Brexit und die Folgen für Frankfurt

  • Wie der Hessische Rundfunk gestern berichtete (Q) hat ein 40 köpfiges Expertenteam bereits seine Arbeit aufgenommen, bestehend aus Vertretern aus Wirtschafts- und Finanzbranche, der Stadt Frankfurt und der Region sowie der Wissenschaft.


    Laut Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir liegen unsere Stärken auf der Hand: "Eine sehr gute digitale Infrastruktur, exzellente Erreichbarkeit, die Nähe zur EZB, eine hohe Lebensqualität und im Vergleich zu London oder Paris deutlich günstigere Büros".


    Eine erste Delegation soll am 10 August nach London reisen um dort Entscheider gezielt anzusprechen.


    Ich denke es ist gut, hier schon mal die ersten Schritte pro-aktiv zu machen, unabhängig davon wie die Briten sich weiter verhalten und vor allem von den Stärken der Stadt Frankfurt sowie der Region zu reden.

  • Ich habe in den letzten Wochen hier fleißig mitgelesen und mitgedacht. Manch steile These traf auf wilden Widerspruch, aber im Kern läuft es auf ein Problem heraus: Der Frankfurter gibt sich ungern als den Größten. Es gibt hier einfach zu viele "Gute", als dass man sich da sicher sein könnte. Und natürlich sind New York, Paris und London großartige Städte. Letzten Endes findet man aber vieles, was man dort bewundert, auch hier, wenn auch zuweilen etwas kleiner. Es gibt Clubs, Museen, Grünflächen (davon übrigens proportional gesehen auffallend viele), Schulen in allen Stadien von heruntergekommen bis schön anzusehen bzw. neu (z.B. am Riedberg) und allgemein viel umbauten Raum.
    Das Osthafenfestival, dem ich heute einen Besuch abgestattet habe, ist so ein Beispiel für nicht übergroß - und vor allem nicht übermäßig bekannt in Deutschland, wie mir scheint - aber ein schöner Ort, um dort zu sein, für Familien und Freaks gleichermaßen, wenn auch vielleicht nicht zur selben Tageszeit. Und das ganze in typisch Frankfurter Weise unaufgeregt professionell. Man hat in dieser Stadt - Joschka und der altehrwürdigen Messe sei Dank - schon ziemlich viel gesehen. Moden kommen und gehen und wenn sie bleiben, finden sie hier ihre Orte und Nischen, die sogar von der Stadt gepflegt werden (exemplarisch sei hier auf das Atelier Frankfurt und die diversen Theaterbühnen verwiesen).
    Gleichzeitig hat die Stadtpolitik immer auch das Soziale im Blick. Niemand käme auf die Idee, den Frankfurt-Pass abzuschaffen o.ä.. Jugendhäuser sind - alles in allem - eine Selbstverständlichkeit, der letzte Schrei sind Familienzentren in vielen Stadtteilen, die zur sozialen Kohäsion beitragen. Die ABG sorgt für niedrige Mieten auch in der Stadtmitte, jedenfalls im Vergleich zu Städten wie London. Dies sind dann allerdings keine sexy Einfamilienhäuser, sondern Mehrfamilienhäuser, die gerne auch mal im Passivhausstandard gebaut oder in diese Richtung saniert werden. Ich finde das besser als unbezahlbare Einfamilienhäuser in der Innenstadt, die alle Minderbemittelten - ich möchte sagen alle Nicht-Banker - dazu nötigen, weiter nach außen zu ziehen. Das Reihenhausflair findet sich in den Stadtteilen, die oft immer noch latent dörfliche Strukturen aufweisen, aber deren Einwohner in aller Regel nicht weltfremd sind, sondern weltläufig - der Flughafen macht´s möglich, und international ist die Stadt ohnehin. Zentral ist also der Gedanke, dass man hier sehr gut leben kann, wenn man auf ganz abseitiges zu verzichten bereit ist.
    Die Stadt hat sich im Übrigen in den letzten Jahren so manches geleistet, ohne es gleich abzuräumen, man denke zum Beispiel an Blockupy. Allerdings wird immer darauf geachtet, dass nichts ausartet. Das kann man dann spießig nennen. Mir fällt hier die Brache im Gutleutviertel ein, bei der die Stadt dann eingreift, wenn andere - etwa durch Rattenbefall - gefährdet werden, und ansonsten lässt man die Leute da in Ruhe, wenn der Eigentümer mitspielt. Evtl. wird noch ein Sozialarbeiter hingeschickt.
    Wer sich also für Frankfurt entscheidet - und darum geht es hier in diesem Thread - entscheidet sich für eine Stadt mit einem hohen Maß an Professionalität (jedenfalls für deutsche Verhältnisse, Gegenbeispiele wären z.B. Berlin (Flughafen), Hamburg (Elbphilharmonie), Stuttgart 21)
    und vielen freien Flächen, die leicht genutzt werden können. Eine adäquate Infrastruktur ist auch vorhanden, jedenfalls viel mehr als in Dublin (2 Straßenbahnen, 1 Hochbahn und ein Flughafen, den man b.a.W. nur mit dem Bus erreicht).
    Ich weiß wohl, dass im Bereich Wohnungsbau, Schulen und Infrastruktur noch vieles verbessert werden kann, aber die Probleme sind zumindest bekannt und benannt und werden in der Stadtverordnetenversammlung ausdiskutiert und angegangen.
    Für die Kultur sei hier noch exemplarisch das Städel mit seinen zuletzt deutschlandweit beachteten Ausstellungen erwähnt und die "Beste Oper Deutschlands". Das muss man nicht verstecken, aber ich kenne wenige Frankfurter, die das vor sich her tragen.
    Abschließend kann man Investoren nur raten, wenn sie aus London wegziehen müssen, dass sie ihr Glück in Frankfurt versuchen sollten, sie wären nicht die ersten.

