Mediaspree: Entertainment District an der MB-Arena

  • Düsseldorf wird ja hier gerne mal als Musterbeispiel für deutsche"Provinzstadt" herangezogen.

    OT: Das halte ich für ein Gerücht bzw. allenfalls Ignoranz. Düsseldorf hat mehr Einwohner als bspw. Leipzig und Dresden sowie ähnlich viele wie Stuttgart und 'nur' gut 100.000 weniger als Frankfurt. Das sind für mich alles attraktive und bedeutsame Großstädte und absolut keine Provinz. Bei Düsseldorf denke ich eher an eine wohlhabende Großstadt ohne Schulden(!) sowie mit einigen schicken, modernen Ecken.


    BTT: Fassadenbegrünung finde ich super spannend und attraktiv. Nur würde das ausgerechnet im hinteren Teil mit den schwächeren Fassaden nicht funktionieren, da es so keine gute Resonanzfläche für die Lichteffekte gäbe. Vielleicht könnte man es für Teile der Backsteinfassaden nutzen (aber ein wenig Backstein sollte zum Wasser hin erkennbar bleiben). Oder man könnte gut den unteren Teil der Metallstelen mit Moosen verkleiden. Das würde mE schon was hermachen und etwas von dem Grau verdecken.

  • Bei dem Beispiel muss natürlich fairerweise bedacht werden dass es sich um die Bebauung eines der Filetgrundstücke in der Innenstadt handelt. Aber das Viertel zwischen (P)ostbahnhof und Warschauer Strasse entwickelt sich ja weiter, allein die Fertigstellung der Hochhäuser wird weiter Veränderungen bringen. Wie auch im Europaviertel wird es die Zeit zeigen, was sich bewährt, was verschwindet und was sich entwickelt. Wir sehen das immer in Zeitperioden von vielleicht 4 bis 5 Jahren.

    Mich beeindrucken immer Fotos, in denen z.B. der Theodor-Heuss-Platz komplett ohne Bebauung aber mit U-Bahnstation zu sehen sind. Das erinnert daran, dass im Grunde auch die Gründerzeitviertel am Reissbrett entstanden und es 20 Jahre dauerte, bis z.B die Viertel um den Platz herum fertig bebaut waren.

  • Die grünste Fassade Europas, ein Stückchen Singapur am Rhein:


    https://www.duesseldorf-touris…e-gruene-fassade-europas/

    Das stimmt schon& insgesamt wirkt das Ensemble auch recht ansprechend. Allerdings finde ich es unverständlich und schade, dass man hier nicht verschiedene Pflanzenarten gesetzt hat, sondern auf Buchenhecken, die im Winter dann zur größten, braunen Fassade werden. Gerade im klimatisch günstigen Ddorf hätte man durchaus mit immergrünen Arten etwas mehr Dynamik in die Begrünung bringen können. Trotzdem ein schöner Bau.

    Düsseldorf entwickelt sich in der Tat in eine tolle Richtung. Alleine der Medienhafen ist dermaßen gelungen, dass es jedes mal eine Freude ist, wenn man vom Rheinufer aus dorthin blickt. Wenn jetzt noch der Hbf endlich aus dem Dornröschenschlaf geweckt wird....

  • Inspiriert von Bild 1 in diesem Beitrag wollte ich mir mal wieder eigene frische Eindrücke vom Entertainment District verschaffen. Als ich am Sonntag ohnehin in die Gegend musste, kam die erwartete Gelegenheit - leider inmitten von einem leichten Schneesturm aber einige (frostig-)frische Eindrücke konnte ich doch gewinnen und ich will sie trotz fehlender Bilduntermalung doch gerne stichpunktartig teilen:


    -Die im Bild dargestellte und darunter kurz beschriebene Perspektive gehört für mich schon jetzt zu den attraktivsten des Platzes. Dicht vor der doch recht imposanten Arena türmt sich rechts der Stream auf (künftig wird man dort wohl auch den Edge erkennen können). Den Stream kann man von der linken Platzseite aus aber auch schon über die Häuser hinweg erkennen, selbst wenn man vor einem der Restaurants sitzen sollte (der Turm spiegelt sich zudem auch in den Glasfronten der Restaurants). Von den erhöhten Terrassen aus dürfte es aber noch etwas spektakulärer wirken. Wie man auf dem Bild von Rotes Rathaus direkt über diesem Beitrag sieht, erkennt man zumindest die Spitze des Stream sogar schon beim Betreten des Platzes.


