Brexit und die Folgen für Frankfurt

  • Das wären ja immerhin schon tausende lukrative Jobs "nur" durch drei Großbanken. Am Ende wird da aber sicher noch viel mehr dran hängen, nicht nur weitere große und kleinere Banken. London war auch DAS Zentrum der innovativen FinTechs. Davon wird auch ein Teil nach Frankfurt gehen und andere eben nach Paris, Berlin etc. Die werden mE sogar schneller agieren können als die Finanzriesen. Und auch andere Unternehmen mit Europasitz London werden einen zweiten Standort in Kontinentaleuropa prüfen.


    Bei mir kommt dennoch keine Euphorie auf, weder für Frankfurt noch für Berlin. Insgesamt sehe ich Europa als Wirtschaftsraum aber auch als Gesellschaft nur verlieren und weiter an globaler Bedeutung einbüßen. Viel wird jetzt von den Verhandlungen abhängen.

  • ^klar und auch da kann man noch anfügen, Eagle1 es ist sogar noch komplexer ;-)


    So stellen US Banken ja nicht die Mehrheit der 1/4 Mio. Jobs im Finanzsektor die in Greater London ansässig sind und zumindest zu einem großen Teil darauf basierten, dass UK Teil der EU ist (was nicht nur für den Eurohandel wichtig ist sondern für jegliche Finanzmarkttransaktionen; wenn UK ein Drittstaat wie jeder andere ist, dann reißt das vielen Bereichen den Boden unter den Füßen weg, der Eurohandel ist ja nicht alles worum es geht).


    Dazu: solch ein epochaler Wandel verändert auch den Markt. Wenn es Institute Kontinentaleuropas jetzt klug anstellen können sie denen, die bisher in London etabliert waren, auch schlicht Marktanteile abluchsen. Sie sind schon in Kontinentaleuropa und müssen sich nicht erst umstrukturieren, das schafft Morgenluft (eine der ganz seltenen Chancen ein Oligopol in bestimmten Bereichen aufzubrechen).


    Und: wenn jetzt mal einen Moment unsere Politik in Bund und sicherlich auch dem Land Hessen ein Mittel zwischen zwischen Arroganz und Demut fände - gesundes Selbstbewusstsein und Interessenpolitik mit Augenmaß - dann ließe sich diese Entwicklung enorm protegieren und dadurch das Maximum herausholen. Denn das haben uns die Franzosen und somit Paris ja auch wirklich voraus, dort ist eine aktive Standortpolitik, auch gegenüber europäischen Freunden, ganz selbstverständlich ein Hauptziel der Politik bis hinauf zur Staatsführung. Wenn Frankfurt also gestärkt wird, dann muss man aktuell leider auch sagen, "trotz" und nicht wegen der deutschen Politik, die das ganze höchstens neutral begleitet, während sich die Regierungen zB auch Irlands nun definitiv mit aller Kraft dafür einsetzen vom Run auf die Fleischtöpfe, die nun aus UK abgezogen werden müssen, zu profitieren.


    PS: sprachliche Gründe kann man übrigens auch anders sehen; ja die Iren redne auch Englisch. Aber es hat auch einen strukturellen Vorteil im Land ansässig zu sein, das auch die Verkehrssprache des wichtigsten EU Staats sowie die 2. Verkehrssprache der EZB hat (ja, die 2. Verkehrssprache, denn all die Beschäftigten der EZB, egal woher sie kommen, leben ja nach Feierabend im Raum Frankfurt, in Deutschland und müssen sich somit wie jeder andere Ausländer, der hier lebt, integrieren, die Sprache erlernen - somit kommt man bei der EZB sowohl mit Englisch wie auch gleich danach mit Deutsch auf persönlicher Ebene sehr weit, wie mir ein Freund, der bei der Buba arbeitet [ein normaler Sachbearbeiter ;)]; Französisch ist bei der EZB hingegen keine Verkehrssprache). Das spricht auch enorm dafür sich in Frankfurt anzusiedeln, zumindest immer dort, wo reger Austausch und ein guter Draht zur EZB Banken- und Kapitalmarktaufsicht vital ist. Da stechen räumliche Nähe generell alle anderen Standorte aus und zumindest gegenüber Paris hat die Sprachebene "Deutsch" einen weiteren Vorteil.

  • Insgesamt sehe ich Europa als Wirtschaftsraum aber auch als Gesellschaft nur verlieren und weiter an globaler Bedeutung einbüßen.