    Einmal editiert, zuletzt von Metropolit () aus folgendem Grund: Absätze sind beim Lesen nützlich ;)

  • Mod: Folgende vier Beiträge aus dem Projektstrang zum Deutsche-Bank-Dreieck hierher verschoben.
    -----------------


    *grins* man muss auf die Tube drücken. Selbst in London - und nicht nur da - rückt Frankfurt immer mehr in den Fokus after Brexit. Selbst 2017 ist schon fast zu spät, denn Bedarf entsteht früher. Wie lang und groß der Bedarf anhält, ist eine andere Frage.

  • ^quatsch.
    Erstens wird in Frankfurt gerade viel gebaut und demnächst bezugsfertig,


    zweitens hat London noch nichtmal den Antrag auf Austritt gestellt. Ab Antrag, der inzwischen Ende 2017 erwartet wird um das Thema aus dem Bundestagswahlkampf zu halten, sind zwei Jahre zur Verhandlung Zeit. Dann wird es Übergangsfristen im ausgehandelten Vertrag geben. Neue Büros und Umstrukturierungen werden sicher schon jetzt London verlassen, wo es sich halt eh schon anbietet, der große Trek setzt aber erst ein wenn der Exit fix ausverhandelt ist und alle wissen woran sie sind. Das ist dann gegen Ende 2019 der Fall. Dann schaut man sich um und wird sicherlich noch Übergangsfristen von wenigen Jahren haben.


    Das Areal dürfte zur richtigen Zeit am Markt sein.

  • ^ Pumpernickel, es wäre schön und im Sinn unserer Richtlinien, wenn Du Abwertungen wie "Quatsch" außen vor lassen könntest.


    Deine beiden Argumente sind im Prinzip richtig; Unternehmen berücksichtigen aber auch andere Faktoren in ihren Entscheidungen. Dazu gehören Kosten, zeitliche Vorteile, der Standort ihrer Büroflächen, Wahrscheinlichkeiten und die Aktivitäten der Wettbewerber. Das kann dazu führen, dass sie sich Flächen sichern, bevor der Brexit konkret wird. Anders formuliert: Sie halten sich Optionen offen. ("Handele immer so, dass Du Deine Möglichkeiten erweiterst, nicht einschränkst.") Es gibt mehrere Möglichkeiten, das zu tun. Dass das keine trockene Theorie ist, möchte ich an dieser öffentlichen Stelle nicht mit Beispielen belegen.

  • Aber selbst dann, für die erste Welle ist Frankfurt gut gerüstet. Mit Omniturm und Marienturm kommen schon man zwei Großprojekte auf dem Markt und nebenbei laufen ja auch noch kleinere Projekte, und der Taumusturm ist ja auch noch nicht zu 100% vermietet. Auch Tower One könnte "jederzeit" starten. Damit kann man schon mal einiges abfangen, das DB Areal Projekt ist dann eher was für die nachkommende Welle...(ich hab irgendwo gelesen, dass mit 2-3 Wellen gerechnet wird, man wird nicht gleich zu 100% alles auslagern, sondern diverse Bereiche nach und nach, das wird mind. 5 Jahre dauern, mindestens).

