Tourismus, Städtemarketing und Kulturpolitik in München

  • München ist keine Touristenhochburg die an sich Touris anzieht, ex-Wiesn zumindest. Nicht wie Prag oder Rom oder London. Ist einfach so.


    Das liegt aber jetzt nicht unbedingt daran, dass Prag flächendeckend schöner als München ist (ist es gewiss nicht, wenn man aus dem historischen Zentrum rauskommt), sondern daran, dass Münchens geographische Lage Fluch und Segen zugleich ist. Was will ich denn in einer Großstadt versauern, wenn ich in der Nähe das pittoreske bayerische Oberland und die Alpen - oder immer noch so eine Art "Geheimtipp" für Bergtouristen die es etwas abgeschiedener und ruhiger möchten, den Bayerischen Wald - habe.


    München ist da für Ausflüge in die Landschaft höchstens eine "Homebase" oder auch ein Punkt, den man, wenn man schon in Südbayern oder am Alpenrand urlaubt, natürlich auch mal abhakt. Aber Menschen urlauben nun einmal nach wie vor lieber in schönen Naturlandschaften als in Städten und da liegt München einfach schlecht (nicht inmitten dieser Landschaften - die Isarschotterebene ist ziemlich flach und reizlos, also das direkte Umland Münchens) in der Nähe dieser grandiosen Naturkulissen. Wie gesagt, wieso da in München versauern, wenn man diese Landschaften erleben kann?


    Darum brummt der Städtetourismus in München nur zur Wiesn so richtig. Aber was heißt "nur", solch ein jährlich wiederkehrendes Großereignis, das die Massen anzieht, ist jenseits von Sportveranstaltungen oder religiösen Terminen eigentlich in Europa beispiellos.

  • War in vielen Städten, die interessanter, touristischer, spannender und auch optisch viel schöner sind.


    Der Amerikaner hat für diesen Irrtum den Spruch "the grass is always greener on the other side of the fence" auf Lager.

  • @Pumpernickel:


    Darum brummt der Städtetourismus in München nur zur Wiesn so richtig.


    Falsch, siehe meinen vorigen Post samt Quellen: http://www.deutsches-architekt…php?p=524040&postcount=14


    München ist keine Touristenhochburg die an sich Touris anzieht, ex-Wiesn zumindest.


    Ich behaupte mal das Gegenteil. Einfach so...:D


    Zitat Munich_2030:
    aber bin auch Realist und mag es einfach nicht, wenn diese Stadt auf einen Sockel gestellt wird, wo sie einfach nicht hingehört.


    Ich sehe hier keinen München in irgendeiner Weise hochloben und vergöttern. Der Einzige, der die ganze "Schönste Stadt der Welt Geschichte" hier im Forum immer wieder hervorholt, bis eigentlich du. Da du auch schon viel rumgekommen bist, müsstest du auch wissen, dass sich jede Stadt höher stellt, als sie es eigentlich ist. Schließlich gibt es die Schönste, Beste und Geilste Stadt auf dieser Welt nicht. Aber eine jede hält sich dafür; leicht in Städtereisen festzustellen ;)

  • Jeder weiss dass München eine sehr sehr schöne Stadt ist. Aber genauso weiss jeder dass es nicht reicht um an Paris Rom Wien heranzukommen. Der Rest und alles dazwischen ist Sichtsache.


    Mfg.

  • Das Thema scheint ja dann doch ein gewisses Diskussionspotential gehabt zu haben.


    Wofür dieses Forum ja auch sein soll :)


    Klar, daß es verschiedene Ansichten gibt.


    Aber finde auch, daß Endokin es gut auf den Punkt gebracht hat.


    Vor allem ist es in der Tat auch Ansichtssache, was man von einer Stadt erwartet.


    Allerdings würde ich auch niemals von meiner Geburtsstadt behaupten, daß sie nicht schön sei.


    Im Gegenteil. MUC ist sehr schön und hat eine hohe Lebensqualität.

  • http://www.welt.de/reise/artic…ten-Staedte-der-Welt.html
    Hier liegt MUC auf Platz 57 weltweit.[


    Meine Güte, mal wieder ein Ranking für Schwachsinnige!


    Macau (als Anziehungspunkt für Spielsüchtige) liegt im Ranking vor New York. Die Armuts-Metropole Lima liegt vor Tokio. Die bulgarische Provinzstadt Burgas liegt vor München. Und das kleine Pyrenäen-Städtchen Andorra liegt vor Frankfurt.