    -Schaut man direkt vor der Arena in die entgegengesetzte Richtung (sprich: nach links), so erblickt man neben der konkaven Zalandofront auch u.a. die Türme von Max und Moritz sowie den etwas kleineren Büroturm (hab gerade den Namen vergessen). Diese Türme sind weiter vorn auf dem Platz aber nicht zu erkennen (vermutlich auch von den erhöhten Terrassen aus eher nicht). Das ist natürlich etwas schade, weil so nicht beide Platzseiten gleichermaßen attraktiv gefasst werden.


    -Obwohl witterungsbedingt (fast) keine Menschen unterwegs waren, empfand ich den Platz nach wie vor nicht als anti-urban oder "tot".

    Den ersten Abschnitt des Platzes mit den beiden Backsteinriegeln mag ich recht gerne. Man ist dort immer noch nahe am Wasser und der East-Side-Gallery (in der Ferne erkennt man diverse Uferbauten und die Oberbaumbrücke, direkt vor der Nase hat man den Bootsanleger aber natürlich auch die breite Straße). Direkt auf dem Platz fallen neben dem schönen klassischen Pflaster sowie dem oben dargestellten Kunstobjekt vor allem die großen Bäume (aktuell noch immer illuminiert mit Lichterketten) und die langen Bänke auf.

    Was mich noch immer nicht so richtig überzeugt, ist die Abgrenzung zwischen den beiden Platzteilen. Ich kann ansatzweise erkennen, welchen Effekt man damit bezweckt aber brauchen tue ich das nicht.

    Die große Freifläche mit dem Wasserspiel war am Sonntag natürlich zugig und leer. Dennoch gefallen mir nach wie vor die jeweils zwei bepflanzten Terrassenebenen auf beiden Seiten. Für mich hat das einfach was. Zumindest ohne Illuminierung hat mir aber der "Kinobau" etwas besser gefallen als der mit der Music Hall. Letzterer wirkt unbeleuchtet etwas grau und blass, was aber durch den aufregenderen Hintergrund aber mindestens kompensiert wird (siehe oben). Ansonsten fällt auf, dass es auf beiden Seiten neben Gastronomie ziemlich nah weitere hohe Bäume und auch öffentliche Sitzbänke gibt. Geht man rechts weiter in Richtung Stream, East-Side-Mall und Edge, bieten sich einige schöne Perspektiven. Nebenbei ist mir auch aufgefallen, dass ich die Eastside-Mall eigentlich doch recht ansprechend finde, jedenfalls eher als einige andere EKZ.


    Fazit: Der Platz gewinnt in meinen Augen immer mehr. Es wird sicher auch künftig keine architektonische Perle aber mit den umliegenden Bauten und Sehenswürdigkeiten entsteht schon ein zunehmend reizvoller Gesamteindruck. Nur schade, dass die meisten Türme dann doch etwas weit weg stehen. Damit wird man im Sinne von vertikaler Präsenz nicht so ganz an Alex, City West und Potsdamer Platz herankommen (wie gesagt bis auf das kleine Areal ziemlich direkt vor der Arena).

  • JimmyMcGill


    1) Deine These:

    "Das als herablassend und normativ (ich bitte dich...) zu interpretieren finde ich überzogen."


    vs.


    Deine Aussagen:

    "die Fast-Food-Filialen am Mercedes Benz Platz mit dem Mercedes Benz Brunnen (die mit Werbetafeln gespickte Pfütze) vor der Mercedes Benz Arena"

    "diese überdimensionale, auf dem Bauch liegende Deo-Dose namens EAST SIDE MALL, mit all den Geschäften, die es auch in jeder anderen MALL gibt"

    "auf ganzer Linie geschmacklos und peinlich"

    "Völlig austauschbar und eben ohne jeden Bezug zu Kreuzberg oder Friedrichshain"

    "rein zum abmelken von anspruchslosen Touristen und Berlinern"

    "Ein Freiluftstudio für "Berlin - Tag & Nacht" "

    "ein charakterloses, billiges Konsumviertel"

    "Ein Wasserspiel namens Mercedes Benz Brunnen, das digitale Werbetafeln als dominantes Gestaltungsmerkmal integriert, kann ich mir nicht schönreden, sorry."

