Mediaspree: Entertainment District an der MB-Arena

  • ^Ach komm, die Brache selbst war erstmal überhaupt nichts. Da war nichts, noch nicht mal vor dem 2. Weltkrieg. Diesen Kulturpessimismus kann ich nicht nachvollziehen. Der Postdamer Platz ist meines Erachtens auch wegen der eher schwierigen Anbindung nicht so erfolgreich. Von manchen Vierteln aus ist er sicher erste Wahl, aber Berlin ist eben polyzentrisch und bis ich z.B. von Lichtenberg oder Mahlsdorf am PP bin, da geht man doch eher an den Alexanderplatz oder eben MB Platz. Berlin ist wirklich groß genug um ein paar neue Restauraunts und einen Konzerthalle + Kino zu verkraften. Das gibt es selbst in den Detroit Suburbs im Umkreis von jeweils 10 - 15 Minuten...

  • Ostkreuzblog Welche Art Werkstätten meinst Du? Solche, die Kunsthandwerk herstellen und/oder Erfinderwerkstätten? Oder noch etwas anderes? Grundsätzlich gibt es in Berlin mW schon ziemlich viele Künstler und andere kreative Leute. Manche arbeiten aber sogar vorrangig von zu Hause aus. Ich kenne bspw. jemanden, der sogar vom WG-Zimmer aus Designs für Klamotten, Puzzles usw. entwirft und damit inzwischen international ziemlich gutes Geld verdient. Wo gute Ideen und ausreichend Förderung vorhanden sind, findet sich meist auch ein Platz (zumindest erst einmal, bei anhaltender Expansion kann es dann schon mal eng werden). Aber klar sollte man da auch immer Freiräume anbieten, wo kreative Leute zusammen kommen und sich gegenseitig bereichern können.


    Beim Entertainment District bin ich jedoch nach wie vor der Meinung, dass Berlin das auch gebrauchen konnte. Ich finde es auch etwas schade, dass man häufig Dinge gegeneinander ausspielt. Berlin hatte vorher keine Veranstaltungshalle in dieser Größe. Diese war bislang entsprechend eine einzige Erfolgsgeschichte. Auch zwei der führenden Berliner Sportvereine konnten sich so entscheidend weiter entwickeln. Aber auch die anderen Angebote werden genutzt. Deswegen finde ich auch den Vergleich zum Potsdamer Platz schwierig. Es ist ja bekannt, dass dort neben dem anderen Nutzungskonzept auch ein anderes Stadtkonzept verfolgt wurde: Im Sinne Kolhoffs galt (ironischerweise trotz bewusst amerikanisierender Architektur) das Leitbild der europäischen Stadt. Der Entertainment District hingegen pflanzt in der Tat ein amerikanisches Konzept in die Berliner Stadtlandschaft - und dazu wie bereits besprochen in deutlich weniger anspruchsvollem Gewand. Zumindest als Momentaufnahme muss man mE aber festhalten, dass dieses Konzept funktioniert (sogar besser als der Potsdamer Platz, der den meisten und auch mir insgesamt deutlich besser gefällt). Somit hat das Areal mE auch seinen Platz und seine Berechtigung.


    Umgekehrt kann ich auch mit bestimmten Strukturen und Gesellschaftsdynamiken wenig anfangen, aber ich spreche ihnen deshalb nicht ihr Existenzrecht ab. Beispielsweise beim Karstadtprojekt habe ich deutlich ausgeführt, weshalb ich für das Projekt bin - und den demokratisch gewählten Volksvertretern trotz dieser Differenzen dennoch nicht ihr Mandat und den darin artikulierten Wählerwillen in Frage gestellt. Nur seltsamerweise schreien einige Gruppen immer wieder nach Toleranz (bis hin zu regelrechten Zumutungen für die direkten Nachbarn besetzter Häuser o.ä.m.). Umgekehrt werden andere Lebensformen aber mindestens als spießig diffamiert, wenn nicht sogar ganz andere Feindbilder bemüht werden. Ich finde, das zieht sich auch durch dieses Forum und gerade diesen Strang.


