Ehem. Hauptpost am Hbf. - Abriss, Sanierung und Neubau

  • Nun, eine ansprechende Architektur würde ich an dem Platz voraussetzen, aber der bestehende Hbf ist ja nicht so "unverträglich" dass man nicht einen geeigneten NAchbarbau dazu entwerfen könnte.

  • Naja, dass der Neubau ansprechend sein soll, steht ja wohl völlig außer Frage. Da ist man vielmehr direkt in der formellen und materiellen Diskussion: Wie stellt man wirksam die Verwirklichung eines hochwertigen Entwurfs sicher, und wodurch ist die Hochwertigkeit eigentlich gekennzeichnet, da es ja auch eine gewisse Geschmacksfrage ist.


    Da sind sowohl entsprechende Auflagen bzw. Vertragsbestandtteile zwischen Investor und Stadt bzw. Genehmigungsbehörde notwendig, genauso wie die geplante Einbindung fähiger Architekturbüros.


    Unterdessen positionieren sich in den Medien die Spielfiguren. Während der Investor in einem Interview mit den Nürnberger Nachrichten am 10.01.2015 felsenfest davon überzeugt ist, dass der Postbau zu nichts zu gebrauchen und daher nicht sanierungswürdig sei, fordern die Freien Wähler im Stadtrat den Erhalt des Kopfbaus.


    Nürnberger Zeitung (Link): http://www.nordbayern.de/regio…ich-in-stellung-1.4122850


    Sie sind damit sicherlich nicht die einzigen, denn auch Sachverständige und Historiker sind der Ansicht, dass hier nicht vorschnell die Abrissbagger bestellt werden dürfen.

  • Nun, da sollte dann eben jemand einen Deal anabieten - mehr Fläche für mehr Qualität + Erhalt interessanter Bausubstanz. Ob sich das einer getraut? Sinnvoll wäre es, denn auf dem grundstück sit jeder zusätzliche qm Geschossfläche für die Stadt extrem wertvoll, nicht nur für den Investor. Also würden von so einem Deal beide gewinnen. Der Beitrag des Stadtrats geht ja schon in die richtige Richtung.

    Aber es werden auch wie immer einige aufheulen, die nicht sehen dass ein Gewinn für einen Investor nicht automatisch ein Verlust für die Allgemeinheit ist, sondern auch für die Allgemeinheit gleichzeitig ein Gewinn herausspringen kann. In dem die richtigen Flächen am richtigen Platz entstehen.

  • In der Presse ist desöfteren ein Luftbild zu sehen, der den Komplex und damit das komplette Bauvorhaben gut illustriert. Ich nehme hier mal etwas vergleichbares:



    Quelle: Google Earth


    Um den Rundbau macht sich derzeit niemand sorgen, der steht unter Denkmalschutz, wobei die Stadt dem Investor erlaubt hat, es komplett zu entkernen und nur die Fassade und die kunstvoll gestalteten Treppenhäuser zu erhalten, sowie die bestehende Dachlandschaft hinterher wieder herzustellen. Da der bestehende Rundbau aber nicht bis an die Grundstücksgrenze reicht (Bahngleise), ist ein Anbau oder eine Verlängerung des Gebäudes vorgesehen.


    Der Mitteltrakt aus den 1970'er Jahren, der einst ein reich gestaltetes Gründerzeit-Postgebäude ersetzt hat, wird von allen Seiten her als entbehrlich bewertet und wird abgerissen.


    Die Diskussion dreht sich also ausschließlich um den Kopfbau rechts im Bild. Das Parkhaus dahinter gehört dabei nicht zum Gelände, gehört also auch nicht dem Investor und bleibt unangetastet. Die unbebaute Fläche dagegen, die hinter dem Rundbau liegt, bietet sich an für eine Tiefgarage, für die eine entsprechende Zufahrtslösung zu suchen sein wird. U.a. wird das Aufgabe des Wettbewerbs werden. Ob man darauf noch ein Gebäude setzen kann wird bei der Betrachtung des Gelände eher schwierig werden, da immerhin schon der Kopfbau mit dem Argument, es käme nicht genug Licht in die Räume, vom Investor abgeschrieben wird. Der Hof wäre daher m.E. nur für eine niedrige Bebauung, vielleicht mit einem Saalbau, geeignet.


