Neugestaltung Hardenbergplatz / Umbau Bahnhof Zoo

  • Kein anderes Jahrzehnt hat - sogar weltweit gesehen - mehr architektonische Grausamkeiten hervorgebracht als die 60er Jahre. Dass man sich nun einmal mehr ausgerechnet in diesem Jahrzehnt meint, bedienen zu müssen, zeigt schlicht die totale Verblendung in Architektenkreisen und das sehr verquere Denken.


    Man baut einmal mehr am natürlichen menschlichen Geschmack vorbei, der an dieser Stelle einen solchen neuen hohen Riegel nicht vorsieht. Es stellt sich daher die Frage, ob das Huthmacherhaus überhaupt einen Nachfolger braucht. Jedes neue Haus in ähnlicher Höhe wäre eine neue Riesenwand und würde wieder nur Abschottung zwischen Bikinihaus/Zoopalast und Bahnhof darstellen. Allenfalls die Vorkriegshöhe und dann auch nur in Nichtriegelform wäre unter Umständen noch akzeptabel (http://filmtheater.square7.ch/…fa_Palast_am_Zoo_1939.jpg).

  • ^ "am natürlichen menschlichen Geschmack" - sind Geschmäcker nicht natürlicherweise verschieden und wer entscheidet womit und wodurch welcher natürlich ist und welcher unnatürlich?
    Hat Theseus532 einen unnatürlichen Geschmack, weil ihm der Entwurf sehr gut gefällt?

  • Bingo! Hat ja nicht lang gedauert, bis man sich am natürlichen menschlichen Geschmack erhebt.


    Und: Ja, wenn ich aus dem Bahnhof trete und unmittelbar eine Riegelwand vor mir habe, fühle ich mich unwohler, als wenn ich keine Riegelwand vor mir habe. Und das wird definitiv nicht nur mir so gehen.

  • Bingo! Hat ja nicht lang gedauert, bis man sich am natürlichen menschlichen Geschmack erhebt.


    Ja, und? Was zeigt das? Ich habe ja selbst die Größe des Riegels kritisiert, aber ich würde mir niemals anmaßen, mein Eindruck spiegele den "natürlichen menschlichen Geschmack" wider. Sind denn Theseus, Jan & Co. denaturiert, wenn Sie es anders sehen als Du? Oder steht gar ihre Zugehörigkeit zur menschlichen Gattung in Frage? Argumentativ beruht Dein Beitrag auf einem "dogmatischen Fehschluss": Du erhebst Deinen Geschmack in den Stand des "natürlich menschlichen", woraus sich dann die "Widernatürlichkeit" des Entwurfs und die "Verblendung" der Architekten ableiten lassen – ohne, dass Du das noch weiter zu begründen brauchtest.


    Wobei ich übrigens nicht der Meinung bin, Schönheit liege allein im Auge des Betrachters. Die Sache ist nur einigermaßen kompliziert. Wenn man der These einer angeborenen Ästhetik folgen will (ich bin mir da unsicher), dann sollte man das nicht brachial tun, sondern in einer reflektierten, abwägenden Art und Weise, wie es Der Schüler hier vorführt.

  • Du kannst es drehen und wenden, wie Du willst, Stadtstrukturen und Gebäude, die in dieser Epoche entstanden sind, hatten nicht den Menschen im Blick, sondern in erster Linie das Auto und in zweiter Linie das Baumaterial. Der Mensch hatte allenfalls eine Nebenrolle, weswegen diese Bauepoche von der allergrößten Mehrheit der Menschen verabscheut wird.

  • ^ Das ist a) sehr verkürzt und b) ein völlig anderes Thema als "natürlicher Menschengeschmack". Und die Ausrichtung der Stadt aufs Auto wird leider keineswegs "von der allergrößten Mehrheit der Menschen" abgelehnt, sondern vehement verteidigt.

  • ^ Es wird nicht verteidigt weil es so toll ist, sondern weil es halt keine andere Möglichkeit gibt. Wenn man zu Fuß alles erreichen kann nutzt man auch kein Auto.


    Das Wort "Bausünde" wurde erst nach dem WWII existent weil in Deutschland dann Architekten sich ausleben konnten und ihre Visionen in den Städten im wahrsten Sinne des Wortes "zementiert" und ihre isolierten Solitäre umgesetzt haben!
    => Das hat als Ergebnis das man egal was man vorhat nun ins Auto steigen muss, bzw. das die Gebäude halt nichts mehr mit ihrer Umgebung zu tun haben.


    Nun ok, Fehler kann jeder mal machen aber schlimm ist, dass aus den Fehlern nicht gelernt wurde sondern jetzt wieder solche Blöcke gebaut werden.

