Mediaspree: Entertainment District an der MB-Arena

  • Das Vollzitat ist sinnvoll - bitte nicht löschen - denn ansonsten muss man ständig hoch und runter scrollen.


    Auch dieser Beitrag enthält so viel Richtiges und dann irgendwie doch eine komische Rechtfertigung für das Areal.


    Fakt ist, es geht in der Immobilienblase und Branche in weiten Teilen, schon lange nicht mehr um Qualität, sondern um "Konsum" - Konsumarchitektur wäre ein neuer richtiger Begriff für unsere Zeit. Also eine Architektur die nur geschaffen wird um Gewerbe und Event einen Platz zu geben das dort Menschen mit durchschnittlichem Geschmack und gleichgeschalteter Marketing-Brille bereit sind "begeisternd" Ihr Geld zu lassen. Wenn das funktioniert baut man am anderen Ort exakt das Gleiche nur nicht in Grün, sondern in Rot.


    Das ist mit mir nicht zu machen. Es geht anders und dazu muss ich jetzt bitte keine Screenshots liefern. Es ist das Gegenteil von Architektur - es geht schlicht um Funktion, Effizienz-getrieben, gestreamlined, austauschbar, gemacht um dort Geld auszugeben für Produkte die ich an jeder anderen Ecke auch kaufen kann. Wow ! Fortschritt? Nein, daß ist ein Krankheitsbild unserer Konsumgesellschaft, besonders aus amerikanischen Landen kennen wir das - nur dort ist es das ganze auf die Spitze getrieben.


    Was wollte Philip Anschutz in Berlin? Er hat das Gelände billig gekauft, als Ost-Berlin noch die Dynamik einer Blümchentapete ausstrahlte, die O2 World (und nur die) darauf gebaut, zu einem Zeitpunkt, als sie noch quasi unrentabel war, nur um Spandau mit ihren Plänen für eine Siemens-Halle auszustechen (clever). https://www.tagesspiegel.de/be…ert-den-senat/365284.html

    Mmh ich muss jetzt überlegen. Ein Investor kauft billig in Berlin ein Stück Land. Baut eine Halle drauf und Du meinst das hätte er aus Nächstenliebe getan? Also ehrlich gesagt das ist nicht clever sondern Anschutz hat das Grundstück gekauft mit maximaler Renditeabsicht. Die Halle zielt ebenfalls auf maximale Rendite ab. Das an sich ist kein Problem - aber so zu tun als hätte man das nicht Wissen können ist halt auch Blödsinnn. Einfach mal "Anschutz" googlen! - DAs Problem ist, daß esdarum geht, daß man seelenlose, Funktionsarchitektur den Vorzug gibt, weil man für dieses Stück Land einfach keine Vision hatte bzw. ein eigenes Konzept hätte vorlegen können das einen anderen "Berliner"-Weg vorschlägt. Das man aber meinte, ausgerechnet "Anschutz" haben das "Richtige" Konzept - das sagt viel aus...


    Als Resultat sehen wir die heutige Entwicklung. Hätte ein privater Investor aus den USA hier vor 17 Jahren nicht interveniert und Siemens ausgestochen, hätten wir dort heute höchst wahrscheinlich einen ähnlichen Mix wie in der Europacity, also architektonisch ebenfalls unteren Durchschnitt, aber die noch größere Langeweile. Auch heute sind es ausländische Investoren (z.B. Benko aka Signa) die wichtige Leitprojekte in Berlin anstoßen und ähnliches planen, wie Philip Anschutz, z.B. am Hermannplatz. Der einzige Berliner Investor, der tatsächlich sowas wagt ist Streletzki. Und der Senat?

    Also Du willst mir jetzt die Pest mit der Cholera schmackhaft machen. Das finde ich Kühn - dafür meinen Respekt. Aber sinnlos. Ich finde beides Scheiße - und jetzt? Also mir kann doch keiner sagen, daß Projekte in Frankreich, Italien, Spanien, Polen (Siehe hier im Forum) Im Schnitt eine höhere Wertigkeit bie modernen Bauten besitzen als das was in Berlin gebaut wurde, jetzt damit zu rechtfertigen wäre, dass man froh sein soll, dass die Ausländer hier investieren. FALSCH - mir ist völlig egal wer hier investiert - ob Ausländer oder nicht - aber wenn Deutschland bzw. Berlin nicht in der Lage ist, einen Masterplan Stadtentwicklung oder Architektur vorzulegen der z.b. Leitlinien und Leitplanken definiert - (Traufhöhe meine ich nicht, aber qualitative Kriterien) dann darf man sich über diese billige Durchschnittsarchitektur nicht wundern. Wir haben einfach in Deutschland im Bereich der Architektur jeden Anspruch an Qualität aufgegeben. Mir ist es ein Rätsel wie man da den Berliner Senat als Buh-Mann heranzieht. Auf Bundesebene haben wir beispeilsweise nun fast 20 Jahre CDU - mmhh für was steht das dann?