    Für den Kopfbau würde ich mir den Erhalt, mindestens aber den Erhalt der einprägsamen, charakteristischen Fassade zur Bahnhofsvorplatzseite und zur Bahnhofstraße wünschen. Sollte nämlich tatsächlich keinerlei Nutzung denkbar und möglich sein, weil das Gebäude so unheimlich tief ist - was ich angesichts der Luftaufnahme nur teilweise nachvollziehen kann - wäre also ein Block denkbar, der einen oder mehrere Lichthöfe im Innern beinhaltet und dem Parkhaus dadurch näher kommt. In der Summe also ein Block, der doppelt so tief ist wie der Mittelbau heute. Interessanter Weise ist das ein Städtebauliches Prinzip zur Verdichtung und effizienten Raumnutzung aus der Gründerzeit.


    Ich würde den Kopfbau aber eben noch nicht abschreiben, da sich auch die CSU für den Erhalt einsetzt. Im Interview mit der Nürnberger Zeitung (leider nur Printausgabe) vom 13.01.2015 setzt sich der zuständige Stadtrat Architekt Joachim Thiel sehr für das Gebäude ein und bringt interessante Fakten unter der Überschrift "Ein Plädoyer für den Erhalt des Postbaus": Danach wurden kurz nach dem 1. Weltkrieg die Länderpost-Einrichtungen zur Reichspost zusammengeführt. Dabei wurde die ehem. Königlich Bayerische Post in die Deutsche Post eingegliedert. Um die Infrastruktur der ehem. kgl. bay. Post zu modernisieren, hat man in München eine „Postbauabteilung“ eingerichtet unter der Leitung des Architekten R. Vorhoelzer, der alle Neubauten im Stil der neuen Sachlichkeit errichtete (Vorhoelzer war zur damaligen Zeit ein einflussreicher Architekt und genoss hohes Ansehen. Er wurde jedoch später unter den Nazis von seinen Aufgaben entbunden).
    Der Neubau der Nürnberger Hauptpost von 1928 stammt vom Architekten Johann Kohl, der einen Entwurf in der reinen Lehre der Postbauschule im Stil der neuen Sachlichkeit vorlegte. Vorgesehen war, das Gebäude klar gegliedert ohne Verzierungen mit einer weißen Putzfassade zu erstellen. Unter anderem vom damaligen Oberbürgermeister, Hermann Luppe, wurde dieser Entwurf sehr begrüßt.



    Entwurf 1928. Quelle: Stadtarchiv Nürnberg, Website Stadtbild-Initiative Nürnberg.


    In diese Zeit fiel aber auch die Wiederentdeckung des Rundbogens als Gestaltungsmerkmal, sowohl in Deutschland als auch in Italien. Unter diesem Einfluss, und auch unter den Diskussionen im Nürnberger Stadtrat hat man dann vorgeschlagen, statt der weißen Putzfassade eine Verkleidung mit Sandsteinplatten, und im Erdgeschoss Rundbögen vorzusehen.
    Zur Realiserung kam es jedoch erst in der Nazizeit unter Gauleiter Streicher, der mit der Architektur der neuen Sachlichkeit nichts anfangen konnte, und weitere, tiefgreifendere Änderungen durchsetzte. So kamen zum Beispiel statt des umstrittenen Flachdaches ein mächtiges Walmdach mit den Spitzen darauf, verschiedene Medallions und eine Konsole mit Reichsadler. Zudem wurde die Anordnung und Teilung der Fenster „eingedeutscht“.



    Um 1935. Quelle: Stadtarchiv Nürnberg, Website Stadtbild-Initiative Nürnberg.


    Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude durch einen Bombentreffer stark beschädigt und brannte aus, wurde jedoch bereits kurz nach dem Krieg wieder aufgebaut,. dabei orientierte man sich an die zuletzt im Stadtrat vor der Nazizeit diskutierten Gestaltung, in der das Gebäude auch heute noch zu sehen ist:
    - Rundbögen im Erdgeschoss
    - Sandsteinverkleidung
    - flaches Walmdach
    - liegende Fenster mit senkrechter Teilung
    - keinerlei Fassadenschmuck.


    Im Kern macht Herr Thiel also darauf aufmerksam, dass die heutige Gestalt des Kopfbaus der Hauptpost keine Schöpfung der Nationalsozialisten ist, sondern in den einzelnen Details auf jeweils andere Umstände zurück geht. In der Fachwelt wird im Prinzip der Kopfbau als der interessanteste Teil des gesamten Postkomplexes gesehen, der vor dem Hintergrund der genannten fakten definitiv als ortstypisch zu bezeichnen ist. Umso unverständlicher ist, dass er nicht unter Denkmalschutz steht.


    Im Interview fordert er daher den Erhalt des Postgebäudes oder wenigstens seiner Fassade bzw. wesentliche Teile davon. Es geht hier schlichtweg um das Verhindern von Geschichtsbeseitigung. Vorstellbar wäre jedoch eine Aufstockung des Gebäudes bis zu einer Höhe vergleichbar mit dem Ergo-Hochhaus an der Westkante des Bahnhofsplatzes, wodurch der Bahnhofsplatz einen harmonischen, weil symmetrischen Rahmen erhalten würde. Zumindest jedoch darf nicht einfach abgerissen werden, das sehe ich auch so.

  • Zur Egänzung, das im Zeitungsinterview erwähnte Victoria-Hochhaus, heute das ERGO-Hochhaus, wird als Höhenmaßstab für die Entwickung des Geländes gesehen.




    Detail:



    Gerade im Detail zeigt sich, das das Ergo-Hochhaus gestalterisch nicht das Schlechteste ist. Ich finde es steht dem Hochhaus am Plärrer in nichts nach. Aber das nur am Rande.

  • Nun, da würde es sich extrem stark anbieten, das Parkhaus mit einzubeziehen, die noch notwendigen Parkplätze in die neu zu erstellende Tiefgarage zu verlegen, und in der Lage an den Bahngleisen einen etwas höheren Büroblock im Hintergrund zu stellen, der dann den Kopfbau überragt, aber eben keine Traufhöhe an der strasse bildet.

  • In den heutigen Nürnberger Nachrichten (Seite 10) nimmt die Stadt, in Person des Baureferenten Ulrich, Stellung zum bevorstehenden Abriss des Hauptpostgebäudes. Danach ist die Stadt heilfroh darüber, dass sich überhaupt ein Investor gefunden hat, der bereit ist an dem Standort etwas neues zu entwickeln, dass nicht eines der landauf landab bekannten Shoppingcenter mit den Namen "Arcaden", "Galerie" oder "Center" ist. Ein bißchen devot liest sich die Stellungnahme schon. Sie kristallisiert die Kernmotivation der Stadt heraus: Etwas muss passieren, egal was es kostet. Dabei wird durchaus von Seiten der Architekturfakultät der Ohm-Hochschule angemerkt, dass man aus dem Postbau etwas machen könne, es nur scheinbar nicht gewollt sei.
    Fassaden zu erhalten ist nicht die große Kunst, das bekommen regelmäßig auch kleine Städte problemlos hin. Wenn dahinter etwas völlig neues entsteht, dass vielleicht sogar noch vier bis 5 Etagen über die bestehende Fassadenhaut hinausgeht, wird kaum jemand etwas dagegen haben können. Na schauen wir mal.