    "aus vielen anderen Perspektiven zeigt sich in der Realität leider nur ein unförmiger Klotz"

    " das Halli-Galli-Herzstück dieses "Kiezes""

    "Für mich geht die Aufenthaltsqualität hier jedenfalls gegen null"

    "das Gedöns"

    "Mein Punkt ist, dass die EAST SIDE MALL scheiße aussieht."


    Du findest also nicht, dass Du neben dem Angebot auch die Konsumenten bewertest und dies herablassend sowie anhand Deiner vermeintlich überlegenen Normen/Maßstäbe?


    2) Zur vermeintlichen Meinungspluralität:


    wiederum Deine Aussagen:

    "Was Du als "Abwechslung" oder als "spannend" bezeichnest, sehen andere halt nicht so oder eben als zu wenig an (Da verstehe ich auch nicht, warum du dir anmaßt, meine Punkte als Vorurteile oder oberflächlich abzutun)." (Wer neben Dir sind hier die "Anderen"?)

    "Ist ja schön, dass du beschreibst was du dort siehst. Der Punkt ist, das mir es nicht gefällt, aus den mehrfach beschriebenen Gründen." (Ist ja schön, dass man Deinen Satz 1 zu 1 gegen Dich selbst und Deine Aussage spiegeln kann)

    "Wenn Leute da Bock drauf haben sei's ihnen gegönnt." (wow, wie unendlich großgütig von Dir)

    "Es geht mir wie gesagt nicht in den Kopf, wie man sowas gut finden kann. Aber egal... muss es ja auch nicht." (Mir geht nicht in den Kopf, wie verkrampft man sich anderer Leute Kopf zerbricht, um dann leichthin festzustellen, dass es einem ja völlig egal ist und jeder tun und lassen soll, wie es beliebt. Warum dann gleich noch mal erst der große Aufriss mitsamt der ekelhaften Polemik???)


    Übrigens, falls Dich wirklich andere Meinungen interessieren sollten (ich habe ja weniger den Eindruck), dann lies Dir gerne mal diesen Beitrag durch. Es gibt inzwischen über 430 Google-Rezensionen zu dem Platz (viele davon von sogenannten Local Guides, die oft hunderte Rezensionen zu ganz Berlin verfassen). Im Mittel werden dabei 4,2 von 5 Sternen vergeben. Auch auf YouTube haben immer mehr Menschen ihre Eindrücke hinterlassen. Ich war auch schon ein paar Mal dort und fand es völlig ok. Aber ich gehöre dann vermutlich auch zu dem anspruchslosen Gesindel, das auf geschmackloses und peinliches Zeug abfährt. Kann halt leider nicht jeder so ein Connaisseur wie Du sein.


    3) Zum Thema Fast-Food:


    Es passt irgendwo zum Konzept eines Amüsierviertels, dass man nicht unbedingt zwei Stunden zum Essen einplant. Daher sind schnelle Varianten nahe liegend und es ist mE auch eine Frage der Qualität. Negativ belegt ist Fast Food mE vor allem, wenn es minderwertig und wenig nahrhaft ist, man kaum Auswahl hat, man minderwertiges (Einweg-)Geschirr bekommt, man beim Verzehr gehetzt wird (ggf. nicht oder zumindest nicht vernünftig sitzen kann) usw. Das ist am Standort weniger der Fall. Ansonsten gibt es dort auch ein vielfältiges Angebot, darunter diverse frisch und sorgfältig vor Ort zubereitete Speisen (in einem Fall sogar bis zu 12 Stunden lang). Es gibt dort zudem auch Restaurants, wo man durchaus mehrere Gänge bestellen kann. Falls es Dich wirklich interessiert, kannst Du Dich ja mal hier durchlesen - aber keine Sorge: es gibt auch eine schnelle Variante ;)

  • (1) Ich stehe zu meiner harten und wie bereits zugegeben überspitzen und provozierenden Kritik. Ich halte sie auch in der Härte für gerechtfertigt. Sie war nicht auf Personen bezogen. Wenn du da einen persönlichen Angriff reininterpretierst, ist das letztendlich dein Problem.


