Diverse Brückenneubauten

  • Ersatzneubau EÜ Mainzer Straße

    Im November 2019 will DB Netz die Arbeiten zur teilweisen Erneuerung der Eisenbahnüberführung Mainzer Straße in Darmstadt beginnen. Sie werden sich bis Ende Juni 2023 hinziehen. Von den 14 Einzelbrücken des Bauwerks werden 8 vollständig erneuert. Die besondere Herausforderung dieses Bauvorhabens ist, dass der gesamte Abbruch und Neubau der Widerlager, Ausbau der alten Stahltröge (Bj. 1907), der Hilfsbrücken und der neuen Stahltröge "unter rollendem Rad", also unter Aufrechterhaltung des gesamten Bahnverkehrs und des darunter querenden Kfz- und Fußgängerverkehrs stattfindet. Lediglich für das Aus- und Einheben der Brückenteile soll es stundenweise nächtliche Sperrpausen geben.
    Die bestehenden Brücken haben anscheinend eine Zustand erreicht, der einen Ersatzneubau unerlässlich macht. Es laufen darüber die Strecken F - HD, MZ - DA, DA - AB, der Abzwei Bergscheide - DA und die S-Bahn DA - F, alle zusammen haben ein Zugaufkommen von bis zu 492 Zügen pro Tag.


  • Neubau Stirnwegbrücke

    Die Brücke ist weitgehend fertiggestellt. Nur das Brückengeländer fehlt noch. Auch im Umfeld sind die Straßenbau- und Markierungsarbeiten fast abgeschlossen. Jetzt noch ein paar Schilder und Ampeln und dann kann die Brücke in Betrieb gehen:



    Bild: von mir

  • Neubau Stirnwegbrücke

    Die Verkehrsführung wurde mal wieder geändert und bietet eine neue Herausforderung für die Auto- und LKW-Fahrer. Die neue Brücke in der Hilpertstraße ist nur noch stadteinwärts befahrbar, während die Stirnwegbrücke geöffnet wurde und stadtauswärts genutzt werden kann.



    In den letzten Tagen wurden die Brückengeländer montiert; heute wurden die Scheiben eingesetzt.



    Es stehen Hubsteiger und Lichtmaste bereit, so dass vermutlich schon heute Nacht in einer Sperrpause die provisorischen Geländer demontiert werden.



    Bilder: von mir

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    Meine Annahme, die provisorischen Geländer ließen sich in einer nächtlichen Sperrpause entfernen, lag ziemlich daneben. Den ganzen Tag ruht hier der Bahnverkehr, während quälend langsam - Stück für Stück - das Provisorium abgebaut wird. (Die Sperrpause wurde aber gleich mehrfach genutzt: Im Darmstädter Hbf wurden Wartungsarbeiten durchgeführt und ein Bauzug für's "Stopfen und Richten" wurde auch gesichtet.)
    Der große Kran ist lediglich dafür da, die Hubsteiger und einen Container nach unten auf die Gleise und wieder nach oben zu befördern.



    Und jetzt noch - wenigstens einmal - das neue Geländer ohne die leider zu erwartenden Schmierereien:




    Bilder: von mir

  • Heute gibt's nochmal den Blick auf die inzwischen fertiggestellte Stirnwegbrücke.


    Beim Anblick der Brücke samt auffälliger Fahrbahnabtrennung kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier irgendwas nicht stimmt.


    Zunächst der Überblick:


    Aus anderer Perspektive:


    Auf der Nordseite ein viel zu schmaler Gehweg (und kein Radweg), der im Nichts endet:


    ... was aber Radler und Fußgänger nicht davon abhält, ihren Weg fortzusetzen:


    Und auf der Südseite ein auffällig breiter Weg mit unterschiedlichem Belag, ohne dass eine unterschiedliche Funktion (Geh-/Radweg) erkennbar wäre. Zudem ein breiter, abgetrennter Streifen; unbenutzbar. Und der Gulli mitten auf der Fahrbahn???


