Neugestaltung Hardenbergplatz und Huthmacherhaus

  • ^ Ich habe mich da leider etwas unglücklich ausgedrückt. Ich wollte beschreiben was man mit einem NEUBAU anstatt des Bestanden städtebaulich "erhält" - ich habe mich nicht dafür ausgesprochen den BESTAND zu "erhalten".


    Das mit der Leipziger Straße sehe ich im Grunde nach genauso wie Du. Dennoch gibt es auch zahlreiche erhaltenswerte Gebäude der 50er.

  • Ich finde halt, dass der sperrige Riegel aus der Nachkriegszeiten jede sinnvolle Entwicklung verhindert. Was hätte man auf diesem Areal für tolle Sachen entwickeln können. Ich denke da z.B. an das Lenné-Dreieck. Im Lenné-Dreieck erheben sich zwei niedrige Hochhäuser (Ritz Charlton und Beisheim-Center), die einem wunderbaren Übergang zu den höheren, benachbarten Hochhäusern (DB-Tower und Kollhoff-Tower) bilden. Da hat man es vorbildhaft verstanden, einen Staffelung mit verschiedenen Höhen zu schaffen.


    So etwas, wie das Quartier am Lenné-Dreieck, hätte ich mir auch zwischen Zoo-Palast und Bahnhof Zoo gewünscht. Niedrige Hochhäuser, die sich aus einer Blockrandbebauung heraus erheben und einen Übergang schaffen zu den höheren Hochhäusern (Zoo-Fenster, UpperWest und ein eventuell geplanter Turm mit 150m + X).


    Ein aktuelles Beispiel eines Quartiers, das zu einer gelungenen Höhenstaffelung beiträgt, gibt es übrigens auch in Frankfurt. Ich denke da an das Maintor mit dem WINX.


    Solange am Hardenbergplatz diese olle Scheibe aus den 1950ern rumsteht, kann man jede sinnvolle Entwicklung an dieser Stelle vergessen. Was soll ein neues Hochhaus 150+X am Bahnhof Zoo bringen, wenn dieser sperrige Riegel jede Wirkung zunichte macht?

  • Solange am Hardenbergplatz diese olle Scheibe aus den 1950ern rumsteht

    ..nun, die Alternative wäre gewesen, diese "Scheibe" quasi höhemäßig zu verdoppeln. Allerdings in einer moderneren, weit eleganteren Ausführung.


    Das wäre zwar die bessere Entwicklung gewesen, aber eigtl. wenn man mal ehrlich ist, braucht es dort keine Scheibe, die diese Ecke "zu macht" weder in ~50m noch in ~100m. Stadtentwicklungsmäßig optimal wäre ein Abriß gewesen mitsamt einer Neuentwicklung, die den "Boulevard" am Zoo Palast vorbei zum Bikini führend, optisch öffnet, statt einen Riegel davor zu setzen, der sich sogar noch erdreistet, sich über den Bürgersteig hinaus zu schieben und zu allem Überdruß nun auch noch in seiner besonders abweisenden WDVS-Verkleidung zementiert werden soll, die ihm den Charme einer Raufasertapete verleiht, die in einem Raucherhaushalt hing.


    Solche absurd-konservationistischen Possen kenne ich eigtl. nur aus München. Eine Stadt, die sich nicht verändern will und vor Geld (Geld=Möglichkeiten) strotzt. In Berlin ist es umgekehrt, dachte ich immer. So sicher bin ich mir da nicht mehr. :(

  • Natürlich ist eine Hochhausscheibe städtebaulich immer etwas heikel. Sie ist aber für die Raumkonfiguration am Breidscheidplatz enorm wichtig.


    - Das Bikinihaus (einst mit Luftgeschoss im 1.OG) und der Zoopalast sind bewusst in pavillionartiger Bauweise entstanden, um den Breitscheidplatz räumlich mit dem Tiergarten/Zoo zu verzahnen. Das Hutmacherhaus (und auch das Schimmelpfenghaus) war die Flanke, die in den Tiergarten leitet.


    - Das Bikinihaus ist ein liegender Riegel, das Huthmacherhaus um 90° gedreht eine stehende Scheibe - also Komplementär-Baukörper.


    - Der Hardenbergplatz ist vor lauter Freiflächen räumlich nicht definiert. Diese Aufgabe übernimmt einzig das Huthmacherhaus mit der Längsseite zum Bahnhof.


    - Das Huthmacherhaus rahmt mit allen weiteren Scheiben (hoher Teil Schimmelpfenghaus & Europacenter) und Riegeln (niedriger Teil Schimmelpfenghaus & Bikinihaus) den Breitscheidplatz. Heute hätte sich formal gesehen ein Dreiklang aus 3 unterschiedlichen Hochhaustypen, die den Breitscheidplatz fassen ergeben können. Bei keinen anderen Hochhausstandort wird das wieder möglich sein.

