Leipzig: ZOB + 2 neue Hotels am Hauptbahnhof (Bauphase)

  • Schade, dass Schulz & Schulz nicht das Rennen gemacht haben. Der an die Stromlinien Moderne angelehnte Entwurf gefällt mir am besten. Am Sockel wäre offenbar wieder ein schicker Naturstein zum Einsatz gekommen, außerdem sagt mir die Abstufung entlang der Brandenburger deutlich mehr zu als beim Siegerentwurf mit dem schlichten Versatz.

  • ^ Die Echtzeit-Visualisierung von Schulz + Schulz kommt natürlich besser rüber als die Modellklötze des Siegerentwurfs. Mir gefallen durchweg auch die Reminiszenzen an die Neue Sachlichkeit bei den Schulze-Brüdern, wahlweise der Zwanziger-Jahre wie beim Trias oder der Fünfziger wie bei St. Trinitatis oder jetzt bei diesem Hotelneubau. Ich finde dennoch nach wie vor den Gerber-Entwurf passender für diesen Standort. Die vertikale Gliederung und die Steinfassade passen meines Erachtens deutlich besser zum Hauptbahnhof.

  • Die vertikale Gliederung und die Steinfassade passen meines Erachtens deutlich besser zum Hauptbahnhof.


    Ich bin der gleichen Meinung wie Cowboy. Ich war ja anfangs skeptisch dem Gerber-Entwurf gegenüber, aber je länger ich das Verhältnis zwischen dem Modell und dessen Umgebung betrachte, gefällt's mir immer mehr.

  • Interessant, dass hier mehr über die (austauschbaren) Fassaden diskutiert wird als über den strukturellen Aufbau des Vorhabens. Diesbezüglich finde ich alle Entwürfe, die die Straßenkurve aufnehmen, besser als den Sieger.
    Was aber viel wichtiger ist, ist doch die Frage nach dem Zweck des Vorhabens. Ging es nicht um einen Busbahnhof mit Parkhaus und Hotel? Es mag die Schwäche der Ausschreibung sein, aber im Ergebnis geht es hier nur noch um einen Hotelneubau - dahinter steht irgendein Parkhaus mit integriertem Busbahnhof.


    Da es hier um den ZOB einer Halbmillionenstadt geht, hätten die Entwürfe meiner Meinung nach den Busbahnhof in den Mittelpunkt stellen müssen. Auch wenn die Bussteige im hinteren Bereich liegen, braucht der Bau eine besondere Eingangssituation mit einerm großen zenztralen Portal und einem Tunnel zum ZOB oder einer Passage unter den Hotels hindurch - hier hätten übrigens auch die Läden was davon. Nun liegen sie praktisch im Hinterhof der Hotels.
    Bei dieser Betrachtung gehe ich vor allem vom Nutzer aus. Die Fahrgäste laufen praktisch um ein Hotel herum, der Busbahnhof liegt versteckt zwischen zwei Großbauten und fällt kaum auf. Der längere Fußweg ist da noch nicht mal in der Argumentationskette drin. Den Leipzigern mag das egal sein, aber für Auswärtige ist das unmöglich. Was sage ich jemandem, der nach dem ZOB fragt? "Rechts neben dem Hauptbahnhof ist ein schickes Ramada-Hotel. Dahinter in dem Parkhaus." So repräsentativ und einleuchtend wie der Hbf oder andere große Funktionsbauten sollte auch ein Leipziger ZOB sein.
    Insofern finde ich alle Entwürfe sehr schwach.

  • ^ Nun ja, zunächst einmal ist die Kombination von Busbahnhof und Parkhaus ja recht logisch, bei beidem handelt es sich um Infrastruktur für straßengebundene Fahrzeuge. Sicherlich wäre ein Solitär à la ZOB München eine feine Sache, nur hätte man sich dafür als Stadt sicherlich weitaus stärker finanziell beteiligen müssen, während man so den ZOB ja recht fix und fast umsonst erhält. Die genaue Lage des ZOB im hinteren Gebäude scheint ja im Wettbewerb nicht vorgegeben worden zu sein, da die Teilnehmer dafür recht unterschiedliche Lösungen gefunden haben. Der Eingang zum Busterminal scheint beim Siegerentwurf jedenfalls sowohl an der Plaza als auch an der Sachsenseite zu liegen - sowohl von der Osthalle als auch vom Gleistunnel kommend (von dort dürfte die Mehrzahl der Fahrgäste zum ZOB strömen) besteht eine Sichtverbindung, Aufgabe der Überarbeitung sollte es jetzt sein, dies auch optisch zu verdeutlichen, so dass die von dir genannten Fragen gar nicht erst aufkommen und dann die Leute nur zur Ost- bzw. Sachsenseite schicken brauchst.