    Zu guter Letzt möchte ich mal einen historischen Exkurs in die Ära Wowereit machen. Neben dem berühmten Outing ist er besonders bekannt für seine Aussage: "Berlin ist arm - aber sexy!" Damit hat er mE zunächst einmal einen interessanten Bezug hergestellt, den viele gar nicht so bewusst wahrgenommen hatten. Er hat zudem auch die Kulturlandschaft stark gefördert und die anderen Senatoren teilweise neidisch auf seinen Etat blicken lassen. Zugleich aber wurde seine Sicht oft verkürzt oder verfälscht wahrgenommen. Er hatte durchaus ein starkes soziales Bewusstsein und hat die Armut nicht gefeiert oder gar als nachhaltig erhaltenswerten Zustand angesehen. Im Gegenteil hat er deutlich gesagt, dass langfristig viel, viel mehr gute Jobs und entsprechende Gehälter gebraucht werden und eine gewisse Gentrifizierung sogar nötig und wünschenswert ist. Und auch wenn das jetzt einige ganz bestimmt nicht hören wollen: Man kann die Kultur nicht fördern, wenn kein Geld dafür da ist. Auch wenn bestimmte Parteien aktuell ein anderes Bild verkaufen: Was verteilt wird, sollte zunächst erwirtschaftet werden. Sonst bekommt man irgendwann aufgrund ökonomischer Gesetzmäßigkeiten massive Probleme und kann dann die mühsam und teuer(!) kumulierten öffentlichen Güter direkt wieder privatisieren (zu Ramschpreisen, da man in keiner guten Verhandlungsposition ist). Wowereit hat das - ebenso wie bereits ein gewisser Karl Marx - trotz seiner extrem großen Affinität zur Berliner Kulturlandschaft sehr gut verstanden. Es war damals auch viel realer im öffentlichen Bewusstsein und politischen Diskurs als aktuell! Und entsprechend hat er die Wirtschaftspolitik immer nach Kräften unterstützt und dies nicht notgedrungen, sondern aus Überzeugung und mit großer Leidenschaft und Erfolg UND sogar an der Seite einer damals ähnlich pragmatisch und realitätsnah agierenden LINKSpartei (wenn er das auch noch in der Bildungspolitik geschafft hätte, wäre er mein idealer "ewiger" Bürgermeister gewesen, weil er die Stadt voranbringen hätte können, wie niemand vorher oder seither ansatzweise vermocht hat).


    Und nun BTT: Der Entertainment District ist inzwischen ein wichtiger Teil der Wertschöpfung (gerade Tourismus aus In- und Ausland wirkt volkswirtschaftlich wie ein Exportprodukt) und somit mindestens indirekt u.a. auch wichtig für den Kulturetat. Er wirkt zudem wie ein Magnet und spült auch potentielle Kundschaft in die Umgebung. Entgegen manchem, was hier geschrieben wurde, gehen ja ganz normale Menschen zu Alba Berlin oder Beyoncé und keine kulturlosen Konsumzombies. Die schlafen dann teilweise im Friedrichshainer Hostel, steigen in den Clubs und Lokalen ab und kaufen sich noch das ein oder andere authentische Berliner Souvenir von einem lokalen Künstler. Durchschnittliche Menschen ohne Klassenkämpferbackground und moralischen Überlegenheitsdünkel erleben den Stadtraum in der Regel doch wohl am ehesten integriert und halten sich nicht an irgendwelche abstrakten Normen und Unterteilungen (böse Mainstream-(un-)Kultur vs. gute/ wünschenswerte/ authentische/ alternative Kultur oder böser Konsum vs. guter Konsum). Da war ja der alte Preußen-Fritz offener als mancher Diskurs hier. Berlin ist bunt und pluralistisch - und das ist auch verdammt gut so (und keine von irgendwelchen lautstarken Lifestyle-Eliten diktierte Einbahnstraße)!

  • Welche Art Werkstätten meinst Du? Solche, die Kunsthandwerk herstellen und/oder Erfinderwerkstätten? Oder noch etwas anderes? Grundsätzlich gibt es in Berlin mW schon ziemlich viele Künstler und andere kreative Leute.

