallservitut verträglichen, Nutzung kann man ein rekonstruiertes Altes Schauspielhaus zuführen?
    • Wie sieht die Kostensituation der Rekonstruierer aus, wenn der Grunderwerb für das Schauspielhausgelände mit eingerechnet werden muss, weil die Stadt das Geld als Anzahlung für den Grunderwerb an anderer Stelle für die Theaterbauten braucht?


    Und es ist ja nicht so, dass Herr Aha sich erstmals mit dem Thema beschäftigt oder die Frage nach der Nutzung rekonstruierter Gebäude ihm erstmals gestellt würde - die Argumentationslücken stehen an dieser Stelle seit Beginn der Diskussion über Sanierung oder Abriss des Bestands, denn schon damals war der Ruf "Rekonstruieren!" zu hören.

  • ^Also deine Argumentation, die auf dem Argument "Wallservitut" fußt, ist schon arg schwach. Und da das auch noch dein Hauptargument zu sein scheint, ist deine Argumentation insgesamt schwach.
    Seit über einem Jahrhundert nun ist die Fläche dort bebaut. Irgendwann sollte es auch mal gut sein mit dem Wallservitut. Du tust ja so, als ob das Wallservitut ein heiliges Gesetz wäre, das infinito gelten würde. Lächerlich wird es, wenn man es dann als Begründung für die Ablehnung der Rekonstruktione einer der Frankfurter Architekturperlen schlechthin hinstellt.


    Und bitte nicht falsch verstehen: Damit nehme ich nicht allgemein einen Standpunkt gegen das Wallservitut ein. Ganz im Gegenteil, es sollte für die Zukunft bzw. für zukünftige neue Bauprojekte sehr rigoros gehandhabt werde. Aber in diesem Falle ist die Anwendbarkeit seit der Bebauung von vor 100 Jahren nicht mehr gegeben. Man hat quasi Fakten geschaffen, auch wenn man sogar sagen könnte, dass diese Standortentscheidung damals ein Fehler gewesen ist ... wie gesagt "damals".
    Man könnte dann aber auch genauso sich fragen, wieso nun das Jüdische Museum um diesen super-hässlichen Kasten erweitert wird? Oder woher die Häuserzeile am Main (inkl. Jüdisches Museum-Altbau) ihre Berechtigung hernimmt? Weil sie einer öffentlichen Nutzung gewidmet sind? Aber das wird das rekonstruierte Schauspielhaus mit Sicherheit auch haben, und zwar mit Sicherheit von weitaus größerer Bedeutung als das Jüdische Museum (allein schon wegen den Besucherzahlen).


    Und konsequent bzw. in sich schlüssig ist dein Standpunkt auch nicht. Einerseits sprichst du vom Wallservitut (also Abriss und keine Bebauung), andererseits sprichst du von Grundstückserlösen (mit der eine Neubebauung einhergehen würde, höchstwahrscheinlich ein Hochhauskomplex), die für einen Neubau an anderer Stelle notwendig wären. :confused:


    Architektonisch wäre eine Rekonstruktion das beste was der Stadt Frankfurt passieren könnte, weil eben feststehen würde, was man bekommt, nämlich ein Prachtbau erster Güte.
    Ein großer Neubau an anderer Stelle, der beide Nutzungsarten vereinen kann, kann zwar zugegeben auch äusserst positiv stadtbildprägend werden, ja sogar international Beachtung finden (als Bspe. nenne ich mal die Oper in Sidney und die Elbphilharmonie in Hamburg). Aber wenn ich mir die zeitgenössische deutsche Architektur mir ansehe, ist die Wahrscheinlichkeit/Gefahr größer, dass wir irgendeinen Schiessschartenbau oder schnöden Kasten bekommen würden, der uns dann auch noch als legitimes Erbe der Bauhausarchitektur o.ä. verkauft werden würde.


    Und was dein Argument angeht, dass der Bau fehl am Platz wäre, weil er sich architektonisch nicht in die Umgebung einfügen würde, kann ich nur entgegnen, dass wir hier über Städtebau & Architektur in Frankfurt (!!!) debattieren. Frankfurt ist so voll von diesen Gegensätzen, dass diese schon gar nicht mehr auffallen. Abgesehen davon wäre hier noch nicht mal eine so große Diskrepanz gegeben. Die Eingangsfront wäre auf die Wallanlage ausgerichtet, insgesamt wären 3 Seiten hochhausfrei und schräg gegenüber befindet sich der Fürstenhof ... also bitte nicht übertreiben!!!

  • ^Ich spreche von Grundstückskosten, die anfallen, wenn ein Neubau von Oper und Schauspiel an einem anderen Ort notwendig wird, weil am bestehenden Standort etwas wiederhergestellt wird, was für seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr zu gebrauchen ist. Grundstückskosten/Opportunitätskosten, die anfallen, wenn nach einem Rückbau der Anlage der bebaubare Teil zum Maintor hin nicht zum Bebauen verkauft würde.


