Oper und Schauspiel: neuer Standort / alternative Lösungen?

  • zu #37:


    Du vergisst aber zu erwahnen, dass alle diese Häuser zum Teil sehr kostspielige Lösungen für Technik, Werkstätten und Lagerung eingehen mussten - Zürich hat z.B. hat ein riesiges Werkstatt- und Lagergebäude in Oerlikon und noch weitere Flächen in der Stadt angemietet, Hamburg hat seinen Fundus auf Gewerbeparks in Brandenburg und Mac Pom (!) verteilt, die Werkstätten sind auf mehrere Standorte in HH verstreut, und über die Probleme Wiesbadens müssen wir gar nicht erst reden.

  • auch zu #37:


    Das Problem dabei ist: Die meisten dieser Häuser wären als Neubau heute nicht genehmigungsfähig. Und wenn Du dir die Artikel über dieses Gebäude in den letzten 20 Jahren durchsiehst, kommt immer wieder der Punkt, dass man bestimmte Änderungen an der Gebäudesubstanz nicht machen konnte, weil man damit den Status-Quo aufgehoben hätte und eine "Ertüchtigung" des Gesamtbaus nach heutigen Maßstäben erforderlich geworden wäre.


    Das gleiche Problem in kleinerer Form ist die Ursache der Massen an Beton, die in der neuen "Altstadt" verbaut wurden.


    Wenn man also tatsächlich den verbliebenen historischen Gebäudekern aus der Hülle herausschälen würde, müssten an diesen, den Wunsch nach einer Nutzung als Theaterbetrieb mit den möglichen Publikumsmassen (jedes der Häuser mehrere Hundert) vorausgesetzt, auf der Publikumsseite in jedem Fall moderne Fluchtwege, Entrauchungsanlagen, Klima- und Lüftungsanlagen angebaut werden. Hinzu kommt, dass die Bühnenseite in den historischen Ausmaßen und Grundrissen schon von fünfzig Jahren den Anforderungen an einen modernen Spielbetrieb nicht mehr genügte und seither eigentlich ständig an- und umgebaut wurde. Also ist auf dieser Seite des eiserenen Vorhangs nur ein kompletter Neubau sinnvoll. Damit bliebe vom "historischen" Schauspielhaus nach einem "Wiederaufbau" nur eine nachgebaute Fassade auf dem Gebäudekern des Treppenhaus- und Foyerbereichs.


    Dazu dann eine Einstellung des Spielbetriebs für die Bauzeit (oder Umzug in Provisorien), eine dauerhafte Aufgabe der Synergien zwischen Schauspiel und Oper, die in Frankfurt durchaus mit positiver Kostenwirkung auf den Spielbetrieb sind.


    Dann schon lieber Neubau am Platz der Republik, mit Verlegung der Tram auf die Nordseite des Platzes, mit ordentlichem Konzept für die Platzierung der Bühnenanlagen, der Technikzufahrt und eben wieder zwei, vielleicht sogar drei Bühnen in einem Haus.

  • Die modernen Bauvorschriften könnten möglicherweise einen (teilweisen) Abriss und Neubau des verbliebenen Teils des Altbaus kostengünstiger als eine Sanierung machen. Ein Hinderungsgrund für eine (teilweise) äußerliche Wiederherstellung sind sie nicht. Ob die Fassade an handgebrannten Ziegelsteinen oder auf Beton montiert wird, dürfte der Mehrheit der Befürworter des Altbaus egal sein. Die inneren Grundrisse würden in jedem Fall neu definiert werden können. Auch bei vielen erhaltenen Altbauten wurden und werden Grundrisse bis auf wenige stilbildende Bereiche oftmals neu definiert.


    So dürfte es auch nur eine Minderheit interesseren was aus den alten "Standardamtsstuben" im Polizeipräsidium wird so lange Fassade, Eingangshalle und die wenigen anderen architektonisch hervorzuhebenden Bereiche im Wesentlichen erhalten bleiben.