    Das sieht aus, als wenn es nicht passt, ursprünglich anders geplant war oder nochmal umgebaut werden soll. Mich lässt der Anblick jedoch mit großen Fragezeichen zurück. :?::confused:

  • Ergänzung zum vorstehenden Beitrag:

    Leider konnte ich die (weiter oben von tunnelklick verlinkten) Planunterlagen zur Brücke auf der Homepage des Regierungspräsidiums nicht mehr finden. Aus dem noch verfügbaren Erläuterungsbericht zum Neubau der Rheinstraßenbrücke ergibt sich aber, dass der stadteinwärts fließende Verkehr während der Bauphase im Zuge eines einzurichtenden Einbahnstraßenringes über die Stirnwegbrücke geführt wird. Dieser Einbahnstraßenring ist durchgehend 3spurig einzurichten. Die Stirnwegbrücke befindet sich demnach in einem (Vor)Zustand vor dem Zwischenzustand vor dem Endzustand. So, wie ich es oben festgehalten habe, wird es also nicht bleiben. Eine mindestens 2malige Änderung der Verkehrsführung steht noch bevor.

  • (Ersatz-)Neubau von 5 Brücken über die Main-Neckar-Bahn (siehe dazu #1 und folgende)


    Zwei Jahre gab es in diesem Strang nichts zu lesen.

    Jetzt wird das nächste - und sicherlich größte - Kapitel eingeleitet: Der Neubau der Rheinstraßenbrücke (ausführlich dazu siehe #15).


    Zunächst werden der Berührschutz und das Geländer entfernt. Vorab begann die Montage eines provisorischen Geländers, dessen Pfosten sehr viel massiver aussehen als das, was da bisher gegen Absturz gesichert hat.


    Quelle


    Bild: von mir

  • Bin eben über die Rheinstraßenbrücke gefahren. Die Absturzsicherung wurde fertiggestellt. Bin echt gespannt wie es da weiter geht, das Projekt zieht sich seit dem Wettbewerb nun ja auch schon gefühlte Ewigkeiten...


    PS: eben noch ein schnelles Handyfoto mit Zoom vom Hbf aus gemacht. Sorry für die schlechte Qualität. Sollte es zu schlecht sein - einfach löschen.


    Quelle: Thomas_N

  • Eisenbahnbrücke am Wöhlerweg (I)


    Keinen Neubau (zumindest jetzt noch nicht), aber einen bemerkenswerten (und bedauernswerten) Abgang haben wir zu verzeichnen.

    Die Eisenbahnbrücke am Wöhlerweg existiert nicht mehr.


    Da mir diese Brücke als technisches Denkmal sehr am Herzen lag, habe ich mich entschlossen, etwas ausführlicher darüber zu berichten.


    Zur Geschichte:

    Im Zuge des Neubaus des Darmstädter Hauptbahnhofes von 1910 bis 1912 außerhalb des damaligen Stadtgebietes war die Neuordnung der Gleisanlagen erforderlich, was auch einige Kunstbauten mit sich brachte. Das Ausfahrtgleis von Darmstadt in Richtung Aschaffenburg wurde dabei mittels einer zweifeldrigen Stahlfachwerkbrücke von insgesamt 80m Länge über zwei weitere Gleise überführt (das Einfahrtgleis von Aschaffenburg und das Ausfahrtgleis nach Mainz).


    Hier ein kurzer Wikipedia-Artikel zur Brücke.


    Gesamtansicht der Brücke im Januar 2017:


    1024px-Darmstadt-Eisenbahnbr%C3%BCcke2-W%C3%B6hlerweg.jpg

    Quelle: Hewiha, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons


    2004 plante die Bahn den Ersatz der nun schon fast 100jährigen Brücke durch einen Spannbetonbau. Ein Gutachten zeigte jedoch, dass ein Neubau deutlich teurer wäre, als eine Renovierung der bestehenden Brücke (3 Mio. Euro gegenüber 1,8 Mio. Euro). So konnte im Jahr 2006 der damalige Leiter der Denkmalschutzbehörde der Stadt Darmstadt, Nikolaus Heiss, die Bahn vom Erhalt des Denkmals überzeugen (Q.).


    Danach gingen erstmal 15 weitere Jahre ins Land, in denen sicherlich eifrig geplant, Termine verschoben, umgeplant oder auch mal eine Zeit lang gar nichts gemacht wurde.


    Die Sanierung:

    Die denkmalgeschützte Wöhlerwegbrücke wurde im Februar 2021 demontiert und neben der Bahnstrecke eingehaust, um dort saniert zu werden.


    Einen kurzen Bericht über den Aushub und die Sanierung findet man bei rottenplaces.de (mit Foto).


    Sehr ausführlich wird im hansebubeforum über 2 Tage in 17 Posts vom Aushub und Transport der Brückenfelder berichtet (wegen der zahlreichen Bilder für Bahn- und Kranfans ein Muss).


