Rekonstruktion des Pellerhauses vorgeschlagen

  • Nürnberg ist nicht mehr die Altstadt von vor 1940. In die heutige "Altstadt" passt dieses Gebäude. Das ist doch harmlos. Richtiger Brutalismus das ist z.B. die Norishalle.

  • ^^
    Sag das mal denen die hier den Chistkindlesmarkt-Tourismus gestalten. Zu Begriffen wie "Altstadt, Flair, Historisches Stadtbild, gelungener Wiederaufbau, Baukunst" usw. will dieses Schulhaus nicht so recht passen.
    Die Norishalle wiederum finde ich nicht so verkehrt, sie ist schonwieder originell. Und gottseidank recht bescheiden. Aber stimmt, das ist mehr Brutlismus.

  • Tatsächlich, hier sehen wir wie die Stadt Nürnberg auch mit ihren Denkmälern, hier das Aktenzeichen D-5-64-000-2464, umgehen kann. Eigentümer ist die Stadt selbst, es kann also auch nicht irgend einem Investor in die Schuhe geschoben werden, der hier in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zur Tat geschritten sei.





    Das in der Pellerhausdebatte oft vorgebrachte Argument des "Rechtsbruch" ist hier buchstäblich zu einem Schutthaufen geworden und ist damit wohl verbrannt. Aus diesem Dillemma kommt doch der Denkmalschutz nur noch heraus, wenn man den Denkmalbegriff erweitert und vom bloßen Festhalten an Substanz abkoppelt. Der Denkmalbegriff sollte m.E. mehr umfassen als Ziegelsteine, Holzbalken und Eisennägel. Geht es nicht vielmehr um die Ideen, den schöpferischen Geist der Menschen jener Epochen und das handwerkliche Können, dass diese Ideen materialisieren kann? Wenn man so an den Denkmalbegriff herangeht erscheint es auch logisch, dass Kopien vergangener Jahre, wie der schöne Brunnen am Hauptmarkt oder das Sebalder Chörlein unter Denkmalschutz stehen. Und es ermöglicht eine sachliche Diskussion zum Thema Rekonstruktionen, die an vielen Stellen längst Realität geworden sind und die hier absolut geboten ist.


  • Foto aus Privatsammlung, ca. 1920


    Am 09. Februar war in der Presse zu lesen, dass auch die Nürnberger FDP die Pläne der Altstadtfreunde unterstützt, ein Plakat vor das Pellerhaus zu hängen. Darin heißt es, man solle die Diskussion darüber nicht unterdrücken, das wäre "am schlimmsten". Der Druck steigt also.


    In einem aktuellen BR-Beitrag kommen sowohl Altstadtfreunde als auch die Kulturreferentin zu dem Plakat-Vorschlag zu Wort:


    https://www.br.de/mediathek/vi…:5c6311da7b0e6700188c452c


    Interessant ist hier dass Fr. Lehner wieder das Rechtsbruch-Argument bemüht, dass ja derzeit wiedereinmal wiederlegt wird und damit eigentlich obsolet ist. Ich vermute das wird beim Pellerhaus noch richtig hoch hergehen, wenn einst belastbare Zahlen zur Sanierung auf dem Tisch liegen, oder, wenn man das Gefühl bekommen kann das an diesen frisiert worden ist.

  • Der Steingiebel der Nordfassade im Hof des Pellerhauses hat mich mit seiner Schönheit wie viele andere Besucher sehr beeindruckt. Den ersten Anblick wird keiner mehr vergessen.


    Keine Kritik: Der Giebel hängt ohne das frühere Dach des Rückgebäudes (mit den beiden Dachfenstern) leider etwas in der Luft. Deshalb gestaltete ich ein 3-er-Panorama, das den jetzigen Bauzustand mit der "fehlenden" Baumasse zeigt. Neben der Geldfrage verhinderte wohl auch der mangelnde Platz bzw. Abstand zum "Scharrer-Gymnasium" eine Blend-Dachfassade. Es gibt einen schönen Blick in die Zukunft. Das fehlende Dach baute ich farbig ein. Zuerst der Blick vom 1. Stock auf die Nordfassade. Weiter unten dann die Optik vom 2. Stock aus.