    Die Diskussion dreht sich nach meiner Lesart daher insbesondere um die subjektiven architektonischen und städtebaulichen Präferenzen. Für mich wäre eine Verbindung aus alt und neu ein attraktiver Kompromiss (Altbau und Neubau verschmelzen in der Mitte). Beide Bauten an einem gemeinsamen Standort zu belassen dürfte zumindest im laufenden Betrieb kostengünstiger sein.

  • Ein paar Wände des Altbaus zu erhalten wäre vielleicht aber auch nicht schlecht. Immerhin könnte man den praktischen Neubau dann immer noch als denkmalgerechte Sanierung tarnen, was höhere Zuschüsse ermöglicht.;)


    Das Bühnenhaus des Altbaus wird man sicherlich abreißen müssen, die Statik wird kaum eine Wiedererrichtung der Kuppel auf diesem erlauben. Auch um unterhalb der Erdoberfläche mehr Platz zu gewinnen, wäre ein solcher Abriss sinnvoll. Den Rekonstruktionsbefürwortern mag man vermutlich eine Verlängerung von Seiten- und Hinterbühne abringen um eine Kreuzbühne für schnelle Wechsel zu ermöglichen. Die äußerliche Anpassung (Verlängerung) der historischen Fassade hier wäre, glaube ich, vertretbar.


    Ein Komplettneubau für beide Sparten zusammen in historistischer Gewandung an jetziger Stelle ist politisch wohl nicht durchsetzbar. Ob eine angepasste Rekonstruktion des Schauspielhauses mit einem modernen Neubau für Oper und Funktionsräume an der Ostseite möglich ist, sollte man zumindestens prüfen. Baut man komplett modern neu, wäre es sicher möglich beide Sparten vor Ort zu halten.


    Von Neubauideen auf nicht ohne weiteres zur Verfügung stehenden Grundstücken (z.B. auf der anderen Mainseite) sollte man sich getrost verabschieden.
    Ein Neubau auf dem Gelände des Polizeipräsidiums hätte den einzigen Vorteil, dass man kein Ausweichquartier benötigen würde. Man wird aber nicht die gesamte Fläche des bisherigen Standortes kommerziell vermarkten können, weil es in Diskrepanz zum Wallservitut stehen würde und den Standort Polizeipräsidium wird man auch nicht für nen Appel und nen Ei erhalten.

  • zu #31:


    Sehe ich anders.


    Das jetzige Grundstück könnte gewinnträchtig als Hochhausstandort verkauft werden und man könnte sich beispielsweise im Bereich Kurt-Schuhmacher-Str. / Ostzeil nach Ersatz umgucken.


    Verkehrstechnisch dürfte es zu jetzt keinen großen Unterschied machen. Zentral gelegen ist es auch und die Grundstückskosten geringer. Außerdem bestünde gleichzeitig die Chance auf etwas Stadtreparatur in dieser verwahrlosten Ecke.

  • Wie Schmittchen schon schrieb: Dejà vu, alles schon mal dagewesen. Andererseits scheint mit dem aktuellen Sanierungsstau ein handfester Anlass gegeben, einen politischen Willen zu finden und zu formulieren und die Weichen für die Städtischen Bühnen entsprechend zu stellen. Ein erster Schritt wäre, darin übereinzustimmen, dass die Flickschusterei der Vergangenheit ein Ende haben muss. Zur Erinnerung, wir reden über diesen Ist-Zustand (bzw. 2013/2014):



    Die Front zum Willy-Brandt-Platz (aka Theaterplatz):



    Wie es auch kommt, jede längerfristige Baustelle bedeutet für den laufenden Spielbetrieb eine gewaltige Herausforderung. Da bietet sich ein Neubau für die Oper an anderer Stelle auch zur Vermeidung von längeren Spielpausen an. Oben sind ein paar mögliche Standorte genannt. Das DRV-Grundstück neben dem Städel hätte was; hier würde ein "bombastischer", "weltstädtischer" Hingucker mit Fernwirkung mein Frankfurter Herz definitiv höher schlagen lassen, da bin ich ganz bei RYAN-FRA. Eine Oper am Main direkt gegenüber dem Nizza würde dem Alleinstellungsmerkmal des Museumsufers eine ganz dicke Sahnehaube aufsetzen. Und es würde der Stellung der Oper in der europäischen Kulturlandschaft gerecht. Übrigens reden wir von diesem Grundstück, auf dem ein gelungener Nachkriegsbau steht:



    Bilder: epizentrum


    Platz der Republik? Dort wäre eine schöne Blickachse durch die Mainzer Landstraße denkbar. Aus Denkmalschutz-Überlegungen heraus bliebe sicher die Front des alten Polizeipräsidiums erhalten, sodass das Hauptportal eines neuen Operngebäudes sicher zur Mainzer Landstraße zeigen würde. Ginge alles irgendwie, auch wenn für mich das Grundstück etwas zu abseits liegt. Zudem müsste das Land von seinen horrenden Forderungen für das Grundstück abrücken.


    Das Schauspiel nach einem Opern-Neubau in den jetzigen Opernteil der Städtischen Bühnen umziehen zu lassen und diesen mit einem zumindest zu den Schauseiten wiederhergestellten Seeling-Komplex wieder freizustellen, hat definitiv seinen Charme, und erscheint auch angesichts der Aussicht auf eine Veräußerung des jetzigen Schauspiels als Hochhausstandort und der Weiternutzung des jetzigen Opernkerns mit seiner aufwendigen Bühnentechnik fast folgerichtig, zumal auch das Schauspiel damit eine Verbesserung erfahren würde.


    Die Unterbringung der Werkstätten, des Depots, der Verwaltung und der Kammerspiele sind sicher nicht die letzten Fragen auf dem Weg zu einer Lösung. Für mich persönlich ist allerdings alles besser als die endgültige Manifestierung des jetzigen "Tschernobyl-Blocks" am Willy-Brandt-Platz.

  • Ich wäre absolut dagegen, den heutigen Theater-Komplex zu privatisieren. Ein so exponiertes Grundstück muss in öffentlicher Nutzung bleiben.


    Der von @epi so genannte Tschernobyl-Block umfasst heute rd. 12.000 m². Würde er nicht in öffentlicher Nutzung bleiben, entfielen die Voraussetzungen für eine Ausnahme von der Wallservitut. Würde man die anlagenseitige Baufluchtlinie des Eurotower-Sockels Richtung Main verlängern, verblieben rd. 3.800 m², also deutlich weniger als die Hälfte der Fläche, entlang der Neuen Mainzer Straße für eine private Bebauung, der überwiegende Teil würde bei Abriss des Theater-Komplexes wieder Grünanlage (werden müssen).


    Das LVA-Gelände ist knapp 10.000 m² groß. Um die Funktionen eines Opernhauses dort unterzubringen, wäre wahrscheinlich eine extrem dichte Bebauung und eine enorme Ausnutzung (Baumasse) erforderlich, die der verhältnismäßig lockeren Bebauung am Museumsufer zuwiderliefe, städtebaulich eher fragwürdig. Keinesfalls wären dort auf kleinerem Grund beide bzw. alle drei Spielstätten unterzubringen. Das liefe dann letztlich auf zwei Neubauten hinaus.


    Eine Spielstätte auf dem LVA-Gelände hätte den gravierenden Nachteil, öpnv-mäßig lausig schlecht angebunden zu sein; besser als am Theaterplatz geht’s eigentlich nicht, stattdessen hätte man 250 m Fußweg zum Otto-Hahn-Platz (zu zwei Straßenbahnlinien 15 u. 16) und 400 m Fußweg zum U-Bahn-Abgang Schweizer Platz; das ist für viele, die bisher mit dem RMV anreisen, zusätzlich zum langen Fußweg mit Umsteigerei verbunden – schlechte Idee.

  • Der Standort ist auch städtebaulich nicht in Frage zu stellen.


    Die Frankfurter Wallanlagen bilden eine ringförmige Grünanlage um die Innenstadt, Sie entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Gelände der 1804 bis 1812 geschleiften Frankfurter Stadtbefestigung.
    Nach Vorbild Wiens sollten in dieser Grünanlage dann einzelne repräsentative solitäre Prachtbauten das Ganze schmücken.
    In Frankfurt wurden es dann nur 2 Bauten, das Opernhaus und eben das Schauspielhaus, beide bilden zusammen ein Ensemble.
    Nur durch die völlig verhunzten Umbauten am Schauspielhaus ist dieser Charakter verloren gegangen und derzeit nicht mehr spürbar.