    Beim Geld hört die Freundschaft auf. Das, was für uns Fantasten und Romantiker (das Endziel "Vereinigte Staaten von Europa" hatte nirgendwo außerhalb der Bundesrepublik jemals nennenswerte Anhänger) ein böses Erwachen sein mag, das ist für alle anderen immer Normalität gewesen. Die EU ist eine Wirtschaftsunion, in die man eintritt, weil man sich für das eigene Land daraus Vorteile erhofft. Das war schon immer so! Daran hat sich damit also nichts geändert. Höchstens müssen die Deutschen die bittere Wahrheit erkennen: Freundschaft kann man sich nicht kaufen. Darum haben es ihnen die Südeuropäer auch nicht "gedankt", dass man sich entgegen der ursprünglichen Verträge nun doch auf eine Haftungsunion in der Eurozone de facto eingelassen hat. Aus der Sicht aller anderen ist es das normalste der Welt, dass man jeweils für sich versucht das Maximum herauszuholen und sich nicht schwächt, "nur" um irgend ein Wolkenkuckucksheim a lá USE, was man ja eh nicht will da man sehr zufrieden mit dem eigenen Nationalstaat ist, voranzutreiben. Auch die Niederländer oder Franzosen oder Luxemburger würden in letzter Konsequenz niemals ihren eigenen Nationalstaat aufgeben, zu Gunsten einer europäischen Version der USA. Niemals! Zu keinem Zeitpunkt gab es dafür ansatzweise Mehrheiten außerhalb der BRD, zu jedem Zeitpunkt war das naives Wunschdenken der Bundesbürger, das muss man nochmal in aller Deutlichkeit so sagen.


    Erst wenn Berlin das kapiert hat kommen wir zu einer Reform der EU mit Augenmaß, die verhindern könnte, dass der Brexit der Anfang vom Ende ist. Alles, was über eine bloße Wirtschaftsunion hinaus geht muss einfach zurückgefahren werden (gerne mit Arbeitnehmerfreizügigkeit, gerne mit Schengen, gerne alles, was der wirtschaftlichen Prosperität dient - aber ohne quasi-nationalen Popanz wie EU Flagge usw., ohne die Mentalität, mit der vor wenigen Jahren gar versucht wurde eine "Europäische Verfassung" zu etablieren). Das hätte man schon damals eigentlich lernen müssen, als die mit Pathos von den Eliten angeschobene "EU Verfassung" überall dort, wo die Bürger auch tatsächlich in Referenden abstimmen durften, krachend abgelehnt wurde. Wenn man damals schon umgesteuert hätte, dann wäre uns der Brexit, der ja letztlich nur mit ca. 2 % entschieden wurde und knapp ausfiel, mit Sicherheit erspart geblieben. Front National, UKIP, Geert Wilders, AfD und Co. sind auch Produkte der bornierten, sturen Eliten, die von ihrer "USE"-Vision nicht ablassen wollen, eine Gegenreaktion aus der Bevölkerung. Abgesehen von politischen Eliten oder auch altlinken Akademikern in der Bundesrepublik will niemand in Europa seinen eigenen Nationalstaat aufgeben und die EU mehr werden lassen als eine bloße Wirtschaftsunion. Auch nicht langfristig. Diese Lektion muss endlich in die Schädel der Verantwortlichen, ob es ihnen gefällt oder nicht.


    Wenn diese Lektion aber ausbleibt, ja, dann ist dieser Brexit einmal in der Geschichtsschreibung der Anfang vom (vermutlich langsamen) Ende der EU gewesen. Aber das sind langfristige Folgen über die wir nur spekulieren können, wie auch die Banken, daran kann man sich nicht orientieren. Die Push und Pull Faktoren haben sich aber sachlich greifbar über Nacht, durch den Brexit, verändert. Und ich meine, FFM wird der Hauptprofiteur davon werden. Denn fast zeitgleich mit dem push-Faktor "Brexit" aus London heraus baut die EZB ja derzeit massiv ihre Bedeutung und ihre Rolle für die Währungsunion und alle darin ansässigen Finanzinstitute aus. Hier wirken also push- und pull-Faktoren ganz massiv zu Gunsten von FFM zusammen. Dass nicht alles 1:1 von London nach FFM umzieht, klar. Schon weil die Finanzindustrie mit dem Klammerbeutel gepudert wäre nochmal so sehr auf ein Finanzzentrum zu setzen und sich gleichsam davon abhängig zu machen, man wird den Brexit definitiv dazu nutzen die Standortpolitik zu diversifizieren. Aber FFM wird dennoch der größte unter einigen Profiteuren sein. Ich nehme Wetten darauf an. ;)


  • PS: ich persönlich glaube, dass auch viel nach Berlin gehen wird.


    Fintechs ja, aber klassisches Banking wohl kaum.


    Ansonsten werden noch weitere Jobs betroffen sein, Fachanwälte, Wirtschaftsprüfer, IT-Experten, usw. Die Versicherungsbranche schaut sich übrigens auch um und auch noch andere Unternehmen. Es sind also nicht nur die Banken.

  • Zitat

    Zitat Pumpernickel:
    Der Brexit ist die Jahrhundertchance für Frankfurt am Main!


    Das ist die Ironie des Brexit. Die EU verliert und wir wittern eine Jahrhundertchance? Passt irgendwie nicht zusammen. Was nutzt es uns oder um beim Thema zu bleiben Frankfurt, wenn der Wirtschaftsraum insgesamt verliert und ggf. sogar noch weitere Staaten durch die Vorreiterrolle Britanniens austreten?