  • Diverse Brexit Meldungen

    Laut dem Immobilienunternehmen Frank Knight gab es nach dem Brexit Votum bereits eine Anmietung von Büroraum in Frankfurt in der Größenordnung von 10.000qm. Berücksichtigt man den Ort und die Geschwindigkeit mit denen dieser Deal zu Stande gekommen ist, so wäre das laut FK nicht ohne den Brexit nicht möglich gewesen. (Quelle)


    Interessant ist auch die Meldung nach der sich aus 80 befragten Banken und börsennotierten Unternehmen in London zwar die meisten (54%) noch nicht für eine Stadt zur Verlagerung von Arbeitsplätzen entschlossen haben. Ein Viertel hat allerdings schon eine Entscheidung getroffen und weitere 21% wollen sich bis Jahresende entscheiden.
    (Quelle)
    Sicherlich ist auch hier wieder auf die offiziellen Schritte der Regierung hinzuweisen die abgewartet werden.


    Etwas amüsant bis peinlich sind diese Meldungen nach denen zum einen Berlin also zukünftigte Finanzhauptstadt gesehen wird "The influx of people from UK’s fintech sector to Berlin is also resulting in the movement of German bankers from Frankfurt to Berlin. As Berlin turns into the financial capital, ..." (Quelle). Zum anderen wird von einem schweizer Blatt geglaubt Zürich werde im Gegensatz zu Frankfurt und Paris als großer Gewinner aus dem Brexit hervorgehen (Quelle)... irgenwie süß.

  • ^ Also kurz- und mittelfristig wird Berlin in Sachen "Finanzhauptstadt" Frankfurt mit Sicherheit nicht gefährlich werden können. Doch langfristig im Zuge des Wandels der Finanzindustrie (Stichwörter: fortschreitende Digitalisierung, Fintechs, etc.) kann sich das mMn irgendwann doch ändern.


    Generell sollte Frankfurt als relativ kleine Stadt mit geringem politischem Gewicht und kaum großen Unternehmenssitzen immer auf der Hut sein und keinen Trend verschlafen und seine Schlüsselindustrien (hierzu zähle ich auch die Finanzindustrie) schützen & fördern.


    Gerade erst kürzlich wurde bekannt, dass die ohnehin angeschlagenen privaten Finanzinstitute DB & CoBa in nicht allzu ferner Zukunft fusionieren könnten, so dass nur noch ein großes privates Institut übrig bliebe. Hinzu kommt, dass im Bereich Fintechs (dem wohl zukungtsträchtigsten Bereich der Finanzindustrie) Berlin aktuell mindestens ebenbürtig ist.


    So rosig sehe ich Frankfurts "Finanz"-Zukunft trotz Brexit mittlerweile leider nicht mehr.

  • Naja, dass mit DeuBa und CoBa ist im Moment ja wohl wirklich nur ein Gerücht. Aber als Schwergewichte taugt keine deutsche Bank mehr. Die KfW kann man als halbstaatliche Einrichtung da nicht mitzählen. In der Tat muss sich Frankfurt als Finanzzentrum neu erfinden. Da sehe ich die Stadt, mit einiger Verzögerung und Anlaufschwierigkeiten in Sachen FinTechs, mittlerweile auf einem ganz guten Weg. Allerdings muss Frankfurt immer am Ball bleiben und aufgrund seiner relativ unbedeuteten Größe und fehl. politischem Gewicht hier immer "mehr machen" als andere.

  • Es ist die Stärke unseres Bankensektors, dass wir keine "Schwergewichte" haben, das ist nichts das wir bedauern müssen. Das hat uns vergleichsweise stabil durch die Finanzkrisen der letzten Jahre und Jahrzehnte gebracht, es waren fast ausschließlich Großbanken des öffentlichen und privaten Sektors betroffen. Die zahlreichen Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind selbst durch den "Lehman-Schock" zu 99,99 % auf eigenen Füßen gekommen (2-3 Institute hatten wohl Probleme, die wurden aber intern von den anderen Instituten des Verbands aufgefangen, der Steuerzahler musste keinen Cent blechen, die Sparkassen haben sich sogar an den verzockten Milliarden der staatlichen Großbank BayernLB beteiligen müssen).