    Ein Neubau könnte diese Bezüge wieder aufleben lassen.

  • Es gibt noch eine weitere Variante. Das historische Schauspielhaus wieder aus dem Neubau "herausschälen" und das Gebäude einem kulturellen Zweck zuführen. Den Rest abreissen und das Grundstück verkaufen. Oper/Schauspiel dann an einem neuen Standort in der Stadt neu bauen.

  • Das Argument mit der Innenstadt zieht nicht. Wenn die Stadt wächst, wächst die Innenstadt mit. Das an das Polizeipräsidium angrenzende Europaviertel kann man als "Gründerzeitviertel" des 21. Jhd. bezeichnen und wird zweifelsohne im Bereich bis zur Emser Brücke Teil der zukünftigen Innenstadt sein.

  • Ich habe das Argument auch für etwas davorgeschoben empfunden. Die Innenstadt von Frankfurt hört für mich nicht an den Wallanlagen auf, und ich kenne auch niemanden, der dies nicht so empfindet. Das Bahnhofsviertel und auch die angrenzenden Teile der Gründerzeit- und Arbeiterviertel gehören zweifelsohne zur "Frankfurter Innenstadt". Es ist völlig absurd, ein Gelände das an den Platz der Republik angrenzt, sich quasi in der Mitte zweier Hochhauscluster befindet und nur einige Meter vom Hauptbahnhof entfernt ist nicht mehr als Innenstadt anzusehen.

  • zu #47:


    Wenn es in erster Linie darum geht, den Komplex auf der Wallanlage zu positionieren, wäre der Standort des Heiligengeist-Hospitals samt Schwesternhochhaus auch eine Option ( vorausgesetzt natürlich, das KH ist selbst in eher marodem Zustand. Kenne mich vor Ort nicht sonderlich aus ). Ist dann quasi die gleiche Lage, nur eben im Osten.


    Nicht sehr wahrscheinlich, aber vor allem städtebaulich eine Verbesserung auf allen Ebenen.

  • Der Ist-Zustand aus erhöhter Perspektive zeigt wunderbar, wie "verbaut" um nicht zu sagen "verkorkst" der Ist-Zustand tatsächlich ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dieses zusammengebastelte Konstrukt den hier schon angeführten praktischen Anforderungen an den Bühnenbetrieb wirklich besser dient als irgend ein historisches Opern- oder Schauspielgebäude. D. h. ein Erhalt des Ist-Zustands durch bloße Instandsetzung und Sanierung ist wohl hoffentlich aus dem Spiel. Und dann muss man eben sehen, was die Budgets sagen. Der Rahmen, den öffentliche Finanzen vorgeben, holt oft schon viele mögliche Alternativen ganz von selbst vom Tisch. Unter den verbliebenen muss man dann genauer auswählen. Da wir aber noch gar nicht wissen können, wie die verbleibenden Alternativen aussehen, machen wir hier doch alle gerade den zweiten Schritt vor dem ersten.


    Ich wollte lediglich meine Präferenz äußern, die besagt das noch vorhandene Skelett des alten Gebäudes im Rahmen einer kritischen Rekonstruktion, bei der selbstverständlich alle Bedürfnisse modernen Theaters berücksichtigt gehören, hervorgeschält würde. Bauchgefühlmäßig würde ich diese Lösung - Gebäudeteile weiternutzen ist außer bei veritablen Bauschäden meist billiger als Abriß+Neubau - auch unter den verbleibenden Alternativen vermuten (siehe oben).

