Potsdam: Wiederherstellung historische Mitte - Diskussionsthread

  • Staudenhof und Innenstadt weiter thematisieren!

    Als neues Mitglied dieses Forums möchte ich alle Beteiligten dazu ermuntern,die Sachverhalte "Staudenhof" und "Entwicklung der Potsdamer Innenstadt" weiter zu thematisieren. So geht es in Verbindung mit dem Staudenhof nicht nur um den Abriss von Bauten aus der Zeit vor 1989. Es geht hier auch um die Frage: Wie viel Kreativität steckt wirklich in den Planungen und den Entscheidungen für die Wiederherstellung der Potsdamer Mitte?
    Die Architekturstudenten der Fachhochschule Potsdam wurden und werden nicht mit eingebunden, obwohl sie sich der Stadtverwaltung Potsdam seit Jahren anbieten.
    Das Nachdenken darüber, was die Potsdamer Innenstadt an Funktionen besitzen sollte, damit sie nicht nur attraktiv für die Innenstadtbewohner und für die Bewohner der angrenzenden historischen Vorstädte ist, sondern auch für die große Masse der Potsdamer, hat noch gar nicht stattgefunden. Tatsache ist jedoch, dass der größte Teil der Bewohner Potsdams nicht innenstadtnah wohnt, sondern mindestens 4 bis 6 km von dieser entfernt. Und mit dem Abriss des Fachhochschulgebäudes werden dann auch noch die letzten Studenten aus der Innenstadt verdrängt.


    Zu Vorstehendem vielleicht auch folgende Texte beachten:


    Staudenhof u.a.


    Garnisonkirche

  • Ich kann nicht glauben, was ich da lese. Anscheinend waren Sie weder in der FH Potsdam noch in einer Wohnung im Staudenhof. Bei beiden Gebäuden reicht es schon, sich davor zu stellen und sie sich anzuschauen. Da kann nur der Entschluss kommen, beides dem Boden gleichzumachen.


    Wozu braucht Potsdam Hochschulen im historischen Stadtzentrum? Die Wohnheime sind doch schon im Zentrum und bieten den Studenten Wohnraum der Extraklasse, wenn man sich mal die dortigen Mietpreise der Wohnungen in der Umgebung ansieht.


    Und was hat ein Plattenbau, der fast von selbst zerfällt, neben einer historischen Kirche und dem Touristenzentrum zu suchen. Das hat die DDR geplant, weil sie wenig Geld hatten und wenig Sinn für kulturelles Erbgut (zumindest in dieser Hinsicht).


    Potsdam Innenstadt muss attraktiver werden, auch für Touristen, da die der Stadt Geld bringen.

  • Mit 61 Jahren, wie der Chronist sein Alter angibt, studiert man nicht mehr an der FH. Dass mann dann aber Schmerzen hat, wenn dei Bauten seiner Jungend verschwinden, mag man verstehen. An den Neugestaltungsplänen rütteln muss man deshalb nicht.

  • Tatsache ist doch, dass Potsdam wie keine andere Gemeinde oder Stadt beschlossen hat, sein Heil darin zu finden, eine komplette Disneykulisse aufzubauen und nun wird dieses Konzept eben konsequent und gegen alle Widerstände umgesetzt.
    Auch wenn viele das als Rekonstruktion begrüßen, ist es letztendlich nichts anderes als eine künstliche Wiederherstellung eines baulichen Zustandes der zu 90 Prozent nicht mehr existiert hat.
    Dieses Konzept schließt dann natürlicherweise alle andere Gebäude aus, ob bestehend (FH, Hotel Mercure usw.) oder als modern (alles im Sinne nach 1890) geplant (wagt sowieso niemand mehr). Das ist immerhin konsequent.
    Geschichtsbewusstsein prägt diese Haltung, allerdings nicht wie in anderen Städten als Teil und Ansporn für die Zukunft, sondern Potsdam reduziert sich selbst sich auf eine ganz bestimmte Epoche und unterwirft sich ihr, alles andere wird ausgeblendet und Zukunft, also Moderne im baulichen Sinne findet nicht mehr statt.
    Aber schließlich war es ja ein berühmter Potsdamer, der gesagt hat, jeder möge nach seiner Facon selig werden. :)

  • Tatsache ist doch, dass Potsdam wie keine andere Gemeinde oder Stadt beschlossen hat, sein Heil darin zu finden, eine komplette Disneykulisse aufzubauen und nun wird dieses Konzept eben konsequent und gegen alle Widerstände umgesetzt.


