Gutenberg-Museum (Erweiterung und Modernisierung)

  • Das Gebäude wird das Aussehen des Platzes stark beeinflussen. Mainz präsentiert den Platz mit dem Bibelturm und Touristen sehen ihn als Teil von Mainz. Diejenigen, die sich bei ihrem Besuch die Innenstadt anschauen, werden diesen Turm mit Mainz verbinden. Sie werden sich daran erinnern, dass dieses auffällige Bauwerk an diesem Ort steht.


    Meiner Meinung nach sollten die Mainzer das Recht dazu bekommen abzustimmen, ob das Gebäde gebaut werden darf oder nicht. Schließlich steht es in keiner unbedeutenden und kaum besuchten Seitenstraße der Altstadt.


    Die Befürworter und Gegner sind nun gefragt und müssen Überzeugungsarbeit leisten. Soweit ich weiß gibt es für beide Seiten Bürgerinitiativen. Wenn diese ihre Meinung durchsetzen wollen, müssen sie an die Öffentlichkeit gehen und die Mainzer für sich gewinnen.


    Ich zum Beispiel bin noch unentschlossen und werde mich daher demnächst näher mit dem Thema beschäftigen, um 2018 für das abzustimmen, was mir zusagt. Und ich bin mir sehr sicher, dass bis dahin noch viele weitere Mainzer für eine der beiden Seiten überzeugt werden können.

  • Der Bibelturm wird nicht kommen, die Abstimmung fiel klar dagegen aus (77,3% zu 22,7% (Link zur AZ)).


    Ich habe in der Sache keine Präferenz gehabt. Zwar halte ich den Entwurf doch für interessant und Gutenberg-würdig, andererseits im räumlichen Kontext für wenig passend. Mal schauen, ob Museum und Stadt jetzt noch eine bessere Lösung finden können.


    Die Vorgehensweise der Stadt halte ich aber für katastrophal. Statt dass die Mandatsträger ihre Arbeit machen und eine gute Lösung finden, mit der möglichst viele leben können, veranstalten sie einen solchen "demokratischen" Zinober, der die interessierte Stadtgesellschaft spaltet, und letztlich dazu führt, dass weniger als ein Drittel der Wahlberechtigten (Wahlbeteiligung laut AZ: 40%) seine Position durchsetzen darf. Kann ich nur den Kopf schütteln. :nono:

  • Zwar mögen 40% Wahlbeteiligung vielleicht nicht ganz demokratisch sein, für einen Bürgerentscheid ist dies aber schon recht hoch und sehr deutlich ist dann ja auch das Votum mit 77,3 % Ablehnung.


    Ich würde weniger den demokratischen Zinober kritisieren als das mangelnde Gespür der Mandatsträger die Stimmung vor Ort zu erkennen.


    An sich stellt der Bücherturm ja schon interessante Architektur dar. Aber es zeichnete sich halt schon im Vorfeld eine sehr starke Ablehnung in der Mainzer Bürgerschaft dagegen ab, solch einen Bunker an diese sensible Stelle der Altstadt zu setzen. Es ist ja nicht mal die Sanierung des gesamten Museums finanziell gesichert und trotzdem sollte erstmal der Neubau entstehen. Da kommt man nicht umhin zu denken, dass da mit aller Macht eine Duftmarke gesetzt werden sollte.


    Mandatsträger und auch Wettbewerbskommissionen sollten sich wohl stärker an den Wünschen der Menschen vor Ort orientieren und nicht nur meinen, aus der Herrscherpose heraus die Untertanen mit einem Gebäude "beglücken" zu müssen, welches vor allem ihrem eigenem Geschmack entspricht.


    Es ist schon eine ziemliche Hürde genügend Unterschriften für einen Bürgerentscheid zu sammeln, man hätte also den Bau eigentlich bereits nach Erreichen dieses Quorums absagen können...


    Nur sind Bürgermeister und Stadtrat leider in sich selbst gefangen. Ohne dazu von außen gezwungen zu werden, können sie ja auch nicht einfach den Siegerentwurf des Wettbewerbs übergehen und einen "gefälligeren" Entwurf auswählen. Weil dann schon wieder umstritten wäre, was ist "gefällig"? Insofern blieb ihnen auch nicht viel übrig als den "demokratischen Zinnober" zu veranstalten, um nun einen gerechtfertigten Grund zu haben einen vermutlich ganz neuen Wettbewerb auszurufen. So wird unsinnig noch mehr Geld hinausgeschmissen.


