Konzerthaus München [in Planung]

  • Ob das Vorhaben nicht doch etwas aus der Zeit gefallen ist? Kultur passiert doch heute immer mehr dezentral. Nicht die wenigen großen Bühnen sondern viele kleine. Jeder kann sich vorstellen, was mit 700 Millionen Euro im Bereich der Kultur der Breite gemacht werden könnte. So ist es eine Ikone die da entsteht mit Nutzen für die Spitze der bereits etablierten Kunst. Andererseits könnte man mit 700 Millionen sicher die komplette Innenstadt autofrei halten und zig Trambahnlinien bauen. Oder Tickets für 365 Euro pro Jahr subventionieren. Auch wenn münchen Ikonen fehlen, weiß ich nicht, ob ich dafür gestimmt hätte.

  • Da sich der Sargdeckel-förmige Entwurf des Konzerthauses allerdings, wie auf dem zweiten von MiaSanMia verlinkten Bild gut zu erkennen, nach oben hin verjüngt, also vom auf der Fußgängerebene stehenden Betrachter weg krümmt, bleibt die Frage, wer diese Medienfassade überhaupt betrachten soll. Die Leute in den umliegenden Hochhäusern?

    Bei 55 Metern Höhe werden große Teile der Fassade sogar von den Bahnsteigen des Ostbahnhofes zu sehen sein.


    Daneben wird es viele Durchblicke auf die Fassade von verschiedenen Orten in der Nachbarschaft geben. Ich finde es gerade spannend, wenn man so etwas entdecken kann.

  • https://www.abendzeitung-muenc…-nach-der-wahl-art-802745


    Die Staatsregierung scheint an der Stelle wohl auch langsam aber sicher zu dem Ergebnis zu kommen, dass ein Konzertsaal im Werksviertel des Guten zu viel ist.


    Ich persönlich würde mich freuen, wenn der Konzertsaal nicht gebaut und das Geld in gemeinnützigere Projekte investiert wird. 1 Mrd€ + für einen dritten Konzertsaal neben Gasteig und Isarphilharmonie sind schon schwer zu rechtfertigen. Ich bin da ganz bei Isek.

  • Haha als ob das Geld realistischerweise statt in Kultur "in gemeinnützigere Projekte" investiert würde. Meines Wissens sind/waren sowohl Gasteig als auch Isarphilharmonie 100-prozentige Projekte der Stadt. Der Freistaat hat damit praktisch nichts zu tun und das BR-Symphonieorchester ist nach wie vor ohne Spielstätte, Es war klar, dass Söder kein verlässlicher Partner für solch ein langfristiges Projekt ist und es war zu erwarten, dass er beim Konzerthaus schon mittelfristig vom Kurs abkommen würde. Zudem sind ihm Investitionen in die Region München von Anfang an zuwider gewesen. Die heutigen Meldungen markieren einen weiteren Tiefpunkt in der bayerischen Kulturpolitik. Umso mehr wird es Zeit, dass Söder und seine Regierung bei der nächsten Gelegenheit abgewählt werden.

  • Gute Nachrichten! Neben dem oben gesagten: Mir gefällt das Ding immer weniger. Diese Darstellung in der SZ sind mit Blick Richtung Westen ist verhindernswert. Vor allem, wenn es mittlerweile um 1 Mrd. Steuergeld geht.

  • Die Motive von Söder sind klar unlauter. Schon als bayrischer Finanzminister hat er alles getan um Gelder von München abzuziehen.

    Trotzdem mag es für München architektonisch kein Schaden sein, dass der Schneewittchen Sarg nicht kommt. Deswegen ist Söder trotzdem kein anständiger MP.

  • ^^

    Naja, dass sich die Staatsregierung finanziell nicht sonderlich um München kümmert, hat Tradition. Ist auch gut nachvollziebar. Jede Ausgabe kann nur 1 mal getätigt werden. Und der Freistaat hat grundsätzlich das Ziel die Angleichung der Lebensverhältnisse. Finanziell hier Oberbayern oder sogar München selbst zu unterstützen braucht es nicht. Und warum jeder Einwohner Bayerns 77 Euro für Hochkultur zahlen muss, wovon wenn überhaupt 200 oder 300 Tausend Menschen profitieren erschließt sich schon gleich gar nicht.

