WerkbundStadt - Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf

  • ^ Das sieht wirklich vielversprechend aus. Alles deutet auf ein sehr vielfältiges Quartier hin. Die Entwürfe wirken ein wenig wie ein Querschnitt des zeitgenössischen Bauens. Von modern bis klassisch, von gewöhnlich bis besonders, hoch bis niedrig ist alles vertreten. Man scheint keine Berührungsängste mit irgendeinem Stil zu haben und sich geschmacklich wie ideologisch auf keine Seite zu schlagen, was ich sehr gut finde und einem urbanen Quartier angemessen. Ich kann mir noch nicht ganz vorstellen, wie aus diesen höchst unterschiedlichen Entwürfen ein Quartier wird und wie das wirken wird, bin aber sehr gespannt auf das Ergebnis. Ich glaube es wird extrem spannend, vielleicht auch wegweisend.

  • Parzelle 39 - Hild und K

    Hild und K Architektur hat sich auf der Parzelle 39 direkt an der Quedlinburger Straße durchgesetzt. Auf deren Website kann man sich den Entwurf ansehen. Die Geschosse kommen mir, wie so oft beim Neubau, etwas gestaucht vor. Die Grundrisse sind denke ich in Ordnung. Hervorzuheben ist vielleicht, dass jedes WC an der Außenwand liegt. Das ist schon etwas besonderes heutzutage... Das Fassadenrendering sieht zwar nach schöner Industriearchitektur aus, ich kann den Ausschnitt aber keinem Bereich im Grundriss zuordnen.

  • ^ Grandioser Entwurf! Wer gute Entwürfe will, bekommt sie auch, scheint's. Weit und breit ist nichts zu sehen von der öden Monotonie, die die Wettbewerbe für die Europacity durchzieht. Dieses Viertel atmet Vielfalt, Vitalität und Dynamik. Damit stellt es einen dringend benötigten Gegenentwurf zu Lüschers distanziert-technokratischer 60er-Jahre-Tristesse dar.

  • Schoner Entwurf, aber ich verstehe die Grundrisse nicht so ganz, auch wenn sie sicherlich nur beispielhaft sind: Da gibt es kleine Wohnungen, die nur aus Schlafzimmer, Diele, Ess-Küche und Bad bestehen - ohne Wohnbereich.:confused:

  • ^ Ja, vielleicht etwas merkwürdig, aber der Bedarf an kleinen Single-Apartments ist ja angeblich sehr hoch. Die als Schlafzimmer ausgewiesenen Räume könnte man z. B. auch als kombinierten Schlaf/Wohnraum nutzen. Oder die Küchen als Wohnküchen. Irgendwo muss man bei wenig qm ja Kompromisse machen.


    Es wird im Text ja auch etwas diffus von "Wohnbereichen" gesprochen.

  • Parzelle 14 - Ingenhoven

    Ingenhoven Architects haben die Parzelle 14 für sich entscheiden können. Der Entwurf soll fogendermaßen aussehen:

    Credits Pressebild: © ingenhoven architects / Illustration: Alexander Schmitz, Düsseldorf


    Auf der Website des Büros ist das Bild in höherer Auflösung zu sehen. Da erkennt man dann auch gut die bei der Werkbundstadt vorgeschriebene Ziegelfassade. Grundrisse sind dort leider nicht zu finden.

  • Ingenhoven Architects haben die Parzelle 14 für sich entscheiden können.


    Ganz schön klobig für 10 Geschosse. Ein etwas schlankerer Turm wäre da m.E. die bessere Wahl. Und dieser Park soll ja laut Modell von 2 weiteren Türmen links und rechts eingerahmt werden. Das stelle ich mir ziemlich erdrückend vor. Es ist aber auch exemplarisch für das große Problem an das imho diese Momentaufnahme des aktuellen Planungsstands noch krankt: die zu hohe städtebauliche Dichte.
    Da darf man wirklich gespannt sein was letztlich beim Gang durch die Institutionen und wenn sich Investoren an die konkrete Bauplanung machen noch von der WerbundStadt-Vision übrig bleibt.
    Ansonsten gefallen mir die meisten gezeigten Fassaden auch sehr gut.