    (2) Das ist doch ziemlich nebulös und dekontextualisiert, was du da zusammenkopierst und -schreibst. An einem Ping-Pong-Match mit Wiederholungen und beleidigten Interpretationen der Semantik, gibt es hier glaube ich keinen Bedarf.


    (3) Ok, dann guten Appetit.

  • JimmyMcGill


    1) Dann bleib eben dabei, Du Held des kultivierten Geschmacks und erhabenen Urteils. Spricht halt mE nicht gerade für Dich, wenn Du den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wirst und dann nur mit durchschaubaren, unsouveränen Ausflüchten reagierst. Denn dass sich selbst eindeutige Fälle wie "anspruchslose Touristen und Berliner" (keine Menschen?) oder "Berlin Tag und Nacht" angeblich nicht auf Personen und deren Geschmack/Konsumverhalten beziehen soll, kannst Du Dir doch wohl nicht einmal selbst glaubwürdig erklären.


    2) Mein Bedarf an derartigen Einlassungen ist schon längst gedeckt aber ich werde bei Bedarf auch entsprechend darauf antworten (wie man diesem Thread gut entnehmen kann). Die Frage ist also eher, wie sehr Du Dich mit dem Echo oder den Meinungen Anderer auseinandersetzen magst. Aber das hast Du ja im Grunde schon ausreichend beantwortet.


    3) Und Dir weiterhin viel Freude am gepflegten (Ver-)Urteilen.

  • Aber ich gehöre dann vermutlich auch zu dem anspruchslosen Gesindel, das auf geschmackloses und peinliches Zeug abfährt. Kann halt leider nicht jeder so ein Connaisseur wie Du sein.

    Sorry, aber dieser Elitarismus-Vorwurf geht mir echt auf die Nerven. Wir hatten diese Debatte hier schon, ich habe eigentlich keine Lust, nochmal neu anzufangen. Aber warum der Mercedes-Platz mit seiner grottigen Architektur hier immer wieder so vehement verteidigt wird, ist mir echt ein Rätsel. Das Ding ist wie der Freiluft-"Food Court" eines x-beliebigen Einkaufszentrums. Die Fassaden haben Lagerhallen-Qualität. Die Restaurants sind allesamt Filialisten, die den dort beschäftigten Köchen nicht den geringsten Freiraum erlauben. Es ist m.W. nicht einmal öffentlicher Raum, sondern Privatbesitz. Der Brunnen ist toll für Kinder, aber der ist erkennbar dafür da, Eltern zum Einkehren zu schubsen.


    Und anders als in der Europacity gibt es hier keinerlei Aussicht auf die Entwicklung eigenständigen, städtischen Lebens: Wie in der erwähnten Shoppingmall wird das Ganze von einem zentralen Management gesteuert und zu Preisen vermietet, die sich inhabergeführte Geschäfte nie leisten könnten. Zum Glück ist der nächste "kleine Italiener um die Ecke" weit entfernt, sonst hätte das Management vermutlich großes Interesse daran, ihn niederzukonkurrieren.


    Gegen all das gäbe es gar nicht so viel einzuwenden, wenn man es hier im Forum als das betrachten würde, was es ist: Weniger Stadtteil als Amüsierpark für Touristen und Leute, die sich ein Popkonzert anhören, ein Basketballspiel ansehen oder einen Blockbuster konsumieren möchten. Es aber als gelungenes Beispiel für die Stadt der Zukunft in den Himmel zu loben, treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Das wäre die totale Kommerzialisierung, der Tod des öffentlichen Raumes, der Sieg der Franchise-Gastro über den kleinen Koch aus der Nachbarschaft.


    Und wen es davor gruselt, der bekommt hier übergebraten, er sei elitär. Nee. Ich gehe gern in die Eckkneipe auf ne Boulette und nen Bier. Würde dort demnächst ein "Hans im Glück" einziehen, wäre ich zu Tode betrübt.

  • Architektenkind Über Deine Eckkneipe haben wir uns ja schon ausgetauscht und es ist für mich natürlich nach wie vor völlig ok und keinesfalls elitär, wenn Du diese subjektiv bevorzugst.