  • Ich finde wenn es nicht zu einem Brexit kommt oder kommen würde wären die Folgen für Frankfurt,so wie es bisher aussieht,deutlich negativer als bei einem Brexit.


    Allein schon durch die Börsenfusion .Ohne Brexit kommt es zur Fusion-zumindestens mit höherer Wahrscheinlichkeit-und das,was jetzt London droht,würde Frankfurt drohen.Abwanderung von Teilen von Banken,Beratungsunternehmen(die Börsennah sind)Kanzleien etc.So gut wie alle Experten sind sich da sicher.Nur der Londoner Kengeter sieht das anders.:mad:
    Nur dass London so eine Abwanderung viel besser verkraften kann.Also bei einem Nichtaustritt könnte das "Exodus" andersherum sein.


    Und was die anderen Staaten angeht:wenn die Briten nicht wieder die Rosinen picken dürfen,ist da die Chance deutlich kleiner,dass auch andere austreten werden.Sollten sie es dürfen,klar,wer würde dann nicht gerne austreten?Kaum Pflichten haben,aber alle Rechte besitzen.

  • Zu keinem Zeitpunkt gab es dafür [Anm: Auflösung der Nationalstaaten] ansatzweise Mehrheiten außerhalb der BRD, zu jedem Zeitpunkt war das naives Wunschdenken der Bundesbürger, das muss man nochmal in aller Deutlichkeit so sagen.


    ... jetzt hast Du aber nicht an die vielen Separatisten gedacht (Schottland, Katalonien, "Lega Nord", Flamen, Wallonen, abgeschwächt auch Bayern): ALLE wollen RAUS aus ihren Nationalstaaten, die - historisch betrachtet - reine Kunstgebilde sind - nur etwa 200 Jahre älter als die EU.
    Habe Verständnis dafür, dass man das als "Berliner" natürlich anders sieht, aber es wird kommen, das: Europa der Regionen. Nur wenige, vergleichsweise homogene Nationalstaaten wie Frankreich und Polen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit bestehen bleiben. Für alles andere gebe ich keine Garantie. Welche Kräfte da wirken, sieht man doch jetzt bei GB. Noch vor 10 Jahren war es undenkbar, dass GB zerbricht. Genau das droht jetzt. Und wenn sich das Tabu um die "Deutsche Einheit" ein wenig gelegt haben wird, dann wird auch in Deutschland der Süden losrumpeln. Was haben die Schwaben, Badener oder Bayern mit Brandenburg oder Berlin am Hut ?! - NICHTS !


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    Mod: Nochmals die Bitte um Bezug zum Thema "... Folgen für Frankfurt". Danke.

  • Fintechs ja, aber klassisches Banking wohl kaum.


    Ja, bisher verengt sich die Diskussion hier meist auf klassisches Banking, wohl weil Frankfurt darin (vermutlich zu Recht) seine größte Chance wittert. Aber das ist nicht alles, was jetzt aus London auf den Kontinent abwandern wird. In Kombination mit der gebremsten Konsumfreude der Briten durch Unsicherheit und der auch durch das schwächere Pfund kann das alles sogar eine heftige Rezession mit zweistelligem Minuswachstum des BIP bedeuten. Im Grunde hat die ganze Euphorie ein gutes Stück Totengräbermentalität. Aber ob das wirklich eine Jahthundertchance darstellt, sei dahingestellt. Ich betrachte das noch nicht als ausgemacht. Letztlich wird es in der Summe sicher nicht gut für Gesamteuropa ausgehen.


    @Pumpernickel: Die EU sollte immer mehr sein als eine EG oder EWG, das war jedenfalls im Sinne des Erfinders. Das es dazu aber stets pragmatischere Auslegungen gab, ist allgemein bekannt. Ein Äquivalent zu den USA wurde mW nie übermäßig propagiert. Im einzelnen geht es sicher auch mal zu weit und teilweise fehlt die direkte demokratische Legitimation. Auf der anderen Seite aber geht der Trend durch die Globalisierung ohnehin zu mehr gemeinsamen internationalen Standards, Normen und Gesetzen. Das wird auch nicht weg gehen, wenn man trotzig wegläuft und die Augen zumacht. Im Gegenteil: Indessen formen andere die Zukunft und für sich allein ist man schnell abgehängt und bedeutungslos. Das könnte England auch passieren, wenn sie schottische Rohstoffe und Teile der Londoner Wirtschaft wegbrechen sehen...

  • Wir dürfen wirklich gespannt sein, in welche europäische Stadt die EBA abwandert. Nicht nur die Tatsache, dass die EZB, die bei der EZB angesiedelte Bankenaufsicht für den Euroraum, die EIOPA und das ESRB in Frankfurt angesiedelt sind, sprechen für die Mainmetropole.