  • ^ Also, ich hoffe, dass der Entwurf tatsächlich so durchkommt. Die Dichte ist schon recht hoch, aber mal abgesehen von den vier Hochhäusern auf der westlichen Seite auch nicht viel höher als bei einem gewöhnlichen Gründerzeitviertel. Ich glaube nicht, dass das so erdrückend wirken wird, schon allein aufgrund der tollen Fassaden. In Paris und anderen südlicheren Städten sind solche Bebauungsdichten doch völlig normal. So krass wie in New York ist es ja nun nicht. In Berlin sind die Lichtverhältnisse natürlich etwas unvorteilhafter. Aber ist das nicht die natürliche Antwort auf den Wohnungsengpass? Man hat zwar unten weniger Licht in den Wohnungen, man bekommt aber auch etwas, nämlich eine zentral gelegene Wohnung. Unterschiedliche Menschen legen da unterschiedliche Schwerpunkte.

  • Direkt Am Spreebord neben dem Kraftwerksgrundstück auf Parzelle 17 soll dieser Bau von Uwe Schröder entstehen:

    Bild: Uwe Schröder Architekt


    Auf der Website des Architekten aus Bonn sind noch die beiden anderen (meiner Meinung nach sehr gelungenen) Entwürfe für die Parzellen 7 und 23 zu sehen. Auch die anderen Projekte des Büros finde ich sehenswert.


    Sehr gute Entwürfe! So erfreulich das ist, ist es eigentlich schon fast schade, dass so gute Entwürfe in einem solch abgelegenen Gebiet verwirklicht werden. Genausoetwas würde ich mir mehr in der Berliner Innenstadt wünschen, um den Alexanderplatz, um den Molkenmarkt oder auf der Fischerinsel.

  • Ja, gute Entwürfe. Jedoch bleibe ich pessimistisch, was die Realisierung angeht. Das wird so laufen wie mit den tollen Messestudien der Autohersteller, bis zur Serienfertigung sind die so rundgelutscht, dass sie genauso fad wie alle anderen Modelle sind. Auch behaupten die Politiker andauernd, dass unser Baurecht eine hohe Bebauungsdichte wie in den alten Gründerzeitvierteln - oder auch hier - verbieten würde. Das ist natürlich Unfug. Die Prüfpflichten und der Genehmigungsaufwand sind für die Baubehörden dann halt nur ungleich höher und da ist es bequemer zu behaupten, das geht einfach nicht (wo man eigentlich sagt: das wollen wir nicht). Die Bauverwaltung Berlins ist schon in der Vergangenheit nciht durch überbordende Flexibilität aufgefallen. Das Ensemble wird also mit Styropordämmung, Aufstellflächen für unsere dreisig verschiedenen Mülltonnen und Abstandsgrün "überarbeitet" werden und dann am Ende so aussehen wie alles andere. Alles andere wäre eine gigantische Überraschung.

  • Die angestrebte GFZ beträgt momentan 3,8. Das ist für mein Geschmack was Neubau betrifft schon sehr hoch. Früher hätte mich das gar nicht so gestört, aber mittlerweile ist eine so dichte Bebauung nicht mehr meins.
    Sofern diese 3,8 nicht großartig von der Umgebung abweichen dürfte das nicht weiter problematisch für eine Genehmigung sein, oder?

  • Ich bin von den bisherigen Entwürfen begeistert; das wird (hoffentlich) ein lebendiges und architektonisch interessantes Viertel. :) Ich für meinen Teil denke auch nicht, dass die städtebauliche Dichte zu hoch ist.

  • ^ Sehe ich genauso. Eine echte Leistungsschau zeitgenössischer Architektur in einem dichten, urbanen Viertel. Wenn man das Marx-Engels-Forum irgendwann unbedingt wieder bebauen möchte, dann bitte nicht pseudo-historistisch, sondern auf diese Weise.