    Schaut man sich an wo "Wertig" gebaut wird, geht es in Berlin und Deutschland NUR über den Zusatz "Luxus" - alles andere ist Durchschnitt - eher weit unter den Möglichkeiten. Da ist weder der Senat daran schuld, noch Einzelpersonen - es ist das Kollektivversagen aus Bauverordnungen, fehlenden Visionen für einen Masterplan Berlin UND einem seit Jahren einer Immobilienlobby die anscheinend wirklich gute Arbeit leistet - in Berlin kann man mit beschissener Durchschnittsarchitektur (= geringe Investitionen) immer noch vergleichsweise viel Rendite erziehlen! Scheiße - das ist eine Ohrfeige für ein Deutschland das für "Made in Germany" steht - Qualitätsanspruch anscheinend nur bei....ähm Autos?


    In Frankfurt konnte man sich immerhin darauf einigen, das Römerviertel zu rekonstruieren, was der Stadt ein neues überregionales Highlight verpasst hat. Nicht einmal das Humboldt-Forum geht auf eine Initiative des Berliner Senats zurück.


    Jetzt kommt das Senatsbashing - da will ich nicht mitmachen denn im Senat sitzen 6 Parteien mit 5 unterschiedlichen Perspektiven und Ideen - schon das zeigt wie falsch die Verallgemeinerung ist. Das Humboldt-Forum wurde durch und mit diesem Senat und dem Bund unterstützt und gefördert.


    In Frankfurt solltest Du evtl. das Römerviertel mal besuchen - also für FFM finde ich das toll und da gibts wenig daran auszusetzen - Geschmacksfrage - aber daraus sozusagen abzuleiten - "...die haben da ein Meilenstein an Architektur ermöglicht..:" das ist ja schon absurd. Insbesondere wenn ich dann vorher den Vergleich mit dem Humboldt-Forum lese...da passt irgendwie gar nichts - auch der Verweis auf die Politik nicht. Frankfurt hatte bereits den 80ér Jahren sich darauf geeinigt das die Stadt in die Höhe will. Berlin hatte da einen anderen Plan - das ist für mich auch ok - weil hoch mit qualität wenig zu tun hat.

  • ^

    Das solche UEDs keinen Anspruch an Architektur im klassischen Sinne haben, hatte ich ja bereits ausgeführt. Und natürlich geht es darum Konsumartikel und Services an Mann, Frau und Kind zu bringen. In diesem Sinne unterscheiden sie sich aber auch nicht von jeder x beliebigen Shopping-Mall, außer, dass der Entertainment-Faktor in den Vordergrund gerückt ist (wobei auch 0815 Shopping-Malls immer mehr Entertainment anbieten, um noch Leute von Amazon wegzubekommen). Es gibt weit mehr als ein Dutzend Malls in Berlin, insofern sehe ich nicht warum ein neuer Entertainment District nun Berlin in besonderem Maße amerikanisieren sollte, wo es die Malls ja schon nicht geschafft haben. Berlin ist groß genug, um das auszuhalten. Don't like it? Don't use it.

    Mmh ich muss jetzt überlegen. Ein Investor kauft billig in Berlin ein Stück Land. Baut eine Halle drauf und Du meinst das hätte er aus Nächstenliebe getan? Also ehrlich gesagt das ist nicht clever sondern Anschutz hat das Grundstück gekauft mit maximaler Renditeabsicht.

    Du drehst meine Worte um. Von Nächstenliebe war nirgends die Rede. Natürlich ging es darum, mit der O2 World einen Anstoß für eine preisliche Aufwertung des Areals zu setzen. Darin liegt ja die Cleverness in diesem strategischen business move. Anschutz ist übrigens auch mittlerweile weitgehend raus aus soweit ich weiß. Es hat einige Verkäufe gegeben.