    Das EU Parlament hat sich im Jahr 2009, als die 3 Behörden gesetzlich errichtet wurden, sehr stark für eine Ansiedlung aller 3 Behörden in Frankfurt stark gemacht hat. Die Verteilung (EBA - London, ESMA Paris und EIOPA - Frankfurt) wurde von der ganz überwiegenden Mehrheit des Parlaments als nicht zwecksmäßig erachtet und die notwendige Nähe der Behörden zur EZB wurde als zwingend angesehen. Es gab damals aber auch noch andere Themen über die sich das Parlament mit der EU Kommission einigen mußte. In dieser Gemengelage wurde die Verteilung dann im Sinne eines politischen Kompromisses letztlich doch akzeptiert, jedoch unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass nach man die aktuelle Verteilung nach einiger Zeit nochmals überprüfe. In Konsequenz müßte eigentlich das EU Parlement nun eben auf genau dieser zentralen Ansiedlung in Frankfurt bestehen. Das Paris einer Verlagerung der ESMA nach Frankfurt zustimmt, ist nicht realistisch. Aber das die EBA nach Frankfurt geht, dafür spricht insgsamt doch einiges.

  • Ich glaube alles ist möglich, in den letzten Tagen hat man in den Medien Goldman Sachs eher in Verbindung mit Paris gehört, aber wirklich konkret ist generell noch gar nichts.


    Goldman Sachs baut auch ein ganz neues HQ in London, das könnte in Frankfurts (oder Dublins) Hände spielen, sollte Goldman Sachs sich nach relativ "preiswerten" Optionen umsehen.


    Ich habe auch gelesen, dass insgesamt 70.000 Banking Jobs die Insel verlassen könnten. Ich glaube da sind genug Jobs für alle da, Paris, Dublin und Frankfurt.


    Hier ein Interview mit Morgan Stanley President Colm Kelleher und Bloomberg, er sagt ganz klar entweder Dublin oder Frankfurt als Standort für das neue Europa HQ (er persönlich mag Dublin als gebürtiger Ire, aber kann das natürlich nicht alleine entscheiden):


    Morgan Stanley Eyes Dublin, Frankfurt for Post-Brexit HQ
    http://www.bloomberg.com/news/…r-frankfurt-kelleher-says

  • Die EU verliert und wir wittern eine Jahrhundertchance? Passt irgendwie nicht zusammen.


    Die EU ist nur eine Institution, damit steht und fällt nicht "Europa" oder die europäische Integration - die EU war ein Resultat davon und eine mögliche Spielart, nicht weniger aber auch nicht mehr. Wenn diese EU als Institution eine Sackgasse war dann ist ein Ende mit Schrecken, statt ein Schrecken ohne Ende, sowie insb. im Sinne der europäischen Integration langfristig besser. Zumindest für mich als jungen Mann. Wenn man schon graue Haare hat und Politiker jenseits der 60 ist und sein eigenes "Lebenswerk" und seinen Platz in den Geschichtsbüchern gefährdet sieht mag man das anders beurteilen, darum klammert sich das Polit-Establishment ja so an den Status Quo. Wenn wir aber über Institutionen diskutieren gibt es immer wieder den Konsens, dass die konkrete Verfasstheit dieser EU so eigentlich ein Fehler ist und so nicht bleiben darf.


    Dann darf man den Wandel nicht scheuen, wie man sieht erzwingen ihn die Menschen letztlich sowieso. Auch das Nein der Niederländer und Franzosen zur EU Verfassung damals war keine Ausgeburt von Nationalismus oder Europahass, sondern ein Stoppzeichen, dass man diese Institution EU ablehnt, geschweigedenn auch noch auf alle Zeit in der Form an der Backe haben möchte, indem sie per Verfassung zementiert wird.


    Und genau in dieses Horn stößt der Brexit eben auch - das sind nicht nur alles bockige, ignorante Nationalisten gewesen, die da so abgestimmt haben, wie es das holzschnittartige Zerrbild gerne darstellt, a lá "Wer nicht für die Institution EU ist, der ist gegen Europa, der ist für seine jeweilige Nation, der ist Nationalist und Antieuropäer". Klar haben diese schrillen, tumben Haltungen besonders viel Aufmerksamkeit erhalten. Ich hätte aber auch für einen "German Exit" gestimmt, nicht aus Nationalismus, sondern ganz im Gegenteil, weil ich eine echte europäische Integration mit einem subsidiären, basisdemokratischen Europa der Regionen möchte und nicht dieses Trojanische Pferd des Neoliberalismus genannt "EU".


    Darum nein, das hat auch nichts mit Totengräberstimmung zu tun, wie ein anderer sagte. Die aktuelle Dynamik, wo plötzlich alles in Frage gestellt wird und unzählige Vorschläge diskutiert werden, wie man Europa verändert, das wäre aus Brüssel heraus, aus dem Status Quo heraus, nicht möglich gewesen. Es braucht immer erst einen Nackenschlag damit sich Europa verändert, so ist das leider aller Erfahrung nach.