    Insgesamt bin ich auch mal wieder gespannt, wann es einen wirklich begeisternden Entwurf für ein Neubauprojekt in Nürnberg geben wird. Zuletzt fallen mir da nur Sebald Kontore und die neue Messehalle 3 ein, die sich vom Investoreneinerlei in der Stadt qualitativ deutlich abheben. Zweifellos, es gibt noch eine Reihe anderer gelungener Neubauten, wie die neue DATEV oder die Deutsche Rentenversicherung, auch wenn sie doch etwas sehr Mainstream sind mit den gestreut angeordneten Fenstern. Für den Bahnhofsplatz muss es dann doch etwas mehr sein. Und wenn man keinen tauglichen Entwurf findet, sollte man besser den Bestand aufmöbeln.
    Das Problem ist halt im Wettbewerb: Dadurch gibt es in jedem Falle einen Sieger, selbst wenn das der Einäugige unter den Blinden ist...

  • Das Plädoyer für die Hauptpost von Joachim Thiel (Stadtrat und Architekt) ist nun auch online lesbar:


    http://www.nordbayern.de/nuern…s-1.4122858?searched=true


    Parallel dazu habe ich eine Postkarte von 1936 bekommen, die den Postbau gerade frisch fertig gestellt zeigt:



    Man sieht gut, wie dem Ursprungsbau einige zusätzliche Elemente angefügt und übergestülpt wurden.
    Zudem sieht man auch, dass der Bahnhofsvorplatz einmal Bäume hatte, heute gibt es da nur noch Blech.

  • nothor, vielen Dank für die anschauliche Postkarte! An diesem Foto kann man sehr gut die ursprüngliche Struktur des Gebäudes im Geiste der Münchener Postbauschule erkennen. Gerade die EG-Arkaden haben einen großen gestalterischen und städtebaulichen Wert. Meines Erachtens wäre es eine Schande, dieses Gebäude zu zerstören. Vielmehr ist es angezeigt, es in eine überfällige Neugestaltung des Bahnhofsplatzes einzubinden. Wie der Hauptbahnhof, das Grand Hotel und der Frauentorturm gehört der Kopfbau der Hauptpost zu diesem Platz, und nichts wird ihn adäquat ersetzen können.

  • historische Litfasssäulen werden beseitigt

    Ja, das denke ich mir auch, wer mal in Wien war und die kunstvollen Litfasssäulen dort gesehen hat, weiß was eine stilvolle Straßenmöblierung für eine Wirkung hat. Jetzt verschwinden die wenigen verblieben auch noch, und es kommen sicherlich ganz schicke, aber keineswegs typische Modelle hierher. Könnte man den Neuen denn nicht den alten Hut aufsetzen?

  • Investor stellt Neubaupläne für ehemalige Hauptpost vor

    Der Investor trommelt in der heuten Tagespresse kräftig für seine Pläne.


    http://www.nordbayern.de/regio…e-hauptpost-vor-1.4202529


    Während das Zuckerl, nämlich die denkmalgerechte Sanierung des imposanten Rundbaus an der Allersberger Straße und eine Nachnutzung als Hotel versprochen wird, ist der Rest abgeschrieben. Der Rundbau ist schon deshalb gewissermaßen ein Muss, damit das gerade neu entstehende Pendant sein Gegenüber behält. Das war ja sicherlich der Städtebauliche Zweck, hier eine repräsentative Torsituation in die Südstadt durch den Tunnel zu erhalten.


    Der Zwischenbau sowie der Kopfbau allerdings soll weg und neuem Platz schaffen. Interessanterweise geht es im Artikel aber nur darum, Werbung für den Abriss zu machen, denn anders als es die Überschrift ankündigt - Investor stellt Neubaupläne vor - ist davon weit und breit nichts zu lesen. Was entstehen soll bleibt also völlig unklar. Ein Hotel oder ein Bürobau. Oder ein Kongresszentrum? Hauptsache erstmal abreissen und einen Schutthaufen erzeugen.

  • Petition für den Erhalt des Kopfbaus....

    ... durch ein intelligenteres Konzept statt des unreflektierten Abrisses.