    Es ist immer der gleiche Fehler. Um die Attraktivität von Städten zu vergleichen, sollte man vielleicht die Anzahl der Übernachtungen als Indikator nehmen, und nicht die Anzahl der Ankünfte. Wenn hier Bangkog als Nummer drei auftaucht, dann sagt das wohl mehr über die Leistungsfähigkeit des Flughafens aus als über die tatsächliche Attraktivität der Stadt. Und wenn im Ranking Antalya oder Sharm-el-Sheikh gut abschneiden, dann liegt das wohl daran, daß die genannten Destinationen in Urlaubsregionen mit Badestränden liegen.

  • ^mir erscheinen derlei Rankings auch dermaßen subjektiv und selektiv, dass diese eigentlich nur den Wert einer subjektiven Anekdote haben. Und dazu kann ich anekdotisch anmerken, dass die außereuropäischen Deutschlandreisenden, seien es Japaner, Chinesen oder Amis, mit denen ich bisher zB beruflich Kontakt hatte und entsprechenden Smalltalk über ihre Reise hatte, eigentlich nur zwei unserer Großstädte besonders im Gedächtnis behielten und als charakteristisch und unverwechselbar hervorhoben: das waren Berlin - und München. Aus deren Sicht heben sich nur diese markant hervor, das mag all die Lokalpatrioten in Stuttgart, Köln, Hamburg ("schönste Stadt Deutschlands" Gequacke kennt man ja von Hamburgern) usw. zwar total nerven, ist aber mein anekdotisches Feedback bzgl. der "Außensicht" auf unser Land. Insofern, München ist definitiv eine Topdestination für Deutschlandbesucher.

  • @Pumpernickel:


    Das deckt sich mit meinen Erfahrungen mit Bekannten und Verwandten aus dem Ausland.
    Ab und zu kommt noch Frankfurt hinzu, wegen dem Flugziel vieler Fluggesellschaften.


    Gibt es besondere Gründe, warum hier Berlin und München herausstechen ?

  • Klar. Beide Städte sind einzigartig jeweils in einem bestimmten Bereich. Berlin steht für die niemals endende Party, die völlige Freizügigkeit, den Sehnsuchtsort junger Menschen etc. wie wohl sonst kaum ein Ort in Europa. München verkauft sich über die voralpenländische Idylle, die auch in die Stadt hineinwirkt, mit Biergartenkultur und dem ganzen Herzerl-Brezn-Weissbier-Weisswurst-Gedöns. Das sind natürlich Klischees, aber wie wir bereits in früheren Posts hier festgestellt haben, braucht man die, um sich als Destination zu unterscheiden und richtig erfolgreich zu sein. Ein Hafen mit Fischmarkt, ein internationaler Airport mit Banken und Goethe-Haus oder eine Autostadt mit Weinbergen drumrum ist zwar alles nice, in der internationalen Wirkung aber offenbar nicht eindeutig und einzigartig genug ;)

  • ^


    Es gibt kaum eine amerikanische Sitcom/Zeichentrickserie in denen nicht wenigstens einmal eine bayerische Einlage vorkommt. Bier, Königskult, Dialekt, Berge, Idylle etc.: Das stereotype Bild des bayerischen Grantlers mit Zamperl und Maßkrug gefällt halt den Amis und den Fernostasiaten.


    Die Araber kommen wegen der alljährlichen medizinischen Untersuchungen, die sie hier mit milderen Temperaturen und Luxusshopping verbinden können.


    Bei den Museen der Hochkultur bedarf es noch Einiges an Marketing und eines einheitlicheren Konzepts, um aus dem zweifellos erstklassigen Niveau das volle Potenzial auszuschöpfen. Dabei liegt die Zielgruppe dann vornehmlich in Europa und weniger in den USA oder China/Japan.


    Die andere Hälfte der Übernachtungszahlen wird von Geschäftsreisenden verursacht, da München eine relativ reiseintensive Wirtschaft, z.B. Versicherungen, Automobilsektor, IT und Film & Verlagswesen, besitzt.

  • Die Amis erwarten in Berlin z.B alles was mit dem 2.WK zu tun hat und hatte. Wir sind, wir waren zu dritt, mitten in Berlin von einer großen Gruppe Amerikaner gefragt worden "Do you know where Hitler lived?"
    Das war iwie lustig, weil ich es nicht wusste.

  • Ok, das Ganze bezieht sich jetzt doch sehr auf D. bzw. die beiden Städte Berlin und München.


    Da ich auch sehr viel rumkomme und mich dann z.b. in Barcelona, Prag oder Mailand auch gerne mal mit Amis oder anderen Travellern unterhalte, dann berichten sie mir von Ihren Europatrip Erlebnissen.


    Und da ist es nunmal so, daß Barcelona, London, Amsterdam, Prag, Berlin, Rom ganz weit vorne liegen. Sie geraten regelrecht ins schwärmen.