    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Frankfurt langfristig profitiert und "trotzdem" das Haus Europa langfristig auf stabilerem Boden steht. Denn der Brexit wird der Startpunkt für einen jahrelangen Reformprozess sein. Ein "weiter so" wird es nicht geben können und dafür muss man den Briten eigentlich dankbar sein.

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  • Inwiefern Du Frankfurt (als Stadt?) attraktiver als Paris findest, würde mich aber interessieren.


    Paris ist als Stadt schon attraktiver als Frankfurt, da besteht kein Zweifel, zumindest wenn es um Tourismus geht. Aber, als Arbeitsstandort koennte ich mir vorstellen, hat Frankfurt Vorteile. Wieso dazu komme ich noch.


    Und bei der Entscheidung wohin man einen Standort verlegt ist es schon wichtig, das den Mitarbeiter schmackhaft zu machen. Denn nur mit Neuanstellungen wird es kurzfristig nicht gehen.
    Ich denke die meissten Banker werden nicht komplett umziehen, sondern ihre Familien in London lassen und nur unter der Woche in Frankfurt, Dublin, oder Paris arbeiten.


    Ich hatte mal ein Jahr in England gearbeitet und die Englaender finden Frankreich zwar interessant, aber eigentlich ist ihnen die Franz. Mentalitatet eher fremd. Wenn man in England flucht und sich danach entschuldigen will, dann sagt man sorry for my French.


    Deutsches Essen, deutsches Bier und deutsche Effizenz werden in England geschaetzt. Diese weichen Faktoren machen vermutlich nicht viel aus, tragen aber zur Attraktivitaet eines Standorts bei.


    Wichtiger sind die Kosten. Paris ist teuer, sowohl was Mieten als auch was Lebenskosten angeht und natuerlich auch die Lohnsteuern. Schaetze fuer hoehere Einkommen ist Frankreich kein Schlaraffenland. 75% Spitzensteuersatz ist schon ein Brocken. Ich bin mir jetzt nicht sicher wie das dann bei Einkommen um 100.000 Euro pro Jahr aussieht, ob da Deutschland oder Frankreich attraktiver ist, koennte sein das in Frankreich mehr vom Brutto uebrig bleibt.
    Aber, fuer ein Wochenendpendler sind niedrige Lebenshaltungskosten ebenfalls wichtig. Da hat Deutschland auf alle Faelle Vorteile.
    Buromieten duerften in Frankfurt ebenfalls guenstiger sein.

  • ^ Das glaube ich auch (viele werden erstmal am Anfang ihre Familien in London lassen, aber später dann umziehen müssen, denn die Gehälter werden dann an Frankfurt/Paris-Niveau angepasst, zumindest aber die Neueinstellungen nach ein paar Jahren), aber wieviele Banker sind denn wirklich auch Engländer? Sehr viele Franzosen arbeiten zB in der Finanzindustrie und auch andere Europäer. Ich sehe das auch bei meinem Arbeitgeber (andere Branche), da sitzen im London HQ kaum echte Engländer, jeder 4. ist gefühlt da Franzose, Spanier oder Italiener... Paris ist auch nur eine Zugfahrt von London entfernt... denke dieses Argument "Engländer" zieht nicht so richtig...

  • Natürlich ist Frankfurt viel attraktiver als Paris.


    In Paris musst du als Großverdiener soviel von deinem Einkommen abgegeben, dass du mit dem Klammerbeutel gepudert wärst dich als Topverdiener freiwillig dorthin versetzen zu lassen. Und als Normalverdiener ist das Wohnen unbezahlbar, solange du keine Connections hast und eine der wenigen Wohnungen mit staatlicher Mietpreisbindung bekommst. Dann heißt es: du wohnst eigentlich gar nicht in Paris, sondern weit draußen und pendelst nur jeden Tag elend lange und nervtötende Strecken um zu deinem Arbeitsplatz in Paris zu gelangen.


    In Frankfurt kann man mit der selben Pendelzeit (und dem selben Geld) statt einer Geschosswohnung in einem Vorstadtgürtel - der in Paris ganz genauso häßlich wie überall sonst ist, nix Eiffelturmfeeling oder mediterranes savoir-vivre - eine Villa im Taunus bewohnen. Frankfurt ist im Vergleich mit der Île-de-France winzig, da ist man sofort rein und raus, Frankfurt (und Rhein-Main) haben trotzdem alles, was der moderne Urbanaut so schätzt, angefangen von einem Besuch der Oper in Abendgarderobe bis hin zu allen nur denkbaren Shoppingmöglichkeiten oder Sterne-Gastronomie.


    Im Leben würde ich nicht nach Paris versetzt werden wollen. Eher wechsle ich den Arbeitgeber. Ihr dürft touristische Attraktivität nicht damit verwechseln wie das ist an einem jeweiligen Ort dann tatsächlich auch sein Alltagsleben zu führen.