    Nein ich meine nicht die in Berlin bereits seit Jahrzehnten ansässige Subventions-Kultur/Kunst, sondern Small-Businesses wie in dem Brooklyn Navy-Yard Video oben zu sehen.

    Etsy ist zum Beispiel so ein Unternehmen was aus diesem Campus dort hervorging, heute mit 21,56 Milliarden Dollar bewertet.

    Zahlreiche weitere Unternehmen gingen aus diesem Standort ebenfalls hervor.


    Es reicht eben nicht wie hier bei uns über die Hausbanken ein paar Okay's für die Verteilung von KfW Krediten zu erteilen, nachdem der Old-School Businessplan ausführlich studiert wurde.

    Innovative Ideen brauchen Raum an Standorten, das hier wäre so ein Standort gewesen. Was die Startup Szene angeht wird da als Raum und Standort einfach die ganze Stadt Berlin verstanden und vermarktet und alles im Gießkannenprinzip verteilt.

    Symbiosen zu Hochschulen, Fachhochschulen oder den zahlreichen OSZ's sucht man vergeblich und wundert sich dann über anhaltenden Fachkräftemangel.

    Einzig der neu entstandene Standort Adlershof lässt ein wenig von echtem neuen Gründergeist aufkommen. Unterm Strich aber alles viel zu Spießbürgerlich und Klinisch.


    Nehmen wir mal den "Entertainment" Part rund um den MB-Platz weg. So bleibt als großes angesiedeltes Unternehmen in den meisten Gebäuden Zalando und der Vertrieb von Mercedes Benz.

    Eine ziemlich gefährliche Monounternehmenskultur für diesen Standort.

    MB kann die Notebooks hier genauso schnell zuklappen wie einst am Potsdamer Platz und weiter ziehen und Zalando...na ja, die können einfach von Amazon überrannt werden. Seit einigen Wochen verkauft Amazon übrigens immer intensiver Schuhe, das einstige Zalando Kerngeschäft.

    Kann man hier überhaupt von einer gesunden Mischung sprechen?


    Als Nachbar dieses Viertels freue ich mich natürlich über jegliche Entwicklung, Kritik an dem Quartier hat aber auf jeden Fall seine Berechtigung und man sollte diese Kritik positiv aufnehmen um zu sehen was man bei der weiteren Entwicklung dieses und anderer Standorte verbessern kann.


    Ein Stück weiter, hinter dem Julius-Pintsch Gebäude ist man gerade dabei die nächste Chance zu vertun.

  • Ostkreuzblog In dem Punkt kann ich Dir nicht gänzlich zustimmen, auch wenn ich solche Entwicklungen grundsätzlich ebenfalls wichtig und wünschenswert finde und mir einiges ebenfalls zu langsam und zäh verläuft. Du bist mir da aber doch etwas zu pauschal in Deiner kritischen Haltung. Der Berliner Senat HAT die entsprechenden Notwendigkeiten inzwischen sehr wohl erkannt, potentiell starke und zukunftsfähige Wirtschaftssektoren identifiziert und auch entsprechende Flächen ausgewiesen (Adlershof ist nur der bekannteste und am weitesten etablierte Campus davon und der von Dir kritisierte Greentech-Park umgekehrt der am wenigsten etablierte und zugleich einer der wenigen, wo bislang eher zu viel als zu wenig frei ist). Ebenso unterhalten die großen Unis inzwischen alle Gründungszentren, fördern Gründer außerdem in diversen Verfahren und Wettbewerben. Auch der neue Campus in Tegel soll mW weiterhin in Kooperation mit der Beuth-Schule hochgezogen werden sowie die TU beim Euref-Campus mit aktiv ist und die HU in Adlershof. Der Ansatz der Navy Yards (Schlüsselstandorte der alten Industrie gehen auf in Zukunftsindustrien) gilt übrigens durchaus ähnlich auch für diverse alte Industriekomplexe in Berlin wie z.B. das Elektropolis in Oberschöneweide oder die geplante Transformation von Siemensstadt in Siemensstadt² (auch dort sollen staatliche Forschungseinrichtungen einziehen). Das Problem ist, dass solche Entwicklungen meist Zeit und immens Geld kosten und dabei die Großen und Schnellen die Kleinen und Langsamen fressen. Berlin liegt inzwischen immerhin europaweit mit London und Paris in der Spitzengruppe und beherbergt ein paar Marktführer (das von Dir mit Sorge betrachtete Zalando wächst aktuell übrigens immer noch, auch wenn mehrfach bewusst die Strategie angepasst wurde). An den Standorten London/UK und Paris/F ist das nationale Verständnis und die politische wie wirtschaftliche Unterstützung jedoch deutlich günstiger als bei uns. Die USA sind dann ohnehin noch einmal eine ganz andere Liga. Dennoch muss man sich nicht kleiner machen, als man ist. Inzwischen entwickeln große Konzerne ihre Produkte auch von Berlin aus (übrigens auch Mercedes - und auch Weltmarktführer wie Amazon sogar vom Edge dicht am kritisierten Standort). Falls der Flächendruck zunimmt, kann man die Riegel neben der Halle gerne gegen Hochhäuser ersetzen, wo über den Restaurants etc. dann Büroflächen, Wohnungen u.ä.m. entstehen. Das wäre sogar komplett in meinem Sinne, so lange es keine Schlafstadt wird und neben vielfältigen neuen Nutzungen möglichst vielfältige Freizeitangebote erhalten bleiben. Ich sehe auch keinen Grund, warum das bei entsprechendem Bedarf nicht in 15, 20 oder 30 Jahren auch so kommen könnte.