    Wenn ich dann von München erzähle, dann kennen sie es halt vom Oktoberfest oder FCB und versprechen, daß sie es bei ihrem nächsten Europatrip auf die Liste setzen.


    MiaSanMia : Du darfst da jetzt aber nicht den schlichten Ami als Beispiel erwähnen, denn der verbindet mit Bier, Tracht, Königskult, etc. keineswegs München oder Bayern, sondern das ganze versteht er eher unter Deutschland!


    Das mit den Arabern ist natürlich Fakt, da MUC gerade im Augen OP Bereich an allererster Stelle steht (siehe Arabellaklinik).

  • Du darfst da jetzt aber nicht den schlichten Ami als Beispiel erwähnen, denn der verbindet mit Bier, Tracht, Königskult, etc. keineswegs München oder Bayern, sondern das ganze versteht er eher unter Deutschland!


    Ich denke zu dem ganzen Tourismusthema hat einfach jeder eine Menge (unterschiedlicher) Erfahrungen und Eindrücke gewonnen. Klar ist, dass diese nie die tatsächlichen Verhältnisse widerspiegeln können. Daher gibt es die Amerikaner, die Bayern mit Deutschland gleichsetzen und diejenigen, die sehr wohl differenzieren. Bier, König und Tracht hin oder her. Vielleicht deckt sich hier einfach unser Klischee über den Ami, mit dem der Amis über Deutschland = Bayern :D.

  • Die internationalen Touris wollen die Klischees gemäß Broschüre.


    München: Dirndl Lederhosen Bier und am besten noch "The sound of Music" im Hintergrund laufend. (ich sehe ja, wie die Touristengruppen in Hamburg eines der drei (!) Hofbräuhäuser stürmen)


    Berlin: zugedrogt Party machend in irgendwelchen Clubs halb nackt abhängen und tagsüber etwas mit "Berlin wall" und "where lived Hitler?" angucken.


    Hamburg ist da in der Tat außenvor und gilt eher international als Geheimtipp. Skandinavier, Österreicher und Schweizer haben es längst erkannt. Kreuzfahrtschiffe bringen auch viele Touristen und deutschlandweit die Musicaltouristen.


    Ehrlich gesagt jucken mich diese Listen wenig.


    München würde ich jetzt nicht als sonderlich schön oder hässlich bezeichnen. Ich war eigentlich immer gerne einmal im Jahr in MUC. Nur finde ich MUC inzwischen einfach zu frech teuer (über 10 EUR für die Bahn vom Flughafen in die Stadt ist absurd) auch essen gehen ist wucher und die Mentalität "miasanmia" wird zunehmend nationalistisch beleidigend (sau Preuß oder ein scheiß Fischkopf kriege ich mind. einmal zu hören mit einem "höhö nur Spoaß" hinterher). Wurde mir das letzte mal einfach zu bunt, fühlte mich während des ganzen Aufenthalts total unwillkommen und fahre jetzt lieber in eine andere freundlichere deutsche Stadt - meine Meinung.

  • Unterschiedlich jain - die Grundtendenz ist und bleibt, je nach persönlicher Präferenz, erinnern bzw. interessieren sich Ausländer, die nicht aus dem benachbarten Ausland stammen, und Deutschland bereisen nun einmal für zwei große "Themen": Berlin und Deutschlands NS Geschichte, was meiner Erfahrung nach insb. bei Berlintouris aus Übersee (nein, nicht nur der "schlichte Ami"...) sozusagen als Einheit gesehen wird, ich finde dabei auch interessant dass für "Außenstehende" die NS Geschichte und der Mauerbau im Verständnis häufig eine Einheit bilden, nach dem Motto "das habt ihr euch doch selbst als Nazis eingebrockt", während im hiesigen, offiziellen Geschichtsverständnis mit Kriegsende eine Zäsur empfunden wird und die Teilung als neues Geschichtskapital empfunden wird.


    Und das zweite große Thema ist "Bayern", mit all seinen Facetten. Sei es das Lederhosenklischee, seien es die Voralpenlandschaften mit den Zwiebeltürmen, seien es die Schlösser, seien es die alten Städte oder, ja warum auch nicht, das Oktoberfest.


    Berlin und Berlin, die beiden großen B, das zieht sich wie ein roter Faden durch, mindestens eins von beidem kennt/mag noch jeder Deutschlandbesucher aus Übersee, mit dem ich bisher gesprochen habe. Aber Stuttgart, Hamburg, usw. - nur vereinzelt.


  • Quelle: https://ru.muenchen.de/2017/22…-Muenchen-Tourismus-75804