    Jetzt kommt das Senatsbashing - da will ich nicht mitmachen denn im Senat sitzen 6 Parteien mit 5 unterschiedlichen Perspektiven und Ideen

    Du widersprichst dir selbst. Ein paar Zeilen darüber schreibst du: "DAs Problem ist, daß esdarum geht, daß man seelenlose, Funktionsarchitektur den Vorzug gibt, weil man für dieses Stück Land einfach keine Vision hatte bzw. ein eigenes Konzept hätte vorlegen können das einen anderen "Berliner"-Weg vorschlägt."


    Weiter führst du aus: "mir ist völlig egal wer hier investiert - ob Ausländer oder nicht - aber wenn Deutschland bzw. Berlin nicht in der Lage ist, einen Masterplan Stadtentwicklung oder Architektur vorzulegen der z.b. Leitlinien und Leitplanken definiert [..] dann darf man sich über diese billige Durchschnittsarchitektur nicht wundern."

    Und nur einen Satz später: "Mir ist es ein Rätsel wie man da den Berliner Senat als Buh-Mann heranzieht."


    Wie du selbst zugibst, interessiert Investoren nun mal mehr die Rendite, als die Optik und wer sonst hätte denn eine "bessere Vision" für dieses Areal vortragen können, wenn nicht der Senat? Es ist doch seine Aufgabe die Bebauungspläne festzulegen! Nicht Anschutz hat den Bplan zusammengeschrieben, sondern die SPD, nachdem Anschutz den ersten Schritt gemacht -und die Halle dort beantragt, genehmigt bekommen(!) und gebaut hat. Es ist auch nicht so, dass er alles bekommen hat was er wollte. Die LED-Screens sollten z.B. viel höher und größer sein, die SPD wollte aber möglichst die ESG nicht zu sehr ins Abseits stellen. Es ist hier von Seiten der Stadt relativ hart verhandelt worden, in dem Sinne, in dem man das Maximum an Spießigkeit (Unauffälligkeit) herausholen wollte -> mit dem bekannten Ergebnis.

    Wir haben einfach in Deutschland im Bereich der Architektur jeden Anspruch an Qualität aufgegeben. [..]Auf Bundesebene haben wir beispeilsweise nun fast 20 Jahre CDU - mmhh für was steht das dann? [...] Da ist weder der Senat daran schuld, noch Einzelpersonen - es ist das Kollektivversagen aus Bauverordnungen, fehlenden Visionen für einen Masterplan Berlin UND einem seit Jahren einer Immobilienlobby die anscheinend wirklich gute Arbeit leistet

    Die Bundesebene hat 0,nix mit der Gestaltung von Gebäuden in Berlin oder jeder anderen Stadt zu tun, außer es handelt sich dezidiert um Bundesgebäude. Wenn es dir darum geht, dass der Senat mehr Einfluss auf die optische Gestaltung von Bauten erhält und diesen Einfluss auch mehr geltend macht, dann weiß ich ehrlich gesagt nicht, worüber du dich beschwerst, denn genau das passiert in Berlin seitdem die Baukommission unter Lüscher&Lompscher ihre Arbeit begonnen hat. Mag ja sein, dass die zwei Senats-Grazien deinen Geschmack nicht treffen, in dem Fall könnte ich dich nur beglückwünschen, meinen auch größenteils nicht- aber zu behaupten, dass der Senat Investoren jede Billigkiste durchgehen lässt, vor dem Hintergrund eines Senats, der erklärt hat, genau das nicht zu tun, und parallel eine Verantwortung desselbigen zu leugnen, ist ne schwierige Kombination.


    • Der Senat besteht aus Entscheidungsträgern (Senatoren&Senatorinnen) -> Entscheidungsträger machen Bebauungsplan -> Bplan doof = Senat doof.
    • Die Baukommission des Senats kann für jedes Gebäude entweder Materialvorgaben machen und/oder einen Architekturwettbewerb verlangen -> Architektur doof = Baukommission doof = Senat doof, weil Baukommission ernannt.
  • ^^

    "denn im Senat sitzen 6 Parteien mit 5 unterschiedlichen Perspektiven und Ideen" ???