    Was ist eine 'Disneykulisse'? In Anbetracht der Tatsache, dass die Nachkriegsarchitektur sich in erster Linie durch kulturhistorische Ignoranz und Brachialplanierung hervorgetan hat, ist die aktuell favorisierte Form der Stadtreparatur die einzige mehrheitlich akzeptable Lösung für die Weiterentwicklung der Potsdamer Innenstadt.
    Mickey Mouse und Pluto sind mir dort jedenfalls abseits der gelegentlich auf dem verschandelten Lustgarten-Areal stattfindenen Rummelveranstaltungen, noch nicht begegnet...


  • Dieses Konzept schließt dann natürlicherweise alle andere Gebäude aus, ob bestehend (FH, Hotel Mercure usw.) oder als modern (alles im Sinne nach 1890) geplant (wagt sowieso niemand mehr). Das ist immerhin konsequent.
    Geschichtsbewusstsein prägt diese Haltung, allerdings nicht wie in anderen Städten als Teil und Ansporn für die Zukunft, sondern Potsdam reduziert sich selbst sich auf eine ganz bestimmte Epoche und unterwirft sich ihr, alles andere wird ausgeblendet und Zukunft, also Moderne im baulichen Sinne findet nicht mehr statt.


    Ist halt schlichtweg Mumpitz ne. Der Anteil von Rekonstruktionen an allen Potsdamer Bauvorhaben beträgt geschätzt weniger als ein Prozent. Von mir aus könnte es deutlich mehr sein. Auch eine schlechte Reko ist wahrscheinlich besser als die bisweilen üblichen Flachdachwürfel mit kongenial angeordneten Schlitzfenstern. Wir hätten die Innenstadt natürlich auch kleinteitlig modern bebauuen können. So wie bspw. um den Dresdner Schützenplatz in der Wilsdruffer Vorstadt. Gott bewahre. Oder hätte es doch lieber sowas Gewagtes sein sollen? Lockste auch keinen mehr hinterm Ofen mit vor.

  • Ich meine schon, dass eine Fachhochschule in der Innenstadt ein großer Vorzug ist, der nicht preisgegeben werden sollte. Heute ist es ja so, dass die Städte um junge Leute und Studenten konkurrieren müssen. Es gibt ja die Forschungen von Richard Florida, nach denen der Erfolg einer Stadt heute von ihrer Fähigkeit abhängt, junge und kreative Leute anzulocken. Und da ist eine innerstädtische Hochschule deutlich attraktiver als eine Hochschule auf dem Bornstedter Feld.


    Potsdam hat ohnehin dass Problem, dass viele wichtige Funktionen von der Innenstadt ferngehalten werden, weil sie das Dogma des historischen Stadtgrundrisses stören könnten. Ich denke an das Theater, an die Kultureinrichtungen, die sich jetzt in der Schiffbauergasse befinden, an die Universität. Ich denke, dass in Potsdam dieses Dogma so überwertig geworden ist, dass sie die Weiterentwicklung der Innenstadt blockiert. Die Potsdamer Innenstadt droht daher zu einer ziemlich öden Tourismuszone zu verkommen.

  • ^Stimmt. Alle Städte mit schöner, historischer Altstadt sind "ziemlich öde" und reine "Tourismuszonen". Dagegen strotzen die Innenstädte mit DDR-Großbauten geradezu vor Urbanität. Immerhin mal eine steile These.


    Statt der heruntergekommen FH entstehen etwa 30 Neubauten auf historischen Stadtgrundriss, von denen nur 3 Fassaden-Rekonstruktionen sein werden. Das wird uns hier noch eine Weile begleiten und hoffentlich die jetzige Mononutzung beenden. Die FH wollte ja raus und alles ist neugebaut - insofern ist der Drops gelutscht. Und was Du gegen die Schiffbauergasse hast ist mir unklar, das ist doch eine zentrale Lage und passt gut zu den anderen Kulturnutzungen. da werden bals noch ein paar Grundstücke verkauft und das Quartier wird sich noch ändern.