    Was ich hingegen nicht ok finde (sondern in der Tat herablassend und ekelhaft normativ), habe ich mehrfach sehr deutlich ausgeführt und ich halte gerade Dich für intelligent genug, dass Du es vermutlich auch schon beim ersten Mal verstanden hast. Zur Sicherheit: Niemand muss den Entertainment District feiern oder sich sachliche(!) Kritik daran verkneifen. Ich habe ihn wohlgemerkt selbst nie in den Himmel gelobt. Aber wenn man dabei derart herablassend über dessen Nutzer schreibt, dann werde ich eben dies kritisch spiegeln. Wer damit dann nicht umgehen kann, sollte vielleicht auch nicht ganz so hart gegen Andere austeilen.

  • Ich pflichte jan85 jetzt mal bei.


    Ich denke keiner hat den Entertainment District und seine Gebäude je in den Himmel gelobt. Viel zu mittelmäßig sind selbst die gelungeneren Gebäude hier.


    Was aber im Laufe des Stranges auch mir aufgefallen ist, ist wie überheblich Kritik zuweilen an den Restaurants und anderen Etablissements geübt wurde.


    Als wären L'Osteria, Sausalitos oder Five Guys der Untergang des kulinarischen Abendlandes 😅. Alles kein Hochgenuss, aber auch kein McDonalds.


    Ich gehe mal soweit, dass eine Pizza in der L'Osteria besser ist, als in 50% der inhabergeführten Läden.


    Wie dem auch sei, der Bereich hat seine Schwächen und ob und wie er in Zukunft funktionieren wird, wird sich noch zeigen.


    Als ich 2017 zu einem Konzert in die Arena gekommen bin, hätte ich mir dieses Umfeld zumindest gewünscht. Da war hier nämlich noch so gut wie nüscht.


    Wenn man Berlin oder Kiez Feeling möchte, kommt man wohl nicht dort hin, dafür ist das Gebiet aber auch nicht gedacht.

  • Über Deine Eckkneipe haben wir uns ja schon ausgetauscht und es ist für mich natürlich nach wie vor völlig ok und keinesfalls elitär, wenn Du diese subjektiv bevorzugst.

    Der Punkt ist ein anderer. "Normativ" – im praktischen Sinne von normsetzend, die Gesellschaft prägend – sind große Unternehmen mit großen Geldgebern. Nicht JimmyMcGill und auch nicht ich. Der Effekt dieser Normsetzung ist die globale Angleichung von Lebensstilen, Geschmäckern, Essverhalten, etc. mit einem einzigen Zweck: Dass wenige Shareholder Geld verdienen. (Es gäbe auch noch den Zweck der Emanzipation, aber um den geht es hier explizit nicht. Ganz im Gegenteil.)


    Ich drehe den Vorwurf mal um: Du gönnst es mir, dass ich "subjektiv" meine Eckkneipe mag – "objektiv" bist Du aber ganz begeistert, dass die Zukunft den großen Ketten gehört, dass von Melbourne über Toronto bis Berlin alle im exakt gleichen Ambiente die exakt gleichen Gerichte angeboten bekommen. In nahezu gleichen Shoppingcentern. Indoor oder Outdoor. Mit tollem Spaß-Brunnen oder anderen tollen Kid's-Fun-Angeboten. Denn deren Überlegenheit redest Du hier – sorry – normativ das Wort. Und wer dabei Unbehagen verspürt, hat halt Pech gehabt.


    Lassen wir das. Du bist begeistert von einer Entwicklung, die mir, ganz ohne Witz, die Tränen in die Augen treibt. Wie so manches andere, was der Logik der Kapitalkonzentration folgt, mich einfach traurig macht. Ich kann nichts daran ändern, aber ich werde es nicht feiern.

  • Du gönnst es mir, dass ich "subjektiv" meine Eckkneipe mag – "objektiv" bist Du aber ganz begeistert, dass die Zukunft den großen Ketten gehört, dass von Melbourne über Toronto bis Berlin alle im exakt gleichen Ambiente die exakt gleichen Gerichte angeboten bekommen. In nahezu gleichen Shoppingcentern. Indoor oder Outdoor. Mit tollem Spaß-Brunnen oder anderen tollen Kid's-Fun-Angeboten. Denn deren Überlegenheit redest Du hier – sorry – normativ das Wort.