  • Die LVZ berichtet heute u.A. über die Planungen zum Bau des ZOB bzw. DB-Fernbusterminal Leipzig. Die Fassade wurde unter Mitwirkung des Gestaltungsforums entworfen und besteht aus Lamellen, die auf den Etagen abwechselnd versetzt und freistehend bzw. mit einer Wand hinterbaut sind. Klassischer Parkhauslook also, wenn auch etwas hochwertiger. Es entstehen 11 Busbahnsteige, zusätzlich Service-Schalter und Toiletten. Die 700 m² Einzelhandelsfläche werden u.A. von Europcar und einem Bäcker genutzt werden.


    Ansicht Brandenburger Straße mit Einfahrt Parkhaus

    Quelle: S+G Development


    Ansicht Sachsenseite mit Ein- und Ausfahrt Busbahnhof

    Quelle: S+G Development


    Auch wenn die Beschriftung auf den ersten Blick ein wenig klobig und groß wirkt, ist eine solche Sichtbarmachung der Hauptnutzung des Gebäudes m.E. sehr begrüßenswert. Mal sehen, ob das dann auch so umgesetzt wird, bei zahlreichen S-Bahn-Stationen im Stadtgebiet gilt ja: je unscheinbarer, desto besser.


    Der Bauantrag für das Terminal und die beiden Hotels soll im Juni eingereicht werden, mit Genehmigung und Baubeginn wird dann für Ende des Jahres gerechnet und die Fertigstellung für Frühjahr 2018 angepeilt.

  • ^ Danke für die Zusammenfassung (auch in den anderen Threads). Ich denke, mit dem Parkhaus entlang der Brandenburger Straße kann man leben. Schön, dass durch Mitwirkung des Gestaltungsforums ein besseres Ergebnis erzielt werden konnte. Die Sachsenseite erscheint mir recht schmal für Busse und Gegenverkehr.


    Für die beiden geplanten Hotels würde ich auch gern hochauflösende Visualisierungen wie beim Parkhaus sehen wollen.

  • Nur als Gestaltungsidee für die sich neu aufbauende große Metallverkleidung:


    - farbige Lamellen Beispiel 1


    - bedruckte Lamellen mit architektornischen Ansichten, wie bei den Höfen am Brühl


    - in Anlehnung an den Mobilitätsgedanken: Anbringung der Reiseziele der Fernbusse bzw. Partnerstädte Leipzig a la Beispiel 2

  • danke für die beispiele.


    auch wenn man sich auf den vorherigen seiten noch einmal die wettbewerbsbeiträge zu diesem gesamtprojekt anschaut, wird man feststellen müssen, dass so ziemlich jeder andere fassadenentwurf für den busbahnhof gestalterisch einfallsreicher war, als die nun zum bau vorgesehene variante.


    quasi entschuldigend sollte vermerkt werden, dass dieser busterminal auf drei seiten ohnenhin dicht umbaut - und vor allem ausschliesslich privat finanziert - sein wird.


    die für das stadtbild (und den investor) weitaus bedeutsameren hotels sollen glücklicherweise ein umso höherwertiges antlitz erhalten.


    dennoch gebe ich dir recht. selbst wenn man einem geschenkten gaul nicht ins maul schauen soll: mehr esprit wäre bei der busbahnhof-fassadengestaltung wohl keine zauberei gewesen...