  • Eine Bebauung in dieser Weise ließe sich doch sehr gut mit einigen historischen Zitaten verbinden. Das Giebelhaus erinnert mich schon an die neue Frankfurter Altstadt. So eine Kombination würde ich mir wünschen. Erstmal gerne an der Breiten Straße und am Klosterviertel und dann auch am Forum. Gefällt mir ausgezeichnet, hoffentlich wird es gebaut und hält, was es verspricht. Schade, dass so etwas grandioses am Ende der Welt und nicht in Mitte, Kreuzberg oder Kudammnähe gebaut wird. Auch am Tacheles wäre das erste Sahne.

  • Die Entwürfe gefalle mir im Prinzip auch, allerdings muss ich auch sagen dass ich total inkonsequent bin.
    Einerseits begrüsse ich diese Planung und würde mich freuen, wenn das so gebaut würde aber andererseits wäre ich selber nicht bereit in so einer Siedlung zu wohnen, (außer vielleicht im unbezahlbaren Dachgeschoss).
    Die Baudichte - die vielleicht auf einem Plan schön anzusehen ist - würde mich total abschrecken.
    Die enorme Nähe zu Nachbargebäuden, weniger Licht in den unteren Etagen, die traditionelle Bauweise mit oftmals relativ kleinen Fensterflächen wird dies auch noch verstärken usw. das alles sind Dinge, die als Entscheidungsoren wesentlich wichtiger für mich wären als rein ästhetische oder architektonische Kriterien.

  • ^kann ich nachvollziehen. Man kann deinen Gedanken aber auch weiterspinnen: wer dicht baut, was schon ökologisch angezeigt wäre, der kann nicht mehr fantasielos verschwenderisch mit Fläche umgehen, sondern muss sehr detailierte Detailplanung betreiben, um zB dennoch ausreichend Tageslicht zu gewährleisten, um zB zu verhindern, dass die Wohnungen nur für Exhibitionisten attraktiv sind (oder alternativ nach Einbruch der Dämmerung jeder dicke Vorhänge zuziehen muss, im Winter also fast den ganzen Tag...), man muss auch an banale Details wie Aufstellorte der zig verschiedenen Müllbehältnisse sowie deren regelmäßige Abfuhr, die Feuerwehrzufahrten oder die Barrierefreiheit für die zunehmende Zahl von Senioren denken. Auch das alles auf engstem Raum und im Spannungsfeld von Nutzungskonflikten. Das braucht richtig gewiefte Planer.


    Da reicht die Herangehensweise an die großflächige Wohnmaschine nicht mehr, die all das einfach am bequemsten mit ordentlich Flächenverbrauch löst. Ein großer Tonnenabstellplatz hier, großflächiges Abstandsgrün mit ausgewiesener Feuerwehrzufahrt dort und so hat auch jedes Fenster des Riegels garantiert sein Tageslicht und da sich niemand, außer der ab und zu mähende Hausmeister, auf diesem Abstandsgrün aufhält, gibt es auch keine Probleme mit der Privatsphäre. Alles ganz bequem. Und extrem unökologisch, der Flächenfras unserer Städte ist ein gigantisches Problem, die dadurch in die Fläche "gedehnten" Siedlungsflächen erzeugen ihre eigenen Verkehrsmassen, unter denen sie dann selbst leiden. Diese Nachkriegssiedlungsbauweise ist eines der größte ökologischen Probleme - und auch einfach verdammt teuer, der Bodenpreis ist auch ein Teil der Baukosten sowie Unterhaltskosten (Grundsteuer) einer Immobilie. Dichteres Bauen ist die Lösung.


    Und nochmal weitergespinnt: vielleicht ist diese "Zwangslage" genau das, was Architekten brauchen, um zu Kreativität angestachelt zu werden? Ich finde das ist sogar das Fazit aus dieser Werkschau. Gebt ihnen viel Platz und sie bauen einen Querriegel mit Abstandsflächen drumherum. Gebt ihnen wenig Platz und sie werden kreativ.