  • Die Frage dieses Strangs beschäftigt natürlich auch die FAZ. In diesem Artikel fassen Matthias Alexander und Michael Hierholzer die Ausgangslage und die Perspektiven zusammen. Nicht uninteressant ist die Überlegung, die Alte Oper wieder zum Opernhaus umzubauen und dafür ein neues Konzerthaus (also die derzeitige Funktion des Gebäudes) an anderer Stelle neu zu schaffen. Die Verfasser ziehen die Aufteilung bis zum Zweiten Weltkrieg heran, als es drei Spielstätten für Musik und darstellende Künste gab, nämlich die Oper, das Theater und den Saalbau. Letzterer stand an der Einmündung der Neuen Schlesinger Gasse in die Junghofstraße. Dort fanden Bälle und die großen Orchesterkonzerte statt. Heute befindet sich dort ein von Morgan Stanley genutztes Bürogebäude, Junghofstraße 13-15, das erst vor 15 Jahren grundsaniert wurde und wohl nicht zur Disposition steht. Aber in nächster Nähe, auf dem Deutsche-Bank-Dreieck, steht bekanntlich eine sehr große Projektentwicklung bevor.

  • Zwischenfrage: wie ist denn die spezifische Situation in Hessen? In Bayern ist es zB so, dass der Freistaat einige Bühnen zum Staatstheater erhoben hat, was v. a. einfach bedeutet, die jeweilige Stadt bekommt gratis alles vom Land finanziert, auch die Baulasten. Das hat man teilweise in jüngster Zeit auch gemacht um die Kommune von Sanierungslasten zu befreien, in Nürnberg wurde im Grunde aus diesem Grund das kommunale Theater zum Staatstheater gemacht, nun liegt die Sanierung auf den wesentlich breiteren Schultern des Freistaats und Nürnberg kann sich entspannt zurücklehnen.


    In Berlin sind Stadt und Land quasi identisch, weswegen ein Vergleich damit nichts bringt, wobei in Berlin ja sogar der Bund "einspringt" und erkleckliche Kultursubventionen für Berlin trägt, sodass auch hier die Stadt Berlin nicht alleine gelassen wird, das überregional bedeutende Kulturleben zu subventionieren. Die Situation in anderen Ländern, wie eben Hessen, kenne ich nicht, jedes Land kann seine Kultus-Angelegenheiten ja autonom regeln, aber es ist doch wohl eher üblich, dass Kommunen nicht alleine gelassen werden bei der Finanzierung herausgehobener Kulturinstitutionen.


    Also, gibt es ggf. eine Perspektive, dass sich Hessen der Sache annimmt und das zur Landesangelegenheit erklärt? Immerhin ist FFM die größte und wichtigste Stadt des Landes und an repräsentativem, anspruchsvollem Kulturleben, das ja nicht nur Frankfurter sondern Bürger aus halb Hessen anziehen dürfte (das Bundesland ist nicht groß und "alle Wege führen nach Frankfurt"), somit ist es irgendwie auch nicht fair, die Baulasten einer einzigen Kommune aufzubürden. Könnte die Landesschattule angezapft werden dürften viele Dinge sehr viel einfacher werden.

  • Das in der FAZ erwähnte Gutachten kostete lt. FNP vom 21.07.2016 6 Mio. EUR und dort werden ebenfalls keine Ergebnisse der Gebäude-Untersuchung genannt die den zu erwartenden Aufwand für die Arbeiten an der Haustechnik oder am Gebäude bestimmen (Sanierung oder Neubau). Fest steht wohl aber - so die FNP - das die Haustechnik saniert werden muss und die Glasfassade energetisch schlecht isoliert ist. In der Kommunalpolitik besteht - die aus meiner Sicht berechtigte Furcht - das eine Sanierung wesentlich teurer wird als die zurzeit veranschlagten 300 Mio. EUR (und 129 Mio. EUR sind im städtischen Haushalt vorgemerkt). Hingewiesen wird in der FNP auf die laufenden Sanierung der Städtischen Bühnen in Köln wo sich die Kosten von 288 Mio. EUR auf voraussichtlich 460 Mio. EUR erhöhen; dafür gibt's schon fast den halben EZB Neubau. Mike Josef wird heute in der FNP schon mit 350 Mio. EUR Sanierungskosten zitiert.