  • Ich meine schon, dass eine Fachhochschule in der Innenstadt ein großer Vorzug ist, der nicht preisgegeben werden sollte.


    Klarenbach
    Wenn dir die Innenstadtlage der Fachhochschule so wichtig ist, dann hätte ich folgenden Kompromissvorschlag:


    Auf dem Areal der FH wird die alte Bebauung aus der Vorkriegszeit rekonstruiert. Und in diese rekonstruierten Gebäude in bester Innenstadtlage darf dann die FH mit einigen Instituten einziehen. Das wäre doch eine salomonische Lösung, oder?


    Ich weiß, daß es in dieser Diskussion überhaupt nicht um ideologisch geprägte Argumente geht. (Ein Schelm, der so etwas Böses denken könnte!)


    Mir ist klar, daß es dir - ausschließlich - um die Innenstadtlage geht. Daher schlage ich vor, daß wir eine FH in Innenstadtlage realisieren, die in rekonstruierten Gebäuden untergebracht wird. Was hältst du von diesem Vorschlag?

  • ^^
    Klarenbach wird deiner "salomonischen" Lösung sicher nicht zustimmen ;)
    Ich allerdings auch nicht. Erst mal wäre es aus ganz drögen wirtschaftlichen Gründen ein Wahnsinn, eine Fachhochschule hinter vielen Einzelfassaden unterzubringen, wenn man doch nur durch den Einzelverkauf an privat zum Marktpreis einen Gewinn erzielen kann und damit ein solches Projekt überhaupt realistisch wäre. Oder soll die FH sowas bezahlen, vielleicht die Stadt, ein FH-affiner Mäzen?? :) Auch praktisch betrachtet: Wo würde man große Hör- und Seminarsäle unterbringen, die ja kaum in ein einzelnes Haus passen dürften? Außerdem wäre es potemkisch, Vielfalt vorzugaukeln, aber eine Mononutzung mit abendlichem Totentanz zu haben. Wenn hier ein neues Quartier entstünde, müsste es schon eine Vielfalt an Nutzungen aufweisen, um Urbanität zu erzeugen. Wohnungen, Geschäfte, Gastronomie, Galerien... keine FH!


    Zum anderen bedarf es m.E. eines "Gesichts" für eine Lehranstalt, zumindest für dessen Hauptgebäude, was bei einer Einquartierung in zahlreiche Gebäude schwierig würde.


    Was wäre denn - einen Katzensprung über die Lange Brücke entfernt - mit der großen leeren Fläche zwischen Havel und HBF als Standort der FH? Hier könnte man alles auf einmal haben: Verdichtung und sinnvolle Nutzung statt jetziger völliger Ödnis (mit neuem Steg zur neu eingefassten Freundschaftsinsel), schicker Neubau mit "Gesicht" für die FH bei optimaler (das Wort ist nicht steigerungsfähig, sonst würde ich "optimalster" schreiben ;)) Anbindung, weiterhin in bester Innenstadtlage und man hätte Platz für neue Gebäude am Alten Markt.

  • ..Zum anderen bedarf es m.E. eines "Gesichts" für eine Lehranstalt, zumindest für dessen Hauptgebäude, was bei einer Einquartierung in zahlreiche Gebäude schwierig würde. ...


    Dem möchte ich gern widersprechen.
    Hier ist ein weltbekanntes Beispiel, dass es sogar sehr gut inmitten einer Stadt funktioniert. Untergebracht in einer Vielzahl kleinerer Gebäude bildet die Uni Oxford ein recht ansehnliches Ensemble, wie ich meine. Und sie trägt auch ganz entschieden zur Belebung der Innenstadt bei. Die Universitäten und Institute draussen auf der grünen Wiese anzusiedeln ist eine absolute Fehlentwicklung die in den 60er Jahren begann. Sie hat nicht unerheblich zur Verödung so mancher Innenstadt beigetragen.


    http://i.telegraph.co.uk/multi…01497/oxford_1497458c.jpg


  • Zum anderen bedarf es m.E. eines "Gesichts" für eine Lehranstalt, zumindest für dessen Hauptgebäude, was bei einer Einquartierung in zahlreiche Gebäude schwierig würde.