    Allerdings sehe ich nicht genau, wo Du mit Deiner rückblickenden Kritik hinwillst. Hier gab es ja historisch gerade keinen zusammenhängenden Gebäudekomplexe und die Entscheidung für Halle und Entertainment-Komplex wurde zu einer Zeit getroffen, als Kapital aus Berlin ABgeflossen statt EINgeflossen ist und man bspw. in London und Co noch nie von einem StartUp-Standort Berlin gehört hatte. Wer hätte damals ernsthaft vorausgesehen, dass man in Berlin an diesem Standort mit Wohnungen und Büros ein riesen Geld verdienen und den Bedarf der Stadt befriedigen kann? Und nochmals: Das jetzige Konzept füllt eine Lücke und ist durchaus erfolgreich. Weder von den Angeboten her noch aus ökonomischer Sicht sehe ich daher zum jetzigen Zeitpunkt einen Anlass zum Klagen. Der Aspekt der Architektur ist dann ein anderes Thema. Und mögliche künftige Entwicklungs- und Optimierungsmöglichkeiten nochmals ein anderes, wofür ich wie gesagt auch durchaus aufgeschlossen bin. Das hat für mich aber nichts mehr mit der hier teilweise ausgeführten Kritik zu tun, die auf einer ganz anderen Ebene arbeitete und die ich auch weiterhin nicht positiv aufnehmen werde, da sie mir persönlich nett ausgedrückt kleinkariert und ideologisch verengt vorkommt.

  • Mann muss einfach auch mal sehen das das typische Publikum der Mercedes-Benz Arena eben mehr mit 5Guys oder Hans im Glück anfangen kann als mit der hippen Kiezkneipe. Dort treten nunmal Künstler wie Sarah Connor oder Andrea Berg auf und der durchschnittliche Besucher eines Eishockey- oder Basketball-Spiels geht anschließend lieber zum Bowling als ins Sisyphos oder Berghain.

  • ^Sorry aber da widerspreche ich vehement. Es gibt dort schließlich nicht nur Konzerte von "Andrea Berg" und "Sarah Connor" sondern ein extrem breites Spektrum. Ich begrüße Vielfalt - der einseitige Öko-Alternativ-Hippie Kram in Friedrichshain alleine macht mich nicht glücklich. Umgekehrt: Wenn alles so aussehen würde wie der MB Platz, wäre dies aus meiner Sicht ebenfalls, absolut nicht wünschenswert.


    Wobei meine Kritik sich hier nicht gegen das "cleane" Erscheinungsbild richten würde (ein bisschen mehr Sauberkeit würde Berlin-Ost sicher gut stehen), sondern eher die mangelnde Vielfalt in der Architektur. Und auch ich schätze durchaus den "Dönerladen um die Ecke", wenngleich ich diesen nicht unbedingt sozialromantisch in den Himmel hebe.