    Eine Sanierung der drei Spielstätten (Schauspiel, Oper und Kammerspiel) am jetzigen Standort ist komplex und erfordert mindestens eine sequenzielle Auslagerung wenn nicht sogar die zeitgleiche Auslagerung aller Spielstätten während der Sanierungsdauer. Aus meiner Sicht wurde in den vorherigen Sanierungskampagnen unterschätzt - evtl. auch bewusst ausgeklammert - das der Bedarf an Platz und die Anforderung an die Technik weiter wächst. Deshalb sollte man nicht den Fehler fortsetzen indem das bestehende Gebäude-Ensemble durch die Sanierung wieder mal verschlimmbessert wird. Im Gegenteil die Chance zur Reparatur der baulichen Situation an dieser Stelle wieder verspielt.


    Der Neubau eines Hochhauses nach vorherigen Abriss des Gebäudekomplexes für das Schauspiel, die Oper und das Kammerspiel wurde schon mal nach dem Brand des Bühnenhauses der Oper vorgeschlagen und aus Kostengründen verworfen. Ein weiteres Manko dieser Idee ist - und das gilt generell für jede „Ein-Gebäude-Lösung“ für die drei Spielstätten - das der Neubau eine riesige Kubatur erreicht (Ich stelle mir in epizentrums 1. Bild noch das BFG HH darauf vor und da spricht mich ästhetisch nichts an).


    Deshalb lieber einen Schlussstrich ziehen und die drei Spielstätten wieder baulich trennen und diese am inneren Anlagenring neu bauen.


    Das Schauspiel könnte wieder in einem Neubau an alter Stelle am WBP residieren. Prinzipiell sollte aber der Altbau möglichst wieder hergestellt werden. Die technischen Flächen könnten als neuer Anbau im Bereich der Werkstätten entstehen. Doch was geschieht mit der Glasfassade und der Plastik Goldwolken? Diesen Kontext finde ich sehr gelungen und erhaltenswert.


    Die Kammerspiele könnten in einem Neubau im östlichen Bereich des Anlagenringes platziert werden. Dieses Gebäude könnte dann auch leicht weitere Theateraktivitäten (Nachfolger für Neues Theater oder TAT) abdecken. Besonders dem östlichen Innenstadtbereich wäre dies sicherlich sehr zuträglich. Eine Chance des Brexit nämlich die Weiterentwicklung und Verbreiterung des englischsprachigen Theaters in Frankfurt - wie von der FAZ geäußert - finde ich sehr reizvoll.


    Ein Umzug des Opernbetriebes in die Alte Oper wäre nur nach einem Umbau und der vorherigen Verlagerung der Konzertsäle in einen anderen Neubau möglich. Im Zweifelsfall also nur ein neues Opernhaus bauen und die Alte Oper als Konzert- und Kongressgebäude unverändert belassen.


    Vom alte Polizeipräsidium würde ich die Finger lassen, da man sich in ein paar Jahren über den dann als missglückt bewerteten Umbau in ein Opern- oder Schauspielhaus ärgern wird.


    Fazit: In Frankfurt wird mal wieder pragmatisch statt visionär Entschieden und aus Wiesbaden werden auch keine gedanklichen und finanziellen Impulse kommen.
    @ Pumpernickel, bevor Wiesbaden das Schauspiel zum Staatstheater oder die Oper zur Staatsoper erhebt und damit seine finanziellen Verpflichtungen wesentlich erhöht, wird ehr der kommunale Finanzausgleich so modifiziert das noch mehr Geld aus den Kommunen in die Kommunen umverteilt wird.

  • "Die technischen Flächen könnten als neuer Anbau im Bereich der Werkstätten entstehen."


    Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, wohin mit den Werkstätten? Sie arbeiten - auch aus Kostengründen - für Oper und Schauspiel (incl. Kammerspiel).
    Eine Auslagerung erfordert umfangreiche Transporte zwischen Herstellungsort und den verschiedenen Spielstätten, und dabei geht es nicht um 7 Umzugskartons und ein Regal. Um Bühnen von Potalbreiten von 20 m plus und die entsprechenden Flächen und Höhen zu füllen braucht es ganz schön Material.
    Gleiches gilt für die Kostümabteilung.
    Für alle am Herstellungsprozess Beteilitigten bedeutet das, dass ein Teil der Arbeitszeit durch Hin- und Herfahren verschlungen wird. Das wäre ohne personelle und finanzielle Aufstockung nicht zu leisten, angesichts der eh hohen laufenden Kosten und des sich ständig verschärfenden Sparzwanges sicherlich auch zu bedenken.
    Als Alternative weniger Produktionen oder zusammengeschusterte Ausstattungen in Erwägung zu ziehen wird wohl das avisierte Publikum auch im architektonisch gelungensten Haus nicht zufriedenstellen.
    Die Kammerspiele gehören zum Schauspiel - inhaltlich wie personell.
    Sie räumlich zu trennen heisst, sie aus ihren Kontext zu reissen. Es arbeiten da auch die Schauspieler, Regisseure, Assistenten, die zwischen Proben hier zu Vorstellungen im Schauspiel hin- und hermüssen.
    Im selben Gebäude evtl. Nachfolger für Neues Theater oder TAT unterzubringen würde eine sehr unklare Gemengelage hervorbringen: sind diese Nachfolger unabhängig, unter eigener Leitung, mit eigenem Profil?
    Wo lassen sie ihre Ausstattungen herstellen, in eigen Werkstätten (wo?)? Haben sie eigene Magazine, wo das Material (Deko, Kostüme etc.) für die laufenden Vorstellungen gelagert wird? Wo haben sie ihre Probebühnen, ihre Verwaltung,ihre Garderoben, ihre Maske, ihre Requisite? Muss alles doppelt vorhanden sein - einmal für Schauspiel, einmal für "TAT"? Bei gemeinsamer Nutzung: wer verwaltet das alles? Das Ergebnis wäre ein unübersichtlicher Moloch.

  • Neuordnung der drei Spielstätten

    Die im FAZ-Artikel angesprochene Neuordnung der drei Spielstätten ist wirklich der beste Vorschlag, welcher in der Diskussion bisher gemacht wurde. Ich habe diese Idee einmal aufgegriffen und folgendermaßen abgewandelt:


    • Zuerst wird im Deutsche-Bank-Dreieck oder an einem anderen, zentral gelegenen Standort ein neues Konzerthaus gebaut.
    • Wenn dieses fertig ist, baut man die Alte Oper im Inneren um und nutzt sie künftig wieder als Opernhaus.
    • Dann baut man den rechten Teil der Doppelanlage um, gibt ihm sein historisches Äußeres zurück und nutzt auch ihn künftig wieder als Schauspielhaus.
    • Schließlich wird der linke Teil der Doppelanlage durch einen Neubau ersetzt, welcher die für den Theaterbetrieb erforderlichen Räume "hinter den Kulissen" enthält.


    Komplizierte Zwischenlösungen würden so übrigens vermieden. Wir dürfen nicht vergessen, dass Frankfurt schon jetzt eine wachsende Stadt ist und durch den Brexit künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Deshalb sollten die Städtischen Bühnen diese einmalige Jahrhundertchance unbedingt nutzen.

  • ^bei dem DB Dreieck müssten Privateigentümer mitmachen und ich sehe nicht wieso sie da einsteigen sollten. Kultur rechnet sich nun einmal nicht. Darum ist das ja gerade Staatsaufgabe.


    Wenn Neubauten, dann sehe ich hier eigentlich auf dem Stadtplan Frankfurts aus der Vogelperspektive nur einen Ort, der sich für einen "großen Wurf" eignen würde, einen ganz eigenen Kulturkiez, mit großzügigen Freiflächen usw. - also ein echter großer Wurf - und dabei auch das Zeug zur Stadtbildikone hat: die von ominösen Schutthalten bedeckte Fläche, die direkt auf das neue Europaviertel folgt. Dieses Europaviertel ist ja sowas wie eine City-Erweiterung und schafft eine neue, zentrale Lage, an die ein neues Kulturviertel wunderbar andocken könnte. Die Allee des Europaviertels würde mit ihrem Endpunkt direkt darauf zulaufen (Sichtachse!). Das hätte auch den Reiz, dass man nicht erst groß überlegen, grübeln und herumpopeln müsste, wo sich neue Kulturbauten in das vorhandene Stadtbild einfügen würden - hier könnte man das Stadtbild komplett neu erschaffen, auf einer Brache. Wie oft hat man diese Chance schon in einer europäischen Stadt.