    Anschließend verschwand die Brücke in einem Zelt. Ich selbst konnte im Oktober 2021 einen kurzen Blick in einen Teil des Zeltes werfen und ein Stück des Portalbogens ablichten:

    Dieses und alle nachfolgenden Bilder: von mir


    Die Original-Lagerpunkte des Portalbogens:


    Die Bautafel:


    ... wird fortgesetzt ...

  • (ex) Eisenbahnbrücke am Wöhlerweg (II)


    Das (bittere) Ergebnis:

    Eigentlich war der Wiedereinbau der Brücke für den März 2022 geplant (siehe Bautafel). Als Ende 2022 mit halbjähriger Verspätung das Zelt abgebaut wurde, erschien aber keine sanierte, sondern eine rostige Brücke. Zwar zeigten sich auch Schäden in Form von Abrostungen, aber die waren - zumindest wenn es um erheblichen Querschnittsverlust geht - lokal sehr begrenzt und sicherlich durch lokalen Austausch oder Verstärkungen zu beheben.


    Mein Baustellenbesuch im November 2022:


    Die Überbauten (Querträger und Geländer waren demontiert und nicht mehr auf der Baustelle vorhanden)

    20221113_140416xbdcr.jpg


    20221113_142144xedah.jpg  20221113_142148mrdaq.jpg


    Teile der Kipplager:

    20221113_1417071ec4t.jpg   20221113_141712ayfp8.jpg


    Meine Hoffnung, dass es "nur" weitere erhebliche Verzögerungen gibt, erfüllte sich aber leider nicht, sondern starb zuletzt, als ich wenige Tage später mit Erschrecken feststellen musste, dass die Brücke vor Ort verschrottet wird. Eigentlich sah das, was ich ein paar Tage vorher vor Ort sehen konnte, ja noch "ganz gut" aus.


    Beginn der Verschrottung Dezember 2022:


    p10108707mff2.jpg


    p1010874vjeku.jpg


    Schweres Gerät und die Ergebnisse:


    p1010869txdt7.jpg   p1010877nkevv.jpg   p1010868euckp.jpg


    Zu all den Vorgängen fand ich zudem keinerlei Berichterstattung. Sollte das etwa versteckt im Wald klamm und heimlich passieren?


    Eine Nachfrage im Dezember beim Denkmalamt hat jedoch ergeben, dass sich während der Untersuchung der Brücke erhebliche Schäden, Mängel und statische Probleme gezeigt haben, die vorher nicht zu ermitteln gewesen seien und in ihrer Gesamtheit letztlich nicht gelöst werden konnten. Somit gab es zum Rückbau der Brücke wohl keine Alternative. Man habe sich redlich und nach Kräften bemüht, aber letztlich erfolglos. Die Betroffenheit über den Verlust des Denkmals war spürbar.

    Da ich fachlich - was den Stahlbau angeht - nicht ganz unbedarft bin und die Überbauten ja selbst gesehen habe, vermute ich die Probleme vor allem im Bereich der Ermüdungsfestigkeit. Immerhin hat die 1912 fertiggestellte Brücke inzwischen knapp 110 Jahre Eisenbahnbetrieb auf dem Buckel. Das bedeutet einen Lebenslauf (=Vorschädigungen), den man bei einer Nachrechnung natürlich berücksichtigen muss. Vermutlich waren einige Nachweise überhaupt nicht zu erbringen oder haben zu geringe Restlebensdauern ergeben.


    Die kläglichen Reste im Januar 2023:


    p1010942jfcoi.jpg


    Zwei größere Teile des Überbaus wurden separat abgelegt und dienen mglw. als Muster für den Neubau. Ebenfalls abseits des Schrotthaufens liegen Teile der Kipplager. Vielleicht wandert das ins Museum/Archiv oder findet irgendwie/irgendwo eine andere Verwendung?


    p101093755ewa.jpg   p1010935caixh.jpg


    Jetzt soll "zeitnah" eine neue Brücke die Lücke im Schienennetz schließen (und damit sind wir dann doch richtig in diesem Strang "Diverse Brückenneubauten").

    Die neue Brücke soll im Erscheinungsbild der alten angenähert werden. Die beiden historischen Brückenzufahrten können erhalten und sollen integriert werden.


    Widerlager Nord mit neu betonierter Auflagerbank:


    p1010945dxcq6.jpg


    Widerlager Süd derzeit eingerüstet:


    p1010946cuiax.jpg

    Alle Bilder: von mir


    Bis es so weit ist, dass wir hier über die neue Brücke berichten können, wird es aber wohl noch ein Weilchen dauern.