  • Okay, nenn mir doch mal 2 Events in der Mercedes Benz Arena wo du Publikum vermutest das die Diskussion hier nachvollziehen kann. Ich bin ja ganz bei der Meinung der Meisten hier, aber ich glaube das Publikum das zu solchen Massenevents geht eben auch kein Problem mit einem Burger danach bei 5 Guys hat. Was vielleicht eher das Problem ist, die Mercedes Benz Arena passt eigentlich nicht in diese Ecke der Stadt. Konsequenterweise hätte man diese eigentlich am Potsdamer Platz errichten müssen wenn dort Platz gewesen wäre.

  • Ich war während meiner Zeit in Berlin zwei Mal in der Mercedes Benz-Arena - Basketball und Eishockey - und kann die Diskussion nachvollziehen.


    Fand es nett, vor vorher noch einen Burger bei Five Guys essen zu können. Der Entertainment District hat in dem Moment für mich funktioniert.


    Ansonsten war ich auch auf der Museumsinsel und in zig anderen kulturellen Einrichtungen unterwegs und habe primär die Ausgehamgebote der veeschiedenen Kieze wahrgenommen.

  • Geht's hier eigentlich noch um Architektur oder um solch vehement verteidigten Kultureinrichtungen wie Tony Romas oder Five Guys?

    Ich persönlich finde ja, dass der vormals hochgelobte Stream Turm nach dem Downgrade allenfalls Mittelmaß ist, der vielleicht durch seine Höhe so manchem beeindruckt. Die Fassade ist für meine Geschmack einfach nur banal. So wie der Rest am MB Platz auch.

  • Offenbar hapert es am Leseverständnis, wenn u.a. offenbar auf meinen Post bezogen von einer "vehement verteidigten Kultureinrichtung" namens Five Guys gesprochen wird.


    Ich wüsste nun aber nicht, warum es in einem Architekturforum nicht auch darum gehen soll, wie Orte angenommen, genutzt und wahrgenommen werden.


    Und wie es ausschaut, haben auch durchaus Menschen das Areal besucht, die nicht zu blöde sind, der Diskussion zu folgen.


    Gern geschehen.

  • ^ Ach Gottchen, da fühlt sich jemand auf den Schlips getreten. Aber keine Sorge, ich will Ihnen nicht den Burger vermiesen. Und als Tipp am Rande: Sie sollten nicht alles auf sich beziehen. Das macht das Leben leichter.


    Gern geschehen.

  • Geht's hier eigentlich noch um Architektur oder um solch vehement verteidigten Kultureinrichtungen wie Tony Romas oder Five Guys?

    Ich persönlich finde ja, dass der vormals hochgelobte Stream Turm nach dem Downgrade allenfalls Mittelmaß ist, der vielleicht durch seine Höhe so manchem beeindruckt. Die Fassade ist für meine Geschmack einfach nur banal. So wie der Rest am MB Platz auch.

    Niemand verteidigt hier vehement irgendwas. Es geht a) um die Trennung von Architektur und Stadtentwicklung mit sozialpolitischen Themen und b) im "Deep Dive" um die Diskussion beider Themen.


    Zu Architektur & Stadtentwicklung gab es bereits zahllose Kommentare:

    Positiv:

    - gemischtes Viertel mit Büros, Einzelhandel, Gastronomie, Wohnen, Hotels, Entertainment

    - Highlights sind u.a. Max&Moritz, Mercedes Benz Arena, der Springbrunnen am MB Platz selbst, das in Bau befindliche Stream sowie Edge, bestehende Hochhäuser wie der Mercedes Turm und LIving Levels sowie Revitalisierungen wie z.B. der alte Postbahnhof

    Kritik:

    - bezieht sich meist auf die etwas grau geratenen Schachteln direkt am MB Platz - dabei wird (aus meiner Sicht) meist das gesamte Viertel außer Acht gelassen und gleichzeitig der Kommerz des entstandenen Areals kritisiert