    Ich weiß ja nicht, welchen Senat du meinst, aber der gegenwärtig Berliner Senat wird von 3 Parteien/Fraktionen getragen.

    "Auf Bundesebene haben wir beispeilsweise nun fast 20 Jahre CDU - mmhh für was steht das dann?"


    Was willst du damit jetzt sagen?

    Berliner hat schon (richtigerweise) geschrieben, dass der Bund mit der Gestaltung von Gebäuden in Berlin nichts zu tun hat (von Bundesbauten mal abgesehen)

  • alexsb73 Wie schon richtig gesagt wurde, betreibst Du implizit selbst Senatsbashing, ohne es zu merken: Statt einer eigenen großen Lösung hat man den Investor zugelassen (vom gebotenen Inhalt her kann ich gut damit leben) und statt eigener Gestaltungsideen bzw. strikter Gestaltungsvorgaben hat man lediglich die Visionen des Investors beschnitten.


    Wenn es nach der AEG gegangen wäre, hätte es wenig(er) von den kritisierten Fassaden und dafür noch größere LED-Screens zu sehen gegeben (für manche nur konsequent und für andere noch mehr Overkill). Da der Investor das nicht bekommen konnte, hat er relativ einfache Resonanzflächen für die Beleuchtung geschaffen, um seinem Ziel zumindest indirekt näher zu kommen.

    Gerade bei der geriffelten, metallisch-matt schimmernden Fassade der Music Hall ist das gut zu sehen, zumal diese zusätzlich auch direkt beleuchtet wird.

    Das horizontal ausgerichtete Quadermuster des gegenüberliegenden Baus setzt dagegen auf Hell-Dunkel-Kontraste und wird zudem etwas von vertikalen Leuchtbändern sowie Fenster- und Glasflächen (und natürlich den Leuchttafeln) aufgebrochen. In beiden Fällen wäre nebenbei gesagt eine deutlich billigere und noch monotonere Umsetzung absolut möglich gewesen (gestalterisch reduziert ist nicht automatisch auch gleich billig).


    Mir persönlich gefällt der recht banale 'Kinobau' irgendwie am wenigsten, ohne dass er mich direkt stören würde. Die Music Hall finde ich mal was anderes und gerade Abends sogar ziemlich überzeugend. Mein Favorit wäre daher gewesen, wenn man dem Kinobau eine ähnliche aber abgewandelte Riffelfassade gegeben und somit ähnlich wie bei den Backsteinbauten eine stärkere Symmetrie erzeugt hätte. Das hätte mE die Achse vom Spreeufer zur Halle auch noch besser betont. Ansonsten finde ich es aber stimmig, wenn man die Bauten als dienende Elemente in einem Gesamtgefüge betrachtet.

    Ich rätsle nämlich auch etwas, welche Architektursprache sich besser mit den dominierenden Elementen und Funktionen des Standorts (insbesondere Screens an und vor den Gebäuden sowie die direkte Nachbarschaft zu der riesigen Halle) vertragen hätte. Kleinteilige traditionelle Architektur ganz sicher nicht und selbst extravagante moderne Architektur hätte es mE aufgrund der Raumaufteilung, Kubaturen und logischen Blickachsen auch eher schwer gehabt zu wirken. Die für den Passanten optisch präsenteren Backsteinbauten zur Spree hin finde ich stimmig.


    Übrigens stimmt es auch nicht, dass man im ED nur das Gleiche konsumieren kann, wie an jeder anderen Ecke der Stadt. Anschutz hatte immerhin ein Konzept, das hallentechnisch gleich zwei Lücken in der Berliner Veranstaltungslandschaft schließt und damit zwei der populärsten Berliner Sportvereine (sowie auch zahlreichen internationalen Stars: MBA und weniger bekannten Künstlern und Entertainern: Music Hall) eine neue Spielstätte schafft. Alba und die Eisbären kann ich also nur hier sehen und beide Vereine sind dadurch noch mal kräftig gewachsen. Das Kino und die Bowlingbahn gehören immerhin zu der gehobenen Klasse und die Gastronomie profitiert von den Licht- und Wasserspielen sowie der Musik. Gerade die bepflanzten Dachterrassen sind zudem eher etwas Besonderes als Standard. Und der Aufwand sowie die Vielfalt beim Bespielen des großen Marktplatzes ist jetzt auch nicht unbedingt charakteristisch für andere Stadtplätze selbst in exponierten Lagen. Wenn es den eigenen Geschmack nicht trifft, kann man davon nicht automatisch auf andere schließen. Das Areal wird/ wurde ja recht gut angenommen.


