Potsdam: Wiederherstellung historische Mitte - Diskussionsthread

  • ^ Kommt darauf an, wie man funktioniert im städtischen Kontext definiert. Klar, wenn busweise Rentner in das Dom-Römer Areal geschleust werden, funktioniert das. Das wird man meines Erachtens erst beurteilen können, wenn einige Jahre in`s Land gegangen sind.

  • ^selbst wenn es so wäre: Die Rentner werden ja nicht dazu verdonnert, sondern lassen sich aus interesse dort "hinkarren". Das nennt man Tourismus. Interessante, sehenswerte Architektur fördert erwiesenermaßen den Tourismus. Das gilt auch für moderne Architektur, wenn sie nicht gerade nur aus Rasterfassaden besteht oder Beton-Brutalismus ist...

  • DerBe


    ich finde deine Aussage schon reichlich despektierlich und auch grundsätzlich unfair. Es ist die Großelterngeneration, die dieses Land wieder aufgebaut hat. Wenn diese Generation heute im hohen Alter noch mobil ist, dann ist das erst einmal fantastisch. Jeder Senior, der bereit ist, noch etwas zu unternehmen und seinen Lebensabend für positive Dinge zu nutzen, der verdient erst mal meinen Respekt.


    Und diese Menschen sind eben nicht mehr uneingeschränkt mobil. Was man als jüngere Generation etwas abwertend manchmal als Rentnergruppe oder Kaffeefahrt bezeichnet, ist für viele die einzige Möglichkeit, noch mit Leuten in Kontakt zu kommen und etwas aktiv abseits der eigenen vier Wände zu unternehmen. Alle die heute die Nase rümpfen und sich darüber lustig machen, werden vielleicht später einmal froh sein, dass es genau diesen "Rentnerservice" gibt. Denn wir alle hier interessieren uns für Architektur, doch besser als jedes Foto und jede Diskussion ist es doch, dies alles in echt zu sehen. Wenn Menschen in höherem Alter dies noch auf sich nehmen, sollten wir stolz darauf sein und dies unterstützen und nicht abfällig darüber reden. Das als Voranmerkung.

    Zweitens ist es doch auch ein Signal, dass man eben dann in die Frankfurter Altstadt fährt und nicht nach Hannover, Herne oder Bielefeld. Und egal ob alt oder jung, wenn ein Plätz oder ein Projekt besonders frequentiert ist, dann ist es doch zunächst einmal ein Zeichen, dass hier etwas von der grundsätzlichen Planung richtig gelaufen ist und nicht falsch. Gleiches wird auch für die Potsdamer Mitte gelten. Was war hier denn vorher? Nichts! Mit dem Schloss und dem Barberini ist wieder Lebens ins Herz der Stadt eingezogen, darüber sollte man sich freuen. Und eine Stadt ist nicht nur für Instaboys und unter 30-jährige IT-Girls, sondern für alle Menschen und wenn es Rentern hier auch gefällt, sollte es uns freuen.


    Und jetzt drittens: Ich weiß nicht ob du je in der Frankfurter Altstadt warst, denn so wie du darüber redest, gehe ich fast jede Wette ein, dass du noch kein einziges Mal da warst, denn dann wüsstest du, dass hier auffallend viele jüngere Leute und Gruppen durchlaufen und begeistert Fotos machen. Ich war schon oft in der neuen Altstadt und von einer Invasion der Rentner habe ich noch nie etwas mitbekommen. Es ist vielmehr ein bunter Mix aus allen Alters- und Bevölkerungsklassen. Was mir manchmal etwas übel aufstößt, ist die Tatsache, dass Erfolg in Deutshcland immer irgendwie gleich verdächtig erscheint. Wenn irgendwas funktioniert, muss man fast zwanghaft das Haar in der Suppe suchen. Seien wir doch froh, dass das Altstadtprojekt in Frankfurt super funktioniert hat und dass man hoffen kann, dass sich dieser Erfolg auch in Potsdam wiederholt.

  • ^ Ach hör doch auf. Es geht doch gar nicht um Rentner, Junge oder Alte. Es geht darum, ob die Stadt funktioniert. Und für mich tut sie das eben nicht. Noch nicht, möglicherweise.


    Und mach dir mal keine Sorgen darüber ob ich Ffm kenne oder nicht. Ich komme aus der Gegend. Und viel meiner Freude auch. Die sehen ihre Stadt nicht unbedingt wie ein Odysseus.

  • Wegen welchen modernen Gebäuden aus der Nachkriegszeit kommen denn Touristen irgendwo hin?

    Also ich kenne viele Begeisterte New York, Tokio oder Hong-Kong Anhänger. Die Skyline Shanghais ist ein Sehnsuchtsort für viele junge Chinesen. So einseitig und dogmatisch würde ich das also nicht sehen. Ich selbst bin absoluter Fan von Gründerzeitarchitektur, finde dies aber eher ein Zeichen der Verzweiflung. Denn scheinbar gibt es keine aktuellen, zeitgenössischen Ideen die mir ein ähnlich gutes Gefühl geben können.


    Als Landmark finde ich aber moderne Architektur durchaus spannend. Der Cube am HBF hat mich z.B. sehr positiv überrascht. Wenn man das Umfeld dann klassisch gestaltet hätte, statt Rasterfassade, wäre daraus ein durchaus gelungenes Stadtviertel geworden.

  • Es geht darum, ob die Stadt funktioniert. Und für mich tut sie das eben nicht.

    Warum funktioniert die Altstadt in Frankfurt denn nicht? Weil sie zu viele Menschen anzieht ist es ein Misserfolg? Ich verstehe deine Argumentation überhaupt nciht. Und woran machst du Erfolg fest? Dass zu viele oder zu wenige kommen? Welche Menschen kommen? Gibt es Abstufungen bei dir welche Menschen mehr Wert haben als andere? Oder geht es nicht einfach darum, dass dir Rekos nicht gefallen und du dich darüber ärgerst, dass andere das anders sehen?


    Ich für meinen Tei fände es gut, wenn Städte ein differenziertes Angebot anbieten, in dem jeder seinen Platz finden kann. Und genau so hat Städtebau ja auch immer funktioniert. Eine Epoche hat in einem Stil gebaut, danach wurden Teile abgerissen und ersetzt und die Städte Ring für Ring erweitert. Erst durch die immensen Zerstörungen im 2. WK ist es doch überhaupt erst zu dieser Einheitssauce gekommen. Die Frankfurter Altstadt würde heute noch stehen, wäre sie nicht zerstört worden, daneben aber auch Bauten der 50-er Jahre, der 70-er Jahre und auch die Hochhäuser. Nur dies eben miteinander und nebeneinander. Und in solchen Städten könnte sich auch jeder wiederfinden, weil es für jede Präferenz ein städtebauliches Äquivalent geben würde.


    Wenn man nun versucht, in einigen ausgewählten Arealen sich wieder einem eigentlich normalen Zustand zu nähern, ist das aus meiner Sicht doch ein Mittel, dass sich jeder in seiner Stadt auf seine Art und Weise wohl fühlen kann. Und wenn man bedenkt, wie klein gerade die neue Frankfurter Altstadt ist, ist es beinahe grotesk, mit welchen Anfeindungen hier reagiert wird.