    Selbst in der FAZ wird über dies Debakel berichtet.

  • Zitat

    Aber es zeichnete sich halt schon im Vorfeld eine sehr starke Ablehnung in der Mainzer Bürgerschaft dagegen ab, solch einen Bunker an diese sensible Stelle der Altstadt zu setzen.


    Da wäre ich vorsichtig: Im Nachhinein scheint es klar, dass die Ablehnung von vornherein schon groß war, aber das ist eine Täuschung - es gab schon genug Abstimmungen, in denen das Ergebnis ganz anders ausfiel als erwartet. Beispielsweise die S21-Abstimmung, bei der auch jedem klar war, dass die Ablehnung gigantisch ist, sich dann aber bei relativ hoher Wahlbeteiligung keine Mehrheit dagegen gefunden hat. Das ist ohne vernünftige Umfragen immer schwierig zu sagen - es wäre durchaus möglich gewesen, dass die Ablehnung des Bibelturms noch deutlich niedriger ist als die ~33%, die es jetzt geworden sind.


    Die Aufgabe der Mandatsträger sollte es aber sein, möglichst viele Bürger mitzunehmen, und da hast du dann schon recht, dass das nicht geschehen ist.


    Im Grunde hätten Stadt und Museum nach dem katastrophalen Ergebnis des Wettbewerbs (ich meine die haarsträubende Gesamtschau der Teilnehmer) schreiend weglaufen sollen...

  • 77% ist schon eindeutig. Kann ich verstehen, in Mainz gibt es so viele Bausünden, einige schon so alt dass sie wiederum unsinniger weise schon Denkmalschutz genießen (Rathaus zB), da waren die Bürger natürlich gegen noch mehr monströser Bunker, die man in 30 Jahren nicht mehr abreißen darf.


  • Die Vorgehensweise der Stadt halte ich aber für katastrophal.


    Also der Mainzer Oberbürgermeister ist bspw. 2012 in der Stichwahl bei einer Beteiligung von lediglich 34,3% mit 58% der abgegebenen Stimmen gewählt worden. Macht weniger als 20% aller Wahlberechtigten. Insofern würde ich den Mainzer Bürgerentscheid als vollends gelungen bezeichnen.
    Die starke Mobilisierung ist schon besonders, auch da es der erste Bürgerentscheid in Mainz war.

  • Stimmt, keine besonders überzeugende Wahlbeteiligung (auch in der ersten Runde nicht). Der Vergleich ist aber natürlich unsinnig. Erstens, da ein OB durchaus nicht gewählt wird, um autokratisch Entscheidungen zu treffen - ein OB hat andere Aufgaben als ein Bürgerentscheid. Das kannst du hier nachlesen (§47). Zweitens, weil auch bei einer Wahlbeteiligung von 100% ein Bürgerentscheid einen großen Teil der Bürger komplett übergehen würde, während ein OB bzw. Stadtrat unabhängig von der Wahlbeteiligung versuchen kann, möglichst alle Bürger durch Kompromissfindung bei Entscheidungen mitzunehmen.


    Was anderes: Bei der AZ gibt es ein Interview mit dem Bibelturm-Architekten.

  • Ich bin kein bedingungsloser Verfechter von Bürgerentscheiden. Besonders dann nicht, wenn die Abstimmung an andere Wahlen gekoppelt wird, um die Beteiligung hochzutreiben. Das war hier nicht der Fall. Wer gegen den Bibelturm gestimmt hat, hat das bewusst getan und nicht nur, weil er sowieso grad in der Wahlkabine stand.
    Unsinnig finde ich den Vergleich nicht, er sollte ja nur zeigen, dass die Bibelturmfrage die Stadtgesellschaft in offenbar unüblicher Weise politisiert hat. Die Wahl eines Stadtoberhauptes ist in meinen Augen sehr bedeutend und wenn ein Bürgerentscheid sowohl in Sachen Wahlbeteiligung als auch Eindeutigkeit des Ergebnisses überwiegt, dann ist es offenbar ein wichtiges Korrektiv gewesen. Zumal auch im Stadtrat offenbar keine wirkliche Repräsentanz der Projekt-Gegner gewährleistet war.