    P.S.: Ich habe während meines Studiums übrigens selbst mal im Lager eines Startups gejobbt und zwischen ED und einem Logistikpark liegen dann schon noch mal einige Stufen. Wenn das Ambiente wirklich so furchtbar wäre, würde wie gesagt auch niemand freiwillig dort verweilen oder essen wollen. Es ist ja nicht so, dass es keine Alternativen im Umkreis gäbe. Die heftige, kontroverse und teils polemische Auseinandersetzung mit dem Areal verwundert und - passend zum Titel: entertaint - mich daher nach wie vor.

  • Fakt ist, es geht in der Immobilienblase und Branche in weiten Teilen, schon lange nicht mehr um Qualität, sondern um "Konsum" - Konsumarchitektur wäre ein neuer richtiger Begriff für unsere Zeit. Also eine Architektur die nur geschaffen wird um Gewerbe und Event einen Platz zu geben das dort Menschen mit durchschnittlichem Geschmack und gleichgeschalteter Marketing-Brille bereit sind "begeisternd" Ihr Geld zu lassen. Wenn das funktioniert baut man am anderen Ort exakt das Gleiche nur nicht in Grün, sondern in Rot.

    Warum eigentlich "ein neuer richtiger Begriff für unsere Zeit"? Diese Art der Architektur des Konsums und für das billige Amüsieren ist doch nicht ein Zeichen unserer Zeit! Die Arbeiterviertel der Gründerzeit, die uns heute in durchsanierter Form als attraktive Altbauwohnungen dienen, waren im Grunde billigste Stangenware schnell hochgezogen, vorne bisschen Stuckfertigteile drangepappt und fertig.

    Berlin hatte Restaurationen mit Speisesälen für 2000 Personen, am Alex gabs ein Lokal in dem es stündlich gewitterte als Attraktion, dagegen ist jeder McDonalds ein intimes Lokal! Alles für das billige Amusemang!

    Und von Berlin aus wurde das teilweise nach ganz Deutschland exportiert. Ich habe in Essen in einem gemütlichen Altbau gewohnt der unter Denkmal steht, eben weil er ein Beispiel für den damals in Mode gekommenen Export standardisierter Berliner Günderzeitarchitektur für die Arbeiterklasse war.


    Wie ich das verstehe, herrscht aber bei einigen Leuten ein großer Frust in Bezug auf fehlende neue, wegweisende, spektakuläre Architektur:


    Berlin Mitte: Humboldforum mit Barockfassade: Verschenkte Chance auf spektakuläre moderne Architektur.


    Alexanderplatz: Hochhäuser im Tetrapack Format in der Höhe nichtmal "Wolkenkratzerformat". Die "spektakulärste Architektur bleibt hier ein Fernsehturm aus den 60ern....gähn..."


    Europacity: Vieles richtig gemacht, manches falsch, auf jede Fall nichts Aufregendes.


    BER: Eine Architektur die zur Eröffnung 10 Jahre alt ist, haut niemanden vom Hocker.


    Es gibt keine Aussicht auf nur ein einziges spektakuläres, weil wegweisendes Projekt.


    Der Senat: Visionslos. Selbst die Verkehrswende plätschert vor sich hin. Hätte es kein Coronavirus gegeben, gäbe es nichtmal die Pop Up Radwege...Für den Anspruch den RRG in Bezug auf die Verkehrswende hat, müsste zu diesem Zeitpunkt mindestens ein Prämium Radschnellweg quer durchs Zentrum existieren. In der Zeit hat man im Ruhrgebiet einen Radschnellweg von Mülheim über Essen bis nach Bochum gebaut!

    Was wäre z.B. mit einer IBA zu ökologischem Bauen?


    Es ist schon schade wenn einem nur vertane Chancen einfallen wenn man an Berlin denkt.

  • ...

    , ... am Alex gabs ein Lokal in dem es stündlich gewitterte als Attraktion

    Humboldforum mit Barockfassade: Verschenkte Chance auf spektakuläre moderne Architektur.