    Die Stadtbildinitiative Nürnberg hat wichtige Argumente für einen Erhalt des Kopfbaus zusammengetragen und tritt nun dafür ein, die Stadt Nürnberg und den Investor zum den Erhalt des Kopfbaus aufzufordern:


    http://stadtbild-initiative-nuernberg.de/?page_id=190


    Zeitgleich wurde heute die Petition gestartet, die sich an den Nürnberger OB und den Stadtrat wendet, um hier die Weichen in die richtige Richtung zu stellen:


    https://www.openpetition.de/pe…s-nurnberger-wahrzeichens


    Wer der Meinung ist, dass man ein so einzigartiges Gebäude, an dem die Baugeschichte der Weimarer Zeit, des Nationalsozialismus und der Wiederaufbaujahre so gut ablesbar ist, nicht einfach für ein banales und auf Profit maximiertes Hotelprojekt hergeben darf, der schließe sich der Petition an den OB an. Denn der Nürnberger OB braucht Druck, um aktiv zu werden.

  • Nun, in dem Text zum Erhalt des Kopfbaus lese ich leider nur, dass man quasi dem Investor "Steine in den Weg" legen will, sprich was man erhalten möchte, und es zeigt nicht auf, wo das Zuckerl für den Investor in Form von zusätzlichem Bauvolumen liegen könnte - es fehlt das Zuckerbrot zur Peitsche. So kommt die Initiative destruktiv daher.

  • Nein, dann gehst du von falschen Prämissen aus. So ein Gebäude hat schlichtweg unter Denkmalschutz zu stehen und dann erübrigen sich Diskussionen über Abriss und Neubau. Eine riesige Sauerei, dass es nicht so ist. Ein so großes Zuckerbrot, dass auch nur annähernd die wirtschaftliche Attraktivität eines 15 Geschossers hat, existiert hier nicht. Hier hat der Denkmalschutz versagt und Menschen, die dessen Aufgaben nun ersatzweise wahrnehmen, müssen sich als Verhinderer brandmarken lassen.


    Als Außenstehender kann ich hier wieder mal nur den Kopf über Nürnberg schütteln. So ein Gebäude, direkt neben dem großartigen Bahnhof, für einen schnöden 15-Geschosser abreißen zu lassen, liegt völlig außerhalb meiner Vorstellungskraft.

  • hfrik: Die Zuckerl sind:
    - in Höhe und Proportion passende Aufstockung möglich (unter Erhalt der Kubatur des Bestands zum Bahnhofsplatz hin)
    - Innenausbau komplett zur Disposition
    - Rundbau darf entkernt werden (trotz Denkmalschutz, ist bereits abgestimmt)
    - weniger Diskussionen und Abstimmungsbedarf als beim Neubau (sprich: Kostenersparnis und Erhalt des guten Rufs)


    Mehr findest Du hier, insbesondere im Positionspapier der Stadtbild-Initiative Nürnberg (ganz oben auf der Seite): http://stadtbild-initiative-nuernberg.de/?page_id=190

  • Der Zwischenbau darf ja eh abgerissen werden und um ihn ist es nicht schade. Hier ließe sich schon Flächenoptimierung betreiben und geeignete Renditefläche schaffen, ohne dass das in Konflikt zu irgend etwas steht. Zudem besteht hier noch die super spannende Aufgabe für Architekten, eine gelungenere Verbindung zwischen den beiden Bestandsbauten zu schaffen, als es die Architekten in den 70'ern vermocht hatten.


    hfrik, für mich ist deine Frage schon provokativ und zeigt auch eine gewisse Umkehr von Abhängigkeiten in unserer Gesellschaft: Du forderst, dass die Stadtgesellschaft für den Investor ein Zuckerl bietet. Nach meinem Dafürhalten sollte es doch aber anders herum sein, der Investor muss nachweisen dass er geeignet ist, sich der Gestaltung dieser wichtigen Stelle im Stadtbild anzunehmen. In anderen Städten haben andere Entwickler schon ganz andere Projekte hinbekommen. Wenn ich da schon an Leipzig denke und seine unzähligen Problemimmobilien.