    Und wenn man die Gebäude entsprechend mit großzügigen Freiflächen umgibt und die Schauseiten der Gebäude attraktiv und monumental gestaltet (vgl. Oper von Sydney usw.) und entsprechend ausrichtet, dann habe ich schon vor meinem inneren Auge die zahlreichen Postkartenansichten der neuen Oper Frankfurts im Vordergrund, mit der Wolkenkratzer-Skyline im Hintergrund. Eine ikonische Ansicht, die Bekanntheit erlangen dürfte, da für Europa recht ungewöhnlich. Und damit die Alltags-Frankfurter auch was davon haben könnte man die restliche Brachfläche (auf dieser lang gestreckten Brache ist ja mehr Platz als drei Bühnen brauchen) zum einem "Opern-Park" umgestalten und aufwerten und entsprechend gärtnerisch hochwertig gestalten. Der daran anschließende, ehemalige Bahndamm, dessen Brücken zumindest auf Google Maps noch vorhanden sind, wird in einen großzügigen Rad- und Spazierweg umfunktioniert, der von Europaviertel und Opern-Park in das Wäldchen hinter dem Ramada Hotel Frankfurt Messe, zwischen Nidda und verbleibender Bahnstrecke, geführt wird. Das wäre ein städtebaulich großer Wurf.

  • @ Architektator Das Gebäude der Alten Oper mag sicherlich einen festlichen Rahmen für Opernaufführungen geben. Rein von der Größe der Bühne dürfte es zum Status Quo aber eine Verschlechterung darstellen. Im Gebäude der Alten Oper wird sich ein Repertoirbetrieb mit schnellen Kulissenwechseln nur mit dauerhaftem hohen Personalaufwand verwirklichen lassen. Bei der Rekonstruktion des alten Schauspielhauses könnte man sicher Anpassungen vornehmen, um eine vergrößerte Bühne zu ermöglichen.


    Wenn man neben dem Schauspielhaus eh neu baut, warum sollte man dort neben Funktionsräumen nicht auch die Oper unterbringen können?
    Auch der Neubau eines Konzertsaals ist ja nicht zum Nulltarif zu haben.


    Ausweichstätten bräuchte man bei diesem Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel auch, die Funktionsräume müssen ja irgendwo untergebracht werden. Eigentlich ist dies oft sogar problematischer als die eigentliche Bühne, die bei mancher Sanierung ja auch schon mal in einem Zelt untergebracht wurde.


    Und selbst wenn alle drei Neu- bzw. Umbauten günstiger wären als eine reguläre Sanierung, blieben dauerhaft erhöhte Personalkosten für Transporte/Wechsel zwischen Oper und Schauspielhaus.


    Die Optik alleine wird sicherlich nicht den Ausschlag geben.


    @ Pumpernickel Rein architektonisch mag man sicherlich auf einer großen Freifläche was tolles hinbekommen. Die Anbindung dort wäre aber noch auf Jahre hinaus mangelhaft und dies meine ich jetzt nicht rein auf den Verkehr bezogen. In der Innenstadt hat man für das nach der Aufführung alles beieinander. Am neuen Standort müsste sich erstmal alles entwickeln und das Europaviertel ist sicherlich nicht als Ausgehviertel geplant. Sollte Frankturt irgendwann deutlich über 1 Millionen Einwohner haben, werden sich auch zum Ausgehen Nebenviertel bilden. Soweit in die Zukunft zu planen halte ich aber für unsinnig und dürfte auch den Politikern schwer fallen. (Die U5 ins Europaviertel hätte man auch als Bauvorleistung mit geringerem Aufwand als Rohbau bauen können als noch nichts anderes stand, stattdessen wird sie nun erst zum guten Teil oberirdisch gebaut, wo fast alles andere schon steht.)