    Dieses Lokal stand nicht am Alex sondern am Potse.
    Es war das Haus Vaterland, das bei Touristen wie bei Berlinern sehr beliebt war als das, was man heute als "Erlebnis-Gastronomie" bezeichnet.

    Die Debatte über das Schloss bzw. Humboldtforum habe ich 20 Jahre lang begleitet, bis Stella den Zuschlag bekam.
    Es war beileibe keine "verschenkte Chance".
    Es gab zwei Wettbewerbe, die ergebnisoffen für jede Form von Architektur durchgeführt wurden.
    Ich besitze noch die beiden Kataloge und ich muß sagen, dass sich die Vertreter der Moderne nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben
    mit ihren Entwürfen.
    Erst der dritte Wettbewerb hatte die Grundstruktur des Schlosses zur Auflage.
    Überflüssig zu sagen, dass der Stella-Entwurf trotz einiger Schwächen im Detail zu recht gewonnen hat.

  • Stimmt, das Haus Vaterland war's, sorry habe ich falsch verortet!


    In dem Kontext meines Kommentares war die "verschenkte Chance" dem Umstand geschuldet dass wenn man sich in die Mitte Berlins Projekte mit spektakulärer, im Sinne von wegweisender Architektur wünscht, das Humboldforum dies nicht bedienen kann.


    Unzweifelhaft ist die Rekonstruktion der Barockfassade wertig und das Gesamtergebnis überzeugt mich persönlich schon!

  • ^Es gibt ein paar wenige Beispiel. Ich werde nicht müde den "Cube" zu loben. Aber an und für sich gebe ich dir Recht. Wo findet man schon gute, zeitgenössische Architektur? Vielleicht noch das "Sapphire" in Mitte? Lobenswert außerdem: Tacheles.

  • Jetzt wird es doch sehr grundsätzlich. Der Entertainment District bedeutet nicht den Abgesang Berlins.


    Ja die unmittelbare Bebauung links und rechts des Platzes hat wenig architektonische Qualität. Die vorderen Gebäude erinnern an Budgethotels an FLughäfen und die hinteren Gebäude erinnern in der Tat ein wenig an Logisikhallen mit öffentlicher Erdgeschossnutzung. Insgesamt hätte hier großstädtischere Architektur gut getan. Aber städtebaulich funktioniert es. Hinter der Randbebauung des Platzes liegen zu allen Seiten entweder Hochpunkte oder besondere Architektur in Form einer Arena. Auch auf dem Platz selbst ist mit den Multimediapöllern und dem Wasserspiel viel los. Es ist also richtig, dass die Randbebauung als Ruhepol fungiert. Allerdings, wie gesagt, geht dies auch mit höherwertigerer Architektur.


    Berlin steht meißt nicht für wegweisende Architektur, wenn damit der Cube und vergleichbare Projekte gemeint sind. Berlin wird auch noch brauchen, bis zu Singapur, London oder selbst Frankfurt aufgeschlossen wird. Berlin war mal sehr stark in der Kombination aus alt und neu und in der Schaffung dritter Orte. In Frankfurt gibt es für Touristen plakativ ausgedrückt shopping und Museen, während es in Berlin viele Subkulturorte wie den Holzmarkt als baulich, entwickeltes Beispiel gibt. Das sollte weiter gestärkt werden. Architktur wie am Hudson Yard wird in Berlin noch lange die Ausnahme bleiben, was aufgrund der Geschichte Berlins in Ordnung ist. Das aber die Weiterentwicklung des Holzmarktes gescheitert ist, das ist für mich tragisch. Weil das wäre eine berlintypische Innovation gewesen, für die Touristen wie Young professionals nach Berlin kommen. Wenn in diesem alternativen Segment neue Projekte angestoßen werden, wäre das innovativer und berlinerischer als auf mehr Glasgebäude zu hoffen.

  • ^

    Mit "Weiterentwicklung des Holzmarktes" meinst du dieses Projekt hier von Graft?

    https://graftlab.com/portfolio_page/eckwerk/


    Wenn ja, dann ist es wirklich schade drum. Ich fands eigtl. recht passend für die Ecke und es hätte wohl nochmal um einiges innovativer und hipper gewirkt, als die wie ich finde doch sehr mittelmäßige und kommerzielle Umwandlung des Tacheles Geländes.