    Frankfurt könnte ich mir gut gefallen lassen. Und ich denke, das wird auch die Masse der Banker und sonstige Dienstleistungsbeschäftigte so sehen, die das Angebot bekommen nach FFM umzuziehen oder sich in London einen neuen Job suchen zu müssen. Das wird vielleicht nicht immer eine Herzensentscheidung sondern vielleicht einfach eine Vernunftsentscheidung, weil man seinen Job behalten will und die Stellenangebote im Finanz- und Dienstleistungsbereich im post-Brexit London auf Jahre hinaus zurückgehen dürften, aber Frankfurt kann man sicher auch dann noch lieben lernen.


    Meine Bauchgefühl-Prognose: in 10 Jahren hat Frankfurt +100.000 Einwohner und ordentlich zusätzliche Prosperität und nicht zuletzt ein Zugewinn an Internationalität und kosmopolitischer Stadtgesellschaft (Zuwanderung muss ja nicht immer nur durch sozial Schwache stattfinden, wie wir das bisher in Deutschland zumeist gewohnt sind). Das wird die Stadt noch attraktiver machen und für ihr weiteres Gedeihen vorsorgen. Stichwort "Aufwärtsspirale". Wie gesagt, ich denke, der Brexit könnte mittelbar der Wendepunkt für die Entwicklung Frankfurts in diesem Jahrhundert sein, eine echte Jahrhundertchance.


    Jetzt dürfen halt nicht die üblichen Verdächtigen protestieren, wenn neue Baugebiete ausgewiesen werden müssen für die Neubürger und auch neue Büroflächen (ja, FFM ist da Leerstandsmeister, das Gros des Leerstands ist aber 70er Mief a lá Niederrad wo keiner hin will, das ist kein Ersatz für neuen, d. h. modernen und attraktiven, Büroraum) und man muss bei der Frage zusätzlicher Hochhäuser flexibel sein. Salopp gesagt, das Linksgrüne Milieu muss sich etwas zurückhalten. Das schlimmste was die Frankfurter jetzt machen könnten wäre abweisende Signale zu senden, die den Eindruck erwecken, dass Umsiedlungen von Unternehmensbereichen und den entsprechenden Mitarbeitern gar nicht willkommen sind.

  • Ist es eigentlich so wahrscheinlich, dass die (Bank-)Arbeitsplätze der Londoner City nun zum großen Teil nach Frankfurt abwandern?


    Sicherlich muss man zur Geschäftsabwicklung auch weiterhin mit mit einem rechtlichen Sitz in der EU präsent sein. Aber wieviel Arbeitsplätze werden daran hängen? Für viele Finanzgeschäfte braucht es schon heute keine Banklizenz mehr. Da sitzt die Firma irgendwo in der Welt. Durch die Digitalisierung wird dies noch weiter zunehmen.
    Als durch den Brexit ausgelöste Investition könnte so manche Großbank lieber ein paar Milliarden in neueste IT stecken und überflüssige Banker in London ganz "frei stellen". Statt Niederlassungen mit tausenden neuer Arbeitsplätzen gibt es welche mit wenigen hundert in Frankfurt. Andere Arbeitsplätze, die sich nicht automatisieren lassen, standardisiert man wenigstens soweit, dass man sie auch im billigen Backoffices in Indien erledigen lassen kann.
    Für Banken wird Frankfurt wohl erste Wahl sein. Die Niederlassungen internationaler Konzerne werden sich vermutlich quer über Europa verteilen, sei es nun Dublin, Amsterdam, Paris, Berlin oder Hamburg. Frankfurt wird wohl auch was abbekommen. Auch in den Verwaltungen von Konzernen wurden in den letzten Jahren viele Stellen eingespart, der Brexit dürfte dieses beschleunigen.


    Was könnte dies summa summarum nun für Frankfurt heißen? Statt zehntausender neuer Arbeitsplätze und Bewohner kämen bei diesem Szenario nur ein paar Tausend. Eine Goldgräberstimmung mit vielen Bau- und Abrisssünden und Wildwuchs wie in den 60/60er Jahren wäre dann nicht zu befürchten.
    Sobald der Brexit-Beschluss auch offiziell verkündet ist, wird die Finanzierung schon jetzt weiter fortgeschrittener Projekte wie Tower One oder dem Deutsche-Bank-Dreieck, stehen. Auch mit Projekten, bei denen das Grundstück bereits "frei" ist, wie dem Hochhaus am Polizeipräsidium oder dem Projekt der Frankfurter Sparkasse dürfte es voran gehen. Ein paar weitere Standorte könnten hinzukommen. Genügend Bürofläche wäre so wohl bequem zu schaffen.


    Wenn keine zehntausende neuen Bewohner nur durch den Brexit zu befürchten sind, braucht man in Frankfurt auch nicht in Panik verfallen, wo man diese denn alle unterbringen will. Die Schaffung neuer Baugebiete und eine verbesserte Vernetzung des ÖPNV mit dem Umland kann wie jetzt auch voran getrieben werden. Für den ÖPNV könnte es wegen der Sondersituation vielleicht sogar mehr Hilfen vom Land und Bund geben.