    Vielleicht sollte man an dieser Stelle mal anmerken, dass die Ruine des ehemaligen Instituts für Lehrerbildung am Alten Markt schon seit langer Zeit nicht mehr Hauptgebäude der FH ist... der ganz überwiegende Teil der Einrichtungen ist in der Pappelallee. Es besteht insofern auch keinerlei Bedarf diesen Kasten in dieser Funktion zu erhalten.

  • Klarenbach wird deiner "salomonischen" Lösung sicher nicht zustimmen ;)


    Ach wirklich? Na sowas! :-)


    Der "salomonische" Kompromissvorschlag war natürlich nicht ernst gemeint. Mir ging es in Wirklichkeit darum, Klarenbachs wenig überzeugendes Argument der Innenstadtlage mit viel Ironie aufs Korn zu nehmen.


    Ich schlage vor, daß wir damit aufhören, hier um den heißen Brei herum zu reden. Es geht hier doch gar nicht darum, was für die Zukunft der Stadt Potsdam am besten ist. Es geht hier nicht um Stadtentwicklung und Architektur. Es geht hier um einen politischen Streit zwischen DDR-Nostalgikern auf der einen Seite und Traditionalisten auf der anderen Seite, der mit viel ideologischer Verblendung geführt wird.


    Die DDR-Nostalgiker wollen die moderne DDR-Architektur unter allen Umständen erhalten. Die Traditionalisten wollen das alte Potsdam wieder aufbauen. DDR-Nostalgiker wie Klarenbach versuchen mit einer Mischung aus Trotz und Verbitterung, möglichst viel sozialistisches Erbe zu retten. Das ist legitim. Grundsätzlich ist es natürlich sinnvoll, daß auch DDR-Architektur als historische Zeugnisse erhalten werden. Aber den DDR-Fans geht es nicht darum, DDR-Architektur zu konservieren, weil es sinnvoll ist, sondern weil es sozialistisch ist! Es geht in dieser Diskussion nicht darum, was sinnvoll ist. Es geht um politische Ideologie, besser gesagt um die politische Vorherrschaft in Fragen der Stadtentwicklung. Und dann kommen solche nicht ernst zu nehmenden Argumente wie Klarenbachs "Innenstadtlage". Völlig unglaubhaft! Als ob es den DDR-Nostalgikern um die Anliegen von Studenten oder um eine sinnvolle Entwicklung der Innenstadt gehen würde!


    Mein Rat an die DDR-Nostalgiker:
    Sagt doch bitte ganz offen, was tatsächlich eure Motivation ist. Wir leben in einem freien Land. Ihr dürft euch offen zum Sozialismus bekennen. Sagt doch bitte ganz offen, daß es euch darum geht, in der Stadtentwicklung weiterhin möglichst viel sozialistisches Gedankengut einfließen zu lassen. Das wäre wenigstens ehrlich! Die aktuell vorgetragenen Argumente der DDR-Nostalgiker sind nur vorgeschoben, weil man mit den tatsächlichen (sozialistischen) Argumenten hinter dem Berg bleiben möchte. Nicht wahr?


    Die Formel "modern = sozialistisch" ist falsch:
    Die DDR-Nostalgiker glauben, daß sie die moderne DDR-Architektur verteidigen müssen, weil diese sozialistisch ist. Dabei wird regelmäßig übersehen, daß man auch im kapitalistischen Westen modern gebaut hat. Die Architektur der Moderne ist beileibe keine sozialistische Erfindung. Daher ist es ein Irrglaube, daß man die gute alte DDR verteidigen würde, indem man moderne Architektur verteidigt. Das will die Fraktion der DDR-Nostalgiker aber leider nicht begreifen!