  • LukaTonio Ähnlich sehe ich das auch, wobei ich die 4 Randbauten wohl immerhin noch jeweils eine Stufe besser bewerten würde, ohne sie damit gleich toll zu finden. Man vergleiche mal die Ergebnisse der Bildsuche "Budgethotel Flughafen" bzw. "Logistikpark". Das ist dann schon noch mal eine etwas andere 'Qualität'.


    Unter dem Strich wäre architektonisch aber natürlich ohne Zweifel mehr drin gewesen (gerade beim Kinobau), wobei allzu extravagante Bauten womöglich aber auch nicht stimmig gewirkt hätten. Immerhin funktioniert es (anders als etwa das Kulurforum mit der sehr viel höheren individuellen architektonisch Qualität seiner Einzelbauten) als Ensemble und das Konzept geht auf. Insgesamt profitiert die Stadt somit mE klar davon.


    Und gleichzeitig würde ich Dir doch Recht damit geben, dass andere, über Jahrzehnte gewachsene Orte irgendwo interessanter und vielschichtiger sind. Fairerweise muss man aber sagen, dass man so etwas schwer auf dem Reißbrett für eine Brache planen und gerade mit einem Entertainment District (viel Innennutzung) kaum erreichen hätte können. Auch bei weit besserer Architektur wäre es 'nur' ein (dann optisch attraktiveres) Amüsierviertel geblieben. Wie künstlich Kopien bzw. Kulissen von gewachsener Stadt in so einem Viertel aussehen, kann man ja u.a. in Teilen von Vegas erleben. Auch bei der weitaus harmonischeren Mall of Berlin wurde ja von vielen der Etikettenschwindel kritisiert.

  • Großflächig neu errichtete Stadtquartiere haben gegenüber den über Jahrzehnte gewachsenen Stadtzentren den Nachteil, dass sie in ihrer Gesamtheit altern und das verursacht regelmäßig Probleme. Aktuell durchlebt der Potsdamer Platz so eine Zeit, nach dem er das Ding der 1990er Jahre war, auch die Friedrichstraße kann man in Teilen dazu zählen. Diese Erkenntnis ist nicht neu und irgendwann betrifft das auch das Areal um die MB Arena. Nur kann die Alternative ja nicht sein, in einer Brache über Jahrzehnte hinweg einzelne Solitäre zu realisieren. Abgesehen davon bieten die alten Zentren wie z. B. Kudamm oder Schloßstraße auch nicht wirklich viele architektonische Highlights und funktionieren trotzdem (wieder).

  • Die genannten Orte sind ja auch eher für touristische Zwecke vorhanden. Null Aufenthalts/Lebensqualität. Der Potze ist spannend in der Architektur, aber mit null Flair zum längeren Verweilen. Dasselbe wie immer seit Jahren: Stadt wird in erster Hinsicht für Touristen entworfen oder für Menschen ohne Nahversorgung. Das gilt es endlich zu ändern!

  • Die genannten Orte sind ja auch eher für touristische Zwecke vorhanden. Null Aufenthalts/ Lebensqualität. [...] Dasselbe wie immer seit Jahren: Stadt wird in erster Hinsicht für Touristen entworfen oder für Menschen ohne Nahversorgung. Das gilt es endlich zu ändern!

    Eine Metropole kann nicht nur aus Wohnkiezen bestehen bzw. Wohnkieze nicht alles aufnehmen. Zumal die Anwohner sich dann noch mehr über Clubs, Hausparties, Ferienwohnungen oder Saufgelage usw. usf. beschweren würden.


    Der Entertainment District ist primär ein Veranstaltungsort und wird als dieser nicht mal nur von Touristen genutzt. Auch Berliner gehen ins Kino, zum Bowling sowie auf Konzerte und Sportevents (oder im Winter Eislaufen und auf den Weihnachtsmarkt). Ein Einkaufszentrum gibt es auch vor Ort und jede Menge weitere Infrastruktur und sonstige Angebote im Umkreis (man LEBT ja nicht AUF dem Mercedes Platz und kann sich frei nach Gusto und Bedürfnis bewegen).


    Zum Thema Aufenthaltsqualität hatten wir ja schon kontrovers diskutiert. Ich unterstelle nach wie vor, dass gerade viele jüngere Menschen den vermeintlich sterilen Entertainment District mit der Systemgastro völlig ok finden und dafür eher die siffige/ patinierte Kiezkneipe entbehren können. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft und es gibt mE nicht DIE richtige oder falsche Kultur. So lange jeder seinen Platz findet...