    Wenn man das alles wieder mit der Leipziger Straße vergleicht, kann man dort nicht von Städtebau sprechen.

  • Sie ist aber für die Raumkonfiguration am Breidscheidplatz enorm wichtig.

    Sie war für die Raumkonfiguration am Breitscheidplatz wichtig.


    Die von dir genannten Überlegungen stammen aus einer Zeit, als das Zoofenster und das Upper West noch nicht gebaut waren. Durch die beiden genannten Hochhäuser hat der Breitscheidplatz mittlerweile eine vertikale Betonung erhalten, die deutlich in die Höhe strebt. Und auch das Huthmacherhaus sollte meiner Meinung nach mit Baukörpern ersetzt werden, die in die Höhe streben. Am Breitscheidplatz sollte es zukünftig in die Höhe gehen. Das ist mit dem Huthmacherhaus aber nicht zu machen, da dieses in die Breite strebt.

  • Ich habe mal eine kleine Visualisierung erstellt. Damit möchte ich zeigen, wie ich mir ein Hochhaus an der Stelle des Huthmacherhauses vorstelle.


    In weißer Farbe ist der Bestand dargestellt. Der flache Bau vorne rechts ist das Bikini-Haus. Links in der ersten Reihe sieht man das Upper West. Mittig in der ersten Reihe befindet sich das Zoofenster. Und rechts (in blau-grau) ein Neubau an der Stelle des Huthmacherhauses, wie ich es mir vorstelle. An der Stelle des Huthmacherhauses befindet sich keine Hochhaus-Scheibe mehr, sondern ein schlanker, aufstrebender Turm. Dennoch soll dieser schlanke Turm niedriger sein als Zoofenster und Upper West.

    In der zweiten Reihe, also hinter dem Upper West und Zoofenster, sind weitere Hochhäuser in blau-grauer Farbe dargestellt.


    Blick vom Europa-Center über den Breitscheidplatz:

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    Bild: Architektur-Fan, eigene Arbeit

    Grundlage: Google Maps



    Hier der Blick vom Zoologischen Garten aus auf die visionäre Skyline der City West. Vorne wieder das flache, langgestreckte Bikini-Haus. Am rechten Rand der Skyline befindet sich der Neubau des Huthmacherhauses.

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    Bild: Architektur-Fan, eigene Arbeit

    Grundlage: Google Maps



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    Bild: Architektur-Fan, eigene Arbeit

    Grundlage: Google Maps

  • Hier eine Ansicht aus höherer Perspektive. Der Neubau des Huthmacherhauses ganz rechts.

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    Bild: Architektur-Fan, eigene Arbeit

    Grundlage: Google Maps



    Hochhausschlucht in der Hardenbergstraße:

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    Das ist der Blick vom Hardenbergplatz (Bahnhof Zoo) aus:

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    Bild: Architektur-Fan, eigene Arbeit

    Grundlage: Google Maps



    Aus der Vogelperspektive:

    Am unteren Bildrand der Kurfürstendamm.

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    Bild: Architektur-Fan, eigene Arbeit

    Grundlage: Google Maps



    Aus der Vogelperspektive:

    Hochhäuser entlang der Kantstrasse. Rechts der Kudamm. Links die Hardenbergstraße mit Bahnhof Zoo

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    Bild: Architektur-Fan, eigene Arbeit

    Grundlage: Google Maps

  • ^ Es freut mich sehr, von dir ein solches Kompliment zu bekommen. Danke dir!


    Die Visualisierungen sind mit SketchUp erstellt. SketchUp ist vergleichweise einfach zu bedienen. Viel einfacher als Photoshop oder andere Programme.

  • Ich glaube, wenn wir hier schon einen schönen kleinen Cluster planen, sollten wir auch unbedingt (zum 2ten oder 3ten Mal) wieder die Aufstockung des Kantdreiecks ins Gespräch bringen. In der Hoffnung dass es sich jetzt rechnen wird.

    ps. Auch, hast Du meine alte Anmerkung, dass das Aschingerhaus gut und gerne doppelt bis dreimal so hoch hätte gebaut werden können, ziemlich anschaulich umgesetzt.

  • Das gekürzte Kant-Dreieck sah immer schon irgndwie falsch aus.
    Jetzt, wo deutlich höhere Gebäude in der Nähe stehen, wirkt es lächerlich.
    Ich bin für eine vedoppelnde Aufstockung!