  • ^ Bitte nicht alles durcheinander werfen: Scheibenhochhäuser wie das bestehende Huthmacherhaus und sein geplanter Nachfolger stammen als Bauform zwar aus derselben Zeit, in der auch die autogerechte Stadt Konjunktur hatte. Das heißt aber nicht, dass Bauform und Autogerechtigkeit ursächlich miteinander verbunden wären. Was würde es denn am Verkehrsaufkommen ändern, wenn statt einer Büro-Scheibe drei Büro-Türme entstünden? Nischt. Das Problem ist die Funktionstrennung, und die hat mit der konkreten Architektur wenig zu tun. (Für die Philosophiefreunde hier: In der Genese schon, in der Geltung nicht.)


    Aber um Autogerechtigkeit geht es hier auch gar nicht. Es geht um einen konkreten Entwurf, den man mögen kann oder nicht. Um seine Haltung zu begründen, braucht es Argumente. Dass er dem "natürlichen menschlichen Geschmack" widerspreche, ist aber kein Argument; dass nach 1945 der Begriff "Bausünde" eingeführt worden sei, ist auch keines. (In der Renaissance hielt man übrigens gotische Kathedralen für Bausünden, da Ausdruck finstersten Mittelalters. Aber das nur nebenbei zum Thema "natürlicher Geschmack"...)

  • Ich finde es leidlich absurd aus der City-West ein Westentaschen-Frankfurt machen zu wollen - das trägt doch das ganze Areal gar nicht und wird in der nächsten Büroflächenflaute wieder eine große Jammerei und man wird zurecht über die mangelnde Weitsicht der heutigen Zeit schimpfen.


    Alles ist allem ist das eine Modernisierung des Zustandes der 1960er Jahre. Die Funktionsmängel der Mononutzung und Nutzungstrennung werden damit nicht gelindert.

  • ^ Zuerst mal - Sprüche über vermeintliche Leerstände jedes Bürobaus (besonders mit Geschossigkeit) kommen für gewöhnlich aus der linken Ecke, die genauso Sprüche gegen jede Rekonstruktion parat hat - als ob sämtliche Bautätigkeit nur noch langweilige Flachbauten mit Sozialwohnungen bedeuten könnte. Nachdem ich so oft belege, dass in jeder größeren Stadt der Welt, besonders auch in Europa, Nachverdichtung u.a. mit Hochhäusern (im Idealfall an ÖV-Knoten) stattfindet, finde ich Assoziationen mit Frankfurt oder Manhattan enttäuschend - geht die ganze Mühe ins Leere? Die Erschliessung am Bahnhof Zoo ist nicht schlechter als am Alex und genauso sind dort Hochhäuser angesagt, die auch 90 Meter und darüber erreichen können.


    Gleich zum TH-Campus in der Gegend (City West) - die in einem der Threads verlinkte Visualisierung finde ich langweilig. Wenn auf dem Areal einige Hochhäuser geplant sind, was angeblich gegen die Bestrebungen der TH sein sollte - wieso sollte die Uni nicht selbst welche bauen? Die einst meine hat einige, meine erste Bauwesen-Fakultät war im 11-geschossigen Hochhaus untergebracht. Denkbar sind auch Hochhäuser mit Studentenwohnungen, etwa in Bochum soll am HBf ein mit 21 Geschossen, 67 Metern und 400 WE entstehen.


    Hat es Sinn, die Areale auf beiden Seiten der Bahngleise hier separat zu betrachten, wenn sie u.U. zusammen ein Hochhauscluster bilden könnten?


    Jetzt zum Entwurf dieses Turms - selbst wenn man eine Wiederaufwärmung der 1960er Jahre als Hommage schönreden möchte, sonst ist die Welt viel weiter, sieht man übrigens auch an den zwei Türmen in der Gegend. Mich stört hier genauso die uninspirierte Gestaltung der breiten Seiten wie auch die blinden Wände der Schmalseiten, die mit den großen runden Fenstern unzureichend kaschiert werden. Die Architekten sollten sich von den 1960gern ganz lösen, dann neu anfangen. Die Gastronomie samt Terrasse wäre übrigens besser ganz oben untergebracht und nicht irgendwo in der Mitte, auf Kosten der Proportionen beider Teile.

  • ^ Mit "Hommage" ist ja nicht die Schönheit der Handlung gemeint. Der Kontext war ja zudem ganz klar kritisch. Also kein Schönreden.
    Die Feststellung, dass man im Ausland vielerorts weiter ist, hatte ich ja auch angesprochen. Wobei das Zoofenster für mich kein zukunftsweisender Bau ist. Eher im Gegenteil.