  • Die Süddeutsche schreibt in ihrem Artikel, dass sich die Baukosten von ursprünglich 350 Millionen auf über eine Milliarde erhöht haben. Ist es dann hinsichtlich der seit 2 Jahren andauernden Krise, welche die gesamte Kulturlandschaft stark getroffen hat, angebracht, einen einzelnen Kulturbereich wie die Klassikszene mit einem derart kostspieligen Sakralbau zu beschenken? Wo diese doch gerade erst die gut klingende Isarphilharmonie bekommen hat, und auch noch mit dem neuen Gasteig beschenkt wird? In der Vergangenheit standen bei vergleichbaren Prestigeprojekten derartige Kostenexplosionen zu Recht in der Kritik.


    Auch nicht nachvollziehbar für ist für mich, wieso dieser recht schlichte Entwurf inzwischen schon mehr kosten soll, als die Elbphilharmonie am Ende gekostet hat (866 Millionen Euro).


    Mein Fazit: Gerecht wäre es, die Milliarde dem gesamten gebeutelten Kulturbereich zukommen zu lassen.


    Abgesehen davon sieht die Skyline des Werksviertels momentan insbesondere von der Haager Straße (Freifläche und Fußgängerdurchgang auf der Nordostseite) spektakulär aus, und ich kann jedem Architekturfan nur empfehlen, sich das anzusehen.

  • Die Frage die sich mir aufdrängt, was man mit der Fläche macht. Die deutsche/bayrische/Münchner Lösung des Nichtstun und Abwerten oder etwas anderes?

  • Die ursprüngliche Meldung veröffentlichte die SZ in einem ausführlichen Interview mit Söder (exklusiv).

    Ein paar Auszüge:

    • Der neue Kunstminister, Markus Blume, ein Münchner, soll über den geplanten Konzertsaal noch einmal nachdenken. Söder findet: Innehalten und "uns" eine Denkpause geben. Eine "Pause zum Denken", keine "Pause vom Denken".
    • Söder will "multikomplex denken": Lohnt es sich bei künftig 4 Sälen nicht eher, eine gemeinsame Bespielung mit der Stadt zu entwickeln und bei 3 zu bleiben?
    • 1 Milliarde Euro Baukosten sind seine "Schätzung".
    • Er sieht das nicht als ja oder nein, sondern als "Anregung zu einem Prozess", als "Gesprächsangebot". Er wolle nichts überstürzen.
    • Der Freistaat würde die Baukosten stemmen, das Projekt sollte aber eine Signalwirkung haben (?)
    • Überlegungen, dem Konzerthaus nur zwei statt drei Säle zu geben, lehnt er ab. Wenn schon, dann das volle Paket.
    • Es muss etwas wie "unser gemeinsamer" Konzertsaal herauskommen, eine gemeinsame Idee, also irgendwie Stadt und Freistaat vereinen (???).
    • Er kann sich vorstellen, den Marstall zu einem modernen Theaterquartier zu transformieren.
    • Alle Planungen will er "übereinanderlegen" und eine "große Kulturidee für München" verwirklichen (??)
    • Drei Optionen bleiben: "Augen zu und durch", "Absagen", "Vertagen". Vielleicht gelingt "uns" etwas Besseres (ähm... erst vertagen, dann absagen, dann Augen zu und durch???)
    • Bis Ende 2023 läuft weiterhin die vertiefte Untersuchung, die erst vor wenigen Monaten vom Landtag beschlossen wurde.
    • Kunstminister Blume lädt "alle" zu einem offenen Gespräch ein. Er ahne aber, wer ihn bald anrufen und besuchen wird (?).

    Dann wechselt das Interview zu den hohen Mieten. Er will "näher und höher" bauen. Die steuerfinanzierte Berlinale sieht er als Benachteiligung Bayerns und möchte weiterhin das Filmfest München fördern. Ja mehr noch, er will München zu einer neuen Filmmetropole entwickeln, zum Zentrum für Sci-Fi- und Computerfilmprojekte, und setzt dabei auf niemand geringeres als - Claudia Roth. Herrje.


    Quelle: SZ Print, Ressort München, 26.03.2022


    Insgesamt schwer lesbar das Interview. Es mäandert zwischen seinem bekannten politischen Phrasenschwein, pseudovisionärem Geschwurbel und Oberlehrerhaftigkeit hin und her. Seine große Kulturidee klingt nach "das konkret geplante nehme ich euch weg, und halte euch eine abstrakte Vision hin, die in 100 Jahren nichts wird".