  • ^^Ich kann deine Kritik auch nicht nachvollziehen. Zumal es gerade am MB Platz Nahversorgung in Form von zwei Supermärkten, Apotheke und allen notwendigen Geschäften des täglichen Bedarfs gibt. Mit den nun abschließenden Wohnbauten Pure, Max, Moritz und weiteren Hotels und Bürogebäude bin ich mir sicher das auch evtl. Haus- und Fachärzte mit einziehen werden. Wobei diese auch über die Warschauer Straße abgedeckt sind.


    Ich wüsste also nicht, warum dieser Kiez rein für Touristen interessant wäre. Ich würde sehr gerne in einem der Max/Moritz Türme leben. Abends mal eben um die Ecke ins Kino, ein EKZ direkt vor den Füßen, Entertainment und trotzdem ruhig - was will man denn mehr?

  • Am Potsdamer Platz wohnt halt auch niemand, bzw. sind dort im Verhältnis kaum Wohnungen zu finden. Wo kaum jemand wohnt, geht halt auch kaum jemand einkaufen oder shoppen, außer eben Touris. Und seit die Kinos weg sind, gibt es für Berliner eigtl. keinen aus der Lebenswirklichkeit ableitbaren Grund mehr den PP zu besuchen. Die Spielbank, das Adagio, mehr ist doch dort quasi nicht mehr zu finden und beides wird wohl nur eine Minderheit ansprechen. Ich glaube auch nicht, dass der Umbau der PP-Arkaden zu "mehr Luxus" den Platz wiederbeleben kann. Das Ding wird für kaufkräftige Touristen umgebaut, nicht um Berliner anzulocken. Der PP braucht entweder eine Wohnungsbauoffensive, am besten mit Wohn-Hochhäusern, die auch den HH-Cluster sinnvoll erweitern können, und/oder es braucht ein paar echte Highlights, die auch Berliner anziehen.


    All diese Probleme hat das Areal zwischen Ostbhf und Warschauer nicht. Hier hat man darauf geachtet, dass sowohl ein angemessener Teil Wohnungen gebaut werden, als auch, dass genügend Entertainment-Highlights für die Berliner bereitstehen. In diesem Sinne kann man hier eigtl. nicht von einer Fehlplanung sprechen. Man kann die Architektur ablehnen, aber das Gebiet funktioniert. Die für Berliner Verhältnisse enorm schnelle bauliche Entwicklung und entsprechende Bereitstellung von Investitionen bestätigt das.

  • Am Potsdamer Platz wohnt halt auch niemand...


    All diese Probleme hat das Areal zwischen Ostbhf und Warschauer nicht. Hier hat man darauf geachtet, dass sowohl ein angemessener Teil Wohnungen gebaut werden, als auch, dass genügend Entertainment-Highlights für die Berliner bereitstehen.

    Am Potsdamer Platz wohnt niemand? Gerade in den 90ern wurde darauf gedrungen, am Potsdamer Platz auch Wohnungen zu errichten. An die Forderung kann ich mich aus Presseberichten erinnern und es wurde auch umgesetzt. Für die damalige Zeit jedenfalls mehr Wohnraum als bei früheren Projekten. Insofern ist die Frage, was ein angemessener Anteil Wohnungen ist.

  • ^stimmt, auch am PP wohnen durchaus viele Menschen. Übrigens direkt am Sony Center aber auch umliegend z.B. wurde erst vor kurzem der "High Park" fertiggestellt mit 165 Wohnungen alleine.

  • Düsseldorf wird ja hier gerne mal als Musterbeispiel für deutsche"Provinzstadt" herangezogen, dabei zeigt gerade Düsseldorf, wie ich meine, wie zukunftsweisende Architektur die die Aufenthaltsqualität in der Stadt erhöht, funktioniert: Das hat schon vor langer Zeit mit dem Rheinufertunnel funktioniert, der den Rhein den Bürgern zurückbrachte, und ging erfolgreich mit dem Kö Bogen weiter.

    Nun ist man mit dem Kö Bogen II fast fertig:


    Die grünste Fassade Europas, ein Stückchen Singapur am Rhein:


    https://www.duesseldorf-touris…e-gruene-fassade-europas/