    FH Potsdam - Parallelen zum Techn. Rathaus in Frankfurt/Main:
    Es ist eine Frechheit ohnesgleichen, daß die moderne FH direkt neben die Nikolaikirche gesetzt wurde. Aber die Modernisten sind selbst schuld an ihrer Misere. Hättet ihr die moderne FH an den Stadtrand gesetzt, würde dieses Gebäude als Zeugnis der Moderne vermutlich konserviert werden und Jahrhunderte überleben. Tja, aber es musste natürlich direkt am Alten Markt sein. Selber schuld! Das Ding wird früher oder später abgerissen.
    Ich sehe hier deutliche Parallelen zum Technischen Rathaus in Frankfurt/Main. Dort mußte man diesen modernen Neubau unbedingt neben den Frankfurter Dom setzen. Das war den Modernisten ganz wichtig. Selber schuld! Hätte man das moderne Techn. Rathaus - das ich als Traditionalist übrigens gar nicht schlecht gefunden habe - an weniger prominener Stelle erbaut, wäre es wohl als Zeugnis der Moderne erhalten worden. Tja, aber es musste natürlich direkt am Dom sein. Selber schuld! Jetzt wurde es abgerissen. Wohl den falschen Bauplatz gewählt. Dumm gelaufen!

  • Architektur-Fan
    Ich hatte hier schonmal erwähnt dass diese ständige Ideologisierung von allem und jedem schädlich ist, insbesondere für die Diskussion hier im Forum. Dann kann man es gleich bleiben lassen, da sich keiner auch nur einen Nanometer bewegt.


    Ich halte das Problem hier wie auch in Berlin mit dem MEF und RF eher für ein ganz simples, auf eine Frage reduziertes. Nämlich: Welche Art von Stadt/Raum wollen wir hier wie dort? Was macht es für einen Sinn nur schöne Fassaden oder teile von Gebäuden zu rekonstruieren, wenn die Frage nach einer späteren Nutzung eher eine untergeordnete ist. Was nützt es wenn die Fassaden stehen und die Gebäude sind nicht mit den Funktionen mit dem Leben gefüllt, die eigentlich in ein Zentrum einer Stadt gehören. Und ich meine mit Leben nicht nur irgendwelche Touristenströme die ihr Geld für Nippes und billigen Fraß ausgeben sondern den Lebensraum Innenstadt. Solange Rekonstruktionbefürworter ständig nur darüber nachdenken welche Fassaden man hier und dort noch errichten könnte und kein schlüssiges Konzept für eine spätere Nutzung liefern können wird es immer zu dieser Konfrontation zwischen dem was moderner Städtebau darstellt, nämlich einem wohn-und arbeitsteiligen Konzept und auf der anderen Seite im wahrsten Sinne des Wortes einer zwar schönen aber holen Fassade, kommen. Von daher finde ich den Vorschlag die FH in mehereren teil- oder ganzrekonstruierten Gebäuden unterzubringen bedenkenswert. Wie das aussehen könnte ist eine ganz andere Frage, die aber die Idee nicht blockieren sollte.

  • ^ Moment mal!
    Ich bin nicht derjenige, der hier die ideologischen Argumente reinbringt. Aber ich lege den Finger in die Wunde!


    Ich habe es oben bereits ausgeführt. Es gibt in Potsdam einige "Kollegen", die pure Heuchelei betreiben und mit ihren wahren Argumenten (= Durchführung von Sozialismus) hinter dem Berg bleiben. Da haben einige nicht die Eier in der Hose, offen zu sagen, um was es Ihnen wirklich geht. Da kleiden sich manche im demokratischen Gewand. Wölfe im (sozialistischen) Schafspelz!


    Das ist nicht akzeptabel!

  • Ich bin doch manchmal sehr verwundert, wie einige hier einfach den demokratisch legitimierten Willensbildungsprozess nicht akzeptieren wollen und Diskussionen mit einem Maß an Scheinargumenten führen, dass man sich manchmal nur noch verwundert die Augen reiben kann.