    Vielleicht ist es nicht ganz abwegig, dies als Wahlkampfmanöver einzuordnen. In den CSU-regierten Landesteilen fern der LH kommt sowas vermutlich gut.

    Allerdings ist der Einfluss der Kulturszene nicht zu unterschätzen, sie war es ja, die Seehofer seinerzeit zum neuen Konzerthaus gezwungen hat. Gut möglich also, dass dieses Herumeiern für Söder und Co. nach hinten losgeht.


    Ich persönlich würde mich freuen, wenn der Konzertsaal nicht gebaut und das Geld in gemeinnützigere Projekte investiert wird.

    Welche gemeinnützigeren Projekte, die der Freistaat fördert, hast du dabei zum Beispiel im Blick?


    Schon als bayrischer Finanzminister hat er alles getan um Gelder von München abzuziehen.

    Der neue Konzertsaal in seiner Heimat Nürnberg wurde bereits letztes Jahr auf Eis gelegt. Mag sein, dass an deiner These was dran ist, aber Söder scheint bei Kultur großräumig zu streichen. Andere Beispiele wo Söder hier was abzieht, fallen mir aber auch nicht ein. Eher im Gegenteil, wobei Anspruch und Wirklichkeit bei ihm schon stark auseinanderklaffen (siehe seine Bavaria One Raumfahrt :D).


    Auch nicht nachvollziehbar für ist für mich, wieso dieser recht schlichte Entwurf inzwischen schon mehr kosten soll, als die Elbphilharmonie am Ende gekostet hat (866 Millionen Euro).

    Man muss nun kein Wirtschaftswissenschaftler sein, um das halbwegs nachvollziehen zu können. 1. Allgemeine Baukostensteigerung pro Jahr 2. Baukostensteigerung aufgrund der Corona- und Ukraine-Krise. Wie es aussieht, sind die eine Milliarde Euro keine belastbare Zahl, sondern Söders Schätzung. 3. Den Löwenanteil der Kosten stellt bei einem Konzerthaus das Innenleben.

  • Die Baukosten haben sich generell nicht geändert, liegen nach wie vor bei rund 400 Mio € netto. Alles andere sind prognostizierte Baupreissteigerungen, Risikozuschläge und Steuern.

    Das Hochbauamt, Bauministerium schlägt Sicherheiten drauf, die politik nochmal, die Medien ebenfalls - so kann man Projekte auch kaputt machen.

  • Auch nicht nachvollziehbar für ist für mich, wieso dieser recht schlichte Entwurf inzwischen schon mehr kosten soll, als die Elbphilharmonie am Ende gekostet hat (866 Millionen Euro).

    Drei Gründe für Kostensteigerungen:

    1. Komplizierte Bauvorschriften in Deutschland, die sich (auch während der Projektlaufzeit) ständig ändern.

    2. Die Politik quatscht in das laufende Projekt rein und wird vor allem bei sich anbahnenden Kostensteigerungen versuchen gegenzusteuern, womit alles noch schlimmer wird.

    3. Konzertsäle sind absolut keine Standardbauten und da gibt es viele Unwägbarkeiten, die zu nachträglichen Kostenexplosionen führen können.


    Die Elbphilharmonie sollte am Anfang übrigens viel weniger kosten, da waren ursprünglich (in 2005) mal 77 Millionen Euro veranschlagt. Die Kosten haben sich also mal eben um Faktor 11 erhöht. Wenn das auch hier passiert, dann würde man bei 4-5 Milliarden Euro landen. Womöglich ist die 1 Mrd. also sogar ziemlich konservativ geschätzt.

  • Man sollte erstmal darüber sprechen ob es überhaupt Kostensteigerungen gibt.

    - Das einzige was zählt ist die Kostenschätzung, Kostenberechnung des Planerteams; diese werden quartalsweise aktualisiert; es gibt Risikobewertungen aller Planer - die Risiken nehmen mit zunehmender Planungstiefe ab.


    Die anfänglich von der Politik (Medien?) gen-annten Zahlen sind genauso falsch wie die Milliarde die jetzt kursiert - nicht mal mit Baupreissteigerung und allen Risikozuschlägen kommt man auf die Zahl!!


    REDET DOCH MAL MIT LEUTEN DIE AHNUNG HABEN WOVON SIE SPRECHEN!!