    Damit wären wir beim nächsten Diskussionsstrang, den sozialpolitischen Themen die mit diesem Stadtteil zu tun haben


    Befürworter:

    - sagen: Der neue Stadtteil ergänzt das bestehende Angebot das vor allem im alternativen Modus unterwegs ist

    - sagen: die am MB Platz entstandenen Restaurants unterscheiden sich kaum von den (vielen) Kettenrestaurants in Friedrichshain/Kreuzberg

    - sagen: echte Vielfalt ist begrüßenswert, die Sauberkeit des Platzes ist vorbildlich


    Kritiker:

    - sagen: die entstandene Gastronomie ist "Fast Food" und passt nicht in den Kiez (was passt in den Kiez und wer kann das eigentlich bestimmen?)

    - sagen: das entstandene Angebot fokussiert auf ein kulturloses Klientel ohne Anspruch (finde ich persönlich beleidigend und unbelegbar)


    Insgesamt stelle ich fest, dass die Kritik sehr emotional geführt wird, ich sehe mehr ideologische Argumente als inhaltliche. Demnach: Es wird die Zeit zeigen, wie der neue Stadtteil ankommt, aber ich bin der Meinung der gesamte Kiez wird in Zukunft etwas mehr "Berlin-Mitte" Charme versprühen als eben "punk". Dazu kommt aber wahrscheinlich das ich noch nie fan einer punk-hippie-artigen "Kultur" war (wenn man das so bezeichnen will) und ich mich auf die Zukunft des Bezirkes freue.

  • DerBe Ging oder geht es Dir in diesem Thread stets primär um Architektur? Den Eindruck habe ich nicht. Ebenso war der aktuelle Auslöser ja eher eine Gesamtbetrachtung als eine rein ästhetische Auseinandersetzung. Wer das anschließende Geplänkel ermüdend findet, muss sich ja nicht daran beteiligen. Ich finde es einerseits interessant (weil das Konzept des Areals neuartig für die Stadt ist und man das mE nicht allein mit der Architektur fassen kann). Andererseits finde ich die hartnäckig vorgebrachten und verteidigten (aber im Grunde nie belegten) Vorurteile bemerkenswert und irritierend genug, dass man sich darüber mE weiter austauschen sollte:

    Okay, nenn mir doch mal 2 Events in der Mercedes Benz Arena, wo du Publikum vermutest, das die Diskussion hier nachvollziehen kann.

    SirWallace und ich haben bspw. beide Eishockey "konsumiert" und nehmen ja trotzdem an der Diskussion hier teil (zwischen den Zeilen lese ich, dass womöglich auch andere Forenmitglieder schon Events vor Ort besucht haben). Und auch wenn mir bei dem besagten Spiel der Eisbären gerade einige der Damen und Herren auf der Stehkurve tatsächlich nicht sonderlich kultiviert vorkamen (vielleicht aber auch einfach nur gerne als Spieltagsritual mal richtig die Sau rauslassen), waren da ansonsten auch jede Menge aus meiner Sicht "völlig normale" Leute im Stadion. Basketball würde ich sogar eher noch einer anderen, relativ gebildeten Klientel zuschreiben. Aber auch das sind zugegebenermaßen im Grunde nur Vorurteile, da ich keine empirischen Befunde dazu kenne.


    Der Punkt ist mE aber eher, dass jedes Jahr hunderte Events in den Hallen und auf dem Platz steigen und Millionen von Besuchern anziehen (die Arena gehört zu den erfolgreichsten weltweit). Ich wüsste nicht, wie man bspw. bei einer Bandbreite von u.a. Revolverheld (die Rezension deutet jetzt auch nicht gerade auf einen hirnlosen Atzen hin), Elton John, André Rieu, Live (Zirkus-)Artistik, dem Sankt Petersburg Festival Ballet, einem Tango Cup, Zaubervorstellungen, der Fête de la Musique, Kinderprogramm (Märchen, Tabaluga, Bibi Blocksberg), Red Carpet Events wie bspw. bei Alladin oder den Coca Cola Christmastrucks durch die Bank auf einen besonders niedrigen Intellekt oder fehlende Affinität zu Bildung/ Kultur oder Geschmacklosigkeit schließen kann (halte ich ehrlich gesagt für extrem gewagt und durch nichts belegbar). Wenn man Massenkultur allein als Kultur (und den Entertainment District als Sammelpool) für anspruchslose Kulturbarbaren versteht, verfolgt man mE einen recht wirren und potentiell gesellschaftsspalterischen Ansatz.