    Du bist begeistert von einer Entwicklung, die mir, ganz ohne Witz, die Tränen in die Augen treibt.


    Nein, dann hast Du mich doch (teilweise) falsch verstanden. Ich habe doch nirgendwo(!) geschrieben, dass ich den Entertainment District genial/optimal oder auch nur "überlegen" finde. Du magst mich so verstanden haben, weil Du meine wiederholte Verteidigungshaltung evtl. nicht nachvollziehbar findest. Aber Du wirst dennoch nirgendwo eine entsprechende Aussage von mir finden.


    Was ich hingegen tatsächlich finde/ deskriptiv feststelle: Der Entertainment District ergänzt andere Angebote der Stadt und funktioniert zudem ziemlich effektiv als exakt das, was er sein möchte: Ein Entertainment Disctrict. Für mich hat Berlin auch(!) Platz für so etwas, so lange es die anderen Ausformungen nicht zu stark kannibalisiert (zur Erinnerung: hier war vorher Brache, ein "Kiez" mit "Eckkneipen" wurde hier nicht verdrängt und wäre hier auch gar nicht authentisch neu machbar gewesen). Und: Die Menschen (ob Touristen oder Berliner) stimmen mit den Füßen darüber ab, ob so etwas auch eine Berechtigung hat. Es ist mE völlig legitim, wenn einige/viele Menschen auch diese Angebote suchen und nutzen. Das sind nicht alles willenlose Konsumzombies, unkultivierte/geschmacklose Prolls etc. Wer in dieser Weise über Menschen schreibt, der erhebt die eigenen Vorstellungen zur Norm für Andere und das ist nun einmal normativ/präskriptiv. Auch in der Musik oder beim Film kann es ja durchaus vorkommen, dass ich eine Nischenproduktion gegenüber Mainstreamproduktionen authentischer und reizvoller finde. Ebenso ist es ok, mein subjektives Urteil argumentativ zu untermauern. Aber wenn ich dann im nächsten Schritt sämtlichen Fans der Mainstreamproduktion jegliches ästhetische Empfinden oder gar menschliche Qualitäten abspreche (auch das hatten wir in diesem Thread schon), dann ist das schlichtweg überhebliches, elitäres Gehabe.

  • ^^Oh gott bitte Architektenkind, wenn wir hier jetzt mit der Sozialromantik des „kleinen Inhabergeführten Restaurants„ anfangen dann geht das doch schon wieder in eine politische Richtung... muss denn immer alles politisch bewertet werden? Das ist so nervtötend.


    Das Viertel ist gelungen, weil es immerhin eine gewisse urbane Dichte, Abwechslung und eine Mischnutzung aufweist. Reicht das nicht als sachliche Argumentation? Über die Gestaltung kann man streiten, aber man kann dem Viertel doch keinen Vorwurf in seiner Vielfältigkeit machen. Und by the way: Auch in den vielgerühmten Kiezen drumherum, blüht eine Kette nach der anderen, nicht jeder Hühnchenladen in Kreuzberg ist von einem liebevollen Süditaliener mit besonders viel Verständnis für seinen Angestellten Koch geführt.

  • Ach, weil es Urban Freak für gelungen hält, ist es das natürlich auch. Finde dich doch einfach damit ab, dass es viele Menschen gibt, die dieses Viertel einfach nur schrecklich finden. Ist das denn so schwer? Ich kann es auch akzeptieren, dass es Menschen gibt, die nichts dagegen haben, wenn ihre Kids mit Werbung dauerberieselt werden und glücklich sind wenn sie sich den nächsten Burger bei Five Gys gleich gegenüber reinziehen können. So what? Das macht aber noch lange kein gelungenes, lebendiges Viertel aus.


    Ich glaube vielmehr, dass, wenn man die Menschen mal fragen würde, was sie denn von der Architektur halten, dass alles andere als gelungen die Antwort sein würde.