    Alle die sich hier für die FH einsetzen, geht es doch mitnichten um die Studenten. Die sind ihnen nämlich völlig egal. Es geht einzig darum, das Gebäude der FH mit Brachialgewalt halten zu wollen. Das gleiche gilt für das Mercure, den Staudenhof, selbst das Rechenzentrum. Insbesondere die letzten zwei Bauten sind unbestreitbar von keinerlei architektonischer Qualität, aber wenn man als DDR-Anhänger es selbst da nicht mehr schafft, diese darin zu sehen, werden einfach andere Dinge konstruiert.


    Fakt ist doch, dass die Entscheidung zur historischen Mitte von einer breiten Mehrheit getragen wurde, und dies seit Jahren. Dies gilt es einfach mal zu akzeptieren.


    Es ist höchst eigentümlich, dass immer gesagt wird, niemand in Potsdam wolle die historische Mitte eigentlich. Das ist doch völliger Quatsch. Das Stadtschloss beispielsweise ist derart positiv angenommen worden. Es bringt die Entscheidungsträger direkt in die Stadt, macht Politik aktiv erlebbar. Man muss sich allerdings um diesen Kontakt auch aktiv bemühen. Und viele Menschen tun dies zum Glück.


    Zudem entsteht seit Jahrzehnten wieder Leben in diesem Areal mit Museen, Restaurants und Wohnen. sonst wird doch immer gefordert, es müsste mehr Wohnraum her. Hier entsteht Wohnraum und das in Massen. Aber vermutlich wird dann wieder kritisiert, dass es der Wohnraum für die falschen Leute ist.


    Ich hab mir das gesamte Areal vor Wochen selbst angesehen und niemand kann doch ernsthaft bestreiten, dass die Stadt an Struktur und Qualität in diesem Areal massiv gewonnen hat. Das Areal wird überhaupt erst wieder als Teil des Stadtkörpers erlebbar und das mit Museen, Wohnen und Bildung. Was will man eigentlich mehr?


    Und man sollte auch mal mit dem Mythos aufhören, hier würde das gesamte alte Potsdam rekonstruiert. Um den Alten Markt herum wird es neben dem Schloss 8-9 Rekonstruktionen geben, der Rest ist zeitgenössisch. Ich kann da das Problem nicht sehen.


    Denn in Wahrheit geht es doch auch gar nicht darum, es geht darum, dass man das bestehende mit aller Gewalt erhalten will, gegen jegliche städtebauliche Vernunft. Es ist tragisch, dass manche Menschen nicht wenigstens dazu stehen können, dass sie es einfach um ihrer selbst Willen erhalten wollen und ständig irgendwelche Argumente ins Feld führen, die mit der Realität leider nichts mehr gemein haben.

  • Interessant ist auch ein Blick auf die finanzielle Seite der Umbaumaßnahmen rund um die Fachhochschule. Ein Artikel der Märkischen Allgemeinen vom 16.10.2014 nennt folgende Zahlen:
    -Kosten für Abrisse, Neubauten von Straßen etc.: 13 Millionen Euro
    -Erträge durch Grundstücksverkäufe: 3 Millionen Euro.


    Im Klartext heißt das, dass die öffentliche Hand 10 Millionen Euro zuschießt, damit die Fachhochschule aus der Innenstadt verdrängt wird und preiswerte Wohnungen (Wohnblock am Staudenhof) vernichtet werden. Das ist ein sehr schlechtes Geschäft.


    http://www.maz-online.de/Lokal…ion-im-Streit-um-FH-Umzug

  • ^ Gestern noch war die Innenstadtlage das Argument, heute sind es die Kosten für Abrisse.


    Als zu DDR-Zeiten die Stadtschlösser in Potsdam & Berlin vernichtet wurden, haben die "Kosten für Abrisse" doch auch keine Rolle gespielt, oder?


    Und auf einmal fängt man links außen an, zu rechnen??!! Interessantes Argument.


  • Was nützt es wenn die Fassaden stehen und die Gebäude sind nicht mit den Funktionen mit dem Leben gefüllt, die eigentlich in ein Zentrum einer Stadt gehören.