    Und ja, man wüsste, was man bekommt, wenn man rekonstruiert: Einen Prachtbau, für den man erst einmal einen Verwendungszweck finden muss. Der, wenn er von den stiftenden Bürgern hingestellt wurde, entweder der Verantwortung und Kostenträgerschaft der Stadt anheim fällt.


    Natürlich kann man das Gebäude da wo es stand rekonstruieren,aber doch bitte nicht Rekonstruktion als Selbstzweck, bloß weil der Bau mal schön war.
    Also: Was würdest Du mit dem Bau anfangen, wenn Geld und sonstige Rahmenbedingungen eine nahezu beliebige Nutzung eines Gebäudes mit der historischen Fassade, den erhaltenen Originalteilen und unter Nutzung der ursprünglichen Grundfläche erlauben - als einzige Bedingung soll die Nutzung Pflege und Unterhalt des Gebäudes sicherstellen.

  • Danke für die klaren Worte. Diese Art von verschärfter Unverbindlichkeit ist nun wirklich nicht nötig.
    Davon abgesehen wurde die von dir zuvor vorangestellte Frage:

    Wie soll ein Theater- und Opernbetrieb in Frankfurt 2025 aussehen und funktionieren?

    auch nicht beantwortet.
    Es geht doch in dieser Diskussion eigentlich um ein funktionierendes Gebäude für die Städtischen Bühnen. Dann sollte man diese Frage als Ausgangspunkt aller Überlegungen nehmen und den maroden Zustand der beiden Häuser nicht als Anlass benutzen, noch ein bisschen mehr "nur hübsch" in der Stadt zu verteilen.

  • In dem alten Schauspielhaus steckt doch jetzt auch die Oper mit Bühne und Zuschauerraum drin. Oder nicht? Das würde ja bleiben und jeweils ertüchtigt werden.
    Lediglich die Anbauten nehmen zusätzliche funktionsräume auf. Ein Problem wäre freilich der Bereich Kasse und das Foyer. Wieveil vom Bühnenhaus noch erhalten ist, weiß ich nicht. Die Kuppel schonmal nicht.


    Ansonsten muss man nicht so tun, als würde das historische Schauspielhaus aus fast nichts rekonstruiert und könnte wegen seiner Größe nicht gebraucht werden.


    Werkstätten etc. hinter der Bühne müssten freilich bleiben. Dafür müsste eine angemessene Gestaltung gefunden werden.


    Also sooooo unmöglich ist das alles nicht.


    Frage: steht denn das neue Schauspielhaus auch auf dem Gebiet des Walls? Ich dachte, nur das alte steht auf dem Streifen. Wenn das so wäre, könnte man ja im östlichen Teil bauen, ohne alte Gesetze zu verletzen. Wer kann da Fakten liefern?
    Insgesamt bin ich dafür, echte Fakten zu diskutieren.

  • ^das ist aber eine ziemlich unreflektierte Selbstbeweihräucherung des Zeitgeists der 1960er (kein Wunder, der Text ist auch auf 1963 datiert). Daran, dass man mit der Bausubstanz, die den Krieg überstand, sehr ignorant umging ändert diese sicherlich in sich schlüssige Erklärung dennoch nichts. Man kann eben auch grundsätzlich falsche Entscheidungen treffen, ohne bei deren Umsetzung Fehler zu machen. Das Konzept ist kreativ und machte das bestmögliche aus den Gegebenheiten, die Grundidee als solche war dennoch ein Fehler. Nun gibt es die Chance diesen Fehler zu berichtigen. Frankfurt sollte diese Chance ergreifen und ich hoffe, dass die Frankfurter diese Ansicht mehrheitlich teilen.

  • Das der Text nicht ganz objektiv ist, ist schon klar. Ich dachte ich muss dass nicht extra erwähnen :-).


    Grundsätzlich ist der Text für mich hauptsächlich aufgrund Platzproblematik interessant. Wenn man für eine Rekonstruktion des historischen Zustands Eintritt und damit den Ist-Zustand verändern möchte sollte man gleichzeitig auch ein Konzept für den Umzug der Räumlichkeiten haben, die dann zukünftig nicht mehr untergebracht werden können.


    Denn eines machen die Texte klar - eine Rekonstruktion hat auf gar keinen Fall Platz für Schauspiel, Oper, Kammerspiel, Werkstätten und Lager auf einmal. In das rekonstruierte Schauspiel passen eine Bühne mit vielleicht ein kleines Lager. Wo kommt der Rest hin?


    Die alte Oper wäre ja auch nur nach Umbauten wieder für den Opernbetrieb nutzbar. Und was wird dann aus dem Konzerthaus?


    Die Kosten wären dann der nächste Punkt:


    - Abriss und Rekonstruktion des alten Schauspiels
    - Umbau alte Oper bzw. Neubau eines Opernhauses
    - Neubau der Werkstätten und eines Lagers


    Das dies für die Kosten der Sanierung des Bestands zu haben wäre, darf bezweifelt werden.