  • Wir haben hier echt ein Meinungspluralismus-problem (langes Wort). Ich habe meine Meinung mit Argumenten unterstrichen. Trotzdem bleibt es natürlich eine Meinung - ich habe hier doch nicht die Allein-seligmachende Wahrheit für mich gepachtet! Das habe ich nie behauptet.


    Dennoch betreibe ich nicht nur ideologisches Bashing sondern begründe meine Meinung wenigstens. "Nee, echt nicht" ist halt relativ dürftig für eine Argumentation. Wenn man hier also diskutieren will, muss man sich auch der klassischen Elemente einer Diskussion bedienen und die sind eben immer noch "Argumente" und nicht einfach nur "find ich doof". Dann mir gegenüber noch zu unterstellen, das er andere Meinungen nicht erträgt, finde ich gerade im Kontext von den Äußerungen von "JimmyMcGill" doch echt etwas unangebracht.

  • Ist interessant zu beobachten, wie sich die "Diskussion" hier ständig im Kreis dreht. Die eine Seite wirft der anderen Seite häufig Dinge vor, die diese in der Form gar nicht gesagt hat. Dann kommt die große Verteidigungsrede, gespickt mit den nächsten Unterstellungen usw.


    Letztlich ist dies hier ein ARCHITEKTUR-Forum. Da sollte es vordringlich um die Bewertung von Architektur gehen und nicht um soziokulturelle, makroökonomische und identitätspolitische Aspekte (auch wenn letztlich alles mehr oder weniger miteinander zu tun hat).


    Meine Meinung zur Architektur des Entertainment-Districts: Mittelmäßig bis schlecht. Aber ob sich hinter den tristen Fassaden nun ein Kino, ein Seniorenstift oder tausende Grillhähnchen in Massentierhaltung befinden, sollte dann Diskussionsgegenstand eines anderen Forums sein.

  • DerBe Wenn Du, Jimmy und Co es wirklich akzeptieren würdet, dann würdet Ihr Euch die (ab)wertenden Nachsätze sparen. Vielleicht fühlen sich die Kids nicht dauerberieselt, sondern entertaint. Vielleicht ziehen sie sich den Burger/das teils 12 Stunden zubereitete japanische Gericht nicht rein, sondern genießen es usw. Who's to judge? Oh, I forgot: That's you guys.


    Und Dein Einkeitungssatz gespiegelt: Nur weil Du und einige Andere es für schrecklich halten, muss es das natürlich für ALLE sein und diese Bewertung muss man dann konsequenterweise auch auf die Nutzer projizieren, die in ihrem Verhalten und Charakter ebenfalls schrecklich sein müssen? Ernsthaft?


    Nebenbei bemerkt waren wir mE schon mal weiter: Wenn man halbwegs objektiv messen will, wie gelungen oder lebendig ein Areal ist, dann geht es sicher nicht nur um Architektur (wobei man Fassaden auch irgendwann austauschen kann und vermutlich wird) und erst recht nicht um persönliche Aversionen. Wenn Menschen das Areal aktiv (durch Zahlen belegbar) und gerne (durch Referenzen in den neuen Medien zumindest wahrscheinlich) nutzen/beleben, dann IST es zunächst einmal lebendig und seinem Zweck nach gelungen. Wie nachhaltig das Ganze funktioniert, können wir vermutlich erst in einigen Jahren sagen.

  • Hier wird ja dick aufgetischt. Systemgastronomie versus Inhabgergeführt. Sozialromantik versus Kapitalinteresse.


    Wir sollten bei all der berechtigten Kritik nicht vergessen, dass wir über einen Retortenplatz reden, nicht etwa über einen historisch gewachsenen Kiez. Hier stand vor 13 Jahren gar nichts. Jetzt haben wir ein doch immerhin relativ lebendiges, kleines Viertel mit einem netten, kleinen Hochhausensemble-chen. Ich denke, ein Vergleich mit gewachsenen Kiezen, die freie Pizzabäcker und alteingesessene Familienbetriebe vorzeigen können, ist an der Stelle nicht ganz fair. Es bedurfte eines gewaltigen Kapitaleinsatzes, um aus "einer riesen Brache" ein ganzes Viertel entstehen zu lassen. Zu glauben, dieses Kapital wäre aufgerufen und investiert worden, wenn man hier darauf verzichtet hätte "Systemgastronomie/Kapital" mit ins Boot zu holen, ist vielleicht auch etwas naiv.