  • ^Das glaube ich so nicht, evtl wenn wir jetzt das Jahr 2025 oder so hätten, aber dafür ist es noch zu früh. Ich arbeite in einer ähnlichen Branche mit Analysten und Consultants usw und der Automatisierungsgrad hat eben erst so richtig begonnen, wir stehen aber erst am Anfang (und zwar ganz am Anfang)...vlt werden einige Jobs im Prozess wirklich komplett gestrichen, aber vermutlich nicht in diesem Ausmaß...


    ...auch glaube ich nicht, dass andere Deutsche Städte großartig profitieren werden (International: Paris, Dublin und Amsterdam aber schon). Berlin evtl leicht (Fintechs), aber Frankfurt wird den Löwenanteil abgreifen. Man sieht doch, sogar Unternehmen wie LG verlagern ihre Europa HQs von London nach Frankfurt und nicht nach München oder Berlin. Man muss auch mal schauen, wo sitzen den eigentlich die anderen ausl. Konzerne in Deutschland? Coca Cola und Sony in Berlin, Kellogg, Facebook und Unilever in Hamburg, Disney, Amazon und McDonalds in München, Autos (Toyota, Nissan, PSA, Ford, usw) in Köln und Umgebung, ... es sind immer nur ein paar Konzerne und fast nur Deutschland HQs während im Frankfurter Raum sich alles ballt (und davon sogar so einige Europa HQs): P&G, Canon, Samsung, Nintendo, Panasonic Europe (Wiesbaden), Fiat, Hyundai, KIA, Honda, LG (bald), Ferrero, Nestle, Pepsi, Universal Pictures, ... und von den ganzen Airlines, Consulting Unternehmen und Banken mal ganz zu schweigen, ach und ESA Mission Control (Darmstadt)...das hat alles schon seine Gründe. Jetzt muss man sich mal vorstellen, wie wird es erst sein, wenn Frankfurt seine ganzen neuen Glitzertürme und anderen größeren Projekte fertiggestellt hat + mögliche ganz neue Investitionen...? Der Brexit ist die Chance einen gewaltigen Sprung nach vorne zu machen. Frankfurt könnte in 5 Jahren so viel erreichen, wofür man vlt sonst 15 oder 20 Jahre gebraucht hätte.

  • Dublin, Amsterdam, Paris, Berlin oder Hamburg. Frankfurt wird wohl auch was abbekommen.


    Sorry, aber das ist eine komplette Verkehrung der Tatsachen. Erst einmal spielt Hamburg in dieser Industrie schlicht keine überregionale Rolle. Berlin eigentlich auch nicht, könnte aber wegen der hohen Attraktivität für Akademiker sowie der Affinität von Fintechs zu Berlin ein Gewinner von Umstrukturierungen sein, in deren Zuge man ggf. in der Tat nicht nur einfach Büros umsiedelt und ansonsten alles so belässt, wie es ist, sondern das zum Anlass nimmt sich teilweise neu aufzustellen. Fintechs gehört die Zukunft, da ist Berlin ein prädestinierter Standort. Hamburg nicht. Und der Standort Nr. 1 ist nun einmal FFM, für Dublin, Paris und Amsterdam gilt hingegen, die "werden wohl" auch was abbekommen (sekundär, nach Hauptprofiteur Frankfurt), nicht umgekehrt.


    Und wenn du "Eine Goldgräberstimmung mit vielen Bau- und Abrisssünden und Wildwuchs wie in den 60/60er Jahren wäre dann nicht zu befürchten." schreibst, dann vermute ich, mit Verlaub, dass da dein Wunsch, dass sich nur nicht soviel verändern möge, vielleicht auch Vater deiner Gedanken ist. Denn du "befürchtest" ja offensichtlich im Zusammenhang mit einem neuen Frankfurt-Boom so einiges, klar, dass du dann solch eine Boom am liebsten kleinreden möchtest.


    Aber er wird kommen.


    Und die Gedanken zum Backoffice - Banken und Versicherungen sind ein anderes Kaliber als der Emailsupport eines Versandhändlers! Das kann man nicht einfach in Billiglohnländer verlagern, da braucht es hochqualifizierte Fachkräfte. Auch ist die juristische Verantwortung, die IT Systeme übernehmen können, schon fast ausgereizt. Wenn es um Geld und Rechten und Pflichten geht, dann müssen Menschen Sachverhalte prüfen und am Ende auch gegenzeichnen und mit ihrer Unterschrift rechtlich dafür einstehen, rechtliche Vereinbarungen schließen, usw. das mag zwar vielfach ein Massengeschäft sein, aber schon rechtlich sind Automatisierungen gerade dabei nicht grenzenlos möglich. Schon weil die Haftungsrisiken jede mögliche Einsparung mehr als überkompensieren würden. Aus dem Grund lassen sich Rechtsabteilungen schon dreimal nicht verlagern. Ein deutscher Volljurist kennt deutsches Recht - nur er, niemand sonst wird darin ausgebildet - zudem kennt er, wenn er in der entsprechenden Branche arbeitet, das einschlägige Europarecht im Bereich der Finanzwirtschaft.