  • Da ich dem zubauen der schönen Bahnhofseite sowieso kritisch gegenüberstehe, empfinde ich diesen unterambitionierten Entwurf natürlich als Schlag ins Gesicht. Wenn man kein Geld hat dann sollte man lieber Industriebauteile z.b. aus dem Hallenbau von Gewerbegebieten nehmen und eine annehmbare Materialität durchziehen und einen Kontrastpunkt nehmen. Z.b. wie das letzte von Tglas gezeigte Bild. Es gibt so ein Fassadenmaterial für Sporthallen. Das dann sauber durchziehen, auf Architektonische Ansprüche wie diese nicht halbe und nicht ganze Lamellen verzichten, und dann sieht es viel sauberer aus als das angestrebte Gewirr. Mit Industrienormteilen kann man halt versuchen einen sauber ausgeführten Minimalismus zu produzieren der edel wirken kann.

  • Als ich den Entwurf ein erstes mal hier sah, war ich auch etwas Endtäuscht, sieht es doch aus wie ein Parkhaus am Chemnitzer Hauptbahnhof, obwohl der hier doch bessere Fassadenseiten vorsieht.
    Wünschenswert wäre eine Baugleiche höhe zu den Nachbarn und natürlich passenderes Aussehen zum Hauptbahnhof.
    Auch wenn in der Umgebung viel gebaut wird, zwei, drei Etagen mit Büros über den geplanten zwei, hätten sich besser vertragen.

  • Hier darf glaube ich nicht vergessen werden, dass die Stadt mehr oder weniger kostenfrei ein dringend benötigtes Gebäude für den öffentlichen Verkehr hingestellt bekommt. Natürlich wäre ein spektakuläres Gebäude wie der ZOB in München schöner, nur werden dessen Baukosten mit knapp 70 Mio. Euro angegeben. Von der Fassade hätte ich mir in der Tat mehr erhofft, vermute aber, dass dann die Stadt hätte in die Taschen greifen müssen.

  • DaseBLN : Aber was ist das denn für eine komisch Begründung?
    Der Investor baut das doch auch ganz sicher nicht aus sozialer Nettigkeit - der verdient an dem Projekt in Summe bestimmt nicht ganz schlecht - sonst würde der das ja nicht tun. Insofern scheint diese schlechte Gestaltung in meinen Augen reine Gewinnmaximierung mit der möglichst billigsten Fassade, die grade noch durchs Gestaltungsforum geht (allein das ist schon grenzwertig, dass man dort sowas zulässt) - das ist für mich ein baukultureller Niedergang (!)an dieser Stelle(!). Und ich bin nicht für historisierende Architektur, aber dieser Entwurf ist doch ein Kind arg kläglichen Zweck-Industriebaustandards. Die Begründung, dass wir die Maßstäbe nicht so hoch setzen dürfen, zählt aus meiner Sicht nicht. Hier wäre ganz bestimmt mehr drin gewesen. Obendrein sind die Projekte später in der Umsetzung ja meinst noch viel schlimmer als in den Animationen... denn das sind "lügende Bilder" insofern, als das die so gut es geht "aufgehübscht" werden und die Kunst des Weglassens zelebrieren - ich weiß wovon ich rede, weil ich selber ständig solche Bilder erstelle...


    Ich glaube also man macht hier die Fehler der Weststädte von neuem und gibt zu früh gegenüber den Investoren nach - wenn der Bau schon zu Beginn dröge und "ätzend" aussieht (noch vor dem Bau!), dann kann man sich mal ausrechnen, wie man das Ding erst in 20-30 Jahren bewerten wird... :Nieder:

  • ^ Wenn ich kurz einhaken darf: Das Parkhaus entsteht an einer Ausfallstraße, nicht - anders beim ZOB in München oder in Frankfurt (wobei dieses Hochregallager sicher auch keinen glücklich gemacht hätte) - zentral auf einem Platz. Zum ZOB gehören außerdem die beiden Hotels, die aus meiner Sicht städtebaulich und architektonisch überzeugen und das Parkhaus dahinter vom Ring aus verdecken werden.


    Aus meiner Sicht geht das Parkhaus an dieser Stelle vollkommen in Ordnung.