    Klar hätte man die Parzellen damals auch im Klein-Klein an Genossenschaften, städtische Entwickler ect. abtreten können. Dann hätten wir aber auch nicht annähernd diese rasante Entwicklung gehabt und man kann bezweifeln, ob eine Vielzahl kleinerer Entwickler die architektonische Entwicklung in der Form so hätten mittragen können.

    • Die Stadt wusste von vornerein, dass diese Brache eines gewaltigen Kapitaleinsatzes bedarf, -hat ausdrücklich nach kapitalstarken Entwicklern gesucht und war von vornerein bereit Zugeständnisse zu machen hinsichtlich der "Kommerzialität". Man hat mit der Anschutz-Gruppe schließlich einen Investor gefunden, bei dem immer klar war, dass primär nach Rendite-Kriterien gebaut wird.

    Wenn man den Entertainment District überhaupt vergleichen will, dann muss man ihn mit anderen Retortenplätzen vergleichen. Hier fällt mir vor allem der Potsdamer Platz ein. Und vergleicht man den MB-Platz mit dem Ensemble, das rund um die alte Potsdamer Straße entwickelt wurde und einem vergleichbaren städtischen Zweck dient, dann wirkt der P.P. aus städtebaulicher Sicht gelungener auf mich. Das Raumgefühl ist gleichsam großzügig/weit und doch teilweise urban/heimelich/gemütlich. Dieser Zwiespalt ist hier weit besser gelungen als am MB-Platz. Gemütliche Ecken oder dergleichen finde ich z.B. überhaupt nicht. Die Gebäude wirken zweckmäßig und abgesehen von den Hochhäusern auch recht anspruchsarm. Der Platz ist darauf ausgelegt Touristen abzuholen, kurz zu binden und weiter ziehen zu lassen und/oder Konzertbesucher mit Merchandise und Gastro zu versorgen. Leider merkt man das auch. Der Potsdamer Platz ist das im Grunde (mittlerweile) auch. Ich merke es dort aber nicht so stark. Die architektonisch/städtebauliche Grundkonzeption (Anordnung der Parzellen, Raumaufteilung) ist dort grundsätzlich ausdifferenzierter, durchdachter, intelligenter gelöst.

  • Berlinier Grundsätzlich hast Du völlig Recht. Selbst der Potsdamer Platz weist jedoch eine andere Konzeption/ einen anderen inhaltlichen Zuschnitt auf und das schlägt sich entsprechend in den gebauten Strukturen wieder: Musical Theater, Spielbank, Kinos etc. sind eine etwas andere Kategorie als Basketball/Eishockey und Großkonzerte. Beim Entertainment District MUSS auch immer mal wieder ein Pulk von tausenden Leuten aufgenommen, schnell räumlich orientiert und mit Essen u.ä.m. versorgt werden. Dieses Areal lässt sich mE ohne die Großarena sowie die Ergänzungsangebote schlicht nicht verstehen.


    Die Menschen wohnen logischerweise nicht auf dem Areal aber sie verbringen teils durchaus einige Stunden dort - und investieren bewusst ihre Zeit und ihr Geld dafür, ohne es zu bereuen oder gar zu schwören, es nie wieder zu tun (schockierend aber wahr). Andere dagegen kommen und gehen nur für eine Veranstaltung und kehren dann in einem der umliegenden Kieze in Clubs, Kneipen oder Restaurants ein (zur Freude der inhabergeführten Gewerbe). Wieder Andere nutzen gleich nur die Kiezangebote und ignorieren/meiden den Entertainment District. Das alles kann mE problemlos nebeneinander und auch miteinander funktionieren, wenn man es halbwegs pragmatisch sieht.


    Wolke Eins Bezüglich der Architektur kann ich Dir weitgehend zustimmen. Wobei ich die Gestaltung der Freiflächen sowie einzelner Highlights (Arena, umliegende Hochhäuser) schon als reizvoll und die Klinkerriegel als solide bezeichnen würde. Insgesamt aber sicher nicht herausragend, was ich bspw. der Architektur am Potsdamer Platz eher zugestehen würde.