    Wenn man einmal die Sparkassengruppe, die ja immerhin in einer gemeinsamen Finanzgruppe organisiert ist und auch einen gemeinsamen Markenauftritt teilt, als eine Bank betrachten würde, dann wäre diese "Sparkassenbank" übrigens mit einer Bilanzsumme von 2900 Milliarden Euro das mit Abstand größte Kreditinstitut der gesamten westlichen Welt (USA inklusive). Lediglich einige chinesische Staatsbanken haben eine größere Bilanzsumme.


    Und wo sitzt das Wertpapierhaus der Sparkassen? Die DekaBank Deutsche Girozentrale? In Frankfurt am Main.


    Wo hat die wichtigste Börse Kontinentaleuropas ihren Sitz? In Frankfurt.
    Wo hat die Zentralbank Eurolands ihren Sitz? In Frankfurt.
    Wo haben sowohl die großen inländischen wie ausländischen Geschäftsbanken mit der Rechtsform einer Aktiengesellschaft ihren Deutschlandsitz bzw. ihre Zentrale? In Frankfurt.


    Wie man überhaupt fantasieren kann, dass Berlin wegen ein paar Fintechs mehr werden könnte, als ein weiterer "Finanzplatz" vom Rang zB Stuttgarts (mit Glück, vgl. der wichtige Derivate und Zertifikale-Handel in Stuttgart), der betreibt - aus welchen Motiven auch immer - "wishful thinking" und keine realistische Analyse.


    Mit der ING-DIBA hat auch die mit Abstand größte und erfolgreichste Direktbank Europas ihren Hauptsitz in Frankfurt, es ist also nicht so, dass da bloß "altes Geld" sitzen würde.


    Frankfurt wird Nr. 1 in Deutschland und Kontinentaleuropa bleiben (Paris wurde schon vor Jahren "abgehängt" und klar zur Nr. 2 in Europa als Finanzplatz). Es geht hier doch lediglich darum, wie komfortabel Frankfurt diese Position als Brexit-Nutznießer ausbauen kann! Das ist sozusagen eine "Luxusdebatte". Daraus einen Abgesang auf Frankfurt als Finanzmetropole zu zimmern ist wirklich, wirklich absurd.

  • Röttgen-Brexit

    Ich habe hier keinen Link gesetzt, weil die mir bekannten hinter die Bezahlschranke gehen. Dennoch kurz wie folgt:
    Wenn ich das korrekt verstehe, schlägt Norbert Röttgen ernsthaft vor, den Briten den Binnenmarkt weiter offen zu halten, zugleich aber GB von der Arbeitnehmer-Freizügigkeit zu entbinden.
    Das Ganze soll im Kontext einer Art "Europa der drei Kreise" eingearbeitet werden, etwa wie folgt:


    a.) erster Kreis: Die Euro-Zone.
    b.) zweiter Kreis: Die EU (ohne Euro-Zone).
    c.) "irgendwie" kooperierende Länder wie z.B. die Schweiz und (demnächst ?) GB.


    Ich will das hier gar nicht weiter kommentieren. Vielleicht wissen einige im Forum dazu mehr.

  • Das ganze wäre so lächerlich.Wenn jetzt sogar die Türkei einen unbeschränkten Zugang zum EU Binnenmarkt hätte.Dann könnte es auch Russland haben.Irgendwann dann die ganze Welt.Aber ohne Pflichten natürlich.


    Wozu soll man dann noch EU Mitglied sein?Auch die Euro Geschäfte werden dann in London,Istanbul oder Damaskus abgewickelt.Warum nicht?:confused:

  • Während sich "Die Welt" (nicht ganz zu Unrecht) über Frankfurts Werbe-Website lustig macht http://www.welt.de/debatte/kom…-Wunder-in-Frankfurt.html, findet "The Guardian" uns anscheinend ganz cool: https://www.theguardian.com/tr…rt-culture-party-festival Wie dem auch sei, am enden werden wohl die harten Fakts am ehesten den Ausschlag geben. Jedenfalls beim Arbeitsrecht müssen wir vor Paris keine Angst haben.