  • Da stimme ich dir zu - ich halte bloß einen Bürgerentscheid für die falsche Methode, zu einem solchen Korrektiv zu kommen. Im verlinkten Interview weist der Architekt darauf hin, dass der zeitliche Ablauf völlig unsinnig war, d.h. das Projekt war schon auf dem Weg als sich die Stadt dazu entschieden hat, doch lieber einen Bürgerentscheid anzusetzen. Geschickter wäre es, sich vorher ein Bild über die Meinungen in der Bürgerschaft zu machen und dann auf dieser Basis einen Kompromis zu finden.

  • Ich halte zwar einen Bürgerentscheid auch für eine falsche Methode, weil dafür unsinnig Geld hinaus geworfen wird. Aber wie ich schon schrieb sind Bürgermeister und Stadtrat auch irgendwie in sich selbst gefangen. Da hat man zuvor einen ebenfalls teuren Wettbewerb veranstaltet und kann diesen ja nicht einfach ohne weiteres Votum übergehen.


    Ich würde der Aussage des Architekten aus dem Interview "Die Fachleute und Gremien dürfen sich aber nicht Gestaltung diktieren lassen“, sagt Kausch," strikt widersprechen.


    Natürlich haben die Bürger einer Stadt jedes Recht dazu strenge Vorgaben zur Gestaltung zu machen. Und wenn die Mehrheit der Bürger einer Stadt wünscht, dass Neubauten nur noch im klischeehaften Zuckerbäckerstil durchzuführen sind, dann wäre dies auch hinzunehmen, da müssen dann auch die Wünsche von Architekten zurück stehen, die sollten sich in diesem Falle eher als Dienstleister als denn als Künstler verstehen.


    Von daher wäre es vermutlich sinnvoll vor einem erneuten Wettbewerb erstmal eine Gestaltungssatzung für Neubaumaßnahmen in Mainz zu verabschieden um bessere Vorgaben zu machen.


    Das Problem ist halt solch eine Gestaltungssatzung auf demokratischem Wege zu erarbeiten. Die reinen Kommunalwahlen taugen dazu meist nur bedingt, da dabei deutlich mehr Dinge eine Rolle spielen wie die Optik einer Stadt und die Vorstellungen ob man mehr gestalterischen Traditionalismus oder mehr Moderne haben will, ziemliche Geschmackssache ist und kaum an politischen Fraktionen festzumachen sein wird.


    Einigt man sich aber nicht vorher über Gestaltungswünsche, dann muss man eben befürchten, dass sich an solch einem Einzelprojekt wie dem jetzigem die Wogen hochschaukeln. Und in einer Stadt der Größe von Mainz sind die Stimmen für einen Bürgerentscheid nicht so schwierig zusammen zu bekommen und man bekommt das jetzige Ergebnis.

  • ^ Bürgerentscheide sind so eine Sache... Direkte Demokratie ist schön, nur lassen sich leider häufig leichter die Gegner als die Befürworter einer Sache motivieren, zur Wahl zu gehen, was meiner Meinung nach die Ergebnisse verzerrt. Auch wenn die Ablehung in Mainz ziemlich deutlich war. Und man denen, die nicht zur Wahl gegangen sind, natürlich zurecht vorwerfen kann, dass sie durch ihre Trägheit und/oder ihr Desinteresse das Ergebnis mit zu verantworten haben. Aber gut, so weit so theoretisch :)


    Beim Bibelturm war ich etwas zwiegespalten. Nach meinem letzten Besuch im Gutenbergmuseum war ich schon zu der Überzeugung gekommen, dass dringend etwas getan werden muss. Das Ausstellungskonzept wirkt überholt und der Bedeutung Gutenbergs nicht angemessen. Und im Vergleich zu den anderen Entwürfen fand ich den Bibelturm ziemlich weit vorne, nicht nur was die Optik angeht. Viele der anderen Entwürfe nahmen einen weit größeren Teil des Liebfrauenplatzes in Anspruch. Da war der Bibelturm schon eher "platzsparend", auch wenn ich den geplanten Eingriff nicht gut fand. Warum die Stadt diese Flächen überhaupt zur Disposition stellte, war mir schon damals nicht klar, denn gerade diese Seite des Platzes mit ihren schönen Beeten und dem Baumbestand gehört zu den schönsten Ecken um den Dom (Foto von 2016). Wie es weitergeht, ist noch offen, derzeit wird debattiert und nach einer Lösung gesucht.


    Die damaligen Plätze 1-3 gibt es hier im Strang in #3, die 27 anderen (z.T. abenteuerlichen) Entwürfe hier zu sehen.