    Die Farbe der Dachziegel übernahmen wir von den eingedeckten Arkaden. Die hässliche Betonfront des "Scharrer-Gymnasiums" verschandelt etwas den Blick. Der Giebel rechts vom früheren Imhoff-Rückgebäude würde bei einer Rekonstruktion wegfallen.


    So eng ist der Platz zwischen dem Giebel und dem angrenzenden Gymnasium gar nicht - geschätzt sind es 8-9 Meter. Ganz rein theoretisch könnte man hier eine Dachschräge als "Kulisse" noch anbauen. Die eigentlichen Schulzimmer liegen wohl weiter nach Norden. Direkt am Giebel liegt nur ein Anbau mit kleinen Fenstern (siehe Foto). Denkbar wäre auch eine mobile, leichte und kostengünstige (Holz-)Konstruktion, die windstabil die frühere Dachschräge zum Hof hin abbildet




  • Du meinst dass man einfach ein Holzgestell auf das Dach des Gymnasiums stellen könnte? Technisch wohl möglich, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt, die sich hier schon wenig kooperativ zeigt wo sie Wertvolles geschenkt bekommt, die Haftungsrisiken usw. eingehen würde. Flachdächer haben schließlich so ihre Tücken, u.a. eine oft eingeschränkte Tragfähigkeit.


    Ansonsten, exzellente Visualisierungen! Vielen Dank!

  • Im Hinblick auf die Pellerhausdebatte und dem NN-Dialog am 12. März stand gestern ein Interview in der NZ. Gefragt wurde der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler zu Architektur, Rekonstruktionen und dem Pellerhaus. Gefragt hat Dr. André Fischer, einer der Moderatoren des Dialogs am 12. März.


    Mäcklers Haltung war überwiegend kritisch gegenüber der modernen Architektursprache und von Verständnis gegenüber Rekonstruktionsbewegungen geprägt. Das fand ich sehr erfrischend. Er sagte z.B. sinngemäß, die ältere (seine) Architektengeneration sei überwiegend nicht mehr in der Lage, schöne Stadträume zu schaffen, die Dogmen der Architekturlehre, mit Verzicht auf Ornament und Fassade, die Abwendung vom öffentlichen Raum usw. könne keine schönen Stadträume schaffen, deshalb sei die Moderne so unbeliebt. Er kritisierte auch die politisierung von Architektur, und verteidigte die Bauhausbewegung. Sie sei nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs als Ausdruck eines Demokratieverständnisses in der Architektur nachvollziehbar gewesen, aber nun nach 100 Jahren und 70 Jahren Demokratie müsse man neue Wege finden. In diesem Zusammenhang lobte er den Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt und dort insbesondere die Neubauten junger Architekten, die sich trauten Dächer, Gauben, Ornamente und Fassaden zu bauen.


    Zum Pellerhaus meinte er die Nachkriegsfassade sei schön und müsse nicht abgerissen werden, in 20 Jahren würde man soetwas womöglich garnicht mehr diskutieren.


    In diesem Punkt finde ich blendet er leider ein paar wichtige Fakten aus, denn auch vor 20 Jahren hat niemand den Abriss des Pellerhauses diskutiert. Die Diskussion beruht einzig auf der Problematik, dass das Haus großteils leer steht und nur unter enormen Aufwand saniert und nutzbar gemacht werden müsste, und dabei sogar seine Denkmaleigenschaft einbüßen könnte. Aus diesem Grund muss man m.E. eine Diskussion immer und überall führen, ja führen müssen. Überall dort, wo ein Denkmal abgerissen wird, führt man sie.

  • Anbei zwei Bildmontagen, die den ausreichenden Platz für eine Dachschräge hinter dem Nordgiebel im Hof des "Pellerhauses" zeigen:


    Für das erste Motiv nutzten wir das große Schnittmodell des "Pellerhauses" im Nürnberger Stadtmuseum "Fembo-Haus". Für die zweite das "gröbere" Modell des Egidienplatzes im "Fembo-Haus". Hier ist die Detailgenauigkeit beim Pellerhauses auf Grund des kleineren Maßstabs wohl geringer.