    Sir Wallace bspw. war ja auch noch auf der Museumsinsel. Ich selbst habe neben dem Eishockey auch schon u.a. das Orgelkonzert in der Auenkirche oder hochklassige Musicals wie Wicked in Chicago besucht oder u.a. Chaucer, Shakespeare und Post-Colonial Literature in der Uni behandelt. Ironischerweise habe ich übrigens genau dort zugleich gelernt, den Dünkel gegenüber Popular Culture/ Mainstream-Culture noch mehr abzulegen (spätestens der regelmäßige Austausch mit jungen Menschen aus sozialen Brennpunkten pulverisiert solche Zuordnungen dann ohnehin). Eine meiner Lieblingsdozentinnen hat neben Grass und Herta Müller auch Serien wie The Wire, Game of Thrones oder sogar Friends und Big Bang Theory behandelt - und u.a. Umberto Ecos Faszination für modernes serielles Erzählen aber auch spannende intermediale Rückbezüge auf die griechische Tragödie angeführt. Es ist ja auch nicht so, dass bspw. eine J.K. Rowling (oder früher ein J.R.R. Tolkien bzw. ein C.S. Lewis) ihre populärkulturellen Werke für minderwertige Nebenbeschäftigung oder aber Perlen vor die Säue hielten. Im Gegenteil fließt/floss oft das gesamte theoretische Wissen mit ein - und unterschiedliche Rezipienten agieren dann auf unterschiedlichen Ebenen mit solchen Werken, was auch gezielt so im Werk selbst angelegt ist.


    Diese grundsätzliche Offenheit und Zugänglichkeit ist mE sogar eine Qualität von guter Kultur (ob Film, Musik oder Literatur aber auch diversen Unterhaltungsformaten). So entsteht ein breiterer Austausch und die verschiedenen Perspektiven ergänzen sich. Ich begrüße es daher auch sehr, dass die Berliner Museen kostenfreie Tage einführen werden. Egal ob Kulturforum, Museumsinsel oder aber Entertainment District: Kultur sollte Brücken bauen und niemandem schadet ein gelegentlicher Blick über den eigenen Tellerrand oder eine ordentliche Relativierung der vermeintlichen eigenen Überlegenheit. Schon ein Theodor Fontane (ich persönlich sehe ihn als einen der schärfsten Analysten der damaligen Zeit und ihrer gesellschaftlichen Strukturen) hat die vermeintliche kulturelle und moralische Überlegenheit der feinen Gesellschaft gerne als mehr Schein als Sein entlarvt und oft genug einfache, wenig formal gebildete Figuren wie einen Fabrikvorarbeiter oder eine einfache Schneiderin als moralisch mindestens ebenbürtig dargestellt und dabei so manchen elaborierten Habitus aus vermeintlich naiver Sichtweise sauber zerlegt. Und eine seiner Botschaften war: Wer hart arbeitet und auf wen andere ohnehin schon herabblicken, dem sollte man ruhig ein wenig Zerstreuung und Lebensglück gönnen, ohne moralisch darüber zu urteilen. Auf heute übertragen würde ich sagen, dass die Menschen ihre Euros ebenso in der steril-sauberen Sytemgastro wie in der rauchigen Kiezkneipe oder dem Kiezrestaurant mit Glücksspielautomat lassen können, ohne dass es mich tangieren muss. Ich habe in Berlin jedenfalls genügend Optionen, sodass ich darüber hinwegsehen kann, ohne einem solchen Viertel seine Existenzberechtigung abzusprechen.