  • Lefeut : Ich gehe eher davon aus, dass der Investor an den Hotels in prominenter Lage verdient und damit Parkhaus und ZOB quersubventioniert. Sehe das ansonsten ähnlich wie Cowboy, das Ganze geht hier in Ordnung, da es keine städtebaulich relevante Fläche belegt und die Stadt halt ganz einfach einen Millionenbetrag gespart hat. Der recht einfache ZOB Hannover mit Servicegebäude und Flugdach hat 4,3 Mio. Euro gekostet und ist mehr oder weniger ein Parkplatz mit Überdachung - wäre das städtebaulich an dieser Stelle besser gewesen?

  • ... ich denke, dass die Grundüberlegung nicht richtig ist:
    Der Ansatz, dass es an Ausfallstraßen "ruhig öde sein darf" und nur von Innensatdtansichten eine Architekturqualität zu erwarten ist, finde ich bedenklich... schlimm genug, dass Ausfallstraßen meinst ohnehin durch den Verkehr die städtebauliche Qualität trüben, deren begleitende Bebauung sollte doch aber doch zumindest dagegen halten. Und das sich Verkehr und Straßenqualität nicht zwingend komplett ausschließen müssen, auch dafür gibt es genug Beispiele.
    Zumal in unmittelbarer Nähe gerade neue urbane Quartiere entstehen sollen - wenn man deren Wege in die Stadt von vornherein optisch verödet... ich weiß nicht. Man sollte vielleicht auch mal vom Menschen aus denken, nicht stets vom Individualverkehr.


    Aber abgesehen von all dem, ist der Busbahnhof ein ORT DES ANKOMMENS IN DER STADT - auch für viele Touristen. Das ist ein repräsentativer Ort. Ich finde der dürfte seiner Bedeutung entsprechend auch durchaus einladendend sein. Der Bahnhof macht es ja vor(!) Umso mehr wirkt der ZOB daneben dann kläglich.


    Kurzum: Geld hin oder her - Wenn nur das Geld das Maß aller Dinge ist, dass ist das traurig genug. Ich glaube hier wird eine Chance vertran und ein unzufriedenstellender Zustand auf Jahre hin vorprogrammiert.

  • Geld ist nicht Maß aller Dinge, aber ohne Geld lässt sich's eben schlecht bauen - wir leben halt nicht im luftleeren Raum. Wie gesagt, wenn die Stadt den Busbahnhof finanzieren müsste, würde es diesen auf Jahre nicht geben und damit wäre der jetzige Zustand an der Goethestraße auf Jahre zementiert. Dort ist es zwar hübscher, aber aus Fahrgastsicht völlig unbefriedigend. Für diesen sind ausreichend Toiletten, überdachte Wartemöglichkeiten und Serviceinrichtungen entscheidend - und auch die innere Gestaltung wird, wenn man dem 2. von mir geposteten Bild glauben darf, durchaus interessant. Im Übrigen halte ich die städtebauliche Einordnung mit Ausrichtung zum Mittelrisaliten des AO-Hotels sowie der begrünten kleinen Fussgängerstraße samt Freisitzmöglichkeiten durchaus für durchdacht und gelungen.

  • Schaut man sich die genaue Lage des neuen Terminals an, fällt auf, daß er durchaus zwischen diversen Gebäuden verschwindet und als Solitär kaum wahrgenommen wird. Allerdings wird es eine relativ lange Fassade zur Brandenburger Straße geben, die - obwohl Ausfallstraße - trotzdem in Zentrumsnähe sich befindet. Außerdem geht es doch gerade an dieser Stelle um Stadtreperatur respektive eine bauliche Fassung der "Ausfallstraße". Insofern wäre anspruchsvollere Architektur wünschenswert. Dramatisch ist es aber nicht.

  • Natürlich stellt sich hier die Frage warum die ZOB als ein Gebäude eingespannt von Bürogebäuden und zwei Hotels, als ein Solitär gestaltet werden muss. Ich hatte mir auch ein Gebäude nach dem Vorbild in München gewünscht. Aber für mich stellt sich dann auch die Frage, was ein Solitärgestaltung zwischen zwei Höhendominanten erzeugen soll?


    Wenn die Lamellen-Fassade richtig ausgeführt wird, und hier vielleicht auch eine attraktive Werbefläche ensteht, kann ich nichts negative an dem Entwurf erkennen. Vielmehr kommt es hier auf die finale Ausführung der Hotel-Kopfbauten an!