  • In der Rechtsbranche gibt es derzeit einen spürbaren Sog nach FfM, die Headhunter kennt man bald auf Vornamensbasis. Gut möglich, dass es mich sogar selbst noch Ffm verschlägt. Das auf die Banker verengt zu betrachten ist also offensichtlich zu kurz gesprungen.


    Ihr dürft auch nicht vergessen, dass Investoren die drei- bis vierstellige Millionenbeträge in Immobilien investieren sehr gut vernetzt sind und viel in Markterforschung stecken. Der aktuelle, beispiellose Bauboom bei hochwertigen Büroflächen und Wohnungen im "dazugehörigen" gehobenen Segment in Ffm sind da sicherlich ein gewisses Omen.

  • Helaba-Finanzplatzstudie "Brexit – Let's go Frankfurt"

    Die Landesbank Hessen-Thüringen hat eine Studie zum Brexit und den Folgen für Frankfurt vorgelegt. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass Frankfurt die bevorzugte Adresse für Brexit-bedingte Jobverlagerungen werden kann. Die bevorstehende Konsolidierung des Finanzplatzes wird kompensiert werden können. Prognostiziert wird eine stabile Bankbeschäftigung mit rund 62.000 Stellen per Ende 2018.


    Die Studie kann hier im PDF-Format heruntergeladen werden. Der begleitende Pressetext der Helaba:


    [INDENT]Unter den europäischen Finanzplätzen ist Frankfurt die klare Nr. 2 hinter London. Mit zahlreichen Standortqualitäten ist die Main-Metropole ein attraktiver Finanzplatz für in- und ausländische Player und kann die bevorzugte Adresse für Brexit-bedingte Jobverlagerungen werden. Folgende Assets sind dabei besonders hervorzuheben: Stabilität und Stärke der deutschen Volkswirtschaft, Sitz der EZB in ihrer Doppelfunktion, Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, relativ günstige Büromieten sowie eine hohe Lebensqualität. Zu diesem Ergebnis kommen die Helaba-Volkswirte in ihrer Finanzplatz-Studie „Brexit – Let’s go Frankfurt“. Doch mit Paris, Dublin, Luxemburg oder auch Amsterdam gibt es ernstzunehmende Konkurrenten.


    Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleiterin Volkswirtschaft/Research, betont: „Damit Frankfurt tatsächlich zum vorrangigen Brexit-Gewinner wird, bedarf es neben mehr Selbstbewusstsein auch einem konzertierten Eintreten auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.“


    Darüber hinaus ist eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen wesentlich für den Erfolg. Angesichts der in mehreren Studien belegten herausragenden Positionierung Frankfurts im europäischen Finanzplatzgefüge stehen nach Ansicht der Helaba-Volkswirte die Chancen gut, dass mindestens die Hälfte der zur Disposition stehenden Finanzjobs in einem mehrjährigen Umstrukturierungsprozess von der Themse an den Main verschoben wird. Frankfurt steht damit vor der Aufgabe, die notwendigen Voraussetzungen z.B. auf dem Wohnungsmarkt zu schaffen. Unter sehr vorsichtigen Annahmen kämen über einen Zeitraum von mehreren Jahren insgesamt mindestens 8.000 Mitarbeiter nach Frankfurt. Da die Unternehmen nicht den Ausgang der Verhandlungen abwarten können, ist schon bis Ende 2018 mit einem Zuwachs von mehr als 2.000 Stellen zu rechnen.


    „Dieser Brexit-induzierte Arbeitsmarkteffekt wirkt der Konsolidierung in den hiesigen Bankentürmen entgegen“, sagt die Autorin der Studie Ulrike Bischoff. Beide Effekte dürften sich innerhalb des Prognosehorizontes mehr oder minder aufheben. Am deutschen Finanzzentrum sind zum Jahresende 2018 gut 62.000 Bankbeschäftigte zu erwarten.[/INDENT]

  • Zitat: "Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Bereichsleiterin Volkswirtschaft/Research, betont: „Damit Frankfurt tatsächlich zum vorrangigen Brexit-Gewinner wird, bedarf es neben mehr Selbstbewusstsein auch einem konzertierten Eintreten auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.“"