    Fazit: Das komplette Dach müsste hinter dem Nordgiebel nicht errichtet werden. Es reicht ein halbes "Schau-Dach". Der Platz hinter dem Nordgiebel zum "Scharrer-Gymnasium" wäre ausreichend breit genug. Mit einer Holzkonstruktion ließe sich die Dachschräge gut auf- und auch wieder abbauen.



    3 Mal editiert, zuletzt von rekonpel () aus folgendem Grund: Bilddateien zu groß

  • Zum rekonstruierten "Nordgiebel" im Hof des "Pellerhauses" habe ich drei Postkartenmotive gestaltet. Mir fehlt optisch das frühere Dach hinter dem Giebel. Dieses fügte ich auf den Motiven mit ein. Und es gibt eine Ansichtskarte, die die frühere Südfassade im derzeitigen Hof zeigt. Die Bildunterschriften sind in "Sütterlin" geschrieben. Auf Ansichtskarten der 1930-er-Jahre ist "Sütterlin" wiederholt zu lesen. Bei Interesse an den stabilen und versandfähigen Ansichtskarten bitte bei mir melden.





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  • NZ Diskussion

    Am vergangenen Dienstag, den 13. März fand nun die erste öffentliche Diskussion zum Thema Pellerhausrekonstruktion zwischen Altstadtfreunden, vertreten durch ihren Vorsitzenden Herrn Enderle, und der Stadt Nürnberg, vertreten durch den Baureferenten Herrn Ulrich, statt. Ich war selbst zugegegen, und trotz recht hoher Ticketpreise von 8 bzw. 12 EUR waren die Zuschauerplätze gut gefüllt. Die Veranstaltung dauerte etwas mehr als 2 Stunden lief erstaunlicherweise auch sehr fair ab. Es durfte jede Frage gestellt werden und jeder durfte ausreden bzw. antworten.
    Von meinem subjektiven Gefühl her waren die Befürworter eines Wiederaufbaus in der Mehrzahl, aber das ist nicht repräsentativ.


    Eines der vielen behandelten Fragen war dann auch das Problem herauszubekommen, was denn die Mehrheitsmeinung unter den Nürnbergerinnen und Nürnberger sei und wie man den ermitteln könnte.


    Der offizielle Artikel der NZ zur Diskussion ist online nachlesbar:


    http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/werden-durch-neuen-ob-die-karten-neu-gemischt-1.8700133?searched=true


    Passend zum Thema startet die NZ in ihrer heutigen Umfrage auch einen Versuch, einen Anhaltspunkt für eine Mehrheitsmeinung zu finden. Die heutige Printausgabe fragt aktuell "Soll das Pellerhaus rekonstruiert werden?":


    Man kann telefonisch abstimmen (25 ct/Anruf).


    Ja: 0137-6662221
    Nein: 0137-6662220


    Der zugehörige Artikel NZ-Blog "Senf dazu" unter nz.de/senf ist wohl noch nicht online.

  • Plane vor dem Pellerhaus abgelehnt

    http://www.nordbayern.de/regio…ein-grossplakat-1.8748651


    Wie die NZ heute berichtet, hat die gestrige Stadtratssitzung den Antrag der CSU, eine Plane vor der Mayerhausfassade aufzustellen, abgelehnt. Die Ablehnung kam durch die Mehrheit der Stimmen aus SPD und Grüne zustande.
    Stattdessen schlagen die Ablehnenden vor, ein kleines Plakat daneben aufzustellen, und frei nach Rathenau "Denken heisst vergleichen" beide Fassaden miteinander zu vergleichen.


    Meine Meinung: Mag die Diskussion im Stadtrat schnell beendet worden zu sein, die Diskussion in der Bürgerschaft wird aber bleiben, denn die Entscheidung löst weder das Problem noch bietet sie einen Erkenntnisgewinn.


    Die Frage ist nun auch, was ist ein "kleineres Plakat" und "daneben". Wenn man die Pellerhausfassade um 8 Höhenmeter herunterskaliert und das Plakat dadurch nicht mehr über die Traufkante hinausragt wäre das Thema mit der Windlast erledigt. Wobei das Mayerhaus mit seiner Balkon-Stangen-Fassade sicherlich eingriffsfreie Montagen ermöglichen könnte.


    Die Diskussion geht also weiter, und wenn man sich in der Politik nicht bewegt wird man solange diskutieren bis die richtigen an den Tischen sitzen.