  • Ich habe ja Besuchern der Mercedes Benz Arena nicht die Kultur abgesprochen. Mein Post war eigentlich völlig wertefrei gemeint. Meine Meinung ist einfach das der “Normalbürger” eben auch gegenüber 5 Guys oder Dean & David wertefrei gegenübertritt. Ich glaube nicht das sich eine Mehrheit der Menschen im täglichen Leben Gedanken darüber macht ob in einem Neubaugebiet genügend Subkultur vorhanden ist.

  • Na denn, ich schaue über den Tellerrand und kehre trotzdem nicht in die Burgerbratereien ein. Und auch Solidos geht mir am Arsch vorbei.

    Was mich noch viel mehr an diesem Viertel stört als diese bekloppte Blink Blink der Werbetafeln ist die Segregation der einzelnen Funktionen. Der Wohnanteil wird in Hochhäuser gepresst, der Einzelhandel in einer Mall und endlang der Hauptachse befinden sich ausschließlich Büroblöcke. Das fand ich schon am Potsdamer Platz störend. Wenn man vom MB-Platz Richtung Wohntürme läuft, tut sich da erdgeschossig eine gähnende, introvertierte Leere auf. Nichts, absolut nichts trägt in diesem Bereich zur Belebung bei. Hier hätte ich mir noch viel mehr die Berliner Mischung gewünscht.

  • DerBe Das ist ja auch völlig ok, wenn man das Angebot selbst nicht attraktiv findet. Ich persönlich würde auch nicht gezielt zum Essengehen dorthin fahren und weiß nicht einmal mehr, ob ich dort damals auch gegessen habe. Ändert aber nichts daran, dass man es bei stoßweise auftretenden Menschenmassen irgendwie lösen musste (wie gesagt finden sich ja sonst bei Bedarf zahlreiche Alternativangebote im näheren Umkreis).


    Den Rest sehe ich sogar sehr ähnlich wie Du. Zwar gibt es immerhin überhaupt eine Mischnutzung im Areal aber die Übergänge könnten noch deutlich fließender sein. Ich bin generell ein großer Fan von möglichst öffentlichen Erdgeschosszonen. Dann lieber etwas höher bauen und dafür mindestens ein zugängliches Sockelgeschoss. Das betrifft dann aber weniger den Mercedes Platz selbst als die Verzahnung zu den Nachbarbauten.


    Regent Sorry, dann gehen wir da d'accord. Ich nehme auch an, dass die meisten Menschen das nicht so dogmatisch sehen werden und entweder direkt vor Ort glücklich mit dem Angebot sind oder aber sich einfach in der Umgebung umsehen (notfalls gibt es ja auch für Touristen genügend Apps, um sich zu orientieren).

  • Es geht doch hier nicht darum, wieviel Subkultur ein Viertel enthält, Regent. Die alternative Kunstszene war überhaupt der Grund warum sich irgendwer in diese Gegend verirrt hat und warum auch heute noch Touristen hierher kommen, auch wenn gerade nicht Alba spielt oder BTS auftritt. Der Investor hatte den Mauerrest hier jedenfalls nicht bepinselt...

    Ansonsten gehe ich mit DeBe, eine introvertierte Leere um den MB Platz herum. Es gibt keinen Grund, z.B. vom Ostbahnhof her das Viertel zu "erkunden".

  • Wenn man vom MB-Platz Richtung Wohntürme läuft, tut sich da erdgeschossig eine gähnende, introvertierte Leere auf.

    Der Zalando-Campus ist hier das Problem. Dadurch, dass Zalando nicht nur das größere Gebäude (die zwei liegenden X) nördlich entwickelt hat, sondern ebenfalls ich glaube sogar gleich beide Blöcke südlich (vis a vis), wird fast die gesamte Valeska-Gert-Str. von Zalando beansprucht. Das Gebäude-Ensemble von Zalando mag vielleicht auf einem Foto im Jahrsabschlussbericht eine gute Figur machen, aber auf Straßenebene für Nicht-Zalando-Mitarbeiter wird hier wirklich mal gar nichts geboten. Am Ende der Straße sind mit der MB-Niederlassung, sowie einem kleinen Bürowürfel auch keine belebenden Angebote zu finden. Evtl. kommt in die Max&Moritz Hochhäuser unten etwas Einzelhandel. Weiß hier jemand etwas?