    Nun denn, welche Funktionen, neben den auch durch eine kleinteilige Reko abgedeckten Standards 'Wohnen, Arbeiten und Konsumieren' sollen denn noch so in einem Stadtzentrum 'mit Leben gefüllt' werden? Mir fällt da rein garnichts ein, was in irgendeiner Weise die Errichtung brutalistischer Monolithe, Fernverkehrs-Magistralen oder gar die Freihaltung größerer Innenstadtflächen bedingen würde... im Gegenteil, das Festhalten an den überkommenen Vorstellungen eines grandios gescheiterten Gesellschaftsexperiments blockiert massiv die Entwicklung einer modernen zeitgemäßen Stadtstruktur. Ein Struktur die auf intelligente Weise die historisch gewachsenen Zellen mit zeitgenössischer d.h. auf den Menschen zugeschnittener Bauweise zu verbinden vermag.


    Von daher finde ich den Vorschlag die FH in mehereren teil- oder ganzrekonstruierten Gebäuden unterzubringen bedenkenswert. Wie das aussehen könnte ist eine ganz andere Frage, die aber die Idee nicht blockieren sollte.


    Er mag bedenkenswert sein, ist aber gleichwohl auch überflüssig. Die FH braucht diesen Standort nicht. Es geht bei all diesen Diskussionen eben nicht um bedarfsgerechte Nutzung sondern ausschließlich um die Bauwerke an sich. Und auch hier nicht etwa wegen der herausragenden architektonischen Bedeutung, sondern weil es eine prima Kulisse für den politisch-ideologischen Grabenkampf bietet.

  • Die Argumente gegen Abrisse aus DDR-Zeiten wechseln immer - je nachdem was gerade passt. Die FH-Frage ist doch längst entschieden; es wird schon neu gebaut (an dem Wunschstandort der FH) und bei dem Standort am Alten Markt ging es ja nicht um die ganze FH, sondern um ein bis zwei Institute. Bitte mal bei der Sache bleiben.


    Die funktionalen Mängel des DDR-Baus sind offenkundig, die Sanierunskosten werden bei einer theoretischen Neunutzung immer unterschlagen (bei der SLB waren das mehr als Neubaukosten) und die DDR-FH hat z. B. auf der neuen Schokoladenseite zum Alten Markt im EG ihre Heiz- und Haustechnikzentrale: das passt von der Nutzung her wirklich ideal. Das Haus ist einfach mit der Potsdamer Mitte in seiner jetzigen Planung (Beschluß SVV) nicht vereinbar.


    Was die immobilienkaufmännische Seite der Potsdamer Mitte betrifft würde ich der MAZ nicht so viel Kompetenz zutrauen. Dass fast 40 Einzelgrundstücke zusammen nur 3 Millionen Euro bringen sollen halte ich für kaum realistisch. Der Bodenrichtwert liegt ja so um die 250 bis 400 Euro pro/qm (etwas weiter nördlich sogar bei > 450 Euro/qm). M. W. hat allein der Verkauf der Grundstücke an der Humboldtstraße mehrere Millionen gebracht. Die Stadt darf gar nicht unter Verkehrswert verkaufen.


    Die Kosten für die Umlegung von Medien, Straßen und Plätzen (Grünflächen) wie auch die Gestaltung derselben (Rückversetzung Ringerkolonnaden, Instandsetzung Obelisk, Wiederanpflanzung Bittschriftenlinde, historische Pflasterung des Alten Marktes etc. können sich auf 13 Mios summieren - das Geld ist aber für die Stadt gut angelegt und - da es Fördermittel des Landes sind - nicht alternativ für die Sanierung der Friedenskirche oder den Neubau eines Jugendfreizeitzentrums zu bekommen.


    Was die Nutzungen einer Altstadt betrifft muss ich zustimmen, dass die Gestalt über die Nutzungen entschieden werden sollte. Die Stadt ist schliesslich für die Menschen da. Deshalb bin ich auch für eine kleinteilige Altstadt mit unterschiedlichen Architekturen auf historischem Grundriss, in der sich das Wohnen in den Ober- und Gewerbe im Erdgeschoss abspielt. Bei letzterem muss jedoch bei der Vergabe aufgepasst werden, sonst haben wir am Alten Markt links ein McDonalds und rechts die Parfümerie Douglas.