    Nirgendwo zB in Indien gibt es solch eine Ausbildung. Und die lässt sich auch nicht einfach mal so aufbauen, Juristerei ist in großen Teilen eine Sprachwissenschaft, wo es auf Bedeutungsnuancen ankommt und eine falsche Formulierung ein Unternehmen Millionen kosten kann, darum tun sich Menschen die seit vielen Jahren in Deutschland leben und Migrationshintergrund haben und Deutsch nicht als Muttersprache haben - ja selbst Migranten die hier geboren sind, wo Zuhause aber zB noch Türkisch gesprochen wurde - ungemein schwer Jura zu studieren, weil die dafür notwendige sprachliche Tiefe nicht trivial ist (und auch deutschstämmigen Muttersprachlern regelmäßig fehlt). Alles Juristische - seien es Tätigkeiten mit rechtserheblicher Bedeutung oder die Tätigkeit von Juristen als solches - wird immer im Inland bleiben. Umgekehrt braucht ein Zuwachs an Finanzwirtschaft an einem Standort eine enorme juristische Begleitung. D. h. es werden auch zig Jobs im rechtlichen Bereich, für Juristen und deren Zuarbeiter, in Großkanzleien entstehen.


    Und das sind eben so Großverdiener wie zahlreiche Banker und Trader. D. h. es wird viel Geld für Konsum und Dienstleistungen ausgegeben werden von diesen Leuten, in Frankfurt. Das schafft neue Jobs für "Normalverdiener" mit Lehrabschluss. Und so weiter. Alleine wenn man das anschaut kannst du sicherlich an jeden Banker der mittleren und oberen Gehaltsebene, der nach FFM umzieht, nochmal 2 Jobs addieren (Juristen, lokale Wertschöpfung, es werden für mehr Kinder dieser zuziehenden Arbeitnehmer dann zB auch mehr Lehrer gebraucht, die ihrerseits wieder vor Ort Geld ausgeben, und immer so weiter). Dann sind wir alleine bei den vorsichtig geschätzten 10.000 neuen Jobs in der Finanzwirtschaft in FFM bei 30.000 neuen Jobs insgesamt. Und diese Leute haben Familie, wenn jeder Arbeitnehmer im Schnitt nur zwei Menschen hat, für die er sorgt, zB die Ein-Kind-Familie mit Hausmann oder Hausfrau, die die ersten Lebensjahre zuhause bleiben oder auch die Doppelverdienerehe vielleicht mit zwei Kindern usw., dann kommt man rechnerisch schnell in den Bereich von 100.000 Menschen, die insgesamt von neuen Jobs, die durch den Brexit nach Frankfurt kommen, in Frankfurt und Umland ein Auskommen finden.


    Jetzt erscheint meine Schätzung vielleicht sogar etwas nachvollziehbarer hoffe ich. Eine Schätzung kann man naturgemäß nicht belegen, aber es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn Frankfurt daraus keinen Honig saugen kann und einen starken Boom erlebt. Zumal ich diese Schätzung noch für sehr vorsichtig halte, denn wie die Auslandspresse (Neue Zürcher Zeitung) bereits feststellte:


    "In der Londoner City, so die Rechnung, arbeiten rund 700 000 Menschen im Finanzsektor. Sollten nur 3% dieser Arbeitsplätze verschoben werden, beispielsweise nach Frankfurt, gäbe es 20 000 Zuzüger in die hessische Finanzmetropole.", so übertrieben ist die Schätzung also keineswegs. Weiter schreibt die NZZ auch "So erwägt beispielsweise die UBS, ihre Europa-Zentrale nach Frankfurt zu legen.". Und der Kampf mit Paris ist eigentlich schon entschieden, denn "In einer jährlich erscheinenden Studie zur Entwicklung der Finanzplätze in der EU ist die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) jüngst zum Ergebnis gekommen, dass Frankfurt nach London die zweitwichtigste Finanzmetropole in der EU ist. Lange Zeit hatten sich Paris und Frankfurt einen Kampf um die zweite Position nach dem immer weiter enteilenden London geliefert.". (http://www.nzz.ch/wirtschaft/u…e-fuer-frankfurt-ld.91402)



    Und nie vergessen: "was man hat, das hat man", in alle zukünftigen Entwicklungen startet Frankfurt dann mit einer stärkeren Position, sodass alle Prognosen für die Zukunft bereits obsolet sind und nach oben korrigiert werden müssen. Das hat Auswirkungen auf Jahrzehnte. Darum sprach ich von einer Jahrhundertchance. Angesichts der Zurückhaltung und des teilweisen Unglaubens hier im Forum habe ich den Eindruck, als ob Frankfurt fast schon Unwillig in diesen bevorstehenden Boom hinein tapst. Das ist schade, ein Ansatz mit mehr Euphorie und Selbstbewusstsein könnte nämlich diese Entwicklung noch verstärken und noch mehr vom Kuchen für Frankfurt abschneiden. Ich gönne es unserem Mainhattan.

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