    Saxonia hat übrigens völlig Recht, der bayerische Denkmalschutz versagt hier auf ganzer Linie.

  • Richtig, nothor. Die Begründung, mit der das Landesamt die Aufnahme in die Denkmalliste ablehnt, ist hanebüchen. Der Wiederaufbau sei schuld – es gäbe nicht genügend Denkmalsubstanz.


    Hier hat das Amt gleich mehrere unverzeihliche fachliche Fehler begangen:


    1. Kriegszerstörung ist kein Ablehnungsgrund. Direkt neben dem Kopfbau stehen mit Künstlerhaus, Grand Hotel und Hauptbahnhof drei schwerstbeschädigte Baudenkmale. Ihre Substanz ist in wesentlichen Teilen 1946ff. entstanden. Trotzdem wurden sie um 1975 anstandslos in die Liste aufgenommen.


    2. Der Kopfbau bildet wie kein anderes Baudenkmal in Nürnberg ab, wie sich die Stadtbildpflege zwischen Weimarer Republik, NS-Zeit und Wiederaufbau gewandelt hat und wie man nach 1945 versucht hat, das Erbe der "braunen" Zeit mit dem "demokratischen" Bauhaus zusammenzubringen. Dies wurde bei der Beurteilung gar nicht erkannt.


    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt… Für mich sieht das so aus, als sei das Landesamt von höherem Orte dazu "veranlasst" worden, dieses Bauwerk nicht in die Liste aufzunehmen. Auch dass sich der ansonsten fähige und architekturgeschichtlich gebildete Baureferent nicht entblödet, dem Gebäude jeglichen Wert abzusprechen, spricht Bände.

  • Petition zurück gezogen


    Die Stadtbildinitiative Nürnberg hat ihre Petition für den Erhalt des Kopfbaus der Hauptpost mit knapp 1000 Unterschriften zurückgezogen. Die Gründe hierfür lassen sich auf der Website der Bürgerinitiative nachlesen, auf den Punkt gebracht war die Aussicht, das gesteckte ziel nicht erreichen zu können, ausschlaggabend:


    http://stadtbild-initiative-nuernberg.de/?page_id=190


    Man könnte sich hinreissen lassen und sagen, hiermit habe man einen Misserfolg erleiden müssen. Dennoch hat die Petition durchaus etwas bewirkt. Denn erst nach dem medienwirksamen Start der Petition hat die Diskussion um den Ort begonnen, es wurden Argumente ausgetauscht und es hat sich herausgestellt, was bis dahin im Nebel gelegen hatte: Was stellt sich der Investor als Nachfolgebau hier vor? Noch vor zwei Monaten träumte man von einem Hochhaus vergleichbar dem Plärrerhochhaus (....im Ernst?). Dies wurde nun seitens der Stadt gerade gebogen und man hat deutlich festgelegt, was man hier vom Investor erwartet.


    Hätte es die Petition nicht gegeben, wer hätte dem Investorenträumereien hier auf die Finger geschaut? Insofern sind immerhin Effekte erzielt worden, die man auch als Erfolg im Sinne der Stadtbildentwicklung einordnen kann. Der Kopfbau wird also kaum zu retten sein, wenn nicht die Architekten einen entsprechenden Vorschlag im Rahmen des Wettbewerbs unterbreiten. Die ist aber wohl nicht zu erwarten, wenn schon die Architektengilde einen Abriss fordert. Nun gilt es also, auf das bestmögliche Ergebnis für einen Neubau hinzuwirken. Und das Naturstein die richtige Wahl für den Ort sein sollte, dürfte unstrittig sein. Wichtig ist auch, dass die Stadt erst dann den Abriss genehmigt, wenn man sich auf den Nachfolgebau geeinigt hat und er genehmigt und durch den BKB ist.