  • Sehr gute Nachrichten gibt es vom Huthmacher-Haus: Nach einem Bericht des Tagesspiegels hat die Sanierung mittlerweile begonnen. Der Bauherr ist die Bayerische Hausbau, der Architekt ist Dionys Ottl vom Büro Hild und K Architektur. Vorgesehen ist eine Entkernung des denkmalgeschützten Gebäudes, das zu den wichtigsten Architekturikonen des alten West-Berlin gehört. Die Fassade soll aber erhalten und gereinigt werden. In der dritten Etage wurde schon eine testweise Entkernung durchgeführt. Die Bauarbeiten sollen im 1. Quartal 2023 abgeschlossen sein.

    https://leute.tagesspiegel.de/…-zwei-jahre-lang-saniert/

  • So gut ich die Sanierung grundsätzlich finde, so schade ist es, dass nicht der Ursprungszustand der 1950er Jahre wiederhergestellt wird.


    Vielleicht können mich die Denkmalschutzexperten hier aufklären:
    Laut https://www.berlin.de/landesde…j.php?obj_dok_nr=09040473 steht das Gebäude als Gesamtanlage mit dem Bikini-Haus und dem "kleinen Hochhaus" sowie dem Zoo-Palast unter Denkmalschutz.

    Warum jedoch in dem Fall der Umbau aus dem Jahr 1985? Dieser wird doch wohl kaum den unterstellten Charakter des Ensembles der Wiederaufbaujahre bestätigen, vielmehr eine ganz andere Epoche (und dann auch noch durch Zerstörung der Originalsubstanz) darstellen.

  • ^ Ja schade, dass nicht der Originalzustand von 1956 wiederhergestellt wird. Mit der Sichtbeton-Fassade hätte sich wahrscheinlich auch ein harmonisches Gesamtbild mit dem Zoopalast ergeben.

    Die Sarnierung wird dem Haus trotzdem gut tun.

  • < Beim Bikini-Haus hat man ebenfalls nicht den Original-Zustand wiederhergestellt. Das ursprüngliche Luftgeschoss, weswegen der Bau ja überhaupt den Namen 'Bikini' bekommen hat, wurde zugebaut. Somit ging die Originalität, der Namensbezug und die Eleganz der 50er verloren. Manchmal muss man sich wirklich fragen wozu man eine Behörde hat, die eigentlich genau darauf achten soll.

    Aber der Abriss des zum Ensemble gehörenden Schimmelpfennig-Hauses wurde ja auch durchgewunken. Eigentlich kann man die ursprûngliche Wirkung garnicht mehr nachvollziehen, Berlin macht sich mal wieder selbst was vor und übrig bleiben ruinierte Einzelbaukörper die in Nichts mehr an das ästhetische Original heranreichen.

  • Kein Originalzustand trotz Denkmalschutz? Vor dem "Kino International" darf aus Sichtachsenschutz kein Baum mehr stehen (Denkmalschutz-Behörde) sei dank, aber am Hutmacherhaus ist man nicht genau so streng? 🤔

  • So gut und richtig Denkmalschutz sein mag, es scheint innerhalb des Denkmalschutzes keine Prüfinstanz zu geben und das einmal gefällte Urteil ist bindend. Das ist umso erstaunlicher, als dass die Denkmalschutzbehörden (aus eigener Erfahrung) oft keinen Einblick in die Historie eines Bauwerks erlangen können, weil sie auf die Unterlagen des Bauherrn oder Eigentümers angewiesen sind. Zudem spielen sich untere und obere Denkmalschutzbehörde oft aus.

  • Ich denke, dass die Denkmalschutzbehörde den Eigentümer zu einer Rekonstruktion der 50er Jahre-Fassade verpflichten würde, wenn die Fassade ersetzt würde. Das Amt kann den Investor aber natürlich nicht zu einer neuen Fassade verpflichten. Daher bleibt die 80er-Jahre-Modernisierung als Bestand bestehen.

  • Ich finde es problematisch, wenn zurecht angeprangert wird, dass in den beiden Fällen eine deutlich originellere Gestaltung zugunsten von Stangenware verschwunden ist und dann für das Hutmacherhaus dasselbe gefordert wird.


    Die Lehre ist für mich, dass anspruchsvolle Gestaltung im Zweifel lieber erhalten werden sollte, also durchaus auch das Hutmacherhaus. Die Banalität, die bei einer Aufstockung herauskäme würde wohl keinen hier überzeugen.


    [mod]Der Beitrag bezieht sich hierauf. Das Huthmacherhaus wurde bisher in diesem Thread abgehandelt, daher wurden dieser und die folgenden Beiträge dazu hierhin verschoben.[/mod]