    Konzentrierter kann man es nicht formulieren.
    Ffm. und seinen Bürgern fehlt es in erheblichem Maße an Selbstbewusstsein. Das hängt zusammen mit dem starken Bedeutungsverlust dieser Stadt auf nationaler Ebene nach 1990, speziell im Zusammenhang einer "Berliner Republik". In den 1980er Jahren (das beste Jahrzehnt in der Geschichte dieser Stadt ! - GANZ SICHER) präsentierte sich Frankfurt vollkommen anders, zuversichtlicher, als heute. Letztlich betrifft dieser Trend aber alle westdeutschen Zentren (von München einmal abgesehen, die haben ihre kleine Delle im Lebensgefühl umso stärker mit materiellem Power ausgewetzt).
    Wirklich bedeutend ist der Verweis auf das "konzentrierte Eintreten auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene".
    Bei allen Defiziten unseres SPD-BMeisters meine ich, dass Feldmann und seine Mitstreiter sich für Ffm. recht gut ins Zeug werfen. Auch die Landesregierung tut was sie tun kann. Auf europäischer Ebene wird man für Ffm. natürgemäss nicht viel Lobby erwarten können. Auch andere wollen was von dem London-Kuchen ab.
    Zentrales Augenmerk sollten wir auf die bundespolitische Unterstützung unserer Stadt legen. Hier sehe ich ein nur sehr geringes Interesse der Berliner Fernwelten an dem Fortkommen von Ffm. Auch die (nach wie vor nicht ausgestandene) Börsenfusion kann da noch manche herbe Enttäuschung für uns bereithalten.
    Ich beobachte die Entwicklung speziell in Bezug auf "Berlin" sehr genau und werde zu gegebener Zeit meine gewohnt DEUTLICHEN Kommentare dazu abgeben.

  • Wieso sollte auch aus der Bundespolitik irgendwer für Frankfurt eintreten? Frankfurt ist kein Sitz eines einflussreichen Landesfürsten, der seine Parteibuddies in Berlin anhauen kann. Da macht ja am ehesten noch der DFB Lobbyarbeit für Frankfurt. :rcain:

  • Sagen wir so, dadurch, dass die BRD keine "america first" Wirtschaftspolitik wie die USA betreibt oder eine klar dirigistische wie Frankreich und man sich auch nicht dauernd überlegen muss, ob nicht doch der Staat hinter einem chinesischen Investor steht, wie bei den Chinesen, gilt die Bundesrepublik international als "seriöser Geschäftspartner", dessen Motive man nicht hinterfragen muss, auf dessen Lauterkeit man sich verlassen kann (auch deswegen war "Dieselgate" so ein gigantischer Skandal in Übersee, man hätte das speziell von den Deutschen schlicht nicht erwartet).


    Das zahlt sich für uns ordentlich in Euro und Cent aus, siehe unsere gigantischen Exportmassen, die aus Deutschland heraus quellen. Viele zehntausend Facharbeiter leben alleine in der Autoindustrie sehr gut davon, die ist auch deutlich mehr für unser Land wert, als die ganze City of London für die Briten (die kleine, globale Geldelite, die davon maßgeblich profitiert ist halt was anderes, als "Birmingham Main Street").


    Es wäre äußerst kurzsichtig, wenn die Bundesrepublik jetzt anfängt, egoistische Industriepolitik zu betreiben. Das kann nur zu "Vergeltungsmaßnahmen" führen, zu neuen Handelsschranken, usw. und damit würden wir uns massiv in das eigene Fleisch schneiden. Und einen Wettlauf in Nationalismus würden wir ohnehin verlieren, so auftrumpfend wie die Franzosen treten wir einfach nicht auf (außerhalb der AfD) und irgendwie hat Paris dann vielleicht sogar mehr subjektives sex appeal, als Frankfurt am Main....


    Nein. Die sachlichen Facts sprechen für Frankfurt und wenn man die Emotionen, das Großmannsgehabe und all das vor der Tür lässt und die Facts sprechen lässt, dann ist dies für Frankfurt am Main immer noch die beste Werbung. Davon bin ich fest überzeugt.

  • Wieso sollte auch aus der Bundespolitik irgendwer für Frankfurt eintreten?


    Entschuldigen Sie. Immerhin müssen wir es als Teil dieser BRD aushalten. Wie heisst es so schön in diesem Liedchen: "Brüderlich mit Herz und Hand ?!".
    Aber für das ganz grosse Abrocken auf diesen unseren Staat ist es an dieser Stelle noch viel zu früh ... Der "Wutbürger" beobachtet erst einmal in aller Ruhe weiter ... .